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Unten links

Die wichtigste Erkenntnis dieser Woche verdanken wir einem von der pakistanischen Regierung in Auftrag gegebenen Untersuchungsbericht. Laut diesem trug der inzwischen tote Terroristenchef Osama bin Laden in seinem pakistanischen Domizil einen Cowboyhut, um »von oben« nicht erkannt zu werden. Der Mann war also sowohl auf der wie unter dem Hut. Nun wissen wir auch, warum George W. Bush so gern ei...

ndPlusFabian Lambeck

Masse statt Klasse

»Ein schlechter Kitaplatz ist keinesfalls besser als gar keiner«, meinte Wolfgang Stadler, der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, am Donnerstag. Er spielte damit auf die Jubelmeldungen der Bundesfamilienministerin an, die verkündete, dass ab August ausreichend Betreuungsplätze für unter Dreijährige bereit stünden. Sicher, man muss Bund, Ländern und Gemeinden zugestehen, dass sich se...

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Bekannt als Mister Euro

Er ist ohne Zweifel der in Deutschland bekannteste Luxemburger. Gemessen an Medienauftritten schlägt er die Spitzenpolitiker weit größerer Staaten um Längen. Was nicht zuerst daran liegt, dass er bereits seit 18 Jahren an der Spitze des luxemburgischen Kabinetts steht und damit der dienstälteste Regierungschef der Europäischen Union ist. Vielmehr hat ihn das Amt des Vorsitzenden der Euro-Gruppe...

Die Affäre »Bommeleeër«

Die sogenannte Bombenlegeraffäre war nicht der unmittelbare Anlass der luxemburgischen Regierungskrise. In den 80er Jahren, als das kleine Land eine Serie von Anschlägen erlebte, war Juncker noch nicht im Amt. Aber auch in diesem Fall fiel ein Verdacht auf den Geheimdienst.

ndPlusAnina Valle Thiele, Luxemburg

Endet die Juncker-Ära?

Man sollte meinen, ein kleiner Staat wie Luxemburg mit reichlich einer halben Million Einwohner habe gar keinen Geheimdienst, weil ohnehin jeder jeden kennt. Weit gefehlt: Der Dienst des Großherzogtums stellt sogar den Premierminister vor ein Dilemma.

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Courage und das Gegenteil

Bereits 2002 hatte sich ein Bündnis gegen einen geplanten Naziaufmarsch in Sangerhausen formiert. Auch damals war es von allen im Sangerhäuser Stadtrat und Kreistag vertretenen demokratischen Parteien sowie Gewerkschaften, Vereinen und Verbänden getragen. Es gibt also gute Ansätze zur Verteidigung der Demokratie, im aktuellen Aufruf heißt es dennoch: »Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass ...

René Heilig

Rechtsrock bei Barbarossa

Im August steht Sachsen-Anhalt ein Rechtsrockfestival ins Land. Über 1000 Neonazis aller Schattierungen wollen offenbar Barbarossa rocken. Ein Bündnis möchte die ungebetenen Gäste vertreiben, damit die Raben weiter in Ruhe kreisen können.

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Wolfgang Hübner

Friedrichs Klartext

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, der gern mit markigen Sprüchen beispielsweise über Flüchtlinge den starken Mann spielt, ist am Donnerstag nach Amerika geeiert. Er will in Gesprächen mit US-Behörden Näheres über das Ausmaß der Datenschnüffelei von US-Geheimdiensten in Europa, auch in Deutschland erfahren. Gern hat er sich nicht auf den Weg gemacht; die Bundesregierung zeigt keine große...

Das Verursacherprinzip

Europa ist nicht abgeschottet von der Welt. Also hat seine Krise nicht nur verheerende Auswirkungen in Ländern wie Spanien, Griechenland, Italien, Irland und Portugal. Wie die Studie des Bündnisses »Steuer gegen Armut« zeigt, leiden auch die Entwicklungsländer an den Auswirkungen der europäischen Rezession. Diese Entwicklung wirkt der Erreichung der UN-Millenniumsziele entgegen.

ndPlusIngolf Bossenz

Notwendige Inquisition

Dass der Geist willig, aber das Fleisch schwach ist, war schon vor dem Evangelisten Matthäus so, der dieses Diktum prägte. Im Unterschied zu dessen stilistischem Wohllaut ist der sogenannte Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche eine ausgesprochen hässliche Angelegenheit. So hässlich, dass wohl viele Prälaten froh sind, dieses Ärgernis vom warmen Licht der Menschlichkeit des neuen Papstes überstrahlt zu sehen

Ehrgeizig

Die Fußstapfen sind groß: Die Südafrikanerin Phumzile Mlambo-Ngcuka wird Nachfolgerin der ehemaligen Präsidentin Chiles, Michelle Bachelet. Mit deren Arbeit an der Spitze der erst 2010 gegründeten UN Women war Generalsekretär Ban Ki Moon zwar ausdrücklich zufrieden, doch von ihrem Rücktritt vor wenigen Monaten vermochte er sie nicht abzuhalten: Der Ruf der Heimat war zu stark. Bachelet hat gute...

ndPlusBirgit von Criegern

Hilft die EU Palästina?

nd: Sie studieren an der palästinensischen Universität Birzeit und arbeiten für die Organisation Al-Haq in Ramallah, Mitglied des Europa-Netzwerks für Menschenrechte. Wie beschreiben Sie die Alltagssituation in den besetzten Gebieten? Quran: Alle Lebensaspekte unterliegen einer restriktiven Kontrolle der Besatzung: zum Beispiel die Bewegung im Gebiet und der Zugang zu natürlichen Ressourcen. ...

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Friedrich will Spionageaffäre aufklären

Antworten der USA auf drängende Fragen zu den Spähvorwürfen lassen auf sich warten. Nun reist Innenminister Friedrich nach Washington, um mehr zu erfahren. Er wirbt für Fairness gegenüber dem Verbündeten. Die Opposition indes schlägt andere Töne an: Sie kritisiert das Krisenmanagement von Kanzlerin Merkel.

ndPlusRainer Balcerowiak

Harmonie im Hungerlohnbereich

850 Euro wollen SPD und Grüne als Mindestlohn nach der Bundestagswahl durchsetzen. Möglichst in einer rot-grünen Regierung. Eine gemeinsame Präsentation ihrer Vorstellungen am Donnerstag in Berlin sollte dies deutlich machen, blieb aber nicht ohne Widerspruch.

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Heftiger Streit im NSU-Prozess

Erstmals kommt es in NSU-Prozess zu heftigem Streit um die Arbeit der Polizei. Ein Opferanwalt wirft einem Ermittler vor, er hätte rechtsradikale Hintergründe im Mordfall Kilic prüfen müssen. Der frühere Leiter der Münchener Mordkommission verteidigt dagegen seine Kollegen.

ndPlusJohanna Treblin

Hohe Hürden verhindern mehr Volksentscheide

Die Erfolgsquote von Volksbegehren liegt in Deutschland bei rund 30 Prozent. Der Verein »Mehr Demokratie« legte seinen Volksbegehrensbericht 2012 vor. Darin zieht der Verein eine positive Bilanz der Instrumente direkter Demokratie in Deutschland.

Hendrik Lasch, Dresden

Justiz in der Vertrauenskrise

Am 2. Juli endete der Prozess gegen den Jenaer Jugendpfarrer Lothar König vorläufig mit einem Paukenschlag: Das Verfahren wurde ausgesetzt. Sachsens Opposition rügt die Regierung für Justizmängel, auf Antrag der Grünen befasste sich der Landtag in Dresden mit dem Verfahren.

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Fragen an den Vatikan

Das Kinderrechtskomitee der Vereinten Nationen (UNCRC) hat den Vatikan aufgefordert, Auskunft über Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker zu geben. Das UNCRC dringt in einem Katalog darauf, die dem Vatikan bekannten Fälle und seinen Umgang mit den Vorwürfen offenzulegen.

ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Russland: C-Waffeneinsatz in Syrien

Als Moskaus UNO-Botschafter Witali Tschurkin am Dienstag in New York mitteilte, die syrischen Rebellen hätten am 19. März bei Aleppo eine Rakete mit dem Giftgas Sarin eingesetzt, meldeten die USA massive Zweifel an.

ndPlusRoland Etzel

Menetekel Bürgerkrieg auch in Irak

Irak steht vor einem Bürgerkrieg. Das ist die Quintessenz des Berichts einer UN-Arbeitsgruppe, der am Mittwochabend im Hauptquartier der Vereinten Nationen veröffentlicht wurde. Die Gewaltstatistiken aber besorgniserregend.Doch: das alles ist nicht neu.

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Dominic Heilig, Porto

Einigkeit im Abseits

Zu vier Tagen Austausch lud die Europäische Linke (EL) nach Porto. Die achte Auflage der EL-Sommeruniversität fand unter dem Titel »Como mudar a Europa« (Europa verändern) statt. Die Sommerstudien fielen in die Zeit einer sich politisch wie sozial zuspitzenden Lage.

Austerität auch in EU-Brüssel

Habemus Reform Beamtenstatut – so werden sich viele Beteiligte bei der Verkündigung über erfolgreiche Ende der Verhandlungen zum neuen Tarifvertrag der Beschäftigten der Europäischen Union gefühlt haben. Mehr als eineinhalb Jahre Verhandlungen waren dem vorausgegangen.

Stephan Lindner

Im Prozess zu einem anderen Europa

Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel, denken sich wohl die Organisatoren des Alter Summit Anfang Juni in Athen. Denn das europaweite Treffen von sozialen Bewegungen wird mit weiteren Zusammenkünften und Aktionen fortgesetzt.

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ndPlusHaidy Damm

Praktiker am Ende

Der lange Winter hat das Fass zum Überlaufen gebracht: Die Sanierung der Baumarktkette Praktiker ist gescheitert. Der Weg in die Insolvenz sei für die rund 6000 Beschäftigten eine »menschliche und existenzielle Tragödie«, kritisiert die Gewerkschaft ver.di.

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Nordseewind nur wenig genutzt

Berlin (dpa/nd). Die Bundesregierung wird ihre bis zum Jahr 2020 gesteckten Ziele für den Bau neuer Nordsee-Windparks voraussichtlich klar verfehlen. Ein Projektbericht für den Netzbetreiber Tennet kommt zu dem Ergebnis, dass bisher nur Windparks mit einer Leistung von 2900 Megawatt überhaupt über eine Finanzierung verfügen. Die Analyse liegt der Deutschen Presseagentur vor. Auch in Regierungsk...

Burkhard Ilschner

Weser bleibt zunächst unvertieft

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat am Donnerstag für eine kleine Sensation gesorgt – und im gesamten Nordwesten der Republik ein politisches Beben ausgelöst: Im Streit um die geplante Weservertiefung rief das Gericht auf Grund der Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in mehreren Detailfragen den Europäischen Gerichtshof (EuGH) an. Das Verfahren wurde aus...

Simon Poelchau

Eurokrise bestraft arme Staaten

Die Eurokrise macht die Menschen arm. Nicht nur in Europa: Die Entwicklungsländer litten allein im Jahr 2012 unter einem Wachstumsverlust von rund 185 Milliarden Euro auf Grund der Rezession in der Eurozone. Dies geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten Gutachten hervor.

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Überwachung wird kritisiert

(dpa/nd). Die Zahl der Beschwerden über unzulässige Überwachungskameras beim Berliner Datenschutzbeauftragten Alexander Dix nimmt zu. Im öffentlichen Raum der Hauptstadt gab es im August 2012 knapp 12 000 Kameras, wie aus Zahlen der Innenverwaltung hervorgeht (neuere Zahlen liegen nicht vor). Das waren laut Dix fast ausschließlich Überwachungskameras in den U-Bahnen. »Das ist nur ein Bruchteil ...

Nicht so ängstlich

Geht es nach Innensenator Frank Henkel, dürfen die Berliner genau 42 Tage nach der Bundestagswahl noch einmal an die Urnen treten: Zur Abstimmung über die Rekommunalisierung des Stromnetzes und die Gründung eines landeseigenen Stadtwerkes. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

TU arbeitet Nazi-Zeit auf

(epd/nd). Die Technische Universität Berlin (TU) hat sich für die Vertreibung jüdischer Wissenschaftler und Studenten im Nationalsozialismus entschuldigt. Die Hochschule habe »in einem wesentlichen Maße Schuld auf sich geladen«, sagte TU-Präsident Jörg Steinbach am Mittwochabend bei der Präsentation neuer Forschungsergebnisse über die Vorgängereinrichtung Technische Hochschule Berlin (TH). ...

Streit um Termin für Volksentscheid

Die Berliner erfahren voraussichtlich an diesem Dienstag, wann sie über den Kauf des Stromnetzes und die Gründung von Stadtwerken durch das Land abstimmen können. Es ist die letzte reguläre Sitzung der Landesregierung vor Ablauf der gesetzlichen Frist, einen Termin festzulegen. Der Energietisch, die Grünen und die Linkspartei forderten, dass die Bürger am Tag der Bundestagswahl am 22. September abstimmen dürfen.

Malene Gürgen

Wer ist hier das Problem?

Dass in Berlin Wohnungen in heruntergekommenen Häusern zu Wucherpreisen an Familien aus Rumänien und Bulgarien vermietet werden, ist kein Geheimnis. So erklären Hausverwalter offen, dass dies aus Vermietersicht vorteilhaft sei, da es unter anderem weniger Beschwerden gäbe.

ndPlusMarina Mai

Stimmen der Vernunft

Zwei Tage nach dem Eklat um eine Informationsveranstaltung zu einem Flüchtlingsheim in Hellersdorf haben Land und Bezirk bekräftigt, dass sie an dem Standort festhalten. Die ersten Flüchtlinge sollen noch im Juli einziehen.

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Documenta: Erste Professorin

(dpa). Die Berliner Kunsthistorikerin Dorothea von Hantelmann wird erste Documenta-Professorin an der Kunsthochschule Kassel. Die zunächst auf zwei Jahre angelegte Gastprofessur solle dazu beitragen, die Documenta in den Jahren zwischen den Ausstellungen sichtbarer zu machen, teilte die Universität am Donnerstag mit. Die weltweit wichtigste Schau zeitgenössischer Kunst wird alle fünf Jahre in K...

Dieter Wolf

Der prophezeite Tod

Im Zorn hatte er sein tragisches Ende geweissagt. Da war er gerade mal 60 Jahre alt. Es ist gut, dass Berlin den vor 50 Jahren, am 12. Juli 1963, verstorbenen DEFA-Regisseur Slatan Dudow nicht vergessen hat, im Zeughauskino jetzt seine Filme gezeigt werden. 1922 sucht der gebürtige Bulgare und Eisenbahnersohn sein Glück im kunstbewegten Berlin. Er probiert es an einer Schauspielschule, st...

Thomas Blum

Sprechen, Sitzen, Stehen, Saufen

Die Admiralbrücke, Kreuzbergs Open-Air-Wohnzimmer, bleibt ein Ort der Auseinandersetzung: Die einen möchten dort sitzen und trinken, andere wollen das urbane Nachtleben unterbinden. Der „Tagesspiegel“ sieht in den Feiernden die „europäische Elite von morgen“.

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Schweriner Ex-Minister muss wohl vor Gericht

Rostock (dpa/nd). Mecklenburg-Vorpommerns Ex-Wirtschaftsminister Otto Ebnet (SPD) muss wegen der Fördermittelvergabe beim Bau der Jachthafenresidenz Hohe Düne in Warnemünde aller Voraussicht nach vor Gericht. Die Rostocker Staatsanwaltschaft schloss nach mehr als zweijährigen Ermittlungen ihre Untersuchungen ab und erhob gestern Anklage gegen Ebnet. Dem heute 68-Jährigen werden Beihilfe zum Sub...

Mit 220 Sachen übers Tempelhofer Feld

(dpa/nd). Die Vorstellung hatte fast schon staatsmännische Ausmaße: Eine Rede vor dem Brandenburger Tor und eine Fahrt mit Polizeieskorte am Reichstag und an der Siegessäule vorbei. Mit ihrer Deutschland-Präsentation in Berlin gab die Formel E schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf ihre großen Ziele. »Formel E ist mehr als nur ein paar Autos, die Rennen fahren. Wir nennen es eine stille Revol...

ndPlusHagen Jung

Nazi droht aus dem Knast heraus

Ernsthaft bedroht sieht sich die linke Organisation »Rote Hilfe« von einem Rechtsextremisten, der zurzeit in der Justizvollzugsanstalt im niedersächsischen Rosdorf einsitzt. Der Mann hat Schusswaffengebrauch gegen politische Gegner angekündigt.

Nicolas Šustr

Die Nadel im Heuhaufen

»Schöne helle Einzimmerwohnung mit großer Wohnküche«, so preist der Makler das Objekt in der Neuköllner Weisestraße. 34 Quadratmeter für 399 Euro kalt, die sogenannte Wohnküche ist das Zimmer mit einer Küchenzeile. Trotzdem besichtigt Herr B. die Wohnung, denn er ist wohnungslos.

Renaissance der Platte
ndPlusBirgit Zimmermann, dpa

Renaissance der Platte

Leerstand und Abriss waren lange bestimmend in ostdeutschen Plattenbauvierteln. Doch der Trend kehrt sich langsam um. Wohnen in der Platte wird wieder attraktiver. Das Problem der Platte, da sind sich Quartiermanager, Bewohner und Vermieter einig, sei nach wie vor das Image.

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Drei tote Badegäste in vier Tagen

Das sonnige Wetter lockt zum Baden, aber die Gefahren an Buhnen, Molen und Seen werden immer wieder unterschätzt. Zu Beginn der Saison häufen sich in Mecklenburg-Vorpommern die Unfälle. Rostock/Stralsund (dpa/nd). Die Badesaison hat an der Ostsee mit einer Serie von Boots- und Badeunfällen begonnen. Innerhalb von vier Tagen starben zwei Kinder und ein Rentner. Eine Frau schwebt noch in Le...

Volker Stahl, Hamburg

Unerwünschte Nebenwirkung

Das ging nach hinten los: Nicky W. verkaufte im Stadtteil St. Pauli Hanfsamen in Automaten an »Schmerzpatienten«. Die Staatsanwaltschaft beendete den Handel und nahm die Geräte mit. Der Betreiberin droht eine Anklage wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Peter Nowak

»Richterlicher nationaler Widerstand«

»Der Geheimdienst hat mich nachts abgeholt und beschuldigt, für die Islamisten zu arbeiten. Sie wollten Geld von mir und haben mir gedroht, das nächste Mal verschwinde ich ohne jede Nachricht. Ich hatte Angst.« Diese Geschichte von Verfolgung und Angst erzählt ein junger Tschetschene einem Journalisten der Sendung »Report Mainz«, die am 2. Juli ausgestrahlt wurde. Ein Landsmann von ihm hat eben...

ndPlusSarah Liebigt

Strukturelles Chaos

Das Asylgefängnis Eisenhüttenstadt bleibt in den Schlagzeilen. Seit Mittwoch Nacht befindet sich der georgische Häftling Gigi Grigalaschwili im Krankenhaus. Der 21-Jährige hatte sich in der Nacht zu Donnerstag mehrere Schnittverletzungen an Armen und Bauch zugefügt.

ndPlusCarsten Hoefer, dpa

Drei sind eine Demo - ver.di verklagt Bayern

Für eine politische Versammlung braucht es in Bayern nicht viel - drei Mann genügen. Das hat zu Bußgeldverfahren gegen Gewerkschaftsmitglieder geführt. Die Gewerkschaft ver.di will nach Karlsruhe ziehen.

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Women for Peace

Oscar-Preisträgerin Nicole Kidman wird am Freitag in Berlin für ihren Einsatz für die Rechte von Frauen geehrt. Die Stiftung Cinema for Peace zeichnet die Schauspielerin und UN-Women-Sonderbotschafterin bei einer Gala mit einem Ehrenpreis aus. Kidman setzt sich vor allem für Frauen in aller Welt ein, die Opfer von sexueller Gewalt geworden sind. Auch Lakshmi Puri, die stellvertretende Generalse...

Klang von 59 Glocken

Das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) plant erstmals eine Ausstellung nur mit Geräuschen. Unter anderem werden der Lärm einer Fabrik in Taiwan, der Klang von 59 Glocken in New York und die Geräusche von Fledermäusen zu hören sein, teilte das Museum in Manhattan am Mittwoch mit. Weitere Werke würden unter anderem nicht hörbare Klänge auf verschiedene Art und Weisen sichtbar machen. Unter de...

Proben auch nach Spanien

Die Todesursache des 1973 gestorbenen chilenischen Poeten Pablo Neruda soll auch in einem Labor in Spanien untersucht werden. Drei Monate nach der Exhumierung des Nobelpreisträgers hat der Richter Mario Carroza eine neue Entsendung von Proben der Überreste genehmigt, die im gerichtsmedizinischen Dienst der Universität von Murcia nach Vergiftungsanzeichen analysiert werden sollen. Dies teilte am...

Ruth Renée Reif

Erstaunliche Welten

Als Friedrich Schiller 1795 seine »Horen« ins Leben rief, waren ihnen gerademal zwei Lebensjahre vergönnt. Dann mussten sie mangels Leserinteresse ihr Erscheinen einstellen. Den »horen«, die der Schriftsteller Kurt Morawietz im Schillerjahr 1955 mit einer Startauflage von zehn Exemplaren - maschinengeschrieben mit neun Durchschlägen - herausbrachte, war mehr Glück beschieden. Mehrfach ausgezeic...

ndPlusUrsula Wöll

Häuser zum Mitwachsen

Noch bis zum 1. September läuft die Ausstellung »Think global - Build social! - Bauen für eine bessere Welt« im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main. Mit 22 Projekten aus aller Welt erinnert sie an die soziale Relevanz von Architektur.

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ndPlusLena Tietgen

Blinder Eifer

Die 2001 gegründete private Jacobs-Hochschule in Bremen kämpft schon länger um ihren Erhalt. Statt Insolvenz kam man hier auf die Idee, der Wirtschaft passgenaue Manager anzubieten. Statt allgemeiner Wirtschaftswissenschaft werden diese explizite Wünsche einzelner Firmen bedienen können. Die Firmen, so die Idee, skizzieren ihre Bedarfe, auf die das Studium ausgerichtet wird – gegen Bezahlung. ...

Sparen in NRW

Da staunte man nicht schlecht, als in Dortmund die ganze Klasse 2a der Steinhammer Grundschule sitzen bleiben sollte. Auf die Erkrankung der Lehrerin habe die Schule statt mit Vertretung mit Unterrichtsausfall reagiert und erst ab März für Abhilfe gesorgt. Dies, obwohl die Eltern ständig protestiert hätten.

Rent a teacherman

Nur noch gut zehn Prozent der Lehrenden an Grundschulen sind Männer. Jetzt versuchen Hochschulen gegenzusteuern und männliche Studienanfänger für diesen Beruf zu motivieren. So vermittelt beispielsweise ein Bremer Uni-Projekt Lehramtsstudenten an »männerfreie« Grundschulen. Über die Ziele des Projekts sprach Thomas Gesterkamp mit Christoph Fantini, dem Leiter der Initiative »Männer in die Grundschule« an der Universität Bremen.

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Jörg Meyer

Scheinbar sicher

17 Bekleidungsfirmen aus den USA und Kanada, darunter Branchenriesen wie Walmart oder GAP, wollen dem am Montag in Kraft getretenen Abkommen zu Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch nicht beitreten. Sie haben nun ein eigenes Programm angekündigt.

Oliver Eberhardt, Kairo

Streiken bleibt eine Straftat

Ägyptens Arbeiter haben große Hoffnungen in den Sturz von Präsident Mohammad Mursi gesetzt. Denn nicht nur ist die wirtschaftliche Lage katastrophal; auch um die Rechte der Arbeitnehmer ist es nicht gut bestellt. Nun zeigt sich: Auch die Übergangsregierung will daran nichts ändern.

ndPlusMarcus Meier

Lebensadern verstopft

Auf deutschen Flüssen stauen sich Güterschiffe, weil ver.di die Schleusen dicht macht. Die Gewerkschaft streikt gegen eine Umstrukturierung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, bei der tausende Arbeitsplätze und die Sicherheit der Schleusen gefährdet seien.

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3. Etappensieg für Kittel

Marcel Kittel hat die zwölfte Etappe der 100. Tour de France gewonnen und damit bereits seinen dritten Tagessieg geholt. Der Fahrer vom Team Argos-Shimano holte sich am Donnerstag nach 218 Kilometern von Fougères nach Tours den Sieg im Massensprint knapp vor dem britischen Ex-Weltmeister Mark Cavendish und dem Slowaken Peter Sagan. Kittel sorgte insgesamt bereits für den fünften deutschen Etapp...

Tom Mustroph, Tours

Der Tote darf ein Held bleiben

Seltsame Blüten treibt der Radsport. Da bequemt sich eine französische Senatskommission, Ergebnisse von Dopingnachtests, die bereits geschlagene neun Jahre vorliegen, endlich zu veröffentlichen. Doch diese Erkenntnisse sollen erst nach der 100. Tour bekannt gegeben werden.

ndPlusThomas Dudek

Der Profi, der nie einer war

Sorin Oproiescu sucht seit Jahren vergeblich einen Verein, der ihn als Profifußballer anstellt. In Kraków hätte er es fast geschafft, hätte nicht ein Fan seinen Betrug erkannt. Oproiescu will trotzdem weitermachen und kündigte an, sich anderswo um einen Vertrag zu bemühen.