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UNTEN LINKS

Hitler-Vergleiche findet Wolfgang Schäuble doof. »Ich bin doch nicht so blöd, dass ich Hitler mit irgendjemandem vergleiche«, sagte der Bundesfinanzminister, nachdem er Hitler und Putin verglichen hatte. Er habe sogar ausdrücklich gesagt, dass er Putins Politik nicht mit Hitlers Vorgehen vergleichen wolle. Und obwohl sich Schäuble genau erinnert, dies gesagt zu haben, bevor er Putin mit Hitler ...

Fabian Lambeck

Nichts für Problemfälle

Mehr als eine Million Bundesbürger sind seit mehr als zwölf Monaten ohne Arbeit. Laut Definition gelten sie somit als langzeitarbeitslos. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich. Jeder Betroffene hat seine eigene Geschichte. Der eine ist zu alt für einen Arbeitsmarkt, der die Jüngeren bevorzugt. Der andere wohnt in der falschen Gegend, etwa in der ostdeutschen Provinz. Es gibt viele alleiner...

CIA-Folterbericht wird veröffentlicht

Washington. Dunkelhaft, simuliertes Ertränken, Schlafentzug: Mit Foltermethoden versuchte der US-Geheimdienst CIA unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush, aus Terrorverdächtigen neue Informationen herauszubekommen. Nun sollen Teile eines bislang geheimen Berichts des US-Senats dazu publik gemacht werden, beschloss der Geheimdienstausschuss nach jahrelangem Streit am Donnerstag (Ortszeit)...

ndPlusFabian Lambeck

Letzte Jobchance Bundeswehr

Unter den Arbeitslosen, die in den Wehrdienst wechseln, sind überproportional viele Ostdeutsche. Derweil bastelt Ministerin Nahles an einem Programm für Langzeitarbeitslose.

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ndPlusSimon Poelchau

Zwei Seiten der Medaille

Was gut für den Einen ist, bedeutet häufig Schlechtes für den Anderen. So wird sich der eine oder andere Arbeitslose in den USA über die 192 000 im März neu geschaffenen Jobs freuen. Die Schwellenländer werden die Erholung auf dem US-Arbeitsmarkt aber mit Sorge betrachten. Es wird wohl niemand in Ländern wie Brasilien und Argentinien den arbeitslosen US-Amerikanern die neuen Jobs neiden. ...

Roland Etzel

Verzicht auf Kerrys Konsenskuchen

Die Abwärtsspirale dreht sich weiter. Vorbei ist es mit den gemeinsamen Arbeitsessen; Israelis und Palästinenser kündigen eine unbequeme Zusage nach der anderen auf, die sie vor noch nicht so langer Zeit unter US-amerikanischer Nötigung einander gegeben hatten. Vorläufig also keine Verhandlungen mehr oder sonstige Rücksichtnahmen. Nun könnte man urteilen: Außer (hohen) Spesen nichts gewes...

ndPlusOlaf Standke

Schockierende Brutalität

Erst hatte die CIA mit »harschen Verhörmethoden« nach dem 11. September 2001 gegen die Anti-Folterkonvention der Vereinten Nationen verstoßen. Dann verkaufte der US-Auslandsgeheimdienst diese Verletzung der Menschenrechte wider besseres Wissen als Erfolgsrezept im Kampf gegen Terroristen. Und zuletzt wurden Kongressmitarbeiter, die an einem Bericht darüber arbeiteten, überwacht, obwohl die CIA ...

Simon Poelchau

Heimkehrer

Die große weite Welt war wohl doch nichts für ihn. Philipp Mißfelder (CDU) gab überraschend bekannt, dass er von seinem Posten als Koordinator der Bundesregierung für die transatlantischen Beziehungen zurücktritt. Er tauscht den Job nach nur drei Monaten gegen den eines Landesschatzmeisters der CDU in Nordrhein-Westfalen. »Ich halte das Parteiamt eines Landesschatzmeisters für unvereinbar...

Kathrin Zinkant

Irgendwer wird sich schon kümmern

Es ist immer schon ein Rätsel gewesen, warum der Mensch sich in seinem Handeln lieber von einem wie auch immer verwurzelten Glauben leiten lässt, als sich an Tatsachen und an der Vernunft zu orientieren.

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ndPlusKnut Mellenthin

Realpolitik statt Fantasien

»Reformprojekte« mit anderen Parteien lassen sich nicht herbeifantasieren, so lange dort kein Wille zu umfassenden Veränderungen vorhanden ist. Nötig für eine Koalition sind eine Aufbruchstimmung in der SPD und eine Mobilisierung in der Bevölkerung.

Neuer Premier in Paris

El Mundo, Spanien Rechtsruck zum Schiffbruch Der Rücktritt der französischen Regierung und die Ernennung des bisherigen Innenministers Manuel Valls zum Premier zeigen, wie brutal der Schlag war, den Staatspräsident François Hollande bei der Kommunalwahl einstecken musste. Die Nominierung des aus Spanien stammenden Valls bedeutet einen scharfen Rechtsruck. Der Ex-Innenminister ist in sein...

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UN-Soldaten erschossen 30 Zivilisten

Genf. Tschadische UN-Soldaten haben in der Zentralafrikanischen Republik etwa 30 Zivilisten erschossen. Weitere gut 300 Menschen seien verletzt worden, als die Einheiten am vergangenen Samstag das Feuer auf einen Markt in der Hauptstadt Bangui eröffnet hätten, sagte ein Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte am Freitag in Genf. Die tschadischen Soldaten hätten ohne Grund direkt in...

Jetzt wird abgestraft

Als Reaktion auf neue Beitrittsgesuche der Palästinenser zu internationalen Instanzen bereitet die israelische Regierung jetzt Strafmaßnahmen vor.

Steinmeier hofft auf russische Hilfe

Bundesaußenminister Steinmeier (SPD) hofft auf russische Hilfe bei der wirtschaftlichen Stabilisierung der Ukraine. Diese lässt sich von der Regierung Österreichs über eine mögliche Neutralität des Landes beraten.

Katharina Strobel, Brüssel

Vereint im Frust

»Für einen neuen Weg für Europa - Investieren statt kaputtsparen« - unter diesem Motto rief der Europäische Gewerkschaftsbund zu einer Demonstration in Brüssel auf und erhielt große Zustimmung.

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Gábor Kerényi, Budapest

Vati Orbán wird gewinnen

Mit der Wahl am Sonntag geht eine oft stürmische Legislaturperiode zu Ende, nicht aber die Herrschaft Viktor Orbáns und seiner nationalkonservativen Partei FIDESZ.

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Neubauten stehen hinten an

Der Bundesverkehrswegeplan ist das zentrale Planungsinstrument für den Straßen- und Schienenbau in Deutschland. Neue Strecken stehen in den nächsten Jahren nicht ganz oben auf der Liste.

ndPlusRené Heilig

Deutsche Marine als Lückenbüßer

Die Deutsche Marine, so sagt die Bundesregierung, soll sich mit einer Fregatte am maritimen Begleitschutz für die »Cape Ray« im Mittelmeer beteiligen. Auf diesem US-Spezialschiff sollen in einem geheim gehaltenen Seegebiet die syrischen Chemiewaffen durch Hydrolyse entschärft werden. An dem am gestrigen Freitag im Bundestag behandelten Antrag ist manches merkwürdig. Erstens: Der im Dezember von...

Aert van Riel

Symbolischer Begleitschutz

Abgeordnete der Linksfraktion haben sich im Parlament ablehnend zur Chemiewaffenmission der Bundeswehr geäußert. Intern wird über das Thema aber noch gestritten.

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Norbert Suchanek, Rio de Janeiro

Erste Probleme im Gentechnik-Paradies Südbrasilien

Anders als in Deutschland gibt es in Brasilien kaum Widerstand gegen Gentechnik in der Landwirtschaft. Seit 2007 wird etwa Bt-Mais gesät und geerntet. Mittlerweile gibt es Probleme.

ndPlusHaidy Damm

Minister in Verschiebelaune

Die Frühjahrskonferenz der Agrarminister der Länder brachte kaum konkrete Ergebnisse. Kritisch äußerten sich die Ressortchefs zum geplanten Freihandelsabkommen zwischen Europa und den USA.

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Feministin

Die französische Schriftstellerin Régine Deforges ist tot. Sie starb am Donnerstag im Alter von 78 Jahren in Paris. Frankreichs Präsident François Hollande würdigte Deforges in als Rebellin, die sich leidenschaftlich für den Feminismus und den Kampf gegen Tabus eingesetzt habe. Deforges war in den 1980er Jahren vor allem mit dem monumentalen Roman »Das blaue Fahrrad« und zwei daran anknüpfenden...

Wände her für Max Pechstein

Der erträumte Neubau liegt auf Eis. Doch die Kunstsammlungen Zwickau machen aus der Not eine Tugend: Max Pechstein (1881-1955) bekommt ein Museum im Museum. So wird die neue Dauerausstellung für den berühmten Sohn der Stadt vom 12. April an zwar nicht in ganz neuen Wänden, wohl aber in extra gestalteten Räumen präsentiert. Zwickau ehrt damit nach dem Komponisten Robert Schumann (1810-1856) und ...

ndPlusAndré Niekisch

Zum Nichts werden - in memoriam Kurt Cobain

Es gibt Schüsse, die sind so laut, dass sie die Welt erschüttern. Schüsse von solcher Wucht, dass sie die Zeit abrupt zum Stehen bringen. Ein Schuss in Seattle, der Nirvana-Chef Kurt Cobain traf, blieb ungehört.

Ingolf Bossenz

Es geht auch ohne Gott

Wussten Sie, dass der jetzt geschasste Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst einer der schärfsten Kritiker von Christian Wulff war, als der noch das Amt des Bundespräsidenten bekleidete? Das war im Herbst 2010. Damals interessierte sich weder jemand für den Bauwahn des katholischen Klerikers noch für die Hotelrechnungen des katholischen Staatsoberhauptes. Wulff hatte in einer Red...

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ndPlusThomas Blum

Modenschau beim Militär

Mit der slowenischen Band Laibach ist es ein wenig wie mit dem Punk: Was früher einmal kurzzeitig eine frische Idee war, wirkt seit 30 Jahren wie eine Parodie auf sich selbst. Das ermüdende Spiel mit der faschistischen und der Sowjet-Ästhetik, das Zitieren von Versatzstücken totalitärer Ideologien und der ganze Budenzauber, der auf der Bühne mit Phantasieuniformjacken, Flaggen, Pathoszirkus und...

Volkmar Draeger

Tanz und Musik um Leben und Tod

Es war ein Abend, über dem spürbar der Geist eines Uwe Scholz schwebte. Ein Abend der großen Form in Tanz, Musik und dem, was beide zusammen künstlerisch ausrichten können. Mario Schröder hat sich dazu mit zwei Künstlern verknüpft, die Jahrhunderte trennen und doch eine Suche eint: die nach Antworten auf Fragen um die letzten Dinge. Da ist Mozarts »Requiem« von 1791, ein Meisterwerk voll Klage,...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Eine Stadt tief unter dir

Stell dir vor, alles Beseelte fiele auf Erden in tiefen Schlaf und stiege auf über dem Land. Und innerhalb einer Minute würden die Engel des Dienstes und ihr Fürst Metathron die Städte mit Sand bedecken, bis sie ganz verschwänden. Auf den Mauern der alten würden sofort neue Städte gebaut, die den Menschen, die in sie zurücksinken, unverändert erscheinen würden. »Und die gleichen Städte sind es,...

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Dieses Rennen kann süchtig machen

Moritz Schramm (27) kam als Schüler aus Bonn nach England. Für die Uni Cambridge gewann er 2012 das prestigeträchtige Boat Race gegen Oxford. Mit Oliver Händler sprach er über seine Sucht und ein unvorhersagbares Ruderrennen.

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ndPlusJirka Grahl, Schwerin

Schwerin träumt vom großen Sprung

Ein paar Enthusiasten versuchen, den Fußball in der Landeshauptstadt neu zu beleben - der FC Mecklenburg sieht sich nur bedingt in der Tradition von Dynamo Schwerin.

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SPD: Mehdorn ist alternativlos

Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Martin Burkert (SPD), sieht trotz aller Probleme beim künftigen Hauptstadtflughafen keine Alternative zu Airportchef Hartmut Mehdorn. Der Manager müsse das Projekt nun zu Ende bringen, sagte Burkert am Freitag in Berlin. »Ich kann nur hoffen, dass der Aufsichtsrat und der Verantwortliche Herr Mehdorn so nahe beieinander sind, dass wir keine we...

Beziehungskrise

So schlecht wie nie seien die Beziehungen der Länder Berlin und Brandenburg, heißt es. Deutliches Zeichen dafür ist der Streit um die Nachtruhe am Hauptstadtflughafen in Schönefeld. Wo soll das hinführen? Theoretisch wäre es möglich, die gemeinsamen Obergerichte zu trennen, die gemeinsame Landesplanung aufzulösen. Man könnte sich schärfer als bisher einen Konkurrenzkampf um Investoren und...

Martin Kröger

LINKE vollzieht regionalen Schulterschluss

Lokal, regional, überregional. Die Linkspartei wagt am Sonnabend den großen thematischen Rundumschlag, um sich für den Volksentscheid Tempelhof und zur Europawahl zu positionieren.

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Zahl der Ökohöfe sinkt

Potsdam. Die Zahl der Ökolandbau-Betriebe in Brandenburg hat erstmals seit 1999 abgenommen. Laut Agrarstrukturerhebung 2013 des Statistikamts wurden 650 gezählt. Das sind sechs Prozent weniger Betriebe als noch 2010. Gleichzeitig ging die ökologisch bewirtschaftete Landfläche um zwei Prozent zurück. Insgesamt wurden 88 900 Hektar als Flächen des Ökolandbaus und 45 700 als Dauergrünland genutzt....

Konzern kauft Windpark

Görike. Der Energiekonzern EnBW baut seine Windkraftleistung in Brandenburg aus. Wie der drittgrößte deutsche Stromversorger am Freitag in Karlsruhe mitteilte, hat er im Südosten des Landkreises Prignitz den Windpark »Görike-Söllenthin« von der PNE Wind AG übernommen. Die drei Windenergieanlagen - zwei sind schon in Betrieb - mit einer Leistung von sechs Megawatt können den jährlichen Strombeda...

Kein Wahlkampf in Schulen

16- und 17-Jährige dürfen in Brandenburg erstmals an Wahlen teilnehmen. Die Parteien möchten an diese Wähler herankommen.

Bundestag lehnt längere Nachtruhe ab

Berlin. Für eine Ausweitung des Nachtflugverbots am künftigen Hauptstadtflughafen BER gibt es im Bundestag keine Mehrheit. Mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD votierte das Parlament am Donnerstagabend gegen einen Antrag der Linksfraktion, in dem eine Ausweitung der nächtlichen Ruhezeit von fünf auch acht Stunden gefordert wurde. Verkehrsexperten der großen Koalition warnten vor wirtschaftlichen...

Andreas Fritsche

Leser wandern zum Brauhaus Spandau

Die nd-Wanderung am 13. April startet von 8 bis 11 Uhr am S-Bahnhof Pichelsberg. Sie führt zum Brauhaus Spandau, wo wir Brandenburgs Finanzminister Christian Görke zum Gespräch erwarten.

Der Wahn vom alten deutschen Reich

Der Wahn vom alten deutschen Reich

»Reichsbürger ist ein schrecklicher Begriff«, sagt der Angeklagte. »Ich hatte keine Ahnung, worum es geht. Ich bin ein unpolitischer Mensch.« So klang es gestern zum Prozessauftakt gegen den 40-jährigen Pyrotechniker Daniel Sch. Er ist der versuchten Nötigung und des unerlaubten Betreibens eines Lagers mit gefährlichen Stoffen angeklagt. Es soll Amtsgerichtsmitarbeitern mit dem Tode gedroht hab...

Wilfried Neiße

»Verräter« im Trainingsanzug

Bis 1990 kehrten drei Millionen DDR-Bürger ihrem Land den Rücken, darunter auch Spitzensportler. Warum »Diplomaten im Trainingsanzug« zu »Verrätern« wurden, zeigt eine Schau im Landtag.

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Reimar Paul, Göttingen

Ohne Duldung keine Bibliotheksbücher

Die Asylpraxis ist oft auch im Kleinen absurd: Ein Kind kann keine Bücher ausleihen, weil die Duldung ausgesetzt ist. Gegen die Härten der Gesetzgebung protestieren nun auch Flüchtlinge in Göttingen.

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Staatsoper lädt auf die Baustelle

Die Baustelle der Staatsoper Unter den Linden wird ab Juni zum Schauplatz von Konzerten. Intendant Jürgen Flimm kündigte am Freitag bei einem Pressetermin die Premiere eines Musiktheaterstücks und drei Konzerte der Berliner Staatskapelle an. Sie werden im ehemaligen Orchesterprobesaal aufgeführt. Auch Baustellenführungen an Sonn- und Feiertagen soll es ab 1. Mai geben. Ein Termin für die Wieder...

Mensch Meier!

Jedes Kind und jeder Struppi kann die Verse, die da in fragwürdiger Qualität aus den Lautsprechern kommen, auf Anhieb mitbrüllen. »Ihr kriegt uns hier nicht raus! Das ist unser Haus!« Das Liedgut gehört genauso zur linken Demo-Folklore wie nicht funktionierende Mikrophone, Transpis, Flugis und Lautis: Protestsongs wie »Macht kaputt, was euch kaputtmacht« und »Mein Name ist Mensch«, schon gut ab...

ndPlusWalter Kaufmann

Irrfahrt ins Nichts

Ist unsere Jugend so, oder war das alles nur Persiflage - eine grandiose zumindest, weil die sieben jungen Schauspielstudenten von der Leipziger Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschule sich schwungvoll einbrachten und allesamt dazu beitrugen, dass »Wir könnten, aber …«, dieses Projekt der MG8 mit Hannes Weiler, das auf der Probebühne des Gorki-Theaters Premiere hatte, starken Applaus erntete. De...

ndPlusAlice Bachmann, Bremen

Anonyme Spender - und viele »Diverse«

Dass Spenden Einfluss auf das Verhalten der Empfänger haben können, liegt auf der Hand. Deshalb hat Bremen eine Transparenzvorschrift eingeführt, die allerdings gern umgangen wird.

Dieter Hanisch, Neumünster

Naziszene verliert Treffpunkt

Der »Club 88« im schleswig-holsteinischen Neumünster ist Geschichte. Etwas mehr als 17 Jahre war er eine über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Anlaufstelle für die Neonaziszene. Zuletzt erfuhr er immer weniger Zuspruch.

Lucía Tirado

Zum Verrücktwerden

Der Autor Patrick Hamilton wollte Theaterregisseuren Mühe ersparen. Dem Dreiakter »Gaslicht« stellte er bis ins Detail seine geistigen Bilder von den Räumlichkeiten und der Atmosphäre im Londoner Haus der Manninghams voraus. Anfang des 19. Jahrhundert siedelte er das Stück an. Wenig reizvoll für eine heutige Aufführung, könnte man meinen. Im Kriminaltheater nahm Wolfgang Rumpf den Zeitspr...

ndPlusErich Preuß

Als das Bahnfieber ausbrach

Seit dem 7. April 1839 durchquerten Dampfzüge fast das gesamte sächsische Königreich, verbanden Leipzig und Dresden. Nach 175 Jahren geht es auf dieser Strecke noch immer recht lebendig zu.

Permanente Anwesenheit der Abwesenheit

Gustavo Germano ist ein argentinischer Fotograf. Der 50-Jährige dokumentiert die Geschichten von Opfern der lateinamerikanischen Militärdiktaturen. Eine seiner Ausstellungen ist nd-Gebäude zu sehen. Martin Ling sprach mit ihm.

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Sieben Tage, sieben Nächte

Die Welt ist ungerecht. Das wissen Sie natürlich schon, liebe Leserinnen und Leser. Was Sie aber vielleicht noch nicht kannten, ist dieser brandaktuelle Beleg dafür: In Russland haben Beschäftigte einer Molkerei in Milch gebadet - und dafür Ärger bekommen. Das wäre natürlich weder Kleopatra noch der Kaiserin Elisabeth oder Joséphine Bonaparte widerfahren, von denen ähnliches Geplansche überlief...

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ndPlusStephanie Schiller

Sometimes in April ...

In Ruanda wird dieser Tage auf Trauerveranstaltungen an den Völkermord vor 20 Jahren erinnert. Für eine Politik des Wiederaufbaus und der Versöhnung sprach sich Paul Kagame aus, seit 2000 Präsident des Landes.

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ndPlusMartin Ling

Paul Kagame regiert mit eiserner Faust

Seit 1994 hält Paul Kagame in Ruanda die Zügel in der Hand. In jenem Jahr war Kagame als Anführer der Tutsi-dominierten Guerilla der Patriotischen Front Ruandas (FPR) aus dem ugandischen Exil zurückgekehrt.

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Nachrufe

Frankie Knuckles /18. 1. 1955 - 31. 3. 2014 »Tanzen ist das beste, was man für sich machen kann. Und es kostet nichts«, sagte Frankie Knuckles einmal. Im Club »Warehouse« in Chicago hatte der in der Bronx geborene DJ bereits in den siebziger Jahren damit begonnen, aus der Tanzmusik der Schwarzen und Schwulen, den Soul- und Disco-Tracks, die gespielt wurden, den Ballast herauszufiltern und...

Tim Zülch

Ein Leben im Protest

Es ist ein trüber Tag, eine Woche nach dem Kompromissangebot des Senats an die Flüchtlinge, die seit über einem Jahr in Berlin-Kreuzberg aus Protest campieren. Dirk Stegemann steht auf dem Oranienplatz und lässt sich beschimpfen. Das Fernsehen ist dabei. Ein Teil der Flüchtlinge will das Angebot auf Wohnraum und Einzelfallprüfungen annehmen und den Oranienplatz räumen. Bashir Zaharia ist aufgeb...

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ndPlusDaniela Dahn

Verderbnis der Idee durch ihre Verwirklichung

Ist Selbstermächtigung jenseits der Verfassung zu akzeptieren? Dies wäre ein Rückfall ins Chaos des Naturrechts. Eine Ablösung des Rechts durch angebliche Moral. Nein, die Aktiv- bürger müssen den Rechtsstaat verteidigen.

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Leo Fischer

Weiwei-Kunst

In autoritären Regimen, so heißt es, ist die Kunst automatisch besser, weil der Künstler seine Botschaft doppelt und dreifach verschlüsseln und daher tief in die formale Trickkiste greifen muss. Sollte das stimmen, ist China einer der liberalsten Staaten der Erde, denn die Kunst, die seine Dissidenten in maßloser Produktivität und geradezu blödsinnigem Eifer um den Globus schicken, ist derart f...

Geniestreich eines Wanderers

Er war der Sohn eines höheren Polizeibeamten und einer Sängerin, die für die künstlerische Erziehung ihrer beiden Kinder sorgte. »Meine Mutter war durch und durch musikalisch, hatte eine gute Sopranstimme und sang wiederholt auf Rheinischen Musikfesten die Soli«, erinnerte er sich später. »Sie verlor aber zu ihrem großen Kummer früh die Stimme und beschränkte sich dann auf den Gesangsunterricht...

ndPlusWalter Schmidt

Fluch der Bequemlichkeit

Der Mensch ist faul und kann nicht anders, und das hat einen guten Grund. »Ursprünglich ... kostete selbst viele Kalorien, sowohl für Sammlerinnen als auch für Jäger«, so Evolutionspsychologe Harald Euler.

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ndPlusKevin Clarke

Eine Kulturgeschichte des Bartes

Bärte galten vor gar nicht allzu langer Zeit als politisch suspekt. In den USA zum Beispiel seinem alle Nicht-Glattrasierten potenzielle Kommunisten gewesen. Und heute? Sind sie nurmehr ein Witz der Post-Postmoderne.

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Folge 18: wir-wollen-lernden.de, die; Substantiv, feminin

2008 gründete der Hamburger Vater und Jurist Walter Scheuerl die Elterninitiative wir-wollen-lernen.de, die eine Volksabstimmung gegen den damals von der schwarz-grünen Regierung der Hansestadt vorangetriebenen Prozess um die Verlängerung der Grundschulzeit von vier auf sechs Jahre organisierte. Innerhalb kurzer Zeit wuchs diese Initiative dank Spenden und starkem Elternengagement, so dass die ...

Jürgen Amendt

Abschied von einem Privileg

Der Zugang zu einem Studium ist in Deutschland gemeinhin an die sogenannte Hochschulreife geknüpft. Früher war das Studium allein den Absolventen der höheren Lehranstalten, den Gymnasien, vorbehalten. In den vergangenen Jahrzehnten wurde diese Restriktion immer mehr abgebaut; neben der Hochschul- gibt es heute auch die Fachhochschulreife sowie fachgebundene Zugänge zu einem Studium. Aber ...

ndPlusLena Tietgen

Scheuerl verlässt CDU-Fraktion

Hamburgs wohl bekanntester Elternsprecher, Walter Scheuerl, hat die CDU-Fraktion im Streit um G8 und G9 verlassen. Bekannt wurde er durch die Gründung der Initiative »Wir wollenen lernen«, die 2010 einen Volksentscheid gegen die geplante Primarschule und damit dem längeren gemeinsamen Lernen durchsetzte und für sich entschied. Infolge dessen legte der damalige Bürgermeister Olé von Beust (CDU) ...

Marina Mai

Nur das Studium zählt

Der Berliner Bezirk Lichtenberg ist die größte vietnamesische Kommune in Deutschland. 4500 vietnamesische Staatsbürger und geschätzt 2000 vietnamesischstämmige Menschen mit deutschem Pass leben hier. Da ist es nur nachvollziehbar, dass das Bezirksamt gern Mitarbeiter haben möchte, die die vietnamesische Sprache sprechen, die Kultur kennen und darum die vielen vietnamesischen Zuwanderer viel bes...

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Wochen-Chronik

5. April 1794 Georges Jacques Danton, Vorsitzender des ersten Wohlfahrtsausschusses der Französischen Revolution, wird auf Betreiben von Maximilian Robespierre in Paris guillotiniert, weil er sich für eine Rücknahme des »Terreurs« eingesetzt hatte. Allerdings war es Danton selbst, der im März 1793 die Errichtung eines außerordentlichen Revolutionstribunals durchgesetzt und gefordert hatte:...

ndPlusDaniela Fuchs

Ecken & Kanten

Die Kunstmöbelfabrik der Warschauer Siedlung Henryków erhielt im Herbst 1988 von der Führung der PVAP einen ungewöhnlichen Auftrag. Sie sollte einen runden Tisch anfertigen, an dem 57 Personen gleichzeitig Platz nehmen konnten. Die Besteller hatten es eilig. Innerhalb von 20 Tagen sollte er fertig sein. Und in der Tat wurde der riesige lackierte Eichentisch mit neun Metern Durchmesser fristgemä...

Julian Bartosz

Als die Illusion aus allen Nähten platzte

Es war einmal ein runder Tisch. Nicht der aus im 12. Jahrhundert des legendären König Artus, um nach einem Kelch zu suchen... Der Gral, um den es im Frühjahr 1989 in Polen ging, war die Macht. Erinnerung an eine Zeitenwende.

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ndPlusMartin Koch

Tödliche Gefahr aus der Tiefe

Seit der Entstehung des Lebens auf der Erde wurde die Zahl der jeweils existierenden Arten durch sogenannte Massenaussterben mehrmals drastisch reduziert. Als Ursachen hierfür kommen sowohl kosmische als auch irdische Ereignisse in Frage: Meteoriteneinschläge, starker Vulkanismus, abrupter Klimawandel etc. Allerdings lassen die verfügbaren Daten im Einzelfall durchaus unterschiedliche Erklärung...

Anja Laabs

Über Nacht schlauer werden?

Die kindliche Tiefschlafverarbeitung unterscheide sich zudem auch wesentlich von der Art des Lernens bei Erwachsenen. Bei Kindern werden neue Inhalte durch Abstraktion vollkommen unbewusst festgeschrieben.

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Radarbilder von oben

Vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana startete am Donnerstag der erste Satellit des ehrgeizigen europäischen Copernicus-Programms zur Erd- und Umweltbeobachtung. Eine Sojus-Trägerrakete bringt den Satelliten Sentinel-1A in den Erdorbit, aus dem er mit seinem High-Tech-Radar die Oberfläche unseres Planeten bei allen Wetterlagen abtasten wird. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse dienen ...

Rehkitze Opfer des Klimawandels

Der Klimawandel gefährdet einer Studie zufolge das Leben neugeborener Rehkitze. Weil der Frühling infolge der Erderwärmung immer früher kommt, überleben weniger von den jungen Rehen in Frankreich ihren ersten Sommer, wie ein Forscherteam um Floriane Plard von der Universität Lyon herausfand. Während die Pflanzen wegen des Klimawandels immer früher austrieben, blieb die Geburtszeit der Reh...

ndPlusRalf Döscher

Wenn das Licht die Kurve kriegt ...

Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich in einem Haus, das Sie noch nie verlassen haben und auch nicht verlassen können. Und nun sollen Sie herausfinden, wie es von außen aussieht. Geht nicht? Geht doch, sagen die Astronomen, die aus der logischen Betrachtung der Sterne auf die Lage unserer Sonne schlossen: Diese befindet sich sehr weit - 26 000 Lichtjahre - von der Mitte unserer als »Milchstra...

Ralf Streck

Schmerzmittel dezimiert Geier

Spanische Wissenschaftler und Umweltschützer befürchten ein massives Geiersterben im Land, weil ein Medikament für die Tiermedizin zugelassen wurde, das nachweislich Millionen der Aasfresser in Asien und Afrika tötet.

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Udo Bartsch

Wort frei!

Die Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit auf den Straßen besitzt in Deutschland hohe Bedeutung. Ein Spiel, bei dem Buchstaben eine gefährliche Fahrbahn ohne Zebrastreifen oder Ampel überqueren, hätte deshalb hierzulande schwerlich seine Erstzulassung erhalten; es muss folglich aus dem Land der grenzenlosen Freiheit stammen. Und so ist es. Die Straße ist in »Word on the Street« die We...

Wibke und Bernd Gessner, Hannover

Kartentheater

Bei uns tritt häufig »Der Große Dalmuti« in Aktion. Das ist ein Kartenspiel, herausgegeben vom Amigo Verlag. Es macht immer wieder Spaß, bringt die Leute in Trab und hat sogar noch theatralischen Wert. Es sind 80, übrigens sehr hübsch gestaltete Karten im Spiel. Das Ziel ist, die Handkarten möglichst schnell los zu bekommen. Wer das zuerst schafft, der ist Sieger und damit der »Große Dalmuti« -...

Unerwartetes, ja Undenkbares
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Unerwartetes, ja Undenkbares

... hat die Schachszene erneut erschüttert: Viswanathan Anand (Indien; 44), unlängst sensationell entthronter Weltmeister, galt als abgemeldet, meldet sich aber sensationell zurück. Er gewann souverän das WM-Kandidatenturnier und fordert nun seinen Bezwinger, den amtierenden Champion Magnus Carlsen (Norwegen; 23) heraus. Mit welcher Bravour Anand das Kandidatenturnier spielte, zeigte sich berei...

Keschern statt kicken

Mit Schläger und Netz und viel Gebrüll Richtung Tor: Das ist Lacrosse, ein Ballsport, erfunden von nordamerikanischen Indianern. Von Laura Hundertmark lässt sich René Gralla auf den spielerischen Kriegspfad mitnehmen.

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ndPlusTim Fiege

Weitere Aussichten: unterkühlt

Das Land des Lächelns« - dies war schon immer ein fragwürdiges Klischee, das hartnäckig in den Einführungskapiteln der Reiseführer verbreitet und von den Reiseveranstaltern unverdrossen propagiert wird. Die Thailänder gingen mit den immer größer werdenden Touristenscharen zwar stets freundlich, aber auch äußerst geschäftsmäßig um. Letzteres tun sie bis heute, nur die Freude, das Interesse an de...

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Jule Schwarz

Augen zu und durch

Hartmut Dorows Hände tasten über das Dächermeer von Ulm. »Der Metzgerturm müsste noch schiefer sein, und am Schwörhaus fehlt der Balkon«, kommentiert er. »Aber ansonsten ist es ganz wunderbar.« An dem für Blinde gedachten Tastmodell der Stadt beginnt er seine ganz besondere Führung. Veranstaltungen von Blinden für Blinde gibt es viele. Aber nicht von Blinden für Sehende. »Ulm Feeling« heißt die...

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Christina Matte

Großvater war Kommunist

Wie gehen Kinder und Enkel von Nazigrößen mit der Schuld ihrer Eltern oder Großeltern um? Sie sind in den vergangenen Jahren gern dazu befragt worden oder haben sich selbst zu Wort gemeldet. Vom Hass auf die Erzeuger über das Leugnen von Schuld bis zur Beschwörung «lieber» Väter waren jede Geisteshaltung und psychische Gestimmtheit vertreten. Interessanter ist freilich die Frage, wie die bundes...