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Unten links

Mehr als jeder dritte deutsche Handybesitzer nimmt Phantom-Anrufe wahr, ergab eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom: 39 Prozent der Befragten haben manchmal das Gefühl, ihr Mobiltelefon klingele oder vibriere, obwohl sie weder einen Anruf, eine SMS noch eine andere Nachricht erhalten haben. Vor zwei Jahren waren es nur 31 Prozent. Eine durchaus fortschrittliche Entwicklung. Hörten Menschen ...

Obama bleibt auf Kriegspfad

US-Präsident Barack Obama und sein Außenminister John Kerry erklärten am Freitag (Ortszeit) in Washington, dass die USA Beweise für einen Giftgaseinsatz des Assad-Regimes hätten. Allerdings waren die präsentierten Deklarationen lediglich mit dem Signum »hoher Gewissheit« versehen.

Mars macht mobil

Warten auf den Angriff. Die in Becketts »Warten auf Godot« bis zum Schluss dieses Stücks ungeklärte Frage nach dem eigentlichen Sinn des Wartens ist auch in Sachen Syrien durchaus evident. Obama, zunächst offenbar fest entschlossen, den Daumen auch ohne britische Beihilfe zu senken, richtet auf einmal den Blick in das Rund der Arena: Der Kongress in Washington soll einen Militärschlag geg...

NSA-Hacker verseuchten Zehntausende PC

Washington/Berlin (nd/Agenturen). Der US-Geheimdienst NSA hat laut »Washington Post« ein System entwickelt, das Millionen infizierter Computer ausspionieren könne. Unter dem Codenahmen »GENIE« würden Spezialisten Spähprogramme in Computern, Routern und Firewalls installieren und diese so unter US-Kontrolle bringen. Bis zum Jahresende solle »GENIE« mindestens 85 000 Schadprogramme in Rechnern ru...

Stefan Otto

Streit um syrische Flüchtlinge

Nordrhein-Westfalen will angesichts der humanitären Katastrophe in Syrien die Aufnahmezahl von Flüchtlingen aus dem Bürgerkriegsland verdoppeln. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ist über diesen Vorschlag nicht begeistert.

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Die USA haben keine Lehre gezogen

Der militärische Schlag der USA und einiger ihrer Verbündeter gegen Syrien ist aufgeschoben. Doch die Vorbereitungen auf einen Angriff laufen weiter. Die Anschuldigungen sind geblieben und die Strategie hat sich nicht geändert. Demos zum Weltfriedenstag thamatisierten das.

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ndPlusUri Avnery

Armer Obama

Armer Obama. Er tut mir leid. Am Anfang seiner Begegnung mit der Geschichte stand seine Rede in Kairo. Eine großartige Rede. Sie war ermutigend und aufbauend. Er sprach zur gebildeten Jugend der ägyptischen Hauptstadt. Er sprach über die Tugenden der Demokratie, über die vielversprechende Zukunft, die eine liberale und gemäßigte muslimische Welt erwarten darf. Hosni Mubarak wa...

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Keine Karriere mit Krieg

Der Aachener Friedenspreis würdigt in diesem Jahr drei Schulen, eine in Irak, weil hier Jugendliche und Kinder aller Konfessionen und unabhängig ihrer Herkunft unterrichtet werden. In einem Land, in dem beinahe täglich blutige Anschläge geschehen, ist das eine wichtige Unterstützung für eine lokale Initiative, die dem alltäglichen tödlichen Wahnsinn praktisch etwas entgegensetzt und für Versöhn...

Strahlend unsicher

Tonnenweise kontaminiertes Wasser im Meer, undichte Leitungen, verseuchte Fische, die Entsorgung von Millionen Litern radioaktiven Kühlwassers völlig ungeklärt ... Wer hoffte, die Situation im 2011 havarierten japanischen AKW Fukushima wäre inzwischen weitgehend unter Kontrolle, muss sich spätestens nach den neuesten Meldungen über extrem hohe Strahlungswerte an der Außenseite eines Tanks einge...

Verwanzte Welt

Was waren das noch für Zeiten, als der Lauscher an der Wand oder gar ein Abhörsender im Telefon für wütenden Protest sorgte? Welche Skandale verursachte Superspionin Mata Hari? Über das Callgirl Christine Keeler mit seinen Geheimdienstkontakten stürzte ein britischer Premier. Die USA stellten einst wegen Verwanzung ihres Botschaftsneubaus in der sowjetischen Hauptstadt die örtlichen Bauleute un...

Scharfzüngig

Um eine spitze Bemerkung ist die Berliner Europapolitikerin Martina Michels nie verlegen. Die in einem schlossähnlichen Gebäude in Brüssel residierende bayerische EU-Vertretung bezeichnet sie schon mal als Neuwahnstein. Und auch im Abgeordnetenhaus ist die scharfe Zunge der LINKEN-Abgeordneten legendär.

ndPlusDierk Hirschel

Zeit für Gerechtigkeit

Noch drei Wochen bis zum Urnengang. Kurz vor der Wahl steigt die Stimmung. Die Rechenknechte der Republik verbreiten gute Nachrichten: Firmen investieren wieder, die Wirtschaft wächst, die Löhne steigen. Und die Zahl der unsicheren Jobs schrumpft. Krise war einmal.

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ndPlusMarian Krüger

Gleiche Rente, gleicher Lohn, mehr Aufbau

Die Parteien bemühen sich redlich, zur Bundestagswahl ihre programmatische Unverwechselbarkeit zu betonen. Zugleich scheinen einige Parteien sich in den Programmen der jeweils linken Nachbarn zu bedienen - die Union bei der SPD, die SPD bei der Linkspartei. Welche Antworten die Bundestagsparteien auf umstrittenen politischen Themenfeldern geben, untersucht in ausgewählten Bereichen die nd-Serie »Systemvergleich«. Heute: Ost-Interessen.

János Erkens

Vorbereitet und rechtswidrig

Wenn sogar die »FAZ« oder »Bild« einen Polizeieinsatz gegen linke DemonstrantInnen als »unverhältnismäßig« und »knallhart« bezeichnen, ist das bemerkenswert. Am Samstag riefen das BlockupyBündnis und die Linkspartei zu einer eigenen öffentlichen Zeugenbefragung auf.

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Wie weiter mit Blockupy?

Rund 130 Menschen debattierten am Sonntag nach dem öffentlichen Tribunal über die Zukunft des Blockupy-Bündnisses. Im Mittelpunkt des bundesweiten Aktiventreffens standen die Inhalte - und wie der schon jetzt äußerst heterogene Zusammenschluss noch erweitert werden kann.

ndPlusMarcus Meier

Gleis besetzt, Garten angelegt

Nach spektakulären Aktionen endete gestern ein Klimacamp im Rheinischen Braunkohlerevier bei Köln - der klimaschädlichsten Region des Kontinents.

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Tödlich hohe Radioaktivität in Fukushima

Am havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima sind tödlich hohe Strahlenwerte gemessen worden. Wie der Kraftwerksbetreiber Tepco am Wochenende mitteilte, lagen die an einem undichten Tank ermittelten Werte bei 1800 Millisievert pro Stunde.

ndPlusFabian Köhler, Kairo

Ägyptische Revolution geht weiter

In mehreren ägyptischen Städten demonstrierten am Freitag erneut Hunderttausende gegen den Sturz ihres Präsidenten Mohammed Mursi. Die Armee reagierte mit tödlicher Gewalt. Von vermeintlich gewaltbereiten Islamisten war hingegen nichts zu sehen.

Oliver Eberhardt, Amman

Kein Kriegsjubel in Jordanien

Vor einem möglichen Luftangriff gegen Syrien kommen aus Jordanien widersprüchliche Signale: Die Regierung erklärte, ihr Land werde nicht als Basis dienen; hochrangige Militärs widersprechen. Amerikanisch-jordanische Verbände wurden bereits an die Grenze verlegt.

Anke Stefan, Athen

Griechische Sorgen vor Syrienkrieg

Die Möglichkeit eines Militärangriffs auf Syrien stand im Mittelpunkt einer Sondersitzung im griechischen Verteidigungsministerium.

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Thomas Berger

Thailands Kautschukbauern geben Gummi

In Thailand verschärft sich der Konflikt um staatliche Beihilfen zur Stützung der Gummipreise. Die Proteste der Kautschukfarmer weiten sich aus, das derzeitige Regierungsangebot wird als unzureichend abgelehnt.

ndPlusAnna Maldini, Rom

Eine Last für Italiens Politik

Der »Fluch Berlusconi« lastet weiter auf Italien. Der populistische Politiker und sein »Volk der Freiheit« (PdL) können sich nach Berlusconis Verurteilung wegen Steuerbetruges einfach nicht mit dem Ende der politischen Karriere des ehemaligen Ministerpräsidenten abfinden.

ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Opposition wagt sich geeint zur Wahl

So etwas gab es noch nicht auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion: Die aserbaidshanische Opposition rafft sich auf, all ihre Rivalitäten hintanzustellen. Kultfilmemacher Rustam Ibrahimbekow will bei den Präsidentenwahlen in Aserbaidshan gegen Amtsinhaber Ilham Alijew antreten.

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Bahn will mehr Fachkräfte einstellen

Berlin (dpa/nd). Mit Hunderten neuer Fahrdienstleiter noch in diesem Jahr will Bahnchef Rüdiger Grube ein neuerliches Zugchaos wie unlängst am Mainzer Hauptbahnhof verhindern. »Wir werden deutlich mehr Fahrdienstleiter ausbilden und einstellen. Wir wollen bis Jahresende insgesamt über 600 zusätzlich qualifizieren«, sagte Grube dem Nachrichtenmagazin »Focus«. In der Fünf-Jahresplanung seien weit...

ndPlusHarald Neuber

Bauern protestieren

In Kolumbien demonstrieren Bauerngewerkschaften seit über einer Woche. Freihandelsverträge mit der EU und den USA heizen die Proteste an.

Knut Henkel

Rote Karte für Agrarindustrie

Rund 7000 Demonstranten protestierten am Samstag gegen Europas größten Geflügelschlachthof im niedersächsischen Wietze. Drei Wochen vor den Bundestagswahlen machten sie ihrem Unmut über eine Agrarpolitik Luft, die auf immer größere Einheiten und immer weniger ethische und moralische Standards setzt.

Reinhard Schwarz, Hamburg

Mit dem Traktor gegen Fracking

Kritiker befürchten eine Gefahr für das Grundwasser, wenn in Hamburgs ländlichem Raum nach Erdgas gebohrt wird. Zum bundesweiten Anti-Fracking-Tag demonstrierten deshalb mehrere Hundert Menschen. Auch andernorts gab es Proteste.

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Steffen Schmidt

Die wahre Wildnis

Mustangs und Indianer gehören zum Mythos des Wilden Westens der USA wie die Tulpen zu Holland. Die Mustangs und die Tulpen haben freilich noch eine zweite Gemeinsamkeit: Sie sind in ihrer heutigen Heimat Einwanderer. Doch während bei einem quasiindustriellen Gartenbauprodukt wie den niederländischen Tulpen kein Mensch auf den Gedanken käme, sie als Wildnis unter Naturschutz zu stellen, sieht da...

ndPlusJosé Adán Silva, Managua (IPS)

Freibrief für den Investor

In Nicaragua hat ein neues Gesetz, das einem chinesischen Unternehmen die Konzession für Bau und Betrieb eines Kanals zwischen Pazifik und Atlantik überträgt, die Schutzbestimmungen für den Cocibolca-See und seine Zuflüsse ausgehebelt.

Gert Lange

Die spekulative Methanbombe

Das Wissenschaftsjournal »Nature« rechnete Ende Juli Milliardenschäden durch das Tauen des Permafrostbodens vor. Auch »nd« berichtete darüber. Doch nach Ansicht vieler Fachleute basiert die Rechnung auf falschen Prämissen.

ndPlusRainer Funke

Auf den Spuren heimischer Luchse

Der Luchs, einst größte mitteleuropäische Raubkatze, war hierzulande praktisch ausgerottet. Erst in den 1980er Jahren begann die Wiederansiedlung.

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Schöner ohne Nazis

Schöner ohne Nazis

Rund 40 Vereine und Gruppen aus dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf organisierten am Wochenende das Demokratiefest »Schöner Leben ohne Nazis« am Alice-Salomon-Platz. Hunderte Bürger beteiligten sich und setzten ein Zeichen gegen Rechtsextremismus.

Seit 2003 zehn Anschläge auf Bahn

(dpa). Auf den öffentlichen Personennahverkehr in Berlin sind in den vergangenen zehn Jahren zehn politisch motivierte Brandanschläge verübt worden. Das geht aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Inneres auf eine Kleine Anfrage der CDU-Abgeordneten Danny Freymark und Oliver Friederici hervor. Von den der linken Szene zugeordneten Brandstiftungen betroffen waren die Berliner S-Bahn und die ...

Endlich dicht

Die Zustände in der Erstaufnahmestelle für Asylsuchende in Spandau stehen seit langem in der Kritik - zu Recht. Denn abgeschottet in einem Industriegebiet, fast ohne jegliche Infrastruktur und Einkaufsmöglichkeiten, müssen die Asylsuchenden hier unter menschenunwürdigen Bedingungen leben.

BER-Häuser werden neu geschätzt

Tausende Anwohner des neuen Hauptstadtflughafens bekommen von Dezember an Besuch von Gutachtern. Die Fachleute sollen den Wert der Häuser ermitteln, damit die Betreiber die Eigentümer aus dem Schallschutzprogramm entschädigen können.

ndPlusMarina Mai

Kein Heim im Industriegebiet

Berlins Zentrale Erstaufnahmestelle für Asylbewerber in der Spandauer Motardstraße mit zur Zeit etwa 500 Bewohnern wird zum Jahresende schließen - höchstwahrscheinlich endgültig. Das erklärte Silvia Kostner, Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGeSo).

Marlene Göring

»Lehrer sind keine Dienstleister«

Pia Offerman steht aufgeregt im Blumenladen. Sollen es Sonnenblumen sein? Oder der knallgrüne Deko-Frosch mit Krone? Später wird die Musiklehrerin den Schlüssel für ihren neuen Unterrichtsraum abholen. Dem Vermieterpaar, ebenfalls Musiker, möchte sie etwas Nettes mitbringen.

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ndPlusJürgen Amendt

Früher waren mehr Angler

Als wir 1994 aus der fränkischen Provinz nach Berlin zogen, rezitierte die Großtante meiner Frau aus einem Schlager aus dem 19. Jahrhundert: »Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin. Wo die Verrückten sind, da gehörst du hin!« Da ist was dran - nicht daran, dass ich und meine Frau verrückt wären, versteht sich, sondern dass diese Stadt ein Ort verrückter Vorgänge ist. Diese treten beso...

Natalya Arensberg

Die ganze Welt erlesen

In manchen Hotels fehlt die 13. Etage, manche Airlines zählen nach der zwölften direkt die 14. Reihe. Gut, dass die Berliner Festspiele und die Macher des »internationalen literaturfestivals berlin« unter dem passionierten Festivalleiter Ulrich Schreiber nur vom Glauben an die Magie der Worte und nicht vom zahlentheoretischen Aberglauben beseelt sind. So präsentiert sich vom 4. bis 15. Septembe...

ndPlusStefan Amzoll

Musik, die tröstet

Unbestritten, der Zufall kann Zeichen setzen. Dass US-amerikanische Musiker am Vorabend des Weltfriedenstages (tags zuvor schon das Emerson String Quartet) in Berlin ihr Können demonstrierten, während ihre Regierung, befeuert durch mediales Kriegsgeschrei, im Mittelmeer einen Angriff vorbereitet, ist so ein Zeichen. Einerlei, um welche Stücke es sich handelt. Grundsätzlich: gute Musik ist völke...

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Batteriepark für stabiles Stromnetz

Schwerin (dpa/nd). Der Einsatz eines riesigen Batteriespeichers zur Stabilitätssicherung im Stromnetz soll bundesweit erstmals in Schwerin erprobt werden. Dafür lässt der regionale Energieversorger Wemag nach eigenen Angaben Europas größten kommerziellen Batteriepark errichten. Baubeginn ist für Dienstag, die Inbetriebnahme für ein Jahr später geplant. Die Bereitstellung effektiver Speicher- un...

Thüringer Flughafen fürchtet um Zukunft

Erfurt (dpa/nd). Der seit Jahren mit Millionensummen subventionierte Flughafen Erfurt-Weimar sieht seine Zukunft durch neue EU-Pläne in Gefahr. Demnach sollen Betriebsbeihilfen künftig nur noch für eine Dauer von maximal zehn Jahren zulässig sein. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll Anfang des kommenden Jahres vorgelegt werden. Sollte das Vorhaben umgesetzt werden, werde es für den Flughafen ...

Naziaufmarsch in Dortmund

Dortmund (nd-Meier). Mehrere tausend Menschen demonstrierten am Samstag gegen einen Naziaufmarsch in der Dortmunder Innenstadt. Im Vorfeld hatten Unternehmens- und Einzelhandelsverbände in trauter Eintracht mit der letzten verbliebenen Lokalzeitung jedoch Stimmung gemacht: »Wir sind GEGEN jede Art von GEWALT«, war dort in einer Anzeige zu lesen. Gewettert wurde »gegen Versammlungen von Nazis un...

ndPlusHans-Gerd Öfinger

LINKE wird weiter beobachtet

Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) hat am Wochenende in Wiesbaden den neuen Verfassungsschutzbericht vorgelegt. Darin wird auch die LINKE weiter als »verfassungsfeindlich« eingestuft. Die Partei nimmt es gelassen.

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Spitzenkandidat ohne Mitgliederbefragung

Sachsens LINKE stellt ihren Spitzenkandidat für die Wahl 2014, bei der sie eine rot-rot-grüne Regierung anstrebt, nicht per Mitgliederentscheid auf. Das entschied ein Parteitag, der zuvor den Landeschef bestätigte.

ndPlusLuise Poschmann, epd

Interkulturelle Vätergruppe wird ausgezeichnet

Wer Kazim Erdogans Büro betritt, bekommt erst einmal einen kräftigen türkischen Schwarztee. Zwei Stück Süßstoff fallen in das kleine Teeglas, den Löffel legt er auf der anatolischen Tischdecke ab. »Viele Männer fühlen sich gleich heimisch, wenn sie die türkische Teekanne sehen«, sagt der Vorsitzende und Gründer des Vereins »Aufbruch Neukölln«. Eine gute Atmosphäre ist eines der wichtigsten Inst...

Robert D. Meyer

Hauptstadt des Veganismus

»Da ist ganz sicher kein Tier drin?« Maximilian Kröber schaut skeptisch auf das Steak seiner Freundin Lisa. »Hier ist alles vegan«, antwortet die Studentin. Kröber greift nach dem Brötchen, in dem ein Stück Steak liegt, das einem Stück Fleisch zum Verwechseln ähnlich sieht, aber aus Weizeneiweiß und nicht aus Schwein besteht. »Lecker, hätte ich nicht gedacht«, sagt Kröber nach dem ersten Bissen...

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Fest für den Frieden

Zum traditionellen Strausberger Friedensfest kamen am Sonnabend hunderte Besucher zum Alten Gutshof, um sich zu informieren oder Kunst und Kultur zu genießen. Auf der Bühne trat unter anderem die Politikerin der LINKEN, Dagmar Enkelmann, sowie Andrej Hermlin auf.

Ambrosia wächst rasant

Potsdam/Cottbus (dpa). Die hochallergene Ambrosia-Pflanze wächst und wächst: In der Niederlausitz sind in diesem Jahr bereits etwa eine Million Pflanzen gezählt worden. Bis Ende des Jahres rechne er mit mehreren Millionen, sagte der Meteorologe Thomas Dümmel von der Freien Universität Berlin (FU). An der FU laufen Fundmeldungen der Allergien auslösenden Pflanzen in einer Internetdatenbank, dem ...

Höhere Deiche reichen nicht

Potsdam (dpa). Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (LINKE) sieht Nachholbedarf beim vorbeugenden Hochwasserschutz. Im Grunde gehe es um die Gewinnung von Flächen, die im Katastrophenfall die Wassermassen aufnehmen können, sagte Tack am Sonntag. Am Montag kommen in Berlin die Umweltminister der Länder und der Bundesumweltminister zusammen. Immer höhere Deiche zu bauen, reiche angesichts der...

Platzeck: Stasi-Erbe aufgearbeitet

Potsdam (dpa). Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hält das Stasi-Erbe aus der DDR nicht mehr für ein drängendes Problem in der deutschen Politik. »Das ist kein Thema, das wirklich politikrelevant ist«, sagte Platzeck dem »Tagesspiegel«. Für die ostdeutsche Geschichte sei es weitgehend aufgearbeitet. Platzeck verwies auf Brandenburg, wo die rot-rote Koalition 2009 vo...

Studie zu sexuellem Missbrauch

Regensburg (dpa/nd). In Bayern sind 3,9 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren Opfer von sexuellem Missbrauch geworden. Das geht aus einer Umfrage für die bundesweite Missbrauchsstudie »mikado« hervor. Im Vergleich mit den anderen Bundesländern liege Bayern leicht über dem Durchschnitt, sagte der Koordinator der Studie, Professor Michael Osterheider aus Regensburg. »Ziel der Studie ...

ndPlusWilfried Neiße

Deutsch ist das größte Problem

Weil deutlich mehr Kinder von Asylbewerbern heute in brandenburgischen Schulen unterrichtet werden als in vergangenen Jahren, ist das Bildungsministerium gefordert. Wie Ministerin Martina Münch (SPD) im Landtag sagte, gibt es in der Erstaufnahmestelle für Asylbewerber in Eisenhüttenstadt »so etwas wie eine kleine Schule«.

Hagen Jung

Auf dem Schleudersitz

Niedersachsens rot-grüne Regierung wird derzeit von der Opposition kräftig in die Mangel genommen. Anlass sind Querelen um den Dienstwagen eines Staatssekretärs. Schwarz-Gelb fordert den Rücktritt von Agrarminister Christian Meyer und spricht von einer »massiven Regierungskrise«.

ndPlusOlaf Harning

»Dann sind die Autobahnen dicht!«

Aufruhr in Lübecks Westen: Per Demonstrationszug und Lkw-Konvoi zogen die Lastwagenfahrer am Wochenende zu der international angelegten Aktion im Gewerbegebiet Roggenhorst, zu der Kraftfahrer-Interessensverbände gemeinsam aufgerufen hatten.

Hans-Joachim Schlichtholz

Ein Ausflug nach Chorin und Oderberg

Ora et labora (bete und arbeite) predigten die Benediktiner im Mittelalter hier beschwörend. Heutzutage erklingen sanftere Töne - bei den jährlich stattfindenden Sommerkonzerten im Kloster Chorin. Ein Ausflug lohnt zu jeder Jahreszeit, aber am Schönsten ist es im Frühling oder im Herbst, wenn das Laub der uralten Baumriesen in den verschiedensten Farben leuchtet. 1258 taucht der Name »Kor...

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Wolfgang Hübner

MOSEKUNDS MONTAG

Am Tag nach einer Theaterpremiere traf Herr Mosekund einen Nachbarn. »Man liest ja«, sagte der Nachbar, »vernichtende Kritiken.« - »Ach, für mich war es ein durchaus gelungener Abend«, entgegnete Herr Mosekund. »Hatten Sie denn nicht auch Schlimmes befürchtet?« fragte der Nachbar. »Das schon«, antwortete Herr Mosekund, »aber meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen.«...

Ehrung für Dieter Hildebrandt

Der Kabarettist Dieter Hildebrandt ist am Sonntag mit dem Erich-Kästner-Preis des Presseclubs Dresden ausgezeichnet worden. Hildebrandt setze sich seit Jahrzehnten mutig für Toleranz und Völkerverständigung ein, begründete die Vorstandsvorsitzende des Presseclubs, Bettina Klemm, die Verleihung. Der 86-Jährige ist vor allem durch die Sendung »Scheibenwischer« bekanntgeworden. Der Preisgeld von 1...

Eingriff in die Würde des Menschen

Der Berliner Philosoph und Roman-Autor Peter Bieri sieht in dem Lauschangriff des US-Geheimdienstes NSA einen »vernichtenden Eingriff in unsere Würde«. Er sei verblüfft, »dass der Aufschrei darüber nicht größer ist«, sagte der gebürtige Schweizer am Samstagabend bei einer Veranstaltung auf dem Erlanger Poetenfest. »Hier geht es um den Grundsatz der Verfassung: Die Würde des Menschen ist unantas...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Möge es schmutzen und wüten!

Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« zur Lage des Theaters: »Es herrscht offensichtlich hektischer Betrieb tagespolitischer Wilderei in Problemzonen, in denen jeder, der will und gerade greifbar ist (ob Polizist, Nutte, Richter, Demenzkranker oder NSU-Betroffener), vom Theater ge- und verbraucht wird«, von einem Theater also, »das jedwede Sein- und Schein-Schranke niederreißt ... Das Theater ma...

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Respekt für mutigen Frauen-Film

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick (65) hat der saudi-arabischen Regisseurin Haifaa Al Mansour seinen Respekt ausgesprochen. Mit ihrem Film »Das Mädchen Wadjda«, dem ersten Langspielfilm des Landes, betrete sie »mutig Neuland in mehrfacher Hinsicht«, erklärte Kosslick in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. »Sie inszeniert als Frau einen Film - in einem Land, wo Frauen nicht mal Auto...

Ende des klassischen Buchhandels

Wegen E-Books und Internet sieht der designierte Chef des Münchner Carl Hanser-Verlags, Jo Lendle, den klassischen Buchladen in Deutschland weiterhin vor schweren Zeiten. »Ein großer Teil der Buchhandlungen wird untergehen. Am Ende des Tages werden wir weniger Buchhandlungen haben«, sagte Lendle am Samstag bei einer Podiumsdiskussion während des Erlanger Poetenfestes zur »Zukunft des Buches«. ...

ndPlusJan Freitag

Angekommen in der Realität

Man kann ja über Sat.1 sagen, was man will - dass es eine bisweilen schmierige Romanzenschleuder ist, dass es ganze Tage lang nichts als Gerichtsshows und Dokusoaps aufkocht, dass es mal politisch bedeutsam sein wollte, längst aber sogar im Unterhaltungsfach an Relevanz zu verlieren. Eines allerdings darf man dem Kölner Privatsender mit dem Ball nicht vorhalten: dass er es selbst auf schwierige...

Gunnar Decker

Eine ironische Frau, gibt es das?

Sie steht im Mittelpunkt. Immer noch, immer wieder. Wie macht sie das nur? Schon ihr 200. Todestag vor vier Jahren wurde ausgiebig begangen und nun der 250. Geburtstag. Neue Bücher, die alten Debatten. Als sie noch lebte, war das kaum anders. Alle redeten über sie, beliebt war sie wenig, nicht wenige hassten sie sogar, wie Friedrich Schiller, der sie bevorzugt »Dame Luzifer« nannte. Ihre ...

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Andreas Morbach, Gelsenkirchen

Oscar für’s Klappehalten

Die Vorstellung von Kevin-Prince Boateng lag zwar schon 30 Stunden zurück, doch Horst Heldt suhlte sich auch nach dem Schalker 2:0 über Leverkusen noch ein wenig im Glanz seines Transfercoups. Der Manager der Königsblauen ließ den Blick durch den Presseraum wandern und stellte sich nach Boatengs kraftvoll-gelungenem Debüt eine kleine Sonderzeremonie vor. Für die sehr seltene Schalker Leistung, ...

ndPlusAlexander Ludewig

Alles nur kein Freundschaftsspiel

Der 3:2-Sieg des 1. FC Union gegen den FC St. Pauli am Sonnabend war wieder mal Beweis dafür, dass Spiele beider Klubs gegeneinander etwas Besonderes sind im deutschen Profifußball. Beide Vereine haben Einiges gemeinsam, Freunde sind sie deshalb noch lange nicht.

ndPlusStephan Fischer

Absage an die Zukunft

Die Leipziger Traditionsvereine Chemie und Lokomotive machen nur noch abseits des Fußballs von sich reden, zuletzt durch eine Spielabsage in der siebten Liga. Die seit jeher bestehende heftige Rivalität wird in letzten Jahren durch politische Gegnerschaft befeuert.

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ndPlusMichael Müller, Köln

Im Zweifel immer links abbiegen

Köln erlebt jedes Jahr seit 1984 ein Wochenende lang Triathlon - vom Jedermann-Wettbewerb bis hin zur Ironman-Halbdistanz wird allen Sportlern etwas geboten.

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Die Goldserie ist gerissen

1846 Tage nach ihrer letzten großen Niederlage waren die deutschen Achterruderer bei der Siegerehrung am Boden. Doch nicht aus Enttäuschung. Die Crew um Schlagmann Kristof Wilke war einfach nur erschöpft. Erstmals seit Olympia in Peking 2008 hat das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes bei einem Großereignis den Kürzeren gezogen, aber der Frust über Silber hinter Großbritannien bei den WM i...

ndPlusMichael Brehme, dpa

Wagner-Augustins Abschied in Sicht

Die Heim-WM in Duisburg könnte Katrin Wagner-Augustins letzte sportliche Mission gewesen sein. Die 35-Jährige kokettiert mit ihrem Abschied vom Kanusport - nach vier Olympiasiegen und mehr als zwei Dutzend WM-Medaillen. Im Herbst will sie sich entscheiden.

Jürgen Holz

Ein überglücklicher Verlierer

Das 72. Internationale Stadionfest (ISTAF) der Leichtathleten im Berliner Olympiastadion vor 50 000 Zuschauern bot wieder einmal erstklassigen Sport, für den vor allem elf Weltmeister von Moskau sorgten.

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