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UNTEN LINKS

Diese Woche konnte man besichtigen, wie sich der gesellschaftliche Fortschritt unaufhörlich seinen Weg bahnt. Nein, nicht wegen der Forschungen, die zu den Nobelpreisen 2014 führten. Und auch nicht etwa wegen neuester Interpretationen zum Zustandekommen der Deutschen Einheit. Die eigentliche Sensation fand im Kanzleramt statt. Da nämlich tagte der Koalitionsausschuss - immerhin schon ein Jahr u...

Martin Ling

Nur keine Kritik am Norden

Quantität ist nicht gleich Qualität. Die Liste der potenziellen Friedensnobelpreisträger ist 2014 bei 278 Nominierten angelangt. Die lange Liste ist indes ein Ausdruck der Unübersichtlichkeit in einer immer kriegerischer anmutenden Welt, in der Menschen oder Organisationen, die den ursprünglichen Preiskriterien genügen, immer schwerer zu finden sind: Einsatz für Abrüstung und Frieden. Immerhin ...

Roland Etzel

Extremisten dringen weiter in Kobane vor

Die kurdischen Verteidiger von Kobane haben ihr Hauptquartier an die Dschihadistengruppe »Islamischer Staat« verloren. In der Linkspartei wird derweil über Wege zur Hilfe für die Kurden debattiert.

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Haushaltspolitische Manövriermasse

Gut ist die Nachricht nicht, aber ganz so schlimm ist sie dann doch nicht: 2,4 Milliarden Euro haben die Sozialkassen im ersten Halbjahr 2014 Miese gemacht. Zumindest ist das Defizit damit um 0,7 Milliarden Euro kleiner ausgefallen als noch im ersten Halbjahr 2013.

Deutscher Mezzogiorno

Vor einem Vierteljahrhundert fantasierten die einen von »blühenden Landschaften«. Andere warnten, der Osten werde zum deutschen Mezzogiorno. tatsächlich liegt der Unterschied zwischen dem mittleren Stundenlohn gerade bei jenen rund 25 Prozent, die in Italien den Norden vom armen Süden trennen.

ndPlusKurt Stenger

Schäubles neue Plattitüde

Es gehört seit Jahren zum guten Ton bei Treffen internationaler Finanzinstitutionen, die riesigen Außenhandelsüberschüsse und die Rotstift-Wirtschaftspolitik Deutschlands an den Pranger zu stellen. Die sind mitverantwortlich für die großen Probleme in der Eurozone, die in anderen Teilen der Welt längst mit Sorge verfolgt werden. Früher reagierten Vertreter der Bundesregierung auf die Kritik mit de...

Thomas Dönnebrink

Wildern im Garten etablierter Strukturen

Sie kommen und gehen, die Themen in den Medien. Was heute noch brandaktuell, teilweise aufgebauscht und wie eine Sau durchs globale Mediendorf getrieben wird, ist morgen schon wieder verschwunden.

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Auffrischender Wind bei stürmischer See

Letztlich ist die Wirtschaftsmisere und sind die echten oder vermeintlichen »Crashs« kein ökonomisches, sondern ein (macht-)politisches Problem. Eine Antwort auf Tomasz Konicz und Christian Christen.

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ndPlusJosephine Schulz u. Ines Wallrodt

Frieden schaffen, mit Geld für Waffen?

Wie kann man internationale Solidarität üben, wenn progressive Bewegungen in einen Krieg gedrängt werden? Geld für Waffen ist eine Option, aber die ist umstritten.

ndPlusStefan Liebich vs. Andrej Hunko

Kobane retten! Mit Gewalt?

Während die Kobane vor der Eroberung durch die Truppen des IS steht, wächst in Deutschland das Bedürfnis, den Bedrängten zu helfen. Aber wie? In der Linkspartei wird kontrovers über einen UN-mandatierten Einsatz diskutiert.

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Aert van Riel

CDU fürchtet den Machtverlust

In der Debatte über den Bericht zur deutschen Einheit war der Umgang mit der DDR-Vergangenheit das beherrschende Thema. Wenig differenziert äußerte man sich hierzu in den Reihen der CDU.

ndPlusFabian Lambeck

Selbstbestimmt bis in den Tod

Die Debatte um ein neues Gesetz zur Sterbehilfe nimmt an Fahrt auf. Dabei gibt es auch innerhalb der Bundestagsfraktionen unterschiedliche Auffassungen.

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Thomas Roser, Belgrad

Super wird nur die Wahl

In Bosnien und Herzegowina wird am Superwahlsonntag allenfalls mit Verschiebungen gerechnet. Doch für die geschäftstüchtige Politikerkaste sind 137 Ministerposten zu vergeben.

ndPlusJan Keetman

Ankaras Geheimwaffe Öcalan

Während die Lage für die Kurden in der syrischen Grenzstadt Kobane immer dramatischer wird, macht Ankara keine Anstalten, der Terrormiliz in den Arm zu fallen.

ndPlusHans-Jörg Probst

Zuhören, öffnen, zusammenarbeiten

Bei den bereits dritten Regierungskonsultationen beider Länder beriet Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag in Berlin mit Chinas Regierungschef Li Keqiang.

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Friedensnobelpreisträger 2003-2013

Mit dem Friedensnobelpreis wurden schon der Dalai Lama (1989) und der südafrikanische Vorkämpfer gegen die Apartheid, Nelson Mandela (1993), geehrt. Die Preisträger der vergangenen Jahre:2013: Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen - für den Einsatz gegen die weltweit geächteten Massenvernichtungswaffen.2012: Die Europäische Union - für ihren 60 Jahre währenden Beitrag für Frieden, Demok...

Martin Ling

Vereint für Kinderrechte

Die beiden Friedensnobelpreisträger kommen aus zwei verfeindeten Nachbarländern und setzen sich jeweils für Kinderrechte ein: Malala Yousafzai aus Pakistan und Kailash Satyarthi aus Indien.

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Haidy Damm

TTIP-Gegner gehen auf die Straße

Am Samstag findet ein europäischer Aktionstag gegen das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU statt. Gefordert wird eine grundlegende Wende in der Handelspolitik.

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Sein Tod gehörte ihm

Udo Reiter, der ehemalige Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), ist tot. Der 70-Jährige nahm sich nach Erkenntnissen der Polizei das Leben. Laut »Bild« wurde der 70-Jährige leblos auf der Terrasse seines Hauses in Gottscheina (Sachsen) gefunden.Reiter war der Gründungsintendant des MDR, schweißte über 20 Jahre bis zu seinem Ausscheiden die Drei-Länder-Anstalt (Thüringen, Sachsen, Sachsen-...

hds

Sprache und Spiel

In der Politik entblößt alles Gesagte seine Ödnis, indem es fortwährend wiederholt wird. Dem Theaterschauspieler ist allabendliche Wiederholung eines Textes das Elixier der Wahrhaftigkeit. Sprache als hoher Eigenwert, der dem, was Dichter schrieben, Gewinn hinzufügt. Dieter Wien ist am Maxim Gorki über dreißig Jahre lang ein Sprachspieler, ein Spielsprecher großen Formats gewesen. Auch in zahlreic...

ndPlusMartin Hatzius

Der falsche Piketty

Das auf ein Podest gebaute Blaue Sofa zwischen den Hallen 5 und 6 ist deutlich besser gepolstert als die Hocker davor. Fußmüde, würde man gerne ein Nickerchen darauf halten. Da aber das bequeme Sitzmöbel für die Autoren reserviert ist, deren Bücher das ZDF, Deutschlandradio Kultur und der Bertelsmann-Club für die wichtigsten der Saison halten, begnügt der Zaungast sich mit einem der Schemel, guckt...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Hoffnung betrügt - und trägt

In der Kunst (wie in der Philosophie) etwas beweisen zu wollen - es ist Verschwendung von Zeit, die der Mensch dem Denken widmen könnte. Denn alle Beweisführung, ein Ding sei so oder so und nichts anderes, ist ein Feind des Denkens. Denken bleibt: Antwortscheu und Neugier auf eine Problembedrängung von allen Seiten. In diesem Sinne ist die Poesie des Dichters Volker Braun in der DDR große Kunst ge...

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Martin Hatzius

Reim auf die Woche

In Kobane einmarschieren.
 Für die Kurden demonstrieren. 
Deutsche Panzer exportieren.
 Das Parteiprogramm studieren. Ein Gespräch im Keim ersticken. 
Dönerspieß, Machete zücken. 
Nicht nach einem Grashalm bücken. 
Tonnenweise Äpfel pflücken. Ebola niemals vergessen.
 Passagieren Fieber messen. 
Nicht mit schwarzen Stew...

ndPlusKurt Spät

Bolivianische Autokratie?

Was Elizabeth Salguero Carrillo, Botschafterin der 11-Millionen-Einwohnernation im Herzen Südamerikas Anfang September zu lesen bekam, machte selbst die jahrelange Journalistin fassungslos. »Boliviens Weg in die Autokratie«, so lautete der prägnante Titel eines Nachrichtenbeitrages auf dem Online-Auftritt der »Deutschen Welle« (DW). Die spanische Version im mehrsprachigen Angebot des staatlichen A...

ndPlusJan Freitag

Mutlos und Schwarz-Weiß

Die Frage, wann Humor nicht statthaft ist, beschäftigt Film und Fernsehen im Grunde schon seit jeher. Darf man über Blondinen lachen oder Autodiebe aus Polen? Über Armut, Hunger und Krieg? Über Hitler gar, den Holocaust? Klar darf man - Charly Chaplin, Roberto Benigni, Monty Python haben es stets aus voller Brust getan und mit ihnen die Zuschauer. Die Frage muss also lauten: Ist auch alles witzig,...

Gunnar Decker

Gehn oder stehn?

Inmitten des dunklen, schräg ansteigenden Bühnenbodens: ein Trichter, Schlund einer unbekannten Unterwelt, die alles unterschiedslos in sich hineinsaugt. Aber ihr schmeckt offenbar nicht, was sie da verschluckt hat, sie spuckt es wieder aus. Kaum ist man weg, ist man also schon wieder da, so, als wäre man nie fort gewesen. Aufbrüche, auch Ausbrüche sehen anders aus! In diese unbewohnbare Welt aus ...

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ndPlusDietmar Kramer, Delhi

In Indien spielt der Fußball verrückt

In Indien startet am Wochenende die Premierensaison der Indian Super League. Einheimische Ikonen und viele alternde Weltstars sind Teil des Kommerzialisierungsprojektes.

Frank Hellmann, Frankfurt am Main

Ein Versuch, die Lücken zu schließen

Nach dem ersten Sieg in der EM-Qualifikation gegen Schottland trifft die DFB-Elf in Warschau wieder auf eine kampfstarke Mannschaft.

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ndPlusClaas Hennig, Kailua Kona

Deutsches Duell um den WM-Titel der Qualen

Sebastian Kienle und Jan Frodeno gelten beim Ironman auf Hawaii als Favoriten auf die WM-Krone. Kienle erlebte die Qual schon zweimal, Frodeno kann als Neuling Historisches schaffen.

Thomas Wolfer, Sotschi

Der teure Irrsinn geht weiter

Die Formel 1 tut der Region um Sotschi zwar wirtschaftlich gut. Knapp acht Monate nach den Olympischen Winterspielen herrscht in der Bergregion Krasnaja Poljana jedoch gähnende Leere.

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Zählfehler bei Befragung der SPD-Basis

Bei der laufenden Mitgliederbefragung der Berliner SPD für die Nachfolge des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit sind bislang weniger Stimmen eingegangen als gedacht. Statt der gemeldeten 8788 Stimmen vom Montag seien es mit dem Stichtag Freitag lediglich 7692, teilte Landesgeschäftsführer Dennis Buchner mit. Grund dafür sei ein Zählfehler bei der Deutschen Post. Die Post verwahrt die geschl...

ndPlusAndreas Fritsche

Kleine Kröten

Brandenburgs LINKE musste weniger Kröten schlucken, und die Kröten waren auch nicht so groß und so hässlich wie bei dem Koalitionsvertrag vor fünf Jahren. Dieser Eindruck verfestigt sich beim ersten Lesen des neuen Koalitionsvertrags mit der SPD, der am Freitag vorgestellt wurde. Für Umweltaktivisten wird der glorifizierende Verweis darauf, wie wichtig die Arbeitsplätze in der Braunkohleindustrie ...

Familienbeirat will Pflege verbessern

Wenn ein Familienmitglied durch Unfall oder Krankheit zum Pflegefall wird, beginnt damit für Angehörige eine Bewährungsprobe. Experten fordern für sie bessere Unterstützung.

Wladek Flakin

»Nicht in unserem Namen«

Der DGB hat nach der Besetzung Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gestellt. Gewerkschaftsmitglieder lehnen dieses Vorgehen ab.

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Gefährlicher Slalom auf dem Radweg

In den Augen der einen ist es ein Radweg - für andere ist der freie Streifen am Straßenrand der so verzweifelt gesuchte Parkplatz. Der Kampf um die 50 bis 150 Zentimeter breite Spur ist in vollem Gang in Berlin. Was eigentlich eine Erleichterung für die Zweiradfahrer sein sollte, wird zum gefährlichen Slalom um Passanten herum und zwischen Autos hindurch.Genervte Radler konnten sich diesen Sommer ...

ndPlusPeter Nowak

Karla Pappel im Kino

Die Initiative »Karla Pappel« wehrte sich 2009 gegen Baumfällungen zugunsten von Neubauten. Ein Film beleuchtet nun die Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und Baugruppen.

Wilfried Neiße

Koalitionsvertrag im Sauseschritt

Bildung, innere Sicherheit, Kommunalreform und Investitionen in Straßen und kommunale Infrastruktur sind die Schwerpunkte des Koalitionsvertrages, den SPD und LINKE am Freitag präsentierten.

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Wo die Nacht geschützt wird

Gersfeld. Eine stundenlange Belichtung des Fliegerdenkmals auf der 950 Meter hohen Wasserkuppe in der hessischen Rhön zeigt, wie die Sterne um den Himmelsnordpol kreisen. Das Biosphärenreservat (BR) Rhön wurde im August von der International Dark Sky Reserve nach dem Westhavelland als zweiter »Sternenpark« Deutschlands anerkannt. Das Biosphärenreservat soll auch die Nacht schützen - nicht nur für ...

Grit Böttcher, Lübstorf

Wilder Waldpark Wiligrad

Mit Millionen-Aufwand hat Mecklenburg-Vorpommern seine Landesgärten auf Vordermann gebracht. Der Schlosspark Wiligrad am Schweriner See öffnete nun nach vier Jahren Sanierung die Pforten.

Folke Havekost, Hamburg

Alter Schill in neuen Schläuchen

Im Streit um den Einfluss von ehemaligen Gefährten des Rechtspopulisten Ronald Schill traten vier von neun Vorstandsmitgliedern der Hamburger AfD zurück.

ndPlusFolke Havekost, Hamburg

Alter Schill in neuen Schläuchen

Im Streit um den Einfluss von ehemaligen Gefährten des Rechtspopulisten Ronald Schill traten vier von neun Vorstandsmitgliedern der Hamburger AfD zurück. Die umstrittenen Mitglieder bleiben weiter ein Problem der Partei.

ndPlusDieter Sell, Bremen

Bremens Rollator-Fahrschule

Bremen. Ein Schritt ins Nichts: So jedenfalls kommt es Johannes Fischer vor, der an diesem Vormittag beim Rollatoren-Training der Bremer Straßenbahn AG den richtigen Umgang mit seinem Gehwagen übt. Denn aus dem Bus aussteigen, das funktioniert nicht vorwärts, wie er es bisher immer gemacht hat. »Umdrehen, rückwärts einen Schritt auf die Straße, dann den Rollator nachziehen«, rät die Mitarbeiter...

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Thüringer Wald wächst und wandelt sich

Fichten und Kiefern sind im Thüringer Wald mittlerweile seltener anzutreffen, die Zahl der Laubbäume nimmt zu. Umweltminister Reinholz hält eine intensivere Holznutzung für möglich.

Akkurates Summen

Am Anfang war der Lärm, klarer, akkurat durchstrukturierter, komplexer, sauber angeordneter Lärm. Lärm vom Lärmfachmann sozusagen. Der so viel geschundene und inflationär verwendete Begriff Avantgarde findet hier einmal zu Recht seine Anwendung. Die »Zeit« nennt den mittlerweile 65-jährigen New Yorker Komponisten Glenn Branca einen »konsequenten Nonkonformisten«. Bereits in den 70er Jahren hat er ...

ndPlusThomas Blum

Barde mit Heißgetränk

Ein Konzert von Elvis Costello wirkt auf rührende Weise anachronistisch: Da steht ein Mann allein auf der Bühne und schreit wimmernd seine Lieder. Um ihn herum sind in einem Halbkreis sechs verschiedene Akustik- und E-Gitarren angeordnet, zu denen er abwechselnd greift. Wäre da nicht der übliche Prozentsatz Idiotenvolk unter den Konzertbesuchern, der lauthals schwatzt und derweil seine Smartphones...

Hans-Gerd Öfinger, Wiesbaden

»Hier wird eine Allee totgeredet«

Sie ist für Motorfahrzeuge gesperrt und gilt als wertvolles Biotop: Wiesbadens Lesselallee mit ihren alten Kastanienbäumen. Sie liegt am Mainufer auf der Insel Maaraue am Zusammenfluss von Rhein und Main. Die Maaraue beherbergt Grünflächen, Schwimmbad, Sportplatz, Campingplatz und Kleingärten und dient auch vielen Mainzern zur Naherholung. Seit einiger Zeit schon drängt der von einer CDU/SPD-Koali...

ndPlusRomina Kempt

Die einsame Arche von Nebra

Die Himmelsscheibe von Nebra hat es vor einem Jahr auf die UNESCO-Liste »Gedächtnis der Welt« geschafft. Doch das Informationszentrum am Fundort scheint von den Besuchern vergessen.

Christian Baron

Den Kamin kehren

Zu den wenigen (Post-)Migranten türkischer Abstammung, die es geschafft haben, im bundesdeutschen Kulturbetrieb nachhaltig zu reüssieren, gehört Feridun Zaimoglu. Der Schriftsteller stand nicht nur in diesem Jahr mit seinem Roman »Isabel« auf der Longlist des Deutschen Buchpreises, er darf sich obendrein Träger zahlreicher Auszeichnungen nennen und heimste 2003 sogar den Jurypreis beim Ingeborg-Ba...

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Gabi Oertel

Sieben Tage, sieben Nächte

In dieser Woche herrschte bei uns im Hause jenseits allen hektischen Zeitungsmachens ziemlich viel Betrieb. Wobei die Bezeichnung »bei uns im Hause« eigentlich nicht korrekt ist. Denn wo »Neues Deutschland« draufsteht, ist schließlich seit Langem nicht allein »neues deutschland« drin.

Seite 18

Da muss man auch neue Wege gehen

nd: Abgesehen von der Ansässigkeit im Osten Deutschlands gibt es nicht viele Gemeinsamkeiten zwischen Ihren Verlagen. Auch Ihre Biografien lesen sich denkbar verschieden. Können Sie sich mit dem Begriff »Ostverlag« identifizieren - gibt es das 25 Jahre nach 1989 überhaupt noch: »Ostverlage«? Christoph Links: Vermutlich nicht, sonst säßen wir drei nicht hier. Wir verkaufen alle mehr Bücher im ...

Seite 20
Anna Maldini

Don Ciotti, der Vogelfreie

Der Mann, den die Mafia in Italien heute am meisten fürchtet, ist weder ein Polizist noch ein Richter oder Staatsanwalt und erst Recht kein Politiker. Es ist auch nicht der durch seine Mafia-Enthüllungen bekannt gewordene Autor Roberto Saviano, sondern ein fast 70-jähriger katholischer Priester namens Don Luigi Ciotti. Mehrere Staatsanwaltschaften im Süden und im Norden des Landes sprechen von ...

Seite 21
ndPlusAxel Berger

Freiheit statt Demokratie

Zu Beginn der 1980er Jahre stand Friedrich August von Hayek auf dem Höhepunkt seines höchst zweifelhaften Ruhms. 1974 hatte der kaum wissenschaftlich hervorgetretene Ökonom den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten.

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Erik Gloßmann

Numminen singt Wittgenstein

Man könnte auch so sagen: Finnland ist immer ein bisschen anders. Das beginnt mit der Staatsflagge; sie ist schlicht und schön: weiß wie der Pulverschnee im Winter und blau wie ein wolkenloser Himmel im Sommer. Das Kreuz ist angeordnet wie bei den Fahnen anderer skandinavischen Länder, zu denen Suomi, wie das Land auf Finnisch heißt, geologisch jedoch gar nicht gehört, denn es liegt nicht auf der ...

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ndPlusChristian Baron

Der digitale Sozialdemokrat

Jaron Lanier galt in den 1980er Jahren als Guru der »Digitalen Revolution«. An diesem Sonntag nimmt er in der Paulskirche in Frankfurt am Main den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegen.

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ndPlusLena Tietgen

Notwendige Anpassung

Das System Schule sei ein ausgrenzendes, wird von Kritikern oft geklagt. Fürwahr. Und gerade deshalb muss es überwunden werden. Eine Möglichkeit bietet die inklusive Schule. Paradoxerweise wurde sie nicht zuerst von Linken sondern vom neoliberalen Flügel der Bildungsexperten gefordert. Man wollte Vielfalt, weil der freie Arbeitsmarkt nur so lange frei ist, wie es dort Auswahl gibt. Doch ohne angem...

Lena Tietgen

Vielfalt der Profession

Als vor wenigen Jahren in manchen Bundesländern das zweigliedrige Schulsystem eingeführt wurde, war allen klar, dass eine dreigliedrige Lehrerbildung hinfällig werden würde. Denn in der integrierten Gesamtschule (IGS), der Integrierten Sekundarschule oder der Stadtteilschule sollte individuelle Förderung groß geschrieben werden. Tatsächlich bewegte sich wenig, auch dann nicht, als Deutschland die ...

ndPlusAndrea Klingsieck

Klassenzimmer in der Polizeidienststelle

In den Sommermonaten dieses Jahres wurden in Frankreich 27 Roma-Siedlungen aufgelöst; in den meisten Fällen ohne Neuunterbringung. Dies hat den diesjährigen Schulbeginn für Hunderte Roma-Kinder erheblich erschwert, denn sie befinden sich nun zum Teil Dutzende Kilometer von der Schule entfernt, die sie bisher besucht hatten. Doch nicht nur die wiederholten Zwangsräumungen erschweren die sc...

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Jürgen Hofmann Foto: doc.Heintz

Facetten von Zwangsarbeit

Über 70 Teilnehmer hatten sich Ende September für die Jubiläumskonferenz der Internationalen Tagung der Historiker und Historikerinnen der Arbeiter- und anderer sozialer Bewegungen in Linz eingetragen. Im 50. Jahr hielt man sich aber nicht bei Bilanz und Rückblick auf. Die Formen von Zwangsarbeit von 1850 bis zur Ggenwart standen im Focus. Den Auftakt gab Michael Zeuske (Köln) mit einem globalhist...

ndPlusChristian Carlsen und Gideon Greif

»Lieber ein heldenhaftes Ende ...«

Vor 70 Jahren rebellierten Teile des jüdischen Sonderkommandos gegen die SS, die sie ermorden wollte. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen, das Tempo der Massenvernichtung hat er nicht beeinträchtigen können. Die Nachwelt reduzierte die Rebellion daher auf eine Verzweiflungstat der Todgeweihten. Dabei ist sie ein herausragendes Symbol des Kampfes für menschliche Würde inmitten des Holocausts...

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Nobel-Preis für Medizin

John O’Keefe (links) wurde als Sohn irischer Einwanderer am 18. November 1939 in New York (USA) geboren. Seit 1967 lehrt und forscht er am University College London in Großbritannien. Foto: dpa/Facundo ArrizabalagaMay-Britt Moser (Mitte), geboren am 4. Januar 1963 in Fosnavåg, und Edvard Ingjald Moser (27. April 1962, Ålesund) fanden sich beim Studium in Trondheim, wo sie sich bereits der Hi...

Brillante Kandidaten, überforderte Juroren

Seit nunmehr 113 Jahren werden in Stockholm und Oslo alljährlich die Nobelpreise vergeben. Und zwar auf Anregung des schwedischen Industriellen Al-fred Nobel, der 1895 testamentarisch die Bildung eines Fonds verfügt hatte, »dessen jährliche Zinsen als Preise denen zuerteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben«. Schon sehr früh zeigte sich, dass die zei...

Martin Koch

Die Landkarte im Kopf

Es war wie immer ein mit Hochspannung erwartetes Prozedere: Wer bekommt 2014 den Nobelpreis für Medizin? 263 Kandidaten standen diesmal zur Auswahl, davon waren 46 zum ersten Mal nominiert worden. Deren Namen freilich blieben geheim, und daran wird sich vermutlich auch in den nächsten 50 Jahren nichts ändern. Wie das Karolinska-Institut in Stockholm am Montag mitteilte, geht der diesjährige Medizi...

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Nobelpreis für Chemie

Stefan W. Hell (links) wurde am 23. Dezember 1962 in Sântana (Rumänien) geboren und kam 1978 mit seiner Familie nach Deutschland. Foto: dpa/Swen PförtnerWilliam E. Moerner (Mitte), geboren am 24. Juni 1953 in Pleasanton (USA), forschte 14 Jahre bei IBM. Foto: dpa/Linda E. Cicero/Stanford UniversityEric Betzig (13. Januar 1960, Ann Arbor, USA) ist Forscher und Unternehmer. Er lizensierte sein Verfa...

Nobelpreis für Physik

Isamu Akasaki (links), geboren am 30. Januar 1929, erforscht bereits seit Ende der 1960er Jahre Galliumnitrid-Halbleiter (GaN). Foto: dpa/Nagoya UniversityHiroshi Amano (11. September 1960 in Hamamatsu, Japan) züchtete in Akasakis Arbeitsgruppe erstmals p-leitende GaN-Kristalle. Foto: AFP/Jiji PressShuji Nakamura (rechts) wurde am 22. Mai 1954 in Ikata (Japan) geboren. Er entwickelte die ersten ko...

Mikroskopische Nobelpreise

1925, Chemie: Richard Zsigmondy (1865-1929) für den Nachweis der heterogenen Natur von Kolloidlösungen und die dabei verwendeten Methoden. Dazu zählte das Nobel-Komitee das von Zsigmondy entwickelte Ultramikroskop.1953, Physik: Frits Zernike (1888-1966) für die Erfindung des sogenannten Phasenkontrastmikroskops.1986, Physik: Ernst Ruska (1906-1988) für die Entwicklung des Elektronenmikroskops. 198...

Nobel-Frauen in der Wissenschaft

Physik1903: Marie Curie (1867-1934), für ihre Arbeiten zur Radioaktivität. 1963: Maria Goeppert-Mayer (1906-1972), für ihre Entdeckungen zur Schalenstruktur von Atomkernen.Chemie1911: Marie Curie (1867-1934), für die chemische Isolierung des Elements Radium und die Untersuchung der Natur dieses Elements.1935: Irène Joliot-Curie (1897-1956), «in Anerkennung ihrer Synthese neuer radioaktiver Element...

ndPlusSteffen Schmidt

Wie man mit Chemie die Optik austrickst

Könnte jemand etwas für die Bildauflösung tun?« Was wie eine bloße Kritik des Vorsitzenden des Nobelkomitees für Chemie, Sven Lidin, am unscharfen Projektorbild hinter seinem Rücken klang, führte direkt zum Thema der drei Preisträger. Denn der deutsche Forscher Stefan Hell sowie die US-Amerikaner Eric Betzig und William Moerner bekommen den Chemie-Nobelpreis für verschiedene Methoden zur Verbesser...

Martin Koch

Es werde Licht, Blaulicht!

Isamu Akasaki, Hiroshi Amano, Shuji Nakamura. So lauten die Namen der diesjährigen Nobelpreisträger für Physik. Namen, die man auf der Liste der zuvor gehandelten Favoriten vergeblich sucht. Als solche galten vielmehr zwei US-Amerikaner, zwei in den USA arbeitende Chinesen, ein Brite, ein Niederländer sowie ein Japaner, der auf dem Gebiet der Ferroelektrik forscht.Der ging in Stockholm zwar leer a...

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Machen Sie mit!

Schreiben Sie uns über Ihr Lieblingsspiel - egal ob aus alter Familientradition oder erst frisch gekauft. Senden Sie den Text per Post (Stichwort »Lieblingsspiel«) oder unter spielplatz@nd-online.de. Absender nicht vergessen, denn bei Abdruck erhalten Sie ein neues Spiel! Für ihre heute abgedruckte Zuschrift erhält Margot Schürmann aus Berlin das »black-stories«-Spiel vom moses-Verlag....

Denkspiellösung

Sehr unterschiedliche Lösungen gingen zu »Hand und Kuss« vom 4./5. Oktober ein. Wahrscheinlich war ja die Aufgabenstellung zu deutungsvoll?! Der Lösung nahe waren alle, die davon ausgingen, dass, wenn sich ein Paar verabschiedete, drei Mal Hände geschüttelt, und sechs Küsse getauscht werden. Zur elegantesten Lösung kam man, wenn man sich der Gesetzmäßigkeit der arithmetischen Reihe erinnerte und d...

Mit zwei Rommee-Blättern und ohne Joker geht es um »book« und »run«

Frustration eingeplant

Bei Margot Schürmann aus Berlin ist, wie sie schreibt, seit einiger Zeit »Frustration« angesagt. Es ist ein Spiel, das sie bei niederländischen Freunden kennengelernt hat. Es werden dabei bestimmte Kartenzusammenstellungen gesammelt und dann ausgelegt, am besten mit vier oder fünf Spielern. Bei der Frau Schürmann bekannten Spielregel braucht man zwei große (Rommee-)Blätter ohne Joker, denn die Zwe...

ndPlusUdo Bartsch

Lauf, Lemming!

Den kleinen Lemmingen sagt man Lebensmüdigkeit nach, tatsächlich beruht ihr Handeln jedoch ganz im Gegenteil auf Lebensfreude. Und weil jedes Tier sich vor den anderen von der Steilküste mit Karacho ins Badeparadies stürzen möchte, startet in »Lemminge« ein wilder Wettlauf. Wer seine beiden Zöglinge als Schnellster die Klippe hinunter bringt, gewinnt.Vorwärts geht es mit Zahlenkarten. Die Farbe be...

Kopfrechnen macht’s

Mit Weltkulturerbe verbinden wir die Tempelanlage von Angkor Wat in Kambodscha oder das kolumbianische Cartagena de Indias mit seiner Altstadt aus der Zeit der Konquistadoren. Da soll nun die UNESCO auch Skat einreihen? Wir reden nicht von Orten, die Sie gerade genannt haben, sondern uns geht es um das immaterielle Weltkulturerbe. Und zu letzterem soll, so wie bereits Fado oder die französische Kü...

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Gabi Kotlenko

Der Birkan ist ein Engel

Wir sind das dritte Mal hier. Es ist einfach toll. Meer, Berge, und nun soll das schon wieder vorbei sein?» Das Ehepaar aus Leverkusen ist enttäuscht. Der «Club Magic Life», am Fuße des Taurusgebirges direkt am Mittelmeer im türkischen Ferienort Kemer und etwa eine Busstunde vom Flughafen Antalya entfernt, kann Urlauber schon zum Wiederholungstäter machen. Und die beiden sind bei weitem nicht die ...

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ndPlusMichael Müller

Die Piraten-Magistrale

Im Deutschen nennt man sie üblicher Weise Adriatische Küstenstraße, im Serbokroatischen mal Jadranska cesta (Landstraße), mal Jadranska magistrala (Hauptstraße). Doch drei termini technici sind mindestens 30 Begriffe zu wenig, um etwas von dem grandiosen Dauerschauspiel wiederzugeben, das sich da für Auge und Seele entlang der Jadranska bietet. Zur einen Seite der meist schroffe, unendlich viel...

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Christina Matte (Text), Joachim Fieguth (Bild)

Buddenbrooks und Bauernfrühstück

Rädigke, Potsdam-Mittelmark. Am »Gasthof Moritz« beginnt der Literaturweg. Mächtige Steine markieren ihn, verziert mit kleinen Keramikfliesen, darauf Zitate von großen Dichtern: »Eine matte Sonne wälzt sich aus den Wäldern … Frühherbst.«. Wenn Bernd Moritz sich einen Stein aussuchen könnte, dann wahrscheinlich diesen mit diesem Satz. Was der Satz beschreibt, das trägt er in sich. Die Wälder hie...