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UNTEN LINKS

Heute soll es um Implikationen der Weisheit »Gott ist rund« gehen. Da wir aber gehalten sind, wenigstens diese Rubrik während der nächsten vier Wochen von Balla-Deskem frei zu halten, widmen wir uns nicht dem runden Leder, sondern dem geradeso geformten Leib. 67 Prozent der deutschen Männer und 53 der Frauen sind übergewichtig. Warum das so ist, verrät eine »onlinerepräsentative Umfrage« der ei...

Millionendefizit bei gesetzlichen Krankenkassen

Die gesetzlichen Krankenkassen sind laut einem Bericht der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« im ersten Quartal 2014 erstmals seit 2008 wieder in die Verlustzone gerutscht. Demnach sei von Januar bis März ein Defizit im dreistelligen Millionenbereich aufgelaufen.

Roland Etzel

Irakische Amnesie

»Es kommt jetzt darauf an, dass das Voranschreiten von ISIS in Irak gestoppt wird«, gab sich Frank-Walter Steinmeier besorgt. Vielleicht war er es in diesem Moment sogar wirklich. Aber der Zweifel daran ist groß. Darf man einem amtierenden Außenminister soviel partielle Amnesie zubilligen? Das Urteil neigt klar zum Nein, und der SPD-Mann macht einem dies zusätzlich leicht, indem er auch jetzt n...

Dschihadisten ziehen von drei Seiten vor Bagdad

Bagdad. Aus mindestens drei Richtungen sind die Dschihadisten in Irak am Freitag weiter auf Bagdad vorgerückt. In einem Umkreis von weniger als hundert Kilometern näherten sie sich der Hauptstadt aus den Provinzen Al-Anbar im Westen, Salaheddin im Norden und Dijala im Osten. Nach Polizeiangaben lieferten sich die Armee und Aufständische der Organisation Islamischer Staat im Irak und in der Leva...

ndPlusChristian Klemm

Erdbeeren mit bitterem Beigeschmack

Beschäftigte aus Osteuropa arbeiten auf deutschen Felder nicht selten unter katastrophalen Bedingungen. Jetzt werden schwere Vorwürfe gegen einen Betrieb aus Thüringen erhoben - der weist das zurück.

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Katja Herzberg

Nichts gegen Herrn Cameron

Die große Keule hatte David Cameron bereits einen Tag nach der Europawahl geschwungen. Er soll beim Treffen der Staats- und Regierungschefs den Austritt Großbritanniens aus der EU ins Spiel gebracht haben. Nun ist diese Drohgebärde keine neue, in der aktuellen Situation aber reichlich unangemessen. Jetzt erklärte sich der Konservative in einem Gastbeitrag für die »Süddeutsche Zeitung«. Darin wi...

ndPlusKurt Stenger

Kranke Kassen

Kaum zu glauben: Dank der Rekordstände bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung sowie der wieder einigermaßen ordentlich steigenden Löhne und Gehälter verzeichnet die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) einen Beitragsboom - doch die Kassen verzeichnen im ersten Quartal 2014 erstmals seit Jahren offenbar wieder ein Minus. Das Problem sind die noch schneller gestiegenen Ausgaben; di...

ndPlusUwe Kalbe

Bettelnder Trotz

Vier Jahre nach ihren ersten Vorboten im niedersächsischen Landtag ist nun die »Affäre« Christian Wulff endgültig beendet. Auch juristisch ist der Fall mit dem Verzicht der Staatsanwaltschaft auf eine Revision abgeschlossen. Wulff sieht sich als Sieger, doch allein in den ersten wenigen Worten dieses Kommentars sind die entscheidenden Vokabeln für ein politisches Todesurteil bereits wieder gefa...

ndPlusVelten Schäfer

Leicht verspätet

Erstmals erwähnt wurde die rheinland-pfälzische Gemeinde Herschbach anno 1248. Doch so viel Aufmerksamkeit wie jüngst hat der Vorort des Mineralwasserstädtchens Selters noch nie auf sich gezogen. Verantwortlich dafür ist der 32-jährige Jurist, Nachwuchspolitiker und Ortsbürgermeister Sven Heibel (CDU). Der verhalf der Gemeinde mit einem Facebook-Textchen zum sprichwörtlichen 15-Minuten-Ruhm. Un...

Kathrin Zinkant

Schirrmachers Erbe

Das Phänomen der Kommunikation ist ein großes Rätsel. Viele Menschen empfinden das mit Blick auf sich allerdings als sehr positiv, als faszinierendes Element ihrer Einzigartigkeit sozusagen. Was sogar verständlich ist: Kein anderes der heute bekannten Lebewesen ist in der Lage, sich in derart komplexer Weise über Wissen, Gefühle, Wünsche und Projektionen auszutauschen wie wir Menschen. Wir könn...

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ndPlusIngo Schulze

Einen Fuß in der Tür des Kapitalismus

Ist es merkwürdig, dass alles, was um die Zeitachse 1989/90 kreist, mich heute mehr denn je interessiert? Oder anders gesagt: Warum gibt es kaum eine Überlegung, die mich nicht irgendwann zu dieser Zäsur führt?

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ndPlusJürgen Amendt

Akademikerrepublik Deutschland

Trotz einer steigenden Beteiligung ist das deutsche Bildungssystem nach wie vor sozial ungerecht. So das Fazit des am Freitag in Berlin vorgestellten Bildungsberichts 2014.

Fabian Lambeck

Masern immer noch nicht ausgerottet

Die Kinder- und Jugendärzte schlagen Alarm: Weil immer mehr Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen, kommt es immer wieder zu Masernausbrüchen. Ein nationaler Impfplan könnte das unterbinden.

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Stefan Otto

Ruhe, Ordnung und ein paar Syrer mehr

Die Innenminister ließen auf ihrem Treffen ein wenig Milde gegenüber syrischen Flüchtlingen walten. Dafür versprachen sie Härte gegenüber Gewalttätern beim Fußball und bei Linksradikalen.

ndPlusPaul Alexander

Enkel können sich auf Oma freuen

Der Bundesrat hat das Rentenpaket beschlossen und damit ein schwieriges Streitthema vorerst abgehakt. Doch die nächsten Konflikte werfen ihre Schatten voraus.

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ndPlusWolf H. Wagner, Florenz

Grillo mit Farage im Fraktionsbett

Beppe Grillo, Führer der Bewegung Fünf Sterne (M5S), will im Europäischen Parlament zu den britischen Rechtspopulisten in die Fraktion »Europa der Freiheit und der Demokratie« (EFD) stoßen.

Entscheidung zwischen rechts und extrem rechts

Am Sonntag entscheiden die Kolumbianer über ihren neuen Präsidenten. Die Wahl ist vor allem eine Abstimmung über die Fortsetzung der Friedensgespräche mit der Guerilla - glaubt die Linke und ruft fast geschlossen zur Wahl des konservativen Amtsinhabers Juan Manuel Santos auf. Mit dem Menschenrechtsanwalt und Kongressabgeordneten der Linksparte PDA Alirio Uribe sprach für »nd« David Graaff in Bogotá.

Dinah Riese, Istanbul

»Wir verteidigen die Gezi-Park-Bewegung«

In Istanbul stehen seit dieser Woche 26 vermeintliche Anführer der letztjährigen Proteste gegen ein monströses Bauprojekt im Gezi-Park vor Gericht.

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Bulgarien vor Neuwahl

In Bulgarien wird es bald Neuwahlen geben, obwohl die Regierung ein weiteres Misstrauensvotum überstanden hat.

Direkter Dialog Moskau-Kiew

Kiew. Im Gasstreit könnten Russland und die Ukraine Verhandlungen am Sonnabend fortsetzen, sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Freitag. »Wir warten auf unser Geld«, wiederholte derweil Olga Golant vom Energieministerium in Moskau, das die Gespräche offenbar bis zum Ablauf des Ultimatums am Montag aussetzen will. Gefordert wird die Begleichung von Schulden in Milliardenhöhe. Der...

Julian Bartosz, Wroclaw

Polen sieht sich in vorderster Front

Zu Lande, in der Luft und auf hoher See zeigt die NATO an ihrer Ostflanke Stärke. Polen, das sich als Vorposten der Allianz fühlt, ist mit allen Waffengattungen dabei.

Ulrich Heyden, Moskau

Brandbomben auf Slawjansk?

Videos von Brandbomben über einem Vorort von Slawjansk nähren einen grausigen Verdacht. Die ukrainische Nationalgarde wies den Vorwurf in einer auf ihrer Website veröffentlichten Erklärung zurück.

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E-Autobauer Tesla gibt Patente frei

Mit der Offenlegung seiner Patente will der Autobauer Tesla den weltweiten Durchbruch für das Elektroauto schaffen. Das Vorgehen von Tesla könnte dem E-Auto aus seinem Nischendasein helfen.

ndPlusGrit Gernhardt

Europa: Weniger Lebensmittelwarnungen

Über ein neues Internetportal des EU-Schnellwarnsystems sollen sich Verbraucher künftig schneller über auffällige oder gefährliche Lebens- und Futtermittel informieren können.

Kurt Stenger

Preise steigen nur noch langsam

Wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte, stiegen die Verbraucherpreise im Mai 2014 gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,9 Prozent. Die Inflationsrate in Deutschland ist weiter rückläufig.

Susanne Scheckel

Biosprit sorgt für Hunger

Der EU-Ministerrat hat sich für eine Senkung der Biospritquote ausgesprochen. Für Biokraftstoffe aus Raps oder Soja soll 2020 eine Obergrenze von sieben Prozent gelten. Kritiker halten die Beschränkung für zu lasch.

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Vater und Sohn

Unter dem Motto »Die wahre Art« begann am Freitag das diesjährige Bachfest in Leipzig. Bis zum 22. Juni wird es rund 100 Konzerte und Veranstaltungen zu Ehren des berühmten Komponisten Johann Sebastian Bach und dessen Sohn Carl Philipp Emanuel geben. Den Auftakt bildete ein Konzert in der Thomaskirche. Am ersten Wochenende des Bachfestes laden die Veranstalter zudem zu zahlreichen kostenl...

Wege geebnet

Die afroamerikanische Schauspielerin und Bürgerrechtlerin Ruby Dee ist tot. Die Theater-, Film- und Fernsehschauspielerin (»Do The Right Thing«, »American Gangster«) sei am Mittwoch im Alter von 91 Jahren in ihrem Haus in New York im Beisein ihrer Familie gestorben, sagte ihr Agent. US-Präsident Barack Obama erklärte, Dee habe den Weg für Generationen schwarzer Schauspieler bereitet. Durc...

Genosse »Urschwejk«

Das Berliner Ensemble setzt seine Reihe »Vergessene und verbotene Theaterstücke der DDR« fort. Im Gartenhaus des Theaters geht es am Sonntag (15. Juni, ab 19 Uhr) um den »Urschwejk« von Stefan Schütz aus den 80er Jahren.

Unterwegs mit Kamera

In der Ausstellung »Reisen. Fotos von unterwegs« zeigt das Literaturmuseum der Moderne in Marbach noch bis zum 5. Oktober mehr als 1200 Fotografien, aufgenommen von Schriftstellern. Angefertigt wurden die Reisebilder der Literaten aus denkbar unterschiedlichen Gründen.

Jochen Schmidt

Spielerfrauen aus Stahl

Am meisten beneide ich die Fußballer immer darum, dass sie sich um nichts im Leben kümmern müssen, sogar ihre Freundinnen kriegen sie ja angeblich gestellt, wenn sie keine gefunden haben. Es gibt jedenfalls keinen Spieler ohne Freundin, das ist noch nie vorgekommen. Meistens sind es Friseusen oder Mode-Journalistinnen, erstaunlich selten Fußballerinnen, obwohl sich das doch anbieten würde, mein...

ndPlusMartin Hatzius

»Ist das nicht Feuilleton?«

Als am späten Donnerstagnachmittag zuerst via Twitter die Nachricht von Frank Schirrmachers Tod ins Büro polterte, wollten wir das noch für ein Gerücht halten, für einen bösen Scherz, eine Finte, bestenfalls gestreut von Schirrmacher selbst - womöglich, um unsere Bildschirmnasen durch einen heftigen Schlag auf den Hinterkopf auf die Unzuverlässigkeit der Informationsmaschine zu stoßen, der wir ...

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Bildungsreise

Nächste Woche will der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta die besten Spieler des Landes nach Brasilien schicken, damit sie dort WM-Spiele live verfolgen können - zur Motivation, sich selbst in Zukunft für eine WM zu qualifizieren. Mit seiner Frau finanziert er den Spielern die Reise aus privaten Mitteln, wie er sagt. Kenias Nationalteam hat sich noch nie für eine WM qualifiziert. Zeitweise wa...

Urlaub gerettet

In Sao Paulo hat ein ehrlicher Taxifahrer den WM-Urlaub einiger Mexikaner gerettet. Der 43-Jährige hatte die angetrunkene Gruppe am frühen Donnerstagmorgen in ihr Hotel gefahren, berichtete er der Zeitung »O Globo«. Als er selbst Feierabend machte, habe er auf dem Rücksitz seines Wagens eine Tasche entdeckt - darin eine Mappe mit 40 Tickets für WM-Spiele. Daraufhin sei er zum Hotel zurückgefahr...

Vorletzter Mann

Trotz des Olympiasieges 1952 und dem historischen Sieg in Wembley 1953 blieb den ungarischen Fußballern vor allem eines: Das Trauma von Bern. Am Freitag verstarb der ungarische Torhüter Gyula Grosics, der in den 1950er-Jahren an der Seite von Ferenc Puskas in 31 Länderspielen in Folge ungeschlagen geblieben war, im Alter von 88 Jahren. Grosics war Mitglied jener Auswahl, die im Endspiel der WM ...

ndPlusArne Richter, Natal

Mexiko siegt zum Auftakt

Mexiko gewinnt sein Auftaktspiel bei der WM 1:0 gegen Kamerun. Die Afrikaner stehen nun vor dem zweiten Spiel in der Gruppe A bereits unter Druck. Gegen Kroatien muss das Team von Volker Finke schon gewinnen.

Jens Marx und Maximilian Haupt, Rio de Jainero

Ultrafavoriten

Neymar und Brasilien haben vorgelegt, nun sind Lionel Messi und seine argentinischen Offensiv-Brillierer auf dem Weg zum südamerikanischen Traumfinale gefragt. »Viel Glück all meinen Barça-Teamkollegen, aber versucht zu verhindern, dass ihr gegen uns spielen müsst«, verkündete der Superstar der »Albiceleste« kurz nach dem Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft - an deren Ende Titel Nummer drei s...

ndPlusFrank Hellmann

Der Unsinnspalast am Amazonas

Ein Viertel der WM-Teilnehmer wird sich mit den Erfordernissen arrangieren müssen, die ein Besuch von Manaus im Amazonasgebiet mit sich bringt. Italien und England machen am Samstag den Anfang.

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Stephan Fischer

Was noch fehlte

Noch während des Eröffnungsspiels Brasilien gegen Kroatien setzte ein, was bei einer Fußballweltmeisterschaft nicht fehlen darf: die Schiedsrichterdebatte. Der japanische Schiedsrichter Yuichi Nishimura (42) wertete in der 71. Minute Dejan Lovrens Zupfer am Trikot des Brasilianers Freds als Foul, obwohl der im kroatischen Strafraum eher ausgerutscht als gefallen war. Der nachfolgende Elfmeter b...

Zwillingsspiel für die Couch

Ich schau mir also mit meiner Freundin das Eröffnungsspiel an. Als Brasiliens Trainer auf dem Bildschirm erscheint, fragt sie: »Woher kenn’ ich den denn?« »Das ist Luiz Felipe Scolari«, sage ich in einer Mischung aus Stolz und gespielter Arroganz des Allwissenden.

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ndPlusMartin Kröger

Wowereit will Bewerbung für Olympia

Seit Tagen wurde spekuliert, jetzt ist es amtlich: Die Hauptstadt will sich für die Ausrichtung der Sommerspiele bewerben – zumindest wenn die Akzeptanz stimmt.

Bernd Kammer

Ab Januar steigen die Fahrpreise

Dank Brandenburger Landtagswahl fällt die Tariferhöhung für Busse und Bahnen dieses Jahr aus, dafür kommt sie gleich im Januar.

Martin Kröger

Denkmal und Spiele

Euphorie und Unterstützung sehen sicher anders aus. Schon beim wichtigen Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) reagierte man am Freitag betont zurückhaltend auf die Ankündigung von Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), dass sich die Hauptstadt erneut für die Olympischen Sommerspiele bewerben will. Die Sportfunktionäre wollen erst mal bis Ende August ihren Fragenkatalog beantw...

Martin Kröger

Bürger wollen Netze mitbetreiben

Als Alternative zur reinen Rekommunalisierung sieht sich die Bürger Energie Berlin. Die Genossenschaft bewirbt sich um das Stromnetz, kann sich aber auch eine Kooperation beim Gasnetz vorstellen.

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Frühstart für die Spreewald-Gurke

Die Gurkenernte im Spreewald hat wegen des guten Wetters zwei Wochen früher begonnen als 2013. Wie jedes Jahr sind zahlreiche Saisonarbeitskräfte auf den Feldern im Einsatz. Im Bild zu sehen sind rumänische Erntehelfer, die auf einem »Gurkenflieger« des Spreewaldhofes Niewitz nahe Lübben (Dahme-Spreewald) Einlegegurken pflücken. Die Gurkenanbaubetriebe der Region schätzen, dass sie nach den her...

Nationalpark sucht Partner im Osten

Der deutsch-polnische Nationalpark Unteres Odertal sucht nach Kooperationspartnern in Osteuropa - in Belarus fanden die Naturschützer potenzielle Kooperationspartner.

Marian Krüger

Erstes Durchatmen auf der Datsche

Dem Antrag Brandenburgs, Datschenbesitzern für drei weitere Jahre die Nutzung ihrer Häuschen zu sichern, hat der Bundesrat zugestimmt. Nun muss der Bundestag darüber entscheiden.

ndPlusSarah Liebigt

Bröckchen um Bröckchen

Der Mauerfall jährt sich zum 25. Mal. Wo ist er sichtbar, wo verschwinden die Spuren der Grenze - in und um Berlin? In neun Teilen rund um typische und untypische Bilder und Orte suchen wir nach Antworten.

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Goethe in Bataillonsstärke

Frankfurt am Main. Von Goethe umzingelt: Passanten auf dem Gelände der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Die hessische Hochschule feiert derzeit ihr 100. Jubiläum mit einer Kunst-Installation. Der Künstler Ottmar Hörl hat Figuren des deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe in den Farben Honiggelb, Türkisgrün, Purpurrot und Enzianblau geschaffen. Noch bis 20. Juli sind die 400...

ndPlusHans-Gerd Öfinger

Nazi auf Jobsuche

Mit der Kündigung des Jobcenter-Mitarbeiters und hessischen NPD-Funktionärs Stefan Jagsch hat die Stadtverwaltung der Bankenmetropole Frankfurt am Main auf wochenlange Proteste reagiert. »Für hochrangige Mitglieder einer rechtsextremen Partei ist kein Platz in der Frankfurter Stadtverwaltung«, begründete der auch für Personalfragen in der Stadtverwaltung verantwortliche Oberbürgermeister Peter ...

ndPlusMiriam Bunjes, Kiel

Hüllenloses Einkaufen

Der Verpackungsmüll stört offenbar immer mehr Konsumenten: Jetzt versuchen die ersten Klein-Unternehmer in Deutschland, verpackungsfreie Lebensmittelgeschäfte zu etablieren.

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Für die Liebe

Um die Liebe geht es - die behutsame, die frivole, die gewonnene und die verlorene -, wenn Frank Viehweg aus Berlin und Henry-Martin Klemt aus Frankfurt/Oder ihr Programm »Wo sich die Säfte der Früchte vermischen« zelebrieren. Skurrile, melancholische, lustvolle Geschichten kündigen sie für den 14. Juni, 21 Uhr, an - im »Zimmer 16«, in der Pankower Florastraße 16. nd...

Berlin ohne Welterbe

Die deutschen Kultusminister haben keine einzige Stätte aus Berlin auf ihre Liste für künftige Welterbe-Nominierungen aufgenommen. Weder die Bewerbung von Hansaviertel und Karl-Marx-Allee noch die des Jüdischen Friedhofs Weißensee schafften es unter die neun ausgewählten Kulturgüter, die nach Einschätzung der Minister das entscheidende Kriterium des »außergewöhnlichen universellen Wertes« erfül...

Statt Streit: Fest am Kulturforum

Erstmals setzen sich die Berliner Philharmoniker und die Staatlichen Museen gemeinsam am Potsdamer Platz in Szene. An diesem Samstag und Sonntag (14., 15. Juni) stellen damit zwei der wichtigsten Kulturinstitutionen der Hauptstadt Kunst und Musik gemeinsam vor. Mit dem Fest am Kulturforum soll dieser zentrale Ort der Stadt stärker in die Öffentlichkeit rücken. Seit Jahren wird um die künftige G...

Osten fürchtet noch mehr Leerstand

Dessau-Roßlau. Die ostdeutschen Oberbürgermeister pochen beim Stadtumbau auf weitere Unterstützung von Bund und Ländern. Aufgrund des demografischen Wandels und der weiteren Abwanderung drohe in den neuen Ländern eine neue Leerstandswelle in noch größerem Ausmaß als bisher. Daher müsse es ein Folgeprogramm zur Förderung des Rückbaus geben, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtet...

ndPlusLucía Tirado

Ditwanochniejewesen

»Stulle, du dumme Pottsau!« Keine Beleidigung. Fast eine Liebeserklärung ist das, wenn Didi seinen Kumpel dergleichen lispelnd anmacht. Denn Dieter Kolenda und Andreas Stullkowski aus dem Märkischen Viertel - »born in the ghetto« - sind als Didi und Stulle beste Freunde. Sie lieben sich, kann man sagen, gestehen sich aber keineswegs ihre Homosexualität ein. Erfunden schon 1997 von FIL (Philip T...

ndPlusReimar Paul

In Hannover im Hungerstreik

Obwohl noch Gerichtsverfahren in seinem Asylfall laufen, ließen Behörden in Hildesheim Salah Abdallah nach Italien abschieben.

Harald Lachmann

Vom Geburtenhoch überrascht

Jahrelang wurden in Sachsen Kitas und Schulen geschlossen, obwohl sich gerade in Dresden und Leipzig der Trend zu mehr Geburten zeigte. Die kurzsichtige Sparpolitik rächt sich dort nun.

Marion Pietrzok

Alles, was man nicht malen kann

Wie kostbar sich das Rot, das Braun, das Schwarz auf dem Papier präsentieren, oder auch das Grün und das Gelb. Der Pastellstift schafft ein körpervolles Schimmern, als habe Rembrandt ein Samt-und-Seide-Plaid ausgebreitet. Herta Günthers Liebe zu den Menschen und ihre Vorliebe für das Frauenporträt haben im Pastell, weich und dick aufgetragen, ihre Entsprechung gefunden. Die Bilder scheinen von ...

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Sieben Tage, sieben Nächte

»Hut ab vor ihrer Hoffnung«, schrieb Ende 1989 ein Leser an das ND. »Ich habe für Sie keine. Graben Sie sich ein!« Da diese Zeitung dem Ratschlag damals glücklicherweise nicht gefolgt ist, besteht nun Gelegenheit, zurückzublicken: auf den Herbst 1989 und vor allem auf die Wende im ND. Das ist mehr als eine zeithistorische Pflichtübung in einer Zeitung, die sich einmal »Zentralorgan« einer Parte...

Seite 18
Wolfgang Hübner

Vollwertkost und Sozialismus

Das »Neue Deutschland« begann in jenen Wochen, alleine zu laufen. Ohne Anleitung und Bevormundung, trotz spürbar werdender Anfeindungen. Die Mitarbeiter suchten nach einem neuen Selbstverständnis für eine linke Zeitung.

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Herbst 89: Aus Briefen ans ND

Ich freue mich über das neue Gesicht unseres ND, endlich haben wir ein Zentralorgan für die gesamte Partei und nicht nur für ein Zentralkomitee. Aber bei der Berichterstattung zum Sonderparteitag verfallt ihr wieder in den alten Trott. Warum wird wie früher in den Berichten der «Beifall» einge-flochten? Ich habe meinen Brief an die Tageszeitungen «Neues Deutschland», «Neuer Tag», Junge W...

Seite 20

An den Verbotstafeln der Abteilung Agitation

Die Presse der SED hatte durch eine rigorose Schönfärberei die Glaubwürdigkeit eingebüßt. Journalisten, die Probleme offen zur Sprache bringen wollten, holten sich schwere Brüschen an den Verbotstafeln der Abteilung Agitation.

Seite 21
Tom Strohschneider

Erinnern wir uns noch?

Das Aufbegehren 1989 begann weit links von dem, was heute in der Erinnerung davon übrig gelassen wird. Im Prinzip ging es um Ziele, die wir heute unumwunden links nennen würden - aber nur selten wird dies ausgesprochen.

Seite 22
Seite 23

Wie haben Sie sich da gefühlt, Herr Jahn?

Jeder Mensch hat sie, jeder Mensch kennt sie - die Tage, die sich in der Rückbetrachtung als entscheidend für das weitere Leben erweisen. Solche Daten, bei denen jedem noch nach Jahrzehnten sofort gegenwärtig wird, wie er oder sie sich damals fühlte. Wir haben Roland Jahn nach seiner Gefühlslage an herausgehobenen Tagen seines Lebens gefragt.

Seite 24
Gabriele Oertel

Eine Nachricht aus Hamburg, die niemand vermisste

Früher habe ich mich oft gewundert, dass Angehörige der Generation vor mir auch Jahrzehnte später noch minutiös sagen konnten, was sie am 8. Mai 1945 gemacht haben oder wie ihnen da zumute war. Erst seit 1989 und 1990 weiß ich, dass es neben den ganz persönlichen Höhepunkten wie der Hochzeit oder der Geburt der Nachkommen durchaus andere Tage gibt, die sich für immer und ewig ins Gedächtnis ein...

ndPlusJürgen Amendt

Das Lächeln der anderen

Große historische Ereignisse haben stets ihre kleinen Begleiterscheinungen, jene kleinen Störungen des Alltäglichen, ohne die das Große sich nicht ins Gedächtnis einbrennen würde. Erst im Nachhinein setzen sich diese kleinen Ereignisse zu einem Puzzle zusammen, das größer ist als das große Ereignis je sein kann. In seinem Buch »30. April 1945« hat Alexander Kluge solche Nebensächlichkeiten gesa...

Karlen Vesper

Mit den Blättern fiel die Zensur

Bist du wahnsinnig? Das kann doch nicht dein Ernst sein, einen Artikel über die Menschenrechtserklärung drucken zu wollen, wo uns die Menschen davonlaufen! Wo bleibt dein politischer Instinkt?« Der Anraunzer war gewaltig, die Anordnung apodiktisch. Der bei einem Leipziger Geschichtsprofessor bestellte Artikel über die »Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen« französischer Revolutionäre...

ndPlusClaus Dümde

Der »Mops« bringt den »Mond« aus der Bahn

Am 18. Juli 1991 erschien »Neues Deutschland« mit einer schwarzen Negativzeile über dem Zeitungskopf: »Die einzige deutsche Zeitung unter direkter Regierungsaufsicht«. Der Grund: ND hatte erneut Post von der durch die BRD-Regierung mit »Abwicklung« und Verwertung aller DDR-Unternehmen betrauten Treuhandanstalt bekommen. Sie hatte schon Mitte März schriftlich gefordert, dass sich ND ihrer »treuh...

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Martin Hatzius

Endlich waren wir groß

So fühlt sich also das Erwachsenwerden an: FDJ-Aufnahme, Jugendweihestunden, erster Personalausweis. Seit dem 1. September 1989, Weltfriedenstag und Ferienende, waren wir Achtklässler und gehörten zu den Großen. Stimmbruch, Körperhaar, Zigarettenstummel. So also sieht das Ende der Kindheit aus: West-Nicki, Stone Washed Jeans, Aktenkoffer. So also sagt man sich los von den Autoritäten: Ausreisew...

ndPlusTobias Riegel

Vom Zauberberg ins Epizentrum

Im Jahr 1989 hätte ich gar nicht weiter vom politischen Geschehen entfernt sein können. Ich saß auf einem verzauberten Grashügel und machte mein Abitur an einem bekannten westdeutschen Reform-Internat. Jahre später erfuhr ich aus der »FAZ«, dass dort auch pädophile Monster gelebt hatten - doch das ist eine andere Geschichte. So weit ich zum Zeitpunkt ihres Vollzugs auch vom Epizentrum ent...

ndPlusHeidi Diehl

»Du gehst jetzt gleich rüber«

Am Morgen »danach« war ich die Erste, die dem damaligen stellvertretenden Chefredakteur Michael Müller in der Redaktion in die Arme lief. »Du gehst jetzt gleich rüber«, empfing er mich. Ich begriff nicht, was er von mir wollte, starrte ihn nur verständnislos an. »Ja, hast Du denn nichts mitbekommen?«, fragte er, und schob mich in sein Büro, wo im Fernsehen die Bilder der Nacht liefen. Ich hatte...

Peter Kollewe

Kehraus in der Rue Félix Faure

Herbst 1990. Ausräumen, besser gesagt, Leerräumen in den letzten Institutionen eines sich von der Weltbühne verabschiedenden Staates. Stefan Steinlein stellte sich eben noch in der Botschaft in der Rue Marbeau vor, als neuer und letzter Vertreter der DDR in Frankreich. Im Kulturzentrum der DDR am Boulevard Saint-Germain präsentierten Wenzel & Mensching »Letztes aus der DaDaeR« - ein gar nic...

Seite 26
Irmtraud Gutschke

»Wendewut« und »Nichtgelebtes«

»Wendewut« hieß 1990 eine Erzählung von Günter Gaus. Im »Spiegel« wurde sie sofort lustvoll mit Hohn übergossen. Dass er die »gewöhnlichen Menschen« behütet sehen will vor »jeder ideellen und materiellen Überforderung«, zeige wohl des Autors »schöne Seele«. Nun fühle er sich »von der Weltgeschichte hintergangen: Die DDR wollte einfach nicht die ihr von Gaus zugedachte ›Entwicklung ohne Sprünge ...

Seite 27
Gabriele Oertel und Hendrik Lasch

Alles andere als ein Sieger

Wie kommt ein Zugezogener in einer neuen Heimat wirklich an? Wie schafft er es, nicht nur eine Wohnung, eine Arbeit und ein Stammlokal zu haben, sondern auch einen Stein im Brett bei denen, die sich als Einheimische fühlen?

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Seite 30
André Micklitza

Bayerisch-China am Wegesrand

Die Idee der «Tour de Baroque» wurde in unserer Stadt geboren. Das war im Jahr 1986 und bald wurde der Fernradweg ein Klassiker«, erinnert sich Rainer Seitz, Touristiker in Neumarkt. Zugleich ist der Ort in der Oberpfalz eine der Wiegen der deutschen Fahrradindustrie. Die Ausstellung der Express-Werke AG im Neumarkter Stadtmuseum könnte authentischer nicht sein. Selbst die einstige Fabrikhalle ...

Seite 31
ndPlusAnja Reinbothe

Glitzergewebe am Nachthimmel

Die Taschenlampe bleibt daheim. Sie würde nur stören und die Sicht beeinträchtigen. Ein Laserstrahl ist viel wichtiger und hilfreicher. Den hat Marion Werner dabei, damit sie genau auf die Glanzlichter am Himmel deuten kann, wenn sie diese erklärt. Zusätzlich hat sie noch ein Fernglas eingesteckt, um die Sterne für ihre Gäste ganz nah heranzuholen. Die Gruppe ist auf einer Sternenwanderun...

Seite 32
ndPlusSilvia Ottow

Ein Weltstar bricht das Schweigen

Heute ist mir nach Hopsen zumute. Ich glaube, ich gehe zu Fuß, wenn ich den Kindern am Abend den Schlafsand bringe, und amüsiere mich noch ein wenig mit den Kreidemännchen. Wie jedes Kind weiß, habe ich einen luxuriösen Fuhrpark zu meiner Verfügung, in dem bestimmt mehr als 200 Fortbewegungsmittel stehen, darunter Schiff, Rakete, Draisine, Trabbi, Rollschuhe, Segelboot, Skatebord, Dreirad, Lili...