Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Seite 1

UNTEN LINKS

Um sich auszumalen, was auf einer Schweizer Bank vor sich geht, benötigt man viel Fantasie. Mindestens 27,2 Millionen Euro soll Uli Hoeneß dem Fiskus vorenthalten haben, indem er auf einer solchen Bank mit ungleich größeren Summen jonglierte. Das klingt nach einem Haufen Geld. Aber wie hoch wäre dieser Haufen, wenn man ihn in kleinen Scheinen aufeinanderschichten würde? So hoch wie das Matterho...

EU-Parlament schützt Saatvielfalt

Straßburg. Das Europäische Parlament hat den heftig umstrittenen Vorschlag der EU-Kommission für eine neue Saatgutverordnung gekippt. 650 gegen 15 Abgeordnete stimmten am Dienstag gegen die Vorlage, die in ihren Augen eine Gefahr für seltene Sorten und damit für die Artenvielfalt darstellt. Sie forderten zugleich die EU-Kommission auf, einen neuen Vorschlag vorzulegen. Das Plenum folgte damit d...

Klaus Joachim Herrmann

Zeit für neue Ost- und Westpolitik

Der Konflikt um die Ukraine und die Krim kommt zu seinem wirklichen Kern. Das ist die geostrategische Neuordnung nach dem Ende der Sowjetunion. Moskau geht es dabei um die Wahrung von Räumen, den USA und der NATO um Geländegewinne. Das ist traditionell der Stoff, aus dem Konflikte, schlimmstenfalls Kriege gemacht sind. »Europa oder Russland« - vor diese irrwitzige Alternative wurde ein oh...

Krieg der Parlamente in der Ukraine

Vor dem für kommenden Sonntag geplanten Referendum über den künftigen Status der Halbinsel Krim spitzen sich die internationalen Kontroversen zu.

Seite 2
Irmtraud Gutschke

Leser kommen in Scharen

Als Podium für osteuropäische Autoren hat sich die Leipziger Buchmesse immer schon verstanden. Der Themenschwerpunkt »tranzyt« zur Literatur aus Polen, der Ukraine und Belarus war lange vor den krisenhaften Ereignissen dort konzipiert. Aber nun passt es gut, dass man Autoren wie Juri Andruchowytsch, Andrej Kurkow und Katja Petrowskaja zu Gast hat, die aus der Ukraine kommen. Sie werden mit ihre...

ndPlusDanuta Schmidt

Reize noch und noch

Mehr als 3000 Mitwirkende bei 3200 Veranstaltungen an über 410 Leseorten - langweilig wird es auch auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse nicht. Selbst wer so viel mitnimmt, wie er nur kann, wird am Ende womöglich mit sich unzufrieden sein. Man kann sich eben nicht zerteilen. Reizüberflutung ist programmiert, zumal wenn exklusive Orte locken: eine Tantramassage-Praxis für die erotische Lesung...

ndPlusMichael Hametner

Fragen und Genießen

Mit einer Festveranstaltung im Gewandhaus wird Mittwoch Abend die Leipziger Buchmesse, die bis zum 16. März läuft, eröffnet. 2180 Aussteller aus 43 Ländern haben sich angemeldet, über 100 mehr als 2013.

Seite 3

Vorzeigeobjekt

Der 1. Juli 1998 ist ein Wendepunkt in der Geschichte von Riace. 200 kurdische Flüchtlinge strandeten an diesem Tag mit ihrem Boot an der Küste Kalabriens unweit des Dorfes. Statt mit anzusehen, wie sie in eines der Auffanglager verfrachtet wurden, bot Bürgermeister Domenico Lucano ihnen Häuser in seinem Dorf an, die aufgrund des Bevölkerungsschwunds leer standen. Denn von einst 3000 Einwohnern...

ndPlusAnna Maldini, Riace

Benvenuti statt Abschiebung

Die europäische Flüchtlingspolitik ist von Abschottung und Zurückweisung geprägt. Dass es auch anders gehen kann, zeigt der Ort Riace in Kalabrien. Hier finden Migranten eine neue Heimat.

Seite 4
ndPlusAnna Maldini

Renzi nicht Manns genug

Was hatte sich Matteo Renzi damit gebrüstet, dass die Hälfte seines Kabinetts aus Frauen besteht. Was sei das doch für ein wunderbares Zeichen, sind Frauen ja eigentlich die besseren Menschen und so weiter... Nun stellt sich heraus: All das Gerede ist nur heiße Luft. Bei der ersten Gelegenheit hat der junge Ministerpräsident mit einem Teil seiner Demokratischen Partei (PD) die hehren Prinzipien...

ndPlusGabriele Oertel

Agenda 2030? Nur zu!

Das Zetern der Industrielobbyisten wird Angela Merkel ärgern. Eine Agenda 2030? Schröder weiß es: erst laufen einem die Parteifreunde weg, dann die Wähler und zum Schluss ist die ganze schöne Macht flöten

Alexander Ludewig

Das Leben - kein Menschenrecht?

Joseph Blatter, Präsident des Weltfußballverbandes, gibt mal wieder eine lehrbuchreife Vorstellung in Sachen Selbstherrlichkeit. Er werde die FIFA dazu bringen, bei künftigen WM-Vergaben auch die Menschenrechtssituation zu berücksichtigen. Blatters Wille geschehe. Wie schon bei der verbandsinternen Korruptionsbekämpfung soll sein Name an der Spitze einer Reformbewegung stehen. Dass diese Forder...

Michael Krämer

Der Comandante am Ziel

Viele seiner Anhänger nennen ihn bis heute Leonel González. Unter diesem Pseudonym kämpfte Salvador Sánchez Cerén lange Jahre in der Nationalen Befreiungsfront Farabundo Martí (FMLN) - El Salvadors Guerilla-Organisation gegen die herrschende Oligarchie im Land. Sánchez Cerén, neuntes von zwölf Kindern eines Schreiners und einer Verkäuferin, begann sehr früh, sich gegen Armut und Unterdrückung z...

Unzulässige historische Vergleiche
ndPlusGeorg Fülberth

Unzulässige historische Vergleiche

Mit der Fünf-Prozent-Klausel wollte der Gesetzgeber nach der Gründung der Bundesrepublik eine Lehre aus der Geschichte der Weimarer Demokratie ziehen. Diese sei daran gescheitert, dass Extremisten von rechts und links das Land unregierbar gemacht hätten. Jetzt sollten sie durch eine Sperre von den Parlamenten ferngehalten werden. Die historischen Tatsachen sprechen gegen eine solche Inter...

Seite 5
ndPlusOlaf Standke

Leitzentrale in der Luft

Nach Kriegsschiffen und Kampfjets aus den USA schickt die NATO nun auch Aufklärungsflugzeuge an die Grenzen der Ukraine.

Julian Bartosz, Wroclaw

Ukrainisches Fieber an der Weichsel

Polens Politiker hatten in den vergangenen Jahren die Rolle von Paten einer ukrainischen Annäherung an die EU übernommen. Welche Schlüsse ziehen sie aus der Zuspitzung der Lage beim Nachbarn?

Klaus Joachim Herrmann

Die ganze Flotte

Im Konflikt um die Ukraine und die Schwarzmeer-Halbinsel Krim gehört zur politischen immer mehr auch die militärische Aufrüstung. Früher Kernwaffen, immer Gas- und Erdölpreise ist heute die Schwarzmeerflotte Anlass.

Seite 6
ndPlusMirco Keilberth, Tripolis

Die »Freunde Libyens« zeigen sich ratlos

Zweieinhalb Jahre nach dem Sturz Gaddafis sind Libyens staatliche Strukturen dem Zerfall nahe. Am Montag haben Rebellen auf eigene Rechnung Öl verschifft. Der Premier soll abgesetzt worden sein.

Seite 7
ndPlusFabian Lambeck

Schäuble knausert beim Kindergeld

Wenn der Steuerfreibetrag steigt, gibt es normalerweise auch mehr Kindergeld. Doch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will diesen Automatismus außer Kraft setzen.

Julia Vitalis

Todesursache ungeklärt

Seit Monaten steht eine Hebamme vor einem Dortmunder Gericht. Sie ist des Totschlags angeklagt. Ihre Existenz ist schon vernichtet, ein Urteil noch nicht gefällt. Heute ist der 42. Prozesstag.

Seite 8

Vater von NSU-Opfer das Wort entzogen

Ismail Yozgat fand seinen Sohn ermordet in einem Internetcafé. Im NSU-Prozess darf er nicht das Wort ergreifen - die Strafprozessordnung erlaube keine Erklärungen, hieß es.

ndPlusRudolf Stumberger

Neuer Spielstand: 27,2 Millionen

Am zweiten Prozesstag in München ist die Steuerschuld des Uli Hoeneß erneut angewachsen. Ob er am Ende ohne Gefängnisstrafe davonkommen könnte, wird immer fraglicher.

Seite 9

Debatte um Fahrpreise

Die Fahrpreise im öffentlichen Personennahverkehr in Berlin und Brandenburg werden möglicherweise in diesem Jahr nicht erhöht. Nach Informationen der »Berliner Zeitung« geht man in Senatskreisen davon aus, dass sie erst 2015 wieder steigen. Dem Vernehmen nach hätten sich die Politiker in Brandenburg dafür ausgesprochen. Grund seien die kommenden Kommunal- und Landtagswahlen. Die Preise in der R...

Andreas Fritsche

Kein Feiertag

Konservative, Christen, Antifaschisten, Sozialisten, Kommunisten, Parteilose, Liberale, Unabhängige - sie alle könnten den 18. März als Nationalfeiertag akzeptieren. Dies erkannte die »Aktion 18. März« bereits 1978, als sie einen solchen Feiertag in BRD und DDR wünschte. Aktionsgründer Volker Schröder, mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, bemüht sich heute noch um den Feiertag - allerdin...

ndPlusGuido Speckmann

Tempelhof: gemeinsames Gesetz fraglich

Rhetorisches Entgegenkommen ja, aber in der Sache wenig Bewegung - so beschreibt die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der LINKEN, Katrin Lompscher, das Verhalten der Senatskoalition zum fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf Tempelhofer Feld. Die Verhandlungsführerin der Sozialisten zeigte sich am Dienstag skeptisch, ob bis nächste Woche noch mit einem Kompromiss zu rechnen ist. Der Grund:...

ndPlusBernd Kammer

Studentenwohnungen als Kapitalanlage

Kleine Wohnungen sind knapp, Plätze in Studentenwohnheimen erst recht. Das verbessert die Renditeaussichten beim Neubau. Die ersten neuen Wohnungen, die am Alex entstehen, sollen für Studenten reserviert werden.

Martin Kröger

Ver.di will Charité bestreiken

Die Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen an der Berliner Uniklinik sind in eine Sackgasse geraten: Weil das Angebot der Arbeitgeber nicht akzeptabel ist, wollen die Beschäftigten jetzt Dampf ablassen.

Seite 10

Steckdose in der Innenstadt

An der neuen Stromtankstelle in Bernau (Barnim) wird am Dienstag ein Fahrzeug aufgeladen. Die Stadt richtete die Tankstelle im Zentrum ein, damit sich die Nutzer während der Ladezeit dort umsehen können. Angesprochen werden sollen vor allem Berliner, die ihre Elektrofahrzeuge bei Ausflügen ins Brandenburgische auf der Hin- oder Rückfahrt in Bernau zwischentanken können....

Sanierung von Bädern dauert länger

Bis zu einem Jahr länger als geplant dauern aktuelle Sanierungsarbeiten in drei Berliner Schwimmhallen. Außerdem steigen die Sanierungskosten von insgesamt rund 28 Millionen Euro auf etwa 35 Millionen Euro. Das geht aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Sport auf eine Kleine Anfrage aus der Piraten-Fraktion hervor. Betroffen sind das Kombibad Gropiusstadt, die Schwimmhalle Finckensteinalle...

ndPlusWilfried Neiße

Parteien entdecken den Nachwuchs

Die Landtagsfraktionen rückten gestern den Nachwuchs im weitesten Sinne in den Fokus der Politik. Die LINKE sorgte sich um Erstwähler, die SPD um Mütter und die CDU um Hebammen.

ndPlusGuido Speckmann

»Lieber tot als ohne Geld«

Seit 2009 gibt es die Kiezzeitung »Der Kreuzberger«. Die Auflage wuchs schnell auf 3000 Exemplare. Da das »Blatt für regimekritische Entgleisungen« kaum Werbeeinnahmen hat, droht nun das Aus.

Nicolas Šustr

Notärztlich am Limit

Seit über einem Jahr gibt es in Berlin den Beruf des Notfallsanitäters. Die Ausbildung erfordert einige Änderungen für die Rettungsdienste. Nicht alle finden, dass Berlin gut auf die Umstellung vorbereitet ist.

Andreas Fritsche
 und Sybille Gurack

Ein Stück zurück in die Politik

Vater und Verfasser einer Chronik ist Stefan Sarrach, Sozialrichter und Sozialdemokrat. Am 25. Mai könnte er wieder Stadtverordneter werden.

Seite 11

Regierung bestätigt Aus für 20 Schulen

Magdeburg. CDU und SPD in Sachsen-Anhalt wollen in der Schulpolitik bei ihrer bisherigen Linie bleiben und nicht an den geplanten Grundschulschließungen rütteln. »Die Schulentwicklungsplanung lässt ausreichend Abwägungsmöglichkeiten für ein vernünftiges Schulnetz in Sachsen-Anhalt«, teilten die Regierungspartner am Dienstag nach einer Sitzung des Koalitionsausschusses mit. Die Umsetzung sei une...

Besucherrekord in Neuschwanstein

Neuschwanstein ist für viele das Märchenschloss schlechthin, 2013 gab es einen neuen Besucherrekord. Doch noch mehr Gäste kann der alte Bau nicht verkraften.

Keine Mehrheit für Wahlrecht mit 16 Jahren

Ein Wahlrecht schon ab 16 Jahren auch bei Landtagswahlen findet in der Bevölkerung Mecklenburg-Vorpommerns keine Mehrheit. So eine am Dienstag veröffentlichte repräsentative Umfrage des Bielefelder Meinungsforschungsinstituts Mente Factum.

Hans-Gerd Öfinger

Ammenmärchen vom Wettbewerb

Die neue schwarz-grüne Koalition in Hessen macht Tempo bei der Änderung des Krankenhausgesetzes. Sie will den fragwürdigen Entwurf der CDU/FDP-Vorgängerregierung durch den Landtag bringen.

Marina Mai

Bleiberecht gegen Abzug

Seit Wochen verhandelt Integrationssenatorin Kolat (SPD) mit den am Kreuzberger Oranienplatz protestierenden Flüchtlingen. Einem internen Papier zufolge scheint sich nun ein Kompromiss anzubahnen.

Seite 12

Quandt neue Vorsitzende

Die Unternehmerin Gabriele Quandt ist neue Vorsitzende des Vereins der Freunde der Nationalgalerie in Berlin. Sie übernimmt die Aufgabe von der früheren Kulturstaatsministerin Christina Weiss, die sich nach sechs Jahren nicht mehr zu Wahl stellte. Die Mitgliederversammlung wählte die 1952 geborene Quandt einstimmig zu Nachfolgerin, wie der Verein mitteilte. Die studierte Managerin ist Vor...

Festival »MaerzMusik« beginnt

Mit dem Musiktheater »IQ - Testbatterie in acht Akten« von Enno Poppe, Marcel Beyer und Anna Viebrock werden am 14. März die diesjährigen Berliner Festspiele »MaerzMusik« eröffnet. Dies sei bereits die zweite Zusammenarbeit des Künstlerteams Poppe, Beyer, Viebrock nach »Arbeit Nahrung Wohnung« aus dem Jahr 2008, teilten die Veranstalter des Festivals am Dienstag mit. Bis zum 23. März sind insge...

117 mal Uta in Naumburg

Naumburg. Frauen aus ganz Deutschland mit dem Vornamen Uta werden an diesem Wochenende zu einem Treffen in Naumburg in Sachsen-Anhalt erwartet. Es ist der Skulptur der Uta von Ballenstedt im Dom der Stadt gewidmet. Das diesjährige Uta-Treffen steht unter dem Motto »Saale-Unstrut auf dem Weg zum Welterbe«. 117 Mädchen und Frauen haben sich bislang für die Veranstaltung vom 14. bis 16. März angem...

Auf der Suche nach dem »wahren Bach«

Auf die Suche nach dem »wahren Bach« macht sich ab Donnerstag eine Ausstellung im Berliner Dom. Unter dem Motto »Echt Bach!« wird dabei erstmals ein wahrscheinlich authentisches Porträt des Komponisten Johann Sebastian Bachs (1685-1750) aus dem Eisenacher Bachhaus präsentiert, das nahezu 80 Jahre als verschollen galt, teilte die Domverwaltung mit. Das Bild ist nach Angaben des Museums ver...

Offenbar(t)e Verrücktheiten

Glaubt den Verwirrten, den Verrückten, denen, die die Wirklichkeit so nachhaltig leugnen, dass in diesem Leugnen der Keim zum Verstehen der Zukunft entsteht! In den Wintermonaten 1972 tauchten in den Bezirken Tempelhof und Schöneberg zum ersten Mal jene seltsamen Inschriften auf, die die Westberliner vor der allumfassenden Überwachung durch Geheimdienste warnen wollten. »Sendermann« nannte sich...

Landminen und kein Ende

Die neuerliche Suche nach unentdeckten Landminen an der früheren deutsch-deutschen Grenze in Thüringen und ihre Vernichtung würde nach Angaben des Erfurter Umweltministeriums rund 6,5 Millionen Euro kosten.

Feuerpause in der Westpfalz

Auf einem Gelände in der Westpfalz dürfen Jäger künftig nicht mehr anlegen, der Kreis Kusel hat dem Wunsch der Besitzerin entsprochen. Jäger und Kommune sind gegen diese Maßnahme.

ndPlusChristina Ujma

»Vor der Wand« des Schweigens

Trotz deutsch-italienischer Historikerkommission bleiben die Wehrmachtsverbrechen in Italien ein blinder Fleck im deutschen Wissen über die Nazi-Zeit, obwohl Historiker schätzen, dass in den anderthalb Jahren deutscher Besetzung jeden Tag ca. 160 unbeteiligte Zivilisten ermordet wurden, dazu noch die Frauen und Männer, die unter Partisanenverdacht standen. Anderswo in Europa ist der Terror gege...

Hanna Ongjerth

Nah am Abgrund kann es nur noch besser werden

Es ist schwierig zu schätzen, wie alt diese Frau auf der Bühne in Wirklichkeit ist. Ihr prächtiger roter Schlafmantel hängt an ihrer tattrigen Gestalt, gerade so, als wäre er vor vielen Jahrzehnten versehentlich an ihr vergessen worden. Ihre rötlich-braunen Haare fallen zerzaust auf ihre Schultern. Sie hat ein behelfsmäßiges Schild in der Hand - »eat people, not animals« - und bittere Wut in de...

ndPlusHarald Lachmann

»In Greene ist‘s scheene«

Gröna bei Bernburg zählt zu den dörflichen Perlen Sachsen-Anhalts, in den letzten Jahren wuchs die Einwohnerzahl auf 600. Doch was ist das Besondere an Gröna?

Seite 13

Tod mit 101

Die Holocaust-Überlebende Marga Spiegel ist tot. Sie starb am Dienstag im Alter von 101 Jahren in Münster. Das teilte die Jüdische Gemeinde Münster mit und bestätigte Informationen der »Westfälischen Nachrichten«. Spiegels Überlebensgeschichte während der Nazizeit war in dem Film »Unter Bauern« mit Veronica Ferres in der Hauptrolle erzählt worden, der 2009 in die Kinos kam. dpa/nd...

Ehrung für Leipziger Bürger

Der Deutsche Nationalpreis 2014 geht an die Repräsentanten der Leipziger Montagsdemonstrationen zur Erinnerung an die friedliche Revolution in der DDR und den Fall der Mauer vor 25 Jahren. »Der Preis würdigt Menschen, deren revolutionärer Mut und deren Gewaltverzicht den Einsturz des DDR-Regimes und den Fall der Mauer bewirkten«, sagte der Vorstand der Deutschen Nationalstiftung, Dirk Reimers, ...

Preis für chilenischen Verlag

Der chilenische Verlag Editorial Amanuta erhält für Bilderbücher mit Märchen der Brüder Grimm den Preis »Schönste Buchproduktion« der deutschen Unesco-Kommission und der Stiftung Buchkunst. Er ist mit 1000 Euro dotiert und soll am Freitag auf der Leipziger Buchmesse vergeben werden, wie die Unesco-Kommission am Dienstag mitteilte. Der Verlag werde für seine farbigen und detailreichen Illu...

ndPlusKarlen Vesper

Der Aufbruch der Unterjochten und Gedemütigten

Als Sujet einer Semesterarbeit wählte ich dereinst Harappa und Mohenjo-Daro, Metropolen einer im dritten Jahrtausend v. u. Z. aufblühenden Kultur auf dem indischen Subkontinent, eine der frühesten Zivilisationen, mit eigener Schrift, gepflasterten Straßen und eindrucksvollen Bauten. Ein Reich, so groß wie Ägypten und Mesopotamien zusammen. Zu einer Zeit, als die Germanen noch auf Bäumen hockten...

Uwe Stolzmann

«La Suisse n’existe pas»

La Suisse n’existe pas.« Schweizer Intellektuelle verstehen diesen frechen Spruch aus den Neunzigern gern positiv. Es gibt nicht nur eine Schweiz, so lautet ihre Lesart, sondern vier Schweizen. Vielleicht aber auch nur zwei.

Seite 14

Bald mit Doppelspitze

Die Berliner »tageszeitung« (»taz«) wird künftig von einer gleichberechtigten Doppelspitze geführt. Chefredakteurin Ines Pohl soll ab dem 1. April von Andreas Rüttenauer unterstützt werden, wie die Zeitung am Dienstag in Berlin mitteilte.

Intendant gefeuert

Der Intendant des Wiener Burgtheaters, Matthias Hart᠆mann, ist fristlos entlassen worden. Das teilte der österreichische Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) am Dienstag mit. Zwei Rechtsgutachten hätten schwere Mängel im Rechnungswesen und im Kontrollsystem gezeigt. »Um weiteren Schaden für die Republik und das Burgtheater abzuwenden, musste dieser Schritt gesetzt werden«, sagte Ostermay...

Wolfgang Schmidbauer

Das industrialisierte Morden

Männer, deren Zustand wir heute auf einen nervösen Zusammenbruch durch ein seelisches Trauma zurückführen, wurden bis 1916 standrechtlich wegen Feigheit vor dem Feind erschossen. Erst in den letzten Jahren des Ersten Weltkrieges ließ sich nicht mehr verleugnen, dass viele Menschen in den Gräben wegen seelischer Überlastung nicht mehr kampftüchtig waren, auch wenn sie es sein wollten. Noch...

Seite 15

Journalisten erklären Nachrichten

In Deutschland identifiziert man mit dem Namen «Vox» den gleichnamigen TV-Kanal. In den USA entsteht derzeit ebenfalls ein Medium mit dem lateinischen Namen «Vox» (Stimme). So wie es im deutschen Kinderkanal KiKA die Sendung «Logo» gibt, die Kindern mit einfachen Worten das Tagesgeschehen erläutert, soll es mit dem Online-Kanal «Vox» in den USA künftig etwas ähnliches für Erwachsene geben. Das ...

Robert D. Meyer

Angriff der Klonmusiker

Mit der Demokratie ist es bei den Öffentlich-Rechtlichen nicht weit her: Am Donnerstag werden zur besten Senderzeit acht Teilnehmer um den Einzug ins Finale des Eurovision Song Contest am 10. Mai in Kopenhagen singen.

Seite 16

Tierschützer rügen Preissenkungen an der Fleischtheke

Bonn. Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert die Preissenkungen für Fleischprodukte bei führenden Lebensmitteldiscountern. »Wer Preise dauerhaft senkt, der senkt auch das Tierschutzniveau in den Ställen«, erklärte Verbandspräsident Thomas Schröder am Dienstag in Bonn. »Das geht dann letztlich auch zu Lasten der Landwirte.« Sie könnten sich wegen des steigenden Kostendrucks durch Preisdumping de...

Deutschland exportiert noch mehr

Die Nachfrage nach Waren »Made in Germany« zog im Januar an. Auch die Einfuhren liegen im Plus - Ökonomen sehen darin einen Beweis für die Belebung der Binnenkonjunktur.

Marcus Meier

Keine Schienen mehr von ThyssenKrupp

ThyssenKrupp will seine Gleistechniksparte aufgeben. Nun sind 260 weitere Arbeitsplätze im Ruhrgebiet bedroht. Die IG Metall fordert: Keine betriebsbedingten Kündigungen.

»Die Messungen sind manipuliert«

Der japanische Publizist Fukumoto Masao beschäftigt sich mit Atomkraftwerken. Sein aktuelles Buch behandelt die Verstrahlung Deutschlands nach der Tschernobyl-Katastrophe. Mit ihm sprach Ralf Hutter.

Seite 17
ndPlusJulia-Marie Czerwonatis

Fusion der Bananenriesen

Nach den Millionenverlusten, die Chiquita in den letzten Jahren einbüßen musste, soll nun durch den Zusammenschluss mit Fyffes die Wende für den Konzern kommen.

Andrea Klingsieck, Paris

Kein Herz für Behinderte

Trotz eines Gesetzes geht der behindertengerechte Umbau von Ämtern, Läden und Schulen in Frankreich kaum voran.

Seite 18

SPONTI (Substantiv, Diminutiv, der)

Ob Transpi, Lauti, Hafti: Der Diminutiv hat dauerhaft Konjunktur in der Linken. Die Mutter all dieser Kurzform aber lautet »Sponti«. So bezeichneten sich in den 1970er Jahren die Anhänger der Annahme, allein die »Spontaneität der Massen« werde für den Umsturz sorgen. Die »Spontis« sahen sich sehr offensiv als der bessere, »undogmatische« Flügel der Bewegung von und nach 1968. Die straff organis...

ndPlusJohanna Treblin

Frauen in der Apo

Drei Frauen sitzen auf dem Podium. Alle drei tragen Doppelnamen, alle drei sind über 70 Jahre alt. Gretchen Dutschke-Klotz, Christina Thürmer-Rohr und Herta Däubler-Gmelin sind politisch aktive Frauen, deren Politisierung während der Studentenunruhen der 1960er Jahre begann.

David Rojas-Kienzle

Molotov-Cocktails für Mónica und Francisco

Von Chile über Spanien bis nach Deutschland solidarisieren sich Anarchist*innen mit Mónica Caballeros und Francisco Solar. In die Medien brachte sie zuvor bereits der »Caso Bombas«.

ndPlusFlorian Schmid

Vier Häuser sind vom Markt

Das Mietshäuser Syndikat sorgt dafür, dass Wohnungen dem Immobilienmarkt entzogen werden. Damit soll Wohnraum erschwinglich bleiben. Im 4-Häuser-Projekt in Tübingen wohnen vor allem Familien.

Seite 19
ndPlusAlexander Sarter, Albufeira

Fußballerinnen schon im WM-Modus

Der Weltmeister wartet, der dritte Turniersieg ist zum Greifen nahe - doch Silvia Neid ist in Gedanken schon bei der WM im kommenden Jahr. Der Konkurrenzkampf sei momentan relativ groß, so die Trainerin.

Jürgen Holz

Stark geredet - schwach gespielt

Der Sieg des Eishockeymeisters aus Berlin zum Auftakt der Playoffs kam mit viel Kampf und Krampf zustande. Im zweiten Match der Serie könnte es am Mittwoch in Ingolstadt noch enger werden.

ndPlusRonny Blaschke, Sotschi

Barrieren weichen nur langsam

Viele Jahre lang wurden Probleme von Behinderten in Russland ignoriert. Die Paralympischen Winterspiele in Sotschi sollen nun einen Mentalitätswechsel bringen.

Seite 20
Marlene Göring

»Wir rätseln genauso«

Auch nach Tagen fehlt von der vermissten Boeing 777 jede Spur. Behörden glauben nicht mehr an einen Terroranschlag - die Angehörigen der Passagiere hoffen noch, dass die Maschine entführt wurde.

ndPlusDiana Renée und Juliane Wienß, Rio de Janeiro

Rio bezahlt mit dem »Surreal«

Hamburger für 30 Euro und Getränkepreise zum Verarmen - die Einwohner der WM-Metropole Rio können sich die eigene Stadt oft kaum noch leisten. Aber sie wollen sich wehren.

Seite 21

Mit dem Rollator im Straßenverkehr

Rollatoren prägen immer häufiger das Straßenbild. Die auch als »Gehhilfen« bezeichneten Wagen dienen der sicheren Fortbewegung, wenn das Laufen erschwert ist.

Seite 22

Zuschlag auf Pflegeleistungen

Eine Familie mit mehreren pflegebedürftigen Menschen im Haushalt hat genauso Anspruch auf einen Zuschlag auf Pflegeleistungen wie Bewohner einer ambulant betreuten Wohngruppe.

Lebensversicherung zählt zum Vermögen

Bevor jemand vom Staat Hartz IV bekommt, muss er sein eigenes Vermögen anzapfen. Das gilt auch für Lebensversicherungen. Doch es gibt auch Ausnahmen für die Hartz-IV-Bezieher.

Seite 23

Was ist in solchen Fällen von dem Betreffenden zu tun?

Das kann jeden treffen: Die Kündigung liegt im Briefkasten. Zunächst ist das ein Schock für den Betreffenden, dann kommt die Wut, die später in Unverständnis umschlägt. Denn der Arbeitgeber muss eine Kündigung nicht begründen. Wie verhalte ich mich nun?

Seite 24

Sind die Kosten umlagefähig?

Dürfen Vermieter die Kosten des sogenannten Legionellentests auf die Betriebskosten umlegen? Diese Kosten entstehen nur alle drei Jahre, Betriebskosten gehen von einer Regelmäßigkeit aus - wie werden die Mieter belastet? Rolf. Z., Dresden Vermieter sind laut Trinkwasserverordnung verpflichtet, die ganze Anlage des Wohnhauses auf Legionellen untersuchen zu lassen. Zur Frage, wer die Kost...

Was darf man in seiner Wohnung alles tun?

Wie darf der Mieter die Mietwohnung nutzen? Was ist erlaubt, was nicht? Und was darf der Vermieter untersagen? Eine wichtige Kategorie ist zum Beispiel die Verkehrssicherheit von Anlagen.

Seite 25

Böschung weg

Wird der Uferstreifen eines Baches weggeschwemmt, können die Eigentümer eines Grundstücks am Bach von der Gemeinde nicht die Wiederherstellung verlangen. So ein Anspruch besteht nur im Ausnahmefall, z.B. wenn die Stabilität eines Wohngebäudes bedroht wird. Generell gilt: Die Gemeinde erfüllt diese Aufgabe allein im öffentlichen Interesse, urteilte das Verwaltungsgericht Freiburg am 18. Juni 201...

Benachteiligung

Auch wer seinen Strom selbst erzeugt, soll nach den Reformplänen der Bundesregierung künftig dafür Ökostromumlage zahlen.

Alle Eigentümer müssen zustimmen

Der Aufbau einer Mobilfunksendeanlage auf einem Mehrfamilienhaus ist eine bauliche Veränderung. Und für diese bedarf es der Zustimmung aller Wohnungseigentümer.

Seite 26

Für 2014 beachten

Welche Daten muss der Steuerbürger 2014 im Blick haben: 2. Juni: Abgabe der Steuererklärung 2013, weil der übliche Termin (31. Mai) auf einen Sonntag fällt; gilt für jene, die keinen Steuerberater nutzen. 30. November: Endtermin beim Finanzamt für den Eintrag der Freibeträge und der Auswahl der Steuerklassen. Diese Eintragungen gelten auch rückwirkend. 31. Dezember: Endgült...

Elternzeit Plus soll 2014 kommen

Die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig will in den ersten hundert Tagen ihrer Amtszeit die Eckpunkte des Gesetzentwurfes für die »Elternzeit Plus« vorlegen.

Wünsche über den Tod hinaus

Mit einer Erbeinsetzung oder der Anordnung von Vermächtnissen können Erblasser im Testament bestimmen, wer ihr Vermögen nach ihrem Tod erhält. Doch vielen Testierenden reicht das nicht: Sie haben bestimmte Wünsche.

Seite 27

Geld weg - Risiko Online-Banking

Mitteilungen auf Online-Banking-Seiten von Bank oder Sparkasse sollten die Kunden genau lesen, wie der folgende Fall zeigt. Die Bank ist nicht zum Ersatz verpflichtet, falls der Computer des Kunden von einem Trojaner infiziert ist.

Seite 28

Der Hund zu lange im Auto

Hundebesitzer dürfen ihre Tiere nicht lange im Auto halten, das verstößt gegen die verhaltensgerechte Unterbringung. Das kann dem Halter untersagt werden, so das Verwaltungsgericht Stuttgart.

Seite 29
Peter Gosse

Kreis von eminentem Radius

»Glücklich der Künstler, an dem die Sehnsucht zehrt«, stellt Baudelaire in seinem Textlein »Die Sehnsucht zu malen« fest; und Sighard Gille, der furiose Maler (und Grafiker) darf sich als trefflich gemeint empfinden. Das Altern - der Mann ist über die Siebzig - ficht ihn beneidenswerterweise kaum an; das Begehren hin zu Frau und Welt rackert in ihm nach wie vor (»Die Lust ist mir treu!«) und dr...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Auf unseren Schultern, was passiert ist

Sie würde sich an diesem Fall die Finger verbrennen, wird die Anwältin Johanna Wollweber von Kollegen gewarnt, bald hat sie auch Lust, die Finger davon zu lassen. Vielleicht hat Kathrin Gerlof manchmal ebenso über ihren Roman gedacht. Ostdeutsche von Rückübertragungsansprüchen bedroht - damit allein schon wäre man in einer Zwickmühle zwischen Gesetz und Gerechtigkeitsempfinden. Und wenn es noch...

Seite 30
ndPlusWerner Liersch

Heimat und Identität

Kossenblatt ist das abgelegenste der preußischen Königsschlösser in Brandenburg, und es ist zugleich das für Günter de Bruyn nächste. Es liegt südlich von Beeskow in einer auch heute noch ruhigen, von der Spree durchflossenen, Landschaft der Wälder, Seen und Felder. Im nahen Görsdorf hat de Bruyn seit langem seinen Wohnsitz. Gleichwohl, der Chronist fügt Kossenblatt erst jetzt und spät seinen m...

Hans-Dieter Schütt

Großes Tor und kleine Tür

Azophi, Macrobius, Sasserides, Inghirami. Klangvoll fremde Namen, wie auch Endymion, der ewig schöne Liebhaber der Mondgöttin Selene. Namen von Mondkratern, Dutzende, sie stehen über den Gedichtanfängen - wie auch Namen von kühnen Träumern ins himmlisch Unbefestigte: Kepler, Verne, Ziolkowski, Fermi, Gagarin, Armstrong. »Cyrano oder Die Rückkehr vom Mond« heißt der neue Gedichtzyklus von ...

Seite 31
Klaus Bellin

Stimmen aus dem Tollhaus des Krieges

Zehn Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs berichtete Karl Kraus, wie er damals, auf einer Autofahrt in Tirol, die »Begeisterung des Schlachtviehs für seine Metzger« erlebt hatte und wie er von da an »dem Gefühl, das mich mit diesem Vaterlande verband: dem Abscheu, in Wort und Schrift nichts schuldig« blieb. Er hatte eine Menschheit erlebt, »die ihrer Entehrung zujauchzt, ihrer Verarmung, i...

Seite 32
Sabine Neubert

Eine Ost-West-Geschichte

Die junge Frau hat sich selbst den Namen April gegeben - nach einem Song von Deep Purple. Ob es ihr ganz bewusst ist oder nicht: Der Name passt zu ihr. April ist unausgeglichen, wetterwendisch, mal glücklich, mal tief betrübt und voller Sehnsucht, so wie ein Frühlingstag auch sein kann. Sie ist schwach und schwankend wie ein einsames Rohr im Wind, im Inneren tief verletzt und verletzlich. ...

ndPlusMartin Hatzius

Generation Ich

Die gebürtige Dresdnerin Ines Geipel war gerade ein Jahr alt, als die Mauer hochgezogen wurde. Eine Mauer, die - als Bauwerk und als Symbol - ihr Leben geprägt hat, wie sie in ihrem neuen Buch schreibt. »Generation Mauer« - der Titel sagt es - will aber mehr sein als Erzählung der eigenen, in zwei Hälften gerissenen Biografie. Geipel versucht, das selbst Erfahrene ins Allgemeine zu wenden, ins ...

Seite 33
Christin Odoj

Champagner zur Krise

Der 25. Oktober 1929, ein Freitag, setzte der scheinbar unaufhaltsamen Gier, der unstillbaren Lust auf immer mehr ein abruptes Ende. Der Dow Jones ist bei 260 Punkten am Boden zerstört und schwemmt die Angst vor dem totalen Ruin nach Europa und auch nach Berlin. Dort spielt die Tanzkapelle Grammofox den Soundtrack zum unaufhaltsamen Untergang einer Gesellschaft, die sich für den schnellen Profi...

ndPlusJan Eik

Scotch spoken here

Reihenhausbesitzer scheinen eine besondere Spezies zu sein. Nicht nur in Lichterfelde Süd. Die Stadtrandsiedlung könnte ebenso gut bei Alsheim in der Eifel oder Craigellachie upon Woodway liegen, spielte nicht der ehemalige Grenzstreifen zu Brandenburg eine Rolle. Dort nämlich stößt eines Nachts die Reihenendhausbesitzerin Lea Storm, die seit dem Tod ihres Mannes an Schlaflosigkeit leidet...

ndPlusChristel Berger

Eine schlimme Sippe

Der Roman beginnt 1938 und endet 30 Jahre später. Die Akteure gruppieren sich um den Unternehmer Hermann Kypscholl, der binnen 10 Jahren zu Reichtum gekommen ist - durch die Produktion von Rasierapparaten und eine Weberei, denn die Wehrmacht braucht auch Uniformen. Frau Elisabeth singt gern bei Familienfesten; ihr Asthma verhinderte die Karriere als Opernsängerin. Tochter Anna arbeitet in Wewel...

Seite 34
ndPlusSabine Neubert

Das Leben ist anderswo

Längst sind viele Roman-Klassiker zu Comics geworden - anschaulich, witzig und für Kinder wie für Erwachsene leicht und schnell verdaubar. Denken wir beispielsweise an Herman Melvilles »Moby Dick«! Warum hier gerade dieses Buch Erwähnung findet, wird gleich deutlich werden. Vorher aber stellen wir erst einmal fest: Der Autor Heinrich Steinfest geht genau den umgekehrten Weg, aus einem Com...

Matthias Biskupek

Der folgenschwere Umzug

Zweimal hatte Gisela Kraft ihr Leben in autobiografischen Büchern überdacht: im hinreißenden »Prinz und Python« die Jahre in der Westberliner Literaturwohnküche und in »Rundgesang am Neujahrsmorgen« das frühe Weimarer Kriegs-Exil. In ihren letzten, den glücklichen Weimarer Jahren, schrieb sie »Mein Land, ein anderes«. Manches Kapitel daraus, im privat-literarischen Kreis vorgetragen, machte Lus...

Werner Jung

Das Land aller Völker gibt es nicht mehr

Hinter dem Text dieses Romanerstlings von Martin Kordic (Jahrgang 1983) findet sich noch die Abbildung eines Fotos. Es zeigt ein altes steinernes Landhaus, von einer ebenfalls steinernen Mauer eingefasst, davor unter einem schattenspendenden Baum drei Stühle. Menschen sieht man keine. Möglicherweise ist das Haus verlassen worden, und es handelt sich um die letzten Relikte aus dem früheren Hauss...

Seite 35
ndPlusLilian-Astrid Geese

Tiger-Prinzessin

Im April 1975 vertreiben die Roten Khmer fast alle Bewohner Phnom Penhs aus der Stadt. Die Menschen werden aufs Land deportiert, soziale Bezüge werden zerstört. Doch das ist erst der Anfang des brutalen Regimes Pol Pots. Bis 1979 sterben fast zwei Millionen. Fast ein Viertel der kambodschanischen Bevölkerung verliert durch Zwangsarbeit, Verfolgung und Hungersnöte das Leben. Ob das UNO-Sondertri...

ndPlusIngolf Bossenz

Marsch durch den Wald von Sherwood

Dieses Buch ist kein Spaziergang. Es ist ein Gewaltmarsch. Durch Wald, der eine Welt ist. Eine Welt von Gewalt und Zärtlichkeit, von Hoffnung und Verzweiflung. Eine Welt, die dem Mutigen so gehört wie dem Missmutigen, dem Kleinmütigen so wie dem Großmäuligen. Sie gehört auch Sune, dem Aussteiger aus Überzeugung. Der zivilisationserschöpfte und familienmüde Enddreißiger sucht sein Heil in ...

Reiner Oschmann

Söhne, Väter, Opfer, Täter …

Dies ist ein dicker Roman mit nicht immer stimmiger Fabel in oft betörender Sprache über ein ewiges Thema: Wie kommen wir durchs Leben, was macht es aus uns? David Gilberts zweiter Roman (Debüt 2005: »Die Normalen«) hat in der deutschen Erstausgabe einen passenden Titel; das amerikanische Original »& Sons« (… und Söhne) weist in knappster Form ebenfalls auf Generationenfragen. Auf Wachsen u...

Seite 36
Walter Kaufmann

Bruder und Schwester, Liebe und Krieg

Der Roman »Tobys Zimmer«, geschrieben von der mit dem britischen Booker Preis ausgezeichneten Pat Barker zwei Jahrzehnte nach ihrer Trilogie über den Ersten Weltkrieg, scheint aus zwei grundverschiedenen Büchern zu bestehen. Anfangs fließt die Handlung stimmungsvoll dahin. Voller minutiöser, nicht selten allzu minutiöser Beschreibungen, wie mir scheint, mündet sie in eine inzestuöse Bruder-Schw...

Jenny Becker

Anekdoten, die mehr erzählen, als es ein Epos könnte

Im wintergrauen Leningrad der fünfziger Jahre sitzen zwei Männer zusammen, trinken Wodka und pusten auf ihre Teegläser. Beide heißen Leo. Einer ist Russe, einer Finne. Der Russe Leo Nilheim erzählt sein tragikomisches Leben. Der andere macht daraus später ein Buch: »Leo Nilheims Geschichte« von dem finnischen Autor Leo Ågren. Mit dieser Begebenheit beginnt der Roman, den man in einer Nach...

ndPlusFlorian Schmid

Ende der Welt an der Adria

»Und nun noch einmal die wichtigste Meldung des Tages, deklamierte der Sprecher: Auf der ganzen Erde erwarten die Menschen heute Nacht das Ende der Welt.« Im Roman »Die Ankunft« des montenegrinischen Schriftstellers Andrej Nikolaidis geht es um nicht weniger als den drohenden Weltuntergang. New York steht unter Wasser, Los Angeles erlebt ein schweres Erdbeben, es regnet Frösche in Japan, ein Ts...

Seite 37
ndPlusIrmtraud Gutschke

»Draußen ist ein Saustall«

Dagestan, der Kaukasus: Malerische Bergdörfer in atemberaubender Natur. Reisende würden da wohl empfangen sein, so stellte man sich vor. Hat man sich zu Sowjetzeiten ein falsches Bild gemacht? Die Kalamitäten, die Alissa Ganijewa uns so eindrucksvoll vor Augen führt, wurzeln doch nicht erst im Jetzt. 1985 geboren, ist die Autorin in der dagestanischen Hauptstadt Machatschkala aufgewachsen...

Karlheinz Kasper

»Sei verflucht, Scheißkrieg!«

Als Arkadi Babtschenko Ende 2001 seine »Zehn Bilder vom Krieg« veröffentlichte, verlieh ihm das »Debüt«-Preiskomitee ein Sonderdiplom »Für den Mut in der Literatur«. In den liberalen russischen Medien hieß es, der Autor knüpfe mit seiner ideologiefreien Prosa über die Tschetschenienfeldzüge an die besten Traditionen jener Kriegsliteratur an, deren Wesensmerkmal die »Schützengrabenwahrheit« war....

Seite 38
Mona Grosche

Zarte Melancholie

»Der Geschmack der Sehnsucht« mag als Titel auf den ersten Blick auf eine kitschige Liebesschnulze hindeuten. Auf den zweiten Blick ist der kanadisch-vietnamesischen Autorin Kim Thúy mit ihrem nur 144 Seiten starken Büchlein ein großartiger Roman mit Tiefgang gelungen. Aromatischer Gewürzduft, aufblitzende Kriegserinnerungen und eine tiefe Sehnsucht nach Liebe und Heimat - aus diesen Fäde...

Fokke Joel

Das zerstörte Paradies

Eigentlich hatte Amy Smith keine Lust gehabt, nach China zu reisen. Letztlich war sie dann aber doch im kanadischen Vancouver ins Flugzeug gestiegen und nach Tsz Min geflogen. Die Denkmalbehörde der südchinesischen Stadt wollte mit ihr, die allein von der Familie Fong übrig war, alle Formalitäten für einen Treuhandvertrag zur Renovierung eines sogenannten Diulaus besprechen. Der Anfang de...

ndPlusFlorian Schmid

Rückkehr in die Vergangenheit

Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami, der gerade seinen 65. Geburtstag gefeiert hat, steht derzeit hoch im Kurs. Sein neuer Roman »Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki« verkaufte sich am Erscheinungstag in Japan 100 000 Mal. Auch für sein zuvor erschienenes mehrbändiges Mammutwerk »1Q84« wurde er von der Kritik weltweit gefeiert. Dabei gelingt Murakami wie sonst kaum einem ...

Seite 39
ndPlusRobert D. Meyer

Kein Leben ohne Rudel

Wäre Lucky ein Mensch und kein Hund, dann würden ihn seine wenigen Freunde und Weggefährten mit Sicherheit einen einsamen Wolf nennen. Selbstbewusst, zielsicher und von seinen eigenen Fähigkeiten so sehr überzeugt, dass er die meiste Zeit lieber in Einsamkeit verbringt, statt mit anderen in einer Gemeinschaft füreinander zu sorgen. »Ich brauche zum Überleben niemand anderes« - eine Lebenseinste...

Irmtraud Gutschke

Zwei Welten und dazwischen ein Tor

Ein Kindergesicht blickt einen aus der Vorschau des Diogenes-Verlags an. Der Autor ist gerade mal zwanzig, aber er sieht weit jünger aus. Dabei ist Stefan Bachmann schon seit seinem elften Lebensjahr Student am Züricher Konservatorium, wo er inzwischen Orgel und Komposition studiert. Er hat einen Schweizer Vater und eine amerikanische Mutter, die ihn bis zum Highschool-Abschluss zu Hause unterr...

Seite 40
Martin Hatzius

Was in dir steckt

Gunther von Hagens kann einpacken. Die Räume unterm Berliner Fernsehturm, in denen der umstrittene Plastinator im Herbst eine Dauerausstellung seiner »Körperwelten« eröffnen möchte, können anderweitig genutzt werden. Denn ein Kinderbuch von Clive Gifford (Text), Mark Ruffle (Illustration) und Katie Knutton (Gestaltung) gewährt Einblicke in den menschlichen Körper nicht viel weniger faszinierend...

ndPlusFriedemann Kluge

Nicht die Krachmacherstraße

Nach nur wenigen Seiten fühlt man sich zu Pippi Langstrumpf versetzt. Und in die Krachmacherstraße. Was, jugendliterarisch betrachtet, ja nicht die schlechteste Adresse ist. Aber es geht nicht um Pippi Langstrumpf in diesem Buch. Es geht um etwas sehr Ernstes, das die Autorin, die selbst in Südafrika geboren wurde, einfühlsam und jugendgemäß erzählt. Es geht um Apartheit, jenen menschenge...

ndPlusSilvia Ottow

Ausflug mit dem Rähdäpel

Auf der Straße von Großstüten nach Kleinstüten hat alles angefangen. Ungefähr da, wo die Bushaltestelle ist, zu der ein kleiner Junge namens Ralf-Rainer Pappelmann - genannt Rappel - jeden Morgen gehen musste, wenn er in die Schule fahren wollte. Und das wollte er sehr wohl. Rappel begegnete auf dieser Straße den merkwürdigsten Gestalten. Wer über wenig Phantasie verfügt, hätte den Kolch ...

Seite 41
André Brie

Plädoyer für ein linkes Crossover

Eine linke oder politisch alternative Mehrheit kann ohnehin nicht auf die Parteien und ein Regierungsprojekt reduziert werden. Daran lässt Tom Strohschneider in seiner Flugschrift über die Chancen und Grenzen Rot-Rot-Grün keinen Zweifel.

Seite 42
Harald Loch

Eine Hommage ans Mare Nostrum

Das schöne Wort »Landschaft« hat einen romantischen Klang, mit ihm verbinden sich Frieden, Natur, Erholung. Der Kulturwissenschaftler Dieter Richter beschreibt die Geschichte der ältesten Landschaft, exakter: das Mittelmeer, das Odysseus befuhr und über das Poseidon herrschte. Mare Nostrum nannten die Römer das Meer, das sie mit ihren Kolonien verband, das den Reichtum der Handelsstadt Venedig ...

ndPlusMartin Ling

Land der Gegenwart

Er hat Auslandserfahrung und versteht sein Handwerk: der Journalist Adrian Geiges. Nach längeren Aufenthalten in Russland und China hat er nun zielsicher eine Station ausgewählt, die in den kommenden Jahren sicher im Fokus der Weltöffentlichkeit stehen wird: Brasilien. Dafür sorgen neben der wachsenden Wirtschaftsmacht die anstehenden sportlichen Großereignisse: Fußballweltmeisterschaft 2014 un...

Arno Klönne

Erst der tote Flüchtling wird wahrgenommen

Lampedusa - war da nicht irgend etwas jetzt in der Hansestadt Hamburg? Hunderte Flüchtlinge aus Nordafrika, die seit Monaten für ein dauerhaftes Bleiberecht kämpfen. Lampedusa - eine geografische Angabe, die beim Publikum hiesiger Medien Schrecken auslöst, der durch Gewöhnung sich dämpft, zudem ist der Ort weit von uns entfernt. Wer es dabei nicht belassen will: Lampedusa, eine felsige Insel im...

Seite 43
ndPlusJens Ebert

Nichts ist gut ...

Wenn sich die Nato-Truppen zwölf Jahre nach ihrem Einmarsch aus Afghanistan zurückziehen, hinterlassen sie ein geschundenes Land. Die Situation dort hat Margot Käßmann mutig und präzise in einem Satz zusammengefasst: »Nichts ist gut in Afghanistan.« Doch nicht nur die Afghanen hatten und haben unter dem Krieg zu leiden, sondern auch diejenigen, die den Krieg in ihr Land trugen. Seit 1990 ...

ndPlusNora Goldstein

Israeltine - klingt friedlich-feminin

Man ist etwas irritiert. Der Autor war juristischer Berater der NSU? In Deutschland ist dieses Buchstabenkürzel unheilvoll besetzt. Doch hier meint es «Negotiations Support Unit». Ziyad Clot, 1977 in Paris als Sohn eines Franzosen und einer Palästinenserin geboren, arbeitete als Unterhändler für die PLO. Er ist übrigens auch der Verfasser der «Palestine Papers», die im Mai 2011 zuerst in der fr...

Dominic Heilig

Wider die Vorurteile

Der stellvertretende Ministerpräsident Brandenburgs und Ex-Europaabgeordnete Helmuth Markov von der LINKEN merkte am Rande eines Landesparteitages seiner Partei Anfang des Jahres an, die Europäische Union sei das beste Beispiel für Marxsche Dialektik: »Sie ist gut und sie ist nicht gut. Sie ist demokratisch und hat ein Demokratiedefizit. Sie ist sozial, aber bei weitem nicht sozial genug.« ...

Seite 44
Karoline Groß

Mars regiert die Stunde

Vermutlich wird es dieser Band nicht wie Florian Illies' »1913« auf die Bestsellerliste schaffen. Obwohl er es verdient hätte. Klaus Schuhmann bietet Einblicke in deutsche Geisteswelt am Vorabend der Apokalypse, erinnernd an längst vergessene Akteure und Episoden - und bietet vor allem nicht mehr verlegte Texte. Im Fokus steht ihm seine Stadt Leipzig, doch schweift sein Blick reichsweit. ...

ndPlusWerner Abel

Der Krieg im Bürgerkrieg

Am 7. Oktober 1937 stellte der in Barcelona, Madrid, Albacete und dem Sitz der republikanischen Regierung in Valencia wirkende geheime Abwehrdienst der KPD eine »Übersicht über Spionage und Agentenarbeit in Spanien« zusammen. Das Perfide an dem 49-seitigen Papier ist, dass es sich ausschließlich auf deutsche Antifaschisten und ihre internationalen Verbindungen bezieht. Alle Deutschen, die nicht...

Seite 45
ndPlusRudolf Walther

Blumen in Gewehrläufen

Die Nelkenrevolution in Portugal (1974-1976) ist wahrscheinlich die letzte Revolution, die einem klassischen Muster folgte, sozial klar identifizierbare Träger hatte. In diesem Fall waren es Soldaten und junge Offiziere sowie die Industrie- und die Landarbeiter. Die nach 1989 erfolgten Revolten waren dagegen mehr Volksaufstände mit nur diffus erkennbaren Trägern. Weitere Besonderheiten der port...

Detlef D. Pries

Nikolai Ryschkow stellt die Frage »Was wäre wenn?«

Den einen gilt er als Lichtgestalt, anderen als Zerstörer. Gerade wegen der höchst widersprüchlichen Urteile über den einstigen KPdSU-Generalsekretär und einzigen Präsidenten der untergegangenen Großmacht Sowjetunion macht sich der Name Gorbatschow auf dem Umschlag gut. Meinte offenbar der Verlag und gab dem Buch Nikolai Ryschkows den Titel »Mein Chef Gorbatschow«. Das könnte sowohl die Verehre...

Seite 46
Heinz Niemann

Zwischen allen Stühlen

»Die jungsozialistische Bewegung umfasst die geistig lebendigste und politisch tätigste Jugend in der Sozialdemokratischen Partei.« Mit diesem Satz leiten die Herausgeber ihren Dokumentenband zur Geschichte der Jungsozialisten durchaus zutreffend ein. Dem müsste man leider den Nebensatz anfügen: »und zugleich die erfolgloseste.« Sieht man allerdings davon ab, dass etliche ihrer Vorsitzenden per...

ndPlusAndreas Herbst

Ein sozial denkender Mensch

»Früher waren wir die Partei der Opposition, jetzt sind wir die Partei der Praxis. Wir müssen uns vom Alten trennen.« Diese Sätze sprach der Kommunist Ottomar Geschke, Funktionär der wiederzugelassenen KPD im August 1945 vor Aktivisten seiner Partei im zerstörten Berlin. Kurzzeitig amtierte Geschke auf Vorschlag Walter Ulbrichts als Vorsitzender der Berliner Kommunisten, wurde aber bereit...

Günter Benser

In Luxemburgs Auftrag unterwegs zu Lenin

Falls überhaupt, dann kennen heutige Leser Eduard Fuchs vorwiegend als Autor einer reich mit erotischen Bildern ausgestatteten mehrbändigen Sittengeschichte. Was die wahre Persönlichkeit dieses Mannes ausmacht, ist im Untertitel des Buches angedeutet. Es war Lenin, der Fuchs einen »Mann im Schatten« nannte, der zu den wenigen gehöre, die der Sache dienen, ohne die eigene Person ins Rampenlicht ...

Seite 47
ndPlusSiegfried Prokop

Nische und Ankerplatz

Nachdem die DDR über drei Jahrzehnte ohne sie existiert hatte, kam es am 6. Dezember 1988 zum Beschluss des SED-Politbüros über die Bildung eines Verbandes der Freidenker der DDR (VdF). Als dessen Ziel wurde bestimmt, »die freigeistige Weltanschauung zu verbreiten. Er wirkt ein auf die Gesetzgebung in allen kulturpolitischen Fragen. Ausgehend vom Verfassungsgrundsatz der Trennung von Staat und ...

Thomas Köhler

Der Schlüssel des Erfolgs

Der Titel des Buches erinnerte mich an den allgemein bekannten Slogan »Ich bin Bergmann, wer ist mehr«. Professor Jochen Scheibe, einst exponierter Sportarzt und parteiloser Christ, artikuliert bereits auf dem Cover seiner Erinnerungen selbstbewusst den Stolz auf seine frühere Tätigkeit in der DDR. Sein Buch ist zugleich eine indirekte Polemik gegen all jene, die die Sportmedizin der DDR seit ü...

Silvia Ottow

Die biologische Uhr tickt

»Ein Glück, dass man nicht weiß, wie das Leben endet, sag ich. Wenn meine Mutter das geahnt hätte. Das ganze Leben geschuftet, vier Kinder, und dann wird sie mit 550 Euro Rente abgespeist«. In dieser ersten Geschichte von Christina Seidels Büchlein erzählt die ehemalige Postangestellte Ursel, Jahrgang 1941 und Mutter eines Kindes, vom Schicksal ihrer Mutter Renate. Die war 1921 geboren worden u...

Seite 48
Vanessa Klein

Ein Aufklärer

Im Mai vergangenen Jahres begann der NSU-Prozess in München. Bevor es richtig losging, sorgte erst einmal die Sitzplatzvergabe für größte Aufregung. Seit dem reißen die Aufreger nicht ab. Aber welcher Art sind diese? Wolf Wetzel zitiert ein Boulevard-Blatt: »Die Staatsfeindin Nummer 1 trägt einen schwarzen Hosenanzug, die weiße Bluse lässig über der Hose. Schwarze Halbschuhe, große silberne Cre...

ndPlusHans Canjé

Kein Ruhmesblatt für die Schweiz

Das Bilddokument befindet sich im Schweizer Bundesarchiv: Geleitet von einer Eskorte der Maurischen Garde des Putschistengenerals Francisco Franco begibt sich der Schweizer Diplomat Eugéne Broye zu dessen Amtssitz in Burgos. Es ist Dienstag, der 14. März 1939. Mit allem Pomp wird Broye als Botschafter der Eidgenossenschaft akkreditiert. Die Hymnen beider Länder erklingen. Dann tritt der nun off...

ndPlusHelmut Müller-Enbergs

Nicht die Überläufer - »Rosenholz« war’s

Mit dem 9. November 1989 war alles anders - auch für den Auslandsnachrichtendienst der DDR namens Hauptverwaltung Aufklärung (HVA). Was würde aus ihm werden? Konnte er sich aus dem Schoß des Ministeriums für Staatssicherheit lösen, fortsetzen, was er bisher tat, aber als schlanke Variante? Ein kurzer Hoffnungsschimmer, der mit dem 15. Januar 1990 blasser wurde. Das endgültige »Aus« erfolgte am ...

Seite 49

Nicht ohne geistigen Beistand

Dieses Buch von Hermann Simon, Direktor des Centrum Judaicum in Berlin, und Kollegen ist zumindest in zweifacher Hinsicht von Neuwert. Es dokumentiert, dass deutsche Juden an allen Fronten des Ersten Weltkrieges kämpften und keinesfalls, wie spätere antisemitische Propaganda weismachen wollte, ihr »Vaterland« verrieten. Und belegt, dass Feldrabbiner in diesem ersten großen Krieg des 20. Jahrhun...

ndPlusErnst Reuß

»Ich bin der Überzeugung, der Deutsche ist kein Mensch.«

Bereits im Sommer 1944 wurde im noch nicht befreiten Polen von befreiten Juden eine Kommission gegründet, die es sich zur Aufgabe machte, Erinnerungen zu sammeln und den faschistischen Massenmord an den Juden wissenschaftlich aufzuarbeiten. Der in einem Versteck in Lemberg vor den Nazihäschern untergetauchte renommierte Wissenschaftler Philip Friedman konnte sich auf etwa hundert Mitarbeiter st...

Seite 50
Ulrich van der Heyden

Unbeirrt, trotz Anfeindungen

In den letzten Jahren sind auf dem deutschen Büchermarkt einige Autobiografien von in Deutschland lebenden Afrikanern und Afrikanerinnen sowie Afrodeutschen erschienen. Eine begrüßenswerte Bereicherung, erlauben sie doch einen Blick auf die deutsche Gesellschaft, offenbaren, wie Bürger anderer Hautfarbe wahrgenommen wurden und werden. Das Leben von Afrikanern oder Afrodeutschen in Deutsch...

ndPlusPeter Nowak

Wenn Bürger sich zu wehren beginnen ...

Seit knapp zwei Jahren gibt es in der deutschen Hauptstadt eine Mieterbewegung, die über Berliner Blätter hinaus für Schlagzeilen sorgt. Die Analysen des Stadtsoziologen Andrej Holm haben vielleicht mit dazu beigetragen, dass sich Mieterprotest artikulierte. In seinem neuen Buch gibt der engagierte Wissenschaftler einen Überblick und zieht Bilanz. Im ersten Teil werden die Bedingungen unt...

Peter Fuchs

Eine spannende Debatte

»Demokratisches Wirtschaften von unten ist, örtlich oder regional vernetzt oder auch als Einzelprojekt, möglich. Dafür sprechen Tatsachen, auch in Deutschland«. Diese optimistische Aussage stammt von Ulla Plener. Die renommierte DDR-Historikerin beschäftigt sich seit Jahren in ihren Forschungen und Schriften mit Theorie und Praxis der Wirtschaftsdemokratie. Daher war es nur konsequent, da...

Seite 51
ndPlusNorbert Podewin

Der authentische Blick

Im September 1997 schaltete »Neues Deutschland« eine Annonce, die eine kaum erwartete Langzeitwirkung haben sollte. Die Strausbergerin Ursula Münch inserierte: »Der DDR verdanke ich kein leichtes, dafür aber ein erfülltes Leben. Deshalb möchte ich zur wirklichkeitsnahen Darstellung der jüngsten Vergangenheit beitragen und suche Kontakt zu anderen Zeitzeugen - vor allem auch aus unteren oder mit...

Frank-Rainer Schurich

Sieben auf einen Streich - nicht wie im Märchen

Sie hatten wahrlich keinen leichten Job, vor allem nicht, als es mit ihrem Staat zu Ende ging, die Menschen der DDR den Rücken kehrten, das Land fluchtartig verließen oder zornig auf die Straße gingen, lauthals ihren Protest artikulierend. Sieben Volkspolizisten der DDR, die dreißig Jahre und länger im Dienst standen und leitend tätig waren - im Berliner Polizeipräsidium oder als Chefs vo...

Seite 52
ndPlusAlfred Peter

Das begrabene Plättbrett

Kriminalität ist überhaupt nicht komisch. Wo vergiftet, erschlagen, erstochen oder betrogen wird, da geht es um große und kleine Tragödien des menschlichen Seins. Für Opfer, Täter und Betroffene ein Tal des Leidens, es fließen Blut und Tränen in Strömen. Umso besser, dass sich der Alltagsmensch in großer Distanz zur finsteren Seite des Lebens aufhalten kann, nur ferner Beobachter eines geheimni...

Peter Kirschey

Das Grauen hat einen Namen

Zuerst klingelt immer das Telefon. Die Mordkommission wird zu einem Ort gerufen, wo sie einen Toten findet - Wohnung, Müllkippe, Straßenrand, Gartenlaube. Klar ist am Anfang nur, es geht um einen gewaltsamen, unnatürlichen Tod, der Rest sind unendlich viele Fragen. Wer ist das Opfer, wie kam es ums Leben, wann geschah die Bluttat, wo gibt es Hinweise, die das Geschehen erhellen? Nun beginnt die...