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Unten links

Um die Sicherheit auf Autobahnen zu erhöhen, sollen bald landauf landab Falschfahrer-Warntafeln aufgestellt werden. In Bayern laufen bereits Pilotversuche. Wo sonst? Schließlich kennt sich der zuständige Minister Peter Ramsauer hier bestens aus. Und will es offensichtlich kurz vor Bundestags- und Landtagswahl zumindest daheim noch reißen. Er, der sich als Verkehrs- und Bauminister in seiner Amt...

Europas größtes Lesefest

Noch stapeln sich in den Messehallen Kisten und Bretter, noch wird erst aufgebaut, was morgen ab zehn Uhr Lesehungrige und Neugierige locken soll. Mittwoch abend wird die Leipziger Buchmesse eröffnet. 2063 Aussteller aus 43 Ländern haben sich angemeldet.

ndPlusWolfgang Hübner

Mindesthohn

Wer hat's erfunden? Das fragen nicht nur die Schweizer Bonbonmacher in ihrer Werbung, sondern jetzt auch die eine oder andere Partei. Die Rede ist vom Mindestlohn. Klar, es ist ja Wahlkampf. In solchen Zeiten scheint jede Dreistigkeit erlaubt zu sein. Die Grünen, erzählt ihr Spitzenkandidat Jürgen Trittin, wollten schon vor zehn Jahren den Mindestlohn. Doch die SPD habe das blockiert und sei de...

Finanzplanung bleibt sauerster EU-Zankapfel

Im heftigen Streit um die Finanzplanung der Europäischen Union für die Jahre 2014 bis 2020 ist kein Ende in Sicht. Das Europaparlament wird am Mittwoch in Straßburg aller Voraussicht nach die von den Staats- und Regierungschefs im Februar mühsam gefundene Einigung ablehnen.

Aert van Riel

Schröder fordert und fördert

Erstmals nach seiner Abwahl als Bundeskanzler besuchte Gerhard Schröder wieder die SPD-Bundestagsfraktion. Anlass hierfür war auch das zehnjährige Jubiläum der Agenda 2010. Schröder sieht in dem Regierungsprogramm der SPD die Grundprinzipien der Agenda 2010 bewahrt.

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Leser von morgen

Viele Aussteller sind davon begeistert, wenige genervt: Da sind ja die Schulklassen wieder! Vom ersten Messetag an nehmen sie die »heiligen Hallen« mit in ihren Besitz. Wie sollten sie nicht willkommen sein? Die Leipziger Buchmesse bemüht sich um die Leser von morgen. Kinder, die über die Bücherfülle staunen, Kinder, die vielleicht bloß pflichtgemäß mitgegangen sind, aber dann doch ...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Geschäft mit der Hoffnung

»Samisdat« nannte man es einst in der Sowjetunion, wenn Autoren an Verlagen und staatlichen Zensurbehörden vorbei ihre Texte selbst vervielfältigten und in Umlauf brachten. Aus dem Russischen ins Englische übersetzt, würde es »Selfpublishing« heißen. Ein gängiger Begriff inzwischen. Doch beides hat so viel miteinander zu tun wie »Archipel Gulag« und »Shades of Grey«. Letztgenannte Erotik-...

Irmtraud Gutschke

Von Gorbatschow bis Gottlieb Wendehals

Mit einer abendlichen Festveranstaltung im Neuen Gewandhaus wird heute die Leipziger Buchmesse eröffnet. Auf 69 000 Quadratmetern präsentieren sich von Donnerstag bis Sonntag 2063 Verlage aus 43 Ländern. Die Veranstalter rechnen mit einem ähnlichen Andrang wie im Vorjahr:

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Die Stunde der Wahrheit

Werner Sonne begann seine journalistische Laufbahn beim »Kölner Stadt-Anzeiger«. Auf der Leipziger Buchmesse stellt der Publizist sein neues Buch vor: »Staatsräson? Wie Deutschland für Israels Sicherheit haftet«. Mit Werner Sonne sprach Karlen Vesper.

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Olaf Standke

Kritik an Obama

Der Platz in den Geschichtsbüchern ist ihm als erster afroamerikanischer Präsident sicher, egal wie die politische Bilanz Barack Obamas am Ende ausfallen wird. Gar nicht zufrieden mit dem Mann im Weißen Haus zeigt sich jetzt die Congressional Black Caucus. Scharf kritisiert die Vertretung der schwarzen Kongressmitglieder, dass Obama bislang keinen ihrer Politiker in sein neues Kabinett berufen ...

ndPlusMartin Ling

Kolonialer Anspruch

Es war ein Muster mit wenig Wert: das Referendum über die Zugehörigkeit der Falklandinseln (Malvinas). Die britische Identität der zur Abstimmung zugelassenen dauerhaften britischen Staatsbürger stellt niemand in Abrede, auch nicht die auf das Archipel erpichte argentinische Regierung. Selbst wenn die sonstigen auf den Falklandinseln lebenden Bewohner anderer Nationalität, darunter Chilenen und...

Grit Gernhardt

Laternenumzug verpflichtet

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder ist nicht gerade dafür bekannt, besonders fortschrittliche Politik für Eltern und Kinder zu betreiben. Stattdessen fiel sie durch die vehemente Verteidigung des heftig umstrittenen Betreuungsgeldes auf, das bekanntlich auch umgesetzt wurde. Ihre recht vernünftige Forderung nach einem Rechtsanspruch auf die Umwandlung einer Teil- in eine Vollzeitstelle ...

ndPlusKatja Herzberg

Jugendlich

Jung, frisch und voll Tatendrang wirkt Joseph Muscat. Genau mit diesem Auftreten hat der Sozialdemokrat wohl auch das Wahlvolk Maltas überzeugt. 55 Prozent der Wahlberechtigten stimmten am vergangenen Sonnabend für die Labour-Partei und brachten die Sozialdemokraten so zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder an die Macht. Für den erst 39-jährigen Vorsitzenden der sozialdemokratischen Malta Labour ...

Korruption in der Kurie?

nd: Sie haben mit der Veröffentlichung vieler brisanter Dokumente aus dem Büro des Papstes den »Vatileaks«-Skandal ausgelöst. Wie muss man sich die Verhältnisse in der Kurie vorstellen? Nuzzi: Es gibt verschiedene Machtgruppen und Interessen, die sich teilweise bekämpfen, aber auch überlagern. Man sollte meinen, solche Machtspiele hätten in der Kirche nichts verloren. Aber das Gegenteil ist d...

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»Der Rückgang ist nicht völlig auszugleichen«

Die EU will die Mittel für die Regionalpolitik kürzen, wogegen vermutlich das EU-Parlament votierenm wird. Holger Poppenhäger (SPD) ist Justizminister Thüringens und Vorsitzender der deutschen Delegation im Ausschuss der Regionen (AdR) bei der EU. Mit ihm sprach für »nd« Uwe Sattler.

Uwe Sattler

Statistischer Sprung über die Klippe

Im Februar haben sich die EU-Staats- und Regierungschefs auf einen Sparhaushalt für die kommende Finanzperiode 2014 bis 2020 geeinigt. Der Kompromiss könnte heute im Europäischen Parlament durchfallen. Ein Großteil der Abgeordneten kritisiert die vorgenommenen Etatkürzungen.

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266 Neonazis untergetaucht

Die Anzahl der polizeilich gesuchten Nazis ist deutlich höher, als das Bundesinnenministerium bislang angegeben hat. Eine aktuelle Abfrage im polizeilichen Informationssystem am 22. Februar 2013 habe ergeben, dass 182 »Fahndungen aufgrund von Haftbefehlen Bestand haben«.

ndPlusStefan Otto

Aus Sorge um die Findelkinder

Das Bundesfamilienministerium will die anonyme Adoption neu regeln und hat einen Gesetzesentwurf zur vertraulichen Geburt erarbeitet. Der stößt auf Kritik - weil Babyklappen und anonyme Geburt nicht aufgegeben werden.

»Ausstieg ist verheerendes Signal«

Die 41 Jahre alte Betriebswirtin Simone Luedtke ist seit 2008 Oberbürgermeisterin der Großen Kreisstadt Borna in Sachsen und gehört dem Bundesvorstand der LINKEN an. Über den Umgang der sächsischen Linkspartei mit der Schuldenbremse sprach mit ihr Hendrik Lasch.

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Olaf Standke

Hungerstreik im Lager Guantanamo

»Dieser Mann sollte in Guantanamo sein«, betonte US-Senator Lindsey Graham dieser Tage und meinte Sulaiman Abu Ghaith. Der Ende Februar von der CIA in Jordanien gefasste Schwiegersohn des getöteten Al-Qaida-Chefs Osama bin Laden soll in New York vor ein ziviles Gericht gestellt werden.

Reiner Oschmann

Falkländer wollen britisch bleiben

Die Spannung hielt sich in Grenzen: Das Ergebnis des Referendums im britischen Überseegebiet der Falkland-Inseln fiel so klar wie eine DDR-Volkskammerwahl aus: 99,8 Prozent der wahlbeteiligten 1517 dauerhaften Inselbewohner bekräftigten mit ihrem Ja den Wunsch, britisch zu bleiben.

Silvia Ottow

Neues vom Sheriff aus Nottingham

Offenbar ist dieser Regierung das ökonomische Erfolgsmodell der umlagefinanzierten gesetzlichen Krankenkassen ein Dorn im Auge. Wie sonst wäre es zu erklären, dass sich der Finanzminister ungeniert aus der Kasse bedient und der Gesundheitsminister Versicherte abwerben will.

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Waffenstillstand bleibt

Südkorea erkennt die einseitige Aufkündigung des Waffenstillstands auf der Koreanischen Halbinsel durch Nordkorea nicht an.

Thomas Berger

NLD will in Myanmar regieren

Drei Tage dauerte der erste Parteitag der Nationalen Liga für Demokratie (NLD), der größten Oppositionspartei Myanmars (Burma). Aung San Suu Kyi wurde von den 900 Delegierten als Parteichefin demokratisch bestätigt. Ein neuer Aufbruch blieb indes aus.

Rassistische Motive werden ignoriert

Seit geraumer Zeit nehmen rassistische Übergriffe in Griechenland zu erreichten eine neue Dimension. Darüber sprach Filippos Sacharis mit der Pressereferentin des griechischen Flüchtlingsrats, Athena Konstantinou, und dem Anwalt Vasilis Kerasiotis.

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Beamte gehen leer aus

(dpa). Berlin will die Tariferhöhung im öffentlichen Dienst nicht in vollem Umfang auf die Beamten übertragen. Es bleibe bei der Vereinbarung, dass die Gehälter der Beamten zum 1. August um zwei Prozent steigen sollen, sagte Senatssprecher Richard Meng am Dienstag. Die Gewerkschaften hatten für die rund 800 000 Angestellten der Länder am vergangenen Wochenende ein Plus von 2,65 Prozent rückwirk...

Wechsel von SPD zu Grünen

(dpa/nd). Die SPD-Kommunalpolitikerin Rafaela Kiene aus dem Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf ist zu den Grünen übergetreten. Damit sind nach Angaben der Grünen in den vergangenen Jahren nun sechs Berliner Bezirks- und Landespolitiker aus der SPD zu ihnen gewechselt. Die 22-Jährige habe den Parteiwechsel mit Unzufriedenheit über die Arbeit der SPD/CDU-Senatskoalition begründet, teilten die Gr...

Nicht wann, sondern ob

Schön sehen sie ja aus, die Entwürfe für die Umnutzung des Flughafens Tegel. Wälder, Mohnwiesen, Parks, luftiger Neubau - alles dabei. Zwischen Flugfeld und Tegeler See liegt bereits Waldfläche, die könnte also schön ausgeweitet werden zwischen den Asphaltbändern der Start- und Landebahnen. Die im Schinkel-Wettbewerb eingereichten Ideen sind auf den ersten Blick ein wenig ansprechender als der ...

20 Millionen für Forschung

(nd). Bis zu elf Projekte will das Land Berlin mit bis zu 20,1 Millionen Euro fördern. Die Projekte sind Teil des vom Bund prämierten Konzeptes »Internationales Schaufenster der Elektromobilität Berlin-Brandenburg«. Wie die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung gestern mitteilte, will Berlin u. a. die Ladeinfrastruktur ausbauen und ein Qualifizierungszentrum Elektromobilitä...

Winter macht S-Bahn und Fahrgästen zu schaffen

(dpa/nd). Schnee und Eis setzen der Berliner S-Bahn weiterhin zu und verlangen den Fahrgästen in weiten Teilen des Netzes viel Geduld ab. Zusätzlich verschärfte am Dienstag ein Schienenbruch am Potsdamer Platz die Situation im Zugverkehr: Es kam nun auch auf den Nord-Süd-Linien S1, S2 und S25 zu Verspätungen. Das gebrochene Schienenstück wurden provisorisch gesichert und soll während der Betrie...

Leben auf dem Flugfeld
Nissrine Messaoudi

Leben auf dem Flugfeld

Ein urbaner Wald oder neue kostengünstige Wohn- und Arbeitsräume? Durch die wiederholten Verschiebungen der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER, ist auch die Schließung Tegels in die Ferne gerückt. Fleißige Studierende haben sich im Rahmen des Schinkel-Wettbewerb 2013 des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Berlin (AIV) trotzdem schon Gedanken um die Nachnutzung gemacht. Entstanden s...

Martin Kröger

Experten stellen Charité Persilschein aus

»Die Expertenkommission ist der Auffassung, dass der Anlassfall in der Charité sachgerecht behandelt wurde«, hat das fünfköpfige Expertenteam um die Ex-Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) aufgeschrieben. Ein erstaunliches Urteil, denn es wird gegen einen Pfleger ermittelt.

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125 Jahre Urania Berlin

(dpa). Die Urania Berlin, das erste Science Center der Welt, feierte gestern seinen 125. Geburtstag. 1888 wurde das Haus an der Invalidenstraße von den Wissenschaftlern Wilhelm Foerster und Wilhelm Meyer mit Hilfe des Erfinders und Industriellen Werner von Siemens als Bildungsinstitut für ein Laienpublikum gegründet. Es entstand eine bis dahin einmalige Mischung aus Sternwarte, Museum und exper...

Ab Freitag »MaerzMusik«

(nd). Insgesamt 32 Veranstaltungen vom Orchester- und Ensemblekonzert über Musiktheater und Video-Oper bis hin zu elektronischer Musik und performativer Klangkunst präsentiert die 15. Auflage des diesjährigen Festivals für aktuelle Musik der Berliner Festspiele »MaerzMusik«. Eröffnet wird das Festival am Freitag im Haus der Berliner Festspiele mit zwei Konzerten und der Präsentation zweier Inst...

Berlin im Untergrund

(dpa). Archäologen haben in Berlin-Mitte Keller bekannter Häuser freigelegt, die mehrere hundert Jahre alt sind. Sie entdeckten auch Reste von Holzkellern aus dem Spätmittelalter und einen Steinbrunnen, wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Dienstag mitteilte. Unter der Aufsicht des Landesdenkmalamtes Berlin wird seit einem Jahr an der Breiten Straße gegraben. Einer der Keller ...

Marion Pietrzok

Lange Nacht der Museen

Zwei historische Daten bilden 2013 den kalendarischen Eckpunkt für das Berliner Themenjahr »Zerstörte Vielfalt«: die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 und die Novemberpogrome 1938. Es will daran erinnern, dass die blühende, in der Welt hoch angesehene Metropole, die Berlin in den 20er Jahren war, ihre Prägung wesentlich von ihren jüdischen Bürgern erhielt. Sein Anliegen ist es, vor A...

Stephan Fischer

Tore sind nicht alles

Wenn Jubiläen oder runde Geburtstage anstehen, kommt man um den Blick zurück kaum herum. Auch der Fußball macht hier keine Ausnahme - die Bundesliga befindet sich in ihrer 50. Saison, im Sommer dieses Jahres wird sie ein halbes Jahrhundert alt. Es wird Bilanz gezogen.

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Erschreckende Statistik

Dresden (dpa/nd). In Sachsen ist es 2012 statistisch alle drei Tage zu einer Gewalttat Rechtsextremer gekommen. Darüber informierte die Opferberatung RAA gestern in Dresden. Insgesamt wurden den Beratungsstellen 155 Angriffe gemeldet, 31 weniger als im Jahr zuvor. 215 Menschen seien direkt betroffen gewesen, hieß es. In die Statistik fließen ausschließlich Gewaltdelikte ein. Ein Rückgang wurde ...

Stephan Fischer

Kein Baum fällt für die Autobahn

Dienstagmorgen, Grenzallee/Ecke Neuköllner Allee. Eine vielbefahrene Kreuzung in einem Gewerbegebiet, die Autobahnauffahrt ist nicht weit. Kein Ort zum Verweilen, nicht im Frühling, schon gar nicht bei Temperaturen weit unter null Grad und eisigem Wind. An dieser Ecke bleibt nur stehen, wen die Ampel dazu zwingt. Oder diejenigen, die ein Anliegen haben. Die Verhinderung von Baumfällungen ...

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Wind aus den Segeln

Das ist Ehrgeiz: Rheinland-Pfalz und Bayern wollen in Sachen Ökostrom klotzen. Sachsens schwarz-gelbe Regierung will den Ausbau der Windkraft drosseln. Als Vorwand dient lokaler Bürgerwiderstand. Dafür wird weiter kräftig Braunkohle verfeuert.

Robert Luchs, Mainz

Sind wir jetzt im Fernsehen?

Eine kritiklose Parteinahme für die neue Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) durch den Südwestfunk will die rheinland-pfälzische CDU ausgemacht haben. Die Christdemokraten fühlen sich unfair behandelt und haben sich offiziell beschwert. Beim SWR weist man die Kritik zurück.

ndPlusMarina Mai

Abfilmen verfassungswidrig?

Das umstrittene Gesetz zur Videoüberwachung von Demonstrationen, das Rot-Schwarz derzeit im Schnellverfahren durch das Abgeordnetenhaus jagt, könnte verfassungswidrig sein. So das Resümé einer Expertendiskussion am Montagabend in der Humboldt-Universität, zu der die Humanistische Union eingeladen hatte. Wie berichtet, will die Große Koalition der Polizei mit einem Gesetz erlauben, Videoau...

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Nummer 115 für Behörden

Potsdam (dpa). Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste sind seit langem über zentrale Nummern erreichbar. Für Behörden in Potsdam gilt dies nun auch. Als erste Stadt in Brandenburg ist die Landeshauptstadt für die 115 freigeschaltet worden, teilte das Bundesinnenministerium am Dienstag mit. Damit ist die Stadtverwaltung Potsdam von Montag bis Freitag von 8 bis 18 über diese zentrale Nummer errei...

Unfall mit Schulbus

Wernitz/Salzwedel (dpa/nd). Beim Frontalzusammenstoß eines Autos mit einem Bus sind in Sachsen-Anhalt zwei Männer getötet und 30 Schulkinder leicht verletzt worden. Der Kombi sei am Dienstagmorgen auf einer Bundesstraße bei Wernitz nach einer leichten Rechtskurve auf die Gegenspur geraten. Dort sei er mit dem entgegenkommenden Bus kollidiert, sagte ein Polizeisprecher in Salzwedel. Bei den Tote...

Weniger strenge Regel für Härtefälle

Potsdam (epd/nd). In Brandenburg können künftig mehr abgelehnte Flüchtlinge auf ein Bleiberecht aus humanitären Gründen hoffen. Die rot-rote Landesregierung beschloss dazu am Dienstag eine Änderung der Härtefallverordnung, teilte die Staatskanzlei mit. Seit Einführung der Härtefallregelung im Jahr 2005 haben in Brandenburg 248 Menschen ein humanitäres Bleiberecht bekommen. Nach der neuen ...

René Heilig

Siegenburger Luftkrieg beendet

Das Bombodrom bei Siegenburg im bayerischen Landkreis Kelheim wird der Natur und den Bürgern zurückgegeben. Bei den knapp 3500 Einwohner des Ortes überwiegt die Freude, auch wenn der genaue Zeitpunkt der Schließung noch nicht feststeht.

Raus aus Grotten und Wagenburgen
Wilfried Neiße

Raus aus Grotten und Wagenburgen

Politik und Journalismus begegneten sich gestern in der LINKE-Landtagsfraktion auf nicht alltägliche Weise. Tom Strohschneider, Chefredakteur des »nd«, war Gast der Abgeordneten, und das, obwohl es sich schon lange nicht mehr um eine Parteizeitung handelt, wie er eingangs sagte.

ndPlusVolker Stahl, Hamburg

Schlag ins Kontor

Wegen altersschwacher Schleusen ist der international bedeutsame Nord-Ostsee-Kanal derzeit für größere Schiffe unpassierbar. Für den Hamburger Hafen bedeutet das vermutlich größere Einbußen.

ndPlusAndreas Fritsche

95 rechte Gewalttaten

95 rechte Gewalttaten im Land Brandenburg hat der Verein Opferperspektive für das vergangene Jahr gezählt. Betroffen sind mindestens 146 Personen gewesen. Das teilte die Opferperspektive am Dienstag mit. Im Jahr 2011 hatte der Verein 84 Gewalttaten registriert. Alle 95 Gewalttaten unterteilen sich den Angaben zufolge in 60 Körperverletzungen, 23 versuchte Körperverletzungen und Bedrohunge...

Merkels Pakt für Wettbewerbsfähigkeit

In den letzten Jahren wurden in der EU in Reaktion auf die Krise zahlreiche Pakte und Pakete beschlossen. Die politische Logik dahinter ist recht einfach: Die hohe Staatsverschuldung wird zum Vorwand genommen, um Druck zur Kürzung öffentlicher Ausgaben aufzubauen und Kompetenzen aus den nationalen Parlamenten auf die EU-Institutionen zu übertragen.

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Skulptur & Zeichnung

Aus Anlass des 75. Todestages des Bildhauers Ernst Barlach (1870-1938) sind vom kommenden Freitag an rund 40 Werke des Künstlers im Kulturhistorischen Museum Rostock zu bestaunen. Wie Museumschef Steffen Stuth sagte, gibt die Ausstellung »Ernst Barlach. Skulptur und Zeichnung« einen Einblick in das Werk des expressionistischen Künstlers, der jahrelang in Güstrow gearbeitet hat. Es werden Werkmo...

Verzerrte Geschichte

Iran lässt bei seinem Ärger über den Polit-Thriller »Argo« nicht locker. Das Land will nun die Produzenten des Films - Grant Heslov, Ben Affleck und George Clooney - verklagen. Das meldete die Nachrichtenagentur Mehr. Eine französische Anwältin sei damit beauftragt worden, juristisch gegen die Produzenten des Films vorzugehen. Die Anwältin, die laut Mehr Erfahrungen mit solchen Fällen hat...

ndPlusStefan Amzoll

Wahrlich irre

Cottbus erweist es wiederum. Diese Donizetti-Oper, »Lucia di Lammermoor«, ist wahrlich irre. Sie verträgt die kubistische Bühne mit ihren schiefen, kantigen Säulen in je anderen Beleuchtungen. Musikalisch geht schon der Anfang mit der finalen Tragik schwanger. Die Ouvertüre schleift Trauermarschklänge hinter sich sich, um alsbald wütend blechern hochzufahren. Am Schluss hat dieses Werk nicht nu...

ndPlusHans-Dieter Schütt

»Mama«

Das Sinnbild geht den Weg durchs sehr praktische Leben. Irina Liebmann hat im gleißenden Berlin, wo ja alles »besser« scheint als weit im Osten, eine Ikone in der Wohnung aufhängen wollen. Die Heilige Gottesmutter von Kasan. Liebmann schlägt einen Nagel in die Wand. Finsternis.

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Engel, Bademeister

Das Caricatura-Museum in Frankfurt am Main widmet dem Karikaturisten Fritz Weigle, alias F.W. Bernstein, von Donnerstag an eine Ausstellung. Zum 75. Geburtstag des Dichters, Humor-Zeichners und emeritierten Professors für Karikatur werde bis 7. Juli eine Auswahl seines künstlerischen Schaffens präsentiert, sagte Museumsdirektor Achim Frenz am Dienstag. Zu sehen seien 540 Arbeiten, darunter Selb...

Antike Manuskripte

In Timbuktu im Norden Malis sind verlorenen geglaubte antike Manuskripte wiederaufgetaucht. Die Tuareg-Miliz MNLA entdeckte nach eigenen Angaben drei Kästen mit historischen Handschriften in einem Fahrzeug nahe der algerischen Grenze, wie der französische Auslandssender RFI am Dienstag meldete. Den Fund machten die Kämpfer offenbar bereits am 23. Februar, als sie sich bei El-Khalil Gefechte mit...

ndPlusTobias Riegel

Mit dem Zucken einer Braue

Der Film »Die Caine war ihr Schicksal« (1954) beeinflusste auch sein Schicksal. Nicht nur entlehnte sich Maurice Joseph Micklewhite bei dem Titel des Weltkriegs-Dramas mit Humphrey Bogart seinen Künstlernamen. Auch sollte Michael Caine im Genre des Kriegsfilms seinen Durchbruch erleben.

Kerstin Yvonne Lange

Sein Talent: SPIELEN

Es fällt nicht leicht, den Lobzeilen vergangener Jahrzehnte neue Worte hinzuzufügen. Die zahlreichen Ehrungen für seine über 50-jährige Bühnen- und Filmarbeit spiegeln den beeindruckenden Nachklang seiner verkörperten Rollen wider. Es gelingt aber, Worte zu finden.

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ndPlusPeter Nowak

Boom der Containersiedlungen

Wohnungsmangel, steigende Mieten und Verdrängung sind nicht nur in Deutschland bekannt. In vielen Ländern der Welt sind die Probleme ähnlich, regt sich aber auch Widerstand. Eine Veranstaltungsreihe in Berlin wirft einen Blick auf die Situation außerhalb Deutschlands.

Bewegungsmelder

Bürgerrechtler unterstützen Demo zum NSU-Prozess München (nd). Bürgerrechtsorganisationen rufen zu einer Demonstration am 13. April anlässlich des Beginns des NSU-Prozesses in München auf. Aus dem Versagen von Polizei und Geheimdiensten müssten weitreichende politische Konsequenzen gezogen werden, fordern die Organisationen, darunter das Grundrechtekomitee, Pro Asyl sowie der Republikanis...

Folke Havekost

Das letzte seiner Art

Die Occupy-Bewegung ist aus den Metropolen weitgehend verschwunden. Nur in Hamburg harren Aktivisten weiterhin in Zelten aus. Sie hoffen, dass mit dem Frühjahr auch das Leben ins Camp zurückkehren wird.

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Bundesbank mit kleinem Gewinn

Minigewinn statt Milliardenscheck: Der Überschuss der Bundesbank ist 2012 deutlich geringer ausgefallen als von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erwartet. Die Notenbank erklärt das mit riskanten Geschäften im Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB), für die neue Milliardenrückstellungen gebildet wurden.

Renten im Osten könnten spürbar steigen

Sie wird wie ein Staatsgeheimnis gehütet: die nächste Rentenerhöhung. Noch wird gerechnet. Doch es zeichnet sich ab: Die Ostrenten werden im Wahljahr wohl stärker steigen als die im Westen.

ndPlusGrit Gernhardt

Familiengipfel der leeren Worte

Die Themen Kinder und Familie machen sich im Wahlkampf immer gut. Bundesregierung, DGB und Wirtschaft sprachen in Berlin mal wieder über die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf - einziges konkretes Ergebnis ist ein regelmäßiger Bericht.

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VW-Gesetz vor Gericht

Luxemburg (dpa/nd). Der Europäische Gerichtshof hat sich am Dienstag erneut mit dem Streit zwischen der EU-Kommission und Deutschland um das VW-Gesetz befasst. Dabei geht es um die Sonderregelung, die dem Land Niedersachsen als Anteilseigner des Autobauers ein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen sichert. Vertreter beider Parteien trugen bei der Verhandlung ihre Argumente vor. Brüssel sieht e...

Conrad Buckner, Mexiko-Stadt

Mexikos Präsident zeigt Monopolen die Zähne

Mexikos Präsident will im Telekomsektor mehr Wettbewerb, bessere Versorgungssicherheit und faire Preise erreichen. Er geht damit die Monopole des Landes direkt an.

ndPlusJohn Dyer, Boston

Amazon will ».book« ganz allein

Der Buchgigant Amazon will Internet-Endungen wie ».book« und ».author« künftig allein verwalten. Mit diesem Schritt will der Internet-Händler seine Marktanteile im Bereich der Vermarktung von Lesbarem sichern. Konkurrenten, aber auch Verfechter eines freien Internets sind entsetzt.

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nd-Preisskat am 5. April

Am Freitag, den 5. April, findet der alljährliche Oster-Preisskat am Berliner Redaktionssitz von »neues deutschland« statt (Franz-Mehring-Platz 1, Nähe Ostbahnhof). Spielbeginn im Münzenbergsaal ist 18 Uhr, der Spieleinsatz beträgt zehn Euro. Anmeldung und Infos unter Tel.: (030) 29 78 16 55 wochentags ab 9 Uhr oder per E-Mail an g.roth@nd-online.de....

Britta Körber, dpa

Alle warten auf den Axel

Die viermaligen Weltmeister Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy reisen nicht als Favoriten zur Eiskunstlauf-WM nach Kanada, denn bei der EM haben sie gegen ihre russischen Widersacher verloren. Von einem Olympiaticket träumen die Eistänzer Zhiganshina/Gazsi.

Auf erfolgreichen Trampelpfaden

40. Chemiepokal: ein großer Teil der Weltelite im Amateurboxen traf sich Halle/Saale. Am Rande sprach »nd« mit Profitrainer ULLI WEGNER. Im Gespräch mit MANFRED HÖNEL verriet er, dass er von den deutschen Amateuren viel erwartet. Allerdings sollten sie nicht allzu früh Profi werden.

ndPlusThomas Niklaus, SID

Das Ende der englischen Dominanz

Der FC Arsenal hat als einziger englischer Klub noch die Chance auf den Einzug ins Champions-League-Viertelfinale - doch die ist minimal. Erstmals seit 1996 wäre damit kein Klub aus der Premier League unter den acht besten Klubs Europas vertreten.

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Schneemassen stürzen Frankreich ins Chaos

Die Rückkehr des Winters hat im Westen Europas zu verheerenden Folgen geführt. Ein Kältetoter, viele Haushalte ohne Strom, blockierte Autos und Züge sowie Flugausfälle lautet eine erste Bilanz für Frankreich. Ein Krisenstab zur Bewältigung des Winterchaos wurde eingerichtet.

ndPlusRobert Luchs

Den Narren gehen die Gäule durch

Wochen nach den drei tollen Tagen in Mainz am Rhein gibt es unerfreuliche Diskussionen, ausgelöst von den Fastnachtern. Die jahrzehntelange Tradition, dass farbenfroh geschmückte Pferde samt Reitern durch die Straßen der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt ziehen, wird plötzlich infrage gestellt. »Pferde sind ein Sicherheitsrisiko, und außerdem bedeutet die Menschenmenge großen Stress für di...

ndPlusWenke Böhm, dpa

Abschied von Backnanger Brandopfern

Bewegender Abschied in Backnang: Verwandte, Freunde und Politiker haben die acht Brandopfer auf ihre letzte Reise geschickt. Derweil ist immer noch unklar, wie genau es zu dem Flammeninferno kam.

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Fallstricke bei Vergleichsportalen

Strompreis-Vergleichsportale sollen den Verbrauchern die Suche nach günstigen Tarifen erleichtern. Doch laut Stiftung Warentest halten die Seiten nicht immer, was sie versprechen: Von zehn Portalen wurden fünf mit »befriedigend«, vier mit »ausreichend«, eines mit »mangelhaft« eingestuft.

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Altersvorsorge und Arbeitslosengeld

Arbeitgeber dürfen bei der Zahlung von Betriebsrenten auf einer mindestens 15-jährigen Betriebszugehörigkeit bestehen. Eine derartige Bestimmung verstoße nicht gegen das Diskriminierungsverbot wegen des Alters, so das Bundesarbeitsgericht (BAG) am 13. Februar 2013 (Az. 3 AZR 100/11).

Für Schwangere aus EU-Staaten

Schwangere Frauen aus anderen EU-Staaten haben Anspruch auf Hartz-IV-Leistungen. Dies entschied das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel in einem am 30. Januar 2013 verkündeten Urteil (Az. B 4 AS 54/12 R).

Sie werden nicht gegeneinander aufgerechnet

Die Pflege-Pflichtversicherung deckt in der Regel nicht einmal die Hälfte der tatsächlichen Kosten ab. Laut Pflegebericht der Bundesregierung sind in Pflegeheimen bei Pflegestufe II durchschnittlich 2253 Euro monatlich aus eigener Tasche zu zahlen. Auch über die Kosten ambulanter Pflegedienste sollte man sich keine Illusionen machen. Allein die Zubereitung von drei Mahlzeiten pro Tag - mit den ...

Wird sie doch ab 1997 rückwirkend gezahlt?

Der Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte verweist auf Signale aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Danach sollen Antragsteller, die ihre Anträge auf eine sogenannte Ghettorente fristgemäß gestellt haben, nun auch nach einem Wiederaufnahmeverfahren in den Genuss einer Nachzahlung ab 1997 kommen.

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Wer die Stempeluhr bewusst falsch bedient

Verstößt ein Mitarbeiter vorsätzlich gegen seine Verpflichtung, seine geleistete und vom Arbeitgeber nur schwer kontrollierbare Arbeitszeit korrekt zu dokumentieren, kann das Arbeitsverhältnis außerordentlich gekündigt werden. Das gilt zum Beispiel dann, wenn der Beschäftigte die Stempeluhr bewusst falsch bedient oder seinen Stundenzettel wissentlich falsch ausfüllt. Auf ein dementspreche...

Wenn Krankheit und Ferienzeit zur Herausforderung werden

In immer mehr Familien sind beide Elternteile berufstätig: So waren bereits 2009 mehr als 70 Prozent der Mütter wieder im Job aktiv. Das erfordert eine hohe Flexibilität, vor allem, wenn die Kinder krank sind oder Schulferienzeit ist. Doch ab wann können Eltern Probleme mit dem Arbeitgeber bekommen?

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Keine persönliche Haftung des Erben

Verstirbt der Mieter, wird das Mietverhältnis von Gesetzes wegen mit dem Ehegatten, dem Lebenspartner oder mit weiteren Mitbewohnern, die ebenso Mieter sind, fortgeführt. Bewohnte der verstorbene Mieter die Wohnung allein, geht das Mietverhältnis auf den Erben über.

Wer hat die größeren Rechte?

Auf den ersten Blick ist alles ganz einfach: Besitzt jemand eine Wohnung oder ein Haus, sollte es ihm auch möglich sein, nach Wunsch darin zu wohnen. Schließlich handelt es sich ja um persönliches Eigentum, das grundgesetzlich abgesichert ist. Es ist aber komplizierter.

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Winterrückfall im März

Der Winterrückfall im März kann für Mieter und Hausbesitzer ein Nachspiel haben, wenn Heizungs- oder Trinkwasserleitungen eingefroren sind.

Kein »Nachschlag« bei KfW-Finanzierung

Wer als privater Bauherr eine Immobilie baut, umbaut oder im größeren Stil saniert, kennt das Phänomen: Die Rechnung liegt deutlich über dem vor Baubeginn eingeholten Kostenvoranschlag.

Bundesrichter stärken Darlehensnehmer

Nach der Kündigung eines Immobiliendarlehens ist der Schadenersatz auf 2,5 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz beschränkt. Daneben kann keine Vorfälligkeitsentschädigung verlangt werden.

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EGMR rügt Österreich

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg hat das Adoptionsverbot für homosexuelle Paare in Österreich gerügt - aber mit einer Einschränkung. Die fehlende Möglichkeit der Stiefkindadoption, also die Adoption eines leiblichen Kindes des Partners oder der Partnerin, werteten die EGMR-Richter am 19. Februar 2013 als diskriminierend im Vergleich zu unverheirateten Paa...

Deutsches Adoptionsrecht

● Einzeladoption: Wer nicht verheiratet ist, kann ein Kind nur allein annehmen. Grundsätzlich ist eine Adoption durch einen Einzelnen möglich, wenn sie dem Wohl des Kindes dient - unabhängig von sexueller Orientierung des Adoptierenden. Hier ändert sich nichts. In der Regel haben es Alleinstehende bei der Vermittlung aber deutlich schwerer als Ehepaare, zumal es ohnehin mehr Adoptionswill...

Ungleichbehandlung gegenüber Ehepartner verfassungswidrig

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe stärkte erneut die Rechte von homosexuellen Paaren. Leben Schwule oder Lesben in einer eingetragenen Partnerschaft, dürfen sie ab sofort auch ein von ihrem Partner zuvor angenommenes Kind adoptieren (nd berichtete). Das entschied das Bundesverfassungsgericht am 19. Februar 2013 (Az. 1 BvL 1/11 u.a.). Die Verfassungshüter verwiesen zur Begründung auf das vom Grundgesetz garantierte Gleichheitsgebot.

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Ans Recht kommen wird teurer

Anwalts- und Gerichtskosten werden in Zukunft teurer. Das geht aus dem Regierungsentwurf zum Kostenrechtsmodernisierungsgesetz hervor. Das hat Ende Januar 2013 der Bundestag in erster Lesung beraten und danach in den Rechtsausschuss verwiesen.

Erst der Vergleich macht sich bezahlt

Provisionsgier und Falschberatung? Dagegen hilft nur die Beratung gegen Honorar! Diese Hoffnung hegen viele Verbraucherschützer, Politiker und Fachleute. Doch ein Wundermittel gegen alle Übel von Finanzgeschäften kann auch die Beratung nicht sein.

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Wertminderung des Autos nach einem Unfall

Das Amtsgericht Duisburg hat mit noch nicht rechtskräftigem Urteil vom 13. Februar 2013 (Az. 52 C 4939/11) entschieden, dass bei einem Fahrzeug der Luxusklasse ein Unfallschaden offenbarungspflichtig ist, weil gerade die Unfallfreiheit auf dem Gebrauchtwagenmarkt einen wertbildenden Faktor darstellt.

Auch bei Bagatellunfällen die Polizei rufen?

Leserfrage: Wie verhält man sich richtig bei einem Verkehrsunfall? Soll man die Polizei rufen oder nicht? Bearbeiten Versicherer Bagatellunfälle auch ohne polizeiliche Unfallaufnahme? Das fragt Frank B. aus Eberswalde.

Keine unverbindliche Flugzeit mehr

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen setzte sich auch in zweiter Instanz mit seinem Unterlassenbegehren hinsichtlich unverbindlicher Flugzeiten gegen einen Reiseveranstalter durch.

Seite 29
ndPlusEberhard Reimann

Verwischt die Spuren, doch nicht die Erinnerungen

Manche Entscheidungen sind einfach nicht nachvollziehbar. So auch die, weshalb die Jury für den Preis der Leipziger Buchmesse an diesem Roman vorbeiging, der alles hat, was man sich unter guter Literatur vorstellt: Es ist ein Gesellschaftsroman, ohne dass die Probleme der Gesellschaft holzhammerartig vermittelt werden. Es ist ein Entwicklungsroman, der einen Mikrokosmos zum Mittelpunkt werden l...

Irmtraud Gutschke

Traumtornado

»Am Ende, erwiderte Arronax, erwachen wir morgen früh in unseren Betten und alles war nur ein Traum. Das täte mir leid, sagte Archie.« Der Leser kann dem nur zustimmen. Denn bis dahin, bis Seite 155 im Buch, ist so viel Verrücktes geschehen, dass es der Fiktion des Autors Abbruch täte, plötzlich alles bloß als Traum hinwegzupusten. Die Bilder sind klar, die Sprache funkelt, jedes Wort ist...

Seite 30
ndPlusSabine Neubert

Vollendetes Leben?

Ein achtzigjähriger Mann geht freiwillig und ganz bewusst in den Tod. Das ist eine schwierige, über weite Strecken bittere Lektüre! Wie wichtig sie ist, entscheidet letztlich jeder Leser für sich allein, so wie er überhaupt entscheiden muss, ob er sich den Beschreibungen von allen nur möglichen und erdenklichen »Krankheiten zum Tode« - von Altersgebrechen, Infarkten bis Krebs - aussetzen will. ...

Werner Jung

Schatten der Vergangenheit

Eine klassische Geschichte mit Rahmen. Am Ende nämlich schließt sich der Kreis, und man könnte mit der Lektüre von vorne beginnen. »Dafür, dass er Epileptiker ist, hat er seinen Weg gemacht. Er ist sechsunddreißig, promovierter Jurist und hält zehn Prozent der Anteile des elektronischen Familienunternehmens, das sein Großvater in den dreißiger Jahren gegründet hat.« So beginnt im Herbst 1999 di...

Natalya Arensberg

Die schweigende Mehrheit

Es sind wenig romantische Umstände, unter denen sich der Wiener Heiner Rossek und die Deutsche Lena in den 1960er Jahren in Frankfurt am Main begegnen. Lena ist Übersetzerin und arbeitet für das Gericht, wo sich Heiner widerstrebend und doch entschlossen als Zeuge in einem Kriegsverbrecherprozess gegen mehrere Nazischergen einfindet. Als Auschwitz-Überlebender mag er die Hoffnung, Deutschland s...

Seite 31
Lilian-Astrid Geese

Ein Frauenleben - banal und besonders

Genau so ist das Leben: episodenhaft, perspektivenreich, überraschungsvoll und spontan. Eva Menasses »Quasikristalle« perlen um die Wiener-Berliner Powerfrau Xane Molin. Menasse schildert, mit sanftem Humor, unaufgeregt und zugleich fesselnd, die Kindheit ihrer Heldin in Österreich, die Stunden mit den Jugendfreundinnen Judith und Claudia, die erste, zweite, dritte Liebe, den Umzug nach Berlin,...

ndPlusWerner Liersch

Stimme für Stilles

»Nein, meine Suppe ess ich nicht«, empört sich der legendäre Suppenkaspar mit den bekannten Folgen. »Soll ich die Suppe ...«, überlegt Heinrich Steiger - und entscheidet sich fürs Auslöffeln. Die Suppe ist eine Tomatensuppe mit Sherry. Steiger - ein einst renommierter, in der »Wende« abgestürzter DDR-Dichter, ist im Roman Berichterstatter in eigener Sache. Den Appetit verdirbt ihm sein Schrifts...

Seite 32
ndPlusMarlene Göring

Der Cop, die Kleine und der Doc

Ein Verbrechen, regionale Ulkigkeiten und Protagonisten, zwischen denen es kracht oder knistert - das ist nicht nur das Erfolgskonzept des »Tatort«. Der Emons-Verlag legt mit »Lakritze« von Sylke Tannhäuser wieder einen Regional-Krimi vor - aus Thüringen. Thüringen, das ist ein bisschen die Provinz Deutschlands. Da ist man entweder miteinander verwandt, oder man kennt sich zumindest. Auch...

ndPlusWerner Jung

Man muss aus sich heraus leben

Irgendwann dämmert in Dr. Gisela Stern, genannt Gisi, Juristin und Bankkauffrau, die Erkenntnis, dass man aus sich selbst heraus leben müsse. Aber da ist es längst zu spät: Ihr Leben, ihre Familie und Karriere sind ein einziger Scherbenhaufen. Geblieben ist ihr nur wenig - im Grunde nichts. Ziellose Einkäufe, sinnlose Kinobesuche kaschieren eine hohle Existenz. Wie das alles gekommen ist,...

Lilian-Astrid Geese

Ende in einer Blutlache

Es ist eine tragisch-typische Vita, die sich in digitalen Quellen über den Mann findet, dem Ulrike Edschmid ihr jüngstes Buch - der Verlag nennt es einen Roman, doch es ist eigentlich eher ein Bericht - widmet. Eine Biografie, die auf die Vorgeschichte der bleiernen Zeit der Bundesrepublik Deutschland (West) verweist: Der Fotograf und Filmemacher Philipp Werner Sauber wird 1947 in Zürich als jü...

Seite 33
Peter Gosse

Bruder Baum

Wo sich Poesie vom prosaischen Nacherzählen bestimmen lasse, »dort sind die Betttücher nicht zerknittert, dort hat die Dichtung nicht genächtigt«, weiß der große Sowjetjude Ossip Mandelstam. Und wer sich in Richard Pietraß' Verse hineinbegibt, darf sich darauf gefasst machen, die Laken ordentlich, will sagen: aufs unordentlichste geknüllt zu sehen. Aber wie komme ich auf Mandelstam? ...

ndPlusRalph Grüneberger

Über=irrdisch, überbordend

Reinhard Jirgl, 2009 vom Feuilleton der »Zeit« zum »vielleicht wichtigste[n] Autor der deutschen Gegenwartsliteratur« erhoben, muss sich nicht verkaufen. Seine Bücher stehen in den Bibliotheken. Er gilt als Antipode der Spaßgesellschaft, seine Prosa gilt der Rezensentin Martina Meister als »einsam« - als wären alle anderen Romanciers deutscher Sprache schon in die »Chill-out-Zone« abgedriftet. ...

Seite 34
ndPlusYvonne Schymura

Emanzipation zum Genießen

Die Geschichte ist schnell erzählt: Evelyn, 27-jährige Ehefrau und Mutter zweier Kinder, verliebt sich in den Amerikaner Frank. Sie reist ihm nach Paris nach und verunglückt auf dem Rückweg in einem Flugzeug. Ihr Ehemann Kurt erfährt so von der Affäre und muss sich fragen, ob er seine Frau eigentlich gekannt hat. Große Gefühle, ein tragisches Ende - so weit so trivial. Es ist die Art und ...

ndPlusMonika Melchert

Raum für Phantasie

Zilli, Billi und Willi - wissen Sie noch? Ihre hinreißenden Kinderbücher, die witzigen Zeichnungen im »Magazin«, ihre Porträts und Karikaturen kennen wir alle. Die Verse von Huckelpuckel, die englischen Kindergedichte »Ping, pang, poch« und vieles andere verbinden sich für immer mit ihren originellen Figuren. Elizabeth Shaw war eine Institution für alle, die schöne Bücher lieben. Doch ihre span...

Klaus Bellin

Verführerische Prosa

Fünf Seiten gehören in der Mitte des Bandes Daniello Bartoli, einem Mönch, der in einer winzigen italienischen Klosterzelle, umgeben von Folianten, die bis unter die Decke gestapelt waren, den lieben langen Tag und auch noch die Nächte damit zubrachte, die Zahl der Bücher zu mehren. Er schrieb und schrieb, überzeugt von der Allmacht der Geschichten und weil er glaubte, mit Büchern könnte man di...

Seite 35
Mona Grosche

Verbannung als Chance

»Zuerst kommt Erstchen, und dann, wenn Sie in Zweitchen anlegen, wartet ein gewisser Toni auf Sie. Er fährt Sie mit einem Boot nach Drittchen!« Niederschmetternder könnte die Botschaft nicht sein, die der Politiker Siniša an einem öden Regentag erhält. Mit nur vier Taschen seiner Habe soll er zwei Jahre auf der am weitesten von der Küste entfernten Insel Dalmatiens bleiben. Dort gilt es zu voll...

ndPlusSabine Neubert

Gefangen im Netz

Jeder Roman, sei er auch noch so realistisch geschrieben, hat etwas Fiktionales, ist ein Stück erfundene Wirklichkeit. Wir nehmen es also der Protagonistin dieses Buches bis zu einem gewissen Grade ab, wenn sie einmal sagt: Sie erfinde nicht nur die Romanfiguren, sondern »auch mich selbst als die, die die anderen erfindet.« Das ist allerdings außergewöhnlich, da hier das erfundene und erf...

Uwe Stolzmann

»Mutter, oh mati, es tut mir leid«

Prcic heißt der eine, Prcic der andere, nur ein Akzent unterscheidet die beiden. Jeder trägt den Vornamen Ismet, wird Izzy genannt, und sogar die Biografie haben sie gemeinsam. Eines aber unterscheidet die Männer: Ismet Prcic ist eine Kunstfigur, Ismet Prcic ihr Schöpfer. Prcics Roman »Scherben« erzählt von der bestürzenden Lebensfahrt seines Alter ego, und etwa so geht die Geschichte: Is...

Seite 36
ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Flott notiert, Spaß garantiert

Russische Flüche sind legendär. Sie sind kraftvoll, deftig, unanständig, geraten nicht selten unter die Gürtellinie. Besonders übel sind die »Mutterflüche«. Aber die werden von den Russen verleugnet. Sie beteuern hartnäckig, die seien ihre Sache nicht und schon vor Jahrhunderten von den Kaukasiern eingeschleppt worden. Die Slawen würden doch stets besonders die Mutter ehren - die eigene und Mut...

Klaus Walther

Wir kommen alle aus Gogols Mantel

Natürlich weiß jeder, der sich in dem Metier des Büchersammelns bewegt, wer Magister Johann Georg Tinius war: eine Beispielfigur für die Gefährdungen, die einem da begegnen. Also, um es nur kurz zu skizzieren: Dieser 1764 in Posena bei Leipzig geborene spätere Pfarrer war wohl doch einer der großen Büchersammler am Ende des 18. Jahrhunderts. Auch wenn der Katalog seiner Sammlung anlässlic...

ndPlusKarlheinz Kasper

Odyssee durch Stalins Russland

Kinder, verwaist und verwahrlost, auf der Flucht vor Hunger und Krieg, auf der Suche nach einem Stück Brot, Wärme und Geborgenheit - wer erinnert sich da nicht an die Bücher der 1920er Jahre, Newerows »Taschkent, die brotreiche Stadt«, Sejfullinas »Der Ausreißer« und »SCHKID, die Republik der Strolche« von Bjelych und Pantelejew oder an Pristawkins aufrüttelndes »Schlief ein goldnes Wölkchen« a...

Seite 37
ndPlusMartin Hatzius

»Das Weib, das sich aus Liebe opfert«

Vor 200 Jahren wurde Richard Wagner geboren. Unter den vielen Büchern, die sich dem Komponisten im Jubiläumsjahr widmen, fällt Hagen Kunzes »Musenkuss« schon wegen seiner Kürze und Leichtigkeit heraus. Das Augenmerk des Autors liegt ganz auf den Frauen, denn ohne sie, schreibt er, »gäbe es auch Wagners Werke allesamt nicht. Es ist die Suche nach der Muse, die Richard Wagner zum Lebensprinzip er...

Hans-Dieter Schütt

Der Frieden applaudiert

Der Frieden ist ein gehärtetes Wesen. Der weiß, was läuft; der winkt also ab, müde, misstrauisch, er winkt ab mit der abgekühlten Weisheit eines Mittellosen. Der Frieden ist ein Abgerissener, er lässt sich nicht mehr so leicht herauslocken aus den Verhältnissen, was immer man ihm auch schickt: Waffen, Soldaten, Botschafter. Ja, in Afghanistans Bergen hockt der Frieden und lässt vorüberzie...

Seite 38
Irmtraud Gutschke

Die Freiheit, der Überdruss

Geboren 1975 in Vancouver, Kanada, aufgewachsen in New York und Connecticut - und ist in das Land zurückgegangen, das ihre Eltern einst verlassen hatten. Als »Bumerang« bezeichnet Ildikó Noémi Nagy in ihrem gleichnamigen Band Kinder, die wieder zu ihren Eltern ziehen. In ihrem Leben hat sie indes eine viel größere »Kurve« gewagt. Es scheint, als ob der amerikanische Kontinent für sie nur ein Um...

ndPlusMichael Sollorz

Glatteis des Gelingens

In »Brokeback Mountain«, dem erfolgreichen Cowboyfilm des Weltwanderers Ang Lee beobachtet eine junge Farmersfrau durchs Fenster ihres Hauses, wie ihr Mann im Hof einen Kumpel begrüßt. Die beiden fallen sich nach langer Trennung freudig um den Hals. Was erst aussieht wie zwei übermütige große Jungs, verändert sich nach wenigen Augenblicken. »Ich habe dich so vermisst«, scheint die heftige Umarm...

Seite 39
ndPlusWalter Kaufmann

Dänisches Abenteuer

Man fragt sich, warum der Übersetzer von Jonas T. Bengtssons jüngstem Roman auf die Übernahme des Originaltitels verzichtet hat. »Et Eventyr - Ein Abenteuer« trifft das Geschehen wesentlicher, kommt dem Inhalt weit näher als »Wie keiner sonst«. Wir werden in ein Abenteuer hineingezogen, das am Tag der Ermordung Olof Palmes mit einer Flucht beginnt - der Flucht eines Vaters mit seinem kleinen So...

Klaus Bellin

Mann der Wälder

Er hat seinen Ruhm noch auskosten können. Begeisterte Leser gab's überall in der Welt, auch in Europa. Der alte Goethe entdeckte Cooper noch im Herbst 1826, als das Werk gerade nach Deutschland gekommen war. Er bewunderte, wie das Tagebuch ein Dreivierteljahr später dokumentiert, »den reichen Stoff und dessen geistreiche Behandlung«. Lederstrumpf, eine »überragende Gestalt zwischen Naturzustand...

Florian Schmid

Von Mexiko nach Sibirien

Neben Carlos Fuentes gilt Sergio Pitol als einer der wichtigsten mexikanischen Schrift-steller im 20. Jahrhundert. Während die Romane des im vergangenen Mai verstorbenen Fuentes in ihrer Mehrzahl ins Deutsche übersetzt wurden und lieferbar sind, wurden Sergio Pitols Bücher erst im Lauf der letzten Jahre hierzulande vom Wagenbach Verlag herausgegeben. Zum 80. Geburtstag Pitols erscheint nun der ...

ndPlusReiner Oschmann

Selbstauskünfte

In keinem Buch seit seiner Quasi-Autobiografie »Die Unruhezone« vor sechs Jahren gewährt der US-amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen (Jg. 1959) dem Leser so viele Selbsteinblicke wie in seinem jüngsten »Weiter weg«. Darin besteht der größte Reiz der Sammlung von 21 Essays und Reportagen zwischen 1998 und 2011. Sie überspannen die Zeit, in der seine bisher bedeutendsten Romane »Die Korr...

Seite 40
Irmtraud Gutschke

Glücks-Fügung

Ehe dies zu einer »Geschichte über die Freundschaft« wird - es könnte ja sogar eine beginnende Liebe sein -, ist es erst einmal ein Buch über die Einsamkeit in der großen Stadt New York. Herman und Rosie (Gus Gordon malte ihn als Krokodil, sie als Reh, aber das tut nichts zur Sache) sind alt genug, um ihre Vorlieben und Abneigungen zu haben. Nur eines ist ihnen gemeinsam: die Liebe zur Jazzmusi...

ndPlusKai Agthe

Angst vorm Dunkel

Wenn sich ein Kind, das schlafen soll, vor der Dunkelheit fürchtet, genügt es oft, die Zimmertür etwas offen zu lassen. Was aber, wenn das einer Hexe geschieht? Die Hexe in Constanze Spenglers Buch hat ein gefährlich ausladendes Kinn und eine ebenso ausgeprägte Nase. Im Gegensatz zu jener Kollegin aus »Hänsel und Gretel« hat sie allerdings keinen Appetit auf Kinder. Sie mag lieber Brennnesselsu...

ndPlusKerstin Yvonne Lange

Etwas ausprobieren!

Das neue Buch von Albert Wendt ist ein besonderes, denn es führt die Fäden seines Lebens, seiner Erfahrungen und literarischen Werke so zusammen wie die Seile eines schwebenden Fallschirms am Fallschirmspringer münden. Diesen Fallschirm wird der Wind, der die sieben Kapitel immer wieder neu eröffnet, in ebenso viele schöne Bilder des Lebens hineinsinken lassen. Dann wird die vorgefundene Friedl...

Silvia Ottow

Freunde wie Erdbeereis

Es ist schon schlimm, wenn einem Schlüsselbund, Lieblingshaarspange oder Teddys bunte Hose abhanden kommen. Aber wo soll man bitteschön suchen, wenn man sein Glücksgefühl vermisst? Welche Farbe hat es, wie riecht oder schmeckt es? Wohin könnte so ein Gefühl ziehen? An einen schönen See, in ein fremdes Land, zu einem anderen Menschen? Frau Gute Miene jedenfalls, die den herben Verlust erlitten h...

Seite 41

Bruder- Kuss?

Es ist wohl eine der berühmtesten Kussszenen der Weltgeschichte - aber wahrlich nicht die schönste. Nicht so ergreifend wie Marylin Monroes »Dear President« zugehauchter Gruß oder Gustav Klimts zarte Zweisamkeit. Es gibt Bücher über die Geschichte der Malerei und illustrierte Geschichtsbücher. Aber über erzählte Geschichte in der Malerei? Helge Hesse machte sich daran, ein solches zu verfassen....

Marlene Göring

Genealogie einer Lüge

Seit sechs Jahrhunderten spuken Gespenster durch Archive, Romane, Köpfe. Ihr Name: Zigeuner. Wie alle Geister entstammen sie nicht der Wirklichkeit, sondern einem Hirngespinst. Eines, das das moderne Europa erdacht - und bis heute bitter nötig hat.

ndPlusHans-Dieter Schütt

Geschichte ist nicht planbar

Es ist kein Zynismus. Es ist nicht mal Bitterkeit. Es ist heller, unbestechlicher, radikal heiterer Verstand: »Anders als bei den meisten anderen und tödlichen Krankheiten kann man müßig und ohne große Schmerzen den katastrophischen Fortschritt des eigenen Verfalls beobachten.« Diese Worte sagt Tony Judt, geboren 1948, weltbekannter britischer Historiker und Essayist, in New York lebend -...

Seite 42
Hans Rehfeldt

»Wie hättest du dich verhalten?«

Nein, das ist kein weiterer Erlebnisbericht über die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Moritz Pfeiffer, Jahrgang 1982, Pazifist und Wehrdienstverweigerer, begab sich auf die Suche nach einer Antwort auf das Verhalten seines geliebten Großvaters in der Nazizeit. Dieser war Oberleutnant der Wehrmacht; die Großmutter war BDM-Führerin. Beide sagten dem Enkel, sie hätten mit den Nazis »nichts am Hut geh...

ndPlusHarald Kretzschmar

Präzis wie eine Uhr

Die Fülle der Erinnerungsliteratur ist kaum noch überschaubar. Tauchen aber bestimmte Namen auf, wird man neugierig. Erich John werden wohl wenige kennen, doch seine Weltzeituhr auf dem Berliner Alexanderplatz ist bekannt. Als Tourismusattraktion auch über die Grenzen des Landes hinaus. Wenn nun deren Schöpfer das Entstehen der Sehenswürdigkeit schildert, wie es in fast illegaler Gemeinschaftsa...

Nora Goldmann

Brutal und gnadenlos

Dies ist eine bemerkenswerte und wichtige Arbeit. Ein deutscher und ein französischer Historiker fanden zusammen auf den Spuren eines NS-Täters. Siegfried Grundmann ist Experte für deutsche Geheimdienste und politische Polizei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Eugène Martres forscht seit fünf Dezennien zur deutsch-faschistischen Okkupation seiner Heimat. Bemerkenswert ist die Fak...

Seite 43
ndPlusVolkmar Schöneburg

Blind und borniert

»Er ist zurück«, hieß es im Herbst 2008 in der »Times«. Gemeint war kein geringerer als Karl Marx, der in der Zeit einer auf marktwirtschaftlichem Fundamentalismus basierenden weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise als scharfsinnigster Analytiker des modernen Kapitalismus nicht nur vom Feuilleton wiederentdeckt wurde. Doch während publizistische Beiträge wider finanzpolitischen Wahnsinn in der...

Seite 44
Niels Seibert

Werde Demonstrant!

Florian Kessler reiste im vergangenen Jahr quer durch die Republik und beteiligte sich an Protestaktionen. In Stuttgart demonstrierte er für den Erhalt des Kopfbahnhofs, in Dresden durchbrach er eine Polizeikette, um sich an einer Blockade auf der Demoroute der Nazis zu beteiligen und vor dem Bundesrat in Berlin begegnete er bei seinem Einsatz gegen die Kürzungen im Bereich regenerativer Energi...

Klaus Müller

Die Systemfrage ist offen

Nicht nur als Wirtschaftskolumnistin ist sie den Lesern des »neuen deutschland« vertraut: Christa Luft, einst Rektorin der Hochschule für Ökonomie »Bruno Leuschner« in Berlin, war 1989/90 Wirtschaftsministerin in der Modrow-Regierung. Eine Auswahl ihrer »nd«-Beiträge liegt nun als Buch vor. Pointiert und verständlich erklärt Christa Luft Krisen und Herausforderungen heute: die Ungleichgewichte ...

ndPlusRosi Blaschke

Mut zur Gegenwehr tut not

Es ist keine Seltenheit, sondern ein grassierendes Problem: Menschen werden in ihrem Arbeitsumfeld schikaniert. Mobbing über Jahre hinweg durch Kollegen und Vorgesetzte führt zu sozialer Isolation, Krankheit und Arbeitsunfähigkeit. Johannes und Ulrich Becker beschreiben den skandalösen Fall zweier qualifizierter Angestellter in einem Energieversorgungsunternehmen des öffentlichen Dienstes in ei...

Seite 45
Karlen Vesper

Was ist bloß in die Magyaren gefahren?

Was ist bloß in Ungarn los? Seit Jahren blicken europäische Demokraten mit großer Sorge auf dieses osteuropäische Land, das einen beängstigenden Rechtsruck erfuhr. Da kommt dieses Buch gerade recht. Es beruhigt nicht, im Gegenteil. Was hier geschildert wird, ist haarsträubend.

ndPlusJörg Roesler

Wenn wir die Zukunft meistern wollen ...

Edzard Reuter macht sich Sorgen um Europa. Zu viele Politiker, Publizisten, Wirtschaftswissenschaftler prophezeien angesichts der andauernden Eurokrise das Ende der europäischen Gemeinschaft, liebäugeln mit dem Austritt ihres Landes oder wollen wirtschaftlich schwache Staaten aus dem Verbund entlassen. Der deutsche Sozialdemokrat, 1987 bis 1995 Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz-AG, hält de...

Seite 46
ndPlusSiegfried Prokop

Vom »Abriss« zur Abwicklung

Dies ist ein Kapitel Geschichte einer Institution der DDR. Besser gesagt: die Geschichte ihres Endes. Exakter: Hier wird das kurze Leben des Instituts für Geschichte der Arbeiterbewegung (IfGA) aus der Sicht des ersten und letzten freigewählten Direktors reflektiert. Die Untersuchung umfasst den Zeitraum vom 27. Oktober 1989, als einige Mitarbeiter des Instituts für Marxismus-Leninismus (IML) m...

ndPlusFrank-Rainer Schurich

Alle Ehre, Euer Ehren

Günter Sarge, von 1986 bis zum Ende der DDR Präsident des Obersten Gerichts der DDR, legt seinen Lebensbericht vor. Nachdem er 1990 von allen Funktionen zurückgetreten war - auch als Präsident der Juristenvereinigung der DDR -, geriet er ins Visier der bundesdeutschen Justiz. Zwischen 1993 und 1996 eröffnete man sieben Ermittlungsverfahren gegen ihn, drei führten zu Anklagen. Sachlich ber...

Ursula Herrmann

Kampf war sein Lebenselement

Ein beeindruckendes Buch: Lebensstationen Wilhelm Liebknechts aus der Feder des besten Liebknecht-Kenners. Mehr als 40 Jahre sammelte Wolfgang Schröder Material, durchforstete Archive, arbeitete den an die Tausende Blatt zählenden Nachlass von Wilhelm Liebknecht in Moskau durch, damals noch im IML beim ZK der KPdSU. Fand er neben seinen anderen Aufgaben Ruhe, dann publizierte er zu Teilbereiche...

Seite 47
Horst Schneider

Mythos Dresden

Es ist ein Zufall, dass ich diese radikale Abrechnung mit der Gedenkpolitik in Dresden am 13. Februar 2013 auf den Schreibtisch bekam. Aber es ist kein Zufall, dass viele kritische Aussagen sich als höchst aktuell erweisen. Das Buch umfasst 22 Texte von Autoren und Rechercheteams, die sich mit der Dresdner Gedenkkultur beschäftigen. Sie konstatieren gravierende Veränderungen seit der »Wende«, j...

ndPlusPeter Nowak

Eine halbe Million

Auschwitz, Treblinka, Sobibor, die Namen dieser deutschen Vernichtungslager im von der Wehrmacht besetzten Polen sind der Welt bekannt. Das 40 Kilometer südlich von Zamoscz errichtete NS-Vernichtungslager Belzec hingegen kaum. Dabei waren dort zwischen Februar und Dezember 1942 bis zu einer halben Million Juden sowie Sinti und Roma ermordet worden. Danach wurde das Lager aufgelöst, die Täter li...

Hans Canjé

Die gnadenloseste Ära

Noch ein Buch über Roland Freisler, den Präsidenten des sogenannten Volksgerichtshofes? Den »Hinrichter« tausender mutiger Antifaschisten, Frauen, Männer und sogar Jugendlicher, der nicht seiner gerechten Strafe zugeführt werden konnte, da ihn am 3. Februar 1945 der Splitter einer Bombe in den Tod gerissen hat. Der Nürnberger Internationale Militärgerichtshof nannte ihn »den düstersten, brutals...

Seite 48
Houssam Hamade

Ohne die Anderen kein Selbst

Man könnte die Psychologie als Feind linker und sozialistischer Erklärungen ansehen. Psychologische Ansätze neigen zur Subjektzentriertheit. Das heißt, dass auch die Probleme des Einzelnen vom Einzelnen gelöst werden sollen, während die linke Perspektive meint, man müsse gemeinsam lösen, was gemeinsam verursacht wurde. Dass Psychologie aber nicht unbedingt so einseitig sein muss, zeigt ein Buch...

ndPlusMichael Eckardt

Engagierte Frauen und Männer

Die Berliner Sozialdemokratie galt vor dem Ersten Weltkrieg als maßgebliche Triebkraft innerhalb der deutschen Arbeiterbewegung. Ob ihrer intellektuellen und politisch besonders aktiven Mitglieder versorgte sie zunächst ganz Preußen und später auch weitere Regionen des Deutschen Reichs mit aussichtsreichen Wahlkreiskandidaten. Diesen Personenkreis gänzlich zu erfassen, hat sich Matthias John zu...

Heinz Niemann

Seelenverkäufer

Wenige Monate nach seinem Rücktritt als Parteivorsitzender und Finanzminister versuchte Oskar Lafontaine in seinem Buch »Das Herz schlägt links« den für viele seiner Genossen völlig überraschenden und irritierenden Schritt zu erklären. Ein einziger Satz im Vorwort sagt eigentlich alles, verdeutlicht, was ihn antrieb und wahrscheinlich immer noch antreibt: »Vor allem darf die SPD ihre Seele nich...

Seite 49

Indien

Über eine halbe Million Menschen versammeln sich jedes Jahr im Januar und Februar an den Ufern der Bucht von Bengalen in der Nähe der Sonnentempel von Konarak in Orisa. Die ganze Nacht über stehen sie zitternd in der Winterkälte, singen religiöse Lieder, murmeln Gebete und harren der aufgehenden Sonne. Bei Tagesanbruch lassen sie kleine Öllampen aufs Meer hinaustreiben, wie jene zu Füßen der dr...

Felix Sturm

Geißel Hunger

Eine interdisziplinäre Kontroverse verspricht der Band. Das ist auch gut so, denn die Geißel Hunger lässt sich nicht besiegen, wenn sie den Ökonomen überlassen wird. Ethnologen, Soziologen, Historiker sind ebenso gefragt und gefordert. Der hier anzuzeigende Band befasst sich weniger mit den Katastrophen, sondern vielmehr mit der latenten Gefahr von Hunger und Ernährungsunsicherheit. »Mit ...

ndPlusJohnny Norden

Ein Nelkentraum

In den frühen Morgenstunden des 25. April 1974 erklang in einem kleinen Radiosender Lissabons die Erkennungsmelodie für alle aufständischen Einheiten: »Grândola, Vila Morena«. Dieses Lied war das Signal für eine Gruppe junger Offiziere, die an diesem Tag die über 47 Jahre dauernde faschistische Diktatur in Portugal stürzte. Das Volk begrüßte die mutigen Militärs mit roten Nelken. Die wenigen Mo...

ndPlusUli Gellermann

Widerstand gegen eine Enteignung

Als »enteignete Revolution« charakterisieren Wolfgang Gehrcke und Christiane Reymann den Versuch der demokratischen, zivilen Opposition, das ungeliebte Assad-Regime zu stürzen. Und sie benennen auch die Enteigner: die USA, die ehemaligen Kolonialmächte und die diktatorischen Golfstaaten. Sie orientieren nicht uneigennützig ausschließlich auf eine bewaffnete Lösung des syrischen Konfliktes. Auch...

Seite 50
ndPlusReiner Tosstorff

Emanzipation

Ein Marx-Zitat über die Pariser Kommune im Titel liefert das Motto dieses Bandes über Arbeiterräte, Arbeiterkontrolle und Arbeiterselbstverwaltung. Also über die Formen der Selbsttätigkeit der Arbeiterschaft, die auf die Beschränkung oder gar Ersetzung des Eigentumsrechts der Unternehmer abzielt. Eine politische Emanzipation, so Marx, wäre unmöglich, wenn sie nicht auch in einem wechselseitigen...

Werner Abel

Fantasie, Geist und Glaube

1925 schrieb der Wirtschaftswissenschaftler Lew N. Kritsman sein Buch über »Die heroische Periode der großen russischen Revolution«, eine in großen Teilen ökonomische Analyse der Zeit des »Kriegskommunismus«. Kritsman ahnte mit Sicherheit nicht, dass sein Buchtitel auf ein ganz anderes Genre Anwendung finden sollte, weit emotionaler und expressiver wirkend. Was in der visuellen Agitation und Pr...

Seite 51
ndPlusSilvia Ottow

Die Unerschrockene

Hätten die politischen Kämpfe der 1803 in Paris geborenen Flora Tristan zu ihren Lebzeiten mehr Erfolg oder überhaupt Erfolg gehabt, wären wir heute in Europa möglicherweise ein Stück weiter bei der Gleichstellung der Frauen, der Einigkeit der Arbeiterschaft über Ländergrenzen hinweg, einem anständigen Mindestlohn oder der Bekämpfung der Prostitution. Die schöne Pariserin mit den peruanis...

ndPlusChristel Hartinger

Friedensaktivistin

Wenige Sätze genügen, um anzudeuten, wie symptomatisch und zugleich einmalig die Biografie der Felicia Langer für die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts ist: Nach Kriegsende übersiedelt die junge Frau mit ihrem Mann Mieciu Langer, einziger Holocaust-Überlebender seiner Familie, aus Polen nach Israel. Als Rechtsanwältin kämpft sie jahrelang für ihre enteigneten, diskriminierten oder inha...

Karlen Vesper

Sie konnte gut überzeugen

»Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigenen Weise unglücklich«, zitiert der Verleger aus Tolstois »Anna Karenina«. Um sodann darüber zu informieren, dass das Buch eigentlich den Titel »Die Mutter meiner Schwestern« tragen sollte. Doch Regine und Bettina Röhl hatten juristische Schritte angedroht. Und verlangten, dass einige Passagen gestrichen we...

Seite 52
Armin Jähne

Jäger geraubter Schätze

Am Anfang war der Krieg. Etwas später kam das Wort - in Form eines Befehls von General Dwight D. Eisenhower: »In Kürze werden wir auf den europäischen Kontinent vorrücken in unserem Kampf, der dem Schutz unserer Zivilisation dient. Unvermeidlicherweise werden wir auf unserem Vormarsch auch auf historische Monumente und Kulturgüter stoßen, die gegenüber der Welt all das symbolisieren, was wir zu...

ndPlusFrank-Rainer Schurich

Im Schleppnetz der Fahnder

Man muss natürlich nicht Misanthrop werden, wenn man solche Tatsachenberichte zur Kenntnis genommen hat, schrieb 1997 der weltberühmte Gerichtsmediziner Otto Prokop im »Neuen Deutschland«. In unserer hedonistischen Gesellschaft, in der sich niemand wirklich um die Prävention von Verbrechen kümmert, bleibt nach der Lektüre auch dieses Buches die beklemmende Erkenntnis: Der nächste grausame Mord ...