Seite 1

Unten links

Vor sechs Wochen wurde an dieser Stelle eindringlich gewarnt: Christian Wulff darf nicht zurücktreten. Er hatte bei Gott geschworen, Schaden vom deutschen Volk zu wenden. Im zweiten Anlauf - so war hier zu lesen - musste Joachim Gauck größte Chancen haben. Nun ist genau das eingetreten, und es wiegt schwerer als alles, was Wulff sich ansonsten aufs Konto gezogen hat. International wurde über die V...

John kritisiert Ermittlungen zum Nazi-Terror

Nach Ansicht von Barbara John (CDU), Ombudsfrau für die Hinterbliebenen des Neonazi-Terrors , haben die Deutschen bis heute Schwierigkeiten mit der Einwanderung. Die Bundesrepublik brauche „Änderungen auf allen Ebenen", damit es nie wieder zu Mordserien wie der von der rechtsradikalen Gruppe NSU verübten kommt, sagte John im nd-Interview.

Baukasten

»Aus Worten können Taten werden«, sagte die Kanzlerin beim gestrigen Staatsakt. Mit Kurt Tucholsky möchte man ihr entgegnen: »Was nützen die besten Worte, wenn sie über die Wirklichkeit hinwegtäuschen?« Anders gesagt: Worte können auch sein wie rosa Schleifchen, mit denen man den Dreck verziert. Reden kostet obendrein nichts und fühlt sich diffus gut an. Auch eine Miene des Bedauerns ist rasch ...

Karlsruhe schränkt Telefonüberwachung ein

Bislang konnten sich Ermittler oft unproblematisch Passwörter für E-Mail-Konten oder Informationen über IP-Adressen beschaffen. Dem Verfassungsgericht geht das zu weit. Der Gesetzgeber muss nachbessern.

René Heilig

Kandidatensuche geht weiter

Am 18. März wird die Bundesversammlung einen neuen Bundespräsidenten wählen. Der Kandidat von CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen heißt Joachim Gauck. Die LINKE, die von Kanzlerin Merkel nicht zur Kandidatensuche eingeladen worden war, wollte gestern einen eigenen Kandidaten nominieren.

Nichts kann beruhigen

Hörst du das? Die Glöckchen. Das sind die Schäfchen, die jetzt aus den Bergen runter ins Tal kommen. Das tun sie immer in der Nacht. Mein Papa erzählte gerne von sich und von seinen Träumen. Ich liebte es, ihm zuzuhören. Er saß in dieser warmen Sommernacht in unserem Garten in der Türkei und aß Kirschen. Ich setzte mich zu ihm und fragte ihn: Kannst du nicht schlafen? Doch, Semiya, sagte er, ich m...

Bundeswehr zieht sich aus Talokan zurück

Im März sollte das Camp aufgegeben werden, nun haben die Unruhen in Afghanistan zu einem verfrühten Abzug der Bundeswehr aus Talokan geführt. Die Proteste dauern den vierten Tag in Folge an.

Seite 2
Eine Minute Schweigen

Eine Minute Schweigen

Mit einer Schweigeminute ist gestern in Deutschland der zehn Opfer der Neonazi-Mordserie gedacht worden. Institutionen und Beschäftigte folgten einem Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände.

ndPlusAert van Riel

Bitte keine Entschädigung

Menschen in ganz Deutschland haben gestern der Opfer der Neonazi-Mordserie gedacht. Zur Schweigeminute um zwölf Uhr standen in zahlreichen Betrieben die Bänder still. Bei der zentralen Gedenkfeier im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt kamen neben Bundeskanzlerin Angela Merkel auch Angehörige der Opfer zu Wort. Ismail Yozgat, Vater des im Jahr 2006 erschossenen Halit Yozgat, lehnte finanzielle Entschädigungen der Bundesregierung ab. Stattdessen äußerte er drei Wünsche.

Seite 3
Oskar Lafontaine: Merkel ist dabei, Europa zu zerstören

Oskar Lafontaine: Merkel ist dabei, Europa zu zerstören

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nach Ansicht des Linke-Politikers Oskar Lafontaine dabei, Europa zu zerstören. Merkel verspiele das Erbe solcher Kanzler wie Adenauer, Kohl, Brandt und Schmidt, die “erheblich zum Zusammenwachsen Europas beigetragen haben”.

Seite 4

Die Energie-Pleite

Nun gut, ein großer Kämpfer für Klimaschutz und Energiewende ist Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) nie gewesen. Und wie der vorgebliche Kompromiss zeigt, den er nun mit seinem Kabinettskollegen von der FDP ausgehandelt hat, sind auch künftig wohl nur schöne Worte von ihm zu erwarten, keine Taten. Denn mehr noch als die krasse Absenkung der Solarförderung zeigt das Ergebnis zur Energieeffi...

Kriegsjahr

Das Jahr 2011 war das kriegerischste seit 1945. So die erschreckende Analyse des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung. Wie im »Arabischen Frühling« welken Blütenträume friedlicher Konfliktlösungen nur allzu oft. Dabei schaffen es die meisten der von den Wissenschaftlern weltweit erfassten 388 gewaltsamen Auseinandersetzungen nicht einmal in die Schlagzeilen. Vergessenen Krie...

Mittendrin

Das dritte Geschlecht ist bisher nicht sonderlich populär hierzulande. Ein Kind, welches mit männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren wird, macht oftmals Eltern und Ärzte gleichermaßen ratlos. Allzu schnell fassen diese den Entschluss, dem wehrlosen Baby mit Hoden und Vagina eines von beiden zu nehmen und für den Rest ihrer Tage eisern darüber zu schweigen. Was einem so beschnittenen...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Identität

Es ist nicht die erste Auszeichnung für sie und nicht die letzte. Rund 700 Literaturpreise werden in Deutschland jährlich vergeben - als Ehrung und zugleich als materielle Unterstützung des Literaturbetriebs. Immerhin ist der Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis, den die Stadt Alzey zusammen mit der Volksbank-Stiftung alle drei Jahre vergibt, mit 7500 Euro dotiert. Schriftstellern, die von Verlagsh...

Ermittler ohne jedes Maß?

Ermittler ohne jedes Maß?

nd: Der sächsische SPD-Politiker Karl Nolle hat den Beschluss des Amtsgerichts Dresden veröffentlicht, mit dem am 18. und 19. Februar 2011 an drei Stellen in Dresden bis zu 24 Stunden lang Funkzellen abgefragt wurden. So sollte gegen eine kriminelle Vereinigung ermittelt werden, deren Mitglieder im Sommer 2010 Nazis überfallen haben sollen. Rechtfertigen so etwas eine Funkzellenabfrage?Hilbrans: D...

Seite 5
ndPlusMarcus Meier

NRW noch immer Atomland

Nordrhein-Westfalen drohen Atomtransporte en masse. Diverse Nuklearanlagen werden hier betrieben. Die Anti-AKW-Bewegung mobilisiert zu einem »Autobahnaktionstag« in diversen Städten des Landes.

Hanno Böck

Kein Solardeckel, aber weniger Geld

Eine harte Begrenzung des Neubaus von Solaranlagen bleibt aus, dafür sollen die Vergütungssätze drastisch gekürzt werden. Solarindustrie und Umweltverbände protestieren.

Seite 6
René Heilig

Rote Rosen von Böll

Beate Klarsfeld als Kandidatin der LINKEN für das Amt des Bundespräsidenten? Die 73-Jährige sagt: »Es wäre eine Ehre für mich.« Der Satz ließe sich erweitern: Klarsfeld als Bundespräsidentin wäre auch eine Ehre für das Land, in dem sie geboren wurde.

Seite 7

Flüchtlinge bekamen Recht

Straßburg/Berlin (epd/nd). Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat Italien verurteilt, weil es Bootsflüchtlinge trotz Foltergefahr nach Libyen zurückgeschickt hat. Der Straßburger Gerichtshof gab am Donnerstag 24 Menschen aus Somalia und Eritrea recht, die im Mai 2009 von Libyen aus die Überfahrt über das Mittelmeer versucht hatten. Auf hoher See waren sie von der italienischen Küstenwa...

»Der Sieg wird unser«

Vor Zehntausenden Unterstützern hat der russische Premier Wladimir Putin am Donnerstag im Moskauer Lushniki- Stadion um Vertrauen vor der Präsidentenwahl am 4. März geworben.

Christian Klemm

Vor dem Angriff auf Iran?

Der Westen hat Sanktionen gegen Iran beschlossen. Der Auslöser ist das iranische Atomprogramm. Eine militärische Auseinandersetzung wird immer wahrscheinlicher.

ndPlusOlaf Standke

So viele Kriege wie nie seit 1945

Die Zahl der Kriege in aller Welt ist nach Analyse des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung (HIIK) im Vorjahr auf den höchsten Stand seit 1945 gestiegen. Insgesamt erfassten die Forscher in ihrem »Conflict Barometer 2011« 38 »hoch gewaltsame Konflikte«, 20 von ihnen erreichten die höchste Intensitätsstufe des Krieges.

Seite 8

Kommission: Wirtschaft schrumpft

Brüssel (AFP/nd). Die Wirtschaftskraft der Euro-Zone schrumpft in diesem Jahr laut Prognose der EU-Kommission um 0,3 Prozent. Nach den am Donnerstag in Brüssel veröffentlichten Daten entwickelt sich die Wirtschaft in den 17 Euro-Ländern somit deutlich schlechter als bisher angenommen. Im November war die Brüsseler Behörde noch von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Euro-Zone von...

Gib ACTA keine Chance!
ndPlusSka Keller

Gib ACTA keine Chance!

ACTA ist momentan in aller Munde. Die Proteste gegen das umstrittene Abkommen zum Schutz von Urheberrechten haben das Thema in ganz Europa an die Oberfläche gespült und selbst vormals gestandene ACTA-BefürworterInnen fangen an zu zweifeln. Endlich! Seit über zwei Jahren beschäftige ich mich im Europaparlament schon mit ACTA, auf grüne Initiative hin kam es 2010 zu einer Parlamentsresolution, die d...

Frank Puskarev, Brüssel

Europa schafft sich ab

Es ist ein Trauerspiel, was die EU hinsichtlich Griechenlands derzeit bietet. Noch nie im Industriezeitalter wurden so offensichtlich Kapitalinteressen gegen die Mehrheit der Bevölkerung exekutiert. Griechenland, derzeit mit mehr als 160 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes verschuldet, scheint in einer ausweglosen Situation.

Seite 9

Füttern geboten!

Umzüge sind eine Tortur - das wissen alle. Eine Wohnung zu finden auch - das erleben immer mehr. In vielen Teilen der Stadt braucht es mittlerweile Monate, um eine bezahlbare Unterkunft aufzutun. Dabei sind die Mietpreise nicht immer das Problem - in Neukölln zum Beispiel kommen Dutzende Interessenten auf eine günstige Wohnung. Große Nachfrage. Kleines Angebot. Es konkurriert dabei die Alternat...

Nur das obere Drittel kann sich das leisten

nd: Berlin zieht gerne um. Und immer häufiger müssen Menschen in Berlin umziehen. Da müsste ihr Geschäft ja brummen ...Neuner: Ein Umzugsunternehmen lebt nicht von den Leuten, die umziehen müssen, sondern von denen, die umziehen wollen. Bis vor sechs, sieben Jahren gab es einen Mietermarkt, wo die Leute auch für kleinere Verbesserungen den Wohnort gewechselt haben. Das war eine freiwillige Geschic...

ndPlusChristin Odoj

Ab jetzt sind alle Konkurrenten

Die Wohnungssuche in Berlin wird regelrecht zum Marathon. Massenbesichtigungstermine und seitenlange Bewerbungsmappen reduzieren die Chance, schnell ans Ziel zu kommen. Die Suche kann Monate dauern.

Seite 10

RBB baut Programm um

(dpa). Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) baut angesichts sinkender Marktanteile sein Fernsehprogramm um und will mehr Sendeplatz für regionale Reportagen und Dokumentationen schaffen. Im Zuge der Reform entfällt dabei unter anderem die wöchentliche Talkrunde »Klipp & Klar« mit Marko Seiffert. Tiersendungen im Stil von »Panda, Gorilla & Co« wird es am Freitagabend nicht mehr geben, sagt...

Tobias Riegel

Meucheln gegen die Moral

Oralsex mit Toten, schmerzhafte Manipulation an Geschlechtsorganen, abgetrennte Gliedmaßen in Nahaufnahme - dass die Ausstellung »You killed me first - The Cinema of Transgression« in den Kunst-Werken nicht jugendfrei ist, versteht sich von selbst. Doch auch sensible Erwachsene sollten um die Galerie in der Auguststraße besser einen Bogen machen. Jenen jedoch, die härter im Nehmen sind, sei dieses...

ndPlusKira Taszman

Berlin Ecke Schönhauser

Schwabeninvasion, Latte-Macchiato-Mütter oder Gentrifizierung: Mit vielen Negativschlagwörtern hat der einst proletarische, heute hippe und neubürgerliche Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg in den letzten Jahren von sich reden gemacht. Doch wie sehen Filmemacher das Leben in dem Bezirk? Das Kurzfilmfestival »Kiezkieken« wird am Sonntag im Lichtblick-Kino mit Schwerpunkt Berliner Nordosten gezeigt....

Seite 11

Flucht ins Irgendwo

Göttingen (nd-Paul). Eine Romafamilie aus Göttingen ist aus Angst vor der drohenden Abschiebung nach Kosovo untergetaucht. Für die 48 Jahre alte Mutter und Witwe Bahtija Saciri und ihre drei Kinder im Alter von 15, 16 und 18 Jahren sei der Schritt in die Illegalität »immer noch vorstellbarer als die Reise an einen zerstörten Ort, der für sie nicht mehr Heimat, sondern nur noch Bedrohung ist«, teil...

Martina Rathke, dpa

Speckgürtel-Dörfer müssen nicht zahlen

Die sechs großen Städte in Mecklenburg-Vorpommern erhalten kein Geld mehr von dem Umland-Gemeinden. Das Landesverfassungsgericht hat die geltende Regelung einer Stadt-Umland-Umlage gekippt.

ndPlusKlaus Teßmann

Buntes Haus in »schwarz«

Eigentlich wollte das Bunte Haus in der Hellersdorfer Promenade am 15. März seinen dritten Geburtstag feiern. Nun wird es eher eine Gedenkveranstaltung. Das Projekt ist von der Schließung bedroht. Es fehlen jeden Monat rund 1600 Euro für die Betriebskosten. Bei einem Pressegespräch berichtete die Leiterin des Hauses, Katrin Rother, gestern, dass sich dort ein Familientreffpunkt entwickelt hat, ...

ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Besonnenheit und Schlichtung

Erst einmal sorgte gestern die Frage, wer denn nun anfange, zur Aktuellen Stunde des Abgeordnetenhauses für Verwirrung. Für den just abwesenden SPD-Redner wollte solidarisch als Tauschpartner sein CDU-Koalitionskollege einspringen. Der war aber nicht dran, doch der Genosse inzwischen immerhin schon wieder da. Er sei »bei der Sache« gewesen, versicherte Ole Kreins, da er ja soeben mit ver.di-Ch...

Burkhard Fraune, dpa

Klagen gegen Schönefeld erst im Sommer

Das Bundesverwaltungsgericht wird die zahlreichen Klagen gegen den Hauptstadtflughafen voraussichtlich erst nach der Inbetriebnahme verhandeln. »Der vierte Senat hat sich das für den Sommer vorgenommen«, sagte Gerichtssprecher Wolfgang Bier der Nachrichtenagentur dpa. »Das wird eher nach der Eröffnung des Flughafens sein.« Ein genauer Termin steht aber noch nicht fest. Vom Flughafen Berlin Bran...

ndPlusOliver Hilt, Saarbrücken

Zeichen nach Berlin

Am 25. März wird im Saarland ein neuer Landtag gewählt, in dieser Woche kam mit dem politischen Aschermittwoch der Wahlkampf auf Touren.

Seite 12

Strategie für Kulturpolitik

Potsdam (dpa). Brandenburg überprüft seine Kulturförderung. Es sei in den vergangenen zwei Jahrzehnten zwar viel erreicht worden, sagte Kunstministerin Sabine Kunst (für SPD) gestern bei der Vorstellung des Entwurfs einer kulturpolitische Strategie. In Zukunft dürfe aber nicht nur verwaltet, sondern es müsse auch gestaltet werden. Es müsse gefragt werden: »Was können wir uns weiter leisten?« Derze...

Nirgends ein Täter

Erfurt/Magdeburg (dpa/nd). 2011 hat es in Thüringen 24 Anschläge auf Abgeordnetenbüros gegeben. Zumeist handelte es sich dabei um Sachbeschädigungen, wie aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der Linkspartei hervorgeht. In keinem der Fälle seien die Täter ermittelt worden. Der überwiegende Teil der Angriffe sei politisch motiviert gewesen, zehn konnten nachweislich der rechtsext...

Zahl der Petitionen an Landtag sinkt

Magdeburg (dpa/nd). Im vergangenen Jahr haben so wenige Menschen Bitten und Beschwerden an den Landtag von Sachsen-Anhalt gerichtet wie nie zuvor. Insgesamt seien 396 Petitionen eingegangen, sagte der Vorsitzende des Petitionsausschusses, Hans-Joachim Mewes (LINKE), am Donnerstag in Magdeburg bei der Landtagssitzung. Im Vorjahr waren es noch 537 gewesen. Anfang der 90er Jahre wurden bis zu knapp 1...

Bürgermeister darf sein Amt nicht ausüben

Guben (dpa). Die Stadtverordneten von Guben haben dem Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner (FDP) erneut die Führung der Dienstgeschäfte untersagt. Wie die Stadtverwaltung am Donnerstag mitteilte, sei der Beschluss in der Sondersitzung am Mittwochabend mit deutlicher Mehrheit gefasst worden. Seit dem ersten Entscheid der Stadtverordnetenversammlung am 9. November 2011 haben sich neue Erkenntnisse erge...

SPD-Idee: Alle Kreise abschaffen

Potsdam (dpa/nd). SPD-Landtagsfraktionschef Ralf Holzschuher hat in der Diskussion um eine Kommunalreform die Abschaffung der Landkreise vorgeschlagen. »In einem verhältnismäßig kleinen Land wie Brandenburg halte ich einen solchen Weg ganz grundsätzlich für möglich«, sagte Holzschuher der »Märkischen Allgemeinen Zeitung«. Holzschuher ist nach Angaben des Blattes der erste führende SPD-Politiker, d...

Spremberger Tuche GmbH schließt

Spremberg (dpa). Der Textilveredler Spremberger Tuche GmbH stellt seine Produktion ein. Das haben die Gesellschafter beschlossen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Von der Schließung seien die 71 Mitarbeiter am Standort Spremberg sowie die 16 Beschäftigten der Weberei im ostsächsischen Bischofswerda auf einer Belegschaftsversammlung informiert worden. Als Grund für die Entscheidung wurde der...

Geschäft mit Thüringens Wald und Flur

Die Immobilienvermarkter des Bundes machen ehemals volkseigene Agrarflächen zu Geld. Eine sprudelnde Einnahmequelle, denn Äcker und Weiden sind begehrt - auch in Thüringen steigen die Preise.

ndPlusWilfried Neiße

Dickere Diät

Die Parteien des Landtags haben sich auf eine Neuordnung der Diäten verständigt. Einer kräftigen Anhebung der Grunddiät stehen die Streichungen aller Pauschalen gegenüber. Auch die üppige Altersversorgung soll im Gegenzug Privatsache werden. Für viele, vor allem für langgediente Landtagsabgeordnete, wäre die Neuregelung mit Einkommenszuwächsen verbunden. Den Vorschlag haben die Parlamentarische...

ndPlusDieter Hanisch, Lübeck

Alleinerziehende in der Falle

Die 6. Lübecker Armutskonferenz hat in dieser Woche die Situation der alleinerziehenden Mütter und Väter und deren Kinder in den Mittelpunkt gestellt. In der Lübecker Handwerkskammer berieten Experten und Betroffene.

Simone Humml, dpa

Wurst mit Gesicht

Von der Internetseite »Meine kleine Farm.org/Schweine« blicken dem Besucher muntere Ferkel entgegen. Schwein 2 hat helles Fell mit schwarzen Flecken und fühlt sich sichtlich wohl, während es mit seinen Artgenossen durch den Schlamm stapft oder abends neben ihnen liegt. Darunter sind Fotos von Knoblauchmett, Leberwurst im Glas und Sülze gestellt. Neben einem Bild steht »Schlackwurst ähnelt Salami i...

Nazi-Spuk im Narrenzug
Holger Reile, Konstanz

Nazi-Spuk im Narrenzug

In Konstanz war man bisher der Meinung, dass es sich bei der Neonaziszene in der Region um eher harmlose Einzelpersonen handelt. Doch der Schein trügt, die Rechtsradikalen am Bodensee rüsten ständig auf. Nun zogen sie sogar im Fasnachtsumzug mit.

Seite 13

Hommage à Paris

Beim 20. Kurt Weill Fest Dessau dreht sich ab heute alles um das Leben und Werk des Komponisten in Paris. Rund 50 Veranstaltungen an mehr als 20 Orten stehen bis zum 11. März unter dem Motto »Hommage à Paris«. Die französische Hauptstadt war nach Berlin Weills zweite wichtige Arbeits- und Lebensstation. Zur Eröffnung des Festivals erlebt am Anhaltischen Theater Dessau das Ballett »Hotel Montparnas...

Heißer Sommer

Heißer Sommer

Im Schlager wird über die Welt, wie sie ist, jener Sieg errungen, der im realen Lauf der Dinge fast nie gelingt. Im Schlager ist noch der Schmerz ein Paradies, in dem sich herrlich tanzen lässt. Der Schlager versöhnt für die Dauer seiner wenigen Strophen mit der Versehrtheit unseres Träumens und Sehnens und Hoffens: Man kann sich das Leben schön singen, bis wirklich nur Glück den Ton angibt. Chris...

Volkmar Draeger

Märchen und Mythos

Was den Choreografen John Neumeier mit Maurice Béjart verbindet, ist seine Intelligenz und die unkonventionelle Herangehensweise an bekannte Werke. In der künstlerischen Handschrift unterscheidet er sich von seinem französischen Kollegen freilich erheblich. Die Karriere des 1942 in Milwaukee geborenen Knaben beeinflusste ein damals in geistiger Umnachtung verdämmernder Vorgänger: Was John in der ö...

Die Welt geht zum Teufel
Hans-Dieter Schütt

Die Welt geht zum Teufel

Die Welt besteht aus hohen fensterlosen Wänden. Jemand malt eine Ziffer ans kalte dreckige Dunkelgrau, das genügt als Ortskennung: die Zelle einer Irrenanstalt. Hier herrscht Heimatlosigkeit, in der Menschen groß tun müssen, um nicht ihre Geringfügigkeit zu spüren. Mit allem kann man groß tun: mit der Liebe, mit schriftstellerischem Talent, mit einer politischen Idee. Gott wäre es vielleicht peinl...

ndPlusSabine Neubert

Stadt der Spiegel und des Wassers

Das Schiff fuhr langsam durch die Nacht, wie ein schlüssiger Gedanke durch das Unbewusste. Knietief im pechschwarzen Wasser standen zu beiden Seiten die riesigen geschnitzten Truhen dunkler Palazzi, angefüllt mit unergründlichen Schätzen - Gold in aller Wahrscheinlichkeit ...« Das Gold dringt geheimnisvoll als schwaches elektrisches Licht durch die Ritzen der alten Fensterläden. Im Hintergrund ers...

Seite 14
Der schöne Schein der Illusion
ndPlusJürgen Amendt

Der schöne Schein der Illusion

Alle Schüler lernen gemeinsam in einer Schule, unabhängig davon, ob sie körperlich oder geistig behindert sind bzw. Defizite in anderen Bereichen haben, die gemeinhin zum Ausschluss von der sogenannten Regelschule führen? Eine schöne Utopie, aber auch eine Illusion. In der UN-Konvention über die Rechte von Behinderten ist zwar davon die Rede, dass ein Bildungssystem so gestaltet werden soll, dass ...

Lena Tietgen

Bildungsrauschen

Auf www.zeit.de (bit.ly/x0ZYqb) porträtiert Martin Spiewak das Ricarda-Huch-Gymnasium in Gelsenkirchen, das 850 Schüler besuchen, davon circa 40 Prozent mit Migrationshintergrund. Diese Schule bietet ihren Lehrern »spezielle Seminare« an, in denen sie z.B. lernen, »weshalb einige muslimische Mädchen Kopftuch tragen« oder »was Machosprüche pubertierender Migrantenschüler mit dem Islam zu tun haben«...

Einlassen auf Vielfalt

Einlassen auf Vielfalt

2012 wurde von Politikern und Verbänden zum Jahr der Inklusion erklärt. An alle Schulformen der Sekundarstufe ist der Anspruch zu stellen, sich der Inklusion zu öffnen – auch an das Gymnasium. Ist Inklusion zu teuer? Unterricht behinderter Kinder gibt es auch heute nicht zum Nulltarif. Lena Tietgen hat zum Auftakt Ulf Preuss-Lausitz befragt, der seit 2010 dem Sprecherrat des Expertenkreises »Inklusive Bildung« der deutschen UNESCO-Kommission angehört.

Seite 15

Arbeitsvertrag geht vor Tarifvertrag

Vereinbarungen im Arbeitsvertrag können durch einen Tarifvertrag nicht abgelöst werden. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) gab am Mittwoch Angestellten eines Krankenhauses recht, die auf Erfüllung der für sie günstigeren Regeln im Arbeitsvertrag gepocht hatten (Aktenzeichen 4 AZR 24/10). Die Verträge verwiesen auf Richtlinien des Deutschen Caritasverbandes, der das Krankenhaus ursprünglich betrieben h...

Staatsdiener werden immer weniger

Seit der 1991 ist der Anteil der Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt stetig zurückgegangen - in wirtschaftlich guten Zeiten rascher als in schlechten. Ein wesentlicher Grund: Der Staat gibt immer weniger Geld für sein Personal aus. Nicht nur die Zahl der Stellen im öffentlichen Dienst ist stark geschrumpft. Auch die Einkommenssteigerungen blieben hinter denen der Gesamtwirtschaft zurück. Das ze...

Wieder Warnstreik bei Diakonie

Der Streit zwischen den Diakonischen Diensten Hannover (DDH) und der Gewerkschaft ver.di um das Streikrecht spitzt sich zu. Am Mittwoch traten erneut rund 200 von insgesamt 4500 Mitarbeitern in den Streik und verlangten Tarifverträge und höhere Gehälter. Weitere Beschäftigte unterstützten sie durch sogenannte »aktive Mittagspausen«. Die Unternehmensführung wehrte sich gegen die Streikaufrufe der G...

ndPlusPeter Nowak

Gerichtlich gegen Lotsen

Am Markt sind die Fluggesellschaften Ryanair, Lufthansa und Air-Berlin Konkurrenten. Doch in der Abwehr gegen Gewerkschaftsrechte kooperieren sie. Die drei Airlines haben die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) kürzlich auf die Zahlung von insgesamt 3,2 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Weil die Gewerkschaft während eines Tarifkonflikts im Spätsommer 2011 zu Streiks aufgerufen hat, sei den F...

Neustart für Tarifverhandlung
Christian Ebner, dpa

Neustart für Tarifverhandlung

Nach fünf Tagen Streik sprechen am Frankfurter Flughafen Gewerkschaft und Geschäftsleitung wieder miteinander. Der Flugverkehr erholt sich aber nur langsam.

Ist Widerstand sinnlos?

Schadet das Engagement gegen eine Krankenhausprivatisierung den betroffenen Belegschaften? Diesen Eindruck versuchen derzeit zwei hessische ver.di-Sekretäre im Bereich Gesundheitswesen zu vermitteln. Auch wenn sie mit ihren Alleingängen nicht die Beschlusslage ihrer Gewerkschaft wiedergeben, ist ihnen ein starkes regionales Medienecho sicher. Stein des Anstoßes ist der jüngste Beschluss der Wie...

ndPlusChristian Bunke

Streiks und Betriebsbesetzungen

Britische Gewerkschaften planen erneut eine große Streikaktion im öffentlichen Dienst. Sie wollen gegen die Rentenkürzungspläne der Regierung protestieren. In der größten Gewerkschaft des Sektors brodelt es. Die UNISON hat ein Stillhalteabkommen mit der Regierung abgeschlossen. Auch in der Wirtschaft steigt die Schlagzahl im Arbeitskampf.

Seite 16

Commerzbank trotzt dem Athen-Effekt

Frankfurt am Main (Agenturen/nd). Die Commerzbank hat trotz erheblicher Belastungen durch die Schuldenkrise im vergangenen Jahr noch schwarze Zahlen geschrieben. Unter dem Strich verdiente die Bank 638 Millionen Euro. Nach Angaben des Geldinstituts sind das 55,4 Prozent weniger als 2010 - nicht zuletzt, weil die Commerzbank massive Abschreibungen auf die griechischen Staatsanleihen in ihren Bücher...

ndPlusUlrike Henning

Palliativmedizin im Wandel

Jedes Jahr sterben in der Bundesrepublik 215 000 Menschen an Krebs, das ist jeder vierte Todesfall. So bleibt die Krankheit trotz aller Fortschritte in der Behandlung die am meisten gefürchtetste. Auf dem heute zu Ende gehenden Krebskongress in Berlin geht es daher auch um den Ausbau der Palliativmedizin.

Hermannus Pfeiffer

Krise und Stürme verhageln Bilanz

Erfolgreicher Finanzinvestor mit angehängtem Versicherungsladen, so präsentierte sich die Allianz auf ihrer Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in München. Wie erwartet ist der Gewinn 2011 kräftig eingebrochen. Dagegen meldete die Fondstochter Pimco Rekordanlagen.

Seite 17
ndPlusFabian Lambeck

Gutes Gewissen im Tank

Ist die Herstellung von Biokraftstoffen verantwortlich für den Hunger in der Welt? Nein, meint nun eine von der Biosprit-Lobby in Auftrag gegebene Studie. Dabei ignoriert man längst bekannte Fakten.

Martina Herzog und Georg Ismar (dpa), Brüssel

Importstopp für Öl aus Teersand?

Europas Bemühungen um den Umweltschutz bringen Brüssel derzeit viel Ärger ein: Während Klimaabgaben für Airlines für diplomatische Verwerfungen sorgen, geht Kanada wegen hoher Hürden für Treibstoff aus Teersand auf die Barrikaden.

ndPlusFolke Havekost, Hamburg

Das Zwei-Grad-Ziel ist erreichbar

Die im Rahmen der UNO vorgegebenen Klimaziele lassen sich noch erreichen. Aktuelle Rechensimulationen bieten allerdings wenig Anlass zu Optimismus.

Seite 19
Eine Frage der Haltung
Jürgen Holz

Eine Frage der Haltung

»Man muss auch richtig stürzen können«, meinte Helmut Recknagel, als er sich vom Boden erhob, und hatte die Lacher auf seiner Seite. Die deutsche Skisprunglegende - von über 80 Zuhörern herzlich begrüßter Gast am Mittwochabend bei »nd im Club« in Berlin - hatte beim Sprung aufs Podium zu viel Schwung genommen, verhakelte sich und landete kopfüber auf dem Boden. »Alles eine Frage der Haltung«, sagt...

ndPlusElisabeth Schlammerl, Basel

Ansammlung der Egomanen

Damit hatten die Spieler des FC Bayern München wohl nicht gerechnet. Als sie den Bankettsaal im Swissotel Le Plaza in Basel betraten, klatschten die Gäste. Der Applaus sollte wohl als Aufmunterung verstanden werden. Auf die Rede, die Karl-Heinz Rummenigge etwas später hielt, traf das nicht zu. Sie war vor allem Warnung: »Wir müssen gemeinsam hart arbeiten, um aus der Scheiße rauszukommen«, sagte d...

Jirka Grahl

Erschreckende Weite

Das Spektakel kann beginnen: Nach der Qualifikation gestern Abend segeln von heute an die besten Skispringer der Welt von der Flugschanze in Vikersund, es geht um Weltmeistertitel. Die Belastungen, denen die Athleten ausgesetzt sind, sind enorm, die Sturzgefahr ebenfalls. Dennoch hofft mancher, dass erstmals 250 Meter übersprungen werden.