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Unten links

Wir wissen zwar nicht, sehr geehrter Benedikt XVI., ob auch Ihnen die Kanzlerin eben noch »vollstes Vertrauen« geschenkt hat. Dass Sie aber in einer Zeit vom Steuer der Katholischen Kirche ablassen wollen, in der so ein Rücktritt bei Freund und Feind nur Ausrufe der Hochachtung auslöst, das haben Sie sich clever ausgedacht: Alle sind voll des Respekts und der Lobpreisungen. Die Schlagzeilen, mi...

ndPlusIngolf Bossenz

Schutthalde

Keine drei Wochen noch und WIR sind es nicht mehr: Papst. Dass WIR es nach Sedisvakanz und neuerlichem Konklave wieder werden, ist eher unwahrscheinlich. Der erste deutsche Papst nach Jahrhunderten wird wohl eine Ausnahme bleiben. Der Versuch, das Erbe des polnischen Pontifex durch seinen engsten Vertrauten verwalten und vermehren zu lassen, ist mit dem Rücktritt Joseph Ratzingers als Papst jed...

Obama setzt auf neue atomare Abrüstung

Berlin (nd-Standke). USA-Präsident Barack Obama will - nicht zuletzt auch aus wirtschaftlich-finanziellen Gründen - das Kernwaffenarsenal der Supermacht drastisch reduzieren. In seiner Rede zur Lage der Nation am heutigen Dienstag werde er zu einer weiteren Abrüstungsrunde aufrufen, wie die »New York Times« am Montag berichtet. Die Zahl der Atomwaffen soll dabei um rund ein Drittel auf künftig ...

Aus heiterem Himmel

Berlin (nd). Die Meldung kam am Montag um 11.54 Uhr und war von der Agentur dpa als »Blitz«-Nachricht markiert: als Ereignis »mit höchster Dringlichkeitsstufe«. Seit 1951 gab es gerade einmal 26 solche Meldungen, drei Mal ging es dabei um einen Papst. Auch die jüngste Neuigkeit auf der »Blitz«-Liste der dpa hatte mit dem Vatikan zu tun: »Papst Benedikt XVI. gibt Pontifikat am 28. Februar auf.« ...

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ndPlusRobert Attenhauser und Paul Winterer, dpa

Schub fürs Vatikanbrot

Es dauert eine Weile, bis sich die Sensation im Geburtsort von Papst Benedikt XVI. verbreitet. Auch eine Stunde nach der überraschenden Rücktrittserklärung des Kirchenoberhauptes ist im oberbayerischen Marktl nahe Altötting »Business as usual« angesagt. Erst nach und nach kommen am Montag die Einheimischen zusammen, wird die Nachricht vom Amtsverzicht »ihres« Papstes zum Thema des Tages. ...

»Stimme des Friedens«

Berlin (Agenturen/nd). Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat Joseph Ratzinger als »Stimme des Friedens und der Versöhnung« bezeichnet. Als diese sei er in wichtigen Konflikten auf der Welt vernehmbar gewesen, sagte Steinbrück nach der Rücktrittsankündigung Ratzingers. Der religionspolitische Sprecher der Linksfraktion, Raju Sharma, lobte Ratzinger ebenfalls. »Papst Benedikt XVI. hat eine ...

Zeichen der Demut

Papst Benedikt XVI. hat für den 28. Februar seinen Rücktritt angekündigt, und nicht nur die Kirchenwelt fällt aus allen Wolken. Die Reaktionen sind respektvoll bis überschwänglich. Auch kritische Töne sind zu vernehmen. Christian Weisner im »nd«-Interview.

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ndPlusIngolf Bossenz

Ende eines Visionärs

Nachdem er sein »Gewissen vor Gott geprüft« hatte, kündigte Benedikt XVI. seinen Rücktritt als Papst an. Das Ende des Pontifikats ist damit in Sicht. Ein Ende der Krise in der römisch-katholischen Kirche nicht.

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Jörg Meyer

Los jetzt

Ein Bündnis aus Wissenschaftlern, Gewerkschaftern und Publizisten forderte gestern in einem offenen Brief die Einführung der 30-Stunden-Woche. Die Argumente sind ebenso schlüssig wie bekannt, beispielsweise weniger Arbeitslosigkeit oder mehr Geld für die Sozialkassen. Zudem ist Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich historisch eine Kernforderung der Gewerkschaften. Aber dem stehe die be...

Olaf Standke

Weniger Atombomben

Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz hatte USA-Vizepräsident Joe Biden gegenüber dem russischen Außenminister Sergej Lawrow erste Andeutungen gemacht, nun will sein Chef konkreter werden. Wie das Weiße Haus vor der ersten Rede zur Lage der Nation in seiner zweiten Amtszeit durchsickern ließ, wird Barack Obama heute mit einer neuen Abrüstungsinitiative aufwarten. Schon einmal hat der Präsi...

ndPlusRoland Etzel

Erzwungene Einsichten

Nach mehr als einem Jahr sprachloser Unversöhnlichkeit zwischen den syrischen Kriegsgegnern sieht es jetzt aus, als bedrängten sie sich gegenseitig mit Dialogangeboten. An diesen fällt auf, dass sie zwar jeweils den Standpunkt der Gegenseite nicht mehr hundertprozentig ignorieren, ihn aber noch keiner Erwähnung für würdig erachten. Die Tonlage verharrt auf einem Niveau der Arroganz, das jeglich...

Reimar Paul

Abgängig

Gestern legte Uwe Schünemann (CDU) die Kriminalitätsstatistik 2012 für Niedersachsen vor, deren Inhalt an dieser Stelle zu vernachlässigen ist. Die Hauptsache ist: Es war eine seiner letzten Amtshandlungen als Innenminister. Sein absehbarer Abgang war für viele wohl die schönste Nachricht der Landtagswahl vom 20. Januar. Sogar sein Landtagsmandat verlor er. Schünemanns Wahlkreis Holzminden fiel...

ndPlusBrigitte Zimmermann

Einwohnerveredelung

Die Sprache der Politik bringt Begriffe von höchster Missverständlichkeit und beachtlichem Abschreckungspotenzial hervor: Justizvollzugsanstalt, Risikostrukturausgleich, Weltverantwortungspolitik, Ehegattensplitting, Missbrauchsbeauftragte. Manchmal kommen aber auch Worte ins amtierende Palaver, die haben etwas, unfreiwillig Komisches inklusive. Eine solche Schöpfung ist die Bezeichnung »Einwoh...

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LINKE sieht Kampagne gegen Gysi

Berlin (nd-van Riel). Die Linksfraktion hat der »Welt am Sonntag« vorgeworfen, sie habe in einem Artikel über Fraktionschef Gregor Gysi verschiedene Sachverhalte »zusammengemischt, die zum Teil mit dem laufenden Ermittlungsverfahren nichts zu tun haben«. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen Gysi wegen des Verdachts, im Zusammenhang mit Stasi-Vorwürfen eine falsche eidesstattli...

Wilfried Neiße

Ein großer Fan der Kanzlerin

Wenn Angela Merkel sich jetzt die Politikerin Johanna Wanka als neue Wissenschaftsministerin zur Seite stellt, dann kommt das nicht von ungefähr. Vor ziemlich genau drei Jahren probten Teile der brandenburgischen CDU den Aufstand gegen die Kanzlerin. Wanka hielt sich raus.

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Prozess gegen Jugendpfarrer

Dem Jenaer Jugendpfarrer Lothar König wird ab 19. März in Dresden wegen seiner Beteiligung an den Protesten gegen den Dresdner Naziaufmarsch im Jahr 2011 der Prozess gemacht. Der 58-Jährige ist wegen besonders schweren Landfriedensbruchs, versuchter Strafvereitelung u.a. angeklagt.

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Gefährliche Geheimniskrämerei

Die Dresdner Versammlungsbehörde halte nicht nur die Marschroute der Nazis geheim, sondern habe auch keinen Sammelpunkt zugewiesen. Kurz vor den geplanten Blockaden gegen einen Naziaufmarsch in Dresden kritisiert das Bündnis »Dresden nazifrei!« die Stadt scharf.

ndPlusFabian Lambeck

30 Stunden sind genug

Langsam kommt wieder Schwung in die Debatte um eine Verkürzung der Arbeitszeit. In einem offenen Brief fordern nun Wissenschaftler, Gewerkschafter und Politiker die Einführung einer europaweiten 30-Stunden-Woche - bei vollem Lohnausgleich.

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Bewegung an Syriens Fronten

Damaskus/Kairo (dpa/nd). Die Arabische Liga will ein Treffen zwischen dem syrischen Vizepräsidenten Faruk al-Scharaa und der Opposition organisieren. Das berichtete die arabische Zeitung »Al-Sharq Al-Awsat« (London) am Montag. Ihren Informationen zufolge wurde dies bei einem Treffen des Generalsekretärs der Liga, Nabil al-Arabi, mit dem UN-Syrienvermittler Lakhdar Brahimi am Sonntag in Kairo be...

ndPlusJulian Bartosz, Wroclaw

Donald Tusk als Hans im Glück

Polens Premier Donald Tusk fühlt sich wie Hans im Glück. Er habe jüngst in Brüssel den besten Tag seines Lebens feiern können, sagte er am Sonntag in einer »Rede an die Polen«.

ndPlusKatja Herzberg

Eine Million für »Recht auf Wasser«

Erstmals hat eine Europäische Bürgerinitiative mehr als eine Million Unterstützer gefunden. Am Wochenende überschritt die Zahl der Unterstützer von ?Wasser ist ein Menschenrecht? die magische Grenze - nun wollen die Organisatoren zwei Millionen Unterschriften erreichen.

ndPlusOlaf Standke

»Rote Hand« hilft Kindersoldaten

Unter dem Titel »Red Hand Day« wird jedes Jahr am 12. Februar mit Aktionen und Demonstrationen der Internationale Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten begangen. Ihre Zahl wird weltweit auf 250 000 geschätzt.

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Entscheidung in Tunesien vertagt

Tunis (AFP/nd). Die Minister der tunesischen Präsidentenpartei wollen vorerst doch im Amt bleiben. »Wir haben beschlossen, unsere Entscheidung über den Rückzug unserer Minister aus der Regierung einzufrieren«, erklärte am Montag der Chef der säkularen Partei Kongress für die Republik (CPR) von Staatspräsident Moncef Marzouki, Mohammed Abbou. »Wenn wir aber in einer Woche keine Veränderung fests...

Proteste in Ägypten dauern an

Kairo (dpa/nd). Mehrere tausend Aktivisten haben in Ägypten am zweiten Jahrestag des Rücktritts von Präsident Husni Mubarak gegen die Regierung demonstriert. Ihr Protest stand unter dem Motto »Das Volk will den Sturz des Regimes«. Zu den Protestmärschen, die auf dem Tahrir-Platz und vor dem Präsidentenpalast enden sollen, hatten mehrere Parteien und Revolutionsgruppen aufgerufen. Sie kritisiere...

ndPlusReiner Oschmann

Der Kubaner

Die US-Republikaner haben derzeit ein gestörtes Verhältnis zu vielen Wählern und auch deshalb im November die zweite Präsidentschaftswahl in Folge verloren. Es besteht also Handlungsbedarf, vor allem gegenüber den Latinos, den Einwanderern und deren Nachfahren aus Mexiko, Mittel- und Südamerika. Die Latinos sind die am schnellsten wachsende Wählergruppe in den USA. Doch gerade sie haben zuletzt...

ndPlusLukas Vanacker, Brüssel

Kein Regenbogen im Bürgerbüro

Heute wird die französische Nationalversammlung über die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare legalisieren. Im Nachbarland Belgien wird indes das zehnte Jubiläum gefeiert.

Obama will wieder Atomwaffen abrüsten

Seine erste Rede zur Lage der Nation nach der Wiederwahl will USA-Präsident Barack Obama nach Informationen der »New York Times« am Dienstag im Washingtoner Kongress nutzen, um eine neue Initiative zur atomaren Abrüstung vorzustellen. Konkrete Zahlen dürfte er wohl noch schuldig bleiben.

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Klare Regeln für riskantes Gas-Fracking

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will eine mögliche Förderung von schwer zugänglichem Schiefergas in Deutschland durch die sogenannte Fracking-Methode gesetzlich klar regeln. Es gehe darum, Gesetzeslücken zu schließen, sagte er am Montag im Deutschlandfunk.

Anna Maldini, Rom

Korruption kostet Italien 60 Milliarden

Die Korruption kostet Italien jährlich 60 Milliarden Euro und stellt einen Hemmschuh für die Entwicklung des Landes dar. Deshalb haben zwei Anti-Mafia-Organisationen einen Appell gestartet, in dem sie die künftigen Parlamentarier auffordern, sich in den ersten 100 Tagen nach der bevorstehenden Wahl für eine Verschärfung der Gesetzgebung einzusetzen.

ndPlusFlorentine Dame (dpa), Duisburg

Zwischen Wut und Gelassenheit

Zwischen Hilflosigkeit und Wut über Fehler in der Chefetage: Die Nachricht vom geplanten Stellenabbau in der Stahlsparte bei ThyssenKrupp sorgt bei den Mitarbeitern in Duisburg für gemischte Gefühle. Bis zu 1000 Stellen stehen hier auf dem Spiel.

ndPlusHermannus Pfeiffer, Hamburg

Hafenstreit der Hansestädte

Der größte Hafen Deutschlands dümpelt trotz Exportrekorden der deutschen Wirtschaft auf Vorkrisenniveau dahin. Schuldige werden bei der Konkurrenz gesucht. Zwar bleibt Hamburg zweitgrößter Containerhafen in Europa hinter Rotterdam. Aber an der Elbe läuten die Alarmglocken.

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Nord-Süd - Termine

AGRARPOLITIK - »Landraub - das Geschäft mit dem Acker«. Vortrag von Angela Hesse, Brot für die Welt Bremen, 14. Februar, 19.30 Uhr, Gemeindehaus Unser Lieben Frauen, Schwachhauser Ring 61, 28213 Bremen NICARAGUA - »Drogenhandel in Nicaragua« Vortrag von Jochen Schneider (Informationsbüro Nicaragua e.V.) im Rahmen der Ausstellung über-lebens-welten 2.0: Lebenswege in Zeiten von Krise, Frei...

Naimul Haq, Barguna (IPS)

Frauen pushen Entwicklung in Bangladesch

Monashatoli, ein kleines Küstendorf mit etwa 5000 Einwohnern im Südwesten von Bangladesch, ist ein lebendiges Beispiel für den Erfolg einer Gemeindeentwicklung von unten, an der maßgeblich Frauen beteiligt sind. In dem Ort im Bezirk Barguna etwa 470 Kilometer südlich der Hauptstadt Dhaka beaufsichtigt ein mehrheitlich weiblich besetztes 15-köpfiges Dorfkomitee alle Entwicklungsprojekte vom Anfa...

Entwicklung bedarf der Inklusion
ndPlusMartin Ling

Entwicklung bedarf der Inklusion

Rund eine Milliarde Menschen leben weltweit mit einer Behinderung - ein Siebtel der Menschheit. Da liegt es auf der Hand, dass Entwicklungsziele nur erreicht werden können, wenn diese Menschen ausreichend berücksichtigt werden, sei es bei der Armutsbekämpfung oder im Bildungs- und Gesundheitssektor. Immerhin ist seit 2008 die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Kraft...

ndPlusMarkus Schönherr, Kapstadt

Radio für Frieden und Entwicklung

Die Organisation »Fondation Hirondelle« in Lausanne hat sich darauf spezialisiert, Radiostationen in Kriegs- und Krisenregionen aufzuziehen. »Wir machen Radio für Frieden und Entwicklung. Und der Erfolg gibt uns Recht«.

»Die Straffreiheit war grenzenlos«

David Morales (o.) und Zaira Navas sind Rechtsanwälte, die sich in El Salvador schwerpunktmäßig mit Menschenrechtsverletzungen auseinandersetzen. El Salvador gilt als ein Land weitgehender Straflosigkeit. Mit Morales und Navas sprach für »nd« Michael Krämer.

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VBB befragt Reisende

(dpa). Am Montag hat eine groß angelegte Befragung von Fahrgästen durch die VBB Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg GmbH begonnen. Bis zum 16. Juni sollen nach Angaben des VBB 800 000 Fahrgäste Auskunft darüber geben, welches Angebot eines Unternehmens sie nutzen. Die Ergebnisse sollen dann die Verteilung der Einnahmen auf die verschiedenen Anbieter von Verkehrsleistungen in Berlin und Brandenbu...

Beratungen zu Investitionen in Tegel

(dpa). Über die Investitionen in den überlasteten Berliner Airport Tegel haben am Montag mehrere Aufsichtsräte des Flughafens beraten. Im Projektausschuss ging es auch um den Stand der Arbeiten am neuen Hauptstadtflughafen. Die Runde um Staatssekretär Rainer Bomba (CDU), den Berliner Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linkspart...

Acht Jahre Haft gefordert

(dpa). Eine Mutter, die ihren sechs Wochen alten Sohn geschlagen und heftig geschüttelt hatte, soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft acht Jahre in Haft. »Sie hasste das Baby, es störte in der Beziehung zum Mann«, sagte die Staatsanwältin am Montag in ihrem Plädoyer vor dem Berliner Landgericht. Bleibende Schäden seien zu erwarten, deren Ausmaß noch nicht absehbar seien, betonte die Ankläg...

Taxis fahren schwarz

(dpa). Im Berliner Taxigewerbe wird nach Ansicht von Experten nur die Hälfte der Umsätze versteuert. Durch Schwarzarbeit gingen dem Land Berlin jährlich etwa zwei Millionen Euro an Steuereinnahmen verloren, berichtete die »Berliner Morgenpost« unter Berufung auf die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Die Gewerkschaft wiederum verweist auf eine Schätzung des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsange...

Knut kommt ins Museum

(dpa). Wiedersehen mit Knut: Der legendäre Eisbär ist von diesem Samstag an als lebensgroßes Präparat mit echtem Fell zu sehen. Das Tier, das im März 2011 gestorben war, wird einen Monat lang im Berliner Museum für Naturkunde ausgestellt, kündigte Gesine Steiner, Sprecherin des Museums, am Montag an. Das Präparat besteht aus Knuts echtem Fell, das mit einem speziellen Verfahren behandelt und üb...

Lustlos

Die Vorteile einer Länderehe zwischen Berlin und Brandenburg sind vielfach aufgezählt. Bleibt die Fusion aus, dann lassen sich solche Vor- als Nachteile auflisten - mehr Bürokratie, keine wohl abgestimmte Infrastruktur, keine eben solche Förderpolitik und und und. Wo Gemeinsamkeit gefragt wäre, lebt Konkurrenz munter fort. Die aber bindet Kräfte und Mittel. Im Überfluss gibt es die nicht. Weder...

Klaus Joachim Herrmann

Keine Mehrheit mehr für Länderehe

Das Interesse der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg an einer Fusion beider Bundesländer lässt nach. »Trotz eines kontinuierlichen Zusammenwachsens der Wirtschaft in der Region Berlin-Brandenburg ist die Zahl der Befürworter der Länderfusion erstmals unter 50 Prozent gefallen«, informierte gestern in Berlin René Kohl, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam. Vor Jo...

ndPlusBernd Kammer

Sportliche Wolkenkratzer

Was haben Reichstag, Potsdamer Platz und Alt-Hohenschönhausen gemeinsam? Sie bieten architektonisch Preiswürdiges. Zugegeben, in Hohenschönhausen ist das Zukunftsmusik, aber mit dem Projekt »The Square3« könnte der Aufstieg in die erste Liga des Städtebaus klappen.

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Kira Taszman

Landnahme auf russisch

Ein reißender Fluss; am Ufer russische Holzhäuschen. Schnitt. Ein Büro: Der junge landwirtschaftliche Unternehmer Sascha (Alexander Yatsenko) soll ein Dokument unterschreiben, in dem er sich verpflichtet, sein Land herzugeben. Dafür winkt eine satte Entschädigung, so die Politiker. Die Landübernahme sei ohnehin nicht mehr rückgängig zu machen, und so sind alle glücklich, oder? Sascha akze...

ndPlusKatharina Dockhorn

Im Schatten des Glamours

In Mecklenburg-Vorpommern werden Filmarbeiter scheinbar am fairsten behandelt. Der »Polizeiruf« mit dem Titel »Fischerkrieg«, in Rostock und Hamburg gedreht, wurde am Samstag am Rande der Berlinale mit dem »Hoffnungsschimmer« ausgezeichnet, dem Preis der Filmschaffenden für gute Arbeitsbedingungen am Set. Im Vorjahr hatte Christian Petzolds »Barbara« gewonnen, der ebenfalls an der Ostsee entsta...

ndPlusGunnar Decker

Mütter und Söhne

Es ist der Wettbewerb der älteren Damen! Im chilenischen Beitrag »Gloria« ging es um eine Frau um die sechzig, die noch nicht für alt gehalten werden will und auch so lebt, als würde ihre Jugend immer währen. In dem rumänischen Film »Pozitia Copilului« sehen wir nun eine Mutter, die ihren erwachsenen Sohn nicht loslassen kann. Es ist ein Blick in das postsozialistische Rumänien von heute,...

Caroline M. Buck

Im Kopf der Mörder

»The Act of Killing« im Panorama und »Terra de ninguém« (Niemandsland) im Forum nähern sich älteren Männern, die sich zum Töten anstellen ließen. Aber sie tun das auf sehr unterschiedliche Weise. Die portugiesische Multi-Media-Künstlerin Salomé Lamas filmte ihren einsamen Söldner und Auftragskiller vor einer schwarzen Leinwand in den bröckelnden Ruinen eines leeren Hauses. Sie entschied sich da...

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Gericht verbietet Einkaufszentrum

(dpa/nd). An der Landsberger Allee im Bezirk Lichtenberg darf nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts kein weiteres großes Einkaufszentrum gebaut werden. Das vom Einzelhandelsunternehmen Globus geplante Projekt hätte schädliche Auswirkungen auf andere Versorgungseinrichtungen in der Nähe, teilte das Gericht am Montag mit. Die Firma, die an der Allee bereits einen Bau- und Gartenma...

ndPlusRainer Funke

2013 im Mikroformat

An die 300 Interviewer sind seit Tagen unterwegs, um - verteilt über das gesamte Jahr - rund 60 000 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Haushalte aufzusuchen. Sie tun dies im Auftrage des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg (AfS), das in der Region für den »Mikrozensus 2013« zuständig ist. Er sei zwischen den Volkszählungen das wichtigste Instrument, die Haushalts- und Familienstrukturen, de...

Billiger und lauter durch flachen Start?

Mehr oder weniger Fluglärm? Das Ergebnis eines neuen Flugverfahrens, das die Deutsche Lufthansa seit dem 1. Februar einem Test unterzieht, steht noch lange nicht fest. Zugleich stößt eine geplante Bundesratsinitiative der Landesregierung auf breite Zustimmung.

Verena Mörath, epd

Geist des interkulturellen Lernens

Wer kulturelle Vielfalt hautnah erleben möchte, sollte das »Zentrum Überleben« in Berlin besuchen. Menschen aus 120 Nationen gehen hier ein und aus. Manche von ihnen besuchen die vor einem Jahr eröffnete Berufsfachschule für interkulturelle berufliche Bildung »Paulo Freire«.

Andreas Fritsche

Den braunen Spuk blockieren

Nicht nur in Dresden versuchen Neonazis schon seit Jahren, eine Bombennacht im Februar 1945 propagandistisch für sich auszuschlachten. Das geschieht auch in Cottbus. Doch die Initiative »Cottbus nazifrei« will dies nicht zulassen.

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Flüchtling vor Gericht

Potsdam (epd). Der Flüchtlingsrat Brandenburg und ein Asylbewerber aus Kamerun wollen den Streit über die Residenzpflicht für Flüchtlinge notfalls vom Verfassungsgericht klären lassen. Sollte ein derzeit vor dem Landgericht Potsdam laufender Prozess nicht mit einem Freispruch für den 35-jährigen Flüchtling Bisso G. enden, sei der Gang durch die nächsten Instanzen bis zum Verfassungsgericht gepl...

Auftrag für Peene-Werft in der Kritik

Die Peene-Werft in Wolgast könnte von einem möglichen Rüstungsauftrag Saudi-Arabiens profitieren. Die Opposition in Berlin kritisierte das anvisierte Milliarden-Geschäft. Nun fordert die LINKE im Nordosten von SPD-Ministerpräsident Erwin Sellering eine klare Aussage.

Jeder zehnte Neonazi ist ein Wachmann

Potsdam (epd). Wachschutzfirmen und andere Sicherheitsdienste werden einem Medienbericht zufolge häufig von Neonazis unterwandert. In Brandenburg sei jeder zehnte der rund 1150 bei den Behörden bekannten Rechtsextremen bei einem märkischen Wachschutzdienst angestellt, berichtete die »Märkische Allgemeine Zeitung« unter Berufung auf verschiedene Experten. Die Probleme mit Neonazis in den Unterne...

Die Schulbusse kamen nicht

Schwedt (dpa). Der Bus- und Straßenbahnverkehr ist am Montagmorgen wegen eines Warnstreiks in mehreren Orten Brandenburgs für fünf Stunden lahmgelegt worden. Die Gewerkschaft ver.di rief zum dritten Ausstand binnen 14 Tagen auf. Besonders betroffen waren am ersten Schultag nach den Ferien die Schüler, zumal der Warnstreik für viele überraschend kam. Bestreikt wurden bis 9 Uhr die Verkehrs...

Dieter Hanisch, Kiel

Der schläfrige Minister

Schon viele Jahre wartet der Nord-Ostsee-Kanal als für die internationale Seeschifffahrt enorm wichtige Verkehrsader mit seinen Schleusen auf eine längst überfällige Sanierung. Doch die lässt weiter auf sich warten, weil das Arbeitstempo im Bundesverkehrsministerium zu wünschen übrig lässt.

Christiane Gläser, dpa

Das Aaltaxi

Einmal im Leben zieht es den Aal in den Westatlantik, um sich dort zu paaren. Dafür muss er viele Flüsse durchqueren, auch den Main. Doch der war mit seinen 34 Wasserkraftwerken jahrelang eine Todesfalle. Dank eines Fisch-Taxis ist das mittlerweile anders.

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Juror benannt

Der Romanist und Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht wird den Ludwig-Börne-Preisträger 2013 bestimmen. Der an der US-amerikanischen Stanford-Universität Lehrende werde die Wahl in alleiniger Verantwortung treffen, teilte die Ludwig-Börne-Stiftung in Frankfurt am Main mit. Der seit 1993 jährlich an deutschsprachige Autoren für hervorragende Leistungen in den Sparten Essay, Kritik und ...

Klassisch, neu

Die zehn Inszenierungen für das 50. Berliner Theatertreffen vom 3. bis 19. Mai stehen fest. Je zwei Mal sind in diesem Jahr die Münchner Kammerspiele (»Orpheus steigt herab«, »Die Straße. Die Stadt. Der Überfall«) und das Schauspiel Köln (»Die Ratten«, »Reise durch die Nacht«) vertreten. Mit »Disabled Theater« (Theater Hora, Zürich) und »Die heilige Johanna der Schlachthöfe« (Schauspielhaus Zür...

Wolfram Adolphi

Opfer der Anonymität entrissen

Heute wird sie 80 - und hat keine Zeit zum Feiern. Weil sie mitten in der Arbeit steckt. Mit ungeheurer Energie hat Ulla Plener - seit sie 1990 als Dozentin der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED von den Pauschalabwicklern stracks in den Strafruhestand versetzt wurde - als Autorin und Herausgeberin ein um die zwanzig Bücher und etliche Aufsätze zählendes Werk geschaffen, d...

ndPlusRoberto Becker

Sklavin, Königin, Liebende

Die im 19. Jahrhundert hoch im Kurs stehende Grand Opéra ist vor allem das, was sie vorgibt zu sein: groß. Fünf Akte in üppiger Dekoration, mit großen Chören, Ballett-Einlagen und allem, was gerade so auf dem Markt war. Der weltläufige Giacomo Meyerbeer (1791-1864) war ihr gefeierter Meister. Heute braucht man schon einigen Ausgrabungsehrgeiz, um diese französischen Prachtstücke ins Repertoire ...

ndPlusHans-Dieter Schütt

In Besessenheit - frei

Ein Roman von Wilhelm Genazino heißt: »Die Obdachlosigkeit der Fische.« Darin der Satz: »Noch im vorigen Jahr gelang es mir, mich in Fische zu verlieben.« Ein schöner Satz. Die Goldfische im Aquarium, das auf der Bühne des Deutschen Theaters steht, wenn Gregor Gysi Berühmtheiten zum Gespräch bittet, kennen den Satz nicht. Sie sind auch nicht düpiert, wenn jetzt Christiane Nüsslein-Volhard begei...

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Tobias Riegel

Mit und ohne Dekolleté

Was gedeckelt werden soll, drängt an die Oberfläche. Der US-Sender CBS muss also gewusst haben, was er auslöste, als er für die Gala der Verleihung des Musikpreises Grammy am Sonntag in Los Angeles ein »Nacktverbot« aussprach. Zum einen konzentrierten die TV-Verantwortlichen dadurch die Aufmerksamkeit des Publikums schon Tage vor der Sendung vollends auf möglicherweise entblößte sekundäre Gesch...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Der makellose Taumel

Vor einiger Zeit schrieb Jean-Philippe Toussaint den Essay »Zidanes Melancholie«. Der Kopfstoß des genialen französischen Fußballers in der 109. Minute seines letzten Spiels, dem WM-Finale 2006, gegen die Brust des Italieners Materazzi, war damit Literatur geworden - am edelsten ist die Weltszene eben immer wieder um das bereichert, was ihr Sprache und fabulierende Anteilnahme hinzufügen. »Spor...

ndPlusStefan Amzoll

Als hätte die Axt den Erdball getroffen

Stupend das Konzert am Sonntag in der Philharmonie. Der Rundfunk gab sich die Ehre und bewies: Er kann Unverwechselbares anbieten. Etwas, das die Creme der Berliner Orchestercrew nicht oder sporadisch macht. Das Seltene, hohen Ansprüchen Genügende kommt dem Konzerthörer entgegen.

Uwe Stolzmann

Das lange Sterben der Mutter im Gas

Ginge es nach Peter Handke, dann stünde ein Dichter seiner Heimat in der Gunst der Leser weit oben: der Erzähler Florjan Lipuš, Jahrgang 1937. Handke und Lipuš sind Kärntner Slowenen, Teil einer diskriminierten Minderheit. Was sie unterscheidet: Lipuš - Lehrer von 1966 bis 1999 - lebt auf dem Land, und er schreibt nur Slowenisch; sein Werk entstand auf der Schattenseite des Literaturbetriebs. A...

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Training statt Hörgerät

Mit gezieltem Training können ältere Menschen einer Studie zufolge in lauter Umgebung wieder besser hören, fanden US-amerikanische Forscher heraus. Das Training habe bewirkt, dass Signale im Nervensystem wieder schneller verarbeitet wurden. Im Alter litten die Menschen unter langsamerer Nervenverarbeitung. Das verringere ihre Fähigkeit, die schnellen Abläufe von Sprache zu verarbeiten. Ältere m...

ndPlusUlrike Henning

Rezension: Oma fragen

Schade um das das schöne, feste Papier. Irene Dalichow hat wichtige Lebensmittel und Kräuter für ihr Buch ausgewählt, die zu Hausmitteln oder einer gesunden Ernährung taugen. Sie zitiert die Koryphäen der Alternativmedizin von Madejsky bis Rätsch - aber ein guter Ratgeber ist nicht daraus geworden, eher ein Sammelsurium ohne Konzept in schwerfälliger Sprache. In den Eingangszitaten und im...

Weniger ist mehr

Welche Salze man wie verwendet, hat die Verbraucherzentrale Thüringen zusammengestellt. Sie ruft dazu auf, wenig Salz zu nehmen, weil in verarbeiteten Lebensmitteln wie Backwaren, Wurst, Käse und Fertiggerichten schon zu viel enthalten ist.

ndPlusAngela Stoll

Bakterien im Hustensaft

Ob alte Kohlekompretten oder der Hustensaft vom letzten Jahr - in den meisten Haushalten inden sich jede Menge Medikamente, deren Haltbarkeit abgelaufen ist. Verbraucher sollten das Verfallsdatum von Medikamenten ernst nehmen. Mitunter entstehen gefährliche Zersetzungsprodukte.

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ndPlusOliver Händler

Der erste Freund

Zurück von den ersten Wettkämpfen der Biathlon-WM schmeiße ich mich nach einem langen Tag aufs Sofa im Hotelfoyer. Ein wohlgenährter Tscheche setzt sich neben mich und fragt, ob er hier rauchen darf. »Klar doch«, sage ich. Ist ja sein Land, und hier darf man das noch. »Danke, ich heiße Zbinek«, streckt er die Hand zum Gruß aus. Ich schüttle sie: »Ich bin Olli.« Was er hier so treibt, will ich w...

Oliver Händler

Ohne Leistungsdruck geht's auch

Linda Mavius erhielt im Rahmen unserer Sportlerwahl 2012 den Sonderpreis »Aktiv im Ehrenamt«. Vor 2000 Zuschauern überreichte ihr der nd- Chefredakteur Tom Strohschneider beim Weltcupfinale der Shorttracker den Pokal. Eine verdiente Auszeichnung für die Dresdenerin.

Jonathan Sachse

»Ich hätte sterben können«

Im Prozess gegen Dopingarzt Fuentes geht die Zeugenvernehmung weiter. Am Montag war Ex-Radprofi Jörg Jaksche an der Reihe, der den Skandalmediziner schwer belastete. Entgegen dessen Darstellung sei es nie um die Gesundheit gegangen, sondern stets nur um Doping.

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»Nemo« legt Teile der USA lahm

Wenige Monate nach Hurrikan »Sandy« hat ein mächtiger Blizzard den Nordosten der USA lahmgelegt. Über 650 000 Haushalte und Betriebe waren nach Schneesturm »Nemo« am Wochenende zeitweise ohne Strom - und viele bei eisigen Temperaturen ohne Heizung. Mindestens zehn Menschen kostete das gewaltige Unwetter das Leben. Fast 7000 Flüge und nahezu alle Zug- und Busverbindungen mussten gestrichen werde...

36 Tote bei Massenpanik in Indien

Bei einer Massenpanik beim weltgrößten religiösen Fest am »heiligen Fluss« Ganges in Nordindien sind mindestens 36 Menschen getötet worden. Dutzende weitere wurden verletzt, wie ein Sprecher der indischen Eisenbahn am Montag sagte. Die Massenpanik ereignete sich am Sonntagabend unter Hindu-Pilgern an einem Bahnhof der Stadt Allahabad nahe des Kumbh-Mela-Fests. Die Opfer wurden totgetrampelt. ...

Wolfgang Weiß

König Rabadan und Sardinentod

Sicher, der berühmteste Karneval der Welt findet in der Straße der Prozessionen in Rio de Janeiro statt. Etwas von seinem Glanz und Schwung schwappt alljährlich aber auch auf Europa über. Als Bindeglied zwischen alter und neuer Welt fungiert in der närrischen Zeit die portugiesische Atlantikinsel Madeira. Hier, in der Hauptstadt Funchal, fühlt man sich zwischen 6. und 13. Februar ein bisschen n...