Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Seite 1

Unten links

Seit Ronald Pofallas jüngster Fresseerklärung halten selbst Parteifreunde Abstand. Eine fatale Reaktion auf eine Äußerung, die ein Hilfeschrei war. Denn was sagt uns der Satz »Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen«? Dass der Kanzleramtsminister den CDU-Kollegen Wolfgang Bosbach nicht mehr sehen kann. KANN! Nicht: WILL. Ein solcher plötzlicher Sehkraftverlust wird bereits im Neuen Testament erwähn...

Sphinx Militärrat

Der Militärrat selbst hat die Einsetzung einer Untersuchungskommission angewiesen, um herausfinden, wie es zum Ausbruch der Gewalt in Kairo kam. Eine undankbare Aufgabe. Denn wenig spricht dafür, dass es sich um sinnlose spontane Gewalt gehandelt hat, und wenig auch dafür, dass die Acht-Prozent-Minderheit von Christen in Ägypten den Aufstand probte. Wer aber davon ausgeht, dass das nächtliche ...

Juliane Schumacher, Kairo

Massaker an Kopten

Bei Protesten von christlichen Kopten ist es in Ägypten zu den schwersten Ausschreitungen seit dem Sturz von Staatschef Husni Mubarak gekommen. Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und koptischen Demonstranten wurden am Sonntagabend mindestens 24 Menschen getötet und 200 verletzt.

ndPlusRené Heilig

Panzer trotz Pleite

Das marode Griechenland will 400 M1A1-Abrams-Panzer kaufen. Bezahlt werden sie letztlich mit Steuergeldern aus den EU-Staaten.

Seite 2
Fabian Lambeck

Nur die Bayern oder auch der Bund?

Die vom Chaos Computer Club entdeckte Spionage-Software, mit der die Rechner von Verdächtigen via Internet beobachtet werden, kann mehr, als sie eigentlich darf. Gestern Abend kam aus München die Bestätigung: Der sogenannte Trojaner stammt aus einer Schnüffelaktion des bayerischen Landeskriminalamtes.

ndPlusMarcus Meier

Enger Rechtsraum für Trojaner

Das Bundesverfassungsgericht setzte der Schnüffelpraxis in NRW im Jahr 2008 klare Grenzen. Offenbar vergeblich. Nun fordert der seinerzeitige Kläger Gerhart Baum Aufklärung. SPD-Bundespolitiker tun es ihm gleich. Dabei hatten sie den Regelungen im Grundsatz zugestimmt.

Seite 3
Julian Bartosz, Wrocla

Tusk triumphiert, Palikot siegt

Donald Tusk und seine Bürgerplattform (PO) können nach den Parlamentswahlen am Sonntag weitermachen - und zwar sehr wahrscheinlich mit demselben Koalitionspartner wie in den vergangenen vier Jahren, mit der Bauernpartei PSL.

Warum »Zar Kiro« und nicht»Mutra Goscho«?
ndPlusMichael Müller, Sofia

Warum »Zar Kiro« und nicht»Mutra Goscho«?

Am 23. Oktober wird in Bulgarien ein neuer Präsident gewählt. Lange sah es nach dem üblichen politischen Geplänkel aus. Im September bekam der Wahlkampf jedoch einen krassen ethnisch-nationalistischen Akzent. Nach blutigen Zusammenstößen zwischen Bulgaren und Roma gab es bereits Hunderte Verhaftungen.

Seite 4

Herdgutscheine

Auch einer erklärten Nichtfeministin reicht es offenbar nicht, als die Ministerin in die Historie einzugehen, die während ihrer Amtszeit ein Kind bekam. So muss statt dessen das so genannte Betreuungsgeld her - ein weiterer finanzieller Anreiz für Frauen, nach der Geburt ihrer Kinder gar nicht mehr zu arbeiten oder allenfalls in erbärmlich bezahlten Minijobs ein bisschen Selbstverwirklichung zu su...

Skeptiker

Allein die Tatsache, dass FDP-Chef Philipp Rösler - freilich nur aus formalen Gründen - die Unterschriftenliste der sogenannten Euro-Skeptiker in seiner Partei gestern nicht selbst entgegennahm, zeigt, dass den Jungs in der Liberalen Parteizentrale die Angelegenheit nicht ganz geheuer ist. Schnell wurden von Generalsekretär Christian Lindner erhebliche Zweifel geschürt, dass das Basisbegehren, mit...

Die Dritte?

Der Intendant herrscht über ein schier unübersehbares Einfluggebiet von Mitarbeitern, die in tausend Interessensphären aufgespalten sind. Er muss demnach ein Gefühl für jenes ozeanische Gefühl kurz vorm Absaufen haben - bei dem die Dinge, in welche Richtung man auch schaut, ungreifbar sind und bleiben. Die Horizonte tun, was man selber nicht mal denken darf: fliehen. Übersicht ist eine Fiktion. ...

ndPlusBrigitte 
Zimmermann

Die Unvermeidlichen

Die Demokratie wird heute auf verschiedene Weise unschädlich gemacht. Geld- und Realwirtschaft bestimmen das Handeln von Regierungen und Parlamenten brutal offen, wenn auch nicht unbedingt in die gleiche Richtung. Ihre Anliegen werden in den Parteien notfalls auf unflätige Weise durchgesetzt. Früher geschah das diskreter. Deutschland leistet sich Kinder- und Altersarmut, obwohl wir, wie die Kanzle...

Seite 5

FDP stimmt über Rettung des Euro ab

Berlin (dpa/nd). Die annähernd 65 000 Mitglieder der FDP können in den nächsten beiden Monaten über die Haltung ihrer Partei zum künftigen Euro-Rettungsschirm (ESM) entscheiden. Mit der Übergabe von mehr als 3800 Unterschriften in der Parteizentrale brachte der Euro-Skeptiker Frank Schäffler am Montag das Verfahren offiziell auf den Weg. Das Ergebnis der Basisbefragung soll bis Weihnachten festste...

ndPlusJörg Meyer, Karlsruhe

System ohne Zukunft

Der IG Metall-Gewerkschaftstag wurde am Sonntag eröffnet. Sechs Tage lang wollen die Delegierten über die Politik der nächsten vier Jahre beraten.

Gute Mütter, schlechte Mütter

Gute Mütter, schlechte Mütter

Ein altes Konfliktthema ist zurück auf der Tagesordnung: Familienministerin Schröder schlägt vor, das umstrittene Betreuungsgeld statt 24 nur zwölf Monate lang auszuzahlen - und sitzt damit zwischen den Stühlen. Auch in der eigenen Koalition.

Seite 6
ndPlusJochen Neumeyer, dpa

Karlsruhe prüft Beamtenbesoldung

Das Bundesverfassungsgericht verhandelt über die Bezahlung von Professoren. Der Streit könnte den Richtern Gelegenheit geben, eine Grundsatzentscheidung zur Bezahlung von Beamten zu treffen.

ndPlusHendrik Lasch, Magdeburg

Nazis wurden zum Katalysator

Bürger vertrieben mit Hilfe von Nazis zwei Ex-Straftäter aus einem Dorf in Sachsen-Anhalt. Politiker klagen, der Rechtsstaat sei erpressbar geworden, und fordern Konsequenzen.

Keine Arena für die NPD

Die NPD muss ihren für das Wochenende geplanten Bundesparteitag verschieben oder verlegen. Sachsen-Anhalts Oberverwaltungsgericht hat das in der Anhalt-Arena in Dessau-Roßlau geplante Treffen gekippt.

Seite 7

Afghanistan: Polizeischule eröffnet

Berlin/Masar-i-Scharif (dpa/nd). Mit einer neuen Polizeischule will die Bundesregierung den Aufbau der Sicherheitskräfte in Afghanistan weiter unterstützen. Die Schule in der Nähe des Bundeswehrstützpunktes Masar-i-Scharif wurde von Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) eröffnet, wie das Ministerium in Berlin mitteilte. Die Schule ist eine Außenstelle der bestehenden Polizeiakademie in der Haup...

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Wahl zwischen Hollande und Aubry

Die erste Runde der Urabstimmung der französischen Sozialisten über ihren Präsidentschaftskandidaten für 2012 wurde durch die Rekordbeteiligung ein großer Erfolg. Rund 2,5 Millionen Parteimitglieder und Sympathisanten kamen am Sonntag in die landesweit knapp 10 000 Wahllokale und gaben ihre Stimme für einen der sechs Anwärter ab.

Der Millionairs March zieht durch New York / Festnahmen in Boston
ndPlusMax Böhnel

Der Millionairs March zieht durch New York / Festnahmen in Boston

Tag 25 von Occupy Wall Street wird nach dem Willen der Aktivisten, die inzwischen zu Hunderten Nacht für Nacht auf dem Liberty Plaza unweit der Wall Street übernachten, ein Tag des Protestes gegen bekannte Angehörige des “einen Prozent” sein, das – so die Ankündigung – “den Reichtum auf Kosten der 99 Prozent anhäuft”.

»Oslo hat uns nichts gebracht«
Martin Lejeune, Gaza-Stadt

»Oslo hat uns nichts gebracht«

Vertreter der im Gaza-Streifen herrschenden Hamas werden von der deutschen Regierung nicht als Verhandlungspartner im Rahmen der Nahostdiplomatie akzeptiert, weil sie - verkürzt gesagt - Israel nicht anerkennen und dem Terrorismus nicht abschwören wollen. Wie denken Leute in Gaza über diesen Vorwurf?

Seite 8

UNO warnt vor Verschärfung des Hungers

Rom (epd/nd). Starke Schwankungen der Lebensmittelpreise verschärfen laut den Vereinten Nationen den Hunger in Entwicklungsländern, vor allem in Afrika. 2010 waren weltweit 925 Millionen Menschen unterernährt, 75 Millionen mehr als 2008, wie die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) in ihrem Welthungerbericht betonte, der am Montag in Rom vorgelegt wurde. Die UN-Experten erwarten ei...

Gábor Kerényi, Budapest

Peinlichkeiten in Devecser

Es war ein tödliches, existenzvernichtendes Ereignis - doch die offizielle staatliche Veranstaltung am ersten Jahrestag der größten Umweltkatastrophe Ungarns geriet zur Farce.

Ein Nobelpreis, der hinderlich sein kann

Der Wirtschafts-Nobelpreis ist weiter eine klare Domäne für Männer aus den USA. Das schwedische Nobelkomitee vergibt die Auszeichnung 2011 an die Forscher Christopher A. Sims und Thomas Sargent.

Seite 9

Neue Anlage: Polysilicium aus Nünchritz

Nünchritz (dpa/nd). Der Chemiekonzern Wacker hat im sächsischen Nünchritz eine neue Polysiliciumanlage in Betrieb genommen. Am Montag stellte das Unternehmen die rund 900 Millionen teure Investition vor. Die Anlage kann pro Jahr 15 000 Tonnen Polysilicium produzieren. Das Material wird in der Solar- und Halbleiterindustrie benötigt. Wacker hatte das Werk in Nünchritz 1998 übernommen. Nach Anga...

Erneute Bankenrettung

Bankenrettung 2.0 - Was sich nie wiederholen sollte, geschieht schon wieder: Staaten müssen Banken massiv stützen, um einen Finanzkollaps abzuwenden. Deutschland und Frankreich arbeiten an einem allumfassenden Rettungspaket.

ndPlusAntje Stiebitz

Großinvestoren vertreiben Menschen

Die Hilfsorganisation Oxfam warnt in ihrem kürzlich neu erschienenen Bericht vor einem weltweit ansteigenden Ausverkauf von Land durch Großinvestoren. Die Menschen, denen das Land vormals als Lebensgrundlage diente, werden häufig einfach vertrieben.

Hans-Gerd Öfinger

Stimmung für Streik

Gegen eine drohende Zerschlagung des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport AG machen Betriebsrat, Beschäftigte und Dienstleistungsgewerkschaft ver. di mobil. Sie wollen die weitere Liberalisierung verhindern.

Seite 10

Action

FILM - »Hunger«, Film von Marcus Vetter und Karin Steinberger. Die Autoren sind in fünf Ländern auf Spurensuche: Was sind die Gründe für Hunger? Wie leben Menschen mit Hunger? Warum haben so viele Konzepte der Entwicklungspolitik versagt? Von Haiti, wo die mittellosen Bauern mit den Zauberworten Freihandelspolitik und Strukturanpassung gelockt wurden, bis nach Kenia, wo ganze Landstriche seit Jahr...

ndPlusConstanza Vieira, Toribío (IPS)

Ureinwohner fordern Abrüstung

Was Frieden bedeutet, können sich die Kinder der Ureinwohner in der Provinz Cauca im Südwesten Kolumbiens nicht vorstellen. In dem Gebiet der Nasa-Ethnie liefern sich die Armee und die linksgerichtete Guerilla seit langem heftige Kämpfe. Die Ureinwohner fordern nun eine Entmilitarisierung ihres Territoriums. Auf die Frage nach ihrem größten Problem kennen Menschen jeden Alters in der Gegend nur ei...

Euro-Krise trifft auch den Süden

Undank ist der Finanzmärkte Lohn. Wie schon 2008 nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers geraten die Schwellen- und Entwicklungsländer in den Krisenstrudel, zu dessen Entstehen sie nichts beigetragen haben. Die ersten Folgen zeigen sich wie 2008 in den Schwellenländern, wo seit Mitte September eine in den Dimensionen vergleichbare Kapitalflucht wie vor drei Jahren eingesetzt hat: Ins...

ndPlusServaas van den Bosch, Windhuk, (IPS)

EU-Ultimatum für AKP Staaten

Bis zum 31. Dezember 2013 sollen die Verhandlungen über die umstrittenen Wirtschaftspartnerschaften (EPAs) zwischen der Europäischen Union und den sogenannten AKP-Staaten in Afrika, der Karibik und der Pazifik-Region abgeschlossen sein. Andernfalls droht den Ländern der Verlust der Handelspräferenzen, die ihnen die EU bislang einräumt.

»Yasuní-Initiative ist auf gutem Weg«

»Yasuní-Initiative ist auf gutem Weg«

Das ecuadorianische Klimaschutzprojekt Yasuní-ITT war jüngst am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen Thema eines hochrangig besetzten Treffens.
Helge Buttkereit befragte Ecuadors Botschafter in Deutschland,
Jorge Jurado, für ND zum derzeitigen Stand des Projektes und zur deutschen Rolle.

Seite 11

Gefasst nach Autobrand

(dpa). Zwei mutmaßliche Autobrandstifter konnten in der Nacht zum Montag in Neukölln festgenommen werden. Das teilte die Polizei am Montag mit. Einer Passantin waren gegen 2.30 Uhr Flammen an einem Fahrzeug aufgefallen, das auf dem Parkplatz eines Supermarktes am Maybachufer abgestellt war. Polizisten hielten zwei verdächtige junge Männer an, die ihnen bereits bei der Anfahrt aufgefallen waren. Na...

Gedenken an Deportation

(nd). Der Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit, ruft zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung am Gleis 17 des Bahnhofes Grunewald anlässlich des 70. Jahrestages am 18. Oktober, 14 Uhr auf. »Mit Schülerinnen und Schülern aus Berlin und Israel, der Jüdischen Gemeinde von Berlin und der Zeitzeugin Inge Deutschkron wollen wir an den ersten von vier Judentransporten nach Litzmannstadt erinnern und ...

ndPlusKlaus Joachim Herrmann über Anschläge auf den Bahnverkehr

Fehlzündung

Sage bitte niemand, Gefahr für Menschen hätte nicht bestanden. Wenn Brandsätze an technischen Einrichtungen der Bahn hochgehen, dann ist Schaden geradezu unausweichlich. An Kabeln hängen Signalanlagen, Weichen und weiß der Himmel, was sonst noch alles. Am Funktionieren all dessen hängen Sicherheit und körperliche Unversehrtheit von Menschen. Mit Anschlägen auf diese Infrastruktur bringt man sie in...

Neuer Versuch von Pro Reli

(dpa/nd). Die Initiative Pro Reli strebt mit Blick auf die geplante rot-schwarze Koalition in Berlin doch noch ein Wahlpflichtfach Ethik/ Religion an. Es müsse eine einvernehmliche Lösung zum Thema Religionsunterricht geben, erklärte deren Vorsitzender Christoph Lehmann am Montag. Denkbar wäre ein Modell nach dem Vorbild des Landes Brandenburg, wo Religionsschüler an dem Fach Lebenskunde/Ethik/Rel...

Rauben, Schlagen und Pöbeln

(dpa). Die Serie von Gewaltausbrüchen im Berliner Nahverkehr setzt sich fort. Am vergangenen Wochenende kam es nach Polizeiangaben zu drei Gewalttaten. Im schwersten Fall des am Samstag auf dem S-Bahnhof Schöneweide brutal zusammengeschlagenen Mannes gibt es erste Ermittlungserfolge: Nach Angaben eines Polizeisprechers gilt inzwischen eine Person mit osteuropäischem Migrationshintergrund als dring...

Brandsätze am Hauptbahnhof

(dpa/nd). Vielleicht kam die Polizei gerade noch rechtzeitig: Auch am Berliner Hauptbahnhof waren am Montag Brandsätze versteckt. Anders als am Morgen bei dem Anschlag in Brandenburg kam es aber nicht zur Zündung. Dort hatten laut Bundespolizei Unbekannte zwischen den Bahnhöfen Brieselang und Finkenkrug zwei Brandsätze in Kabelschächte gesteckt. Einer zündete und zerstörte die Signalkabel. Die Bah...

Seite 12

Konzertreihe endet am Mahnmal

(nd). Am kommenden Samstag, den 15.Oktober findet um 19 Uhr am Holocaust-Denkmal das zwölfte und damit vorletzte Konzert aus der Reihe »Von den Nazis verfemte Komponisten - verdrängt, vertrieben, ermordet« statt. Der Bariton Birger Radde wird von Maria Itkonen an der Violine, Verena Sennekamp am Violoncello sowie Katharina Kegler am Klavier begleitet, heißt es in der Ankündigung. Gemeinsam interpr...

Kunstauktion für Flüchtlinge

(epd). Die berlin-brandenburgische Kirche versteigert am Wochenende wieder Werke namhafter Künstler. Der Erlös aus der Auktion, bei der am Sonntag in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin-Kreuzberg etwa 100 Werke unter den Hammer kommen sollen, geht traditionell an Projekte für Migranten und Flüchtlinge, teilte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am Montag in Berlin mit....

Kaiser, Kanzler, Kimonos

(nd). Momente aus 150 Jahren japanisch-deutscher Freundschaft zeigt eine Fotoausstellung im Museum für Kommunikation ab dem 17. Oktober. Seit 150 Jahren pflegen Deutschland und Japan offizielle Beziehungen. Diese nahmen ihren Anfang, als Vertreter Japans und Preußens am 24. Januar 1861 in Edo - dem heutigen Tokio - einen Freundschafts- und Handelsvertrag unterzeichneten. Mit der Ausstellung »Kaise...

Anouk Meyer

Klamauk mit dem Charme des Unperfekten

Ein ewig betrunkener Schulinspektor, ein Kreisarzt, der kein Wort Russisch spricht, und ein Stadthauptmann, der seine Gemeine als Selbstbedienungsladen ansieht: Nikolai Gogols Komödie »Der Revisor« um einen bankrotten jungen Adligen, der in einer Provinzstadt fälschlicherweise für einen hohen Petersburger Beamten gehalten wird, ist genau die richtige Vorlage für das Obdachlosentheater Ratten 07. D...

Volkmar Draeger

Mutige, wissende Mahnung

Das Faltblatt zur Ausstellung zitiert Bernhard Heisigs Wort, »doch Kunst als Kunst zu begreifen und nicht als Illustration von Konzeptionen, und wieder möchte man gleich zustimmen, wenn man nur wüßte, wie es funktionieren soll«. Gesprochen in seinem Diskussionsbeitrag auf dem Kongress des DDR-Verbandes Bildender Künstler 1983. Die mutige, wissende Mahnung eines Mannes, der die Zeitenläufe durchlit...

Seite 13

Kirche: Nazis bekämpfen

Schwerin (epd/nd). Die evangelische Kirche in Mecklenburg will mit mehr Engagement in ländlichen Regionen gegen Rechtsextremismus ankämpfen. Die geringe Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl vor wenigen Wochen und das Abschneiden der rechtsextremen NPD, die den Wiedereinzug in das Landesparlament Mecklenburg-Vorpommerns schaffte, zeige »Probleme der politischen Kultur in unserem Land«, sagte der Re...

Reimar Paul, Göttingen

Journalist jahrelang bespitzelt

Ein angestellter Rundfunkjournalist aus Göttingen wurde vom Verfassungsschutz bei seiner Arbeit überwacht. Der Geheimdienst mache aus der journalistischen Begleitung »eine offenbar staatsgefährdende Teilnahme an legalen und angemeldeten Demonstrationen«, sagt sein Anwalt.

ndPlusDieter Hanisch, Kiel

Piraten nehmen Kurs auf Kieler Landtag

Schleswig-Holsteins Piratenpartei hat am Wochenende die Landesliste für die Landtagswahl im Mai 2012 aufgestellt, die ehemalige Grünen-Politikerin Angelika Beer belegt Platz 6. Ein Wahlprogramm konnte noch nicht verabschiedet werden.

Seite 14

Geld für Theater verlangt

Schwerin (dpa/nd). Die oppositionelle LINKE in Mecklenburg-Vorpommern hält eine regelmäßige Aufstockung der Landeszuschüsse für die Theater im Land für dringend geboten und auch für möglich. »Erhalten die Theater und Orchester nicht in diesem Jahr noch eine Soforthilfe und ab kommendem Jahr eine Dynamisierung, gehen die ersten Spielstätten kaputt«, erklärte der LINKE-Landtagsabgeordnete Torsten Ko...

Mirko Knoche, Karlsruhe

Am Ende der Fahnenstange

In Baden-Württemberg läuft eine Urabstimmung für unbefristete Arbeitsniederlegungen im öffentlichen Nahverkehr. Hauptforderung ist ein Spartentarifvertrag.

ndPlusAnke Hoffmann, dpa

Bienenparadies Großstadt

Die Imkerei wird zum urbanen Hobby auf Dachterrassen und in Kleingärten in Großstädten. Dank der Bienenfreunde in der Stadt wächst die Zahl der Imker nach Jahrzehnten wieder. Der meiste Honig wird aber weiter auf dem Land produziert. Dort macht man sich Sorgen wegen des Anbaus von gentechnisch veränderten Pflanzen.

ndPlusSabine Fuchs und Petra Buch, dpa

Vorschnelle Versprechungen

Am 11. September suchte ein schweres Unwetter Regionen in Sachsen-Anhalt heim und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Manch einer der Betroffenen ist nicht gut zu sprechen auf die Landesregierung.

Seite 15

Dyrlich

Die höchste Auszeichnung der Sorben, der Cisinski-Preis, wird am Sonntag im Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau verliehen. Der mit 7500 Euro dotierte Hauptpreis geht an den langjährigen Chefredakteur der sorbischen Tageszeitung »Serbske Nowiny«, Benedikt Dyrlich, wie die Stiftung für das sorbische Volk am Montag mitteilte. dpa...

ndPlusRoberto Becker

Alles schwebt

Es muss ja nicht gleich eine amerikanische Trümmerlandschaft sein, in die man Verdis »Maskenball« verfrachtet, so wie Johan Kresnik vor drei Jahren in Erfurt. Wobei der operntypische Sex-and-Crime Furor der Attentatsstory das durchaus hergibt. Die Geschichte um die Ermordung König Gustavs, dessen unglückliche und unerhört bleibende Liebe zur Frau seines besten Freundes ebendiesen zum Mörder werden...

Totentanz und Leben
Gunnar Decker

Totentanz und Leben

Das Theater Senftenberg stemmt jedes Jahr im Herbst ein Großprojekt: das »GlückAufFest«. Es ist nun bereits das achte unter der Leitung von Intendant Sewan Latchinian. Im letzten Jahr sahen wir »Dostoprimetschatelnosti« (»Sehenswürdigkeiten«), einen hochambitionierten russischen Abend mit Tschechows »Drei Schwestern« im Mittelpunkt. Dieses Jahr trifft »Totentanz« auf »Tanz des Lebens«.

ndPlusHans-Dieter Schütt

Karl Marx und Klopse

Bereits kürzlich, als Gregor Gysi in seiner eigenen Gesprächsreihe am Deutschen Theater zu Gast war und von Jakob Augstein befragt wurde, gab die zungenflinke linke Eminenz die witzige Auskunft, er könne auch sehr gut zuhören. Wahrscheinlich sah man noch im zweiten Rang des Theaters, wie diese Worte mit den Augen zwinkerten. Jetzt, am Sonntag, musste er mehr als zwanzig Minuten - zuhören! Der H...

Seite 16
ndPlusHans-Dieter Schütt

Horror und Hölle: wir

Seit vergangenem Wochenende nun ist der Herr am Münchner Max-Joseph-Platz: Martin Ku?sej, Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels, Nachfolger der Ära Dieter Dorns. Er hat Schnitzlers »Das weite Land« inszeniert, ein Albert-Ostermaier-Stück uraufgeführt, Frank Castorf wird kommen. Der Saison wurde ein Motto auf die Stirn geschrieben, das ähnlich wie der Name des Hauptspielortes, des Residenzthe...

ndPlusWalter Kaufmann

Wie die Aktien steigen

Da wird in »Frontal« des ZDF das Schicksal japanischer Lohnsklaven im verwüsteten Gelände des havarierten Atomkraftwerks aufgezeigt. Nicht einer der Männer wagt offen gegen den Spottlohn anzugehen, den Tepco für den lebensbedrohenden Einsatz zahlt: »Wenn die mich auf die Straße setzen, wie soll ich dann die Familie ernähren ...« Man sieht Arbeiterstiefel an zerborstenen Betonpfeilern und Stahlgeri...

Irene Constantin

Fall und Klang der Wörter

In der Komischen Oper Berlin dreht sich das Karussell des Lebens. Graue Betonwände ohne Himmel türmen sich auf der Bühne der Staatsoper. Hier Janaceks poetisches Lied auf den ewigen Kreislauf der Natur, dort die Mühsal der Suche nach dem göttlichen Funken noch bei den elendesten der Menschen. Das eine Stück entstand nach einer Novelle, der wiederum lustige Zeichnungen mit Füchsen zugrunde lagen, d...

Seite 17
Tango als Medizin

Tango als Medizin

Barbara Schultz und Tanzlehrer Ilias Oikonomou bei einem Tangokurs für Parkinsonpatienten im Hamburger Gesundheitszentrum »theravitalis« der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. Vor gut einem halben Jahr startete das Tanzprojekt. Einige Kursteilnehmer haben der Initiatorin Barbara Schultz zufolge schon von dem positiven Einfluss auf ihre Krankheit berichtet. Die Physiotherapeutin hat mit dem Tanzleh...

Ohne Milch & Ei
Danuta Friemert

Ohne Milch & Ei

Es ist schon das zweite Buch von Beate Schmitt, in dem es um Köstlichkeiten ohne Milch und Ei geht. Ein Kochbuch, in dem man eigentlich fast alles findet; feine Erbsensuppe, arabischen Bohnensalat, handgeformtes Sushi, Souflaki und noch ungefähr 145 Rezepte mehr. Beim Lesen der Rezepte, beim Betrachten der riesigen kulinarischen Fotos kommt man kaum auf die Idee, dass da etwas fehlen könnte. Und g...

Angela Stoll

Lichtsmog belastet Gesundheit

Künstliche Beleuchtung in der Nacht kann den Schlaf-Wach-Rhythmus durcheinander bringen. Möglicherweise erhöht zu viel Licht auch das Krebsrisiko.

ndPlusMartin Koch

Vorsicht! Narkose!

Ärzte nennen es »postoperatives Delir« oder sprechen kurz vom »Durchgangssyndrom«: Nach einer Narkose sind viele ältere Patienten desorientiert und verwirrt. Und obwohl dieses medizinische Phänomen häufig auftritt, weiß man über seine Ursachen wenig.

Seite 19

Arnesen jetzt auch Trainer

Frank Arnesen wandelt auf den Spuren von Felix Magath. Weil Bundesliga-Schlusslicht Hamburger SV seinen Wunschkandidaten Thorsten Fink nicht sofort verpflichten kann, übernimmt der Sportchef nun auch den Trainerposten. »Ich bleibe solange, bis wir einen neuen Cheftrainer gefunden haben, von dem wir vollkommen überzeugt sind«, sagte der Däne am Montag. Vorerst wird Arnesen also in einer Doppelf...

ndPlusAlexander Ludewig

Sieg der Erfahrung

In Bruchteilen einer Sekunde die richtige Entscheidung treffen, unter Druck das ganze Leistungsvermögen abrufen - das nennt man Erfahrung. In besonderen Momenten ist sie entscheidend. Die Füchse Berlin erlebten am Sonntag gar einen »historischen«, glaubte man Klubpräsident Frank Steffel vor dem ersten Heimspiel in der Champions League. Zu Gast war Polens Vizemeister Vive Targi Kielce. Angereist mi...

Jana Lange, SID

Zwischen Medaillen und Tränen

Angeführt von Timo Boll bleiben die deutschen Tischtennisspieler bei der EM in der Goldspur, für die Frauen ist der Zug in Richtung Medaille dagegen abgefahren: Die Männer um Rekordeuropameister Boll (Düsseldorf) haben in Gdansk nach einem 3:1 im Viertelfinale gegen Griechenland Bronze sicher - zwei Siege fehlen nur noch für den fünften EM-Titel in Serie. Doch im Halbfinale am Dienstag droht ein h...

Christoph Stukenbrock, SID

Zeit für Überraschungen

Cristiano Ronaldo und Franck Ribéry zittern. Obwohl es am heutigen letzten Spieltag der EM-Qualifikation für Portugal und Frankreich um alles oder nichts geht, könnte die Stimmung der beiden Fußballstars kaum unterschiedlicher sein.

Seite 20

Land unter in Südostasien

Bei den schlimmsten Überflutungen seit Jahrzehnten starben in Südostasien etwa 500 Menschen. In Thailand bezifferten die Behörden die Zahl der Opfer am Montag mit 269. Mehr als 200 Menschen wurden in Kambodscha getötet, aus Vietnam wurden 24 Todesopfer gemeldet. In Thailand erklärte Regierungschefin Yingluck Shinawatra, die Situation sei trotz der immensen Wassermassen noch unter Kontrolle. In Ban...

»Maskenmann« vor Gericht

Schwarz gekleidet und mit Maske schlich er sich in Kinderzimmer oder Ferienlager, vergriff sich an schlafenden Jungen und erwürgte seine Opfer. Wegen dreifachen Mordes und sexuellen Missbrauchs in 20 Fällen muss sich der geständige Pädagoge Martin N. seit Montag vor dem Landgericht Stade verantworten. In Handschellen führen ihn Justizbeamte in den Gerichtssaal. Regungslos folgt er der Anklageverle...

Irina Wolkowa, Moskau

Angezogene Bremsen schuld?

Es ist ein Experiment der besonderen Art, das am Montag auf dem Militärflugplatz Schukowka bei Moskau begann und mehrere Tage dauern wird. Testflieger und Konstrukteure starten dort mit einer Jak 42-M und werden dabei alles genauso machen wie die Besatzung einer Maschine dieses Typs, die im September bei Jaroslawl abstürzte. 44 Menschen starben, darunter die gesamte Eishockeymannschaft der Stadt, ...

Seite 21
ndPlusIrmtraud Gutschke

Gespenster

So faszinierend waren »Die Füße der Frau im Buchladen«, dass ich in der S-Bahn drei Stationen zu weit gefahren bin. Drei Zehen an jedem Fuß hatte sich Marta als Kind abgefroren. Und nun, da sich zwei Männer für sie interessierten ... Es ist dermaßen überraschend, was sich Guðrún Eva Mínervudóttir mit diesen Füßen ausgedacht hat. Es ist wunderbar! »Niemandstal« heißt der Band isländischer Erzähl...

ndPlusUwe Stolzmann

Raue Kulissen, raue Helden

Was kennt man von der Insel, vorausgesetzt, man war noch nie da? Klischees. Dass die Isländer ein hitziges Volk sind, eigensinnig, wetterhart. Dass sie viel trinken. Dass es nirgends sonst so viele Dichter gibt. Und dass diese Dichter besonders gern von der Wildheit der Insel und der Wildheit der Vorfahren reden, von den Wikingern. Schwarmgeister lieben die Klischees. »Sagenhaftes Island«, so d...

Seite 22
ndPlusMatthias Biskupek

Selbstmord des Sozialismus

Es war kurz nach '89/'90, als deutsche Schriftsteller das literarische Experiment machten: Was wäre, wenn es anders gekommen wäre: die BRD der DDR beigetreten, die Teilung Deutschlands quer verlaufen wäre und Bayern bis heute den sozialistischen Einparteienstaat der CSU verkörperte? Der Film »Good bye, Lenin!« ließ die DDR in einer Plattenbauwohnung fortbestehen. Satirische Versuche, die deutsche ...

Irmtraud Gutschke

Die alte Lust zu handeln

Was so nicht stattgefunden hat, mit diesem Buch gehört es zur Wirklichkeit. Aus dem Hungerstreik der Kalikumpel von Bischofferode ist kein Volksaufstand geworden. Der »Thomas-Müntzer-Schacht« geschlossen . Viele Arbeiter im Osten haben ihre Werke gar noch selber demontiert. Aber die Geschichte, sagt Volker Braun, »hat mehr in sich, als sich ereignet: auch das Nichtgeschehene, Unterbliebene, Verlor...

Seite 23
Hans-Dieter Schütt

Fertigsalat und Fertigleben

Nicht die besinnungslose Natur im Menschen lässt ihn zur Gefahr für sich und andere werden. Nicht unser unkontrolliertes Triebwesen muss schrecken – es ist vielmehr das Bewusstsein, das uns zum fortwährenden Risikofall werden lässt. Goethe lässt seinen Mephisto sachkundig verachtend und höhnisch von der Vernunft reden, die der Mensch benutze, um »tierischer als jedes Tier zu sein«. Die Eindämmu...

Seite 24
ndPlusWerner Jung

Geld, Macht

Pecunia non olet – Geld stinkt nicht, so heißt es. Aber wer heftigen Umgang damit pflegt, kann eine ziemlich unangenehme Ausstrahlung bekommen. Eine solche Menschenmelange porträtiert der österreichische Schriftsteller Peter Rosei in seinem neuen Roman. Im Mittelpunkt: Georg Asamer, Chef eines Werbeimperiums, der sich aber längst innerlich zurückgezogen hat von Firma und Aufgaben. Andy Sykora, ...

ndPlusMichael Sollorz

Welt-Einsamkeit

Ohne ein Reise-Schriftsteller zu sein, ist Friedrich Kröhnke (geb. 1956 in Darmstadt) unentwegt unterwegs und schreibt davon. Je älter er wird, desto abgelegener die Ziele – desto vertrauter ist die große, letztgültige Verlassenheit, wie man sie in der Fremde erfahren kann. Diesmal heißt sein alter ego Frick. Bei ihm ist Agnes, »ein Kobold, eine mangogroße fusselige, wuschelige Maskotte«, vor Jahr...

Stefan Otto

Widerstand?

Nur alle paar Jahre finden weltpolitische Ereignisse in Deutschland statt. Der Papst stattet einen Besuch ab oder die wichtigen Regierungschefs der Welt treffen sich – wie in Heiligendamm vor vier Jahren. Gerhard Schulze nutzt die Monate vor dem G8-Treffen an der Ostsee als Sujet für seine Erzählung »Die Entscheidung«. Inmitten der spannungsgeladenen Vorzeit dieses Events, in der Befürworter wie G...

Tobias Riegel

Utopie

Jochen Schimmang hat ein Faible für deutsche Hauptstädte. In seinem vorigen Buch »Das Beste, was wie je hatten« nahm er Bonn unter die Lupe. Im aktuellen Werk knöpft er sich Berlin vor. Lebt der gelungene Vorgänger von der genauen, fast wissenschaftlich-historischen Beobachtung und Analyse der Rheinprovinz, wird die Annäherung an Berlin im Gewand einer Zukunftsvision mit Politthriller-Elementen ve...

Seite 25
ndPlusKlaus Bellin

Letzte Tage

Im November 1932 sah er den »wahrhaft großen Mann« zum ersten Mal. Gerhart Pohl (1902-1966) war ein junger Autor mit einigen Prosaarbeiten und einem frühen dramatischen Versuch, und er hatte das Glück, dass Hauptmann schon etwas von ihm gelesen hatte. So kam es, dass er zum 70. Geburtstag vom Dichter in eine Breslauer Hotelhalle eingeladen wurde. Von diesem Augenblick an, berichtete er später, hab...

Michael Hametner

Der Geschichte verpflichtet

Es liegt am Fuße des Erzgebirges in Westböhmen, das Heilbad Jáchymov. Wer es durchfährt, dem fällt das Grand Hotel auf: ein viergeschossiger Bau mit einem imposanten neoklassizistischen Haupttrakt und zwei leicht im Knick nach innen angeschlossenen Flügeln. Das Baujahr des Hotels muss nach 1906 liegen, denn damals wurden in den ehemaligen Silberbergwerken ausgiebige Radon-Quellen entdeckt, die Jác...

Seite 26
ndPlusThomas Bruhn

Wahnsinnig gemütlich

Sollte Ihnen das Buch in die Finger gelangen, auf dessen Titelbild eine alte Frau zu sehen ist, die wie ein alter Mann aussehen will, der wie eine alte Frau aussieht, so melden Sie sich für einen Tag von der Welt ab. Sicherheitshalber. Sie werden das Buch aufschlagen, den ersten Satz lesen: »Ich lebe in einer Garage, zusammen mit einem Laptop und einer alten Handgranate.« Wir haben es ... siehe Üb...

ndPlusCarmen Bossenz

An den Steilklippen des Krisengebirges

Die Ledermaske wird ihren teuflischen Zweck erfüllen. Mit einer beklemmenden Szene eröffnet der mehrfach ausgezeichnete isländische Schriftsteller Arnaldur Indriðason (geboren 1961) seinen Kriminalroman »Abgründe«. Ein Mann sitzt gefesselt und geknebelt auf einem Stuhl. Die Foltermaske liegt bereit. Gefangengehalten in einer Kellerwohnung in Reykjavík, sieht er sich einem Peiniger ausgeliefert, mi...

Seite 27
Hans Kutscher

Zwischen Hoffnung und Enttäuschung

Es ist das Verdienst des Osburg Verlages, dass der große tschechische Romancier Pavel Kohout in Deutschland wieder präsent ist. Nach seinem Weggang von Bertelsmann, wo er in 15 Jahre sieben Titel veröffentlichte, aber auch acht Verlagsleiter kennenlernte, war er auf einmal acht Jahre auf Deutsch nicht mehr präsent, obwohl man wusste, dass er nie aufgehört hatte zu schreiben. Nun ist er wieder da: ...

Uwe Stolzmann

Invasion aus den Schlafsilos

Was für ein Horrorbild, eine Schreckensvision. Es war Mitte der Neunziger, der EU-Beitritt des Balkanlands noch unwahrscheinlich, da hatte der Erzähler Jordan Iwantschew, geboren 1949 in Burgas, diesen furchtbaren Traum. Er sah Bulgarien, wie es im Jahr 2002 aussehen könnte: Die Wirtschaft ist kollabiert, der Handel mit dem Westen zusammengebrochen. Kein Geld mehr von drüben, keine Waren; der Staa...

Eberhard Reimann

Held, der er nicht war

Im Mai 1945 rückt der Pole Józef Kozlik mit den britischen Truppen in den Nordwesten Deutschlands ein, wo er Marianne kennenlernt, die Tochter eines Tischlers. Beide glauben an die große Liebe, 1946 wird ihr Sohn geboren. Die Liebe zerbricht: Marianne wird als »Polenhure« beschimpft, Józef ist untreu und trinkt. Das Paar trennt sich. Marianne lässt nicht selten ihre Wut über die verlorene Liebe an...

Seite 28
Lilian-Astrid Geese

Tapfere Verlierer

Nicht nur im Land selbst, auch im Exil war Hoffnung, als das Verfassungsreferendum in Chile 1988 das Ende der Militärdiktatur Pinochets einläuten würde. Rückkehr in die Heimat, Leben in einem demokratischen Land. Für viele, die nach dem Putsch gegen Allendes sozialistische Regierung am 11. September 1973 ins Ausland fliehen mussten, um Tod und Folter zu entkommen, schien ein Traum wahr zu werden: ...

Erich Hackl

All die verstreuten Erinnerungen

Die Geschichte muss zunächst von denen erzählt werden, die sie erlitten haben«, meint Robert Bober, »von denen, die sie überlebt haben«. Sein neuer Roman spielt Anfang der sechziger Jahre, als er erste Erfahrungen als Assistent des Regisseurs François Truffaut gesammelt hat und selbst Filme drehen will, Dokumentarfilme, denen er eher zutraut, die Wahrheit zu ergründen als den andern, der Wirklichk...

ndPlusRoland Etzel

Bleierne Zeit im Wüstensand

Bis zur Oase Siwa ist es in der Gegenwart von den Metropolen Ägyptens eine Tagesreise. Zehntausende von Touristen tun das jährlich mit Begeisterung. Sie wollen eintauchen in die vermeintlich heile Welt mitten in der Sahara-Ödnis, verschont vom Dreck der Superstadt, resistent gegen die zweifelhaften Segnungen der Moderne und um ein Zeitalter zurückversetzt. Und vieles von dem finden sie mit ein bis...

Seite 29
ndPlusAntje Stiebitz

Riechen und fühlen

Das traut man Buchstaben auf Papier gar nicht zu – dieses Buch wirkt direkt auf die Nase. Lesend schnuppere ich unwillkürlich, möchte den Duft meiner Umgebung aufsaugen. Denn Molly Birnbaum entwirft ein Geruchskaleidoskop und gibt nebenbei Einblicke in den unser Riechorgan betreffenden Forschungsstand. Ein einfacher Bissen Apple-Pie birgt für die 20-jährige Molly ganze Welten. Folgerichtig ents...

Gunnar Decker

Die einfachen Wahrheiten

Sie hat etwas, das ihr Spiel unverwechselbar macht: eine Naivität, die nicht aufhört, auf dem zu insistieren, das für sie jetzt gerade wichtig ist. Ihre Stimme scheint direkt aus der Kindheit zu kommen, wie sorgsam konserviert, weist sie all die schweren Erfahrungen, die sie auch machen musste, schon in der singenden Tonlage, in der sie spricht, zurück. Alles was Käthe sagt, klingt wie eine gerade...

Werner Liersch

Das Malerleben einer Frau

Elisabeth Vigée-Lebrun, die Frau im Mittelpunkt von Renate Feyls neuem Roman, wurde in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts in Frankreich eine der berühmtesten Malerinnen Europas. Allerdings auch eine Verfolgte, Exilierte, mit dem Tode Bedrohte. Das Schicksal ihres Landes, das Europa 1789 mit der Französischen Revolution erschütterte, griff auch nach ihr. Dabei gehörte Elisabeth Vigée alle...

Seite 30
Jenny Becker

»Meine Frau, die Ilsebill«

Goldgelb ist der Himmel, als der Fischer das erste Mal über das Meer ruft: »Meine Frau, die Ilsebill, will nicht so, wie ich es will.« Der Plattfisch, den er zuvor freigelassen hat, weil er beteuerte, ein verwunschener Prinz zu sein, äugt verwundert aus dem grünen Meer. Dann erfüllt er den Wunsch der Fischersfrau. Die will nicht länger in einem stinkenden Eimer wohnen, sondern in einer richtigen H...

Silvia Ottow

Likör für die Katze

Eine Katze, die sprechen kann, eine Brille trägt, zweierlei Augen hat und Klavier spielen will? Das kann selbst einem König ausgesprochen ulkig vorkommen, obwohl so einer doch eigentlich gar nicht mehr staunen dürfte. König Karl der Siebente von Maien-Land muss darauf gleich mal ein Likörchen nehmen, das seine neue Bekanntschaft, Katze Kicki, natürlich auch nicht verschmäht. Doch damit ist es l...

ndPlusAntje Stiebitz

Schnecken und Schauder

Begeistert ist die Familie nicht gerade, als sie aus einer ostdeutschen Stadt ins Allgäu umziehen muss, weil der Vater dort einen Job in einem Maschinenbauunternehmen gefunden hat. Den beiden zugezogenen Geschwistern Eddi und Hendrik wird der Einstieg ins Dorfleben nicht gerade leicht gemacht. Viele der Einheimischen sind misstrauisch, regelrecht feindselig. Und noch etwas beschäftigt die Familie:...

Seite 31
Holger Schatz

Die neue Anmaßung

Anders als noch vor wenigen Jahren gilt heute Kapitalismuskritik gewiss nicht mehr nur als eine Angelegenheit »notorisch Ewiggestriger«. Weit verbreitet ist die Ahnung, die heutigen sozialen und ökologischen Katastrophen könnten irgendwie mit diesem Kapitalismus zusammenhängen. Braucht es also überhaupt eine weitere »Anmaßung«, wie sie uns Beat Ringger nahe legt? Unbedingt! Ringger analysiert d...

André Brie

Vom Wutbürger zum Mutbürger?

Die Massenproteste gegen die Atompolitik der Bundesregierung, gegen Castortransporte und vor allem gegen »Stuttgart 21«, die maßgeblich zum regierungspolitischen Umbruch in Baden-Württemberg beitrugen, haben der schon seit den 90er Jahren geführten, zwischenzeitlich abgeflauten, Diskussion über die Krise der parlamentarischen Demokratie und der Politik eine neue Richtung und Intensität gegeben. Hi...

Seite 32
ndPlusFlorian Schmid

Albtraum in der Südsee

Die Geschichte der kleinen pazifischen Inselrepublik Nauru klingt wie ein bizarres Märchen. Auf Nauru machte man man im buchstäblichen Sinne »aus Scheiße Geld«. Über Jahrhunderte legten Zugvögel auf dem 3000 Kilometer nordöstlich von Australien gelegenen Eiland Zwischenstation ein. Ihre Ausscheidungen ergaben in Verbindung mit der dortigen Erde und den Korallen ein qualitativ hochwertiges Phosp...

Johnny Norden

Castros Ruhm

Er ist ein exzellenter Kenner des Landes. Sein Buch erscheint zur rechten Zeit. Denn gerade erst hatten sich selbst ernannte Kuba-Kenner in Deutschland zu Wort gemeldet. Aus Anlass eines Grußschreibens der Partei DIE LINKE zum 85. Geburtstag Fidel Castros beschimpften sie jenen als einen der übelsten Diktatoren der Welt und verlangten die Einführung der »Marktwirtschaft« auf der Karibik-Insel. Hei...

Marlene Schielmann

Die Hungrigen werden hungriger

Gebannt und zugleich ängstlich schauen westliche Ökonomen und Politologen nach Asien. Sie sind fasziniert vom wirtschaftlichen Boom in Indien und China und diskutieren, welche Auswirkungen dieser auf die Weltwirtschaft und die bis dato dominierenden kapitalistischen Industriestaaten habe. Kaum einer wagt den Blick in das Innere dieser aufstrebenden Gesellschaften. Ganz anders Jan Myrdal. Der schwe...

Seite 33
ndPlusHans Rehfeldt

Henri und Wolodja

Dies ist eine »verrückte«, schier unfassbare Geschichte. Sie berichtet von einem Genossen der SED, der in der Partei immer wieder aneckt und ins Visier der Staatssicherheit gerät – jedoch nicht aus prinzipieller Opposition. Er ist kein Systemgegner, aber er arbeitet für die andere Seite. Dies darf er jedoch nicht preisgeben. Der Autor dieses Buches ist vom sowjetischen Geheimdienst KGB als Agen...

René Heilig

Gehlens Topspion gegen Frankreich

Spannend, unterhaltsam, bildend – oder doch eher in umgekehrter Reihenfolge? Im Grunde ist das egal, wenn man »Im Schatten des Dritten Reiches« empfiehlt. Und das kann man – kein Wunder auch bei der Quellenlage. Vorgestellt wird das Leben eines Richard Christmann. Bei seiner fein nachgezeichneten Biografie geht es den Autoren auch um ein Stück deutscher Geheimdienstgeschichte, die zwar herbe gesel...

Karlen Vesper

Furchtbare Juristen

Was für eine Überraschung. Dieses Buch offeriert eine Wiederbegegnung mit Otto Gritschneder, dem 2005 verstorbenen Münchener Anwalt, der in der Nazi-Zeit wider die Mehrheit seiner Zunftkollegen hochanständig geblieben ist und daher – »zwar fachlich geeignet, politisch unzuverlässig« – Berufsverbot erlitt. Ein Angebot, sich am Justizterror im deutsch- besetzten Polen zu beteiligen, hat er mutig abg...

Seite 34
Martin Hardt

Rund um den Globus

Er sympathisierte zwar mit Mao Tse-Tung, noch mehr aber mit dem vermeintlich angenehmeren Leben außerhalb seiner Heimat.« So beschreibt Wolfgang Ghantus, Jg. 1930, seinen ersten offiziellen Auftrag als Englisch-Dolmetscher. Das war im November 1949. Eigentlich war Ghantus auf dem Wege, Journalist zu werden. Er hatte am Institut für Publizistik an der Martin-Luther-Universität Halle studiert, do...

ndPlusPeter Nowak

Die sich nicht brechen ließen

Sie hätten klar und deutlich schreiben müssen, dass Noetzel als Nazi-Opfer verstorben ist ... Es hieß damals, Noetzel hätte sich aufgehängt. Leute, die es noch besser wissen müssen als ich, behaupten allerdings, er sei ermordet worden.« Diesen Leserbrief schrieb der ehemalige SPD-Oberbürgermeister von Wiesbaden, Georg Buch, am 30. Dezember 1980 an den »Wiesbadener Kurier«. Das konservative Lokalbl...

Hans Canjé

Lief alles wie geschmiert ...

Was hat den Reemtsma-Konzern, den »De-facto-Monopolisten der deutschen Zigarettenindustrie« (mit mehr als 70 Prozent der Gesamtproduktion 1939) bewogen, sich auf der Krim zu engagieren, nachdem die 11. Armee der Heeresgruppe Süd die Halbinsel im November 1941 weitgehend erobert hatte? Dies wollten die Autoren dieses Bandes wissen. Ihre Recherchen enthüllen die skrupellosen Praktiken des in Hamb...

Seite 35
Siegfried Prokop

Nemgorodok

Von Januar 1997 bis Oktober 1990 war Gerd König Botschafter der DDR in Moskau. Er erlebte dort aus nächster Nähe die welthistorischen Umbrüche, in deren Ergebnis zuerst die DDR und dann die Sowjetunion von der Tribüne der Weltgeschichte verschwanden. Seine Erinnerungen haben nun dankenswerterweise Heinz Fehlberg und Manfred Schünemann herausgegeben. König beschränkt sich in seinem Bericht nicht...

ndPlusKurt Wernicke

Wie im Politbüro

Der die Medien beherrschende Hype um den 50. Jahrestag des 13. August 1961 und den zehnten des 11. September 2001 hat andere wichtige Jubiläen ganz aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden lassen: Am 1. Juli wäre des 600. Jahrestages der Berufung eines Hohenzollern zum Landesoberen der Mark Brandenburg zu gedenken gewesen. Die Vernachlässigung dieses für die Hohenzollern, für Brandenburg u...

Seite 36
Rolf Badstübner

Die Austreibung

Exorcising Hitler« heißt das neue Buch von Frederick Taylor im Original. Der britische Historiker spricht von der »Austreibung« Hitlers, wenn er die Entnazifizierung meint. Die sieht er als einen langfristigen Prozess an, der mit mehreren Anläufen und Rückschlägen 20 Jahre nach Kriegsende einen »Heilungsprozess« einleitete und schließlich zur »Normalität« der Bundesrepublik im 21. Jahrhundert führ...

ndPlusWerner Abel

Der »prächtige« Georgier

Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion hatte den weisen und alles wissenden Jossif Stalin überrascht. Er, der durch die von ihm befohlene Ermordung der Elite der Roten Armee kopflos war und alle Warnungen vor Hitlers Angriff ignoriert hatte, war auf seine Datsche geflüchtet und erwartete seine Verhaftung. Aber es kam anders. Die Abordnung des Politbüros der KPdSU, die ihn aufsuchte, wollte i...

Karlen Vesper

Er musste mit eigenen Augen sehen

Diese Geschichte ist so unglaublich wie sie wahr ist. Denis Avey hat sich in das Todeslager Auschwitz geschmuggelt: »Ich musste mit eigenen Augen sehen, was dort geschah.« Seine Erinnerungen eröffnet der Brite mit der Schilderung eines Empfangs in der Londoner Downingstreet No. 10. Premier Dan Brown und Gattin Sarah ehren den 91-jährigen Veteran als einen Helden des Holocaust, »ein bewegendes E...

Seite 37
Rosi Blaschke

Alltagsmühle

Diese Frauengeschichten sind Geschichten, die das Leben schrieb. Unverkennbar trägt das Geschriebene autobiografische Züge. Irene, genannt Reni, deren Lebensbeschreibung die Klammer für die einzelnen Frauengeschichten bildet, das könnte die Autorin Ursula Wessel sein. Reni, 1930 geboren, lebte in der DDR, stand 1956 plötzlich mit zwei kleinen Töchtern allein da – ihr Mann Richard, erst 28 Jahre al...

ndPlusReiner Tossdorff

Wider die Arbeit?

Es ist das Dilemma jedes großen Klassenkampfes. Die Arbeiterschaft erkämpft sich eine grundlegende Besserstellung, vor allem eine Verkürzung ihrer Arbeitszeit. Gewaltige Erschütterungen im Produktionsablauf aber haben ökonomische Folgen. Während die politischen Führungen der Linken mit Maßnahmen zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität reagieren, antworten Teile der Arbeiterschaft mit Widerstand. ...

Paul Lerner

Schwungrad und Treibriemen

Wie entstand Herrschaft? Friedrich Engels sah die Ursache im Aufkommen des Handels. Der trat in die Gesellschaft, als sich die Produktion so weit entwickelt hatte, dass immer mehr Produkte anfielen, die im Nahbereich nicht mehr gegen andere Produkte getauscht werden konnten, die allerdings in anderen Regionen dafür umso dringender benötigt wurden. Da die Produzenten jedoch nicht in der Lage waren,...

Seite 38
ndPlusErnst Reuß

Das Tabu

Es gibt nicht gerade viele Studien über Vergewaltigungen im Krieg, obwohl dies ein Verbrechen ist, das Frauen und Mädchen zu allen Zeiten widerfuhr. Eine der wenigen aktuellen Untersuchungen wurde 2006 in Kroatien durchgeführt. 80 Prozent der 65 befragten Frauen, die dort zwischen 1991 und 1995 vergewaltigt worden sind, litten noch zum Zeitpunkt der Interviews unter Depressionen. Sowohl in der ...

ndPlusAndreas Herbst

Unverfrorene Lügen

Schön, dass ihr noch mal gekommen seid. Es fehlt manchmal noch was am Leben.« Die 92-jährige Friedel Malter, älteren ND-Lesern sicher bekannt, sprach 1994 diese Sätze bei der Wiederbegegnung mit einstigen Mithäftlingen aus dem KZ-Außenlager Daimler-Benz Genshagen. Die in der NS-Zeit illegalen Widerstand leistende und in mehreren KZ (Moringen, Lichtenburg, Ravensbrück) inhaftierte Kommunistin, nach...

Gerd Fesser

Die Jugend verloren

Über den Ersten Weltkrieg liegt eine Vielzahl von Veröffentlichungen vor. Soeben ist nun die deutsche Übersetzung des originellen Buches erschienen, das der Historiker Peter Englund zu diesem Thema vorgelegt hat. Englund, Vorsitzender der Schwedischen Akademie, die den Nobelpreis für Literatur vergibt, publizierte bereits mehrere erfolgreiche Bücher, so über die Schlacht bei Poltawa 1709 und über ...

Seite 39
Harald Loch

Satyagraha

Gegen das von Krieg, Völkermord und Gewalt geprägte Bild des 20. Jahrhunderts bildet die von Mohandas Karamchand Gandhi (1869-1948) propagierte und gelebte politische Grundhaltung Satyagraha (»Triumph der Wahrheit«) ein verblüffend wirksames Kontrastprogramm. »Mahatma«, die Große Seele, wie er genannt wurde, war nicht nur ein erfolgreicher Agitator der Gewaltlosigkeit im Kampf um die Unabhängigkei...

Karl-Heinz Gräfe

Linkes Erbe

Die Erfahrungen mit dem Stalinismus im weiten wie engeren Sinne umfassend zu analysieren und mit dem weltweiten Ringen um eine andere Welt zu verbinden, sind für das Selbstverständnis einer sich sozialistisch oder kommunistisch nennenden Partei unverzichtbar. Insofern ist es auch verständlich, dass marxistische Historiker seit zwei Jahrzehnten verstärkt alternativen Strömungen und Fraktionen in de...

ndPlusIngolf Bossenz

Kranke Kirche

Hans Küng liebt Fragezeichen. Schon hinter dem Titel des Buches, das in den 70ern seinen Konflikt mit Rom eskalieren ließ, steht eins: »Unfehlbar?«. Gemeint war der Lehranspruch des Papstes. Ein Fragezeichen als Fehdehandschuh. Fragezeichen auch hinter »Existiert Gott?« und »Ewiges Leben?«. Nun also »Ist die Kirche noch zu retten?«. Wer Küng und seine Schriften kennt, weiß, dass er seine Fragez...

Theodor Bergmann

Gründungsmythos

Es gibt viele Zionismen, vielleicht so viele, wie Juden auf der Welt. Daniel Cil Brecher hat sich vorgenommen, ein Buch über »den« Zionismus zu schreiben. Es ist gut recherchiert, interessant und zuweilen amüsant. Aber ... Der moderne Zionismus wurde zuerst von dem Kommunisten Moses Hess formuliert, einem Freund von Karl Marx, der sich taufen ließ. Es war die Zeit der Aufklärung. Der Justizskan...

Seite 40
ndPlusHarald Loch

Nicht nur eine Brücke

Im berechnend ausgerufenen »Kampf der Kulturen« hat die Bewertung der arabischen Wissenschaften im abendländischen Mittelalter einen hohen ideologischen Stellenwert. Oft wird sie auf eine reine »Brückenfunktion« zwischen dem klassischen europäischen Altertum und der westlichen Neuzeit reduziert. Zweifellos hatte die arabische Welt im Mittelalter durch überragende Übersetzungsleistungen wesentich z...

Armin Jähne

Neugierige Ahnen

Wer in Deutschland – um einen niederländischen Kollegen zu zitieren – von den streitsüchtigen »akademischen Kindern« verlacht und an den Pranger gestellt wird, hat es nicht leicht, wissenschaftlich wahrgenommen und anerkannt zu werden. Es genügt schon, vom sogenannten Mainstream »gefestigten« Wissen mit einer eigenen Meinung abzuweichen und auf ihr zu beharren, um der Verdammnis anheim zu fallen. ...