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UNTEN LINKS

Im sogenannten Bund der Vertriebenen (BdV), der inoffiziellen Nachfolgeorganisation dieser einen Partei, an deren Namen sich niemand genau erinnern kann, mehrten sich gestern die Stimmen, die kürzlich vom Vorsitz des Bundes zurückgetretene Erika Steinbach möglichst umweltschonend zu entsorgen. So sagte etwa Stanislaus Prochazka, der Umweltbeauftragte des BdV: »Fässer mit hochgiftigen Industriea...

Gaza: Israel tötet vor allem Zivilisten

Genf. Die hohe Zahl an zivilen Opfern bei israelischen Luftangriffen im Gaza-Streifen beunruhigt die Vereinten Nationen. Berichte über die Bombardierung von Wohnhäusern gäben Anlass zu der Sorge, dass Israel die Menschenrechte verletze, sagte die UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay am Freitag in Genf. Sie kritisierte das israelische Vorgehen, aber auch die Raketenangriffe militanter Paläs...

Kiew droht Vergeltung an

Bei ihrer »Anti-Terror-Operation« gegen prorussische Aufständische in der Ostukraine hat die ukrainische Armee am Freitag schwere Verluste hinnehmen müssen. Etwa 93 Armeeangehörige wurden verletzt.

Robert D. Meyer

Flüchtlinge fordern: Die Mauer muss weg!

Am Freitag haben etwa 30 Flüchtlingsaktivisten kurzzeitig Zeit das Haus am Checkpoint Charlie besetzt, um gegen die Asylgesetze zu protestieren. Man habe sich das Museum ausgesucht, weil an diesem Ort das Thema Flucht eine besondere Rolle spiele.

ndPlusTom Strohschneider

20 Jahre Gewöhnung

Der Marsch in eine Kultur des militärisch Selbstverständlichen hat nicht mit dem Karlsruher Urteil zu den Out-of-Area-Einsätzen begonnen - eine Wegmarke war es aber. Seither wird versucht, uns den »guten Krieg« zu lehren.

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ndPlusMarkus Drescher

Grüne unter Druck

Die Oppositionsparteien im Bundestag, Grüne und LINKE, fristen ein karges Dasein: Kaum Redezeit und realpolitisch nichts zu melden, so sieht das Alltagsgeschäft angesichts der schwarz-roten Übermacht aus. Anders im Bundesrat. Dort haben die Grünen durch ihre Beteiligung an sieben Landesregierungen ein Wörtchen mitzureden (zusammen mit dem rot-roten Brandenburg) und die Chance, ihren Wählern auc...

ndPlusKurt Stenger

Guter Investor, schlechter Investor

Als Nicolas Berggruen Karstadt vor der Pleite rettete, galt er als das Paradebeispiel dafür, dass Investoren auch anders können als die sprichwörtlichen »Heuschrecken«. Gut aussehend, ein Schöngeist und Kunstsammler, offen gegenüber der Öffentlichkeit und solidarisch mit den Karstadt-Mitarbeiterinnen war er der Liebling der Medien. Selbst Gewerkschafter hatten einen Narren an ihm gefressen. Doc...

Gabriele Oertel

Verhinderungspolitik

Wahrscheinlich ist die Mietpreisbremse der Kanzlerin im Bundestagswahlkampf tatsächlich nur mal so über die Lippen gerutscht. Und in den Koalitionsvertrag kam sie offenbar auch nur, weil die Union während der ersten Kuschelversuche mit der SPD nicht aufgepasst hatte. Seit der Gesetzentwurf aus dem SPD-geführten Bundesjustizministerium bei den Koalitionären die Runde macht, will in der CDU davon...

Detlef D. Pries

Der Dritte

Kofi Annan, einst immerhin selbst UNO-Generalsekretär, und der erfahrene algerische Krisenmanager Lakhdar Brahimi haben entmutigt aufgegeben. Nun soll sich Staffan de Mistura an der nur noch schwieriger gewordenen Aufgabe versuchen, die verfeindeten Parteien in Syrien zu einer politischen Lösung ihres Konflikts zu bewegen. Ban Ki Moon, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, hat den italien...

ndPlusKathrin Zinkant

Meckernde Pudel

Die Menschen vergleichen sich gern mit Nutztieren. Die wenigsten ahnen, dass solche Vergleiche nicht nur etwas über das Verhältnis zu ihren vierbeinigen Versorgern verraten, sondern auch über ihr Selbstverständnis.

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Eskalation in Nahost

Libération, Frankreich Krieg ohne Sieger In dieser leicht entflammbaren Region wird auf Gewalt sofort mit Rache und Gegengewalt reagiert. Bis zur Stunde hat Israel seine Reaktionen auf Luftangriffe beschränkt, die gegen die Militärführer der Hamas und ihre Angehörigen gerichtet sind. Sollten sich diese Angriffe zu einem wirklichen Krieg ausweiten, wäre es ein Krieg ohne Sieger. Eine Lösu...

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ndPlusDieter Hanisch, Kiel

Plötzlich fehlte eine Stimme

Nur eine Stimme fehlte dem Datenschützer Schleswig-Holsteins für eine dritte Amtsperiode. Die Suche nach dem Abweichler hat bereits begonnen.

René Heilig

Blick zur »Sonne« für Merkel

Den Blick zur »Sonne« und eine Flasche Champagner - so etwas muss sich ab und zu auch einen Kanzlerin gönnen dürfen. Gerade dann, wenn sie von Geheimdienstskandalen so genervt ist. Bevor sie zum Fußball nach Brasilien abdüste, ließ Angela Merkel am Freitag in Rostock den Champagner am Bug der »Sonne« zerschellen. So heißt das neue Tiefseeforschungsschiff, das von 2015 an im Pazifik und im Indis...

ndPlusFlorian Schmid

WaWe for the UK

In London wird derzeit heftig über den Ankauf deutscher Wasserwerfer diskutiert. Die Bundesregierung beschafft sich derweil neue Fahrzeuge. Warnungen von Geschädigten lassen sie kalt.

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ndPlusFabian Lambeck

Einspruch aus dem Tal der Ahnungslosen

Ganz Deutschland ist von der Idee eines Mindestlohns besessen. Ganz Deutschland? Nein, im Tal der Ahnungslosen leisten sie noch Widerstand. Bei der gestrigen Abstimmung im Bundesrat votierten 15 von 16 Ländern für die verbindliche Lohnuntergrenze von 8,50 Euro. Lediglich die schwarz-gelbe Koalition in Dresden habe ihre »Zustimmung verweigert«, wie Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow es später ausd...

Marian Krüger

Union hofft auf grüne Umfaller

Die Union versucht in der Länderkammer einen politischen Kuhhandel: Doppelpass gegen beschleunigte Abschiebungen in Balkanstaaten. Unter Druck sind vor allem die Grünen.

René Heilig

Dreht euch nicht um, die Bundeswehr geht um

Die Bundeswehr hält nach Rekruten Ausschau. Die Besten müssten zu Truppe, meint Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Sucht man deshalb schon in Thüringer Kindergärten?

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Sabine Hunziker, Genf

Genfer Polizei im Freizeitlook

Viele Genfer Beamte streiken wieder gegen schlechte Arbeitsbedingen wie Lohnkürzungen und zu wenige Stellen:

ndPlusOliver Eberhardt, Tel Aviv

Noch zögert Netanjahu mit dem Marschbefehl

Von Süd-Libanon aus sind am Freitag erstmals seit Langem wieder Raketen auf den Norden Israels abgefeuert worden. Im Gaza-Streifen geht der Militäreinsatz derweil unvermindert weiter.

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ndPlusUlf Mauder, Nowoschachtinsk

Massenflucht aus der Ukraine zum Nachbarn

Blutige Gewalt, Angst und Zerstörung treiben Menschen aus der Ostukraine in die Flucht. Sie überqueren die Grenze zu Russland. Die Fluchtwege müssen geheim bleiben.

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ndPlusSusanne Götze

TTIP holt Frackinggas nach Europa

Das Transatlantische Freihandelsabkommen, über das ab Montag in Brüssel weiterverhandelt wird, würde Europa abhängiger von US-Energieimporten machen. Das zeigt ein Verhandlungsdokument.

Simon Poelchau

Etikettenschwindel im Bundesrat

Fracking - Ja, nein oder doch vielleicht? Das Thema Fracking bewegt die Gemüter. Hessen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg wollen Fracking streng reglementieren, aber nicht ganz verbieten.

Kurt Stenger

Ein Euro für die Karstadt-Mehrheit

Will Karstadt-Investor Nicolas Berg-gruen den Kaufhauskonzern nur noch loswerden? Seine Untätigkeit hat bereits die Saniererin vergrault.

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Versuch gescheitert

In Leipzig wird es in naher Zukunft kein Freiheits- und Einheitsdenkmal geben. Der Wettbewerb soll beendet werden. Die Fraktionen von SPD, CDU und Grünen hätten sich auf einen entsprechenden gemeinsamen Antrag im Stadtrat verständigt, sagte der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, Ingo Sasama, am Freitag. Das Denkmal sollte ursprünglich diesen Herbst zum 25. Jahrestag des Mauerfalls fertig sein...

Schnörkellose Möbel für die Massen

Das Leipziger Grassi Museum für Angewandte Kunst widmet dem DDR-Möbelgestalter Rudolf Horn anlässlich seines 85. Geburtstages eine Sonderpräsentation. Die Dauerausstellung wird bis Ende Dezember um zwei Clubsessel sowie eine digitale Schau mit Horns Entwürfen erweitert. Horn ist besonders für seine modulare Montageserie MDW bekannt. Zudem entwarf er zahlreiche weitere Einrichtungsgegenstände fü...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Auf Geschirrtuchfühlung

Er tanzt auf vielen Hochzeiten. In meiner Stammkneipe heißt er noch immer, wie schon bei der letzten WM: Schweinshaxe mit zweierlei Knödeln. In Stadttheatern steht er für Tschechow-Stücke oder Shakespeare. Im Fernsehen nennt er sich »Dinner For One«. Er soll etwas Einzigartiges sein, ist aber nur ein abgehetzter Jedermann im Definitionszirkus. Ein Sklave der öden Vereinfacher. Auch Marx fiel un...

Jacinta Nandi

Naziwitze erklären

Eigentlich wissen wir alle, dass man Witze nicht erklären soll. Aber manchmal hat man, besonders als Nicht-Native-Speaker, das Bedürfnis danach. Einmal letzten Winter, zum Beispiel, traf ich mich mit einem Kumpel im Café zum Quatschen. Ich wollte, dass er mir den Witz erklärt, den Michael Ringel in der »Taz« über die blinden Fußballer gemacht hatte. »Warum war das lustig?«, fragte ich. »Deswege...

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Große alte Dame

Zohra Sehgal, die »große alte Dame des indischen Kinos«, ist tot. Sie starb am Donnerstag im Alter von 102 Jahren in einem Krankenhaus in Neu Delhi. »Sie erfreute unzählige Bollywood- und Hollywood-Kinogänger mit ihrer unvergesslichen Schauspielkunst und ungebrochenen Energie«, erklärte Indiens Präsident Pranab Mukherjee. Am Freitag ist Sehgal in Neu Delhi eingeäschert worden. Mehr als si...

Leihgabe nach Mannheim

Die weltweit wohl größte Privatsammlung von Werken des Bildhauers und Malers Anselm Kiefer geht als Dauerleihgabe an die Kunsthalle Mannheim. Der Duisburger Unternehmer und Sammler Hans Grothe und seine Familie werden im Oktober die 38 Werke an das Kunstmuseum geben, teilte die Kunsthalle am Freitag in Mannheim mit. Kiefer gilt mit seinen Materialbildern und Installationen zu existenziellen The...

Demokratie nach Kiew und Odessa

Die Bundesstiftung Aufarbeitung zeigt ihre Ausstellung »Diktatur und Demokratie im Zeitalter der Extreme. Streiflichter auf die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert« jetzt auch in der Ukraine. Die eigens für das europäische Erinnerungsjahr 2014 erstellte Dokumentation wird in einer ukrainischen Fassung bis zum Herbst in mehr als zehn Städten der Ukraine gezeigt, teilte die Bundesstiftung am Fr...

ndPlusWalter Kaufmann

Was Jude sein, was Israeli sein bedeutet

Die Synagoge - bei einem solchen Titel sind Auskünfte über das Judentum zu erwarten, über jüdische Religiosität und Bräuche - und in der Tat, hierin erweist sich Chaim Nolls Roman als enzyklopädisch. Sein Wissen ist enorm. Nur gut, dass die Auskünfte meist mit der Handlung verwoben bleiben. Selbst die detaillierten Schilderungen anti-israelischer Anschläge in den Jahren der Intifada sprengen nu...

Caroline M. Buck

Im Schatten des Zeppelins

Das Jahr 1914 war jenes des Anschlags von Sarajewo, aber auch das Jahr einer Papstwahl. Die Papstwahl war beim Festival des wiederentdeckten Films - Il Cinema Ritrovato in Bologna - im Rahmen der Filmreihe «Kino vor 100 Jahren» zu sehen. Sarajewo und die Folgen nicht. Statt Paraden und Aufrüstungsfilmen, statt Staatsbesuchen und Friedensreden, statt etwa eines Dokumentarfilms, gefilmt an Bord d...

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ndPlusTom Mustroph

Die zweite Haut

Helge Riepenhof hatte nach dem Sturzfestival auf der 5. Etappe der Tour de France gut lachen. Der Arzt des Teams Omega hatte vorgesorgt und seinen Mannen Sprühpflaster aufgetragen. »Früher haben wir dazu Leder genommen. Aber das verrutscht oft«, sagt Riepenhof. Sprühpflaster aber haftet und schützt die Haut vor den Verbrennungen, die auftreten, wenn ein Körper mit 60, 70 Sachen über Asphalt ode...

FIFA arrangiert sich mit Rassismus

Bei internationalen Großveranstaltung, wie der Fußball-WM 2014, kommt es immer wieder zu rassistischen Übergriffen. Die FARE-Initiative versucht mit ihrer Arbeit gegen diese Vorkommnisse vorzugehen.

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Stephan Fischer

Der Flügelschlag im Pudding

Der Elfmeter der Niederlande war kein Tor! Oder doch? Fehlentscheidung? Blinder Schiri? Was wäre Fußball ohne diese großen Fragen. Stephan Fischer nimmt das fragwürdige Tor noch einmal genau unter die Lupe.

Sakral-final
Ingolf Bossenz

Sakral-final

Ingolf Bossenz lässt sich vor dem 
Endspiel vom Heiligen inspirieren

Jirka Grahl, Rio de Janeiro

Rational gegen den Heilsbringer

Am Sonntag geht der fünfwöchige Ausnahmezustand WM zu Ende. Zum dritten Mal heißt das Endspiel Deutschland gegen Argentinien. Zwei verschiedene Fußballphilosophien treffen aufeinander.

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Durchsuchung in Zoo und Tierpark

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Räume im Zoo und im Tierpark-Friedrichsfelde durchsucht. Dabei sei es um die mit Schwermetall belasteten Sandberge im Tierpark gegangen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Freitag. Eine Firma soll dem Tierpark-Friedrichsfelde im vergangenen Herbst die etwa 30 000 Tonnen Erdaushub geschenkt haben - damals war noch der umstrittene Be...

Mann zündet sich vor Botschaft an

Ein 25-jähriger Mann hat sich am Freitagmorgen vor der libyschen Botschaft in Berlin mit Lampenöl übergossen und angezündet. Wie ein Polizeisprecher sagte, erlitt er dabei lebensgefährliche Verletzungen. »Nach ersten Ermittlungen hat der Mann keine politischen Motive«, sagte der Sprecher. Laut Polizei hatte sich der 25-Jährige, der in Tunesien geboren sein soll, an der libyschen Revolution bete...

Robert D. Meyer

Messe für Meinungen

Wenn drinnen im Bundesrat die 16 Landesfürsten über Gesetze beraten, dann wird es draußen auf dem schmalen Gehweg entlang der Leipziger Straße schnell eng. Polizeikarawanen parken die Sicht des vorbeifahrenden Personenverkehrs zu. Damit sorgen die Beamten als Teil der Exekutive dafür, dass die vorbeirollende Öffentlichkeit möglichst wenig von den Protesten vor dem meterhohen Zaun der Legislativ...

Bahnen fahren nach Finale länger

Mehrere Berliner U- und S-Bahnen sollen am Sonntagabend nach dem Finale der Fußballweltmeisterschaft häufiger und bei Bedarf auch länger fahren. Die U-Bahn sei darauf eingerichtet, die Betriebszeit je nach Spieldauer zu verlängern, sagte ein BVG-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Für die Linien U2 und U6 gelte das im Innenstadtbereich, für die U9 und U55 auf der gesamten Strecke. Bei der S-Ba...

Guido Speckmann

8000 Ballons werden Berlin teilen

Das Gedenken an den Mauerfall wird Berlin vermutlich einen Besucherrekord bescheren. Am 9. November wäre aber an mehr zu gedenken.

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Ozon und Aktivkohle gegen verunreinigte Seen

Wie sauber soll unser Wasser sein? In Tegel werden verschiedene Verfahren erprobt, die auch sehr kleine Reste von Medikamenten in Flüssen und Seen aufspüren können. Aber das kostet.

Wilfried Neiße

Grundsteuer nur maßvoll gestiegen

Nach Abwasser und Strompreis nun die Grundsteuer? Diese Steuer hat sich in den Gemeinden Brandenburgs seit 2009 erhöht, allerdings keineswegs flächendeckend.

ndPlusSimon Brost

Bunte Alternative in Weißensee

In einer ehemaligen Schule in der Bernkasteler Straße haben Künstler, Jugendprojekte und ein Umsonstladen ein Domizil gefunden. Am Sonnabend stellen sich ab elf Uhr die 14 Projektgruppen bei einem Sommerfest vor.

ndPlusWilfried Neiße

Brandenburg wird Wirt

Wer nichts wird, wird Wirt, sagt der Volksmund. Das gilt offenbar auch auf der Ebene von Bundesländern. Mangels wirtschaftlicher Alternativen hat Brandenburg sich intensiv dem Tourismus verschrieben.

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Vier lange Monate bis zum Erstgespräch

Wer Hilfe bei einem Psychotherapeuten sucht, landet in Sachsen-Anhalt oft auf einer Warteliste. Nun sollen mehr Experten zugelassen werden, um Abhilfe zu schaffen.

ndPlusJanet Binder, Bremerhaven

Zwischen Trauma und Neuanfang

Wenn man 93 Jahre alt ist, kann einem das Gedächtnis schon mal im Stich lassen. »Meine Erinnerung ist sehr schlecht«, sagt Clemens Kalischer. An manches seiner bewegten Vergangenheit kann er sich mit Hilfe seiner Fotos und seiner beiden Töchter immerhin vage erinnern. Zwei Jahre lang fotografierte er Überlebende des Holocausts bei ihrer Ankunft in New York. 30 seiner Schwarz-Weiß-Fotografien si...

Andreas Hummel, Gera

Bordsteine statt Sandsäcke

Die Hochwasser der letzten Jahre beschäftigen viele Thüringer noch immer. Kein Trost - aber im Jahr 1954 war es wohl noch schlimmer. Die Flutkatastrophe von damals jährt sich nun zum 60. Mal.

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C/O eröffnet neu im Amerika Haus

Die international renommierte Berliner Fotogalerie C/O soll nach eineinhalbjähriger Pause am 30. Oktober im sanierten Amerika Haus wieder öffnen. In dem Gebäude hatten die Amerikaner nach dem Krieg ihr »Umerziehungs-Programm« für die Deutschen gestartet. Jetzt wird es zu einem modernen Ausstellungshaus umgebaut. Mit vier Ausstellungen will C/O im Oktober die Wiedereröffnung groß feiern. D...

Thomas Blum

Unser Haus

Mit dem Steinewerfen haben sie schon lange aufgehört. Künftig werden sie wohl im Glashaus sitzen. Und da passen sie auch wunderbar hin, die »taz«-Kolleginnen und -Kollegen. Redaktion und Verlag der Tageszeitung »taz« werden in einigen Jahren in ein neues Gebäude umziehen, dessen Baukosten mit 18 Millionen Euro veranschlagt sind. Gestern wurde der Entwurf der in Zürich ansässigen Architekten Eck...

Christopher Weckwerth, Schwerin

Stürmische Farben, abstrakte Formen

Es war ein radikaler Aufbruch: Die Expressionisten Kirchner und Wiegers wandten sich vor 100 Jahren von der Elite ab und wollten eine ganz neue Kunst erschaffen. Eine Schau in Schwerin zeugt davon.

ndPlusRoland Beck, Wunsiedel

Es geht aufwärts im Abwärts

Mit dem Slogan »Es geht aufwärts« trat Wunsiedels Landrat Karl Döhler (CSU) im März bei den Kommunalwahlen in der strukturschwachen Region im Norden Bayerns an - und wurde wiedergewählt. Nun liegt die jüngste Prognose zur Bevölkerungsentwicklung Bayerns auf seinem Schreibtisch.

Tom Mustroph

Die Delfin-Identität

Der Begriff »queer« hat eine ziemliche Bedeutungsodyssee hinter sich. Einst als Schimpfwort benutzt für alle, die aus dem herkömmlichen Mann-Frau-Schema ausscherten, wurde es von politischen Aktivisten im Geschlechterfeld zum positiven Kampfbegriff auserkoren - analog dem bewusst gesetzten Bedeutungswandel von »black« oder »schwul«. Längere Zeit diente »queer« der Selbstmarkierung all jen...

ndPlusHendrik Lasch, Lohsa

Badesperre an der Kleinen Ostsee

Der Knappensee bei Hoyerswerda war ein Touristenmagnet. Nun sollen Böschungen gesichert werden. Zum Ärger der Badegäste bleibt der See gesperrt - acht Jahre lang.

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Tom Strohschneider

Sieben Tage, sieben Nächte

Die Mehrheit der Bundesbürger lehne es ab, wenn Kollegen in Badelatschen oder Sandalen im Büro erscheinen. So das das Marktforschungsunternehmen GfK. Bei der Umfrage hat man uns ja mal wieder nicht gefragt.

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Die neuen Städter von Halle-Neustadt
Hendrik Lasch

Die neuen Städter von Halle-Neustadt

Einst gehörten Gummistiefel zur Grundausstattung junger Einwohner von HaNeu. Ein halbes Jahrhundert später hat Halle-Neustadt mehr Brüche und Falten, als den meisten lieb ist. Manche sieht man nicht auf den ersten Blick.

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»Vergleichbar nur mit Brasilia«

»Vergleichbar nur mit Brasilia«

Der Architekt und Stadtplaner Jo Schulz ist Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Stadtumbau in Sachsen-Anhalt. Mit ihm sprach nd-Korrespondent Hendrik Lasch über die die Hallenser Architektur der Nachkriegsmoderne.

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Nachrufe

Alfredo Di Stéfano / 4. Juli 1926 - 7. Juli 2014 Vor dem Halbfinale dieser Fußball-WM zwischen Argentinien und den Niederlanden gab es eine Schweigeminute für den Mann, der nicht ein einziges WM-Spiel bestritt und der trotzdem zu den größten Spielern aller Zeiten gehörte und in der letzten Woche in Madrid verstorben ist. Di Stefano, 1926 in Buenos Aires geboren, war der erste globale Star...

ndPlusMarcus Meier

Abgang der Vertriebenen

Denn der 6. Juli 2014 war ein guter Tag für die deutsch-polnischen Beziehungen. An diesem Tag gab Erika Steinbach bekannt, dass sie kein weiteres Mal für den Vorsitz des BdV kandidieren werde.

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Anastasia Müller

Russland und der Westen

Ein stetiger Wechsel von imperialen Großmachtansprüchen und der Orientierung am Westen prägen die russische Geschichte bis heute. Anastasia Müller aus Bonn, in Kasachstan geboren, versucht, ihr Erlebtes zu verarbeiten.

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Tante Frida Kahlo

Es gibt keine Beweise, lediglich Indizien und unbestätigte Gerüchte. Es geht um meinen Großvater Friedrich Faurndau. Für uns Kinder war er Opa Frieder, ein Ehrfurcht einflößender Mann, der auch in seinen Achtzigern noch körperlich und geistig gut drauf war. Als Nestor der Pforzheimer Schmuckindustrie in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelte sich unter seiner Leitung die Firm...

Seite 23
ndPlusFranz Schandl

Vakanzen der Freundschaft

Man trifft sich in der Freundschaft nicht der Sache wegen, sondern ob des oder der anderen. Was sich ausdrückt und ausführt, ist die direkte Beziehung. Freundschaft meint Akzeptanz ohne Umweg. Freundschaft gibt es nur als gegenseitige Anerkennung. Wir definieren Freundschaft hier als eine andauernde und wechselseitige Hingezogenheit, die keine Gründe kennt, die außerhalb der Unmittelbarke...

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Jürgen Amendt

Ein Schaden für die Demokratie

Kann man es den Hochschulen verübeln, dass sie Forschungsaufträge aus dem Verteidigungsministerium und aus den Reihen der Waffenindustrie annehmen? Die Frage ist nur im ersten Moment eine rein rhetorische. Sicher, moralisch argumentiert, müsste jedem Wissenschaftler, der sich darauf einlässt, technische Entwicklungen für militärische Zwecke zu erforschen, die Hand abfaulen. Doch so einfac...

Folge 28: Universität der Bundeswehr, die; Substantiv, feminin

In Deutschland gibt es zwei Universitäten der Bundeswehr, die Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg und die Universität der Bundeswehr in München. Ihre Gründungen gehen auf die Initiative des damaligen Verteidigungsministers Helmut Schmidt im Jahre 1970 zurück. 1971 wurde ein Konzept für zwei Hochschulen erarbeitet, das für Offiziersanwärter ein dreijähriges Studium bei einer Verpflichtung von ...

ndPlusLena Tietgen

Zunahme militärischer Forschung

Laut sueddeutsche.de und ndr.de ergab eine »vertrauliche Anfrage« der Linkspartei zur Militärforschung, dass sich das Auftragsvolumen des Verteidigungsministeriums zur Erforschung von »Drohnen-Schwärmen, intelligenter Munition, Handfeuerwaffen, Funktechnologien, Robotern sowie nicht tödlichen Schuss- und Wurfgeräten als auch Satellitentechnik und das Erkennen chemischer Kampfstoffe« von 2000 bi...

Andreas Knobloch

Mehr Wert als Neymar

An diesem Wochenende geht die Fußball-WM in Brasilien zu Ende. Die Proteste vor der WM gegen das Großereignis, das dem Land Milliarden Reais kostete und für dessen Infrastruktur Stadtviertel der Armen geräumt wurden, sind fast vergessen. Viele der Proteste richteten sich in den Monaten vor der WM gegen den maroden Zustand des brasilianischen Bildungssystems. »Alô Brasil! Vamos acordar! Um profe...

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Wochen-Chronik

12. Juli 1879 Der Deutsche Reichstag beschließt die Einführung von Zöllen zum Schutz der Wirtschaft. Damit folgt das Kaiserreich anderen Industrienationen, die sich nach der Wirtschaftskrise 1873 vom Freihandel abwandten. In England war zum Schutz vor Importen aus Deutschland gar vorgeschrieben, alle von dort kommenden Artikel mit »Made in Germany« zu kennzeichnen, was zum Gütesiegel wurde...

ndPlusRalf Höller

Habeas Corpus

»Jeder wegen des Verdachtes einer strafbaren Handlung vorläufig Festgenommene ist spätestens am Tage nach der Festnahme dem Richter vorzuführen, der ihm die Gründe der Festnahme mitzuteilen, ihn zu vernehmen und ihm Gelegenheit zu Einwendungen zu geben hat. Der Richter hat unverzüglich entweder einen mit Gründen versehenen schriftlichen Haftbefehl zu erlassen oder die Freilassung anzuordnen.« S...

ndPlusHeinz Köller

Der König brauchte Geld

Was als Beginn der Großen Revolution der Franzosen gilt und in Frankreich zum Nationalfeiertag avancierte, ist Legende. Es gab im wörtlichen Sinne keinen Sturm auf die Bastille. Eher eine Schlüsselübergabe.

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Andreas Göbel

Wie der Roboter zu neuen Begriffen kommt

Auf dem Gang eines Pflegeheims: Bei seinem Weg durch die Gänge entdeckt der Serviceroboter des Hauses ein unbekanntes Objekt, das auf einem der Tische herumliegt. »Was ist das?«, fragt er einen der vorbei eilenden Pfleger, der ihm eilig eine Antwort zuruft. Der Roboter ist zufrieden. Er nimmt seinen Weg wieder auf, um seine täglichen Aufgaben zu erfüllen. Noch ist das Beschriebene Zukunftsmusik...

ndPlusMartin Koch

Erst balzen, dann fliegen

Schon in seinem Hauptwerk »Die Entstehung der Arten« (1859) äußerte Charles Darwin den Gedanken, dass bei der Evolution biologischer Arten immer wieder Übergangsformen auftreten, die Merkmale der alten und neuen Art mosaikartig in sich vereinen. Aber auch die verschiedenen Klassen der Wirbeltiere (Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel, Säuger) sollten durch sogenannte Zwischenformen (»connecting ...

Seite 27
Benjamin Haerdle

Verlust der Vielfalt oder neu gemischte Karten

Der Verlust der Biodiversität gilt als eines der drängendsten Probleme im Naturschutz. Auf allen Ebenen versucht die Politik dagegen anzusteuern - auf globaler Ebene mit dem 1992 in Rio de Janeiro verabschiedeten UN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt, auf EU-Ebene mit einem 2006 beschlossenen Aktionsplan und in Deutschland mit der vom Bundeskabinett im Jahr 2007 abgenickten Nationalen ...

Seite 29

Affen locken Äffinnen

Rund 400 Gesellschaftsspiele, vor allem Brett- und Kartenspiele, wurden jüngst in Göttingen auf einer Entwicklermesse gezeigt. »Das klassische Gesellschaftsspiel ist nicht tot«, sagt die Wissenschaftlerin Stefanie Kuschill vom deutschen Spielearchiv in Nürnberg. »Computerspiele sind jedenfalls keine Konkurrenz«. Wer an PC, Tablet oder I-Phone spiele, lasse sich vielfach auch zu Gesellschaftsspi...

ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

»Norway Chess«

Das »Norway Chess« mauserte sich rasch zu einem der internationalen Superturniere. Der norwegische Schachverband gab ihm (aus finanziellen Gründen) sogar den Vorrang vor der Ausrichtung des WM-Duells 2014 zwischen Carlsen und Anand, das nun in Sotschi stattfinden soll. Zehn Großmeister mit einem ELO-Durchschnitt von 2774 kamen zum »Norway Cess«. Wie schon 2013 gewann der Russe Sergej Karj...

ndPlusMike Mlynar

Frage des Standpunktes

Mit dem Standpunkt ist das so eine Sache. Hat wer einen und ist damit im Reinen, kann sie oder er mit ihm recht zufrieden leben. Vor allem dann, wenn sie oder er, wie Friedrich Nietzsche feststellte, im Sinne einer Idee arbeitet. Dann nämlich werde, so Nietzsche weiter, die Idee selbst nie mehr geprüft. Ja, es ginge gegen ihr bzw. sein Interesse, diese Idee überhaupt noch für diskutierbar zu ha...

»... kann süchtig machen!«

In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts standen Spielkarten in Rumänien auf dem Index. Da (er)fand der Kaufmann Ephraim Hertzano einen Ausweg: »Rummikub«nd-Mitarbeiter René Gralla sprach mit Andrea Vornholt.

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ndPlusJan-Manuel Müller

Mitreisende sind gern gesehen

Noch ein aufmunterndes Nicken in Richtung Passagiere, dann gibt Rory Neald Gas. Der Motor seiner kleinen De Havilland Beaver heult auf und schon steigt das rot-weiße Wasserflugzeug vom Fluss des Campbell River in den azurblauen Himmel über Vancouver Island. Rory Neald ist Postbote. Doch statt einer Uniform trägt er lässig Jeans und ein graues Shirt, seine Augen versteckt er hinter einer d...

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ndPlusHeidi Diehl

Allein mit Eisvogel, Biber und Libelle

Kein Wort kommt dem Bootsverleiher über die Lippen, doch sein Blick spricht Bände: »Typisch Frauen!« Wir tun so, als ob wir es nicht bemerken. An der Anlegestelle stapeln sich Rucksäcke, Taschen und sogar ein kleiner Koffer - was vier »Mädels« und eine Hündin eben so brauchen, wenn sie drei Tage auf Reisen gehen. In unserem Fall sind das rund 50 Kilometer des insgesamt 180 Kilometer langen Kanu...

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ndPlusKarl Grünberg

Menschenhändler im Kiez

Die Frauen, die sich im Kurfürstenkiez prostituieren, kommen vor allem aus Osteuropa. Manche von ihnen wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie ihre Heimat verlassen. Andere nicht. So wie Lilliane.