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Unten links

»In Reichtum und in Armut« würden sie sich lieben und ehren, versprachen William Windsor und Kate Middleton gestern vor dem Traualtar. Warum aber hat die jetzige Herzogin von Cambridge sich gleich drei Brautkleider nähen lassen? Ist das nüchternes Vorratsdenken? Befürchtet sie eine drohende Pleite des britischen Königshauses, die ihr im Falle einer Scheidung nicht so viel übrig lassen würde, dass ...

Jörg Meyer

1. Mai 2011: Tag der Unternehmerfreude

Der 1. Mai, Tag der Arbeit, steht in diesem Jahr unter besonderen Vorzeichen: Deutschland öffnet als einer der letzten EU-Mitgliedsstaaten seine Grenzen für Arbeitnehmer aus Osteuropa. Die Forderung nach dem gesetzlichen Mindestlohn wird nicht nur vor diesem Hintergrund lauter gestellt. Erstmals liegt nun auch eine Studie zu den fiskalischen Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohnes vor.

ndPlusFrank Bsirske

Demo für wirkungsvolle Antikrisenpolitik

Das Wachstum ist beeindruckend. 3,6 Prozent im Jahre 2010 und prognostizierte 2,8 Prozent für 2011 – die Krise scheint schneller überwunden, als in den kühnsten Träumen erhofft. Doch die schönen Träume von anhaltendem Wachstum könnten schnell auf dem harten Boden der Realität zerschellen.Die Konjunkturprogramme laufen aus. Auf den Finanzmärkten wird wieder munter spekuliert, diesmal mit den Schulden europäischer Länder, die sie aufnehmen mussten, um ihre maroden Kapitalmärkte vor dem Einsturz z...

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ndPlusTomasz Konicz

Quo vadis, Arbeiter?

Mit dem 1. Mai fallen die Beschränkungen der Arbeitnehmerfreizügigkeit für die osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten. Darüber, welches Ausmaß und welche Auswirkungen die Arbeitsmigration haben wird, besteht keine Klarheit. Doch selbst wenn etwa die maximalen Schätzungen des polnischen Arbeitgeberverbandes eintreffen sollten und tatsächlich an die 300 000 polnische Arbeitskräfte gen Westen aufbrechen, bildet dieser prognostizierte Migrationsschub nur einen Nachklang der gewaltigen Wanderungsbewegung, die bereits vor Jahren im Gefolge der EU-Osterweiterung einsetzte.

Wir brauchen Verträge, die Beschäftigte absichern

Wir brauchen Verträge, die Beschäftigte absichern

Am Sonntag öffnen Deutschland und Österreich ihren Arbeitsmarkt für Beschäftigte aus osteuropäischen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Um ein Sozialdumping und soziale Verwerfungen zu verhindern, fordern insbesondere Linke und Gewerkschaften den Abschluss von Tarifverträgen in allen Branchen und die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns.

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Gedämpfte Hoffnung auf »goldene Hände«
Hendrik Lasch, Bärenstein

Gedämpfte Hoffnung auf »goldene Hände«

Ab morgen dürfen Arbeitnehmer aus Ost- und Mitteleuropa ohne Beschränkungen in der Bundesrepublik arbeiten. Im Erzgebirge wäre man froh, wenn gut qualifizierte Tschechen kämen. Aber die Grenzöffnung erfolgt dafür zu spät.

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ndPlusJörg Meyer

Mehr Kohle für den Staat dank Mindestlohn

Die Friedrich­Ebert-Stiftung hat untersuchen lassen, was der allgemeine gesetzliche Mindestlohn aus fiskalischer Sicht bedeuten würde. Ergebnis: Mehreinnahmen für den Staat, und das nicht zu knapp. Gestern stellte der Autor, Volkswirtschaftler Oliver Ehrentraut, in Berlin die Studie vor.

Marcus Meier

LINKE-Gegner reiben sich die Hände

Nachdem am Mittwochabend durch eine Medienveröffentlichung offenbar wurde, dass auf der Webseite der Duisburger Linkspartei ein antisemitisches Flugblatt zum Download stand (ND berichtete), schlagen die Wellen weiterhin hoch. Gestern erstattete der Kreisvorstand Strafanzeige – notwendigerweise gegen Unbekannt.

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Reform beim Punkteregister?

Berlin (AFP/ND). In der schwarz-gelben Bundesregierung gibt es Pläne für eine Reform der Flensburger Verkehrssünderdatei. »Das Punktesystem soll einfacher, transparenter und verhältnismäßiger werden. Auch die Einstufung von Verkehrsdelikten werden wir praxisnah überprüfen«, sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) der »Bild«-Zei- tung vom Freitag. Der Auto-Club Europa (ACE) und Vertreter ...

FDP will Homburger stürzen

Berlin (dpa/ND). Die unter Druck geratene Birgit Homburger erwägt die Vertrauensfrage. Sie wolle mit der eigenen Führungsriege in Ruhe über einen Vorstoß ihres Stellvertreters Jürgen Koppelin beraten, nach dem Bundesparteitag (13. bis 15. Mai) eine vorgezogene Wahl des gesamten Vorstandes anzubieten, verlautete aus Homburgers Umfeld am Freitag in Berlin. Eigentlich steht die Wahl erst im Herbst an...

1 Mai: Proteste gegen Nazi-Demos geplant

Neonazis planen auch in diesem Jahr bundesweit Aufmärsche zum 1. Mai. Die Rechten haben diesmal das Thema Arbeitnehmerfreizügigkeit aufgegriffen und warnen wieder vor den »Fremdarbeitern«. Antifaschistische Gruppen und Gewerkschaften rufen zu Gegendemonstrationen auf.

ndPlusVelten Schäfer

Die Integrationslegende

Arbeitsministerin von der Leyen ist überzeugt von der Integrationskraft des »Bildungspakets«. Vor Ort läuft es weiter schleppend, grundlegende Fragen bleiben ungeklärt. Zugleich werden offenbar von den Arbeitsagenturen vorhandene Mittel für berufliche Integrationsmaßnahmen nicht ausgegeben, obwohl das Ministerium das angewiesen haben soll.

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Bus stürzte in den Nil – 22 Todesopfer

Kairo (dpa/ND). Im Nil sind am Freitag 22 Menschen ertrunken, als ein Bus von einer Fähre in den Fluss kippte. Die staatlichen ägyptischen Medien meldeten, nur vier Insassen des Busses hätten überlebt. Sie seien aus den Fenstern des sinkenden Fahrzeugs geklettert. Der Bus war ins Wasser gestürzt, als die Fähre den Anleger der Ortschaft Aschment in der Nähe von Beni Sueif erreichte und mit großer W...

Mit großer Sicherheit und dennoch schleierhaft

Die Schleppe des Brautkleids von Kate Middleton (l.) war mit 2,70 Meter fast fünf Meter kürzer als die von Diana Spencer vor knapp 30 Jahren. Irgendwo muss halt gespart werden. Schließlich galt es, nach Kates Trauung mit Prinz William am Freitag in London 1900 Gäste zu beköstigen. Wie der Hof mitteilte, zahlt die königliche Familie, mit einer Beteiligung der Middleton-Familie, »für alles, was dire...

Kämpfe im Grenzgebiet Libyen-Tunesien

Tunis/Tripolis (AFP/dpa/ND). Tunesien hat gegen die Kämpfe an einem libysch-tunesischen Grenzübergang protestiert. In einer Erklärung beklagte das Außenministerium eine »Verletzung der territorialen tunesischen Integrität«. In der Erklärung war zudem von »großer Besorgnis« angesichts der »gefährlichen militärischen Eskalation« bei der Ortschaft Wesen am Grenzübergang Dehiba die Rede. Die Sicherhei...

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Bereits 300 Tote in USA durch Tornados

Washington (dpa/ND). Die Serie verheerender Tornados hat im Süden der USA fast 300 Menschen in den Tod gerissen. Bis in die Nacht zum Freitag (Ortszeit) wurden mindestens 294 Leichen geborgen, wie der US-Sender CNN berichtete. US-Präsident Barack Obama wollte am Freitag in das Katastrophengebiet nach Tuscaloosa (Alabama) reisen. »Der Verlust an Menschenleben ist herzzerreißend«, sagte er im Weißen...

Karin Leukefeld

Keine Ruhe in Kurdistan

Die Medien der ganzen Welt berichten über die Konflikte in Libyen und Syrien. Weitgehend aus dem Blickfeld entschwunden ist dagegen der Schauplatz Irak. Aber auch dort gehen die Proteste gegen die Regierung weiter.

Werner Birnstiel

Auch der arme Bauer soll Rente beziehen

Flexibel wie Chinesen oft vorgehen, wird der »Tag der Arbeit« an drei Tagen gefeiert. Nicht mehr so üppig wie in der Vergangenheit eine ganze Woche, aber doch so, dass der Feiertag landesweit für möglichst viele Menschen spürbar ist. Gutes Essen hat in China ohnehin seinen traditionell sehr hohen Stellenwert, Trinken nicht weniger – der 1. Mai gibt da als Anlass für beides viel her.

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ND unterstützen

Liebe Leserinnen und Leser, die Existenz des ND hängt vom Verkauf unserer Zeitung ab, von Abonnements und Einzelkäufen am Kiosk. Wenn Sie es wichtig finden, dass ND als unabhängig linke, sozialistische Tageszeitung erhalten bleibt, bitten wir Sie um Mithilfe bei der Werbung neuer Leserinnen und Leser. Sie helfen damit, ND auch der nächsten Generation zu vererben. Sie können Neues Deutschla...

Blutgläubig

Der Reliquienkult, den das frühe Christentum von heidnischen Religionen übernahm, ist ein besonders bizarres Kapitel der Kirchengeschichte. Er ging einher mit dem Kult um die Heiligen. Diese waren die wichtigsten Lieferanten von Reliquien, namentlich solchen »erster Klasse«: Körperteile aller Art vom Kopf bis zum Zehennagel, vom Skelett bis zum Gehörknöchelchen. Da mit den teuren Teilen (von den F...

Ein Riegel wird geöffnet

Schluss zu machen mit der Abriegelung des Gaza-Streifens wenigstens an dessen Ägypten zugewandter Südwestseite – das war eine der wenigen Forderungen der Kairoer Demonstranten, die nicht unmittelbar mit ihrer eigenen Lage zu tun hatten. Im Gegensatz zu ihrem Präsidenten Mubarak war der Masse der Ägypter das traurige Schicksal ihrer Nachbarn in Palästina niemals gleichgültig. Sie betrachteten sie, ...

Profilsüchtig

Frohe Maibotschaft aus dem Berliner Willy-Brandt-Haus: Die SPD will sich stärker als Arbeitnehmer-Partei in Deutschland profilieren. Das, so beteuert Generalsekretärin Nahles, sei schließlich die Handschrift ihrer Partei. Ganz abgesehen davon, dass derlei Bekundungen zu den üblichen Ritualen im Vorfeld des 1. Mai gehören und inzwischen sogar von den Gewerkschaften mit eher vorsichtigem Beifall zur...

Wolf H. Wagner

Designiert

Vom scheidenden Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, stammt das Kompliment, Mario Draghi habe sich während der jüngsten Krise als »resistenter Manager« gezeigt. Der italienische Notenbankgouverneur, damit qua Amt auch Ratsmitglied der EZB, tritt nicht häufig öffentlich in Erscheinung, ist jedoch auch nicht um ein klares Wort zur rechten Zeit verlegen: So hielt er se...

Freie Presse als Verbrechen?

Freie Presse als Verbrechen?

ND: Ihr Kollege Joaquín Pérez wurde am vergangenen Samstag auf dem Simón-Bolívar-Flughafen bei Caracas festgenommen und zwei Tage später nach Kolumbien ausgeliefert. Was hat er verbrochen?Suárez: Bei dem Kollegen Pérez handelt es sich um einen ehemaligen Politiker der Linkspartei Unión Patriótica, die in den 1980er Jahren mit rund 5000 Todesopfern brutal zerschlagen wurde. Sein Delikt war es, vom schwedischen Exil aus die Nachrichtenseite Anncol zu leiten. Tatsächlich hat Kolumbiens Präsident ...

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Indien fliegt vielleicht auf Eurofighter

Delhi/Berlin (ND-Heilig). Bei der Milliardenausschreibung Indiens für 126 neue Kampfflugzeuge hat das Eurofighter-Konsortium von EADS Aufwind bekommen. Neben dem Jet, der in Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien gebaut wird, ist nur noch die französische Rafale, hergestellt von Dassault Aviation SA, im Rennen. Laut Verteidigungsministerium in Delhi sind die Konkurrenzmuster F/A-18 Super...

Daimler verdoppelte seinen Gewinn

Stuttgart (dpa/ND). Fulminanter Jahresstart für Daimler: Der Autokonzern hat trotz Millionenbelastungen wegen der Naturkatastrophe in Japan seinen Gewinn fast verdoppelt. Unter dem Strich standen nach den ersten drei Monaten 1,2 Milliarden Euro, während der Umsatz um 17 Prozent auf 24,7 Milliarden zulegte. »Wir haben im ersten Quartal ein hervorragendes Ergebnis erzielt«, sagte Daimler-Chef Dieter...

ndPlusHermannus Pfeiffer

Konzerne geben Gas – im Ausland

Der DAX hat einen neuen Jahreshöchststand erreicht. Der wichtigste deutsche Aktienindex stieg am Freitag bis auf knapp 7500 Punkte. Dahinter steht auch die zunehmende Internationalisierung der Wirtschaft.

ndPlusHendrik Lasch, Zwickau

Auf dem Weg zum Oldtimer-Dasein

Am 30. April 1991 rollte bei Sachsenring Zwickau der letzte Trabant vom Band. Heute fahren noch rund 30 000 »Pappen«. Autos werden in Zwickau weiterhin gebaut – von mehr als 40 000 Beschäftigten.

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Berliner Hoffnung auf Höhenflug
ndPlusJürgen Holz

Berliner Hoffnung auf Höhenflug

Nach dem unerwartet starken Auftritt im Play-off-Halbfinale wollen die Volleyballer des SCC Berlin »nun alles«, wie ihr australischer Trainer Mark Lebedew ankündigte. »Alles« – das heißt für den dreifachen deutschen Meister (1993, 2003, 2004) nach sieben titellosen Jahren endlich die deutsche Meisterschaft. Der Erfolg gegen Generali Unterhaching, immerhin dreifacher deutscher Pokalsieger in ...

Britta Körber, dpa

Gold in der Höhle des Löwen

Ingo Steuer hatte schon während der brillanten Kür Tränen in den Augen, küsste Aljona Sawtschenko dann überschwänglich und drückte Robin Szolkowy herzlich an sich. »Ich habe schon früher gesagt, in Russland zu gewinnen, ist das Größte. Wir haben heute in der Höhle des Löwen gesiegt, das ist einfach genial«, sagte der überglückliche Trainer, der nach einer glücklosen Olympiasaison die Chemnitzer zu...

Maximilian Haupt, dpa

Demonteur Finke hofft auf die Fans

Trainer: weg. Bilanz: schlecht. Stimmung: mies – vor dem Bundesliga-Derby gegen Bayer Leverkusen steht der 1. FC Köln unter Druck. Allen voran Sportdirektor Volker Finke, der als Interimstrainer mit der Elf Punkte für den Klassenerhalt sammeln muss. »Es ist nicht allzu schwer zu verdeutlichen, was verbessert werden muss. Es gibt viele Dinge, die man abstellen kann«, sagte Finke und demonstri...

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Strafe für NPD-Mann bestätigt

(ND). In einem Berufungsverfahren hat das Berliner Landgericht am Freitag die Verurteilung des früheren Berliner NPD-Landesvorsitzenden und Lichtenberger BVV-Verordneten Jörg Hähnel zu zehn Monaten Haft mit Bewährung bestätigt. Das Gericht erkannte in dem sogenannten Fünf-Punkte-Plan der NPD zur »Ausländerrückführung« den Strafbestand der Volksverhetzung. Hähnel sei für diese Schmähschrift verantw...

Klaus Joachim Herrmann

Feuer spucken

Wenn Clowns und Harlekins demonstrieren, dann tun sie das auf ihre Weise. Um Arbeit und Spaß zu retten, hatten sie am Dienstag Unter den Linden sogar einen Feuerspucker aufgeboten. Wenn das Schule macht ... * Bienen summen symbolisch gemeinhin für Fleiß und Eifer. Parlamentspräsident Walter Momper könnte es also als Ansporn für die Mitglieder des Hohen Hauses meinen, wenn er auf dessen Dach ...

CSU heizt Debatte zum 1. Mai kräftig an

(ND/Agenturen). Rund 6000 Polizisten werden am 1. Mai in Berlin im Einsatz sein. »Wir sind gut aufgestellt«, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf am Freitag. Mit dabei seien auch Kräfte aus anderen Bundesländern. In der Walpurgisnacht stehen rund 3000 Einsatzkräfte bereit. Zu befürchteten Krawallen sagte der Sprecher, die Polizei halte sich zurück, solange es friedlich bleibt. Gegen Gewalttäter ...

Ab Montag Pflegestreik an der Charité

(dpa). An diesem Montag beginnt an der Berliner Charité ein unbefristeter Pflegestreik. Auch Rettungsstellen, Intensivstationen und Ambulanzen seien ab 6 Uhr früh vom Arbeitskampf betroffen, kündigten die Gewerkschaften ver.di und dbb Tarifunion am Freitag an. Die Notfallversorgung sei aber sichergestellt. Für Patienten ohne Lebensgefahr könne es jedoch zu erheblichen Einschränkungen und Engpässen...

Mut im Alltag fängt im Kleinen an
ndPlusLea Sandberg

Mut im Alltag fängt im Kleinen an

Ein Platz irgendwo in der Stadt, die Sonne scheint, Fahrradfahrer sind unterwegs, auf einer Bank sitzen ein paar Jungs, ein Stück entfernt sind Oma und Enkel unterwegs und auf den Treppen sitzt ein Mädchen und liest. Vier Mädchen laufen zielstrebig auf die Lesende zu, beginnen zu pöbeln, schmeißen ihr Buch weg, verpassen ihr Kopfnüsse, beleidigen sie lautstark. An dieser Stelle kommt ein Schnitt, und die Frage: »Mischst Du Dich ein?«In drei Anderthalb-Minuten-Filmen zeigt das Projekt civilcoura...

»Er hat mich provoziert, da schlug ich zu«

»Er hat mich provoziert, da schlug ich zu«

Ein Fall von U-Bahn-Gewalt beschäftigt seit gestern die Berliner Justiz. Fünf Monate liegt das Geschehen zurück. So lange hat die Staatsanwaltschaft benötigt, um Einzelheiten der Tat aufzuklären. Die Videoaufzeichnungen vom U-Bahnhof hatten anfangs nicht zur Überführung der Täter geführt. Erst als sie bei anderen Straftaten auffielen, kam die Sache ins Rollen.Anders als bei dem Fall vom Ostersonna...

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ndPlusTobias Riegel

Pressestelle

Das Rechtssystem, wie wir es kennen und oft auch schätzen, hat sich herausgebildet in dem Wunsch, die zerstörerische Dynamik der einst herrschenden Blutrache zu ersetzen. Justitia hat es dabei noch immer schwer genug, ihre in Volkes Auge oftmals als träge und zu »lasch« empfundenen Entscheidungen zu rechtfertigen – und sich weit verbreiteter, archaischer Rachegelüste zu erwehren. Populistisc...

ndPlusUta Herrmann

Volksheld menschlich

»Zur Premiere des Films ›José Martí, el ojo del canario‹ (das Auge des Kanarienvogels) war ich nervös, weil dem Publikum eine sehr ungewöhnliche Seite Martís gezeigt wurde und ich die große Verantwortung hatte, ihn zu leben und zu fühlen«, erzählt der jugendliche Darsteller Daniel Ramero Pildain in einer kubanischen Schülerzeitschrift. »Als aber dann die Zuschauer zehn Minuten stehend und mit Trän...

Ralf Hutter

Vereinzelung im Äther

Zur Katastrophe von Tschernobyl war seit Fukushima viel in den Massenmedien zu finden, diese Woche auf Grund des Jahrestages noch einmal verstärkt. Auch im Berliner Lokalradio gab es dazu einiges zu hören – es fragte sich nur, wo.Bei den Öffentlich-Rechtlichen Sendern jedenfalls hätte man da mehr erwarten können. Und so mag es scheinen, als sei der beste Beitrag des Tages zu den verheerenden...

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Kirche weist Kritiker ab

Hamburg (epd/ND). Der Hamburger »Ketzerpastor« Paul Schulz (73) ist mit seinem Antrag auf Wiederaufnahme des Lehrzuchtverfahrens, das 1979 zu seiner Amtsenthebung führte, vorerst gescheitert. Schulz hatte vor 40 Jahren verkündet, dass es Gott, wie ihn die Bibel und die Amtskirche verkünden, so nicht gibt. Sein Antrag vom April 2010 sei unter anderem deswegen unzulässig, weil er nicht mehr Mitglied...

ndPlusDominik Clemens

Rechtsextreme ohne Raum

Zu einer Tagung mit dem Titel »Die europäischen Völker und ihre abendländische Kultur« hatte der extrem rechte »Akademiekreis« für diesen Sonnabend in ein Gasthaus in Euskirchen eingeladen. Nun hat der Gastwirt sein Haus in der Voreifel für die Veranstaltung gesperrt.

Ein Hauch von Paradies
ndPlusKlaus Teßmann

Ein Hauch von Paradies

»Die Gärten der Welt« in Marzahn-Hellersdorf sind seit Freitag um eine Anlage reicher – der Christliche Garten lädt zum Verweilen ein. Damit wird das Ensemble, das bisher durch die fernöstliche und morgenländische Kultur und Religion geprägt wurde, mit der abendländischen Kultur und Geschichte ergänzt.Der Christliche Garten soll nicht das streng klösterliche, in sich geschlossene Areal sein....

Hendrik Lasch

Streit ums Möhlauer »Dschungelcamp«

Das Flüchtlingsheim Möhlau (Sachsen-Anhalt) muss geschlossen werden, meint der Wittenberger Landrat von der LINKEN. Doch eine Mehrheit im Kreistag will das marode Lager nur aufhübschen. Die Verwaltung legte Widerspruch ein; in der kommenden Woche wird entschieden.

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Rheinpegel extrem niedrig

Koblenz (dpa/ND). Frachtschiffe fahren mit weniger Ladung, Ausflugsschiffe können nicht mehr alle Anleger ansteuern: Das Niedrigwasser im Rhein beeinträchtigt den Verkehr auf Europas größter Wasserstraße. Derzeit fließe nur maximal die Hälfte der durchschnittlichen Wassermenge den Rhein hinab, sagte ein Sprecher der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) am Donnerstag in Koblenz. Für den Pegel Kaub...

Gewerkschaft rügt Beurlaubung von Polizeichef

Cottbus (dpa). Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hält die Suspendierung des Leiters der Cottbuser Polizeiwache wegen Stasi-Tätigkeit für falsch. Diese Entscheidung von Innenminister Dietmar Woidke (SPD) sei mit dem Stasi-Unterlagengesetz nicht vereinbar, bestätigte der GdP-Landesvorsitzende Andreas Schuster am Freitag. Diesem Gesetz zufolge dürften seit 2006 nur noch Leiter von Behörden und vergl...

ndPlusAndreas Windpassinger, dpa

Die Lachtante vom Westpark

An der gesundheitsfördernden Wirkung des Lachens haben die Mediziner keinen Zweifel. Im Münchner Lachclub wird deshalb in der Gruppe gelacht.

Rainer Kreuzer, Hamburg

Sitzenbleiben wird abgeschafft – fast

Ab August erhalten in Hamburg Schüler mit Lernschwierigkeiten kostenfreie Nachhilfe. Die Wiederholung einer Jahrgangsstufe soll nur noch auf Antrag der Betroffenen möglich sein. GEW und LINKE kritisieren, dass der zusätzliche Nachhilfeunterricht durch private Anbieter gegeben werden soll. Das sei nichts anderes als eine weitere Privatisierung von Bildung.

Angekommen im »Alten Bahnhof«
ndPlusDirk Baas, epd

Angekommen im »Alten Bahnhof«

Seit Jahren bemühen sich viele Träger von Werkstätten für behinderte Menschen, ihre Mitarbeiter so zu qualifizieren und zu unterstützen, dass sie Jobs auf dem regulären Arbeitsmarkt finden, zum Beispiel über Außenarbeitsplätze bei gewerblichen Firmen. Eine andere Möglichkeit sind die sogenannten Integrationsbetriebe, von denen auch die Mühlhäuser Werkstätten in Thüringen einen gegründet haben. In der Herberge »Alter Bahnhof« arbeiten behinderte und nichtbehinderte Menschen.

Andreas Fritsche

Zum Bau der Panzerfaust gezwungen

Im KZ Buchenwald hatte Istvan Katona keinen Namen mehr. Er sei nur noch Nummer 87 654 gewesen, erinnert er sich. Der ungarische Jude überlebte das Außenlager in Schiebens Ortsteil Berga (Elbe-Elster). Er ist froh, dass es Menschen gibt, die in dem südbrandenburgischen Ort dafür sorgen wollen, dass diese Stätte des Schreckens nicht vergessen wird. Am heutigen Sonnabend um 10 Uhr eröffnet Finanzm...

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iga-ega-Buga-ega
ndPlusChristina Matte

iga-ega-Buga-ega

Eigentlich möchte Claus Heuvemann nicht mit dem Mann aus Bronze fotografiert werden. Es scheint ihm nicht passend. Der Mann aus Bronze steht hier bereits seit 50 Jahren, geschaffen hat ihn der Bildhauer Prof. Fritz Cremer. Als Dank an die »Erfurter Bevölkerung« für die von ihr auf dem iga-Gelände geleisteten »364 000 Stunden im Nationalen Aufbauwerk«. »Ich war damals nicht dabei«, wehrt Heuvemann bescheiden ab und hat damit natürlich Recht. Als die »1. Internationale Gartenausstellung der sozia...

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Treffpunkt für alle im Dorf
Ralf Streck

Treffpunkt für alle im Dorf

Im baskischen 2300-Seelen-Dorf Irurtzum gibt es das soziale Zentrum »Pikuxar« mit Kneipe, Küche und Räumen, in denen Veranstaltungen stattfinden, Feste organisiert und derzeit Proteste gegen die geplante Schnellzugtrasse vorbereitet werden.

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Besetzen, um zu mieten
ndPlusArndt Neumann

Besetzen, um zu mieten

Die Initiative »Lux und Konsorten« von Hamburger Kleingewerbetreibenden und Selbstständigen setzt sich für bezahlbare Gewerbemieten ein: »Vom Motorradschrauber bis zur Tischlerin, vom Bildungsträger bis zur Bürogemeinschaft haben wir Bedarf an kommunalen und spekulationsfreien Gewerberäumen, die Gestaltung und Mitbestimmung in der Stadt erst ermöglichen.«

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Royals
ndPlusBernd Zeller

Royals

Angesichts der Hochzeit im Vereinigten Königreich wird deutlich, welcher Vorteil darin besteht, eine funktionierende Monarchie zu haben. Auf die Hochzeit des Prinzen mit der künftigen Prinzessin blickt die königslose Welt voller Neid, denn nur die Briten können sich davon repräsentiert fühlen, alle anderen müssen selbst heiraten. Ein relevanter Teil von Befragten würde eine Monarchie in Deutsc...

Da muss man durchgreifen ...

Da muss man durchgreifen ...

Szene beim Ausflug mit dem Fahrrad: Eine kleine Steigung, zwei Frauen und eine Elfjährige mit Schutzhelmen kommen mir entgegen. Abgeschlagen hinter ihnen, mit einem kleinen, vom Weinen geröteten Gesicht, ein vielleicht Achtjähriger. Er schluchzt seinen Schmerz und seine Wut hinaus, dass die anderen nicht auf ihn warten und er nicht mithalten kann. »Da muss man durchgreifen!« sagt ungerührt die ein...

Nicht mehr Spiel und doch nicht Arbeit
Hendrik Lasch, Dresden

Nicht mehr Spiel und doch nicht Arbeit

Der ungarische Künstler Antal Lakner hat Fitnessgeräte entworfen. »Wallmaster 2« heißt eine der weiß-blauen Metallkonstruktionen. Sie steht in der aktuellen Ausstellung des Dresdner Hygiene-Museums, die sich unter dem Titel »Auf die Plätze!« mit dem Thema Sport befasst, neben dem »Herkules«, einem Respekt einflößenden Trainingsgerät, an dem DDR-Spitzensportler einst ihre Muskeln stählten. Der »Herkules« könnte mit seinen Stützen und Streben, den harten Bänken sowie Rollen und Seilzügen einer Fo...

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Versuchen wir es ...
Raul Zelik

Versuchen wir es ...

Der folgende Text sowie Zitate entnahmen wir mit freundlicher Genehmigung des Hamburger VSA-Verlages dem in der kommenden Woche erscheinenden neuen Buch des Politologen und Publizisten Raul Zelik (Jg. 1968) »Nach dem Kapitalismus? Perspektiven der Emanzipation oder: Das Projekt Communismus anders denken« (143 S., br., 12,80 €).

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ndPlusIrmtraud Gutschke

Die Erpressbaren

Laut dem »Engagement Index 2010», einer durch das US Beratungsunternehmen Gallup entwickelten Untersuchung, weisen 21 Prozent der 2000 befragten Arbeitnehmer keine emotionale Bindung an ihr Unternehmen auf. Sie verhalten sich am Arbeitsplatz destruktiv und demotiviert und schwächen somit die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Firma. Die große Mehrheit (66 %) weist eine geringe emotionale Bindung auf, leistet quasi nur »Dienst nach Vorschrift«. Durch die daraus resultierenden Produktivitätseinbußen entsteht nach Schätzung von Gallup ein volkswirtschaftlicher Schaden von rund 120 Milliarden Euro. 59 % der emotional ungebundenen Mitarbeiter stehen vor der »Inneren Kündigung«, bei den emotional hoch gebundenen Mitarbeitern sind es nur 7 % ... Die schwache bzw. nicht vorhandene emotionale Bindung führt bei den betroffenen Arbeitnehmern (28 %) zu höheren Fehlzeiten, was allein den Unternehmen Kosten von jährlich 3,7 Milliarden Euro beschert ... Gallup führt diese Ergebnisse in Deutschland hauptsächlich auf Defizite in der Personalführung zurück. Die Beschäftigen erhalten weniger Wertschätzung und Lob als gewünscht und können ihre Meinungen und Ideen nicht erfolgreich einbringen.

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WOCHEN-CHRONIK

1. Mai 1851: In London wird die erste Weltausstellung eröffnet, die vom Forschrittsglauben des Industriezeitalters zeugt. 1. Mai 1931: In New York weiht US-Präsident Herbert Hoover das von William F. Lamb entworfene Empire State Building ein. 1. Mai 1951: In München nimmt Radio Free Europe, ideologische Waffe im Kalten Krieg, seinen Betrieb auf. 5. Mai 1821: Nach über fünfjähriger Verbann...

ndPlusLutz Brangsch

Hans-Peter Krüger

Er zählte zu den profiliertesten Werttheoretikern der DDR. Mit seiner Promotions- und Habilitationsschrift (»Werte und Weltmarkt«, 1984) leistete er anknüpfend an Gunther Kohlmey fundierte Beiträge zur Entwicklung der Politischen Ökonomie in Marx' Sinne. Der Ansatzpunkt bei Hans-Peter Krüger, der am 26. April 60 Jahre alt geworden wäre, war ein ganz praktischer. Anfang der 80er Jahre stellte si...

Salus imperii, salus imperatorum
Ronald Sprafke

Salus imperii, salus imperatorum

Es waren ereignisreiche Jahre am Anfang des neuen, des vierten Jahrhunderts – Jahre zwischen Verfolgung und Tolerierung. Und beide Extreme waren mit einem Namen verbunden: Galerius.Das römische Imperium hatte gerade seine schwerste Krise überwunden. Seit 235 war die kaiserliche Zentralgewalt immer mehr geschwunden. Barbaren überrannten die Reichsgrenzen, Kaiser wechselten in Jahresfrist, die...

»Wir erwarten Antwort und Hilfe ...«
ndPlusNorbert Podewin

»Wir erwarten Antwort und Hilfe ...«

Die für den 3. Mai 1971 anberaumte 16. Tagung des SED-Zentralkomitees versprach vorab keinerlei Überraschung. Im Januar hatte das Gremium den Termin des VIII. SED-Parteitages für den 15./19. Juni 1971 bestimmt. Nun stand die Bestätigung des Berichts über den Zeitraum 1967 bis 1971 an, der den Delegierten im Sommer vorzulegen war. Er sollte das dort vorgesehene Hauptreferat des Ersten Sekretärs Walter Ulbricht faktenreich untersetzen. Doch dann kam alles anders.Die politische Sensation war schon...

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Antje Stiebitz

»Kommunistin in den besten Jahren«

Die italienische Tageszeitung »il manifesto« feiert ihren 40. Geburtstag. Am 28. April erschien sie, mit der Kopfzeile »Kommunistische Tageszeitung«, das erste Mal. »Eine Kommunistin in den besten Jahren!« freut sich der Deutschlandkorrespondent Guido Ambrosino, als er den Geburtstagsstrauß entgegennimmt. Denn im Berliner »tazcafé« wurde gefeiert und die Frage diskutiert: Wer braucht heute noch ei...

Die Mär vom Widerstand
ndPlusKlaus Bellin

Die Mär vom Widerstand

Sie war mit sich im Reinen. Sie reiste, sie schrieb, und wo sie auftrat, drängten sich die Leute. Ihre Bücher, fünf Millionen mal gedruckt, wurden gekauft, gelesen, bewundert, in West und Ost. Ihr Wort hatte Gewicht. Wie ihren Kollegen Heinrich Böll sah man die charismatische Luise Rinser nach 1945 als moralische Instanz, als Gewissen der Bundesrepublik. Sie stand an der Seite Willy Brandts, als e...

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Bitte, helft!

Zum ersten Mal hat der Schriftsteller Landolf Scherzer ein Hörbuch mit eigenen Texten besprochen: 70 Minuten Text aus seiner Reportage »Zwei Versuche, mich Tschernobyl zu nähern« (aus dem Buch »Letzte Helden«, Aufbau Verlag). Er möchte mit dem Erlös dieser CD strahlengeschädigten Kindern aus Tschernobyl helfen. Er unterstützt damit eine Aktion von SODI e. V., durch die schon 5000 strahlengeschädig...

Kabarett

Ein kölscher Gastwirtssohn vom Jahrgang 1927 kommt nach bitteren Kriegsjahren 1951 das erste Mal nach Berlin. Er stürzt sich an Ort und Stelle ins hoffnungsvolle Abenteuer, ein Kabarett »Schachbrettl« zu gründen, aus dem 1955 ein »Palastbrettl« und dann für sieben Jahre das Tournee-Ensemble »Berliner Brettl« wird. Zwischendurch mischt er bei den Gründungsmannschaften von »Frischer Wind« und »Diste...

PEN warnt vor Albtraum

Der PEN Deutschland und das unabhängige chinesische PEN-Zentrum haben angesichts der Verschleppung des Künstlers Ai Weiwei vor einer weiteren kulturellen Kooperation mit China gewarnt. Die Autorenverbände verzichteten aber in einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) darauf, für die Schließung der deutschen Ausstellung über die »Kunst der Aufklärung« in Peking zu plädieren. Dafür sei der PEN ni...

Luft und Wasser

Wenn schon Kaufhaus, dann Shakespeare. Wenn schon Shopping als Event, dann ihn: in jeder Etage mehr Angebot, als Nachfrage erzeugen kann. Oder erzeugen will. Denn Shakespeare ist das Haus für Selbsterkenntnisse, und Nachfrage lässt automatisch nach, wenn dem Nachfragenden die Gefahr der Selbsterkenntnis droht. Shakespeare bietet stärkste Selbsterkenntnis an: Knie dich noch so tief ins Leben, du kr...

PLATTENBAU
ndPlusDieter Hanisch

PLATTENBAU

Geht nicht, gibt's nicht! Wo andere schon längst aufgegeben hätten, da sprengen Hazmat Modine alle Tabus und Barrieren. Das Mini-Orchester aus New York legt drei Jahre nach seinem überschwenglich gelobten Debüt »Bahamut« jetzt mit »Cicada« ein Nachfolgealbum vor, das dem Erstling in nichts nachsteht. Das Ensemble um Bandleader Wade Schuman existiert seit 1998, hat aber erst 2006 seinen ersten Tont...

Schwarze Beeren tränen traurig
ndPlusHans-Dieter Schütt

Schwarze Beeren tränen traurig

Peter Huchels Dichtung ist Entzifferung. Die formale Spannweite seiner Verskunst bezieht daraus ihre innere Einheit. Im Herzen ist ihm aufgeschlagen das Buch der Natur, früh prägt ihn Traurigkeit, jener besagten Entzifferung nicht wirklich das treffende Wort geben zu können – »unter der blanken Hacke des Monds/ werde ich sterben,/ ohne das Alphabet der Blitze/ gelernt zu haben«. Es redet e...

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DOKfilm: »... und die Sonne ward schwarz«

»Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd, und der darauf saß, dessen Name war Tod!« Es ist schwerer Stoff, den der Regisseur Herbert Fritsch den Zuschauern 21 Minuten lang zumutet. 100 Kinder schreien, nein, bellen die fragmentierten Sätze aus der Offenbarung des Johannes heraus. Fritsch hat daraus ein beeindruckendes Werk über eine der ältesten Horrorgeschichten der Welt gemacht. »Apokalypse« en...

OUT of SPACE: Geschmackloser TV-Humor

Die durchschnittliche »Spaßbremse« in Deutschlands Wohnzimmern ist über 70 Jahre alt und weiblich. So könnte man jedenfalls die Ergebnisse eine Umfrage interpretieren, die ein Marktforschungsinstitut im Auftrag der – gerade in der genannten Bevölkerungsgruppe – beliebten »Apotheken Umschau« durchgeführt hat. Demnach finden 63,3 Prozent der Frauen und 72,4 Prozent der über 70-Jährigen das, was heut...

ndPlusRobin Meyer-Lucht

BLOGwoche: Medienkompetenz

Vor wem sollten sich Facebook-Nutzer fürchten, wenn es um die unrechtmäßige Veröffentlichung ihrer Partyfotos geht? Na, vor der Bild-Zeitung, höhnte vor wenigen Tagen der Medienjournalist Stefan Niggemeier auf einer Diskussionsveranstaltung. Neben Niggemeier auf dem Podium saß Axel-Springer-Vertreter Dietrich von Klaeden, der abstritt, dass sein Verlag Facebook-Fotos ohne Rechtsgrundlage verwen...

Zurück in die Urzeit
Marcus Meier

Zurück in die Urzeit

»Herzlich willkommen im Internet«, grüßt Oskar Lafontaine. »Schauen Sie doch mal rein«, lockt der Saarländer. Und: »Sie finden bei uns die Originaltexte, über die in anderen Medien spekuliert wird.« Man werde schon sehen: Hier, mitten im World Wide Web, stelle sich »eine moderne, offene, technologiefreundliche Partei« vor. Nur Layout und Inhalte wirken ein wenig altbacken: Wenig Bilder. Unübersich...

ndPlusJörg Becker

Weder NGO noch kritisch

In all der tagtäglichen Plackerei mit unglaubwürdig gewordener Politik, in der die Wahl zwischen Staat und privatem Unternehmertum einer Wahl zwischen Skylla und Charybdis gleicht, kommt die Zivilgesellschaft als deus ex machina daher. Wie der Heilige-Gott-Sei-Bei-Uns ragt da die stolze Nichtregierungsorganisation ihr Haupt aus dem dreckigen Polit-Schlamm und ruft dem Citoyen zu: Nehmt mich! Ich e...

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Pkw-Maut oder Steuererhöhung – wie sollte die Verkehrsinfrastruktur finanziert werden?

Pkw-Maut oder Steuererhöhung – wie sollte die Verkehrsinfrastruktur finanziert werden?

Seit geraumer Zeit wird erneut die Einführung einer Pkw-Maut in Deutschland diskutiert. Medienberichten zufolge existiert im CSU-geführten Bundesverkehrsministeriums ein Papier, in dem mehrere Maut-Varianten durchgerechnet werden. Darin ist von vier möglichen Vignetten-Modellen die Rede. Im Härtefall käme auf die Autofahrer eine jährliche Maut von 365 Euro zu. Gleichzeitig würde die Kfz-Steuer abgeschafft, heisst es weiter. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat jedoch ein Machtwort gesprochen und die Pkw-Maut vorerst ausgeschlossen.

Seite 28
Härtetest für riesige Rotorblätter

Härtetest für riesige Rotorblätter

Windenergieanlagen werden immer größer – sie könnten schon bald einen Rotordurchmesser von 180 Metern erreichen. Um solch riesige Rotorblätter auf ihre Belastbarkeit zu prüfen, wird im Juni am Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) in Bremerhaven ein Teststand für Blätter von bis zu 90 Metern Länge eröffnet. Schon heute sind die Rotorblätter der weltgrößten Anlagen ...

ndPlusMartin Koch

Wirbel um Higgs-Teilchen

Seit letzter Woche ist der Large Hadron Collider (LHC) des Europäischen Kernforschungszentrums CERN bei Genf nicht nur der größte Teilchenbeschleuniger der Welt, sondern auch der mit der höchsten Intensität des Strahls: Pro Quadratzentimeter und Sekunde werden darin 4,67 mal 10 hoch 32 Protonen beschleunigt. Damit haben die CERN-Forscher den bisherigen Rekord des US-Beschleunigers Tevatron am Ferm...

Stumpfe Wunderwaffe (2)
Reinhard Renneberg, Hongkong

Stumpfe Wunderwaffe (2)

Antibiotika-Resistenzen und ihre Ursachen waren unser Thema in Teil 1. Im Cook County Hospital (Chicago) fand man unter 1400 Patienten 188, die mit resistenten bakteriellen Keimen infiziert waren, 12 davon starben. Vor allem Kinder, Alte und durch starke Medikamentgaben geschwächte Patienten (z. B. bei Krebs und Aids) sind bedroht. Die US-amerikanische »Alliance for the Prudent Use of Antibiotics«...

ndPlusDierk Jensen

Aus dem Meer auf den Acker

Der Pflanzenschutz ist eines der zentralen Zukunftsthemen im Ackerbau. Neben der klassischen Chemie gibt es derzeit interessante biotechnologische Forschungsansätze, die mit neuen Wirkstoffen und neuen Präparaten in Zukunft für gesunde Kulturen auf dem Acker sorgen sollen.Antje Labes sucht nicht im Giftschrank der klassischen Chemie, sondern unter dem Meeresspiegel nach neuen Lösungen für den Pfla...

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Carlos García Hernández, Schachlehrer

Feuerwerk der Intuitionen

Die chinesische Meisterschaft 2011 wurde bei den Männern von Ding Liren (18) und bei den Frauen von Zhang Xiaowen (21) gewonnen. Die Partie, die wir heute vorstellen, gehört indes nicht zu den Gewinnern. Vielmehr verweisen wir auf das Männerspiel zwischen Zhao Jun (24) und Xiu Deshun (22). Diese Partie war nicht nur die schönste der Veranstaltung, sondern ist zudem eine, die Geschichte machen wird...

Wissen, punkten, gewinnen!

An vier Wochenenden stellen wir jeweils drei Fragen. Sie beziehen sich auf historische Daten der Folgewoche. Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt. Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im ND gesammelt. Am Monatsende gewinnen die meisten Punkte; bei Gleichstand wird gelost. Lösungen der jeweiligen Wochenendrunde bis D...

Das Ei wird im Flug untergeschoben
ndPlusDr. Ulrich Sedlag, Zoologe

Das Ei wird im Flug untergeschoben

Sie erinnern mit ihrer oft bunten Färbung und durch ihren Blütenbesuch an Schwebfliegen, lassen sich aber wegen ihrer dicken Köpfe mit den große Augen unschwer von diesen unterscheiden. Die Artenzahl der Dickkopffliegen ist relativ geringer, und so sind sie im Garten weit weniger häufig zu beobachten. Ich lernte sie als unnahbare Tiere kennen, und meine Versuche, sie zu fotografieren, hatten zunäc...

Emslandtour, Wanderrucksack, Eva Strittmatter

Emslandtour, Wanderrucksack, Eva Strittmatter

Die Preisträger des ND-Gewinnspiels im Monat April stehen fest. Auf den 1. Platz rätselte sich diesmal Uwe Unruh, 17489 Greifswald. Er kam auf 37,5 von 40 möglichen Wertungspunkten. Da das auch noch acht weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer schafften, ermittelte gemäß unserer Ausschreibung außerhalb des Rechtsweges die Losfee den Sieger. Herr Unruh kann sich nun für zwei Personen eine Drei-Tage-...

Es schnuppt heftig weiter
ndPlusHans-Ulrich Keller

Es schnuppt heftig weiter

Im Mai beherrscht Saturn die erste Nachthälfte. Mit Einbruch der spät einsetzenden Dunkelheit steht er schon hoch im Südosten. Der ringgeschmückte Planet wandert rückläufig durch die Jungfrau und steuert auf den Jungfraustern Porrima zu. An ihm kann man gut die langsame Bewegung von Saturn im Laufe des Monats studieren. Vom Morgenhimmel zieht sich Saturn allmählich zurück.In der ersten Maihälfte k...

Seite 30
Doppelter Absturz des tapferen Schneiderleins
Andreas Steidel

Doppelter Absturz des tapferen Schneiderleins

Den Ulmern stank es gewaltig, dass sie nun württembergisch waren. 1810 hatten sie nach einem Gebietstausch ihre Zugehörigkeit zu Bayern verloren, die Rolle als Provinzhauptstadt eingebüßt und obendrein noch die Stadtteile südlich der Donau abgeben müssen. Aber man würde es diesem neuen König schon zeigen. Und so kam es gerade recht, dass die Stadt seit kurzem eine echte Sensation zu bieten hatte: ...

Seite 31
ndPlusHeidi Diehl

Eintrittskarten jetzt sichern

Kinder, wie die Zeit vergeht. Vier Wochen ist es schon wieder her, dass wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, aufriefen, uns Ihre Geschichte zum Thema »Leben in vollen Zügen« zu schicken. Das Echo war wie erwartet – die Geister, die ich rief ... Die Geschichten sind so unterschiedlich, immer wieder überraschen Sie uns. Nur eine Facette fehlt, und ich gebe zu, dass ich anfangs befürchtet hatte, dass...

Mein Leben in vollen Zügen – im Eiltempo

»Leben in vollen Zügen« – Wer hat sich bloß dieses Thema ausgedacht? Wo kann ich denn da etwas abschreiben? Da werde ich mir wohl oder übel selbst etwas einfallen lassen müssen. Aber das dürfte ja nicht allzu schwer sein, denn am Anfang steht schon ein Leben in vollen Zügen. Bekanntlich kommt der Mensch doch als Trinker zur Welt. Ohne Mutterbrust oder Flasche würde niemand auch nur ein Lebensja...

Logenplatz an der schönsten Bühne
ndPlusHeidi Diehl

Logenplatz an der schönsten Bühne

Man setze sich in eines der vielen Cafés rund um den Rynek Glówny, den 700 Jahre alten Hauptmarkt von Krakow, halte Augen und Ohren offen, und schon ist man mittendrin in dem spektakulären Stück: »Was für eine Stadt!« Die Bühne – der größte mittelalterliche Platz Europas – misst 200 mal 200 Meter und ist umsäumt von prächtigen Gebäuden der unterschiedlichsten Baustile aus mehreren Jahrhunderten. F...

Seite 32

Rasch Hour

Rush Hour. Ja, rasch. Schnell jedoch wäre nicht rasch genug. Die Menschen auf dieser Straße: von fotografischer Technik ins Verwischte getrieben; die Kamera fertigt quasi mit einem Riss-Schwenk ein Bild moderner Existenz ein.Man betrachte sich, an beliebiger städtischer Stelle, die Symptome. Diese schreckhaft aufgerissenen Augen. Diese gehetzten Gesichter. Dieses Luftschnappen. Manchmal so ganz un...