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Unten links

Mein Bus zur Arbeit, er fährt ohnehin nur alle zwanzig Minuten, kommt gewöhnlich mindestens fünf Minuten zu spät, häufig sind es auch zehn und mehr Minuten. Treffe ich an der Haltestelle aber nur eine Minute nach fahrplanmäßiger Abfahrt ein, war er garantiert pünktlich. Erst der nächste kommt dann wieder mit üppiger Verspätung oder fällt ganz aus. So gewinne ich gelegentlich eine halbe Stunde, die...

ndPlusFabian Lambeck

Gemeinsam für Gerechtigkeit

Drei Gewerkschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wollen gemeinsam für eine gerechtere Besteuerung großer Vermögen kämpfen. Zudem setzen sie nun verstärkt auf Aufklärungsarbeit in den Betrieben.

Wolfgang Hübner

Woche der Schande

Die Woche des Berliner Hungerstreiks war eine Woche der Schande. Wären nicht die Unterstützer der Flüchtlinge, die sie Tag und Nacht begleiten, die sich mit der Polizei streiten, die versuchen, der stupiden Behördenroutine mit Courage und Einfallsreichtum zu begegnen - wären nicht diese Helfer, man müsste sich schämen, ein Deutscher zu sein.

ndPlusPedram Shahyar

Zurück auf dem Platz der Indignados

Keine Sprecher, keine Führer: Im Mai 2011 begann auf dem „Tor der Sonne“ im Herzen Madrids eine neue Bewegung - die „M15". Anderthalb Jahre später gehen die sozailen Auseinandersetzung um die Folgen der Krise weiter. Gleich um die Ecke campieren Menschen, die ihre Häuser verloren haben. Jeden Tag gibt es in Spanien 500 Zwangsräumungen, Betroffene und Aktivisten protestieren dagegen mit Bankbesetzungen

ndPlusHorst Arenz

Zu mehr Mut nicht bereit

An den Landesparteitag der Berliner Linkspartei waren hohe Erwartungen geknüpft, handelte es sich doch um den ersten nach der verlorenen Wahl, auf dem sich die Parteispitze der Verantwortung in der Regierungszeit stellte. Leider wurden die Erwartungen nur zum Teil erfüllt.

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Ein Jahr nach dem Auffliegen der NSU

Ein Jahr nach dem Auffliegen der NSU

Am 4. November vor einem Jahr wurden Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos nach einem Bankraub in Eisenach tot aufgefunden. Am selben Tag zündete deren Komplizin Beate Zschäpe eine Wohnung in Zwickau an. Bereits nach ersten Ermittlungen war klar: Eine rechtsextremistische Terrorzelle, genannt »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU), war aufgeflogen. Ihr werden mindestens zehn Morde, 14 Banküberfälle un...

ndPlusRené Heilig

Zu viel bleibt im Grau nach dem Erschrecken

Der 4. November 2011 war ein Freitag. Die Sonne zeigte sich über Eisenach. Gegen 9.15 Uhr überfielen zwei männliche Täter die Sparkasse am Nordplatz. Sie flohen mit Fahrrädern. Ein Zeuge sah, wie zwei junge Männer auf einem nahen Parkplatz Fahrräder in ein Wohnmobil luden. Gegen 12.05 Uhr entdeckten zwei Streifenpolizisten das Fahrzeug im Ortsteil Stregda. Als sie sich näherten, hörten sie zwei Kn...

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Sehr geehrter Herr Kolat ...

Herr Kolat, tragen Sie bitte zum friedlichen Zusammenleben in Deutschland bei, indem Sie das Vertrauen in unseren demokratischen Rechtsstaat stärken und dazu alle unbewiesenen Anklagen gegen staatliche deutsche Sicherheitskräfte unterlassen. Eine Kopie dieses Schreibens sende ich zur Kenntnis an Herrn Bundesinnenminister Dr. Friedrich.HochachtungsvollDr. Helmut N. Lieber Herr Kenan, die 1...

ndPlusJan Keetman

Auch Solingen ist nicht vergessen

In der Türkei hat die Aufdeckung des NSU zu weit weniger Diskussionen geführt als in Deutschland. Zum einen ist die Türkei sehr auf Innenpolitik fixiert. Zum anderen gab es aus türkischer Sicht wenig Neues zu diskutieren. Man hat hier frühere Gewalttaten nicht vergessen.

»Ich vermisse einen Aufschrei«

»Ich vermisse einen Aufschrei«

Migranten erleben täglich, was rassistische Vorurteile sind. Im Gespräch erzählt Kenan Kolat von einem türkischen Familienvater, der wegen Eindringlingen die Polizei rief und bei ihrer Ankunft als erstes selbst gefesselt wurde. Die Polizei hielt automatisch ihn für den Täter. Mit Kolat sprach Ines Wallrodt.

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Ombudsfrau und Staatssekretär

Barbara John ist Ombudsfrau für die Hinterbliebenen der NSU-Opfer. Das Bundesinnenministerium, so war es versprochen, sollte ihre Arbeit in jeder Weise unterstützen. Die Zusage wurde nie eingelöst. Doch die 74-Jährige klagt nicht, sie handelt. Über das Amt, das der ehemaligen Berliner Ausländerbeauftragten bestimmt ist, hinaus. Frau John ist Mitglied der CDU. Auch daraus leitete sie jüngst das...

Hendrik Lasch, Dresden

»Begräbnis erster Klasse«

Die Aufklärung in Sachen NSU ist bisher nicht ansatzweise zum Kern des Problems vorgedrungen. Das sagen Beratungsteams gegen Rechts aus drei ostdeutschen Bundesländern.

Kampf um die Wahrheit

nd: Sie sind ein engagierter Beobachter der parlamentarischen NSU-Untersuchungsausschüsse ...Funke: Insbesondere den des Bundestages und den in Thüringen habe ich bisher beobachtet. Beide Gremien wollen zum Kern kommen, die Gründe des Versagens erhellen und Konsequenzen formulieren. Man erlebt bisweilen unter der Zeugenschaft viel Arroganz und Hartleibigkeit. Die Kanzlerin hat anderes verspro...

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Wirtschaft kritisiert die Koalition

Berlin (AFP/nd). Vor dem Koalitionstreffen am Sonntag haben sich mehrere Wirtschaftsverbände gegen zentrale Vorhaben gestellt, über die Union und FDP beraten wollen. »Das Betreuungsgeld ist in meinen Augen eine unnötige, teure Leistung«, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, der »Welt«. Er plädiert hingegen dafür, statt der oftmals als...

ndPlusSonja Erkens, Frankfurt am Main

Im Windschutz der Katharinenkirche

Neben Berlin gibt es auch in Frankfurt am Main ein Protestcamp von Flüchtlingen. Auch dort verstoßen die Betroffenen gegen ihre Residenzpflicht, um für ein menschenwürdiges Asylrecht zu kämpfen.

ndPlusMarcus Meier

Erhalten, aber nicht bezahlt?

Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat nach eigenen Angaben von den Bochumer Stadtwerken ein Honorar erhalten, das die nie bezahlt haben wollen. Die Debatte um die 25 000 Euro Talk-Belohnung nimmt immer bizarrere Züge an. LINKE-Abgeordnete Sevim Dagdelen wittert Veruntreuung. Auch Bundespräsident Gauck talkte in Bochum.

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Der Weg für Fernbusse ist frei

Berlin (dpa/nd). Die seit mehr als 70 Jahren andauernden Beschränkungen für Fernbuslinien in Deutschland werden aufgehoben. Der Bundesrat stimmte am Freitag einem Kompromiss zu, auf den sich die schwarz-gelbe Koalition mit SPD und Grünen geeinigt hatte. Zum Jahresbeginn 2013 sollen die Hürden für Busse weitgehend abgeschafft werden, die seit Jahrzehnten die Entwicklung der Bahn schützen. Fernbusli...

ndPlusMarian Krüger

Kretschmann gibt den Erneuerer

Der erste grüne Bundesratspräsident, Winfried Kretschmann, hat sich für mehr Transparenz in der Länderkammer ausgesprochen. Die Verfahren und Abläufe im Bundesrat seien für Außenstehende oft schwer oder gar nicht verständlich, sagte Kretschmann gestern in Berlin.

Filippos Sacharis, Athen

Fehlkalkulation zu Lasten der Griechen

Griechenland soll sparen und Staatsbesitz verkaufen. Doch die Privatisierung kommt nicht recht voran. Erst am Mittwoch hat das Parlament ein Regelwerk gebilligt, mit dem der Fonds zur Privatisierung von Häfen, der Elektrizitätsgesellschaft und anderen staatlichen Betrieben voranschreiten kann.

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Spekulationen um Özals Tod

Istanbul (dpa/nd). Giftmord oder Herzversagen? Ein Zeitungsbericht hat in der Türkei neue Spekulationen ausgelöst, wonach der vor 20 Jahren gestorbene türkische Präsident Turgut Özal vergiftet wurde. Bei einer Autopsie der Leiche des Politikers seien Spuren von Strychnin gefunden worden, berichtete die türkische Zeitung »Bugün« am Freitag. Der Präsident des mit der Untersuchung beauftragten Forens...

Westerwelle in Nigeria

Abuja (dpa/nd). Außenminister Guido Westerwelle hat am Freitag seine Afrika-Reise in Nigeria fortgesetzt. Zu den Gesprächsthemen wird die Krise in Mali zählen, wo Islamisten zwei Drittel des Staatsgebiets unter ihre Kontrolle gebracht haben. Westerwelle hatte Mali am Donnerstag besucht und dem Land Hilfe bei der Bewältigung seiner Krise zugesichert. Die westafrikanischen Nachbarländer denken über ...

Video von Erschießung wird geprüft

Genf/Istanbul (dpa/nd). UN-Experten prüfen die Echtheit von Videoaufnahmen, die die Erschießung gefangener syrischer Soldaten durch Rebellen zeigen. »Wie bei anderen solchen Videos ist es schwierig, sie unmittelbar zu verifizieren«, sagte der Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Rupert Colville, am Freitag in Genf. Nach Angaben der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter, ...

ndPlusKarin Leukefeld, Damaskus

USA sortieren Syriens Opposition

Die syrischen Regierungsgegner sind zerstritten und schwer berechenbar, auch für ihre Gönner. Die USA wünschen sich eine andere Opposition.

ndPlusLeo Burghardt, Havanna

»Sandys« Hinterlassenschaften

Nach dem Wirbelsturm »Sandy« ist die Zahl der Todesopfer an der US-Ostküste auf mindestens 92 gestiegen. In Kuba waren zwar »nur« elf Todesopfer zu beklagen, aber die Schäden haben alle Erwartungen übertroffen.

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Lizenz zum Gelddrucken

Die Commerzbank ist nicht mehr auf der Liste. Die Deutsche Bank ist es immer noch. 28 Geldhäuser listet der internationale Finanzstabilitätsrat auf, deren Pleite die Welt in eine neue Krise treiben könnte. Die Lehre aus dem letzten Crash ist, dass diese als systemrelevant eingestuften Banken mehr Eigenkapital besitzen sollen, wie es das internationale Regelwerk »Basel III« vorschreibt. Das sol...

Lippenbekenntnisse

Bund und Länder wollen bei der Energiewende an einem Strang ziehen - und auch noch in die gleiche Richtung. Dass sich die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder eineinhalb Jahre nach dem schwarz-gelben Atomausstiegsbeschluss zu solch vagen Beteuerungen zusammenraufen müssen, ist schon peinlich genug. Die Lage ist aber noch besorgniserregender: Die Streitereien über die zahllosen De...

CDU im Kreisverkehr

Kaum hatte der sogenannte Berliner Kreis konservativer CDU-Politiker gestern seine erste öffentliche Runde gedreht, da gingen die Christdemokraten aus der Hauptstadt wegen des womöglich missverständlichen Namens auf Distanz und versicherten, nicht etwa zu den Aufständischen zu gehören. Dabei hatten die mit der Außen- und Innenwirkung ihrer Partei unzufriedenen Kreismitglieder doch artig sogleich i...

Anke Stefan, Athen

Unbequem

Kostas Vaxevanis hatte eine Liste mit 2059 mutmaßlichen Steuersündern veröffentlicht, die Gelder aus Griechenland in die Schweiz überwiesen haben sollen. Dafür drohten ihm drei Jahre Haft. Am Donnerstag, dem ersten Prozesstag, wurde das Verfahren jedoch eingestellt. Die Anklage wegen Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz war weder der erste noch der schlimmste Angriff, dem der nun auch intern...

ndPlusLukas Siebenkotten, Direktor des Mieterbundes

Gesetz stoppen!

Wohl noch nie ist ein Gesetzentwurf der Bundesregierung von unabhängigen Sachverständigen in einem Ausschuss des Bundestages so kritisiert und zerrissen worden wie das Mietrechtsänderungsgesetz oder, wie man eigentlich sagen müsste, das Mietrechtsverschlechterungsgesetz. Dass wir als Deutscher Mieterbund kein gutes Haar an diesem Gesetzentwurf der Bundesregierung lassen, mag selbstverständlich ...

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Commerzbank nicht mehr systemrelevant

Basel (dpa/nd). Die Commerzbank gilt international nicht mehr als systemrelevant. Der internationale Finanzstabilitätsrat (Financial Stability Board/FSB) strich das zweitgrößte deutsche Institut am Donnerstag von der Liste der Geldhäuser, deren Zusammenbruch eine große Gefahr für die Stabilität der Weltwirtschaft bedeuten könnte. Für die seit der Finanzkrise geschrumpfte Commerzbank bedeutet de...

VW-Manager Neumann soll Opel retten

Ein bei VW in Ungnade gefallener Manager soll Opel retten. Er darf aber erst im Sommer nach Rüsselsheim wechseln. Auf ihn wartet der vielleicht härteste Job der Branche.

Energiewende: Alle an einem Strang

Berlin (nd-Stenger/dpa). Die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der 16 Länder haben auf ihrem Gipfeltreffen in Berlin verabredet, bei der Energiewende besser zusammenzuarbeiten. »Wir wollen gemeinsam, dass die Energiewende gelingt«, erklärte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach dem Treffen. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) sprach von einem »föderalen Miteinander, ...

ndPlusVelten Schäfer

Hoffnung und Trübsal

Die Werftarbeiter in Stralsund und Wolgast sind nun für zwölf Monate in einer Transfergesellschaft. Für die Wolgaster stehen die Chancen wohl besser als für die Stralsunder. Und auch die Zukunft der früheren Wadan-Werften in Wismar und Warnemünde ist noch nicht gesichert.

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Stephan Fischer

Der immer was zu sagen hat

Kult-Trainer und immer einen guten Spruch auf den Lippen: So einfach und verkürzt lauten die Zuschreibungen für einen, der nicht nur oft etwas gesagt, sondern auch etwas zu sagen hat. Begeht so einer dann einen runden Geburtstag, den 70. in diesem Fall, werden schnell die »besten Sprüche« aufgelistet, vielleicht noch die Erfolge und Stationen. Dabei lohnt es sich bei Hans Meyer genauer hinzusc...

ndPlusChristoph Stukenbrock, SID

Plötzlich hinten

Martin Heuberger schüttelte den Kopf. Immer und immer wieder. Wie ein angeschlagener Boxer taumelte der Bundestrainer am Donnerstagabend über das Parkett der Mannheimer Arena. Er schien regelrecht in Trance - ohnmächtig ob der desolaten Vorstellung seiner Handballer beim 27:31 zum Auftakt der EM-Qualifikation gegen das international zweitklassige Montenegro. Ein harmloser Angriff, schwache Torhüte...

ndPlusAlexander Ludewig

Kampf um ein Kulturgut

Die zentrale Forderung des Fangipfels am Donnerstag in Berlin war ein »Bündnis für Fußball«. Eine Art Solidargemeinschaft aller, die diesen Sport »lieben und zu einem emotionalen Kulturgut machen«, wie es in der Abschlusserklärung heißt. Dass sich die rund 250 Fanvertreter von 49 Klubs darauf einigten, könnte einen Neuanfang in der ganzen Debatte um Gewalt im Fußball bedeuten. Denn damit werden eb...

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Zank um Bierbikes

(dpa). Um die Bierbikes, rollende Partytheken für bis zu 16 Personen, ist ein Zank zwischen dem Berliner Senat und dem Bezirk Mitte ausgebrochen. Beide Seiten sind sich einig, dass die Fahrzeuge keinen guten Eindruck hinterlassen. Uneins sind sie sich jedoch, wer sie von den Straßen zu verbannen hätte. Mittes Baustadtrat hatte ein Verbot durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gefordert. V...

Am BER viel fertig, aber ...

(dpa). Große Teile des künftigen Hauptstadtflughafens sind nach Eindruck des Untersuchungsausschusses in Berlin inzwischen fertig. »Unter der Oberfläche muss es aber gerade beim Brandschutz gehörige Schwierigkeiten geben«, sagte Ausschuss-Chef Martin Delius (Piraten) gestern nach einer Baustellen-Führung. Es sei deutlich, dass man an vielen Stellen mit Notlösungen gearbeitet habe. Dadurch seien en...

Lasst Taten folgen!

Müssten, sollten, könnten ... Erschreckend viele Versprechen am Brandenburger Tor begannen in den letzten neun Tagen mit diesen Worten. Die hungerstreikenden Flüchtlinge vom Pariser Platz haben sich viele Zusagen von Politikern und Behörden anhören dürfen. Am Ende waren sie mehrheitlich nicht viel wert. Hoffnungen wurden zunichte gemacht. Böhmers und Kolats Aussagen vom Donnerstag sind deshalb ...

Robert D. Meyer

»Keine einzige Zusage«

Arash sieht mitgenommen aus. Seine Wangenknochen stehen hervor. Mehr als eine Woche Hunger und Kälte liegen hinter ihm. Der 32-Jährige steht am Donnerstag um 20.30 Uhr im Foyer der Akademie der Künste am Pariser Platz und verkündet das Ende des neuntägigen Hungerstreiks.

Marina Mai

Einige Not mit Notunterkünften für Flüchtlinge

Die sechs Feldbetten in dem Raum sind schon schmuddelig. Zu jedem Bett gibt es zwei Decken. Kopfkissen sind nicht vorgesehen. Ein Waschbecken und ein schmaler Tisch stehen noch im Raum. Willkommen in Berlin. Willkommen in der Notunterkunft für Asylbewerber im Ortsteil Grünau im Bezirk Treptow-Köpenick. Rund 100 Flüchtlinge wohnen hier - in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft aus Serbien, Afghan...

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Kunstaktion »Cyber-Krieg«

(dpa). Nach seinem heftig kritisierten Experiment mit der möglichen Hinrichtung eines Schafes hat der iranische Künstler Iman Rezai nun eine umstrittene Web-Aktion gestartet. Der in Berlin lebende Aktionskünstler hat die Internetseite der Neuen Nationalgalerie gehackt und unter deren Email-Adresse zu einer Ausstellungseröffnung eingeladen. Mit dem »Cyber-Krieg« wolle er prüfen, ob die großen staat...

Anouk Meyer

Sammelbrunnen der Jahre

Wasser aus dem Hahn, überall und zu jeder Zeit, das ist für uns heute so selbstverständlich wie die Kanalisation fürs Abwasser. Wie in Berlin die Trinkwasserversorgung mittels öffentlicher Brunnen den Leitungen in jedes einzelne Haus wich und wie sich die Abwasser-Infrastruktur entwickelte, zeigt das Museum im Wasserwerk Friedrichshagen in seiner Dauerausstellung. Die Sonderschau »Achtung Foto! Be...

ndPlusManuela Lintl

Rosige Zukunft

Die ifa-Galerie widmet im Rahmen der Ausstellungsreihe »connect:« derzeit der Kunstszene Tunesiens genauere Aufmerksamkeit. Ein symbolträchtiges Bild für die gegenwärtige Situation des Landes und die Befindlichkeit der Bevölkerung hat der Künstler Halim Karabibene gefunden: Er stellt einen Schnellkochtopf auf den Sockel, verziert mit den Symbolen Mondsichel und Stern, der in unkalkulierbaren Abstä...

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Karlotta knetet sich Prominente zurecht

(dpa). Die Berlinerin Linda Jakobsen formt aus Knete Prominente wie Klaus Kinski, Woody Allen oder Hildegard Knef. »John Lennon war am einfachsten zu kneten«, sagte die 27-Jährige. Vor etwa vier Jahren hat Jakobsen durch Zufall angefangen, Stars mit der Modelliermasse zu gestalten. »Meine erste Figur war der Sänger Morissey von The Smith.« Später kamen dann unter anderen Loki und Helmut Schmidt...

Bernd Kammer

»Voodoo« in Tempelhof

Würde das ehemalige Flugfeld in Tempelhof an den Rändern nicht bebaut, entstünde innerhalb von 50 Jahren ein volkswirtschaftlicher Schaden von knapp 300 Millionen Euro. Dies hat das Forschungsinstitut Empirica im Auftrag der Tempelhof Projekt GmbH und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung errechnet. Der Senat will sich damit für das Volksbegehren wappnen, das die Bürgerinitiative »100 Prozent ...

Ärger mit dem Müll

Nur Müll - oder bares Geld? Das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz des Bundes soll die Kommunen vor unkontrolliertem Wertstoffsammeln schützen. Doch es drohen Klagen - Erfahrungen aus Thüringen.

ndPlusSimon Cemataschi, Düsseldorf

Meister der Verdrängung

1990 wurde in Düsseldorf noch ein Fünftel aller Wohnungen öffentlich gefördert, heute sind es nur noch 6,8 Prozent - Tendenz fallend. Im September wurde ein breites Bündnis gegründet, das diese Entwicklung stoppen will.

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Nürnberg will seine Bürger anpumpen

Dass Bürger dem Staat Geld pumpen, ist seit Jahrzehnten üblich. Städte und Gemeinden haben dagegen ihre Haushaltslöcher bisher mit Bankendarlehen gestopft. Das könnte sich nun ändern. Nürnberg und Würzburg wollen den Anfang machen.

ndPlusSven Kames

Drei Blockierer von Naziaufmarsch freigesprochen

Späte Genugtuung für drei Berliner Antifaschisten: Am Freitag hat das Landgericht Potsdam die Berufungsverhandlung gegen sie eingestellt. Es ging um die Blockade eine Neonaziaufmarschs am 5. Dezember 2009 in Königs Wusterhausen. Den Angeklagten war Landfriedensbruch vorgeworfen worden. Sie hätten sich, so die Anschuldigung, bei der polizeilichen Räumung der Sitzblockade nicht friedlich verhalte...

ndPlusJana Bronsch, dpa

Das andere Weiß

»Der Winter kann kommen«, heißt es im Steinsalz-Bergwerk Heilbronn: Die Depots sind voll. Aber wie wird das Streugut eigentlich abgebaut? Ein Besuch unter Tage.

ndPlusAndreas Fritsche

Die LINKE hält sich nicht für pflegeleicht

Finanzminister Helmuth Markov (LINKE) kennt den Vorwurf. Angeblich setze sich in der rot-roten Koalition immer die SPD durch. »Das stimmt gar nicht«, beteuerte er am Donnerstagabend. Tatsächlich habe es nur einen Fall gegeben, wo die LINKE nichts bewegen konnte.

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ndPlusUlrike Gramann

Ein Garten, um darin vergessen zu sein

Eines Tages hatte Hannah Höch ihren späten großen Ruhm satt: »Dada hängt mir zum Halse raus! Langsam ist das doch abgedroschen!«, soll sie einem Journalisten gesagt haben, der sie in den 1970er Jahren besuchte. Die 1889 Geborene war Avantgardistin, einzige Frau der Dada-Bewegung neben Männern wie Richard Huelsenbeck und George Grosz. Eine Muse war sie nicht, sondern eigenständig, eigenwillig, Erne...

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Freundlichkeit ... und Abgründe

Vor wenigen Tagen wurde vermeldet: Der »Regine-Hildebrandt-Preis« der SPD geht in diesem Jahr an zwei sozial-politische Initiativen und an - Andreas Dresen. Man merkt es im Gespräch, und auch daran: Bei Preisverleihungen freut sich niemand so nahezu familiär wie die jeweilige Dresen-Truppe. Zu der Kameramann Andreas Höfer, Autorin Laila Stieler, Produzent Peter Rommel zählen, Schauspieler wie Axel Prahl, Thorsten Merten, Milan Peschel, Henry Hübchen, Steffi Kühnert, Ursula Werner, Nadja Uhl.

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Stadt
Bernd Zeller

Stadt

Die bekannte Partei CDU ist in mehreren Regierungen maßgeblich vertreten, darunter sogar in der Bundesregierung, hat aber nach der verlorenen Wahl in Baden-Württemberg und zum Stuttgarter Oberbürgermeister ein Problem festgestellt. In Städten nämlich, so die Analyse, wohnen Leute, die sich von der CDU nicht auserwählt fühlen und im Gegenzuge nicht die CDU wählen. Normalerweise ist politisches H...

Politik ist nicht nur Männersache

Sie kam als Tochter einer Wäscherin zur Welt, deren Ehemann, ein Metzger, aber nicht ihr leiblicher Vater war. Wie Historiker vermuten, entstammte sie einem Verhältnis ihrer Mutter mit einem reichen Landadligen, der seine Tochter weder anerkannte noch irgendeine Form von Unterhalt für sie zahlte. Mit ihren Geschwistern verlebte sie eine fröhliche Kindheit, ohne allerdings jemals eine Schule zu ...

Martin Koch

Nicht besser, sondern anders sein

Dass Carl Friedrich Gauß (1777-1855) einer der größten Mathematiker der Geschichte werden konnte, war maßgeblich dem Zufall geschuldet. Denn der Sohn einer ehemaligen Dienstmagd und eines Maurers wäre wohl kaum über die Volksschule hinausgekommen, hätte nicht ein Lehrer dafür gesorgt, dass der mathematisch begabte Junge das Gymnasium besuchen und somit später - dank eines Stipendiums des Herzogs v...

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ndPlusJan Oelbermann

Verurteilt zum Schweigen

Wenn am kommenden Dienstag in den Vereinigten Staaten der Präsident gewählt wird, hält nicht nur »Sandy« viele US-amerikanische Staatsbürger vom Gang zur Urne bzw. zum Wahlcomputer ab. Viele sind, obwohl sie volljährig sind und einen gültigen Pass haben, aufgrund von Gesetzen ihres Wahlrechts beraubt. Sie sind aufgrund von Vorstrafen vom Wahlrecht ausgeschlossen. Dies betrifft etwa 5,85 Millionen ...

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Florian Wilde

Politische Streiks und ihre Rolle in der Krise

Die Krise hat die Zahl politischer Arbeitsniederlegungen massiv steigen lassen. Doch selbst eine Welle an Generalstreiks wie in Griechenland endete bisher in Niederlagen. Es fehlt an linken Alternativen zu Sparpolitik und Neoliberalismus - und es fehlt eine Verbindung von Gewerkschaften, linken Parteien und sozialen Bewegungen. Dies zu ändern, kommt politischen Streiks eine herausragende Rolle zu.

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WOCHEN-CHRONIK

2. November 1917: Der britische Außenminister Arthur James Balfour stellt den Juden erstmals im britischen Mandatsgebiet Palästina einen eigenen Staat in Aussicht. 3. November 1957: Der zweite in die Erdumlaufbahn gebrachte sowjetische Sputnik mit der Polarhündin Laika an Bord bekräftigt den Vorsprung der UdSSR in der Raumfahrt gegenüber den USA. 4. November 1922: Der britische Archäologe Ho...

Heinrich Fink

Helmuth Hübener

Am 27. Oktober vor 80 Jahren ist Helmut Hübener in Berlin-Plötzensee hingerichtet worden. Er war unter den 1574 ermordeten Antifaschisten und Widerstandskämpfern gegen das Naziregimes mit 17 Jahren der Jüngste. Seine drei Kinder allein erziehende Mutter gehörte der »Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage« (Mormonen) an, die zu den ersten von den Nazis bedrohten christlichen Gruppen g...

ndPlusGerhard Feldbauer

Putschist im Liegewagen

In den revolutionären Kämpfen in Italien nach dem Ersten Weltkrieg, mit Fabrikbesetzungen und der Bildung bewaffneter Roter Garden, zeichnete sich die Möglichkeit einer linken Regierung mit Kommunisten und Sozialisten an der Spitze ab. Zwar ebbten die revolutionären Massenaktionen 1921 ab, sie verschafften den Linken aber bei den Wahlen im Mai des Jahres noch einen sprunghaften Anstieg. In dem 508...

Kurt Pätzold

Solange kein Name gefallen ist ...

Wieder steht ein 9. November und mit ihm ein hoch geschichtsbeladener Tag für die Deutschen an. An jenem Tag 1918 begann die Revolution, mit der die Geschichte des (zweiten) deutschen Kaiserreichs endete und der Weg in eine bürgerliche Republik freigemacht wurde, die zur Hälfte Resultat der Gegenrevolution war. Eine solche wurde fünf Jahre, wieder an einem 9. November, von Hitler und dem kaiserlic...

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Martin Hatzius

Reim auf die Woche

Der Wahlkampf ist dem Sturm zu teuer,weshalb das rohe Ungeheuerden Kandidaten zuruft: Seht,wer hinter mir noch gerade steht! Der klügre denkt sich: Diese Briseist schwächer als die miese Krise;ich bin von Traurigkeit kein Kindund häng mein Segel in den Wind. Die Ärmel hoch und nicht geklagt,die nächste Rede abgesagt - aus »Yes we can«, wenn Lüfte wehn,wird flugs ein »Yes we hurricane«....

Zum Geburtstag

Die Zeichnerin und Illustratorin Natali Schmidt ist in Gotha mit der Hannah-Höch-Ehrung ausgezeichnet worden. Die Stadt ehrt damit alljährlich zum Geburtstag der in Gotha geborenen Dadaistin Hannah Höch (1889-1979) das künstlerische Schaffen von Frauen. Schmidt, die in der Sowjetunion geboren wurde und in Moskau studierte, habe sich unter anderem mit den Porträts bedeutender Gothaer Persönlichkeit...

Fünf fürs Bauhaus

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Bauhauses im Jahr 2019 haben fünf Bundesländer den »Bauhausverbund 2019« ins Leben gerufen. Das Ziel der Vereinigung sei es, sich gemeinsam auf das Jubiläum vorbereiten zu können, teilte das Kultusministerium in Magdeburg mit. Der Vertrag für die Kooperation werde am 5. November von den Kultusministern und den Vertretern Baden-Württembergs, Berlins, Nieder...

Martin Hatzius

Darf man nie verbieten

Wenn einem zu Bettina Wegner zuallererst ihr Lied »Kinder (Sind so kleine Hände)« einfällt und dann eine Weile nichts weiter, ist das zwar schade, aber es ist viel. Denn in diesem kleinen Lied, mit starker, heller Stimme zur Gitarre gesungen, nichts weiter, sind die vielen Lieder, die Bettina Wegner noch schrieb und sang, schon enthalten. Kein Hit, ein Credo: »Sind so schöne Münder, sprechen alles...

Sabine Neubert

»Die Mauern stehn sprachlos und kalt ...«

Es gibt Bücher, in die (nicht: auf die?) fällt man immer wieder rein. Zu diesen Büchern gehört für mich Pierre Bertaux' »Friedrich Hölderlin«. Ja, das Lesen ist tatsächlich ein Hineinfallen, wobei sich mir zugleich die Frage stellt, ob es wirklich ein Mangel wäre, auf ein gutes Buch »hereinzufallen«. Schließlich haben sich ja in der Literatur die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion verwischt...

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Manfred Streubel: Staunen

Daß wir uns den Ausblick so verdüstern!Daß wir uns so sehr im Wege stehn!Daß die Namen, die wir flammend flüstern,so erloschen durch die Tage wehn! Daß die Reiche, die wir emsig gründen,derart selten nur bewohnbar sind!Daß die Wege in sich selber münden!Daß wir wirklich waren: jenes Kind! Daß wir sind: noch immer die Genarrten!Daß Erfüllung dann am nächsten ist,Wenn wir schließlich gar nicht...

Da guckst Du!

Für das Satire-Blatt »Pardon« erfand er das höfliche Teufelchen als Signet. Der vor sieben Jahren gestorbene F.K. Waechter zählt zu den wichtigsten deutschen Satirekünstlern. An diesem Samstag hätte er seinen 75. Geburtstag gefeiert. Friedrich Karl Waechter (1937-2005) hat mit seinen Zeichnungen ab den 1960er Jahren in das kollektive Gedächtnis der Bundesrepublik mitgeprägt. Wohl am bekanntesten i...

PLATTENBAU
ndPlusAndré de Vos

PLATTENBAU

Sieben Jahre Zeit gelassen hat sich John Cale, einstiger Bassist, Keyboarder und Violinist bei The Velvet Underground, um mit »Shifty Adventures In Nookie Wood« ein neues Album zu veröffentlichen. Das Besondere an dieser Scheibe ist die rhythmische Variationsbreite und Vertracktheit der einzelnen Lieder, die das gängige 4/4-Takt-Schema durchbricht. Damit unterstreicht der 70-jährige, in Wales gebo...

Angelika Kettelhack

Leiden unter der eigenen Herkunft

In Buenos Aires, in den 1950er Jahren, verliebt sich die 13-jährige Sulamit in den gleichaltrigen Nachbarjungen Friedrich. Sie ist die Tochter emigrierter Juden, er ist der Sohn eines Nazi-Verbrechers. Auch seine Eltern sind emigriert, aber mit Hilfe der katholischen Kirche über die »Rattenlinie«, die Fluchtroute der Nazis in andere Länder. Mehrere hundert Faschisten, unter ihnen Adolf Eichmann un...

Das Ziel vor den Augen, im Rücken
ndPlusHans-Dieter Schütt

Das Ziel vor den Augen, im Rücken

Reim ist Rückkehr - in die Gebundenheit, deren Zeit vorbei ist. In die Strenge, deren Adel verblasste. Wer reimt, behauptet so etwas wie eine verlorene Kindlichkeit; das scheinbar Leichte teilt sich mit im Mühestand der unbedingten Form; Heiterkeit, Gelöstheit durchziehen den Klang noch der bittersten Wahrheiten. Das liest sich dann als schmerztönender Widerspruch: Alles stimmt im Rhythmus - der d...

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DOKfilm: Reden mit Hindernissen

Stottern ist kein Intelligenzmangel, wie viele meinen, sondern eine Kommunikationsstörung. Wie sie entsteht und warum sie bei manchen wieder verschwindet, ist unklar.Wolfram Seeger hat für seinen Film »Stotterer« (2004) Mitglieder der Kölner Stotterer-Selbsthilfe-Gruppe begleitet. Zum Weiterschauen: www.onlinefilm.org/de_DE/film/ 26666...

OUT of SPACE: Gewerkschaft der TV-Opfer

Sie werden öffentlich dem Spott preisgegeben, von gierigen Medienfirmen mit Knebelverträgen geknechtet und nur wenige von ihnen schaffen es, länger als nur wenige Wochen im Job durchzuhalten. Die Rede ist von Kandidatinnen und Kandidaten, die sich bei den diversen Sendeformaten wie »Deutschland sucht den Superstar« bewerben und es meist nicht über die erste Vorauswahl hinaus schaffen. Junge, schut...

Form und Inhalt

Form und Inhalt

Zeitungslesen bildet - so lautet eine alte Weisheit. Wenn dem so wäre, dann könnten Zeitungen auf Bilder verzichten, denn es käme ja auf den Inhalt, nicht auf die Form der Nachricht an. Aber ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Wer im Zeitalter der massenmedialen Informationsflut will, dass seine Botschaft an die Welt ankommt, muss Bilder produzieren. Als bestes Aufmerksamkeitsargument funktio...

Peter Nowak

Nicht relevant für die »heute«-Nachrichten?

»Vor dem Brandenburger Tor protestieren etwa 20 Asylbewerber. Sie fordern eine andere Asylpolitik in Deutschland. Ist das ein Thema? Sollen wir darüber berichten?« Diese Frage twitterte der Redakteur des ZDF-Hauptstudios Dominik Rzepka vor einigen Tagen. Zuvor hatte es Kritik daran gegeben, dass der Hungerstreik der Flüchtlinge medial kaum ein Thema war, obwohl die Protestierer den Unbilden des Be...

Anne Roth

BLOGwoche: Journalismus im Internet

Journalismus ist eine schwierige Sache. Dabei könnte es so einfach sein: Mehr Kollaboration, mehr Inhalt, weniger Langeweile. Internet eben, kommt von »vernetzen«. Geht natürlich nicht so einfach. Es muss Geld verdient werden, und weil das so ist, schießen sich die so genannten Qualitätsmedien lieber ins Knie statt was Gutes draus zu machen. Nein, selbstverständlich habe ich keine Patentlösung für...

ndPlusKarin Leukefeld

Krieg an der Satellitenfront

»Störsignale aus Syrien behindern Ausstrahlung westlicher TV-Sender«, meldete die Nachrichtenagentur Reuters Mitte Oktober. Der »Empfang von BBC und Deutscher Welle im Nahen Osten« sei »mit Störsendern behindert worden«, so die Meldung. »Im Verdacht« stünden »Syrien und Iran«. Störsignale aus Syrien hätten die Ausstrahlung behindert, sagte eine Sprecherin des europäischen Satellitenbetreibers Eute...

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Streitfrage: Mehr Macht für die Europäische Union?

In Zeiten der Eurokrise folgt ein dramatisches Gipfeltreffen dem nächsten. Mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus und dem Fiskalpakt wurden Verträge geschaffen, die massiv in das Haushaltsrecht und damit in die Souveränität der nationalen Legislativen eingreifen können. Kurz: Die Antwort auf die Eurokrise heißt für viele Politiker mehr Macht für Europa und seine Institutionen. Doch bleib...

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Erster Spiegel

Erster Spiegel

Um in der Tiefe des Alls auch schwache Lichtquellen noch sehen zu können, baut man Spiegelteleskope mit immer größeren Hauptspiegeln. Spiegeldurchmesser über acht Meter sind allerdings technisch zu aufwendig. Größere Systeme werden deshalb inzwischen mit zusammengesetzten Hauptspiegeln gebaut. So auch das von Spezialisten der University of Arizona konzipierte System des auf einem Gipfel in der chi...

ndPlusSabine Dobel, dpa

Supervulkan bei Neapel

Ein Vulkanausbruch könnte Neapel zerstören und weltweite Folgen haben: Ein Supervulkan liegt direkt neben dem Vesuv nahe der italienischen Millionenstadt. Die letzte Eruption der Phlegräischen Felder gab es 1538, dabei entstand ein neuer Berg. Sorgen macht nun den Wissenschaftlern, dass sich die Erde seit den 1970er Jahren immer wieder hebt und senkt - bis zu einen Meter. Eine Studie von Experten ...

Martin Koch

Das Großmutter-Rätsel

Bei den meisten Tierarten sterben die Weibchen bereits kurz nach dem Verlust ihrer reproduktiven Fähigkeiten. Nicht so beim Menschen. Hier währt die unfruchtbare Lebensspanne der Frau im Regelfall Jahrzehnte, so dass aus Müttern oftmals Großmütter und Kinder zugleich Enkel werden. Auf den ersten Blick scheint dieses Phänomen der Darwinschen Theorie zu widersprechen, wonach die Evolution primär ...

Steffen Schmidt

Wenn die Turbine dem Wind die Kraft raubt

Welche Kraft Wind haben kann, erfuhren gerade die Menschen in der Karibik und an der Ostküste der USA, wo der Hurrikan »Sandy« Schäden in Milliardenhöhe anrichtete. Allein die Bewegungsenergie (kinetische Energie) solcher tropischer Wirbelstürme kann mehrere Milliarden Megajoule erreichen, was eine Leistung von mehreren Billionen Watt (Terawatt=TW) voraussetzt. Und so ist es kein Wunder, dass die ...

Seite 29

Wissen, punkten, gewinnen

An vier Wochenenden stellen wir jeweils drei Fragen. Sie beziehen sich auf historische Daten der Folgewoche. Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt. Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im »nd« gesammelt. Am Monatsende gewinnen die meisten Punkte; bei Gleichstand wird unter Ausschluss des Rechtsweges gelost. Die drei Gewin...

Bis die Fassaden fallen
Udo Bartsch

Bis die Fassaden fallen

Peter Pohl lügt seine jungen Leser nicht an. Deshalb müssen sie eine Lektion ziemlich schnell lernen: Bücher können auch traurig enden und Probleme werden nicht immer gelöst. Erst recht nicht solche, deren Bewältigung die Möglichkeiten von Kindern weit übersteigt. Meist sind es Erwachsene, die diese Probleme verursachen. Durch Verantwortungslosigkeit oder Lieblosigkeit oder schlicht durch Wegsehen...

Granda grandios
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Granda grandios

Julio Granda (Peru; 45) ist der stärkste Großmeister Südamerikas und zugleich, was er immer schon gewesen ist: Landwirt. Mit 13 Jahren hatte er die U 14-Weltmeisterschaft gewonnen. Ohne, wie er sagt, zuvor je ein Schachbuch gelesen zu haben. Vielleicht ist sein Stil deshalb so speziell, vielleicht aber ist er deshalb nie Champion bei den »Großen« geworden ... Nach einer vierjährigen Schachpaus...

Wasserbienen in der Regentonne
ndPlusProf. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe

Wasserbienen in der Regentonne

Manchmal denke ich beim Blick auf den kleinen Teich vor meinem Fenster, es würde regnen: Darauf deuten oft viele kleine Wellenkreise hin. Doch sie werden von auf- oder abtauchenden Insekten verursacht, den Rückenschwimmern. Sie gehören zu den im Süßwasser - oder im Falle der Wasserläufer auch auf seiner Oberfläche - lebenden Wanzen. Die Rückenschwimmer, von denen es in Mitteleuropa sechs etwa 1...

René Gralla

Mit viel Obst in den Endspurt

Das Logikrätsel Sudoku war 1986 erst in Japan, danach ganz schnell weltweit populär geworden. Bester deutscher Sudoka ist FLORIAN KIRCH, der 2012 in Düsseldorf zum dritten Mal die Deutsche Meisterschaft gewann. Der 21-jährige Student der Mechatronik an der Uni Erlangen fliegt in Kürze nach Budapest zum 24-Stunden-Rätselmarathon (9.-11.November). Dort will er seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen.

Seite 30
Roland Mischke

Mit Engeln beim Sabbat auf der Terrasse

Joel stülpt sich eine Kippa auf den Hinterkopf, gießt den Wein in winzige verzierte Metallbecher und verteilt ihn an seine Gäste. Ruth hat einen Korb mit Zopfbrot gebracht, das sie bricht und ihren Besuchern reicht. Dann fangen die Mittfünfziger an zu singen. Leise und getragen er, sie mit heller Stimme darüber. Das Lied erzählt, wie Gott die Erde in sechs Tagen geschaffen hat und am siebten Tag r...

Seite 31
ndPlusMichael Müller

Kanupolo und Sowjetpark am Mittelpunkt Europas

Die Gegend um das litauische Städtchen Trakai ist malerisch; auf flachem Land mit Wald und Wiesen thront eine beeindruckende gotische Burg auf einer Insel, und diese liegt genau in der Schnittstelle dreier Seen. Das Wetter indes ließ Anfang Oktober etwas zu wünschen übrig; die Sonne blinzelte zwar noch warm, ward aber von Landregenschauern immer wieder getrübt. Die zwei Mal fünf Männer vor und in ...

Seite 32
Brückenschlag

Brückenschlag

Heinz Czechowski: Angekommen bin ich am Ufer ... ... Auf dem Fluß,Der Tod und Leben seit jeher geschieden,Bin ich gefahren.Jenseits der LiebeSah ich, was ich seit jeher gesehen. EinmalStand ich mit Freunden in Melnik, sah denZusammenfluß von Moldau und Elbe, ich weiß nicht,Warum ich das als einen der fröhlichstenAugenblicke des Lebens verbuche, denn meine ZeitHab ich seitdem abgebüßt,Schreibend un...