Seite 1

Unten links

Der Umweltschutz bleibt ein eigen Ding. Politiker zum Beispiel reden zwar ziemlich gefiltert, aber was manche mitunter so sagen, verpestet dennoch die Atmosphäre. Also möchte man erwidern: Haltet die Luft an! Dies müsste allerdings länger als zehn Minuten dauern dürfen. Das freilich ist die Illusion: Verbohrtheit erstickt nicht an sich selbst. Eine Umweltkonferenz in Wien hat jetzt einmal mehr an ...

Zivilcourage gegen Nazis gelobt

Berlin (nd-vesper). Als Zeitzeuge und Überlebender der Shoah sprach gestern im Bundestag während der Gedenkstunde zum Tag der Opfer des Nationalsozialismus der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. Der 91-Jährige erinnerte sich an den 22. Juli 1942, den Beginn der Deportation der Warschauer Juden in die Vernichtungslager. Der junge Reich-Ranicki war Protokollant, als das »Ausrottungskommando« de...

Tarnname »Verfassungsschutz«
ndPlusRolf Gössner

Tarnname »Verfassungsschutz«

Alle sind überrascht, viele empört. Aber letztlich war der Skandal schon lange bekannt: Die LINKE, etliche ihrer Funktionäre und Abgeordneten werden seit Jahren vom Verfassungsschutz (VS) flächendeckend überwacht - und der Geheimdienst darf das auch. Das ist die bittere Erkenntnis einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2010. Das Gericht hatte die Klage des Linksfraktionschefs im Thüringer ...

Kay Wagner, Brüssel

Schwarze Listen im EU-Hinterzimmer

Weitgehend unbemerkt sammelt die EU-Kommission Daten von Personen, Unternehmen und Institutionen, die nach Brüsseler Meinung eine Gefahr für die Gemeinschaft darstellen könnten. Der EU-Ombudsmann geht nun gegen diese Praxis vor.

Seite 2
14 Jahre Probezeit

14 Jahre Probezeit

nd: Was bedeutete für Sie der »Radikalenerlass«?Lipps: Es fing 1974 an. Ich hatte gerade die Probezeit absolviert und normalerweise wurde man dann Beamter auf Lebenszeit und Studienrat. Da kamen die Regelanfrage beim Verfassungsschutz und die erste Anhörung. 1975 wurde ich entlassen. Ich habe geklagt und vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe und dem Verwaltungsgerichtshof gewonnen. Und dann war...

Hans Canjé

Mit Kanonen auf Spatzen geschossen

Nicht nur bei unseren französischen Nachbarn stieß auf absolutes Unverständnis, was die Konferenz westdeutscher Ministerpräsidenten unter Vorsitz des SPD-Bundeskanzlers Willy Brandt am 28. Januar 1972 beschloss. In Ermangelung einer adäquaten Vokabel fand das deutsche Wort »Berufsverbot« Eingang in die französische Sprache.

Jörg Meyer

Endlich Entschädigung

Heute vor 40 Jahren beschlossen die Ministerpräsidenten und Bundeskanzler Willy Brandt den »Radikalenerlass«. Tausende Anwärter auf den öffentlichen Dienst wurden in der alten Bundesrepublik mit Berufsverbot belegt, Millionen überprüft. Nun haben sich Betroffene zusammengetan und fordern Entschädigung und eine vollständige Rehabilitierung.

Seite 3
Operation Krankenhaus
ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Operation Krankenhaus

430 000 Dresdner Bürger können am Sonntag darüber abstimmen, ob zwei Krankenhäuser in eine GmbH umgewandelt werden oder nicht. Gegner erhoffen aus der Stadt, die vor sechs Jahren alle ihre Wohnungen verkaufte, ein Signal wider die Privatisierungswut. Doch die Latte liegt hoch.

Seite 4

Keine Menschen, bitte!

Die EU-Staaten haben entschieden, dass für Asylbewerber auch künftig das Land zuständig sein soll, in das es ihnen zuerst einzureisen gelang. Auf diese Art kann das reiche Deutschland seine Flüchtlingspolitik weiterhin von den Mittelmeerstaaten erledigen lassen. Und Deutschland kann im Grundgesetz den Satz »Politisch Verfolgte genießen Asylrecht« stehen lassen. Verfolgte kommen ja nicht bis hierhe...

Unter Genossen

Für die LINKE gibt es derzeit zumindest von Teilen der SPD ungewohnte Unterstützung. Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz bezeichnete die Überwachung von Mitgliedern der Linksfraktion im Bundestag als »verfassungswidrig«. Sie müsse nun abgestellt werden. Ganz uneigennützig ist das Verhalten von Wiefelspütz und weiteren Mitgliedern seiner Fraktion, die sich ähnlich geäußert hatten, indes nicht. Der Ve...

Jeden Krieg gewinnen

Es ist das erste Mal seit dem 11. September 2001, dass der Pentagon-Chef mit einem kleineren Etat als im Jahr zuvor planen muss. 525 Milliarden Dollar sieht der Vorschlag der Obama-Regierung für das sogenannte Basisbudget im Fiskaljahr 2013 vor. Wie beim größten Rüstungsprojekt, der Beschaffung des Mehrzweckkampfjets F-35, sollen etwa Bestellungen hinauszögert und so Geld gespart werden. Allerding...

Kleiner Sieg
René Heilig

Kleiner Sieg

Vor ein paar Monaten versuchten Friedensbewegte, das Kanzleramt zu umzingeln, um klar zu machen, dass die Mehrheit des Volkes den Afghanistan-Krieg ablehnt. Am Rande stand ein Mann mit Fahrrad - lang, knochig, weißes Strubbelhaar, buschige Augenbrauen, T-Shirt unterm Hemd: Hans Christians Ströbele, Abgeordneter der Bündnisgrünen im Bundestag, ewig auf Seiten derer, die kämpfen und selten gewinnen....

Nur ein erster Schritt?

Nur ein erster Schritt?

nd: Der Bundestag hat am Donnerstag beschlossen, dass »unbemannte Fluggeräte« künftig als Luftfahrzeuge gelten sollen. Bedeutet dies, dass ferngesteuerte Modellflugzeuge den gleichen Status besitzen werden wie ein Airbus-Flieger?Behrens: Nein, es geht darum, dass bislang Starts und Landungen von unbemannten Fluggeräten - wir nennen sie Drohnen - vorher ganz normal angemeldet werden mussten, um bei...

Seite 5

»Betroffenen weiter Gehör schenken«

Berlin (epd/nd). Der neue Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat dazu aufgerufen, den Betroffenen sexuellen Kindesmissbrauchs weiter Gehör zu schenken. Nach dem Ende des Runden Tisches fange die Arbeit erst an, sagte Rörig am Freitag nach einem ersten Treffen mit Betroffeneninitiativen in Berlin. Der Runde Tisch habe in seinem Abschlussbericht Ende November eine Vi...

ndPlusInes Wallrodt

Wirkungslose Sammelei

Eine neue Studie zur Wirksamkeit der Vorratsdatenspeicherung stärkt der Justizministerin den Rücken. Wissenschaftler konnten keinen zusätzlichen Nutzen für die Aufklärung von Straftaten finden. Doch die Union lässt sich nicht beirren.

Im Gespräch mit Nazi-Schlägern
Marcus Meier

Im Gespräch mit Nazi-Schlägern

Das von Kristina Schröder (CDU) geführte Bundesfamilienministerium bewilligte Gelder für ein Projekt, das jugendliche Nazis bekehren will - durch Altersgenossen »aus ›bildungsfernen‹ Milieus«. Die Kritik ist massiv. Selbst der Projektträger hält die Qualitätsstandards des Projektes für überarbeitungsbedürftig.

Seite 6

Edelstahlwerker in Sorge

Bochum (Agenturen/nd). Tausende ThyssenKrupp-Edelstahlwerker haben sich am Freitagmittag im Kampf um der Erhalt ihrer Werke zu einer Kundgebung in Bochum versammelt. Die IG Metall fordert Standort- und Arbeitsplatzgarantien für den Fall des Verkaufs von Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu. Kein Standort und kein Beschäftigter in Deutschland dürfe unter die Räder kommen. »Wir fordern, d...

Schäubles neuer Vorstoß

Berlin (dpa/nd). Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält am umstrittenen Steuerabkommen mit der Schweiz trotz des Widerstands der Länder fest. »Ich will dieses Abkommen umsetzen«, sagte er der »Stuttgarter Zeitung«. Mit der EU-Kommission habe er die offenen Fragen in dieser Woche abschließend klären können, wie das Steuerabkommen in die EU-Zinssteuerrichtlinie eingebettet wird. Von dort ...

Stefan Otto

Fromm dementiert

Die Nachricht sorgte für Erstaunen: Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), Heinz Fromm, habe sich dagegen ausgesprochen, den Bundestag über die Beobachtung von Abgeordneten Auskunft zu erteilen, vermeldeten die »Stuttgarter Nachrichten« in ihrer Freitagsausgabe. »Eine solche Sonderregelung halte ich nicht für praktikabel«, wird Heinz Fromm zitiert. Anfang der Woche wurde durch M...

Dieter Hanisch, Kiel

Kampf um die vorderen Plätze

Im hohen Norden stehen im Mai Landtagswahlen an. Die LINKE will nach 2009 wieder in den Kieler Landtag. An diesem Wochenende entscheidet sich, wer auf der Landesliste für die Partei ins Rennen geht.

Seite 7

US-Armee soll schrumpfen

Washington (dpa/nd). Die US-Militärs wollen ihre Streitkräfte in den nächsten fünf Jahren um gut 90 000 Mann verringern. Dennoch betonte Verteidigungsminister Leon Panetta: »Wir wollen weiterhin die stärksten Streitkräfte in der Welt bleiben.« Die US-Militärs seien auch dann in der Lage, »jeden Gegner überall und jederzeit« zu besiegen. Das aktive Herr werde um rund 70 000 auf 490 000 Mann verring...

Prozess gegen Exdiktator Rios Montt

Guatemala-Stadt (dpa/nd). Ein Gericht in Guatemala hat am Donnerstag gegen den früheren General und Diktator Efrain Rios Montt (85) einen Prozess wegen Völkermordes eröffnet. Nach einer ersten Anhörung entschied die Richterin aber, dass Rios Montt wegen seines Alters während des Verfahrens nur unter Hausarrest gestellt wird. Während der ersten Anhörung hatte der Exgeneral zuvor zu den Anschuldigun...

In der Sahelzone droht Hungerkatastrophe

Das Hungerdrama in Somalia und Kenia ist noch nicht ausgestanden, da kommen aus einem anderen Teil Afrikas beunruhigende Nachrichten: Im Westen der Sahelzone leiden Millionen Menschen unter einer schweren Dürre. Um Leben zu retten, ist schnelles Handeln nötig.

Hartes Feilschen um Schuldenerlass für Athen

Deutschland und Finnland lehnen eine Verstärkung des Euro-Rettungsfonds EFSF derzeit ab. Vor dem Euro-Krisengipfel am Montag machten die beiden Länder deutlich, dass es zunächst um schärfere Regeln für mehr Haushaltsdisziplin gehen müsse.

Gerhard Dilger, Porto Alegre

Rousseff geißelt EU-Sparpolitik

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat auf dem Weltsozialforum scharfe Kritik an der Sparpolitik der EU geübt. »Erneut werden in Europa gescheiterte Rezepte vorgeschlagen«, sagte Rousseff. Die Kluft zwischen dem Willen der Bevölkerung und der »Stimme der Märkte« werde offenbar immer größer, erklärte sie.

Seite 8

Belgrad: Kein Kompromiss mit Kosovo

Belgrad (dpa/nd). Die serbische Regierung hat dementiert, dass ein Kompromiss mit Kosovo über das gemeinsame Auftreten der beiden Staaten auf internationalen Konferenzen erzielt wurde. Die Fronten zwischen Belgrad und Pristina seien vielmehr in dieser Frage verhärtet, sagte der serbische Chefunterhändler Borislav Stefanovic der Belgrader Zeitung »Novosti« am Freitag. Daher stehe auch die Fortsetzu...

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Zweifelt Sarkozy an seiner Wiederwahl?

Während Frankreichs sozialistischer Präsidentschaftskandidat François Hollande jetzt gleich 60 weitreichende Wahlkampfversprechen präsentierte, überraschte Amtsinhaber Nicolas Sarkozy mit politischen Abschiedsgedanken.

ndPlusSilviu Mihai, Bukarest

Rumänien zittert und protestiert

Trotz Schneesturm und extremer Wintertemperaturen sammeln sich im Rumäniens Großstädten jeden Abend Tausende, um gegen die drastischen Sparmaßnahmen der rechtsliberalen Regierung zu demonstrieren.

Seite 9

Steueroasen bei Banken weiter hoch im Kurs

Berlin (nd). Deutsche Großbanken sind weiterhin massiv in Steueroasen aktiv. Die Deutsche Bank hat die Zahl ihrer Niederlassungen an Schattenfinanzplätzen sogar deutlich erhöht, allein in Luxemburg sind 34 neue Aktivitäten hinzugekommen. Das ist das Ergebnis einer aktualisierten Untersuchung, die Attac am Freitag vorgelegt hat. Für ihre Recherche durchforsteten Aktivisten des Netzwerks die Ante...

»Übelste Unternehmen«

Davos (dpa/nd). Der Schmähpreis »Public Eye Award« für soziale und ökologische Vergehen geht in diesem Jahr an den britischen Bankkonzern Barclays Capital und den brasilianische Minenkonzern Vale. Auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos erklärten die Initiatoren am Freitag, beide Konzerne stünden exemplarisch für jene WEF-Mitglieder und Unternehmen, deren Praktiken die Auswüchse einer rein pro...

Johanna Treblin

Grün gewaschen

Auch die Grüne Woche, die am Sonntag zu Ende geht, hat gezeigt: Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Kriterium in der Landwirtschaft geworden. Die Umweltorganisation WWF kritisiert, viele Label versprechen Standards ohne sie einzuhalten.

Seite 12
ndPlusBritta Körber, dpa

Russland dominiert Eiskunstlauf-EM

Die russischen Eiskunstläufer melden sich bei den Europameisterschaften stark zurück, die deutschen stecken im Mittelmaß. Ohne die verletzten Titelverteidiger Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy aus Chemnitz hatten Tatjana Wolossoschar und Maxim Trankow am Donnerstagabend freie Bahn zu ihrem ersten Titel. Die deutschen Paare sicherten mit den Plätzen fünf und sieben immerhin drei Startplätze für...

Manfred Hönel

Deutsche Radsprinter im Temporausch

»Hier ist die Welt noch in Ordnung«, staunte Klaus Dobbratz, einstiger Pressechef der längst eingeschlafenen Stuttgarter Sechstage. Berlin dagegen ist offenbar nicht in die Knie zu zwingen. Rund 24 000 Zuschauer amüsierten sich an den beiden ersten Tagen der 101. Six Days. Großartige Stimmung und hochklassiger Sport - diese Mischung funktioniert hier noch. Schon jetzt steht der Termin für das 102....

ndPlusAlexander Ludewig

Nur noch eine Werbemaschine

Klickt man sich in diesen Tagen durch die Internetseiten von Bayer Leverkusen, trifft man oft auf Michael Ballack. Er jubelt auf der Startseite und ist der lächelnde Vorzeigespieler im Fanshop. Heute, auf dem Spielfeld bei Werder Bremen, wird man ihn vergeblich suchen - sein Platz ist die Auswechselbank. Während die Marketingidylle um den Werbestar Ballack aufrechterhalten wird, scheint der Fußbal...

Seite 13

Kränkelnde Berliner

(epd). Die Berliner sind mit durchschnittlich 18,6 Tagen bundesweit am häufigsten krank. Auf Platz zwei folgt laut dem am Freitag vorgestellten BKK-Gesundheitsreport für 2011 Brandenburg mit 18,3 Tagen. Die niedrigsten Krankenstände haben wie im Vorjahr Bayern mit 13,3 und Baden-Württemberg mit 13,8 Tagen. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 15,3 Tagen. Die gravierendsten Steigerungsraten w...

Tarifstreit ohne Ergebnis

(nd). Die Tarifverhandlungen bei der Firma Globe Ground Berlin an den Berliner Flughäfen sind am Donnerstag nach zähem Hin und Her ohne Ergebnis beendet worden. Die Tarifkommission hatte während der Verhandlungen der Arbeitgeberseite angeboten, für eine vierprozentige Entgelterhöhung auch eine Arbeitszeitverlängerung von 1,5 Stunden in der Woche zu akzeptieren. Globe Ground lehnte dies ohne vorher...

Sarah Liebigt

Zwischenfunk

Am Donnerstag tagte das Berliner Abgeordnetenhaus. Mitunter geht es dabei zu wie im Debattierzirkel eines Kleingartenvereins. Zwischenrufe, schmollende wie spöttische, rotzlöfflige wie pikiert mahnende, sind an der Tagesordnung. Versprecher gehören im Eifer der Diskussion ebenso dazu. Hier ein Auszug aus dem Gesprächsprotokoll. Regienotizen inklusive. Vizepräsident Andreas Gram: Danke schön! - ...

Waffenfund in rechter Szene

(dpa/nd). Ein Dutzend Gewehre und Pistolen haben Beamte des Berliner Landeskriminalamtes bei einer Durchsuchungsaktion in drei Privatwohnungen beschlagnahmt. Zu den Wohnungen in Niederschönhausen, Blankenfelde und Alt-Hohenschönhausen waren Beamte des Polizeilichen Staatsschutzes zur Sicherheit in Begleitung von Polizisten des Spezial- und des Mobilen Einsatzkommandos (SEK und MEK) angerückt. Zude...

Debatte um Übergangsgeld

(dpa). Alle fünf Fraktionen im Abgeordnetenhaus wollen die Regeln zum Übergangsgeld im Berliner Senatorengesetz ändern. Die Neufassung ist jedoch noch umstritten, wie die erste Lesung eines Gesetzentwurfs der rot-schwarzen Regierungsfraktionen am Donnerstag zeigte. SPD und CDU schlagen darin vor, das Übergangsgeld, das einem Senator nach der Entlassung aus dem Amt gezahlt wird, an die Dauer der Am...

Friedrichshagen brodelt

(dpa/nd). Den angekündigten Klagen gegen die am Donnerstag vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) Flugrouten für den neuen Berliner Flughafen werden von Experten kaum Chancen auf Erfolg eingeräumt. Elmar Giemulla, Honorarprofessor für Luftrecht an der TU Berlin, kennt keinen Fall, bei dem die Bürger Recht erhalten hätten. Auch die Eröffnung des Flughafens kann nach Einschätzung des Luftver...

Lieber Mieter statt Touristen
Christin Odoj

Lieber Mieter statt Touristen

In Berlin wird der Wohnraum knapp. Pro Jahr drängen 15 000 Haushalte auf den Wohnungsmarkt, neu gebaut wurden bisher allerdings nur knapp 4000 Wohnungen jährlich. Der Verband Berlin Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) spricht von einem Leerstand von unter drei Prozent in den innerstädtischen Bezirken. Auch der Berliner Mieterverein (BMV) bestätigt, dass in neun von zwölf Bezirken die Nachf...

Seite 14
Kohle, Knete, Zaster
Lucía Tirado

Kohle, Knete, Zaster

Drei Sorgen sind des Menschen Gaben: Er hat, er hatte und will haben. Das alte Sprichwort bezieht sich auch aufs Geld - die Kohle, die Knete, den Zaster. Das braucht man nun mal zum Tauschen gegen Dinge, die fürs Leben wichtig sind. Auch, wenn man ins Theater will. Sei es, um dort mehr über Geld zu erfahren. Die schon 7. Winterakademie im Theater an der Parkaue vom 30.1. bis 4.2. unter dem The...

ndPlusTobias Riegel

Unterm Bass-Brei

Zu Beginn wollte man noch gerne an einen dramaturgischen Kniff glauben. Daran, dass sich aus dem undefinierbaren Klang-Matsch, der sich in den ersten Minuten des Konzertes der US-Sängerin Lauryn Hill verbreitete, schlagartig ein Song in glasklarer Qualität herausschälen würde. Doch die Fans im restlos ausverkauften Tempodrom wurden am Donnerstagabend von der Technik ebenso im Regen stehen gelassen...

Seite 15

Mietobergrenze anheben

(dpa). Die Landesarmutskonferenz Berlin hat eine baldige Anhebung der Mietobergrenzen für Hartz-IV-Empfänger verlangt. Sie forderte den Senat am Freitag auf, bis Ende März die Ausführungsvorschriften für die Wohnkostenübernahme an die realen Mieten anzupassen, wie sie auch der Berliner Mietspiegel abbilde. Bei immer mehr Hartz-IV- und Sozialhilfeempfängern reiche der Mietzuschuss der Ämter nicht m...

Messerstecher verurteilt

(dpa). Nach einer Messerstecherei am U-Bahnhof Onkel-Toms-Hütte in Zehlendorf ist ein 20-Jähriger zu 22 Monaten Jugendstrafe verurteilt worden. »Das erschreckende ist, dass die Tat völlig ohne Grund geschehen ist«, sagte Richterin Iris Berger am Freitag vor dem Berliner Landgericht. Der Täter hatte am 6. Februar vergangenen Jahres einem 17-Jährigen ein Messer in den Rücken gerammt. Der Junge hätte...

Dieter Hanisch, Rendsburg

Klage gegen Plakatverbot

Der Streit zwischen der Rendsburger Verwaltung und der LINKEN über das Aufhängen eines Plakats soll vor Gericht geklärt werden.

Christen blockieren mit

Am 13. und 18. Februar wollen in Sachsens Landeshauptstadt wieder Nazis aufmarschieren. Das offizielle Dresden will demonstrieren, jedoch nicht zu Blockaden aufrufen. Man stehe aber »in keiner politischen Gegnerschaft« zum Blockade-Bündnis »Dresden Nazifrei!«.

Wolfgang Weiß

Wohnen in der »Waschküche«

Im Treptow-Köpenicker Ortsteil Spindlersfeld tut sich was. Hier, zwischen Ernst-Grube- und Ottomar-Geschke-Straße, auf dem Areal der 1873 errichteten »Anstalt zur chemischen Reinigung, Wäscherei und Färberei« des Unternehmers Wilhelm Spindler, soll bis 2015 eines der ambitioniertesten Wohnbauprojekte Berlins entstehen. In der »Wasserstadt Spindlersfeld«, so der Name, werden laut Masterplan direkt ...

Seite 16

Stobrawa soll zurücktreten

Bad Saarow (dpa). In einem offenen Brief haben Gemeindevertreter von Bad Saarow den Rücktritt ihrer ehrenamtlichen Bürgermeisterin Gerlinde Stobrawa (LINKE) wegen Stasi-Vorwürfen gefordert. In dem Schreiben wird betont, dass die Vertrauensbasis für die Zusammenarbeit fehle. Eine nicht enden wollende Diskussion über eine ehemalige inoffizielle Stasi-Mitarbeiterin schade dem Ansehen der Gemeinde. Üb...

ndPlusLeticia Witte, dpa

Schuhe restaurieren in Auschwitz

Die Schuhe zu Bergen aufgetürmt, eine große Menge an Haaren: Die Bilder aus den Konzentrationslagern haben sich ins Gedächtnis eingebrannt. »Die Schuhe sind ein Symbol für Auschwitz«, sagte Restaurierungswissenschaftlerin Beate Kozub. Die Restaurierung solcher und anderer Hinterlassenschaften sei in den vergangenen Jahren immer weiter fortgeschritten - parallel zum Stand der Technik, den politisch...

Angekettet am Bergwerkstor

Rund 150 Atomkraftgegnerinnen und -gegner haben gestern Mittag für etwa zwei Stunden die sechs Tore zum Endlager-Erkundungsbergwerk in Gorleben blockiert. Dadurch verzögerte sich der Schichtwechsel der Betriebsstätte. Zu Auseinandersetzungen mit der Polizei kam es nicht. Die Sitzblockade sei als Protest gegen »den Weiterbetrieb der Endlagerbaustelle« zu verstehen, erklärte eine Sprecherin der »...

Anett Böttger, dpa

Nächstenliebe als Lebenswerk

Intensiv und selbstlos lebte Hildegard Burjan. Die Akademikerin, Ehefrau, Mutter, Politikerin und Christin wurde nur 50 Jahre alt. Doch sie hinterließ in Europa tiefe Spuren.

ndPlusChristine Engel, dpa

Die Mumien von Pförring

Fünf mumifizierte Tote aus dem 19. Jahrhundert wurden im November in Pförring aus einer vergessenen Gruft geborgen. Es handelt sich um die Familie eines Kammerherrn von Bayernkönig Maximilian I. Robert Kiesel hat ihre Geschichte aufgearbeitet und schreibt nun ein Buch.

Trotz Soko sinkt Aufklärungsquote
ndPlusRainer Funke

Trotz Soko sinkt Aufklärungsquote

Diebstähle und Einbrüche waren seine ersten Fälle anno dazumal in der DDR. Gut kann er sich an Ermittlungen erinnern, als über Nacht der Vergaser eines Pkw Trabant ausgebaut und gestohlen wurde. Das war für das Opfer tragisch, weil das Teil zum raren Autozubehör zählte, das man nicht einfach im nächsten Fahrzeugladen kaufen konnte. Derartige Delikte taugen nur noch als Anekdoten. Denn heutzutage w...

Seite 17
Kinderspiel
ndPlusThomas Bruhn

Kinderspiel

Der Hörer hört nichts. Weil er nichts weiß, hört er’s nicht. Weil ich aber genau wissen wollte, was ich hörte, weil ich wissen wollte, warum Musik mich berührt, ging ich am Sonntagvormittag ins Familienkonzert. Dort, so wurde mir versichert, wird mir das ordentlich erzählt werden. Auf dem Programm standen die sinfonischen Tänze aus der »West Side Story« von Leonard Bernstein. Familienkonzert und n...

Seite 18
Zahnarzt im Waschsalon
Marcus Meier

Zahnarzt im Waschsalon

50 Cent Spende für ein Frühstück? Viele können nicht einmal diesen Betrag aufbringen. Wer glaubt, dass es in Deutschland zwar relative, aber keine reale Armut gibt, wird in »Luthers Waschsalon« eines Schlechteren belehrt. Ein Besuch in Hagen am Rande des Ruhrgebiets bei einer privaten Initiative, die Aufgaben des Staates übernimmt, weil dessen Institutionen eine angemessene soziale und medizinische Versorgung nicht mehr gewährleisten.

Seite 19
Der letzte Missionar
ndPlusKristin Palitza, Kapstadt

Der letzte Missionar

Seit neun Jahren leitet Pfarrer Otto Kohlstock das iThemba-Labantu-Gemeindezentrum in Philippi, einem Elendsviertel in der Nähe von Kapstadt. Als Afrikas letzter Missionar des Berliner Missionswerks hilft er dort den Ärmsten der Armen.

Seite 20
Dschungel
Bernd Zeller

Dschungel

In mehreren voneinander unabhängigen Medien wird ausführlich über Vorgänge im Dschungelcamp des Senders RTL berichtet, so dass man geneigt sein könnte, von einer Pressekampagne zu sprechen. Es kann aber auch nur daran liegen, dass die Kandidaten interessantere Persönlichkeiten sind als Christian Wulff. Wwas trotz der willkommenen Abwechslung für sich genommen noch nichts Bemerkenswertes wäre, sie ...

Berühren oder nicht berühren, das ist hier die Frage

Berühren oder nicht berühren, das ist hier die Frage

Grausamkeiten passieren; eine der schlimmsten ist die Vergewaltigung. Sie trifft einen Lebensbereich, der idealisiert wird. In der Liebe regieren hoch gespannte Erwartungen, dass etwas besonders Schönes passiert. Leider ist die Stimme der vernünftigen Einrede sehr leise, dass es bei sexueller Gewalt um egoistische Bemächtigung geht, dass sie mit Liebe nicht das Geringste zu tun hat. Wer mit de...

Jürgen Amendt

»Da bist du ja«

Der vierjährige Michael stand mit seinem kleinen Koffer in der Hand an der Beifahrertür eines Autos. Drinnen saß seine Mama und versprach ihm: »Ich hole dich heute Abend wieder ab.« Der kleine Michael machte die Tür zu, das Auto fuhr weg. Seine Mutter kam nie wieder. »Der Junge im Heim aber wartete noch Tage, Wochen, Jahre auf sie, unbewusst vielleicht seine gesamte Kindheit.« (Michael Jäger, 45) aus dem Buch zitiert

Seite 21
Die soziale Frage
ndPlusThomas Wagner

Die soziale Frage

In der Auseinandersetzung mit Thilo Sarrazin blieb dessen Angriff auf den Sozialstaat gegenüber der Islamkritik und dem Integrationsthema bislang eher unterbelichtet. In seinem Beitrag geht der Soziologe Thomas Wagner der Frage nach, woran das liegen könnte. Handelt es sich um ein Manöver, das vom sozialpolitischen Versagen der SPD ablenken soll? Wagner sieht das so: Weil diese Partei nicht mehr die Interessen der abhängig Beschäftigten vertritt und unter maßgeblicher Beteiligung Sarrazins selbst neoliberale Denkmuster übernommen hat, trifft die Demontage der sozialen Sicherungssysteme auf so wenig Widerstand.

Seite 22
Es braucht Gegenangebote zur Veränderung der Welt
Heiner Halberstadt

Es braucht Gegenangebote zur Veränderung der Welt

Endlos lange Jahre schienen alle Warnungen in den Wind gerufen. Jetzt plötzlich wird sie erkannt - die Gefahr von rechts. Doch wieder geht es in vielen Warnungen nur um die Sorge, das Bestehende zu bewahren. So, als sei das Bestehende nicht ein Grund für den Zulauf, den die extreme Rechte erfährt.

Seite 23

WOCHEN-CHRONIK

27. Januar 1967: Die UdSSR, USA und Großbritannien unterzeichnen ein Abkommen über die friedliche Erforschung und Nutzung des Weltraums. 28. Januar 1077: König Heinrich IV., der sich bei der Markgräfin Mathilde von Tuszien in Canossa aufhält, wird von Papst Gregor VII. vom Bannfluch erlöst, der ihn im Streit um die Investitur im Vorjahr exkommuniziert hatte. 1. Februar 1977: Mit einer Starta...

Heinz Rammelt
ndPlusMartin Stolzenau

Heinz Rammelt

Von Verehrern seiner Kunst wird er als der »deutsche Walt Disney« gerühmt. Er selbst bezeichnete sich bescheiden als »Meister Tusche«. Heinz Rammelt (Foto: privat) wurde am 29. Januar 1912 in Leipzig in einer Künstlerfamilie geboren. Der Großvater war Hofmaler, die Mutter Käthe Rammelt-Bürger Kunstmalerin. Bereits der junge Rammelt zeigte eine Vorliebe für Tierzeichnungen. Nach zwei Studienjah...

Mörder in weißen Kitteln
Sigurd Schulze

Mörder in weißen Kitteln

Für die Realisierung ihrer Rassen- und Erbgesundheitspolitik benötigten die Nazis die breite Mitwirkung der Ärzte, des Krankenhauspersonals, der Hebammen und Apotheker. Diese sicherten sie sich über Gesetze und Weisungen, es stießen ihre Intentionen aber auch auf Bereitschaft bei einem großen Teil der Ärzte und der nachwachsenden Absolventen des Medizinstudiums, die von der Ausschaltung der jüdisc...

Die Kampfhähne zur Räson bringen ...
ndPlusKarl-Heinz Gräfe

Die Kampfhähne zur Räson bringen ...

Die 1993 neugegründete Kommunistische Partei der Russischen Föderation ist in der Ende vergangenen Jahres gewählten Duma wichtigste Oppositionskraft zur herrschenden Partei »Einiges Russland« von Wladimir Putin und Dimitri Medwedjew. Sie versteht sich als Nachfolgerin der mit dem Untergang der UdSSR aufgelösten, einst 19 Millionen Mitglieder zählenden KPdSU und sieht ihren Stammbaum in der Russlän...

Seite 24
Martin Hatzius

Reim auf die Woche

Hat einmal der Schurke die Bombe, dann schmeißt er uns bald alle tot. Gleich so wie in Deutschland die Linke den Markt und die Freiheit bedroht. Europa erhebt seinen Finger und dreht alle Geldhähne zu. Kein Tropfen iranisches Erdöl, fließt künftig mehr in die EU. Die Freiheit, gottlob, ist bewaffnet: Embargo, Bewachung, Sanktion. Verfassungsbeschützer, sie suchen b...

Sehr generös

Ein Freundeskreis um den Philosophen Peter Sloterdijk hat einen mit 50 000 Euro dotierten neuen Kulturpreis gestiftet. Er ist nach der Romanfigur Fürst Myschkin aus Dostojewskis Roman »Der Idiot« benannt. Mit der Auszeichnung sollen »kulturschöpferische und ethische Leistungen geehrt werden, deren Urheber sich durch vorbildhafte Beiträge zur Schaffung eines Klimas der Generosität hervorgetan haben...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Zimmer-Fluchten

Der Weltenlauf ist ein Gang - von Zimmer zu Zimmer. Ist eine Drehbühne, auf der sich diese schmutzigen, biederen, zerwohnten und doch irgendwie wärmeleeren Zimmer an unseren Augen vorbeidrehen wie der Figurenpark einer Weihnachtspyramide. Ein Karussell der dem Verfall abgewonnenen Lebensäußerungen. In ewiger Bewegung, dieser Weltenlauf, und durch die Zimmer gehen müde, mürbe, mümmelnde, mühsalbepa...

Zerstörte Kindheit
ndPlusSabine Neubert

Zerstörte Kindheit

Ein Roman dreier Generationen. Eine Geschichte der Bundesrepublik. Ein aus persönlichen Erfahrungen gespeistes Zeitdokument. Mit seinen expressiven, existenziellen, männ-lich-virulenten Schilderungen lässt Oskar Roehler westdeutsche Nachkriegsgeschichte hautnah fühlbar werden. Doch gibt es zwei gravierende Schönheitsfehler. Der eine ist Roehlers Sprache, die oft ins Obszöne, ja ins Bösartig-Sc...

Seite 25
Manfred Loimeier

Mit Humor gegen zahlreiche Tabus

Einerseits hält sich in dem südafrikanischen Land Simbabwe der immer noch despotisch regierende Robert Mugabe an der Macht, andererseits blüht in der dortigen Hauptstadt Harare zunehmend eine Gegenkultur auf, die der Zukunft nach dem Ableben des 87-jährigen Autokraten unverblümt entgegenharrt. Bestes Beispiel für diese Situation im Warteraum Simbabwes ist der Debütroman »Der Friseur von Harare« de...

PLATTENBAU
ndPlusSebastian Blottner

PLATTENBAU

Sie schicken sich an, in diesem Jahr das große neue Ding zu werden. Eigentlich sind sie es schon, selten wird um Debüt-LPs vorab derartig Trubel veranstaltet. Kraftklub aus Chemnitz sind »original Ostler«, wie sie in einer Hymne auf ihre Geburts- und damals gerade noch Karl-Marx-Stadt unterstreichen. Zwei Gitarren, ein Bass, Schlagzeug und Gesang: eine klassische Formation, die in die Fußstapfen v...

Passion eines Zeugen der Wahrheit
ndPlusIngolf Bossenz

Passion eines Zeugen der Wahrheit

»Ich habe nicht die geringste Illusion, dass ich da mit meinem Stück irgendetwas bewirke«, sagte Rolf Hochhuth, als er im April 1963 vom »Spiegel« zu den Plänen der katholischen Kirche befragt wurde, Papst Pius XII. selig- und heiligzusprechen. »Allerdings«, so ergänzte der damals 32-jährige Dramatiker, »bin ich überzeugt, dass man sich diesen Plan noch sehr lange überlegen wird.« In der Tat: H...

Seite 26

DOKfilm: Transport in die Freiheit

Geld gegen Leben - »Zug um Zug - Budapest 1944« (2005) schildert die Versuche des jüdischen Widerstands um den Freikauf der ungarischen Juden. Nach zähen Verhandlungen mit der SS erreichten bis Anfang Dezember 1944 zwei Sonderzüge die rettende Schweiz. Gezeigt wird aber auch, welcher Sprache sich die jüdischen Verhandlungsführer bedienen mussten: Die Rede ist von einer »Ware« und ihrer »Zwischenla...

OUT of SPACE: Irrsinn: »Bild« für alle

Die »Bild«-Zeitung kleckert nicht, sie klotzt. Diese Feststellung gilt sowohl bezüglich der Schlagzeilen auf Seite Eins wie auch fürs Marketing. Am 23. Juni dieses Jahres holt das Springer-Imperium zum totalen Großangriff aus. 41 Millionen »Bild«-Zeitungen sollen an diesem Tag an alle deutschen Haushalte verteilt werden. Die dunkle Seite der Medienmacht will sich nicht einmal von Aufklebern abschr...

ndPlusRoberto J. De Lapuente

BLOGwoche: RTL und Springer

Es ist kein Privat-, kein Fernsehsender - RTL ist mehr: es ist ein Lebensgefühl. Mein RTL, nennt sich das dann. Wie der Springer-Konzern in seinem täglichen Blatt, so spiegelt auch RTL seiner Kundschaft einen Mikrokosmos vor. Bei Springer ist es die nationale Wut auf das Ausland, das Deutschland vermeintlich nichts gönnen will, ein »eingeschnapptes Lebensgefühl«. Bei RTL Television ist es eine Mis...

Programmierte Freunde
Jürgen Amendt

Programmierte Freunde

Das Internet führt Menschen zusammen, die sonst kaum oder gar nicht in Kontakt kämen. Soweit die soziale Vision des worldwideweb. Oder der soziale Irrtum. Nicht nur, dass die Personen, die miteinander kommunizieren, sich oftmals gar nicht von Angesicht zu Angesicht je begegnet sind, die Freundschaften auf »Facebook« oder die Debatten via »Twitter« daher recht unpersönlich sind, manchmal verbergen ...

ndPlusThomas Klatt

»Ich habe Dich im Radio gehört ...«

Im Grunde dürfte es den Deutschlandfunk so gar nicht geben, zumindest wenn man den Aussagen so mancher Redakteure und Wellenchefs anderer öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten Glauben schenken wollte. Als vor gut neun Jahren die Fusion von SFB und ORB an stand, wurde nicht nur in der Berliner Masurenallee erbittert darum gestritten, wie denn nun das Kultur- und Wortprogramm des neuen Berlin-Bra...

Seite 27

Das Todesurteil

Bis 1940 machten die Nationalsozialisten aus einem Warschauer Stadtteil den von ihnen später sogenannten »jüdischen Wohnbezirk«. Dort lebten meine Eltern, mein Bruder und schließlich ich selber. Dort habe ich meine Frau kennengelernt. Seit dem Frühjahr 1942 hatten sich Vorfälle, Maßnahmen und Gerüchte gehäuft, die von einer geplanten generellen Veränderung der Verhältnisse im Ghetto zeugten. Am...

Seite 28
Dinos brüteten selbst

Dinos brüteten selbst

Die bislang ältesten entdeckten Dinosauriernester hat eine internationale Forschergruppe in Südafrika aufgespürt. Die Gelege seien 190 Millionen Jahre und damit fast doppelt so alt wie das bislang älteste bekannte Nest, teilte die University of Toronto Mississauga über den Fund mit, an dem ihr Paläontologe Robert Reisz beteiligt war. Die etwa zehn Nester wurden im Golden Gate Highlands Nation...

Die Photosynthese filmen

Hamburg (nd). Der Ablauf chemischer Reaktionen erschließt sich bisher in der Regel aus den Reaktionsprodukten. Was genau zwischen den einzelnen Atomen und Molekülen vorgeht, lässt sich auch mit den feinsten Mikroskopen nicht direkt beobachten. Entweder erreichen sie wegen der zu großen Wellenlänge des Lichts nicht die nötige Auflösung, oder sie sind wie das Rasterkraftmikroskop nicht schnell genug...

Martin Koch

Von Menschen und Schimpansen

Kein anderes Tier ist in seinem Verhalten dem Menschen ähnlicher als der Schimpanse, in dem bereits Charles Darwin 1871 einen unserer nächsten lebenden Verwandten erkannte. Dennoch dauerte es weitere 40 Jahre, ehe unter Wissenschaftlern die Idee reifte, Werkzeuggebrauch und mentale Fähigkeiten von Schimpansen genauer zu untersuchen. Die ersten wichtigen Experimente hierzu machte der deutsche Psych...

Walter Schmidt

Kaum erforschter Tunnelgräber

Den kleinen Kerl als steilen Zahn zu bezeichnen, würde den Kern der Sache nicht ganz treffen - schon deshalb, weil das Auffälligste am Silbergrauen Erdbohrer nicht einer, sondern vier Zähne sind. Einem Blinden könnte man das vor allem in Malawi sowie in Mosambik, Tansania, Sambia, Kenia und dem Kongo verbreitete Wühltier vielleicht so schildern: Größe in etwa wie ein längliches Brötchen, graues bi...

Seite 29
Auf der Strecke
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Auf der Strecke

Heute betreten wir einst heftig umkämpftes Land: Hastings, im Südosten Englands. Dort wurde der Angelsachse Harald II. im Oktober 1066 vom Normannen Wilhelm I. geschlagen. Daran erinnert das Logo vom »Internationalen Schach-Kongress Hastings«. Dieses Schachturnier findet allerdings nicht im Oktober, sondern zu Weihnachten, dem Krönungsmonat dieses Wilhelms, statt. Der Sieger dieses Jahr war je...

Wissen, punkten, gewinnen

An vier Wochenenden stellen wir jeweils drei Fragen. Sie beziehen sich auf historische Daten der Folgewoche. Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt. Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im »nd« gesammelt. Am Monatsende gewinnen die meisten Punkte; bei Gleichstand wird unter Ausschluss des Rechtsweges gelost. Lösungen der ...

Hektische Rettungsjagd
Heiko Frings

Hektische Rettungsjagd

»Die Verbotene Insel« ist dem Untergang geweiht: Stück für Stück versinkt sie für immer in der Tiefe. Darum müssen wir schnell sein, um vier kostbare Artefakte zu bergen: den Stein der Erde, die Statue des Windes, den Kristall des Feuers und den Kelch des Wassers. Gelingen kann das nur in Teamarbeit: zu groß ist die Aufgabe für einen allein, zu kurz die verbleibende Zeit. Um ein Artefakt zu re...

Männchen singen sich Weibchen herbei
ndPlusProf. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe

Männchen singen sich Weibchen herbei

Ist Ihnen in den jüngst vergangenen Jahren eine Florfliege begegnet? Kaum, oder? Sie ist selten geworden. Ich weiß jedoch ziemlich genau, dass es bei mir in den letzten zwei Jahren nur eine gewesen ist. Florartig sind die Flügel dieser Fliege. Ebenso treffend ist ihr zweiter Name: Goldauge. Diese Augen sind nicht nur relativ groß, sondern ungewöhnlich metallisch grün glänzend. Von bescheidener...

Löwe kündigt im Osten den Frühling an
Hans-Ulrich Keller, dpa

Löwe kündigt im Osten den Frühling an

Zwei helle Planeten schmücken den Abendhimmel und ziehen die Blicke auf sich: Venus und Jupiter. Mit Einbruch der Dunkelheit leuchtet weit im Südwesten die Venus auf - auch Abendstern genannt, obwohl sie gar kein Stern, keine glühende, selbstleuchtende Gaskugel wie unsere Sonne ist, sondern ein Planet. Gleich darauf macht sich Jupiter hoch am Westhimmel bemerkbar. Venus und Jupiter sind als auf...

Seite 30
Marschall macht mobil
ndPlusMichael Müller

Marschall macht mobil

»Und schauen Sie hier noch diese Grafik, im Original von Gavarni, ich glaube das war ein Franzose.« Der quirlige untersetzte 60-Jährige lässt auch dieses Porträt von Josef Broz Tito aus seiner privaten Sammlung nicht unerwähnt. »Alle Welt hat den Marschall damals gemalt, bedichtet, beschrieben. Und alle Welt, meine ich, kann sich damals einfach nicht in ihm geirrt haben«, ist sich der Mann sicher,...

Seite 31
Ganz natürlich - Pferde, Loden und Bioniere
Heidi Diehl

Ganz natürlich - Pferde, Loden und Bioniere

Schnee hatten die vom Winter bislang vergessenen Flachländer gewollt, doch das, was da am ersten Wochenende des Jahres in Ramsau am Dachstein vom Himmel fällt, ist dann doch zu viel des Guten: Innerhalb von zwei Tagen wächst die Schneedecke um einen Meter. Ein Ende ist nicht abzusehen. Irgendwann macht da Langlauf - weswegen sie eigentlich aus den Ebenen auf das Hochplateau in der Steiermark ge...

Seite 32
Hans-Dieter Schütt

Macht der Pracht

Der Schrecken ist ein Meister des schönen Angesichts. Aus Entfernungen sehen selbst Schneegräber prächtig aus. Die Menschen auf diesem Foto reihen sich und bewegen sich vorwärts aus tiefer Sorge. Eine Szene aus dem nordöstlichen Afghanistan. Ein tiefer, ungewohnter, in seiner Heftigkeit geradezu gnadenloser Winter. Als wolle auch er einen Krieg gewinnen. Er bildet Kessel, hungert aus, tötet. E...