Ursula Wöll

Vor 70 Jahren begannen die NS-Morde in Hadamar

Vor 70 Jahren, am 13. Januar 1941, steuerte der erste der berüchtigten grauen Busse mit den überstrichenen Scheiben Hadamar bei Limburg an. Er transportierte 30 Menschen, die man in der Durchgangsanstalt Eichberg zum Einsteigen gezwungen hatte. Oben auf dem Mönchberg angekommen, fuhr der Bus der »Gemeinnützigen Kranken-Transport-GmbH« direkt in die große Holzgarage. Die Frauen und Männer mussten a...

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Unten links

Thomas Edison soll gesagt haben: »Ich bin nicht gescheitert. Ich habe nur 10 000 Wege gefunden, die nicht funktionieren.« Zur Erinnerung: Neben einer Menge anderer sinnvoller Sachen erfand Edison die elektrische Kohlefadenglühlampe mit Schraubfassung, vulgo: Glühbirne. Eine Erfindung, ohne die nicht nur die künstliche Weihnachtsbaumbeleuchtung, sondern auch der Kommunismus undenkbar wäre. Denn, wi...

Ouattara: Gbagbo notfalls entführen

Im Machtkampf in der westafrikanischen Côte d'Ivoire haben die USA ihren Druck auf den abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo verstärkt und weitere Sanktionen verhängt.

Kapitalismus nicht Ende der Geschichte
Gesine Lötzsch

Kapitalismus nicht Ende der Geschichte

Die entscheidende Frage in diesem Jahr ist: Können wir sieben Wahlkämpfe erfolgreich bestreiten und gleichzeitig ein solides Parteiprogramm beschließen? Ja, aber nur, wenn wir viel selbstbewusster werden! Ich wurde gefragt, ob wir uns in diesem Superwahljahr in der Programmdiskussion nicht etwas zurückhalten sollten, um die Menschen nicht zu verschrecken. Nein, unsere Wählerinnen und Wähler sind überhaupt nicht schreckhaft. Im Gegenteil!Ist es nicht erstaunlich, dass DIE LINKE in den Umfragen s...

Frittenfett fürs Federvieh

Im Dioxinskandal kommen neue erschreckende Details ans Licht: Ein Labor fand schon im vergangenen März Dioxin im Futterfett der schleswig-holsteinischen Firma Harles und Jentzsch. Doch die Behörden wurden nicht informiert. Auch in neuen Proben wurden wieder viel zu hohe Dioxinwerte gefunden.

Frau Kiewning tanzt
Christina Matte

Frau Kiewning tanzt

Anita Kiewning ist Jahrgang 1935 und hat viel erlebt. Weil sie jungen Menschen davon berichten möchte, hat sie sich bei der Zeitzeugenbörse eintragen lassen. Ein weiterer Grund: Sie möchte immer noch etwas erleben. Das klappt recht gut, wie wir sehen werden.Die Berliner Zeitzeugenbörse, 1998 gegründet, vermittelt Gesprächspartner, die auskunftsfähig zu verschiedenen Themen sind. Anita Kiewning wird dort unter den Stichworten »Kriegskinder« und »Schule in der DDR« geführt. Denkbar wären auch die...

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Hot Spot Abyei

Abyei (IPS/ND). In der Region Abyei bahnt sich ein Konflikt zwischen den beiden dominierenden Volksgruppen an. So hat ein Vertreter des arabischen Nomadenvolkes der Misseriya der Bevölkerungsmehrheit der ethnischen Ngok-Dinka mit dem Ausbruch von Gewalt gedroht, sollte Abyei Südsudan zugeschlagen werden. »Falls die Dinka diese Entscheidung treffen – Abyei an den Süden anzuschließen – w...

»Öl ist eher ein stabilisierender Faktor«

»Öl ist eher ein stabilisierender Faktor«

Wolf-Christian Paes arbeitet beim Internationalen Konversionszentrum in Bonn (BICC). Das BICC arbeitet in Südsudan am Aufbau von Institutionen, die Frieden und Sicherheit stärken sollen. Paes ist Berater der Südsudanesischen Kommission für Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration (Southern Sudan DDR Commission, SSDDRC) in der südsudanesischen Hauptstadt Juba. Über die Risiken einer Sezession Südsudans für die Stabiliät des gesamten Landes sprach mit ihm Martin Ling.

ndPlusSébastien Dutruel/InfoSud, Juba

Abschied von Khartum

Am Sonntag entscheiden vier Millionen Südsudanesen über die Loslösung von Sudan. Damit würde ein halbes Jahrhundert Bürgerkrieg enden und der 54. Staat Afrikas entstehen. Doch im Innern Südsudans wachsen die Spannungen.

Aert van Riel

Die ganze Welt als Bibliothek

Es ist spät abends in Berlin-Wedding. Auf einer Parkbank liegt ein verwaistes Buch. Ein junger Mann nähert sich und steckt es schnell in seine Tasche. Noch heute, fünf Jahre später, leuchten seine Augen, wenn er von seinem Erlebnis erzählt. »Seitdem ich damals das dünne Büchlein von Dostojewski gefunden habe, hat mich das Jagdfieber nach versteckten Büchern gepackt«, erinnert er sich.Das Buch war kein Zufallsfund. Denn zurzeit kursieren weltweit mehrere Millionen Werke, die, nachdem sie gelesen...

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Harald Werner

Krise der LINKEN? Die Lage ist besser als die Stimmung

Am kommenden Montag laden Parteivorstand und Bundestagsfraktion der LINKEN wieder zum »Politischen Jahresauftakt« ins Berliner Congress Centrum. Beklagt wird von vielen, dass die LINKE immer noch nicht zu einem rationalen Umgang mit ihren offenen Fragen, zu einer vernünftigen Debattenkultur gefunden hat. Harald Werner analysiert die »Krise der LINKEN« als eine Wachstumskrise.

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Neues
Bernd Zeller

Neues

Das Jahr 2011 bedeutet vor allem im Straßenverkehr das Wirksamwerden neuer Regeln. Betroffen sind hauptsächlich Autofahrer, aber auch an Regeln für Radfahrer denkt die Regierung für den Rest ihrer Amtszeit, wobei sich für Radfahrer weder Länder noch Kommunen zuständig fühlen, und der Verband der Radfahrer mahnt, nicht alle Zweiradnutzer unter Generalverdacht der Willkür zu stellen. Wer 30 Jahre al...

Oliver Hilt, Saarbrücken

Zwischen Übergang und Neuanfang

Die FDP im Saarland wählt heute einen neuen Landesvorsitzenden – in der Hoffnung, damit ein langes Kapitel von Personalstreitigkeiten abschließen zu können.

ndPlusSusann Witt-Stahl, Hamburg

Vertauschte Rollen an der Alster

Das Aufeinandertreffen von Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) und Olaf Scholz (SPD) endete mit einem Punktsieg für den souveräneren Herausforderer. Die Herzen der Hanseaten erwärmen, konnten beide nicht.

Scheinwelten des Erfolgs
ndPlusMartin Koch

Scheinwelten des Erfolgs

Der tschechische Wirtschaftswissenschaftler Ota Šik, der nach dem Prager Frühling in die Schweiz emigriert war, erzählte seinen Studenten dort gern folgende Geschichte: In der Sowjetunion fehlte es (wieder) einmal an Schuhen. Denn die Arbeitsproduktivität in der Schuhindustrie war gering, und kaum jemand arbeitete mit viel Eifer, da die Löhne nicht vom Produktionsergebnis abhingen. Um die A...

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Gysi kritisiert Lötzsch

Berlin (dpa/ND). LINKE-Fraktionschef Gregor Gysi hat sich von den Kommunismus-Äußerungen der Parteivorsitzenden Gesine Lötzsch distanziert. »Wir können mit dem Begriff Kommunismus unsere Ziele nicht erklären«, sagte Gysi dem »Tagesspiegel« (Samstag). Lötzschs Formulierungen seien »missverständlich«. In einem Beitrag für die Zeitung »junge Welt« hatte Lötzsch unter anderem geschrieben: »Die Wege zu...

Es wird weiter vermittelt

Es wird weiter vermittelt

Eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern setzte nach gut zweiwöchiger Feiertagspause ihre Beratungen über einen Kompromiss zur Hartz-IV-Gesetzgebung fort. Bis zum Nachmittag zeichnete sich noch kein Ergebnis ab.

ndPlusHans-Gerd Öfinger, Wiesbaden

Jedes Jahr ein Paar rote Socken

Die Christdemokraten in Hessen haben es sich zur Aufgabe gemacht, alljährlich einen »Enthüllungsbericht« über die Linkspartei zu präsentieren.

Erwünscht ist, wen der Markt braucht
Harald Kretzschmar

Erwünscht ist, wen der Markt braucht

Schade drum. Schade, dass die gloriose Geschichte der Bundesrepublik Deutschland nun eine so wenig ruhmreiche Phase durchmachen muss. Triumphale Befriedigung wird plötzlich in Frage gestellt. Wer sich immer auf der Siegerstrecke dünkte, wird unsanft geweckt. Erst das schockierende Debakel diverser Ermittlungen zum Bildungsniveau. Und nun die frustrierende Erkenntnis über das Fehlen gut ausgebildet...

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Tote bei Protesten in Tansania

Arusha (AFP/ND). Beim gewaltsamen Vorgehen gegen eine Demonstration der Opposition haben die Sicherheitskräfte im ostafrikanischen Tansania mehrere Menschen getötet. Zwei Menschen seien bei den Protesten in der Stadt Arusha von Geschossen getroffen worden und später im Krankenhaus gestorben, sagte der Polizeichef der Region, Tobias Andengenye. Neun Menschen seien bei den Zusammenstößen verletzt wo...

USA wollen beim Militär sparen

Die USA sparen bei Rüstungs-Prestigeprojekten. Militärminister Gates verfolgt ein ehrgeiziges Abspeck-Programm. Auch das US-Militär könne nicht alles haben, lautet das Motto.

Budapest beruhigt Barroso

Im Streit über das neue ungarische Mediengesetz bemühen sich die ungarische Regierung und die EU-Kommission um Deeskalation.

Abkoppelung Ost
ndPlusHelmut Scholz

Abkoppelung Ost

Der 10. November 2010 war ein denkwürdiger Tag in Brüssel. An jenem Mittwoch legte EU-Kommissar Johannes Hahn den 5. Kohäsionsbericht vor. Hinter dem sperrigen Titel verbirg sich ein Papier, welches für viele Bürgerinnen und Bürger im Einzelnen zwar kaum zu durchschauen ist. Im Konkreten jedoch geht es darum, was für viele Menschen »Europa« ausmacht – um Geld aus EU-Töpfen, das für die regionale Entwicklung zur Verfügung steht. Oder auch nicht.

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Wochen-Chronik

6. Januar 1941: US-Präsident Franklin D. Roosevelt verkündet in einer Grundsatzrede vor dem Kongress die vier Freiheiten, die in einer Nachkriesgsordnung sakrosankt sein müssten: Meinungs- und Redefreiheit, Religionsfreiheit sowie die Freiheit von Not und Furcht. 11. Januar 1991: Ein Jahr nach der Erklärung der Unabhängigkeit des Baltikums von der UdSSR besetzen sowjetische Soldaten das Verteidigu...

ndPlusWilfried Krauss

Wilhelm, Rosa und Karl

Am 13. Juni 1926 weihte Wilhelm Pieck die Gedenkstätte für die Opfer der Novemberrevolution 1918/19 auf dem Friedhof in Berlin-Friedrichsfelde ein (Foto: ND-Archiv). Er hatte an Rosas und Karls Seite gestanden, bis in deren letzten Stunden. Der vor 135 Jahren, am 3. Januar 1876, in Guben als Sohn eines Kutschers geborene Friedrich Wilhelm Reinhold Pieck hatte das Tischlereihandwerk erlernt, trat d...

Max Böhnel, New York

Obamas neue Männer

Zur Mitte seiner Amtszeit versucht Präsident Barack Obama auch in der Personalpolitik, den Gewinnen der Republikaner bei den Kongresswahlen zu begegnen.

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Verfestigte Vorbehalte

Zwei Drittel der Franzosen und drei Viertel der Deutschen sind überzeugt, dass die Integration der Muslime in die Gesellschaft ihrer neuen Heimat gescheitert ist. Das ergab eine Umfrage, die das französische Institut IFOP im Auftrag der Zeitung »Le Monde« parallel in beiden Ländern durchgeführt hat.

Polens Kohlekumpel sind selbstbewusst
Detlef D. Pries

Polens Kohlekumpel sind selbstbewusst

95 Prozent des Stroms werden in Polen durch die Verbrennung von Stein- und Braunkohle gewonnen (in Deutschland sind es 40 Prozent). Einen schnellen Ausstieg aus der Kohleförderung hält der Gewerkschafter Waclaw Czerkawski ungeachtet der Debatten über Umweltschäden durch Kohleverbrennung für unmöglich.

Ohne Begriffsklarheit nur Gähnen

ND: Professor Peter Ruben, können Sie die Aufregung um die Kommunismus-Rede von Gesine Lötzsch verstehen? Ruben: Sehr gut. Wir leben in einer Situation der Restauration des persönlichen Privateigentums an den Produktionsmitteln, die eine Finanzkrise ziemlichen Ausmaßes hervorgebracht hat. Da ist es sehr angemessen, wenn öffentliches Fragen nach »Wegen zum Kommunismus« gemäß der Methode »Haltet den...

ndPlusGerhard Armanski

Für das Menschsein unverzichtbar

Seit uns Menschen fassbar sind, hegen sie Utopien. Das sind nach vorne gerichtete Entwürfe zum Besseren hin. Wir finden sie in den üppigen Frauenfiguren der Altsteinzeit, bei Isis und Osiris, Plato, Pythagoras, Augustinus, um nur einige zu nennen. Ein großer Teil der Weltliteratur enthält deutliche utopische Anteile. »Alles nämlich, was in der Zeit lebt, wandert in der Gegenwart, aus der Vergangen...

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99 Dosen Elchsuppe

Der österreichische Kabarettist Josef Hader erhält in diesem Jahr Deutschlands einzigen Satirepreis, den »Göttinger Elch«. Hader stehe im deutschsprachigen Kabarett einzigartig da, heißt es in der am Freitag veröffentlichten Begründung der Jury. Der »Göttinger Elch« wird seit 1997 für »ein Lebenswerk satirischer Provenienz« oder »eine satirische Multibegabung« verliehen. Die Auszeichnung ist hoch ...

Frauen in Akt-ion

Er hat mit Porträts, Akt- und Modeaufnahmen provoziert wie kaum ein anderer – jetzt sind Arbeiten des weltbekannten Fotografen Helmut Newton in der thüringischen Provinz zu sehen. Im Kunsthaus Apolda (Kreis Weimarer Land) wird heute eine Ausstellung des vor sieben Jahren gestorbenen Künstlers eröffnet. Gezeigt werden 75 Arbeiten aus fast 30 Jahren. Der als Helmut Neustädter 1920 in Berlin ge...

Sprung in den Ring!

Der Filmregisseur Wim Wenders und der russische Dirigent Kirill Petrenko könnten zum 200. Geburtstag Richard Wagners 2013 den »Ring des Nibelungen« in Bayreuth inszenieren. »Es ist richtig, Gespräche laufen, aber es sind noch keine Verträge abgeschlossen«, sagte Festspielsprecher Robert Emmerich am Freitag. Als Bühnenbildner sei Peter Papst im Gespräch, aber auch mit ihm sei noch nichts unter Dach...

ndPlusRené Heilig

Draußen vor der Tür

Eigentlich sollten Bulgarien und Rumänien schon im März grenzkontrollfreie EU-Mitgliedsstaaten, also Schengen-kompatibel sein. »Mehr Freiheit – mit Sicherheit«, so lautet das europäische Erweiterungsmotto. Doch das trifft nicht zu für die beiden »ehemaligen Ostblockstaaten«. Allein diese Herkunftskennzeichnung lässt den gebürtigen Westdemokraten erzittern. Deutschland und Frankreich fürchten...

ndPlusOlaf Standke

Wenn das Pentagon spart

Der Rotstift gehörte in den vergangenen Jahren nicht zum Marschgepäck des USA-Militärs. Zuletzt wurde der Pentagon-Etat 1998 gekürzt. Doch nun sollen angesichts eines gigantischen Haushaltsdefizits auch für die Krieger der Nation sparsame Zeiten anbrechen. Reduzierungen in Höhe von 78 Milliarden Dollar hat Verteidigungsminister Gates angekündigt. Das ist viel Holz, wenn man die rund 31,5 Milliarde...

Roland Etzel

Chinesen willkommen

Die Frostphase in den Beziehungen Chinas zu den Euroländern nach der von Peking als Demütigung empfundenen Friedensnobelpreis-Vergabe darf als beendet betrachtet werden. Der Deutschland-Besuch des chinesischen Vizepremiers mit Terminen bei Merkel und Wulff zeigt an: Peking außenwirtschaftlich weiter auf politischen Pragmatismus. Auch wenn hier das Reich der Mitte gelegentlich über Nacht zum Reich ...

Der Wächter
ndPlusDieter Hanisch

Der Wächter

Seit Tagen steht Peter Heyckendorf aus Hamburg mit einem Transparent vor dem Werktor von Harles und Jentzsch im schleswig-holsteinischen Uetersen. Der Futtermittelhersteller hat den Skandal um dioxinbelastetes Tierfutter ausgelöst – und der 63-jährige Heyckendorf will nicht zur stummen Mehrheit der Ohnmächtigen ehören. In gewisser Weise fühlt er sich auch persönlich betroffen – 2007 wu...

PLATTENBAU

Nur einem Zufall hat das meistverkaufte Weltmusik-Album aller Zeiten, der Buena Vista Social Club, seine Existenz zu verdanken. Weil zwei Musiker aus Mali ihre Pässe verloren, kam es zu den legandären Aufnahmen in Havanna. Vierzehn Jahre später erscheint mit »AfroCubism« das Album, welches damals eigentlich aufgenommen werden sollte – ein Album zwischen den beiden Kontinenten.»Es hat lange g...

Rabenschwarzes Jahr für Mieter?

Rabenschwarzes Jahr für Mieter?

ND: Schon vor Jahresende hatte der Mieterbund vor einem rabenschwarzen 2011 für die Mieter gewarnt. Jetzt kommen Experten und sprechen von immensen Nachzahlungen für die 2010-er Heizkosten. Wird also alles noch viel schlimmer als erwartet?Rips: Nein, die Nachzahlungen bei den Heizkosten haben wir erwartet. Zum einen waren die Wintermonate 2010, insbesondere der Januar und Dezember, spürbar kälter als in Vorjahren – vor allem aber sind die Energiepreise weiter gestiegen. Heizöl wurde 2010 um etw...

Hans-Dieter Schütt

Aufstieg der Heruntergekommenen

Es ist gleich wieder soweit: im Fernsehen Dschungelcamp-Zeit. Erinnerung daran, mit welch letzter Kraft Menschen um das wahre Empfinden von Anwesenheit kämpfen. Nur wer medial da ist, nur wer veröffentlicht wird, der lebt. Aufmerksamkeit, die ein Mensch verdient – es ist dies eine Maßeinheit der Nächstenliebe. Gewesen.Heute nämlich verdient man Aufmerksamkeit auf genau die Weise, wie man Gel...

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Hymnen der Guten

Der große Bürgerrechtler wachte auf und sagte, er habe soeben einen Engel singen hören, »Joan, bitte, noch ein Lied«. So Martin Luther King, an dessen Krankenbett Joan Baez gesungen hatte.Die Frau, die im November 1972 in Vietnam in den Bunkern von Hanoi hockte, in Angst und Solidarität, quasi unterm Bombenteppich ihrer US-amerikanischen Landsleute. Die Frau mit dem glasklaren Sopran, und wie ein ...

EU-Kommission zapfte erstmals Kapitalmarkt an

Berlin (dpa/ND). Die EU-Kommission hat erfolgreich die ersten fünf Milliarden Euro an den Finanzmärkten für die Irland-Hilfe aufgenommen. Das Interesse war groß: »Die Anleihe wurde drei Mal überzeichnet«, sagte die Sprecherin von Währungskommissar Joaquín Almunia am Mittwoch in Brüssel. Es habe nur eine Stunde gedauert, um die Anleihe unterzubringen. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre.Die EU-Finanzmi...

Facebook will Finanzen offenlegen

New York (dpa/ND). Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook nimmt Kurs Richtung Börse. Entweder, so zitierten US-Medien am späten Donnerstag aus Unterlagen für Investoren, wird Facebook im kommenden Jahr seine bislang geheimen Finanzen offenlegen. Oder das rasant wachsende Internetunternehmen wird direkt an die Börse gehen und sich damit für jeden Anleger öffnen.Facebook enthüllte seine Absichten i...

Hochtief, der Hebel von ACS
ndPlusRalf Streck, San Sebastian

Hochtief, der Hebel von ACS

Die Übernahme von Hochtief durch den spanischen Konkurrenten ACS wird immer wahrscheinlicher. Der greift gleichzeitig nach dem Energieversorger Iberdrola.

Hermannus Pfeiffer

Geplatzte Spekulationsblase

Erneuerbare Energien waren im vergangenen Jahr an den Börsen ein Flop. Während weltweit die Aktienkurse boomten, lief es für die »grüne« Industrie schlecht: Ihr Börsenindex Renixx notierte Silvester mit 530 Punkten um rund 30 Prozent niedriger als Ende 2009 – ein Signal für den Wandel in der Branche.

ndPlusAnita Wünschmann

Bildersuche in Krisenzeiten

Eine Gruppe von Männern mit nackten Oberkörpern bewegt sich auf dem Gemälde von Thomas Anshutz wie auf einer Theaterbühne. Der Amerikaner hat 1880 »Eisenarbeiter bei der Mittagspause« – so auch der Titel des großformatigen Bildes festgehalten. Seine Figuren, so scheint es, sind selbst in der Pause aktiv: Sie waschen sich, schleppen irgendetwas, raufen ein bisschen miteinander und warten in l...

Horst Nalewski

»Ach so, Sie sind aus der DDR?«

Als Motto seines Buches wählte Heinz Czechowski ein Paustowski-Zitat: »Aber selbst wenn ... der Mensch stirbt, ohne Paris gesehen zu haben, so hat er es sicherlich doch wenigstens in seinen Gedanken oder in seinen Träumen mehrmals besucht.« Dem Dichter Heinz Czechowski war »das Glück gewogen« gewesen, im Januar 1977, um eines Verlagsauftrags willen, für zehn Tage die Metropole besuchen zu dürfen. ...

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Keine schmutzigen Sachen

So kurz nach Jahresanfang soll nochmal ein Blick zurück auf das verflossene Jahr 2010 geworfen werden. Für die Internet-Suchmaschine Google war es ein nicht so gutes. Zum einen haben die EU-Wettbewerbshüter ein Verfahren gegen das Unternehmen eingeleitet, um untersuchen zu lassen, ob Google seine marktbeherrschende Stellung bei der Online-Suche missbraucht haben könnte, zum anderen hat Facebook En...

Schneller fernsehen

Um ihre Montagsmagazine nicht kürzen zu müssen, die im Zuge der Programmreform künftig dienstags laufen, ist die ARD auf eine kuriose Lösung verfallen: »Fakt« sowie »Report« aus Mainz und München sind künftig auf dem bisherigen Sendeplatz des Wirtschaftsmagazins »Plusminus« zu sehen. Dieser Sendeplatz hat aber nur eine Länge von 25 Minuten, während die Magazine 30 Minuten dauern. Was also tun? Die...

Wasser unterm Hammer

Wie existenziell das Element Wasser ist, wird uns erst klar, wenn es uns fehlt. Dass es keineswegs selbstverständlich ist, dass das Wasser strömt, wenn wir nur den Hahn aufdrehen, zeigt keineswegs nur das Beispiel »Dritte Welt«. Rhonda Dewsnepp wohnt in London im fünften Stock. Wenn Sie Wasser haben will, muss sie oftmals zu den Nachbarn in den darunter liegenden Etagen gehen. Die Wasserversorgung...

ndPlusAntje Schrupp

BLOGwoche: Abschied von Facebook

Es passiert immer mal wieder, aber jetzt zum Jahreswechsel ist es gleich zweimal passiert: Facebook-Freundinnen haben sich aus dem Netzwerk verabschiedet. Und ich bin darüber ein bisschen traurig. Ja, sie haben ihre Post- und E-Mail-Adressen hinterlassen, und ich könnte ihnen schreiben, aber derart war unsere Beziehung eigentlich nicht. Wir kannten uns nicht wirklich gut, sondern nur »aus dem Inte...

Wo man singt ...
Jürgen Amendt

Wo man singt ...

Es war in der Tat empörend, was Ende Dezember letzten Jahres in den Medien zu vernehmen war: Kindergärten sollen für das Singen von Kinderliedern künftig Gebühren an die Musikrechte-Gesellschaft GEMA zahlen. Immer dann, wenn für die Kinder Liedtexte kopiert werden oder sie öffentlich auftreten, würden die Kindertagesstätten künftig zur Kasse gebeten. So stand es auch im ND. Der »Berliner Kurier« t...

ndPlusGerhard Klas

Live-Auftritt als Hologramm

»Die Worte in diesem Buch sind für Menschen geschrieben, nicht für Computer«, eröffnet der Internet-Veteran Jaron Lanier sein Buch »Gadget – Warum die Zukunft uns noch braucht« (Suhrkamp Verlag 2010, 247 Seiten, 19,90 Euro). Lanier ist ein überzeugter Individualist und seine Biographie alles andere als geradlinig. Die High-School hat er ohne Abschluss abgebrochen und lehrt heute an mehreren ...

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Neureuther sucht Form

Einen Monat vor dem Start der Heim-WM in Garmisch-Partenkirchen hat Felix Neureuther noch nicht den richtigen Schwung gefunden. Der Skirennfahrer aus Partenkirchen kam am Donnerstag im Slalom von Zagreb beim Sieg von Andre Myhrer (Schweden) nur auf den 16. Rang. »Das war ein ganz komisches Rennen. Das muss man abhaken«, meinte Neureuther und blickte schon voraus auf die nächsten Weltcup-Rennen in ...

Gefangene der Nacht

Fledermäuse sind nachtaktiv, Vögel tagaktiv. Diese Regel trifft für nahezu alle Vertreter der beiden Wirbeltiergruppen zu. Nur warum? Vögel orientieren sich hauptsächlich mit ihrem Sehsinn und haben deshalb in der Dunkelheit der Nacht Schwierigkeiten, sich zurecht zu finden. Fledermäuse können sowohl sehen als auch Echos orten. Damit könnten sie also auch am Tag erfolgreich sein.Forscher des Leibn...

Keine Hilfe für den »Lutscher«

Petter Northug wird die Tour de Ski auch in diesem Jahr nicht gewinnen. Darüber sind sich die Experten einig. Und auch im Lager der Langläufer wird hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen. Zwar ist der Norweger in der Gesamtwertung als Dritter hinter dem Schweizer Dario Cologna und dem Schweden Marcus Hellner vor den letzten beiden Etappen in Val di Fiemme mit 1:50 Minuten Rückstand noch in R...

Martin Koch

Der Physiker als Biologe

Er war einer der einflussreichsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts: der Österreicher Erwin Schrödinger, der 1926 eine Gleichung aufstellte, die heute als die am meisten benutzte in der Physik gilt. Die »Schrödinger-Gleichung« beschreibt als Teil der Quantenmechanik das Verhalten atomarer Systeme und wurde bereits von ihrem Schöpfer zur exakten Berechnung der Energiestufen des Wasserstoffatoms...

Genetischer Über-Code?
ndPlusReinhard Renneberg, Hongkong

Genetischer Über-Code?

Die Bauern aus dem abgelegenen Överkalix (Nordschweden) hatten vor einem Jahrhundert ein extrem hartes, entbehrungsreiches Leben. Das ist in ihrem Fall durch Sterberegister und Statistiken landwirtschaftlicher Erträge und Lebensmittelpreise seit 1890 gut dokumentiert. Das erstaunliche Ergebnis der Analyse dieser Daten: Eine Hungersnot im Leben der männlichen Bewohner von Överkalix führte zu einer ...

ndPlusEric Dobias, dpa

Kleine Erfolge, große Hoffnung

Die gerupften DSV-Adler leckten im stillen Kämmerlein ihre Wunden, Triumphator Thomas Morgenstern hingegen reiste nach einer kleinen Party beschwingt zum Skiflug-Weltcup nach Harrachov weiter. Nach dem schlechtesten Abschneiden bei der Vierschanzentournee seit 19 Jahren verordnete Bundestrainer Werner Schuster seinen Schützlingen mit Ausnahme von Martin Schmitt und Michael Neumayer eine Auszeit, u...

Oliver Händler, Oberhof

Erfolge als Medizin für den Trainer

Andrea Henkel war noch nicht auf der langen Oberhofer Zielgeraden angekommen, da herzten sich die Mitglieder der Biathlonstaffel aus Belarus schon kräftig und schrien in die nächste Fernsehkamera. Der Gruß nach dem überraschenden dritten Platz ging jedoch nicht nach Hause, sondern nach Altenberg zu ihrem Trainer Klaus Siebert. Der Mann, der die Mannschaft aus Belarus wieder zurück an die Weltspitz...

Steffen Schmidt

Quantenmaschine und 1000-Dollar-Genom

Im Geburtsland der modernen Chemie ist schon das Wort »Chemie« heute vielfach ein Schimpfwort. Bei den Vereinten Nationen erwartet man ganz im Gegenteil von der Chemie noch Großes für die Lösung vieler aktueller Menschheitsprobleme vom Klima über Energieeffizienz bis hin zu neuen Medikamenten. Deshalb hat die UN das Jahr 2011 zum »Jahr der Chemie« ausgerufen. Sieht man sich an, was die beiden größ...

Seite 13

Halbherzig

Endlich kommt Bewegung in die S-Bahn-Krise. Der Bund ist aus seinem Winterschlaf erwacht und will die Deutsche Bahn, deren Eigentümer er ist, bewegen, den Berlinern neue S-Bahnen zu spendieren. Und die Bahn hat offenbar nach langem Zaudern erkannt, dass sie richtig Geld ausgeben muss, um das Desaster zu beheben. Denn neben der vernachlässigten Wartung gilt der technisch anfällige Wagenpark der S-B...

Wissen, punkten, gewinnen!

An vier Wochenenden hintereinander stellen wir jeweils drei Fragen. Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt. Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im ND gesammelt. Am Monatsende gewinnen die meisten Punkte; bei Gleichstand wird gelost. Lösungen der jeweiligen Wochenendrunde bis Donnerstag an: zeitgenuss@nd-online.de oder Fax: (0...

Mut zum Risiko
Carlos García Hernández, Schachlehrer

Mut zum Risiko

Magnus Carlsen (Norwegen; 20) war vor allem deshalb Weltranglistenerster, weil er kein Remisspieler ist, sondern aggressiv wie kaum ein anderer in der Elite. Er scheint immer bereit, hohes Risiko einzugehen und keine Angst vor Niederlagen zu haben. Dahinter steckt vor allem Selbstbewusstsein. Er weiß, dass er der Beste ist, woran auch eine Niederlage nichts ändert, und er glaubt an sich. Einen ech...

Tempo und Witz
Udo Bartsch

Tempo und Witz

Hier und da war Silvester ja wieder ein bisschen sehr alljährlich. Wer Feiern auf Kommando und aufgesetzte Heiterkeit nicht mag, sollte es das nächste Mal mit guten Freunden sowie richtig guten Spielen versuchen. Und von denen am besten jetzt schon mal welche ausprobieren.

Wowereit im Wintergriff

(ND-Herrmann). Ein wenig wie bei der S-Bahn ist es zu Jahresbeginn mit der Politik. Die braucht traditionell etwa eine Woche, bis sie ins Rollen kommt. Klaus Wowereit (SPD) versuchte gestern, aus dieser Not die Tugend eines politischen Jahresauftaktes im Roten Rathaus vor Journalisten zu machen.Dabei geriet der Regierende Bürgermeister in den Griff des Winters. Er selbst vermerkte »Déjà-vu-Erlebni...

Posthornschnecken im Anmarsch
ndPlusProf. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe

Posthornschnecken im Anmarsch

Noch ist es Winter und das Leben im Garten ist weitgehend erloschen. Die Vögel sind dank des Zuzugs von Wintergästen aus dem Norden allerdings weit zahlreicher als im Sommer, und die Aktivität der den Garten mitbenutzenden Katzen der Nachbarschaft ist kaum verringert. Von Mäusen und Spitzmäusen, die die harten Bedingungen von Kälte und Nahrungsmangel überstehen, bemerkt man kaum etwas. Denn sie be...

ndPlusBernd Kammer

Bund fordert neue S-Bahnen

Die S-Bahn soll eine neue Fahrzeugflotte bekommen. Das Bundesverkehrsministerium drängt die Deutsche Bahn (DB) zur Anschaffung neuer S-Bahn-Züge. Eine Entscheidung sei allerdings noch nicht gefallen, sagte gestern ein Ministeriumssprecher.Die Aufforderung zur Flottenerneuerung ist das Ergebnis eines Gesprächs, zu dem sich am Donnerstagabend der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Klaus-Di...

Venus glänzt am Morgen, Mars mit Abwesenheit
ndPlusHans-Ulrich Keller, dpa

Venus glänzt am Morgen, Mars mit Abwesenheit

Die erste von vier partiellen Sonnenfinsternissen ist bereits vorbei (4. Januar), und sie fand hierzulande leider oft hinter Wolken und Nebel statt. Nummer zwei, drei und vier sind in Mitteleuropa schon rein kosmisch nicht zu beobachten (1. Juni, 1. Juli, 25. November). Am 15. Juni und am 10. Dezember könnten wir allerdings schon mehr Glück haben, nämlich mit jeweils einer totalen Mondfinsternis.

Besinnung auf das Kollektiv
ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Besinnung auf das Kollektiv

Die brisante »K-Frage« wird derzeit von der LINKEN auf eine gerade bei ihr wenig überraschende Weise gelöst. Spitzen- und sonstige Genossinnen und Genossen setzen vor an- und auch abgeschalteten Mikrofonen auf Diskretion. Statt den Namen des oder der Spitzenkandidaten zur Wahl des Abgeordnetenhauses am 18. September zu verraten, verweisen sie bescheiden und bedacht ebenso auf die Kraft des Kollekt...

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Jüdisches Museum verzeichnet Besucherrekord

(epd). Das Jüdische Museum in Berlin hat im vergangenen Jahr einen neuen Besucherrekord verzeichnet. Danach haben 2010 mit 762 488 Gästen so viele wie nie zuvor das Haus besichtigt. Es seien 6813 mehr als im Jahr zuvor, teilte das Museum am Freitag in Berlin mit.Durchschnittlich hätten 2112 Gäste pro Tag das Ausstellungshaus besucht. Es habe damit auch seinen bisherigen Spitzenwert aus dem Jahr 20...

Märtyrer auf Leinwand
Tobias Riegel

Märtyrer auf Leinwand

Er hat sein spätes Werk nicht ausgestellt, war an Verkäufen nicht interessiert. Der Maler und Grafiker des Spätexpressionismus Ewald Christian Tergreve (1910-1971) hat sein Oeuvre zeitlebens unter Verschluss gehalten. Nun hat Renita Schnorr von der Galerie Am Rathaus, die den Verkauf des Nachlasses Tergreves verwaltet, drei besondere, bislang unveröffentlichte Schätze des Sandkuhl- und Hofer-Schül...

Antje Rößler

Eins zu Null für Mozart

Die internationale, urbane Schickeria gibt sich hier ein Stelldichein: die Herren mit Anzügen und markanten Hornbrillen, die Damen in adretten Minikleidchen. Knisternde Erotik ist nicht zu spüren. Stattdessen erhascht der Zuschauer regelmäßig Blicke auf weibliche Unterhöschen und erlebt eine derbe Kopulation zwischen Susanna und dem Grafen – aufgezeichnet durch eine Wanze im Blumenstrauß. In...

Finnlands Tor nach Europa weit offen
Robert B. Fishman

Finnlands Tor nach Europa weit offen

Rache ist süß, auch wenn sie erst nach 200 Jahren kommt. Turku war dem russischen Zaren, der 1809 die Herrschaft über Finnland von den Schweden übernahm, zu westlich, zu schwedisch und zu weit weg. Deshalb verlegte er 1812 den Regierungssitz seiner neuen Provinz nach Helsinki. 199 Jahre später hat Turku das Rückspiel gewonnen. Ein Jahr lang firmiert die ehemalige Hauptstadt der schwedischen Provinz Finnland als Europäische Kulturhauptstadt, die unter dem Motto »Kultur tut gut« viele in ihren Bann ziehen will.

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Scharfe Kontroverse in Bayerns SPD

Dingolfing (dpa/ND). Eskalation im Streit zwischen Jusos und SPD in Bayern: Drei führende Jungsozialisten aus Niederbayern haben am Freitag ihre SPD-Posten niedergelegt. Sie werfen dem SPD-Landesvorsitzenden Florian Pronold falsche politische Ansätze und zu wenig Führung vor.Die Politik der Bayern-SPD sei nur noch Show, teilte der ehemalige Chef der bayerischen Jusos, Thomas Asböck, nach einer Pre...

...und was wird draus?

...und was wird draus?

ND: Wer hatte die Idee zu der Kampagne »Mischen Sie mit«? Pohle: Für den Haushalt 2010/11 gab es eine Homepage der Stadtteilzentren. Nach einer Auswertung haben wir – Bezirksverordnete, Bezirksamt sowie Bürgerinnen und Bürger – während eines Workshops entschieden, für den nächsten Bezirkshaushalt die Homepage des Bezirksamtes zu nutzen. Seit wann genau gibt es diese Seite im Internet? ...

ndPlusWolfgang Runge, dpa

Der Trick mit der langen Leine

Bislang sammeln Deutschlands Muschelfischer junge Miesmuscheln von den Sandbänken, um sie auf gepachteten Kulturflächen wieder abzusetzen. Doch die Muschelbestände in der Nordsee schwanken. Deshalb suchen die Fischer jetzt neue Wege.

ndPlusHendrik Lasch, Dessau

Drängende Fragen im Fall Oury Jalloh

Am sechsten Jahrestag des Todes von Oury Jalloh ist in Dessau (Sachsen-Anhalt) an den im Polizeigewahrsam verbrannten Flüchtling erinnert worden. Das Gedenken stand im Zeichen des erneuten Prozesses gegen einen Polizisten, der am Mittwoch in Magdeburg beginnt.

Die Bürger mischen kräftig mit
Andreas Heinz

Die Bürger mischen kräftig mit

»Mischen Sie mit!« fordert der Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf seine Bürger auf. Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (LINKE) und ihr Team wollten auf einer Internetseite wissen, was die Bewohner bedrückt, ärgert, was sie verändern wollen. »Aber natürlich konnten die Bürgerinnen und Bürger ihre Vorschläge auch direkt bei den Stadtteilzentren einreichen, per Post an das Bezirksamt senden oder be...

Japan mit Familienanschluss
ndPlusKarsten-Thilo Raab

Japan mit Familienanschluss

»Yoku irasshaimasu!« – »Herzlich willkommen!« So empfängt mich Akito Uemura im »Land des Lächelns«. Der obligatorischen Verbeugung folgt eine völlig unjapanische Geste, das Händeschütteln. Hier im Schatten der mächtigen Burganlage von Kumamoto, einer Stadt mit 670 000 Menschen auf Japans südlichster Hauptinsel Kyushu, treffe ich meine Gastgeber zum ersten Mal in den Räumlichkeiten der Kumamo...

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FDP-Vorsitzender zieht sich zurück

Potsdam (dpa/ND). Der FDP-Landesvorsitzende Heinz Lanfermann will sich auf die Bundespolitik konzentrieren, um seiner Partei aus dem Umfragetief zu helfen. Er werde nicht mehr für das Amt des Landesvorsitzenden kandidieren, teilte Lanfermann am Freitag mit. Als seinen Nachfolger werde er Generalsekretär Gregor Beyer für die Wahl am 2. April 2011 vorschlagen. In einem Schreiben informierte Lanferma...

Tauwetter lässt Pegel steigen

Berlin (dpa/ND). Tauwetter und Regenfälle lassen viele Flüsse in Deutschland bedrohlich anschwellen, an Rhein und Mosel wird für das Wochenende die Überflutung von Wohngebieten erwartet. Angespannt ist die Lage auch an vielen Flüssen in Sachsen, Thüringen, Bayern und Hessen. An der Oder hat die deutsch-polnische Eisbrecherflotte ihren Einsatz auf dem zugefrorenen Fluss auch am Freitag fortgesetzt....

Es ist geschehen ... und wird weiter geschehen

Es ist geschehen ... und wird weiter geschehen

Es ist geschehn und es geschieht nach wie vor und wird weiter geschehen wenn nichts dagegen geschieht Die Unschuldigen wissen von nichts weil sie zu unschuldig sind und die Schuldigen wissen von nichts weil sie zu schuldig sind Die Armen merken es nicht weil sie zu arm sind und die Reichen merken es nicht weil sie zu reich sind Die Dummen zucken die Achseln weil sie zu dumm sind und die Klugen zuc...

ndPlusUlrike Hendan, dpa

Zeit für Opfer und traumatisierte Retter

Mehr als 380 Thüringer Notfallseelsorger leisten Hilfe, wenn Menschen ein schweres Trauma erleiden und den Halt zu verlieren drohen. Die Zahl der Helfer stieg zwar in den vergangenen Jahren, trotzdem werden mehr Freiwillige für diese Aufgabe gesucht.

Andreas Fritsche

Zügige Reaktion auf langsame S-Bahnen

Die Züge benötigen zwar weiterhin länger von der Berliner Innenstadt bis ins Umland und zurück. Aber bald sollen sich die Fahrgäste wenigstens auf die angegebenen Abfahrts- und Ankunftszeiten verlassen dürfen. Dann wüssten sie, ob sie die Anschlüsse erreichen. Die Berliner S-Bahn passt den Fahrplan an. Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) stimmt dem zu. Ihm bleibt nichts anderes übrig. Am Freit...

ndPlusSebastian Hennig, Dresden

Winter am großen Strom

Für Kleinstadtmuseen und Heimatstuben in Sachsen ist ab Ende November das Weihnachtsthema obligatorisch. Alle anderen Aspekte haben den Pyramiden, Adventskalendern und Räuchermännern zu weichen. Doch das Stadtmuseum Meißen hat mit der Schau »Winterfreuden« den Bogen weiter gespannt. Amateure wie professionelle Künstler waren dem Aufruf des Museums gefolgt und hatten Zeugnisse vergangener Winter zur Verfügung gestellt. Bereichert wird die Ausstellung durch historische Aufnahmen, Grafiken, Gemälde und Wintersportgeräte.

Imke Hendrich, dpa

Quicklebendige Kellerleiche

In diesen Tagen feiert die deutsche Kabarettszene ein Jubiläum. Denn am 18. Januar 1901, also vor fast genau 110 Jahren, erlebte das Kabarett in Deutschland seine Geburtsstunde. Das Mainzer Kabarettarchiv zeichnet seine Entwicklung nach.

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Warum schreien die nicht, bis da jemand rauskommt?

Warum schreien die nicht, bis da jemand rauskommt?

Schön ist das nicht. Genuss sieht anders aus. Edelmut der Kunst? Verfliegt in Ekel und Wut. Volker Lösch, 1963 in Worms geboren, hat in Dresden »Woyzeck« inszeniert, mit seiner Version von Hauptmanns »Webern« hat er des Dichters Erben zur Weißglut gebracht. Als er im Hamburger »Marat« eine Liste städtischer Millionäre vorlesen ließ, tobte die höhere politische Korrektheit – und blamierte sich. In Stuttgart brachte er »Dogville«, »Medea« und »Faust 21« auf die Bühne.

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Bürgerversicherung – Welches Konzept ist das richtige?

Bürgerversicherung – Welches Konzept ist das richtige?

Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat die Beiträge für die gesetzlichen Krankenversicherung auf 15,5 Prozent des monatlichen Bruttolohns angehoben. Damit steigt für Arbeitnehmer der Beitrag von 7,9 Prozent auf 8,2 Prozent. Gewerkschaften und Opposition sind gegen die Reform von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) Sturm gelaufen. Sie wollen die Neuregelung rückgängig machen und fordern die Einführung einer Bürgerversicherung. Doch die Konzepte der Opposition und Gewerkschaften unterscheiden sich zum Teil erheblich voneinander.