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Unten links

Zwei Schreckensmeldungen haben nahezu zeitgleich die Welt erschüttert: Nordkorea drohte mit einem Atomangriff und in Deutschland musste die Ziehung der Lottozahlen wiederholt werden. Das besonders Erschreckende an dieser kuriosen Konjunktion ist das einigende Band, das die beiden bitteren Botschaften umfängt: Während das eine nicht für möglich gehalten wird, wurde das andere ebenfalls nicht für...

Martin Ling

Steueroasen sind gewollt

Die Empörung geht immer bis ganz nach oben: Ob im Fall des Steuerhinterziehers und Ex-Postchefs Klaus Zumwinkel oder nun im Fall von Offshore-Leaks: Parteiübergreifend wird der Verfall der Steuermoral und die Unterhöhlung der Steuerbasis beklagt - angefangen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Prozess gegen Jenaer Pfarrer begonnen

Dresden (nd-Lasch). Am Amtsgericht Dresden hat der Prozess gegen den Jenaer Stadtjugendpfarrer Lothar König begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 59-Jährigen vor, sich bei Protesten gegen einen Naziaufmarsch in Dresden am 19. Februar 2011 des aufwieglerischen Landfriedensbruchs schuldig gemacht zu haben. Zudem legt sie ihm Strafvereitelung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und versuch...

ndPlusHaidy Damm

Schwarzes Loch der Weltökonomie

Reiche verstecken ihr Vermögen gerne in Steueroasen. Gestern veröffentlichte das Internationale Netzwerk Investigativer Journalisten (ICIJ) zugespielte Informationen mit Namen und Daten und trat damit eine Welle von Enthüllungen und Forderungen los.

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Simon Poelchau

Legale Flucht vor der Steuer

Amazon, Google, Ikea, Apple - das sind nur vier Namen von internationalen Konzernen, die es schaffen, sich vor dem Fiskus kleinzureden. So war die Aufregung groß, als im Herbst letzten Jahres herauskam, dass der Kaffeebrüher Starbucks trotz Milliardenumsätzen in Großbritannien jahrelang kaum Steuern zahlte. Doch die Tricks, die das Unternehmen dafür anwandte, waren nicht gesetzeswidrig. Wie and...

»Die Beamten fühlen sich an die Leine gelegt«

nd: Ein Journalistennetzwerk deckte gestern einen Ring von 120 000 Briefkastenfirmen und Offshore-Konten auf, die einzig dem Zweck der Steuerhinterziehung dienen. Sind Sie überrascht? Tempel: Nein, das wundert mich nicht. Keiner, der irgendwann mal mit Wirtschaftskriminalität oder Korruptionsermittlungen zu tun hatte, ist überrascht. Einzig das Ausmaß von 20 bis 30 Billionen Dollar ist erstau...

Hermannus Pfeiffer

Geldverstecke offengelegt

Das weltweite Recherchenetzwerk »Offshore-Leaks« will 130 000 Personen aus mehr als 170 Ländern nennen, die ihre Vermögen in Steueroasen verschoben haben. Experten halten den Schaden durch legale Steuervermeidung für größer als den durch Betrug.

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Willkommen im AWO-Dorf
Robert D. Meyer

Willkommen im AWO-Dorf

Während in Deutschland Debatten um wachsende Metropolen und Gentrifizierung in Großstädten toben, geraten Dörfer immer stärker ins Hintertreffen. Manche Ortschaften versuchen, mit bescheidenen Mitteln ein Aussterben zu verhindern. Kemlitz im Landkreis Teltow-Fläming ist ein Beispiel.

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Märchen vom Schaf

Der Blumenstrauß für Schwester Ursel zum Frauentag dürfte auch künftig unbedenklich sein. So manches andere allerdings, was in Arztpraxen herübergereicht wird, ist es wert, abgeschafft zu werden: Geld, Vergünstigungen, Arzneien, Geschenke.

ndPlusFabian Lambeck

Unfair

Die LINKE tut gut daran, den umstrittenen Verkauf der ostdeutschen TLG-Wohnungen genauer zu prüfen. Auch wenn sich herausstellen sollte, dass formaljuristisch alles rechtens war: Es kann doch nicht sein, dass sich Investoren hier einer Steuervermeidungsstrategie bedienen.

Olaf Standke

Hagels Botschaft

Die Aufregung um die tägliche Drohung Nordkoreas hat auch das mediale Echo auf die erste Grundsatzrede des neuen Pentagon-Chefs Chuck Hagel geprägt. Dabei ging es bei seinem Auftritt in der National Defense University in Washington um weit mehr.

Wolfgang Hübner

Angriffslustig

Es gibt Leute, die möchte man keinesfalls zum Gegner haben. Witali Klitschko etwa oder Claudia Roth. Oder Johannes Eisenberg. Er ist das, was man in anderen Tätigkeitsbereichen eine Rampensau nennen würde.

Robert Schmidt

Homo-Ehe gut, alles gut?

nd: Frankreichs Senat diskutiert seit Donnerstag den Gesetzentwurf, der allen Arten von Paaren die Ehe erlaubt. Da die Nationalversammlung bereits zugestimmt hat, würde eine negative Entscheidung die Ehe und damit auch das Adoptionsrecht für alle lediglich hinauszögern. Welche Rolle spielt die französische Gesetzgebung für das restliche Europa? Gougain: Andere Länder beobachten genau, was bei...

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Brennende Häuser

In den vergangenen Jahren gab es in Deutschland einige Brände in Häusern, die von Migranten bewohnt wurden. Nicht immer konnte ein rechter Hintergrund nachgewiesen werden. Das »nd« dokumentiert Beispiele.

Stefan Otto

Türkische Blätter wollen Platz beim NSU-Prozess einklagen

Die Kritik an der Platzvergabe für Pressevertreter beim NSU-Prozess ebbt nicht ab. Die türkischen Zeitungen »Sabah« und »Hürriyet« planen jetzt eine Verfassungsbeschwerde. Das BVerfG soll klären, ob türkische Medien durch das starre Zulassungsverfahren benachteiligt wurden.

ndPlusAnja Krüger, Köln

Hilflose Vermutungen

Anders als bei beim Brand eines Hauses in Backnang vor vier Wochen, bei dem acht Menschen ums Leben kamen, ist die Ursache des Feuers in Köln noch völlig unklar. Hier wird weiter spekuliert, ob die beiden Toten Opfer eines Anschlags wurden.

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ndPlusAert van Riel

Diplomatie statt Klartext

Auf seiner Länderreise will SPD-Kandidat Peer Steinbrück Beliebtheitspunkte ergattern und im Duell mit Kanzlerin Angela Merkel aufholen. In Berlin umgarnt er die »Kreativwirtschaft« und die Parteibasis. Zum Beispiel in der Kleinen Arena des Tempodroms Berlin-Kreuzberg.

Hendrik Lasch, Dresden

»Eine bösartige Anklage«

In Dresden hat der Prozess gegen Lothar König begonnen. Dem Jenaer Stadtjugendpfarrer wird von der Dresdner Staatsanwaltschaft schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen. Der 59-Jährige Nazigegner und Bürgerrechtler wies die Vorwürfe zum Prozessauftakt zurück.

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Staatstrauer in Argentinien

Buenos Aires (AFP/nd). Nach Unwettern und Überschwemmungen in Argentinien, die 50 Menschenleben forderten, hat Präsidentin Cristina Kirchner eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Kirchner besuchte am Mittwoch (Ortszeit) die besonders betroffene Stadt La Plata, in der allein mindestens 48 Menschen starben. In der Nacht zum Mittwoch waren binnen zwei Stunden 40 Zentimeter Regen gefallen - ein ...

Öcalan hoffnungsvoll

Ömerli (AFP/nd). »Die Chancen für einen ehrenvollen Frieden sind sehr gestiegen«, erklärte Abdullah Öcalan, Gründer der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), in einer Botschaft, die am Donnerstag zu seinem 64. Geburtstags in seinem Geburtsort Ömerli in Südostanatolien verlesen wurde. Mehr als 20 000 Menschen hatten sich in der Kleinstadt versammelt. Öcalan verhandelt seit Ende verga...

Tödliche Schüsse im Westjordanland

Kurz bevor US-Außenminister John Kerry in der nächsten Woche einen neuen Vermittlungsversuch unternehmen will, spitzt sich die Lage im Nahen Osten zu. Im Westjordanland wurden zwei Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen. Im Süden Israels schlug eine Granate aus dem Gaza-Streifen ein.

Irina Wolkowa, Moskau

Russland warnt alle Seiten

In Russland glaubt man trotz aller akuten Spannungen, dass weder Nord- noch Südkorea oder die USA einen Krieg vom Zaun brechen wollen. Dennoch werden alle Beteiligten zu Zurückhaltung aufgefordert.

ndPlusRalf Streck, San Sebastian

Portugals Regierung erwartet ihr Urteil

Mit 131 gegen 97 Stimmen wehrte Portugals liberal-konservative Regierungsmehrheit den Misstrauensantrag der Sozialistischen Partei (PS) ab. Das ändert jedoch nichts daran, dass die Lage für Regierungschef Pedro Passos Coelho immer prekärer wird

ndPlusOlaf Standke

Die Eskalationsschraube dreht sich

Pjöngjang droht nun auch ganz offiziell mit einem Atomschlag und schickt eine Mittelstreckenrakete in den Landessüden, Washington verstärkt im Gegenzug seine Militärpräsenz in der Krisenregion - im Konflikt wird weiter an der Eskalationsschraube gedreht.

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»WeltTrends«: Russland und Deutschland

Potsdam (nd). Die neue Ausgabe der Zeitschrift für internationale Politik »WeltTrends« hat das Verhältnis von Deutschland und Russland zueinander zum Schwerpunkt. Experten beider Länder diskutieren aktuelle Probleme und Perspektiven zur Zukunft der weit über das Bilaterale hinausgehenden Beziehungen. In der Rubrik WeltBlick werden zudem die Entwicklungen in Südkorea, Japan, Côte d’Ivoire,...

1400 dubiose Angebote

Brüssel (AFP/nd). Der österreichische EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin hat nach eigenen Berechnungen in den vergangenen zwei Jahren Angebote von Lobbyisten im Wert von 65 000 Euro erhalten. »Das ist ein Schätzwert, der zurückhaltend angesetzt wurde«, sagte Martin der Nachrichtenagentur AFP. Nach seiner im Internet veröffentlichten Zählung kommt der fraktionslose Martin auf 1427 Lobby-Interventi...

Kay Wagner, Brüssel

Schummeln bei Verbrauchsangaben

Um die EU-Vorgaben für niedrige CO2-Werte zu erreichen, tricksen Autohersteller immer häufiger bei den Angaben für den Kraftstoffverbrauch. Das belegen neueste Studien.

ndPlusIngolf Bossenz

Abschied von Europa

Martin Schulz war der Erste. Kaum war das »Habemus papam« von der Mittelloggia des Petersdoms in Rom verklungen, hatte der neue Pontifex schon eine Einladung zum Redeauftritt im Europäischen Parlament. Schließlich sei Papst Franziskus »schon immer ein Mann des Volkes« gewesen.

Politik für Menschen, nicht Unternehmen

nd: Sie fordern in Ihrem gemeinsamen Papier ein Verbot von Unternehmensspenden nun auch auf EU-Ebene. Warum? Sharma: Im Bundestag fordern wir dies schon länger. Wir wollen, dass die Politik für Menschen gemacht wird und nicht für Unternehmen. Ein Unternehmen, das einer Partei etwas spendet, muss auch immer eine Gegenleistung erwarten. Das bedeutet, dass Parteien auch für die Unternehmen etwas...

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Umsätze über eine Milliarde

Wiesbaden (AFP/nd). 492 Unternehmen in Deutschland haben 2011 mehr als eine Milliarde Euro Umsatz gemacht. Das seien 46 Firmen mehr gewesen als im Jahr zuvor, erklärte das Statistische Bundesamt am Donnerstag. Demnach kamen die Umsatzmilliardäre zusammen auf Lieferungen und Leistungen (Umsatz ohne Umsatzsteuer) im Wert von 1,9 Billionen Euro. Das entsprach dem Amt zufolge 32,9 Prozent der Umsät...

Schiffbau unter Druck

Hamburg (dpa/nd). Die Schifffahrts- und Finanzkrise hat den deutschen Schiffbau deutlich Substanz gekostet. Allein in den vergangenen fünf Jahren mussten acht Werften sowie eine Reihe von Zulieferbetrieben aus dem Markt ausscheiden, heißt es in einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, deren Ergebnisse am Mittwoch vorgestellt wurden. Der Containerschiffbau, einst ...

TLG-Verkauf Sache für den Staatsanwalt?

Der Verkauf der bundeseigenen TLG-Wohnungen an Privatinvestoren könnte demnächst ein juristisches Nachspiel haben. Denn offenbar sind die ostdeutschen Länder bei dem Deal ganz bewusst um Steuereinnahmen in Höhe von 23,5 Millionen Euro gebracht worden, bestätigt Gysi.

ndPlusSilvia Ottow

Ein bisschen korrupt geht noch

Mit neuen gesetzlichen Regelungen will das Bundesgesundheitsministerium gegen Bestechlichkeit unter Ärzten, Apothekern, Pharmaherstellern und anderen Leistungserbringern vorgehen. Einige Akteure des Gesundheitssystems finden die Pläne zu lasch, bei 53000 Fällen.

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Protest bei Bosch Solar

Arnstadt (dpa/nd). Im Kampf für ihre Arbeitsplätze sind gestern Hunderte Beschäftigte von Bosch Solar im thüringischen Arnstadt auf die Straße gegangen. Nach einer Betriebsversammlung wollten sie sich zum Arnstädter Rathaus aufmachen, wo am Nachmittag laut IG Metall eine Kundgebung mit Kommunalpolitikern geplant war. Bosch hatte nach Verlusten in Milliardenhöhe den Ausstieg aus dem Solarg...

Anleihen mit historisch niedrigem Zinssatz

Paris (AFP/nd). Erstmals in seiner Geschichte hat Frankreich Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit zu einem Zinssatz unter zwei Prozent ausgegeben. Das Land lieh sich an den Finanzmärkten rund zwei Milliarden Euro zu einem historisch niedrigen Zinssatz von 1,94 Prozent, wie die staatliche Finanzagentur AFT am Donnerstag in Paris mitteilte. Zuletzt hatte der Zinssatz für solche Staatsan...

Keine strengeren Kontrollen für Tierfutter

Berlin (dpa/nd). Die Affäre um mit Schimmelpilz belastete Tierfutterimporte wird keine strengeren Kontrollen nach sich ziehen. »Die Bundesregierung hat keinen Anlass, an der zureichenden Kontrolle von Import-Futtermitteln durch die zuständigen Behörden der Länder zu zweifeln«, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. Der stellver...

Wolf H. Wagner, Florenz

Schnee ist lukrativer als Gold

Kein an der Börse notierter Titel erlangt solche Profite, wie der Handel mit Kokain. Keine andere waghalsige Spekulation rentiert sich in so kurzer Zeit und wirft einen solchen Geldfluss ab. Ein Geldfluss, der das Geschehen ganzer Kontinente beeinflussen kann.

ndPlusHermannus Pfeiffer

Interpol jagt Raubfischer

Weltweit gibt es mehr als 30 000 Fischarten. Viele davon sind gefährdet. Illegale Fischerei gefährdet Arten und destabilisiert ganze Küstenregionen. Die Internationale Kriminalpolizei-Organisation nimmt nun den Kampf gegen die maritimen Straftäter auf.

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Steuersünder zahlten nach

(dpa). Selbstanzeigen nach dem Kauf von Steuer-CDs haben seit 2010 fast 115 Millionen Euro in die Berliner Landeskasse gespült. Insgesamt erstatteten 1450 Steuersünder im Zusammenhang mit Geldanlagen in der Schweiz, Luxemburg und Liechtenstein Anzeige gegen sich selbst. 303 Anzeigen gab es allein im vergangenen Jahr, wie aus der Antwort der Senatsverwaltung für Finanzen auf eine Anfrage des SPD...

Juden wollen Neuwahl

(dpa). Der Unmut über die Spitze der Jüdischen Gemeinde in Berlin um den Vorsitzenden Gideon Joffe nimmt zu. Mehr als tausend der rund 9000 Mitglieder hätten bereits eine Petition für Neuwahlen zum Gemeindeparlament unterschrieben, wie die Initiatoren mitteilten. Für Neuwahlen müssen etwa 2000 Unterschriften zusammenkommen, eine Frist dafür ist nicht vorgesehen. Nach Prüfung der Unterschriften ...

318 Mal Gewalt

(dpa). In Berliner U-Bahnen, Bussen, Trams und auf Bahnhöfen hat es im vergangenen Jahr mehr als 3000 Gewalttaten gegeben. Insgesamt wurden 3183 Fälle von Körperverletzung, Raub, Nötigung und Sexualstraftaten aufgezeichnet, wie aus einer Antwort der Innenverwaltung auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck hervorgeht. Das seien rund 700 Fälle weniger als 2011. Die Berline...

Hickhack am Wassertisch

Die Stimmung auf der Pressekonferenz des Wassertisches war mehr als nur angespannt. Die Initiative hatte zur Vorstellung seiner Organklage gegen die Wasserverträge geladen. Sollten sich eine oder mehrere Fraktionen im Abgeordnetenhaus dafür entscheiden, so würde ein vom Wassertisch engagierter Jurist die Klage ausarbeiten und einreichen. Für 30 000 Euro. Laut Arbeitskreis der unabhängigen Juris...

Sarah Liebigt

Wassertisch fordert Klage

Der Berliner Wassertisch hat das Abgeordnetenhaus zu einer neuen Klage gegen die Wasserverträge aufgefordert. Auch nach dem Rückkauf der RWE-Anteile sei der komplette Vertrag einschließlich einer »verfassungswidrigen Gewinngarantie« weitergeführt worden, so die Kritik.

ndPlusHarald Neuber

Auch Berlin spart bei den Griechen

nd: Der Berliner Senat will dem Griechischen Kulturzentrum in Berlin-Steglitz die Fördergelder streichen. Welche Folgen hätte das? Thiesing-Kostopoulou: Die Vereine wären dann nicht mehr in der Lage, die laufenden Kosten zu tragen und das Zentrum müsste nach über zwei Jahrzehnten schließen. Aber nach der Argumentation der Senatsverwaltung wurde in den Räumen der Gemeinde gegen das Rauch...

Rainer Balcerowiak

Nadelstiche gegen Ferienwohnungen

Nach monatelangem Gezerre zwischen den Koalitionsfraktionen SPD und CDU will der Senat demnächst ein Gesetz auf den Weg bringen, durch das die gewerbliche Nutzung von Mietwohnungen in Stadtquartieren mit besonders angespannter Wohnraumversorgung unterbunden werden soll.

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»Oper neu denken«

(dpa). Mehr Operette und Musical - unter Intendant Barrie Kosky setzt die Komische Oper Berlin verstärkt auf die leichte Muse und wird dafür vom Publikum belohnt. »Wir gehen Risiken ein«, sagte der Australier bei der Vorstellung des Programms am Donnerstag. Er wolle »Oper neu denken« und das ganze Spektrum des Musiktheaters abbilden. Ein Schwerpunkt liegt in der nächsten Saison auf Werken aus d...

Atelierhaus vor dem Abriss?

Knapp 90 KünstlerInnen arbeiten momentan im Atelierhaus Prenzlauer Promenade. Nun soll das Bürogebäude, in dem früher einige Institute der Akademie der Wissenschaften der DDR beheimatet waren, auf Beschluss des Finanzsenats abgerissen werden. HERBERT MONDRY ist entsetzt.

ndPlusHoussam Hamade

Lauter alte Hüte

Wenn Männer der Welt ihren Zorn mitteilen wollten, dann riefen sie bis vor einigen Jahrzehnten noch aus, dass ihnen »gleich die Hutschnur« platze. Das wirkt fast so, als wäre der Hut ein Teil des Körpers. Das ist heute anders und so nicht mehr richtig nachvollziehbar.

ndPlusLucía Tirado

Der Liebe folgen oder lieber nicht?

Tragisch ist das Ende und gut inszeniert. Zum Tode entschlossen, verfasst Werther seinen Abschiedsbrief. Die Darsteller von Lotte und Albert erzählen leise im Hintergrund das Ende der Geschichte. Wie schon in vorhergehenden Szenen bekommt das Spiel hier etwas Dokumentarisches.

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Neue Stasi-Beauftragte

Magdeburg (dpa/nd). Mit Birgit Neumann-Becker hat Sachsen-Anhalt nach fast dreijähriger Unterbrechung wieder eine Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen. Die Pfarrerin erhielt die Ernennungsurkunde am Donnerstag von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) in Magdeburg. Die fast dreijährige Vakanz war einer Reihe rechtlicher Streitigkeiten nach der Entlassung von Neumann-Beckers Vorgänger Ge...

ndPlusJérôme Lombard

Auf Spurensuche

Die Stolpersteine in der Friedenauer Stierstraße und der angrenzenden Fregestraße strahlen wieder in neuem Glanz. Engagierte Anwohner hatten sich vergangenen Dienstag zusammengefunden und gemeinsam 40 Gedenksteine von den Spuren wiederholter Schändung befreit.

Dieter Hanisch, Bad Malente

Konzept für Gedenkstätten gesucht

Die von SPD, Grünen und SSW getragene Landesregierung Schleswig-Holsteins will erklärtermaßen das Gedenken an die Verbrechen der Nazi-Diktatur im Land besser fördern. Kulturministerin Anke Spoorendonk bezeichnete den bisherigen Umgang als ein Wegschieben der Verantwortung.

Kirstin MacLeod, dpa

Meditation und Gymnastik für Trümmerfrauen

»Pah, Pah, Pah!«, laute Schreie hallen durch die Senioren-Wohnanlage in der Herthastraße in Berlin-Grunewald. Acht Frauen sitzen im Kreis und reißen die Arme in die Luft. »Und nochmal lauter!«, ruft Renata Adly. Die 77-Jährige bietet ehrenamtlich Gymnastik und Meditation für »ihre Damen aus der Herthastraße« an. Die Frauen, die Adly betreut, sind noch älter als sie selbst: zwischen 84 und 95 Ja...

ndPlusPaul Winterer, dpa

Empörung am Tegernsee

Ein geplanter Steg am Ostufer des bayerischen Tegernsees erhitzt vor Ort die Gemüter. Die Stadtväter preisen das Projekt als Bereicherung für den Tourismus an. Die betroffenen Grundstücksbesitzer und Teile der Bevölkerung sind strikt dagegen.

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Insektizid aus der Kanone

Potsdam (dpa). Potsdam wird in diesem Jahr erstmals mit dem Insektizid »Dipel Es« gegen den Eichenprozessionsspinner vorgehen. In sechs besonders stark betroffenen Bereichen der Stadt soll das Mittel mit Gebläsekanonen vom Boden aus in die Kronen der Eichen geblasen werden, teilte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) gestern mit. Daneben sollen Schädlingsnester auch weiter manuell abgesaugt werd...

Grenzenlos hilfreich

Berlin/Pilsen (AFP/nd). Deutsche und tschechische Rettungsdienste sind bei Notfällen künftig beiderseits der Grenze im Einsatz. Es könne derjenige Dienst helfen, der dem Unfallort am nächsten sei, erklärte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) am Donnerstag nach der Unterzeichnung eines entsprechenden Abkommens mit seinem tschechischen Amtskollegen Leos Heger in Pilsen. Dadurch soll die U...

Ein neuer Flughafen für die Provinz

Wiesbaden (nd-Öfinger). Begleitet von Zweifeln, Kritik und Spott haben Spitzenvertreter von Politik und Wirtschaft am Donnerstag den neuen internationalen Verkehrsflughafen Kassel-Calden offiziell eingeweiht. Der neue Airport ist aus einem Luftlandeplatz für Kleinflugzeuge nordwestlich von Kassel entstanden. Die Baukosten waren zur Jahrtausendwende auf rund 100 Millionen Euro veranschlagt worde...

Garnisonkirche weiterhin umstritten

Potsdam (epd/nd). Die Debatte über den geplanten Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche findet kein Ende. Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) sprach sich in der Berliner Wochenzeitung »Die Kirche« (Ausgabe vom 7. April) erneut für die Rekonstruktion der 1933 von den Nazis zur Reichstagseröffnung genutzten Barockkirche aus. Der Wiederaufbau ist vor allem wegen dieser ...

Hans-Christian Wöste, dpa

Verbotene Insel

Frühjahrsputz auf der Vogelinsel: Nach der Winterpause bezog der Inselvogt kürzlich wieder die einsame Insel Memmert im niedersächsischen Wattenmeer. Bis zum Oktober bleibt er dort weitgehend allein.

ndPlusUwe Kraus, Magdeburg

Eltern sein dagegen sehr ...

Die ersten Jahre eines Kindes sind die wichtigsten für Gesundheit, Bildung und Teilhabe. Für viele Eltern sind diese Jahre jedoch auch die schwierigsten. Die ELTERN-AG hilft - sie ist ein besonderer Elternkurs, speziell für Familien in besonders belastenden Lebenssituationen.

Wilfried Neiße

Selber um uns selber kümmern

Wenn das der König wüsste! 200 Jahre nach den Versuchen der preußischen Monarchen, Brandenburg zu »peuplieren«, also zu besiedeln, steht diese Aufgabe wieder auf der Tagesordnung. Als hilfreichen Geist stellte Sozialminister Günter Baaske (SPD) gestern den Dorfkümmerer vor.

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Lehrstuhl in Weimar

An der Weimarer Musikhochschule hat mit dem Sommersemester ein neuer Lehrstuhl für Geschichte der jüdischen Musik seine Tätigkeit begonnen. Die Leitung übernehme der Pianist und Musikwissenschaftler Jascha Nemtsov, sagte ein Sprecher der Hochschule am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst. Bis zu seiner Ernennung durch das Thüringer Wirtschaftsministerium nehme der Lehrstuhlinhaber seine Au...

»Nicht bei uns«

Das Theaterstück »Breiviks Erklärung« über den norwegischen Massenmörder Anders Breivik darf nicht im Münchner Haus der Kunst aufgeführt werden. »Wir haben eine Klausel im Mietvertrag, die rechtsradikale und antisemitische Inhalte ausschließt. Das umfasst auch Verharmlosung und Satire«, sagte Sprecherin Elena Heitsch am Donnerstag und bestätigte damit Medienberichte. Das Theaterstück des Schwei...

ndPlusIrene Constantin

Sprengt die Oper!

Die »Götterdämmerung« tragisch und tief ernst? - Martin Schüler las das Stück nicht so. Er spielte mit der Bilderwelt populärer Ästhetik und hielt den Stil der erheiternden Übertreibungen bis zur letzten Hoffnungsspur im erlösenden Des-Dur unfallfrei durch.

Hans-Dieter Schütt

Marski und Marx

Wieder sitzen sie in einer langen Reihe am Lesetisch, Dramaturg Hermann Wündrich leitet ein, Manfred Karge wird die Zwischentexte und Regieanweisungen lesen, das Foto des Autors prangt von der Wand des Gartenhauses im Berliner Ensemble. »Marski« von Hartmut Lange.

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Kein Bus, kein Gymnasium
ndPlusJürgen Amendt

Kein Bus, kein Gymnasium

Für Zehnjährige in Bayern fällt in den kommenden Wochen die Entscheidung, in welche Schulform sie nach dem Ende der vierten Klasse wechseln werden. Bayernweit bekommen etwa 40 Prozent aller Schüler eine Empfehlung für das Gymnasium. Ein genauerer Blick in die Statistik zeigt jedoch: In manchen Regionen der Ballungsräume gehen fast 90 Prozent aufs Gymnasium, in ländlichen Gebieten dagegen kaum e...

ndPlusKatharina Dockhorn

Gelungene Beispiele des Miteinanders

2009 hat Deutschland eine UNO-Konvention unterzeichnet, die das gemeinsame Lernen aller Kinder vorsieht. Europaweit ist Deutschland Schlusslicht bei der Umsetzung dieses Vorhabens. Nur jedes vierte Kind mit Behinderungen oder Lernschwächen lernt in einer Regelschule. 660 Millionen Euro würde die Neueinstellung von zusätzlichen Lehrern in den kommenden zehn Jahren kosten - das sind allerdings nu...

Lena Tietgen

Bessere Bildung für Hochbegabte

»Moderne Gesellschaften brauchen viele Menschen, die geistig flexibel sind, Neues erfinden und entdecken, bereit sind, Verantwortung zum Wohle aller zu tragen. Überdurchschnittliche Intelligenz ist dazu eine notwendige Voraussetzung«, schreiben die Psychologen Elsbeth Stern und Aljoscha Neubauer auf www.zeit.de (bit.ly/109xThg). Die Begriffe »soziale und emotionale Intelligenz« seien »zu schwam...

Guido Sprügel

Zugedröhnt im Klassenzimmer

Laut aktuellen Studien gibt es immer mehr Kinder mit einer »Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung« (ADHS). Die Verschreibungszahlen von Medikamenten wie Ritalin sind ebenfalls extrem angestiegen. Bekämpft Ritalin eine Krankheit oder hindert es gar am Lernen?

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Kein Strafverfahren gegen DJV-Chef

Bonn (epd/nd). Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Michael Konken, muss sich nicht vor Gericht wegen Untreue verantworten. Eine Verurteilung des Angeschuldigten sei »nicht überwiegend wahrscheinlich«, heißt es in einem Beschluss des Landgerichts Bonn. Damit lehnten die Richter die Eröffnung eines Hauptverfahrens ab. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen Konken ermittel...

Mehr Einstiegtarife über 10 Euro

Die tariflichen Löhne lagen 2012 real um knapp sieben Prozent höher als im Jahr 2000. Dagegen sanken die Bruttoverdienste (erfasst auch die Löhne ohne Tarifvertrag) inflationsbereinigt um 1,8 Prozent. Die Zahl sinkt zwar, aber elf Prozent der tariflichen Vergütungsgruppen sehen Einstiegslöhne im Niedriglohnbereich unter 8,50 Euro vor. Zwar dürften manche der unteren Tarifgruppen nur für recht w...

Ein Plädoyer für Hauptschüler

Berlin (dpa/nd). Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Wirtschaft aufgefordert, Hauptschülern wieder mehr Chancen auf dem Lehrstellenmarkt zu geben. »Weite Teile der Unternehmen haben Hauptschüler anscheinend abgeschrieben. Immer weniger Betriebe geben diesen jungen Menschen eine Ausbildungschance«, kritisierte die DGB-Vize-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock am Donnerstag. Die Gewerkscha...

ndPlusRichard Färber

Jeder für sich ins Aus

Dass sie nach der Insolvenz der »Frankfurter Rundschau« (FR) mit magersten Abfindungen in die Arbeitslosigkeit abgeschoben werden, wollen die bisherigen Beschäftigten nicht hinnehmen. Die SPD müsse sich im Wahlkampf auf den Besuch wütender Arbeitsloser einstellen, droht ver.di. In der Tat haben die früheren FR-Beschäftigten gute Gründe, um ihre Wut bei der SPD abzuladen. Denn während die SPD-Sp...

Peter Nowak

Streiken für die Rente

Der Streik gegen die Heraufsetzung des Rentenalters wurde in Frankreich zur Machtfrage.

ndPlusRainer Balcerowiak

Freie wollen mitbestimmen

Ob bei Arbeitszeiten, Gesundheitsschutz, Diskussionen über betriebliche Abläufen - beim Rundfunk Berlin Brandenburg haben Freie nichts zu melden. Das wollen sie endlich ändern und machen Druck auf die Landesregierungen. Die Gelegenheit ist günstig.

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Freitag: nd-Preisskat

Am Freitag, den 5. April, findet der alljährliche Oster-Preisskat am Berliner Redaktionssitz von »neues deutschland« statt (Franz-Mehring-Platz 1, Nähe Ostbahnhof). Spielbeginn im Münzenbergsaal ist 18 Uhr, der Spieleinsatz beträgt zehn Euro.

Günter Bork, SID

Blöd gelaufen

Nachdem das Gefühlschaos verarbeitet war, ließ die Trotzreaktion nicht lange auf sich warten. »Noch einmal 90 Minuten wird es nicht geben, in denen wir nicht treffen«, verkündete Hans-Joachim Watzke nach einem erneut starken Champions-League-Auftritt von Borussia Dortmund, der nur einen Makel hatte. »Es fehlte uns der Punch«, klagte der Klubchef nach dem 0:0 im Viertelfinalhinspiel beim FC Mala...

Jörg Soldwisch, SID

Das Karnickel geht schnorren

Mark Warnecke war schon immer das, was man positiv verrückt nennt. Ein Mann, der eigene Wege geht und damit in der Vergangenheit meist Erfolg hatte. Jetzt kehrt der Ex-Weltmeister im Alter von 43 Jahren ins Wettkampfbecken zurück.

Andreas Morbach

Halali in der Pfalz

Erst am siebten Spieltag gelang dem 1. FC Köln der erste Sieg. Ein halbes Jahr später steht der Klub auf Platz drei, den er heute beim Vierten in Kaiserslautern verteidigen will. Dafür sollen nicht zuletzt die 7000 FC-Fans, die in die Pfalz mitkommen werden, sorgen.