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Unten links

Dass Gerhard Schröder Wahlkampf für Michelle Müntefering in Herne macht, ist voll und ganz gerechtfertigt. Schließlich ist ihr Mann, »der gute alte Franz«, damals, als Schröder noch Kanzler war, für ihn gar manches Mal in die Bütt gestiegen. Und überdies verbindet die beiden Ex-Politiker, dass sie den schwindenden oder geschwundenen eigenen Einfluss in Partei und Parlamenten durch die politisch...

Nur Protest hilft gegen Überwachung

Vor dem Hintergrund neuer Enthüllungen über die Ausspähung von Nutzern im Internet hat die Opposition an Union und FDP appelliert, sich endlich stärker für den Datenschutz einzusetzen. Die massiven Eingriffe in die Privatsphäre seien eine Art »Strafe gegen die ganze Bevölkerung«.

ndPlusMarlene Göring

Kein Planet, ein Universum

Sie kamen, gebündelt und geballt: Beim Showcase »Danish Invasion« präsentierten sich die besten Band, die Dänemark im Moment zu bieten hat. Zumindest, was melodisch-elektronische Synthiesounds angeht. Was man von dem kleinen Nachbarstaat lernen kann: Pop is not dead!

Jan van Aken

Syrien, Sarin und Diplomatie

In wenigen Tagen werden die UN-Inspekteure wohl bestätigen, dass in Syrien Sarin oder andere Giftgase eingesetzt wurden. Offen wird jedoch bleiben, WER dafür verantwortlich ist.

Kreative und andere Verrückte
ndPlusMarlene Göring

Kreative und andere Verrückte

Marc Philipps und Christina Dimopoulou sind das Performancekollektiv ART VANDELAY. Auf dem Berlin Festival "wohnen" sie mit vielen anderen Künstlern im Art Village. Logie ist frei, der Rest geht auf eigene Tasche. Macht nix, macht trotzdem Spaß, meinen die beiden.

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ndPlusOliver Händler

Daumendrücken in Luckenwalde

Elisabeth Herzog-von der Heide ist Stammgast in der Fläminghalle von Luckenwalde etwa 50 Kilometer südlich von Berlin. Heute empfangen die hier beheimateten Bundesliga-Ringer den KAV Mansfelder Land aus Eisleben, und die Bürgermeisterin wird wieder die Daumen drücken. Die Ringer bedeuten viel in ihrer Stadt. »Der Luckenwalder Sportclub ist ein Aushängeschild. Viele Jahre wurde er Deutscher Meis...

Jirka Grahl

Ungewissheit
 bis zuletzt

Das Internationale Olympische Komitee wählt am Samstag bei seiner 125. Vollversammlung in Buenos Aires einen neuen Präsidenten, die Olympiastadt 2020 und die 28. Sportart, die dann zum Programm gehört. Wie das IOC abstimmt, ist auch bei der 
125. Session nicht einmal zu erahnen.

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»Gegen uns alle läuft 
ein Ermittlungsverfahren«

nd: Frau Nocun, bei Ihrem Antritt als Bundesgeschäftsführerin der Piraten im Mai gaben Sie sich kämpferisch und spornten die Partei an, damit es mit dem Einzug in den Bundestag klappt. Meinungsforscher sehen die Piraten scheitern. Schaffen sie es noch? Nocun: Wir merken zumindest, dass das Interesse an unseren Veranstaltungen im Wahlkampf viel größer ist als in den Monaten davor. Wir versuche...

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ndPlusFabian Lambeck

Nur jeder Vierte zahlt ein

Es ist ein Flop: Von den rund 2,6 Millionen Neu-Minijobbern führten Anfang August nur 621 000 oder 23,8 Prozent tatsächlich Beiträge in die Rentenkasse ab. Eine große Mehrheit der Betroffenen ließ sich von der Versicherungspflicht befreien.

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»Ich habe keine Probleme mit Rot-Grün-Rot«

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele hätte mit einem Bündnis von SPD, Grünen und Linkspartei nach der Bundestagswahl "keine Probleme". Auch eine Tolerierung von Rot-Grün kann sich Ströbele gut vorstellen, kündigte Ströbele im nd-Interview an.

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Absage Kenias an Den Haag

Nairobi (AFP/nd). Kurz vor Prozessen gegen Kenias Staatsführung am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) hat das Parlament für einen Ausstieg aus dem Tribunal gestimmt. Am Donnerstag wurde eine entsprechende Petition angenommen; binnen 30 Tagen muss die Regierung nun über einen Gesetzentwurf abstimmen, sagte Parlamentspräsident Justin Muturi in Nairobi. Nächste Woche beginnt beim IStGH...

ndPlusBernhard Clasen

Im Augenblick extrem hoher Gefahr ...

Mit einem Appell, die drohenden Bombardierung Syriens zu verhindern, ging der Petersburger »Gegengipfel« von Globalisierungskritikern aus allen Kontinenten am Freitag zu Ende.

ndPlusRené Heilig

Viel grauer Stahl im Mittelmeer

Die Lage in und um Syrien verschärft sich. Nicht nur propagandistisch. Die US-Stabschefs sollen für Obamas »begrenzen Militärschlag« rund 50 Ziele bestätigt haben, und im Mittelmeer wimmelt es nur so von Kriegsschiffen verschiedener Nationen.

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ndPlusBarbara Barkhausen, Sydney

Australien vor Rechtsruck

Die Würfel scheinen schon vor der Parlamentswahl gefallen zu sein: Die konservativen Liberalen sind überzeugt, sechs Jahre nach ihrem Gang in die Opposition an die Hebel der Regierung zurückzukehren. Was sie nicht zuletzt der Zerstrittenheit der Labor Party verdanken.

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Drohende Verwerfungen

Nach der Krise ist in der kapitalistischen Wirtschaft auch immer vor der Krise. Und so können das momentane konjunkturelle Hoch der deutschen Wirtschaft und die sprudelnden öffentlichen Kassen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die ökonomische und soziale Verfasstheit der deutschen Gesellschaft alles andere als zukunftsfest ist. Die Eindämmung extremer Verteilungsungerechtigkeit ist eben ...

Guido Speckmann

Fade Absichtsbekundungen

Sicher, das Thema Steuervermeidung treibt die Menschen um. Da mag Kanzlerin Merkel recht haben. Eine brav Steuern zahlende Kassierin kann schon mal aus der Haut fahren angesichts neuer Meldungen, dass Google, Amazon, Apple und Co. teilweise keine oder nur geringe Steuern zahlen. Insofern sind die G20-Beschlüsse aus St. Petersburg zur Bekämpfung von Steuerflucht zu begrüßen

Klare Worte aus Teheran

Die neue iranische Führung unter Präsident Ruhani ändert den politischen Kurs des Landes bedächtig, aber stetig. Die gestrige Klarstellung, was in Iran nicht irgend jemandes, sondern Staatsmeinung über den Holocaust an den europäischen Juden ist, gehört dazu. Die Erklärung des Außenministers ist im Ton angemessen, frei von Missverständnissen und kommt zur rechten Zeit; drei Dinge, die einfach scheinen, für Ruhanis Vorgänger Ahmadinedschad zeit seiner Präsidentschaft aber unbezwingbare geistige Herausforderungen blieben.

Symbolfigur

Sie riskiert für ihr Anliegen ihr Leben: Malala Yousafzai. Ihr Anliegen ist das Recht von Mädchen auf Bildung. Was sich wie eine Selbstverständlichkeit anhört, ist es in vielen Ländern nach wie vor nicht. Rund 100 Millionen Kindern bleibt der Schulbesuch verwehrt.

Wende im Umweltrecht?

nd: Am Donnerstag haben Sie eine »Zeitenwende« im Umweltrecht ausgerufen - was ist passiert? Resch: Das Bundesverwaltungsgericht hat in einem Grundsatzurteil bestätigt, dass Umweltverbände künftig bezüglich aller Verstöße gegen EU-Recht ein Klagerecht besitzen. Es geht dabei um eine Vielzahl Verordnungen und Regelungen, die bisher kaum eingeklagt werden konnten. Insofern ist das tatsächlich e...

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Moody’s bewertet deutsche Banken besser

Nach Jahren der Finanzkrise bewertet die Ratingagentur Moody’s die Aussichten für Deutschlands Banken wieder besser. Moody's habe den Ausblick für das deutsche Bankensystem von »negativ« in »stabil« geändert, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte.

ndPlusVon Gabriel Rath, London

Miniboom treibt Häuserpreise

Der britische Häusermarkt ist so stark wie seit dem Platzen der Immobilienblase 2008 nicht mehr. Schon wächst die Furcht vor Überhitzung.

ndPlusRobert D: Meyer

Das nächste große Ding

Noch mehr Pixel, dafür weniger Platz im Wohnzimmer. Große Fernseher und eine von Samsung präsentierte Datenuhr dominieren die am Freitag gestartete IFA in Berlin. Tatsächliche Innovationen bleiben auf der Elektronikmesse allerdings aus.

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ndPlusUli Schember, SID

Aufklären und ausruhen

Nur 22 Stunden nach dem enttäuschenden Auftritt gegen Belgien kassierten die deutschen Basketballer bei der EM in Slowenien gegen die Ukraine die zweite Niederlage im dritten Turnierspiel. Um die Zwischenrunde zu erreichen, brauchen sie in der Gruppe A Schützenhilfe.

Felix Lill, Tokio

Grüne Spiele in der boomenden Metropole

Tokio geht als leichter Favorit in die IOC-Sitzung, wenn über das Austragungsrecht der Olympischen Sommerspiele 2020 entschieden wird. Aber die prekäre Lage in Fukushima wirft Schatten auf die Bewerbung. Und Tokio muss noch auf einer ganz anderen Ebene Sorgen machen.

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Alle gegen Gregor Gysi

Es ärgert nicht nur Normalverbraucher, wenn Bundestagskandidaten mittlerweile in US-amerikanischer Manier Bürger an der Haustür belästigen. Es kann auch Parteien verärgern. Im Berliner Wahlkreis Treptow-Köpenick erwischte SPD-Bewerber Matthias Schmidt die Klingel von Sascha Lawrenz, der sich als CDU-Anhänger outete.

Bernd Kammer

Bittere Medizin

In diesen Tagen ist im Haus der Gesundheit am Alexanderplatz besonders viel los. Patienten aus dem Haus tragen sich in die am Tresen ausliegenden Unterschriftslisten ein, um gegen die Schließung des Gesundheitszentrums zu protestieren.

ndPlusMarina Mai

Ärzte verkaufen ihre Sitze in den gut verdienenden Westen

Treptow-Köpenicks Gesundheitsstadträtin Ines Feierabend (LINKE) fordert mehr Arztsitze. Ihr Bezirk zählt neben Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Neukölln zu den mit Ärzten unterversorgten Berliner Bezirken. Der Versorgungsgrad bei Hausärzten liegt bei 88 Prozent, bei Neurologen sogar nur bei 66 Prozent und bei Gynäkologen bei 72 Prozent. Zum Vergleich: Charlottenburg-Wilmersdorf, der B...

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Filmakademie wird zehn

(dpa). Die Deutsche Filmakademie in Berlin feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Auf Initiative von Gründungsvätern wie Helmut Dietl und Bernd Eichinger hatten sich am 8. September 2003 Filmschaffende aller Sparten zusammengetan, um ein zentrales Forum für den deutschen Film zu gründen. Heute hat die Akademie mit Präsidentin Iris Berben an der Spitze mehr als 1400 Mitglieder. Sie vergibt den ...

Denk mal am Sonntag

(dpa). Unter dem Motto »Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?« findet an diesem Wochenende der Tag des offenen Denkmals statt. In Berlin können am Samstag und Sonntag über 300 Erinnerungsstätten besichtigt werden. Die meisten Angebote sind kostenfrei, aber bei etlichen ist eine rechtzeitige Anmeldung erforderlich. Die einst geteilte Stadt hat nicht nur zahlreiche Denkmäler aus der...

Thomas Blum

Macht alle mitt!

Seine politische Karriere begann früh. Als unabhängiger Kandidat trat Oliver Schmitt bereits 1988 bei den Wahlen zum baden-württembergischen Landtag an. Gewählt wurde er nicht, obwohl er einen Slogan kreiert hatte, der auch nicht armseliger daherkam als Propaganda der CDU.

ndPlusVolkmar Draeger

Eine Welt in drei Minuten

Zuerst erscheint er nur auf den beiden die Bühne flankierenden Leinwänden, kündigt knapp The Two Cellos an, Luca und Stepan. Schon bei Michael Jacksons »Smooth Criminal« merkt man, dass Elton John nicht zu viel versprochen hat. Die beiden Musiker aus Kroatien entlocken ihren verkabelten Instrumenten genau das nervöse Fieber, mit dem Jacko seine Bewunderer in Bann schlug. Wie eine ganze Rockband...

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Gericht erlaubt Rauchen auf Balkon

Mieter dürfen trotz empfindlicher Nachbarn auf ihrem Balkon rauchen. Das hat das Amtsgericht im brandenburgischen Rathenow am Freitag entschieden und die Klage von Nachbarn eines Raucher-Ehepaares abgewiesen.

Peter Kirschey

Sogar die Polizei beklaut

Es ging immer ganz schnell. Keine 150 Sekunden, dann war der Spuk vorbei. Die Täter rammten mit einem Fahrzeug die Eingangstür, schlugen die Scheiben ein oder brachen die Gitter auf. Seit gestern stehen sieben Bandenmitglieder zwischen 24 und 27 Jahren vor Gericht. Schweren Bandendiebstahl wirft die Staatsanwaltschaft den Männern aus Kosovo, Libanon, Afghanistan und Berlin vor. Und die An...

Hagen Jung

Salamitaktikter am Werk?

Längst sind Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Agrarminister Christian Meyer in der Autoaffäre um Staatssekretär Paschedag in Bedrängnis geraten. CDU und FDP glauben, beide haben von dem Autokauf mehr gewusst, als sie zugeben.

ndPlusAndreas Fritsche

Auf echten und auf Schusters Rappen

Zu Fuß sind die Teilnehmer der nd-Wanderung am 22. September unterwegs. Aber es könnte sein, dass sie echte Rappen mit ihren Reitern treffen, zumindest auf der langen Strecke, die an Pferdekoppeln vorbei führt und auch ein Stück durch Hoppegarten.

Ausflugsziel mit Übernachtungsverbot

Am Sonntag wird der »Tag des offenen Denkmals«, der in diesem Jahr unter dem Motto »Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?« steht, auch in der Bakuninhütte bei Meiningen begangen. Über die Geschichte der Hütte sprach mit Enrico Knorr für »nd« Peter Nowak.

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ndPlusAlice Bachmann, Bremen

Pulverspuren in Bremen

Der Handel mit Kaffee ist in Bremen ein großes Geschäft. Unternehmer aus der Branche haben die Stadt nachhaltig geprägt. ie deutsche Kaffeestadt Nummer eins ist Bremen. In diesem Punkt kann die Hansestadt an der Weser ihr größeres Pendant an der Elbe übertrumpfen.

Hendrik Lasch, Magdeburg

Schwach 
im 
Kreuz

Zumindest Radwanderer sind begeistert. Die Möglichkeit, einen Kanal zu unterqueren, bietet sich nicht oft. Im Norden von Magdeburg gibt es sie: Dort wurde eine 918 Meter lange Trogbrücke gebaut, die Mittelland- und Elbe-Havel-Kanal verbindet und dabei die Elbe kreuzt.

Hans Canjé

Antikriegstag auf dem »Russenfriedhof«

Die Wehrmacht hat fürchterliche Verbrechen in der Sowjetunion zu verantworten. Millionen Rotarmisten sind in deutscher Kriegsgefangenschaft umgekommen. In einem ehemaligen Lager in Nordrhein-Westfalen wird jährlich an sie erinnert.

ndPlusWilfried Neiße

Freiheit statt Einkreisung

Die kreisfreien Städte in Brandenburg haben am Freitag gegen Bestrebungen gekämpft, sie in die umliegenden Landkreise aufgehen zu lassen. In diesen Chor stimmte auch Potsdam ein, obwohl die Landeshauptstadt am wenigsten davon bedroht ist, seinen Status zu verlieren.

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Viviana Corvalán Castillo

Jeder kämpfe an seinem Platz

Der faschistische Putsch am 11. September 1973, verübt von chilenischen Militärs und der CIA, hat die Geschichte Chiles geprägt. Präsident Salvador Allende, der drei Jahre zuvor demokratisch gewählt worden war, wurde gestürzt in einer der grausamsten Konterrevolutionen.

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Die Jahre der Unidad Popular

Salvador Allende, 1908 in Valparaíso geboren, gründete 1933 die Sozialistische Partei Chiles mit. 1939 bis 1942 war er Gesundheitsminister, 1952 erfolgte seine erste Präsidentschaftskandidatur.

ndPlusHernan Barahona, Santiago de Chile

Die Töchter der Generäle

Das Aufeinandertreffen der beiden chilenischen Präsidentschaftskandidatinnen Michelle Bachelet und Evelyn Matthei am 17. November symbolisiert weit mehr als ein Duell zweier gegensätzlicher Politikerinnen. In den Biografien kreuzen sich das moderne Chile und seine Schatten.

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Frohlockende Profiteure

In der Bundesrepublik reagierten Kapital, das Gros der Medien und das rechte politische Lager mit teils unverhohlener Freude auf den Putsch in Chile. Mehr als Verständnis brachte der spätere Kanzlerkandidat der Union und CSU-Politiker Franz Josef Strauß zum Ausdruck.

ndPlusHernan Barahona

Kampfziel: Zerschlagung der Gewerkschaften

»367 Gewerkschafter wurden während der Diktatur ermordet oder verschwanden«, sagt Bárbara Figueroa. Sie ist die erste Frau, die in Lateinamerika einer Gewerkschaftsorganisation vorsteht, der Vereinten Arbeiterzentrale (CUT). Die Aufarbeitung der Vergangenheit sieht sie als Teil ihrer Arbeit, die längst nicht abgeschlossen ist. S

ndPlusAxel Berger

Das Elend der Chicos aus Chicago

Es war der 12. September 1973, der Tag nach dem Putsch des chilenischen Militärs unter General Augusto Pinochet gegen die Regierung des sozialistischen Präsidenten Salvador Allende. Da übergaben zehn jüngere Ökonomen den ansonsten vor allem mit Ermordungen, Folterungen und Inhaftierungen beschäftigten Putschisten eine über 500-seitige Studie, die die Wirtschaftspolitik des südamerikanischen Staates im kommenden Jahrzehnt prägen sollte.

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Burga Kalinowski

Neubeginn im Hotel Lunik, Straße der Republik

Der 1. Mai 1988 war einer der letzten Drehtage für den Film über chilenische Emigranten in der DDR. Von Brandenburg, wo »meine« Chilenen lebten, rumpelten wir mit dem Zug nach Berlin. Alicia, Enrico und ihre sechs Kinder nehmen mit Freunden an der Demonstration teil.

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Urs Müller-Plantenberg

Gründung vor dem Putsch

Am 28. Juni 1973, einem Donnerstag, kamen gegen sieben Uhr abends in (West-)Berlin etwa sechs Leute zusammen und planten den Inhalt einiger Seiten, die sie unter dem Titel »Chile-Nachrichten« versenden wollten: erst einen kurzen Bericht »Über die Ereignisse in Chile«, dann Hinweise auf Informationsmaterial, Veranstaltungen etc.

»Nur kam das mit dem Putsch dazwischen«

Dieter Fleddermann, Kriegsdienstverweigerer der ersten Stunde, trieb die Abenteuerlust in ein Land weit weg von der Bundesrepublik. 1975 ging er für fünf Jahre als Lehrer an die Deutsche Schule in Valdivia, Chile. Mit seiner Familie lebte er fünf Jahre in der Militärdiktatur.

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Tom Mustroph

Surreales Leben

Zahlreiche chilenische Künstler fanden nach ihrer Flucht aus dem von Pinochet beherrschten Chile in der DDR Exil. Musiker waren darunter wie etwa Bandmitglieder von »Tiempo Nuevo«, Schriftsteller wie Omar Saavedra Santis, zukünftige Schriftsteller wie Carlos Cerda und Roberto Ampuero, Schauspieler wie Anibal Reyna und bildende Künstler wie Guillermo Deisler.

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Ein Aufrechter

Der Schriftsteller Klaus Rohleder ist tot. Er sei am Donnerstag auf Sizilien im Alter von 78 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben, sagte der Autor und Freund Rohleders, Jürgen Serke, am Freitag der dpa. Rohleder gehörte in der DDR zur oppositionellen Gruppe um den Lyriker Reiner Kunze. Für seine aufrechte Haltung und sein literarisches Gesamtwerk hatte er 2011 das Bundesverdienstkreuz erhalten...

Die Unbequemen

Am »Tag des offenen Denkmals« öffnen am Sonntag in ganz Deutschland rund 7500 historische Gebäude, archäologische Stätten, Parkanlagen und private Häuser ihre Türen. In den vergangenen Jahren besuchten regelmäßig mehr als 4,5 Millionen Menschen die Denkmale, die zum Teil nur an diesem Tag zugänglich sind. Unter dem Motto »Jenseits des Guten und Schönen« will die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ...

Klaus Walther

Von Karl May ins Heute

Nur Karl May musste es sein. Alles andere erschien uns damals läppisch und langweilig. Karl May lesen war ja selber ein Abenteuer, die Bücher waren zu frühen DDR-Zeiten Gegenstand heftiger Anfeindung. Die Verlagsrechte aus Radebeul kamen gegen Devisen nach Bamberg, aber das ist schon eine andere Geschichte.

ndPlusTom Mustroph

Eine Schule der Kunst

Die Haltestelle heißt »Schule«. So steht es noch am Schild der Bushaltestelle in Roskow. Doch was einst Schule war - von 1953 bis 2004 -, ist jetzt wieder Schloss. In diesem Schloss hat in diesem Sommer die ländliche Kunstinitiative Rohkunstbau ihr Domizil gefunden

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Für Verdienste

Für seine Verdienste um die Vor- und Frühgeschichte erhielt der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, am Freitag einen neuen Preis für Geisteswissenschaften. Die Akademie der Wissenschaften und der Literatur verlieh ihm den mit 25 000 Euro dotierten »Sibylle Kalkhof-Rose Akademie-Preis«. Der 54-jährige Parzinger habe sich darüber hinaus als Präsident des Deutschen ...

Für Vernunft

Der Philosoph Jürgen Habermas (84) erhält den diesjährigen Kasseler Bürgerpreis »Glas der Vernunft«. Habermas bekomme die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung für sein Engagement zum Aufbau einer gemeinsamen europäischen Zukunft, sagte der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Preises, Hansjörg Melchior, am Freitag. Die Preisverleihung findet am 29. September im Kasse...

ndPlusKarlen Vesper

Nur Lug und Trug - oder was?

Die Welt will betrogen werden, heißt es im »Narrenschiff« des Sebastian Brandt. Will aber auch der Wähler verschaukelt und vergau(c)kelt werden? Verschont von unangenehmen Wahrheiten? Eigentlich nicht. Aber er weiß oder ahnt es, dass er alle vier Jahre (und zwischendurch) von Regenten und Repräsentanten mal mehr, mal weniger dreist und deftig hintergangen wird.

Hans-Dieter Schütt

Flickenteppich

Hans Magnus Enzensberger nennt seine Denkspiele, Mini-Dialoge, hingeplauderten Maximen und kleinen Redeschwälle, also »Herrn Zetts Betrachtungen«, im Untertitel »Brosamen, die er fallen ließ, aufgelesen von seinen Zuhörern«.

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Und ewig grüßt ...

Über die Zukunft der »Lindenstraße«, der ersten deutschsprachigen Seifenoper, wurde in den letzten Wochen heftig debattiert. Nicht wenige fordern das Ende der Langzeitserie, die seit fast 28 Jahren so gut wie jeden Sonntag in der ARD läuft.

ndPlusElke Bunge

Lernfähiger Gehirnscanner

Gedanken zu lesen galt lange Zeit als Zauberei. Die Psychologie versucht seit einigen Jahren, sich diesem Thema wissenschaftlich zuzuwenden und durch die Interpretation von Augenausdruck, Mimik und Gestik Gedanken zu lesen. In jüngster Zeit versuchen die Labore der Neurowissenschaftler zu entschlüsseln, was das Gegenüber gerade denkt. Durch hochauflösende Tomographen und eine spezielle lernfähi...

Intelligente Zuschauer

»Auf der Flucht« heißt eine Dokusoap, die jüngst im Spartenkanal ZDFneo ausgestrahlt wurde und seit Mittwoch dieser Woche im ZDF-Hauptprogramm wiederholt wird. Die Sendung, in der sechs Personen aus Deutschland sich in die Heimatländer von Flüchtlingen begeben, um von dort aus auf den gleichen Fluchtwegen nach Deutschland zu gelangen, hat viel Kritik einstecken müssen. Dass das Format geschmack...

ndPlusFlorian Schmitz

Kulturkampf auf griechisch

Die Schließung des griechischen Staatssenders ERT durch die Regierung Samaras löste europaweite Proteste, eine politische Krise sowie den daraus resultierenden Ausstieg der demokratischen Linken aus der Regierungskoalition aus. Soviel ist bekannt. Weniger Augenmerk wird darauf gerichtet, wie die Mitarbeiter des gestürzten Senders mit der Situation umgehen.

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Eine Strafaktion mit unabsehbaren Folgen

Von vorn nach hinten und von hinten nach vorn die UN-Charta durchsuchend, finde ich keinen Hinweis auf eine völkerrechtlich legitimierte militärische Strafaktion gegen ein Land, schon gar nicht eine Ausnahmeregelung für einen selbsternannten Großmacht-Weltpolizisten.

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ndPlusWalter Schmidt

Junge, komm bald wieder ...

Stets mit den Wölfen zu heulen, gilt unter Menschen nicht gerade als Ausweis von Rückgrat und großer Eigenständigkeit. Wölfe selbst heulen mit ihresgleichen, zum Beispiel, wenn ein Rudelmitglied sich von der Gruppe entfernt hat oder vermisst wird. Wie dabei geheult wird, hängt vor allem von der sozialen Beziehung zwischen dem verschwundenen Wolf und dem Rest des Rudels ab. Der aktuelle emotiona...

Martin Koch

Superschwere Physik

Bei der Suche nach neuen superschweren Elementen liefern sich deutsche, russische und US-Forscher seit Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Da solche Elemente nur in speziellen Beschleunigern erzeugt werden können und überdies sehr schnell wieder zerfallen, gilt ihr Nachweis als extrem schwierig. Und so hat sich manch großspurig angekündigte Entdeckung eines neuen superschweren Elements im Nachhinei...

Elke Bunge

Den Oberflächenatomen auf der Spur

Schaut man auf Aufnahmen aus dem Kleinsten, dann ist es manchmal, als ob man vorbeiziehende Wolken betrachtet. Man sieht einen Löwenkopf oder einen Drachen am Himmel. So geht es manchmal auch den Wissenschaftlern der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) in der Schweiz, wenn sie die Aufnahmen ihres Rastertunnelmikroskops anschauen

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ndPlusCarlos García Hernández

Weiß siegt in drei Zügen

Am kommenden Donnerstag vor 33 Jahren starb eines der größten Genies auf dem Gebiet der Schachkompositionen: André Chéron (Frankreich; 25. September 1895 - 12. September 1980). Als Spieler gewann er die französische Meisterschaft drei Mal, in den Jahren 1926, 1927 und 1929.

ndPlusUdo Bartsch

Gegen Realitätszwänge

In vielen Metropolen offenbaren sich selbst für den Laien eklatante Planungsfehler. Das Städtebauspiel »Suburbia« bietet Unzufriedenen die Chance, zumindest in der Simulation alles viel besser hinzukriegen. Alle Kritiker können sich hier also gut abarbeiten. Oft genug werden sich die Spieler allerdings dabei ertappen, wie sie die Fehler der Realität wiederholen, etwa aus Geldmangel unattr...

rigitte Müller

Brombeeren im Fliederbaum

Was anspruchslos wächst und trotzdem zuverlässig mit Duft oder Frucht, Blättern oder Wurzeln Nase und Gaumen verwöhnt oder einfach nur mit Blüten- oder Blattschönheit das Auge erfreut - das sind mir die liebsten Gartenbewohner. Manchmal tun sich manche zusammen und bilden ein ungewöhnliches Paar. Zum Beispiel schwang sich in diesem Jahr die stachellose Brombeere in den Fliederbaum. Ersten...

Zwei Bälle rollen gegen Neonazis an

Ihre Arbeitslosigkeit brachte einst zwei Regensburger auf eine Idee: Der Bäcker Jakob Schmid und der Hafenarbeiter Franz Perzl bauten Anfang der 30er Jahre eine Riesenkugel aus Holz, in der sie auch übernachten konnten. Hubertus Wiendls plant eine Neuauflage dieser Tour.

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ndPlusStephan Brünjes

Manchmal singen Kellner die Speisekarte vor

Wie praktisch: Im Schlafgemach von Giuseppe Verdis Frau Giuseppina Strepponi hängt ein Glöckchen unter der Decke. Die daran befestigte, goldfarbene Kordel endet im Nebenzimmer am Bett des Komponisten. »Wenn er was bestimmtes wollte, dann läutete er«, sagt Francesca Celato, die Radtour-Guide. Nanu, der Maestro, dessen Geburtstag sich am 10. Oktober zum 200. Mal jährt, ein triebgesteuerter Macho?...

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Michael Müller

Neues bei Krupp und Krause

Es soll, glaubt man einer bestimmten, aber eben, so wie alle anderen, ungewissen Quellenlage, in der Nähe der heutigen Stadt Hattingen gewesen sein. Ehe Sivrit, wie Siegfried bei den Nibelungen hieß, nach Worms kam, habe er hier das Schmiedehandwerk gelernt.