Seite 1

Israel entert weitere Gaza-Flotte

Tel Aviv (dpa/nd). Israelische Soldaten haben am Freitag die beiden Boote der jüngsten Gaza-Flottille geentert. Das teilte Militärsprecherin Avital Leibovich mit. Generalstabschef Benny Ganz hatte ein entsprechendes Vorgehen angeordnet. Die Boote sollen nach Angaben von Leibovich in den Hafen von Aschdod geschleppt werden. Dort sollten die 27 Aktivisten an Bord der Boote »Saoirse« und »Tahrir« der...

Unten links

Nächste Woche startet der neue Film von Roland Emmerich in den Kinos, »Anonymus«, in dem er William Shakespeare demaskiert. Der Regisseur hat sich für die These entschieden, dass Shakespeares Dramen von Edward de Vere, dem Earl of Oxford, verfasst wurden. Das ist keine neue These, andere verdächtigten schon Francis Bacon oder Christopher Marlowe, sich des Namens des Schauspielers aus Stratford-upo...

Geld statt Gutscheine für Asylbewerber

Potsdam (dpa/nd). Brandenburgs Arbeits- und Sozialminister Günter Baaske (SPD) hält die Auszahlung von Geld an Asylbewerber statt der Ausgabe von Gutscheinen für gerechtfertigt. Mit dem Asylbewerber-Leistungsgesetz sei dies vereinbar, teilte das Ministerium am Freitag in Potsdam mit. Ein neuer Runderlass werde dazu Mitte November im Amtsblatt veröffentlicht.»Alle Kreise und kreisfreien Städte, die...

Papandreou gewinnt Vertrauensabstimmung

Rückendeckung für Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou: Er gewann am späten Freitagabend nach einer engagierten Rede die Vertrauensabstimmung im griechischen Parlament. Wie aus einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP hervorgeht, votierte am Freitagabend eine Mehrheit der Parlamentarier für Papandreous Regierung. 153 Abgeordnete sprachen der Regierung das Vertrauen aus, 145 Parlamentarier stimmten mit »nein«.

Was heißt hier Mindestlohn?
Klaus Ernst

Was heißt hier Mindestlohn?

Seit einer Woche rauscht der Blätterwald. Nun also auch die CDU. Man spricht zwar nicht von Mindestlohn, sondern von einer Lohnuntergrenze. Aber alle Welt ist erstaunt über Merkels Sinneswandel, bei dem ihr die CDU mehrheitlich zu folgen scheint, und fragt sich, woher er kommt. Die Antwort ist einfach: Bald stehen Bundestagswahlen an, und Merkel will gern eines der sozialen Kernthemen abräumen. Ab...

ndPlusUwe Sattler

Düstere Euro-Aussichten

Während Griechenland am Freitag auf die im Parlament anberaumte Vertrauensabstimmung über Ministerpräsident Papandreou wartete, beschloss der G20-Gipfel in Cannes den Ausbau des Internationalen Währungsfonds als Krisenfeuerwehr. Die könnte schon bald gebraucht werden - in Italien.

Seite 2
Jirka Grahl, Weimar

Geld gegen Gewalt

Zum 35. Mal trafen sich am Donnerstag und Freitag die zuständigen Minister der Länder zur Sportministerkonferenz im beschaulichen Weimar. Gewalt rund um Fußballstadien bestimmte die Debatten.

ndPlusMarkus Plate, San José

Ortega steht vor Wiederwahl

Der einstige sandinistische Revolutionsführer Daniel Ortega wird wohl auch die nächsten fünf Jahre an der Spitze Nicaraguas stehen. Die Meinungsumfragen sehen ihn für die Wahl am Sonntag deutlich vor seinen rechtsliberalen Konkurrenten.

Seite 3
Andreas Knudsen, Kopenhagen

Eine Klinik für die Illegalen

In der dänischen Hauptstadt haben engagierte Ärzte eine Anlaufstelle für die medizinische Versorgung von illegalen Migranten aufgebaut.

ndPlusKristin Palitza, Bukavu

Den Attacken schutzlos ausgeliefert

Frieden und Stabilität im Osten der Demokratischen Republik Kongo, bleiben Wunschdenken. Zivilisten leiden täglich unter Gewalt. Die Situation wird Präsident Joseph Kabila bei der Wahl am 28. November Zehntausende Stimmen kosten.

Seite 4

Beaufsichtigte Demokratie

Hunderttausende in Ägypten haben die nach dem Sturz ihres Pharaos Mubarak angebrochene Zeit des Laissez-faire begierig genutzt. Nach 30 Jahren Ausnahmezustand war der Hunger nach freier politischer Betätigung übergroß. Doch das Rad könnte bald wieder zurückgedreht werden. Die regierenden Militärs machen keinen Hehl daraus, dass sie dem basisdemokratischen Treiben nicht sehr amüsiert gegenüberstehe...

Kosmetik statt Regulierung

Es klingt nach Pfeifen im Walde: »Jeder Akteur, jeder Platz, jedes Instrument muss einer Regulierung unterworfen werden.« Was die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zum Abschluss des G20-Gipfels verlauten ließ, ist exakt das, was sich die G20 bereits bei ihrem ersten offiziellen Treffen 2008 in Washington zum Auftrag gemacht hatten. Passiert ist seitdem erschreckend wenig und daran hat sich in Canne...

Draußen geblieben

So hatte Sigmar Gabriel sich das sicherlich nicht vorgestellt. Die Einladung an den DGB-Vorsitzenden Michael Sommer, nicht-stimmberechtigtes Mitglied im SPD-Parteivorstand zu werden, hatte dieser zunächst angenommen, dann aber nach einem Meldungswirrwarr am Freitag doch abgelehnt. Er stehe für kein Amt in der SPD zur Verfügung, erklärte Sommer klipp und klar. Für die Partei wäre Sommers Vorstandst...

ndPlusRalf Hutter

Rotes Tuch

Vor Jahren begann eine kleine Kampagne namens »Coole Kids tragen kein Palituch« damit, für die Geschichte dieses Kleidungsstückes zu sensibilisieren. Das versuchte nun auch Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden. Sie schrieb am Donnerstag einen freundlichen Brief an Gerwald Claus-Brunner, in dem s...

Studiengebühren gerecht?

Studiengebühren gerecht?

ND: Das Wissenschaftszentrum Berlin hat eine Studie veröffentlicht, die einige so lesen, als wäre nun belegt, dass Studiengebühren sozialverträglich sind. Sie sehen das nicht so. Warum?Iost: Die Forscher wollten herausfinden, wie sich Studiengebühren auf die Studierneigung auswirken. Dabei haben sie keine eigenen Daten erhoben, sondern auf die Daten des Studienberechtigtenpanels des Hochschul-Info...

Seite 5
Kirchliches Arbeitsrecht erregt Unmut

Kirchliches Arbeitsrecht erregt Unmut

Magdeburg (epd/nd). Rund 1500 Menschen protestierten am Freitag in Magdeburg gegen das kirchliche Arbeitsrecht. Anlass für den Protest sind Tagungen verschiedener evangelischer Kirchenparlamente. Von der Synode soll am Montag der Entwurf eines Kirchengesetzes zum Arbeitsrecht beraten werden. Im Anschluss an die Kundgebung, auf der Frank Bsirske als ver.di-Bundesvorsitzende sprach, zogen die Demons...

Gysi warnt vor Zerstörung der Gesellschaft

Die Linksfraktionschef in den Parlamenten auf Bundes- und Landesebene üben heftige Kritik an der Erweiterung des Europäischen Rettungsschirms. Der markiere nicht das Ende, sondern »den Einstieg in eine neue Phase« der Krise, heißt es in einer Erklärung, die die Fraktionsvorsitzendenkonferenz der LINKEN gestern in Düsseldorf verabschiedete. Nun müssten auch die Steuerzahler »unmittelbar in die Zahl...

ndPlusAert van Riel

»Wir wollen nicht wieder vergessen werden«

Die Grünen befürworten den bis Ende 2014 geplanten Abzug der ISAF-Kampftruppen aus Afghanistan. Bei einer gestrigen Konferenz über die Zukunft des Landes sagte Fraktionschef Jürgen Trittin, die Polizeimission müsse dagegen fortgesetzt werden.

Jörg Meyer

Kein Sommer im Parteivorstand

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel macht ernst mit der angekündigten Wiederannäherung an die Gewerkschaften. Vor der Bundestagswahl 2013 wollen die Sozialdemokraten augenscheinlich den Streit, der seit der »Agenda 2010« schwelt, beendet wissen.

Seite 6

Von der Leyen verteidigt Mindestlohn

Berlin (dpa/nd). Die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat den umstrittenen Mindestlohn-Vorstoß ihrer Partei verteidigt. Die Lohnentwicklung der vergangenen Jahre mache es notwendig, über »soziale Leitplanken« wie Mindestlöhne nachzudenken, sagte die Ministerin im »Deutschlandfunk«. »Wir sehen eine schwächere Tarifbindung. Die Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände sind nicht mehr...

Marian Krüger

Bundesrat einigt sich auf Generalbundesanwalt

Das erste unter dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer geleitete Bundesratsplenum verlief ungewohnt harmonisch. Alle Gesetzesbeschlüsse des Bundestages passierten die Länderkammer.

ndPlusReimar Paul

Erst in 60 Jahren eine grüne Wiese

Der Abriss von Atomkraftwerken ist ein aufwendiges Unterfangen. Er dauert viel länger und kostet deutlich mehr Geld als ursprünglich gedacht. Für das frühere DDR-Atomkraftwerk Rheinsberg nannte die Bundesregierung jetzt erstmals konkrete Zahlen. Demnach wird der Abriss des kleinen Kraftwerks noch mindestens 60 Jahre dauern.

Dieter Janke

Neue Milliarden für Schäuble

Gestern legte der Arbeitskreis Steuerschätzung in Berlin seine Herbstprognose vor. Bund, Länder und Kommunen können demnach mit steigenden Einnahmen rechnen.

Seite 7

Hilfe gegen PKK erbeten

Istanbul (AFP/nd). Die türkische Regierung hat mehr Hilfe der nordirakischen Kurden im Kampf gegen die Rebellen von der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verlangt. Ankara erwarte eine »sehr klare Haltung, eine aktive Unterstützung und Solidarität« von den Behörden im Nordirak, sagte Außenminister Ahmet Davutoglu laut Medienberichten am Donnerstag nach einem Treffen mit den Chef der nordirakischen Au...

Tibeterin verbrennt sich

Peking (dpa/nd). Erneut hat sich eine tibetische Nonne aus Protest gegen die chinesische Herrschaft über die Tibeter verbrannt. Die 35-jährige erlag ihren schweren Verbrennungen, wie die Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag berichtete. Es war bereits die elfte Selbstverbrennung in diesem Jahr und die zweite Nonne, die sich mit einer solchen Aktion das Leben genommen hat. Palden Choetso aus dem Klo...

Oakland-Terminals besetzt

Die »Occupy«-Bewegung in den USA lässt nicht locker: Die Bankengegner haben erstmals einen großen US-Hafen blockiert. Zunächst verlief die Aktion friedlich, dann knüppelte die Polizei.

Ralf Streck, San Sebastián

Spaniens Konservative siegessicher

Fast fünf Millionen Menschen sind in Spanien arbeitslos, und angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung muss man kein Prophet sein, um vorhersagen zu können, dass bis zum Jahresende Tausende weitere Menschen ihren Job verlieren werden. In diesem Klima fand gestern der Wahlkampf-Auftakt statt.

Seite 8
ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Moskau ist zur Hilfe bereit

Innerhalb »weniger Stunden« werde Russland die Modalitäten seiner Hilfe für die Eurozone bestimmen. So zitierte die dem Außenministerium nahestehende Nachrichtenagentur RIA Nowosti Präsident Dmitri Medwedjew nach dessen Begegnung mit der Presse beim G20-Gipfel in Cannes.

Olaf Standke

Obama mit Nebenrolle in Cannes

Eigentlich wollte Barack Obama auch in Cannes Wahlkampf in eigener Sache machen. Doch fast genau ein Jahr vor dem Urnengang in den USA stand der Präsident beim G20-Gipfel an der französischen Mittelmeerküste selten im Mittelpunkt.

Seite 9
Flucht nach London

Flucht nach London

London (dpa/nd). London zieht Oligarchen aus der ganzen Welt an. Häufig russische und arabische Millionäre, das ist bekannt. Zu diesem elitären Zirkel haben sich ausgerechnet reiche Griechen hinzugesellt, die ihr Geld nach Großbritannien - und damit aus der Eurozone geschafft haben. Das Unternehmen Hawker Beechcraft, ein Hersteller von luxuriösen Privatjets, hat in eigenem Interesse statistisc...

Commerzbank rutscht in die roten Zahlen

Frankfurt am Main (dpa/nd). Neue Abschreibungen auf ihre Anlagen in Griechenland haben die Commerzbank im dritten Quartal tief in die roten Zahlen gerissen. Unter dem Strich stand ein Verlust von 687 Millionen Euro, wie das teilverstaatlichte Institut am Freitag mitteilte. Das war mehr als von Analysten befürchtet. Vor einem Jahr hatte die zweitgrößte deutsche Bank in diesem Zeitraum noch 113 Mill...

Japan greift Tepco unter die Arme

Tokio (dpa/nd). Der Betreiber des schwer beschädigten Atomkraftwerks im japanischen Fukushima, Tepco, bekommt vom Staat Milliardenhilfe. Die Regierung segnete am Freitag Pläne ab, dem Konzern vorerst 900 Milliarden Yen (8,4 Milliarden Euro) zur Verfügung zu stellen, um massive Entschädigungszahlungen an die Leidtragenden des Atomunfalls leisten zu können. Im Gegenzug versprach Tokyo Electric Power...

Peter Nowak

Weihnachten bei Amazon

Kostenlose Arbeitskräfte für das Weihnachtsgeschäft? Neue Vorwürfe gegen die Arbeitsbedingungen beim Online-Versandriesen Amazon werden laut.

Seite 12

Volleyballerinnen besiegen Kenia

Die deutschen Volleyballerinnen haben den ersten Schritt in Richtung Olympia gemacht. Beim World Cup in Japan setzte sich die Mannschaft von Bundestrainer Giovanni Guidetti zum Auftakt in Nagano klar mit 3:0 (25:19, 25:14, 25:8) gegen Afrikameister Kenia durch. Guidetti war nach dem Erfolg zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft, sah aber noch Luft nach oben: »Natürlich wissen wir, dass wi...

ndPlusPeer Lasse Korff, SID

Ein Gegentor als Wachmacher

Lars Stindl war es sichtlich unangenehm, dass er plötzlich im Mittelpunkt stand. Mit gesenktem Kopf war er schon unterwegs zum Mannschaftsbus und wollte gerade einsteigen, als er doch noch kehrt machte und sich den Fragen der wartenden Reporter stellte. Immer wieder blickte der fleißige Mittelfeldspieler von Hannover 96 zu Boden, während er sein Traumtor zum 2:1 (0:0) beim FC Kopenhagen erklär...

Alexander Ludewig

Erst nervös, dann traurig

Ungeduld sei eine seiner Schwächen, sagt Martin Heuberger. Das macht die Aufgabe für den neuen Bundestrainer der Handballer nicht unbedingt leichter. Immerhin, der Anfang ist gemacht. Im Juli trat der 47-Jährige die Nachfolge von Heiner Brand an, seit Donnerstag ist er endlich richtig angekommen in seinem »neuen ehrenvollen Amt«. Zum Auftakt des Supercups traf die deutsche Nationalmannschaft ...

Seite 13

30 Jahre Büro für Integration

(epd/nd). In Berlin wird am Montag das 30-jährige Bestehen des Büros des Integrationsbeauftragten begangen. Bei einer Festveranstaltung im Roten Rathaus werden unter anderem der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Berlins erste Ausländerbeauftragte Barbara John auf die Integrationsarbeit der zurückliegenden drei Jahrzehnte blicken, teilte der Berliner Integrationsbeauftragte Günter P...

Mutmaßliche Brandstifter geschnappt

(dpa). Erneut sind zwei mutmaßliche Autobrandstifter in Berlin festgenommen worden. Sie sollen nach ersten Angaben der Polizei ein Auto in der Herzbergstraße im Stadtteil Lichtenberg angezündet haben. Die beiden 22 und 23 Jahre alten Männer wurden allerdings nicht auf frischer Tat ertappt, sagte ein Polizeisprecher am Freitagmorgen. Deswegen könnten sie wie die beiden am Mittwoch Festgenommenen wi...

Hansen fleißig als Berater

(dpa). Der designierte Polizeipräsident von Berlin, Udo Hansen, hat nach einem Medienbericht offenbar mehrfach als Berater gearbeitet, obwohl er 2008 aus gesundheitlichen Gründen vom Polizeidienst befreit war. Nach Informationen des ARD-Magazins Fakt beriet der ehemalige Bundespolizist während seiner Dienstbefreiung mindestens zwei Auftraggeber, obwohl er weiterhin Gehalt vom Innenministerium erhi...

Razzia bei Bandidos

(dpa). Die Berliner Polizei hat bei einer Großrazzia in einem Vereinshaus des Rockerclubs »Bandidos MC« am Donnerstagabend zahlreiche Waffen beschlagnahmt - und damit möglicherweise Schlimmeres verhindert. Die etwa eingesetzten 90 Beamten fanden in der Streustraße in Berlin-Weißensee nach Angaben vom Freitag unter anderem 17 Macheten, elf Messer, drei Morgensterne, drei Handbeile, ein Wurfgeschoss...

ndPlusBernd Kammer

Es weihnachet

Ein wenig hat man sich schon gewundert ob des Harmoniegehabes der SPD- und CDU-Emissäre während der Koalitionsverhandlungen. Ständig wird die gute Atmosphäre betont, nie fällt ein scharfes Wort. Jetzt ist das Gute-Laune-Geheimnis gelüftet: Es liegt an Weihnachten und SPD-Landesparteichef Michael Müller. Der ausgewiesene Freund des süßen Festgebäcks sorgt dafür, dass die Koalitionäre während der Ve...

Streitthema Bildung
Sonja Vogel

Streitthema Bildung

Gestern gingen die Koalitionsverhandlungen im Roten Rathaus zu den Themen Bildung, Wissenschaft und Forschung in die siebte Runde. Mit Verspätung begannen die Gespräche um 12 Uhr - und dauerten über den Redaktionsschluss hinaus an. Zu besprechen gab es ganz offensichtlich viel. Zwar hatten Unterhändler vorab verlautbaren lassen, es seien bereits gute Kompromisse gefunden worden. Beim Thema Bild...

Seite 14

So'n Schiet, Piet!

Fremden gegenüber schippern Leuten von der Ostsee die Worte nicht gerade flott über die Lippen. Aber wenn sie dann mal loslegen, bekommt man eine Geschichte von Anfang bis Ende auseinanderklamüsert. So etwas kann locker schöne 40 Minuten dauern, auch wenn die Leuchtturmwärtertochter Marike sagt, dass sie eigentlich gerade keine Zeit hat. Sie will nämlich mit ihrem Liebsten tanzen gehen. Doch auf d...

Hinter der Weltbühne
Tom de Meller

Hinter der Weltbühne

Mubarak - war da mal was? In einem Ausschnitt aus seinem gerade entsehenden Film über Kairo ließ der ägyptische Regisseur Tamer El Said Radionachrichten laufen, die besagten, dass ein gewisser Mubarak gerade von einem Krankenhausaufenthalt in Deutschland zurückgekehrt sei, eine Ansprache gegen die Arbeitslosigkeit - die in Kairo - gehalten sowie Universitätsabsolventen mehr Jobs versprochen hätte....

ndPlusTom Mustroph

Eine neue Avantgarde

Frauen in Führungspositionen verändern eine Gesellschaft nicht automatisch zum Besseren. Oft passen sie sich einfach den patriarchalen Machtstrukturen an, wie das Beispiel der hiesigen Bundeskanzlerin hinlänglich belegt. Feministinnen in Führungspositionen können allerdings einiges bewegen. Dies legt zumindest die hinreißende Geschlechterkomödie »Number One« der marokkanischen Regisseurin Zakia Ta...

Seite 15

Nazis planen Aufmarsch in Wunsiedel

Wunsiedel (epd/nd). Vier Monate nach der Auflösung der Grabstätte von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß wird Wunsiedel womöglich erneut zum Aufmarschplatz für Neonazis. Für den Volkstrauertag, 13. November, hat das rechtsex- tremistische »Freie Netz Süd« zu einer Versammlung in der oberfränkischen Stadt aufgerufen. Den Eingang eines entsprechenden Antrags bestätigte das Landratsamt Wunsiedel am Don...

ndPlusMirko Knoche

Tramfahrer setzen sich durch

Die Bus- und Trambahnfahrer in Baden-Württemberg haben sich in einem monatelangen Tarifstreit durchgesetzt. Die Streiks waren erfolgreich.

Wolfgang Weiß

Umbau an der Erpe

Ein kleines Flüsschen, das sich im Nordosten Berlins von Neuenhagen bis zur Müggelspree schlängelt, steht im Fokus von Landschaftsplanern und Ökologen. Die Erpe, oder wie es offiziell heißt, das Neuenhagener Mühlenfließ, soll in den nächsten Jahren Schritt für Schritt einem ökologischen Umbau unterzogen werden. Hintergrund ist eine im Jahr 2000 von den EU-Mitgliedstaaten verabschiedete »Wasser...

ndPlusHendrik Lasch, Leipzig

Tafelsilber kaum gefragt

Der in Leipzig geplante Teilverkauf zweier städtischer Firmen kommt ins Stocken: Die Angebote blieben unter den Erwartungen. Der OB will nun stattdessen 500 Stellen abbauen - stößt aber auf heftigen Widerspruch.

Seite 16

Rätselhafter Gestank

Dresden (dpa/nd). Sogenannter Katzendreckgestank erschwert den Bewohnern des mittleren Erzgebirges und des Vogtlandes derzeit das Atmen. Seit Ende Oktober komme es wieder verstärkt zu Beschwerden wegen Geruchsbelastung, teilte das Umweltministerium am Donnerstag in Dresden mit. Der Grund für den Geruch seien Inversionswetterlagen vor allem im Herbst und Winter, hoher Luftdruck und südöstlicher ...

Julia Schweizer, dpa

Die Sauciere in der Kirche

300 Exponate rund um die Themen Toilette, Waschen und Frisieren sind im Schwetzinger Schloss (Baden-Württemberg) zu sehen. Die Geschichten dazu sind oft pikant.

Wilfried Neiße

Die Gedanken sind frei - zumindest an der Universität

Bei der Gesinnungsprüfung durch die Enquetekommission des Landtags zur Aufarbeitung der Nachwendejahre kamen gestern Hochschulen und Institute an die Reihe. Wissenschaftler wehrten sich gegen Bevormundung. Gutachter Jens Hüttmann legte eine Untersuchung vor, die den brandenburgischen Universitäten eine breite Beschäftigung mit der DDR-Geschichte zugesteht. Bundesweit nehme das Land dabei sogar ...

ndPlusVelten Schäfer, Rostock

Kompromiss als Hauptwerkzeug

Die Rostocker OB-Wahl im Februar ist 2012 der einzige bedeutende Urnengang in Mecklenburg-Vorpommern. Entsprechend früh laufen sich die Kandidaten warm. Die Linkspartei war nun die letzte politische Kraft, die ihre Kandidatin vorstellte.

Anschlag auf den roten Winkel
ndPlusAndreas Fritsche

Anschlag auf den roten Winkel

In Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) steht am Rande des Schlossparks ein altes Denkmal für die Opfer des Faschismus. Im Spätsommer wurde das bis dahin unbehelligte Mahnmal beschmiert und erst nach einiger Zeit auf Veranlassung der Stadtverwaltung gereinigt. Danach stellte sich zunächst die Frage, wer die Rechnung bezahlt. Denn das Gelände gehört der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Si...

Dieter Hanisch, Kiel

Gifttour durch den Norden

Vor der geplanten Einlagerung von Giftschlamm aus Niedersachsen in Deponien zwischen Lübeck und Schwerin wächst der Protest in der Bevölkerung - auch entlang der vorgesehenen Transportstrecke.

Seite 17
Auf dem Spiel
ndPlusHendrik Lasch

Auf dem Spiel

Wenn das kein Urvertrauen ist! »Unverzichtbar!«, steht über goldenem Grund auf dem schwarzen Spielzeitheft des Theaters Halberstadt. »Unverzichtbar!«, heißt es auf dem Plakat für »Lohengrin«, das in der Herbstsonne in einem Schaukasten hängt. »Unverzichtbar!«, ruft es schließlich auch von dem Banner, das die Theaterleute von Halberstadt am Tor ihres Hauses aufgespannt haben. 13 große Lettern - und...

Seite 18
Schmutzwasser für Verdurstende
Gerhard Klas

Schmutzwasser für Verdurstende

Eigentlich sollten Mikrokredite den Armen helfen, eine »einkommensschaffende Tätigkeit« aufzubauen und so der Armut zu entkommen. Dafür erhielt Muhammad Yunus, der Gründer der Grameen Bank in Bangladesch, 2006 den Friedensnobelpreis. Er proklamiert ein »Grundrecht auf Kredit« und will mit Hilfe der Mikrokredite die »Armut ins Museum verbannen«. Die Realität sieht freilich anders aus.

Seite 19
Wir-Gefühl statt Ich-AG
ndPlusJochen Bülow

Wir-Gefühl statt Ich-AG

»Gemeinsam sind wir stark« - die alte Weisheit war der Vater des Genossenschaftsgedankens: Unabhängig voneinander entstehen Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa die ersten modernen Genossenschaften als Antwort auf die kapitalistischen Produktions-, Arbeits- und Lebensbedingungen. Aber die Wurzeln reichen viel tiefer und die Genossenschaft lebt bis heute: 2012 feiern die Vereinten Nationen das »UN-Jahr der Genossenschaften«.

Seite 20
Lebenszeichen

Lebenszeichen

KürzelVon allen Meeren, die ich kenne, von allen Wassern, die ich liebe, steht mir der Teupitzsee am nächsten. Krabben an Biloxi schmecken immer ein wenig wie Krebse bei Tornows Idyll. Die bunten Wipfel der Ägäis wehten so schwermütig wie die an der Liebesinsel. Den Scharmützelsee roch ich trotz des Fischtrans von Monterey. Badete ich in Meknes oder am Fort de l‘eau, schienen Araberjungen selten b...

Seite 21
Im Westen was Neues
René Lenz

Im Westen was Neues

Inzwischen hat die Debatte um »postdemokratische Zustände« ihren Weg in europäische Feuilletons gefunden. Zuerst aufgetaucht war der Begriff »Postdemokratie« im Titel eines 73-seitigen Arbeitspapiers, das die britische »Fabian Society« im Jahr 2000 veröffentlichte. Detailliert stellte der Soziologe Colin Crouch, der sich in dieser Denkfabrik der britischen Labour Party engagiert, seine Argumente d...

Seite 22
Pfadwechsel - hin zu einer neuen sozialen Ordnung
ndPlusRolf Reißig

Pfadwechsel - hin zu einer neuen sozialen Ordnung

Reform oder Revolution? Der Streit berührt Glaubensfragen und ist so alt wie die Arbeiter- und linke Bewegung selbst. Das Konzept der gesellschaftlichen Transformation bietet eine theoretische und politische Alternative.

Seite 23

WOCHEN-CHRONIK

4. November 1911: Deutschland und Frankreich schließen einen Interessenausgleichsvertrag über das von ihnen beanspruchte Marokko. 5. November 1576: Die rebellierenden protestantischen Nordprovinzen Hollands und Seelands vereinen sich mit den Generalstaaten im heutigen Belgien gegen die katholische spanische Herrschaft. 6. November 1971: Mit einer Protestaktion gegen unterirdische US-Atombomb...

Wladislaw Hedeler

Larissa Reissner

Die während ihres kurzen Lebens in »Eile und Hast« niedergeschriebenen Gedichte und Erzählungen spiegeln die an die Russische Revolution und an die darauf folgenden Kämpfe geknüpften Hoffnungen der Intellektuellen wider. In Heidelberg, Berlin und Paris, in der Familie eines Hochschullehrers aufgewachsen, fühlte Larissa Reissner (1. Mai 1895- 9. Februar 1926; Foto: www.colectif-smolny.org) sich ...

»Ihre Ehre ist nicht meine Ehre«
ndPlusOliver Matz

»Ihre Ehre ist nicht meine Ehre«

Hamburg, Untersuchungsgefängnis: Es ist der 4. November 1936, kurz vor sechs Uhr früh. Der zum Tode verurteilte 42 Jahre alte Etkar André wird gefesselt auf den Gefängnishof geführt. Dort befindest sich ein Schafott, auf ihm steht der Magdeburger Henker Carl Gröpler. Leise vor sich hin summend geht André allein die zwölf Meter bis zum Richtblock. Wachen binden ihm die Knöchel zusammen und schnalle...

Karl-Heinz Gräfe

Ein Aufbruch und ein Abbruch

Oft kommen die in gesellschaftlichen Krisen sich zu deren Lösung formierenden politischen Kräfte nicht zum Zuge - entweder vereitelt durch Zerstrittenheit der Akteure selbst oder aber auch durch gravierende Einwirkungen von außen. So geschehen im Herbst vor 55 Jahren in Ungarn. Tauwetter Die ungarischen Reformkommunisten unter Imre Nagy hatten schon in der mit Stalins Tod 1953 ausgebrochene...

Seite 24

Alles über die Grimms

Die bundesweit erste Professur zu Leben und Wirken der Brüder Grimm wird Anfang 2012 an der Universität Kassel eingerichtet. Wie die Hochschule am Freitag mitteilte, wurde dazu der Germanist Holger Ehrhardt berufen. Bei der Professur handele es sich um eine Stiftungsprofessur, die von Unternehmen aus der Region finanziert werde. Ehrhardt hob hervor, dass die Leistung der Brüder Grimm in vielerl...

Alice in Wonderland

Seit seinem Erscheinen vor mehr als 150 Jahren hat Lewis Carrolls Geschichte von »Alice im Wunderland« Künstler aller Richtungen inspiriert. In einer umfassenden Schau sind Gemälde, Skulpturen, Installationen, Theateraufführungen, Filme und Videos, die dabei entstanden, seit Freitag in der Tate Liverpool zu sehen (bis 29. Januar). Vom 20. Juni an kommt die Ausstellung »Alice in Wonderland« in die ...

ndPlusJürgen Amendt

Anonymisierter Widerstand

Die Volksabstimmung in Griechenland ist abgesagt. Das wird von vielen Demokraten bedauert. Bis hinein ins konservative Feuilleton wurde der Bürger als Souverän beschworen, den zu befragen die oberste Pflicht der Politik sei. Das ist, mit Verlaub, im Falle der derzeitigen Ereignisse in Europa, eine Perversion des Prinzips der Demokratie. Der Ruf nach dem Volk erfolgt von den Politikern nach Gusto, ...

PLATTENBAU

PLATTENBAU

Wenige haben das deutsche Popmusik-Liedgut der Nachkriegszeit so erweitert und beeinflusst wie Udo Lindenberg. Jeder kennt wenigstens ein paar Songs von ihm. Und mit Sicherheit, trotz eines unüberschaubaren Œvres, hat er einige davon Anfang Juni bei einer MTV-Unplugged-Session in Hamburg - wo sonst? - aufgeführt, die jetzt auf ein Doppelalbum gebannt in den Plattenhandel gekommen ist. Was an di...

Hans-Dieter Schütt

Mit Fußbank?

Das griechische Referendum findet nicht statt. Vielleicht war seine Ankündigung tatsächlich nur ein demagogischer Akt. Aber eine Schockwelle ging dennoch durch Europa. Die höheren, verhandelnden, beschließenden Kreise der Europäischen Union hielten den Atem an. Deren Gemütsbeben verriet einiges über Stand und Wert des landläufigen demokratischen Gefüges - ein Gefüge, bestimmt von trotzig schnurren...

Seite 25

1000 Kilo Geschichte

Das Wiener Burgtheater hat für Kulturfreunde eine besondere Weihnachtsgeschenkidee parat: Der alte, im Sommer ersetzte Holzboden der Wiener Renommierbühne wird in 1000 Teilen zu je einem Kilogramm verkauft. 600 Euro solle jedes Einzelstück dem Theaterfan schon wert sein, meinte Intendant Matthias Hartmann: »Das ist ein Stück österreichischer Kulturgeschichte! Das darf nicht billig sein.« Mit dem E...

Angst vor dem Auftritt

Berufserkrankungen von Musikern rückten am Freitag in Dresden in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Deutsche Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin hatte zum Symposium an die Elbe geladen. Am Abend wurde mit einem Festakt das neue Gebäude des Dresdner Instituts für Musikermedizin offiziell in Betrieb übergeben. Zu typischen Erkrankungen zählen akute und chronische Schmerzen als Folge ...

Der gute Ton
Hans-Dieter Schütt

Der gute Ton

An diesem Wochenende ist Berlin eine Hauptstadt der hohen Sprache. Heute, Samstag, liest Edith Clever (rechts, Foto: Thomas Aurin) in der Akademie der Künste; morgen, Sonntag, liest Inge Keller (links, Foto: Iko Freese / Drama) im Deutschen Theater. Zwei phänomenale Schauspielerinnen, und ein großer Text - beide lesen Heinrich von Kleists Novelle »Die Marquise von O ...«. Es ist dies die Gesch...

Anschwellender Strom
ndPlusMarion Pietrzok

Anschwellender Strom

Bekannt ist sicher vielen das Foto, das Ai Weiwei in einem Kochtopf sitzend zeigt. Kopf, Schultern und der nackte kugelige Bauch schauen gerade so übern Topfrand hinaus. Der Künstler lacht. Und es war wohl nicht ein Werbelachen anlässlich seiner Beteiligung an der documenta 2007, sondern die Freude über das Gelingen einer einzigartigen Kunstaktion: Der damals 50-jährige Chinese hatte 1001 seiner L...

Seite 26

Dokfilm: Kinderstube der Piraten

Ein Film, der quasi in die Kinderstube der Piratenpartei zurückblickt. Christine Baders Film »Hacks« (1998) zeigt die Sozialen Netzwerke der Hackerszene in den Jahren 1994 bis 1998. Bader porträtiert in ihrem Film junge Menschen, die über Sinn und Potenzial des weltweiten Datennetzes philosophieren. Ein Blick in die Hackerkultur der 1990er Jahre, die das Knacken der Computerzugänge großer Unterneh...

OUT of SPACE: Wahrheit und Wahrhaftigkeit

Dass Politiker öffentlich selten das sagen, was sie wirklich denken, wurde jetzt in Ägypten unter Beweis gestellt. Ein Wahl-O-Mat soll dort die Entscheidung für die Wahl in knapp vier Wochen erleichtern. Dazu hatten Spitzenpolitiker einen Online-Fragebogen beantwortet. Die Ergebnisse waren allerdings verblüffend: Menschen mit liberalen Einstellungen wurde die Wahl der radikalen Islamisten, Gegnern...

In der Zeitschleife

Das haben wir davon: Seit 150 Jahren telefonieren wir und vergessen dabei immer mehr die Zeit. Täglich, so hat jetzt jemand errechnet, werden allein in Deutschland 921 Millionen Gesprächsminuten über das Festnetz und den Mobilfunk übertragen. 921 Millionen Gesprächsminuten am Tag. Das sind umgerechnet rund 1750 Gesprächsjahre. Das sprengt unsere Vorstellungskraft: Aus einem Tag können wir das 1750...

Acht Zuschauer
ndPlusHeiko Hilker

Acht Zuschauer

Sie entscheiden über den Marktwert eines TV-Senders, über die Zukunft einer Sendung: die TV-Quoten. Doch Zweifel an der Aussagekraft der Einschaltquoten sind angebracht, wie folgendes Beispiel zeigt. Zwei Jahre gibt es nun schon ZDFneo. ZDFneo darf etwas ausprobieren, neue Formate entdecken. Allerdings können nur wenige das Programm empfangen, wie digitalfernsehen.de jetzt feststellte. »Bis jetzt ...

Enno Park

BLOGwoche: Schnauze, Schmidt!

Helmut Schmidt toll finden ist einer der großen gemeinsamen Nenner unserer Zeit. Schmidt ist bis heute der Kanzler der Herzen, politisch gemeuchelt auf dem Höhepunkt seiner Regierungszeit, ausgerechnet von Birne, der Witzfigur der 80er Jahre. Für meine Generation ist er eine Kindheitserinnerung wie »Captain Future« und »Moskau« von »Dschinghis Kahn« - auch heute noch cool, etwas peinlich, aber aus...

Robert Meyer

Marktplatz des Halbwissens

Die 2010 gefallene Entscheidung der ARD, einen der beliebtesten TV-Gesichter Deutschlands für ein fünftes Talkshowformat im Ersten zu verpflichten, war mutig und wohl kalkuliert zugleich. Immerhin setzt man die Zuschauer nach Will, Maischberger, Plasberg und Beckmann der Gefahr eines medialen Overkills aus. Für einen weiteren Talk im Ersten musste also eine Person gefunden werden, welche entweder ...

Seite 27
Streitfrage: Wie soll die LINKE über den Vorsitz entscheiden?

Streitfrage: Wie soll die LINKE über den Vorsitz entscheiden?

Sollen alle über alles mitreden? Oder soll ein Händedruck im Hinterzimmer eine Entscheidung besiegeln? Den einen zufolge stellt das freimütige öffentliche Austragen einer Debatte um Personal und Posten ein sichtbares Zeichen »demokratischer Kultur« dar. Die anderen meinen, eine solche Beschäftigung mit Personalfragen werde von den Medien nur als Querelen und Streit wahrgenommen.»nd« hat Politikeri...

Seite 28
Warten auf die Fusion

Warten auf die Fusion

Auch wenn die technischen Versuche, die Kräfte im Inneren von Atomkernen als Energiequelle nutzbar zu machen, bislang ziemlich umstrittene Ergebnisse gebracht haben, so liefern diese Kräfte letztlich die Energie, ohne die es kein Leben auf der Erde gäbe. Die Sonne produziert ihre Energie mithilfe der Fusion von Wasserstoff- zu Heliumkernen und unsere Erdkugel wäre ohne radioaktiven Zerfall im Erdi...

Doppelbrechung hilft sehen

London (AFP/nd). Der sagenumwobene »Sonnenstein«, der die Wikinger selbst unter schwierigen Wetterverhältnissen sicher über die Meere geführt haben soll, ist vermutlich mehr als nur eine Legende. Einer im Fachblatt »Proceedings A« der britischen Royal Society veröffentlichten Studie zufolge nutzten die legendären Seefahrer vermutlich sogenanntes Kalkspat, um die genaue Position der Sonne auszumach...

ndPlusMartin Koch

Schmutzige Wissenschaft

Um möglichst rasch in die Schlagzeilen zu gelangen, gibt es für einen Wissenschaftler ein einfaches Rezept: Führe eine Studie zu einem ideologisch aufgeladenen Thema durch! Daran hielt sich jahrelang auch der niederländische Psychologe Diederik Stapel, der 2002 als Professor für Kognitive Sozialpsychologie an die Universität Groningen berufen wurde und 2010 den Posten des Dekans an der Tilburg Sch...

ndPlusUlrike Henning

Viel geforscht, wenig verstanden

Individualisierte Medizin lautet das neue Schlagwort für den Fortschritt der heilenden Zunft. Der Ansatz verheißt Großartiges: Das Genom eines jeden Menschen komplett entschlüsseln, alle Krankheitsveranlagungen und Risiken erkennen, entsprechend vorsorgen, die genau passenden Medikamente entwickeln und niemals wirklich krank werden. Doch so einfach ist es leider nicht. Nicht nur die hohen Kosten s...

Seite 29

Jede Woche zählt!

Der 1. Platz und damit der Hauptgewinn des Oktober-Wissenstests geht an Hanne Sievert, 16928 Pritzwalk. Er kam wie fünf weitere Teilnehmer auf 36 von 40 Punkten - und die Losglückfee hat sich ihn ausgeguckt. Gewonnen hat Herr Sievert einen dreitägigen Aufenthalt (zwei Übernachtungen mit Frühstück) für zwei Erwachsene und maximal drei Kindern im Hotel Lugsteinhof in Zinnwald - vorzugsweise im Winte...

Schach: Dominant
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Schach: Dominant

Immer mehr erinnert die Dominanz der chinesischen Frauen an die Vorherrschaft der sowjetischen Männer in den vergangenen 50er und 60er Jahren. Zwar haben sie das Niveau von Judit Polgar (Ungarn; 35), bisher beste Spielerin der Schachgeschichte, noch nicht erreicht - aber die 18-jährige Yifan Hou ist Weltmeisterin, und die Chinesinnen kontrollieren klar das Frauen-Grand-Prix. Nehmen wir nur mal Zha...

Wissen, punkten, gewinnen

● An vier Wochenenden stellen wir jeweils drei Fragen. Sie beziehen sich auf historische Daten der Folgewoche.● Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt.● Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im ND gesammelt.● Am Monatsende gewinnen die meisten Punkte; bei Gleichstand wird unter Ausschluss des Rechtsweges ...

Die Maus im Haus ist nicht immer nur allein
Prof. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe

Die Maus im Haus ist nicht immer nur allein

Im Garten bekommt man kaum jemals eine Maus zu sehen. Im Winter füttere ich die Vögel zwar unter anderem vor dem Fenster am Boden, also für Mäuse leicht erreichbar, aber sie nutzen das Angebot allenfalls nächtlich. Einen Eindruck davon, dass sie wenigstens zeitweilig in großer Zahl vorhanden sind, vermittelten einst zwei Masseninvasionen im Haus. Beide Male geschah das im Sommer, also nicht et...

Kreativ und ohne Rückenschmerzen

Kreativ und ohne Rückenschmerzen

Sie wiegen sich auf Mittelalterfesten zu Dudelsackklängen und geben richtig Gas beim Karneval der Kulturen: Die 12 Frauen von »Mirabilia-Tribal« haben sich vor zwei Jahren unter dem Zeichen der Wunderblume zusammengefunden. Über Motive, Spaß und Training berichtet DÖRTE, Sprecherin der Truppe, im Alltagsleben Augenoptikerin (Foto: Mirabilia-Tribal, hintere Reihe, 3. v.l.).

Seite 30
iPhone im Holz-Design
ndPlusFrank Heinzl

iPhone im Holz-Design

Neulich in Neapel. Hauptbahnhofgegend. Das Thermometer zeigt um 20 Uhr immer noch 22 Grad an. Der FC Bayern hat sich am Tag zuvor im San Paolo Stadion zu Napoli mehr schlecht als recht aus der Affäre gezogen. »iPhone, iPhone 4 s«, dringt eine Stimme in mein Ohr. Ich drehe mich um. »Schwede? Engländer?«, fragt mich ein Mann. »Nein, Deutscher!« »Woher?« »München, Bavaria!« »Ah, ein gutes Spiel g...

Mit Felix Krull durch Lissabon
Wolfgang Weiß

Mit Felix Krull durch Lissabon

»Gemischt war schon die Urbevölkerung, Iberer, wie Sie natürlich wissen, mit keltischem Einschlag. Aber im Verlauf von zweitausend Jahren haben Phönizier, Karthager, Römer, Vandalen, Sueven und Westgoten, dazu besonders die Araber, die Mauren mitgearbeitet, den Typ zu schaffen, der Sie erwartet, - einen netten Zuschuss von Negerblut nicht zu vergessen, von den vielen schwarzhäutigen Sklaven her, d...

Seite 31
Wie heißt das Wort nur auf Deutsch?
Heidi Diehl

Wie heißt das Wort nur auf Deutsch?

Faulheit rächt sich irgendwann. Oder war es Ignoranz? Egal, jedenfalls konnte ich Englisch in der Schulzeit rein gar nichts abgewinnen. Auch, wenn sich meine Lehrerin, Mrs. Worght, eine echte englische Lady, alle Mühe gab, mich für ihre Muttersprache zu begeistern. »Sie werden es bereuen«, prophezeite sie mir, als sich unsere Wege für immer trennten. Wie sehr sie recht hatte, merkte ich e...

Seite 32
Lausitzer Landschaften
ndPlusHans-Dieter Schütt

Lausitzer Landschaften

Die Lausitz: angebaggerte Landschaft. Also vorrangig Männerwerk. Unablässig, aus vollen Schaufelrädern: Erdfraß - um den Hunger nach brauner Kohle zu stillen. Aber still wurde es nie unterm »tierischen Schrei der Eimerketten«, wie Volker Braun es vor fünfzig Jahren beschrieb, dieser Dichter der Arbeit, Baal als Brigadist, mit klarer proletarischer Selbstvorgabe: »lauwarmes Schmieröl trinken gegen ...