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UNTEN LINKS

Welt und Wahn (35¾) Ehrfürchtig betastete Kommissar Maysel die bemoosten Steine, deren elegisches Grau von frischem Blut lustig gesprenkelt war. Der verwitterte Wall signalisierte dem Ermittler nicht nur ein Gewaltverbrechen. Endlich, jubelte Maysel in zerebral zuckender Zärtlichkeit, endlich hatte er ihn: seinen ganz persönlichen Mauer-Fall! In einer Ritze schimmerte etwas Weißes. G...

ndPlusTom Strohschneider

Lammerts Ermutigung

Wolf Biermann hat im Bundestag seinen Auftritt gehabt. Man kann vom Ergebnis nicht überrascht sein. Dass der Liedermacher die Feierstunde des Parlaments zur Attacke gegen die Linkspartei nutzen würde, war abzusehen.

Lokführer beenden Streik vorzeitig am Sonnabend

Frankfurt am Main. Die Lokführergewerkschaft GDL beendet ihren Arbeitskampf vorzeitig am Samstag um 18 Uhr. Das erklärte ihr Vorsitzender Claus Weselsky am Freitag in Frankfurt am Main. Der Streik sollte eigentlich bis Montagmorgen vier Uhr dauern. Er hatte am Mittwochnachmittag im Güterverkehr und am Donnerstag früh im Personenverkehr angefangen.Die Bahn war damit gescheitert, den Ausstand jurist...

Fukushima passé - Japan kehrt zurück zur Atomkraft

Tokio. Trotz großer Skepsis der Bevölkerung kehrt Japan dreieinhalb Jahre nach der Katastrophe von Fukushima zur Atomenergie zurück. Der Gouverneur und das Parlament der südlichen Präfektur Kagoshima machten am Freitag den Weg frei, um zunächst zwei Reaktoren im Atomkraftwerk Sendai wieder hochzufahren. Die Regierung in Tokio reagierte erfreut auf die Entscheidung, Umweltschützer warnten vor den R...

Biermann spricht

Berlin. Im Bundestag ist am Freitag des 25. Jahrestages des Mauerfalls von 1989 gedacht worden. Zu der Debatte war auch Wolf Biermann geladen; der Liedermacher nutzte die Gelegenheit für eine Attacke gegen die Linksfraktion. »Herr Lammert, ich freu’ mich, dass Sie mich hierhergelockt haben«, sagte der 77-Jährige. Er ahne, »dass Sie hoffen, dass ich den Linken ein paar Ohrfeigen verpasse«. Ge...

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Klaus Joachim Herrmann

Falsches Spiel in der Ukraine

Im Waffenstillstand fallen Schüsse. Beim Truppenabzug bleiben die Truppen, Panzerkolonnen werden bei der Grenzverletzung gesichtet. Wahr oder nicht, falsches Spiel überall.

ndPlusGabriele Oertel

Streikfrust

Hoffentlich hat es die Politik bemerkt. Es gibt nicht nur Lokführer oder Piloten, die das Land für mehr Gehalt oder bessere Arbeitsbedingungen lahm legen. Es gibt durchaus auch staatstragendere Berufsgruppen.

Fabian Lambeck

Tief in der Sinnkrise

Mit der Wahl von Bernd Fabritius zum Präsidenten des Bundes der Vertriebenen (BdV) endete am Freitag eine Ära. Seine Vorgängerin Erika Steinbach hatte den Verband 16 Jahre lang geprägt.

ndPlusWolfgang Hübner

Die drei ???

Es kann ungerecht sein, womit ein Mensch im kollektiven Gedächtnis verzeichnet bleibt. Eine Geste, ein Geistesblitz, ein Versprecher besitzen mitunter mehr Erinnerungspotenzial als ein paar Jahrzehnte Arbeit. Vom SED-Politiker Günter Schabowski überdauert der Satz »Das tritt nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzüglich.« Das hätte der stilsichere frühere Journalist nie so geschrieben, aber ge...

Keine Jubiläumskolumne

Ich bin der übliche Verdächtige, und doch fällt mir nichts zum Jubiläum der europäischen Wende ein. Im Herbst 1989 erlebte ich nichts. Ich war siebzehn und sah das alles im Fernsehen.

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Weg vom Strich

Nach der Maueröffnung am 9. November 1989 strömten nicht nur viele von Ost nach West, es schwappte auch vieles von West nach Ost. Zum Beispiel das falsche Apostroph (vulgo Deppenapostroph). Anfangs nur vereinzelt zu beobachten, wurde es schnell zur Seuche, der Apostrophitis, der die Weltgemeinschaft bisher hilflos gegenüber steht. Kaum setzt man den Fuß vor die Tür, wird man von »Ingo’s Platten...

ndPlusNicolai Hagedorn

Austeritätsmedizin bleibt ohne Wirkung

In den vergangenen Monaten überschlugen sich die Erfolgsmeldungen aus den Krisenländern der europäischen Südperipherie. Das Märchen von der segensreichen Wirkung der Austeritätspolitik ist allerdings zu schön, um wahr zu sein.

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ndPlusRené Heilig

Unfall mit syrischen Kampfstoffen

Bereits am 22. Oktober kam es im niedersächsischen Munster zu einem Unfall mit drei Verletzen: Mitarbeiter der Gesellschaft zur Entsorgung chemischer Kampfstoffe und Rüstungsaltlasten erlitten Verätzungen durch Reste von Senfgas.

Marian Krüger

Mietpreisbremse findet keine Ländergnade

Der Bundesrat hat in seiner Sitzung am Freitag wichtige Gesetze von Schwarz-Rot passieren lassen, in einigen Fällen aber Nachbesserungen gefordert.

ndPlusRainer Balcerowiak

GDL geht SPD scharf an

Mit Trillerpfeifen und Tröten versammelten sich Lokführer am Freitag vor dem Bahntower in der Hauptstadt. Sie forderten lautstark das Streikrecht ein.

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Flüchtlinge kommen ins Gewerbegebiet

Berlin. Angesichts der zahlreichen Konflikte in Afrika und Asien reißt die Flüchtlingsbewegung nach Europa nicht ab. In Deutschland ist die Zahl der Asylanträge im vergangenen Monat abermals angestiegen. Wie das Bundesinnenministerium am Freitag in Berlin mitteilte, wurden im Oktober 21 279 entsprechende Anträge gestellt. Das waren fast 40 Prozent mehr als im Vorjahresmonat und rund 2000 mehr als ...

ndPlusAert van Riel

Familienarmut wird ignoriert

Mit einem neuen Gesetz sollen junge Eltern animiert werden, nach der Geburt ihres Kindes frühzeitig in Teilzeit in ihren Beruf zurückzukehren. Die Situation von armen Familien bleibt dagegen prekär.

Fabian Lambeck

Biermann und der »elende Rest«

Es war außergewöhnlich, was im Bundestag geboten wurde: Wolf Biermann nutzte seinen Auftritt, um die Linkspartei zu beschimpfen. Doch es gab auch ernsthafte Debattenbeiträge im Plenum - allerdings nicht von Biermann.

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Anschläge auf Häuser der Fatah in Gaza

Jerusalem. Vor dem Hintergrund zunehmender Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern in Jerusalem hat die italienische EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini die dringende Wiederaufnahme der Friedensgespräche gefordert. Ohne politische Fortschritte drohe eine Rückkehr zur Gewalt, warnte Mogherini am Freitag bei einem Besuch in Jerusalem. «Sie kritisierte den israelischen Siedlungsbau in den bese...

Ein »neues Kapitel«?

Kabul. Der neue NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat der afghanischen Regierung auch für die Zeit nach dem Abzug der NATO-Kampftruppen die Solidarität des Militärbündnisses zugesichert.

ndPlusHilmar König, Delhi

An den Rand gedrängt

Muslime sind die größte religiöse Minderheit Indiens. Doch in der Politik sind sie deutlich unterrepräsentiert. Vertreter der Muslime beklagen eine Strategie der Ausgrenzung.

Ralf Streck, San Sebastián

Katalanen trotzen Abstimmungsverbot

Das Verfassungsgericht in Madrid hatte die angesetzte Befragung für unzulässig erklärt. Das nahm die katalanische Regionalregierung nicht hin. Sie will wenigstens unverbindlich über die Unabhängigkeit abstimmen lassen.

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»Provozierende Mitteilungen«

Neue Irritationen in der Ostukraine: Während Kiew russische Truppenbewegungen meldete, weist Moskau dies strikt zurück.

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Hollande zur Halbzeit schon am Ende?

Zweieinhalb Jahre nach Amtsantritt muss François Hollande bereits ans Aufhören denken. Im Fernsehen erklärte er, 2017 nicht erneut zu kandidieren, wenn der Abbau der Arbeitslosigkeit scheitere.

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Karstadt streicht fast 2000 Stellen

Düsseldorf. Die angeschlagene Kaufhauskette Karstadt hat ihre Sparpläne einem Zeitungsbericht zufolge konkretisiert. Karstadt wolle Personalkosten in Höhe von 1950 Vollzeitstellen einsparen. Wegen der Teilzeitquote verlören damit rund 3000 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz, berichtete das »Handelsblatt« unter Berufung auf ein Schreiben des Gesamtbetriebsrates. Das Management plant dem Beric...

Ratenzahlung für Briten wohl möglich

Brüssel. Im Streit um milliardenschwere Nachzahlungsforderungen der EU an Großbritannien zeichnet sich ein Kompromiss ab. Um dem britischen Premierminister David Cameron entgegenzukommen, könnte seinem Land die Möglichkeit einer Ratenzahlung eingeräumt werden. »Der letzte Termin wäre der 1. September 2015«, sagte der französische Finanzminister Michel Sapin am Freitag am Rande eines Treffens mi...

Reimar Paul

Widerstand ist im Sinne von Sébastien Briat

Am Donnerstag wurde an den Tod von Sébastien Briat erinnert. Nach dem Unfall vor zehn Jahren sprachen die Castorgegner auch von eigener Verantwortung. Die Umstände sind mittlerweile geklärt.

Susanne Götze

Sozialdemokraten unter sich

In Berlin trafen am Freitag Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und der französische Ökonom Thomas Piketty aufeinander: Statt Konfrontation gab es nur kleinere Meinungsverschiedenheiten.

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Bleibt hochklassig

Die Stiftung Schloss Neuhardenberg meldet zum neuen Jahr einen Führungswechsel. Heike Kramer übernimmt die Geschäftsführung von Bernd Kauffmann, der die Stiftung mehr als 13 Jahre lang geleitet hat. Kramer leitet dort seit zehn Jahren das Veranstaltungsmanagement.Auch unter der neuen Leitung soll nach Verbandsangaben das »hochklassige Kulturprogramm« fortgesetzt werden. So sind für 2015 Konzerte m...

Bei Snowden und Putin

US-Regisseur Oliver Stone (»JFK«, 68) ist zur Vorbereitung seines Films über den ehemaligen amerikanischen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden in Russland gewesen. Dabei traf er nicht nur den aus den USA geflüchteten Snowden, wie Stone der Agentur Ria Nowosti sagte. Auch mit Präsident Wladimir Putin kam er zusammen, wie Kremlsprecher Dmitri Peskow mitteilte.Grund des Aufenthalts waren letzte Ab...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Vom Glückswillen in der Hölle

Aufrichtigkeit. Es ist das Schlüsselwort. Und wo dieses Wort für Aufschluss sorgt, öffnet sich eine Tür bewusst gewählter Heimat, die aber nur immer eines ist: Unfallstelle, Wüste, unwirtliche Brache - das eigene Ich. Der ungarische Jude Imre Kertész, 1929 in Budapest geboren, als Junge nach Auschwitz und Buchenwald verschleppt - er sieht Aufrichtigkeit nur dort, wo Erkenntnis »restlos gegen mich ...

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Martin Hatzius

Reim auf die Woche

Es fiel vor Vielen Satz um Satz,
 stieg auf und machte träumen.
 Berlin, der Alexanderplatz, 
Das Laub fiel von den Bäumen. Aus jener kurzen Freiheitsnacht 
Vor fünfundzwanzig Jahren 
Sind Träumer schneller aufgewacht, 
Als sie entschlummert waren. Was, Herr im Himmel, wurde nur
 Aus diesem leisen Hoffen, 
Es ticke jetz...

ndPlusBjörn Hayer

Der Großmeister des Opferhauses

Märtyrerinnen, Besessene und Sadisten - das Œuvre des Enfant terrible des europäischen Films, Lars von Trier, ist ein Universum kranker Seelen. In seinem cineastischen Morast brodeln Sexgier, Zerstörungssucht, Unmoral und tiefgreifende Zivilisationskritik. Nun widmet der deutsch-französische Gemeinschaftssender Arte dem dänischen Experimentalregisseur ab dem 10. November eine anschauliche Th...

Jürgen Amendt

Konflikt verschärft sich

Im Streit zwischen Online- und Print-Redaktion des Nachrichtenmagazins »Der Spiegel« wird der Ton rauer. Nachdem die Mehrheit der Print-Redakteure in einer Petition an die Verlagsführung die Pläne des »Spiegel«-Chefredakteurs Wolfang Büchner zum Umbau der Redaktion kritisiert hatte, meldeten sich am Freitag Mitarbeiter von »Spiegel Online« zu Wort. Es gebe einen Kern von Print-Redakteuren, der sic...

ndPlusErik Baron

Die »Tafelrunde« und das Ende der DDR

Allenthalben wird dieser Tage an jenen 9. November vor 25 Jahren erinnert, der das Ende der DDR markierte. Aber dieser Tag war mehr als der Abgesang eines Staates. Vielmehr hat etwas begonnen, was noch lange nicht zu Ende ist.

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ndPlusRené Gralla

Harmonie im nd-System

Das Duell »Königinnen gegen Prinzen« endete unentschieden: Das neue Turnierformat Nachwuchsmänner gegen Top-Frauen begeisterte. Zuschauer und Spieler.

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ndPlusAlexander Ludewig und Hajo Obuchoff

»Die Mauer muss weg« ...

Massenprotest: In den Stadien der DDR brach der Unmut lautstark heraus. Union-Fans taten es sehr früh auch abseits des Fußballplatzes - am 7. Oktober 1977, einem Republikgeburtstag, auf dem Berliner Alexanderplatz.

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Gericht stoppt Räumung in Kreuzberg

Aufschub für die Flüchtlinge: Das Verwaltungsgericht Berlin hat die Räumung der von Flüchtlingen besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule einstweilig untersagt - bis zur abschließenden Klärung des Verfahrens.

Sarah Liebigt

Guerillas in Dessous

»Frei-zügig«. Darauf bitte ein Strombergsches »öööh«. Dabei war das nicht mal Absicht. Der Anbieter für Wäsche und Sexspielzeug Amorelie kündigte am Freitag kurzfristig an, Models in Dessous durch den Hauptbahnhof flanieren und Gutscheine verteilen zu lassen. »Der Mammutbahnstreik der GDL raubt der Nation den letzten Nerv«, so das Unternehmen zu seiner »Guerilla-Aktion« unter dem Motto »Lust st...

Mordprozess gegen Rocker fortgesetzt

Im Prozess gegen Angehörige des Hells Angels MC wegen Mordes haben Strafverteidiger in mehreren Anträgen Teile der vom Berliner Landgericht erlassenen Sicherheitsverfügung kritisiert. Die Zahl der Zuhörerplätze im Gerichtssaal sei unangemessen verringert worden, erklärten Anwälte am Freitag und verlangten eine Änderung. Dies lehnten die Richter, wie auch schon am ersten Verhandlungstag, mit Hinwei...

ndPlusBernd Kammer

Ein Projektsteuerer, der nicht steuerte

Im Flughafen-Untersuchungsausschuss sagte am Freitag der Mann aus, der das Projekt steuern sollte. Am Freitag musste Christian Manninger vor dem Ausschuss seine Sicht auf die Dinge darlegen - er sprach von Desorganisation.

Sarah Liebigt

LaGeSo-Chef weist Vorwürfe zurück

Weil er unter dem Verdacht der Vetternwirtschaft steht, wird gegen Franz Allert ermittelt. Zur Vergabepolitik des LaGeSo wurde weitere Kritik laut - unterdes sind neue Vorwürfe gegen das LaGeSo aufgetaucht.

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AfD und NPD stimmten für Abschiebung

Die AfD und die neofaschistische NPD stimmten im Kreistag Dahme-Spreewald gemeinsam für »konsequente Abschiebung« von Asylbewerbern. Die SPD führt Gespräche zum Umgang mit der AfD im Landtag.

Andreas Fritsche

Traumergebnis nach Wahldebakel

Die Aufgaben verteilt und den Vorstand gewählt hat die LINKE-Landtagsfraktion bei einer Klausur in Schönefeld. Margitta Mächtig will nur noch ein Jahr Vorsitzende bleiben.

Peter Kratz

Triumph der DDR-Moderne

Am Wochenende feiert Berlin den 25. Jahrestag des Mauerfalls mit großem Bohei. An vielen Stellen in der Stadt hat die DDR zumindest architektonisch die Wende überlebt. Eine Betrachtung.

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Suche nach dem Virus

Heinrichswalde. Nach dem Ausbruch der Geflügelpest in einem Putenmastbetrieb in Vorpommern suchen die Veterinärbehörden mit Hochdruck danach, wie der bisher nur aus Asien bekannte hochansteckende H5N8-Erreger in die Ställe gelangt ist. Am Freitag habe die Auswertung von Proben begonnen, sagte die Sprecherin des bundesweit zuständigen Friedrich-Loeffler-Instituts, Elke Reinking, auf der Insel Riems...

ndPlusRudolf Stumberger, München

Erinnerung an die Zwangsarbeit

Auf dem Gelände eines ehemaligen Zwangsarbeiterlagers steht noch eine authentische Baracke. Dort soll ein Gedenkort entstehen, doch nicht alle relevanten Akteure ziehen mit.

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Karenzzeit für Ex-Regierende

Immer wieder wird über Politikerwechsel in die Wirtschaft diskutiert. Hamburg hat als erstes Bundesland nun klare Regeln.

ndPlusAlice Bachmann, Bremen

Viel Geld und noch keinen Plan

Wenn im Armenhaus jemand mit viel Geld im Gepäck anklopft, wäre große Freude und sofortige Rechnerei mit spitzem Bleistift zu vermuten. Nicht so im rot-grün regierten Bremen.Da blitzte die CDU-Opposition im Landtag, der Bremischen Bürgerschaft, mit einem Antrag ab, in dem nach einem Plan für die Verteilung des zu erwartenden Geld-Zuflusses durch die Übernahme von BAföG-Kosten durch den Bund gefrag...

ndPlusBirgit Ellinger, Sulzberg

Schleim, der von der Decke hängt

Eine Schleimschicht und glibberige Fäden: Was sich eklig anhört, ist eine sehr seltene Naturerscheinung. Sie wurde in einem alten Stollen im Allgäu entdeckt - und wird jetzt von Experten erforscht.

»Mich reizt das Unmögliche«

Lola Arias, Sie haben etwas sehr Ungewöhnliches vor, ein Nachstellen von historischen Massensituationen in der Wendezeit auf öffentlichen Plätzen. Geht das überhaupt? Nein, eigentlich ist das unmöglich. Wie will man all die Situationen wieder herstellen, nach welchen Kriterien die Leute aussuchen? Welche Gesichter von den historischen Aufnahmen wählt man aus? Welche Momente, welche Parolen? D...

ndPlusChristin Odoj

Dauerkolonie Togo

Unsere kulturelle und nationale Identität - wenn es so etwas gibt - ist ein Körper voller Narben. Narben, die nie heilen, Narben, die wir sogar weiter vererben. Narben, die wir mit anderen teilen, weil sie dasselbe Ereignis erschaffen hat. Mancher würde sie gern wegoperieren. Diese hässliche Holocaust Narbe zum Beispiel, direkt auf der Nase, immer im Blick. Andere tragen Rollkragenpullover, verdec...

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Ich verstehe die Lampionparade nicht

So ein Mauerfalljubiläum kommt nur einmal im Jahr vor, weshalb nun wieder umfangreiche Anstrengungen der Würdigung unternommen werden. Aber: Was sollen 8000 leuchtende Ballons mir sagen?

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Stefan Otto

Eiszeit im Doppeldorf

»Klein-Berlin« wurde Zicherie/Böckwitz einst genannt, weil die deutsche Teilung den Ort entzweite. Auch 25 Jahre nach dem Mauerfall schwelt in dem Doppeldorf der Ost-West-Konflikt. Skepsis und Misstrauen unter den Bewohnern sind unübersehbar.

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ndPlusHermannus Pfeiffer

Der Killer von Karstadt

»Die fehlenden Unternehmer« suchte während dieser Woche die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in einer aktuellen Studie. Für die OECD sind Unternehmer ein wahres Wundermittel: Sie seien eine Voraussetzung für »nachhaltiges Wirtschaftswachstum«, schafften Arbeitsstellen und verhinderten soziale und finanzielle Ausgrenzung benachteiligter Bevölkerungsgruppen. Daran g...

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Uwe Krüger

Nichts wird gut am Hindukusch

Es dauerte von Anfang April bis Ende September, ehe in Kabul ein Nachfolger für Staatsoberhaupt Hamid Karsai vereidigt werden konnte. Vorausgegangen waren hektische diplomatische Aktivitäten. US-Außenminister John Kerry nahm Ashraf Ghani und Abdullah Abdullah, die nach der Stichwahl Mitte Juni beide das Präsidentenamt für sich reklamierten, mehrfach ins Gebet. Am Ende half nur die Drohung, die ...

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Die Literatur Lateinamerikas - fünf Highlights

Mario Vargas Llosa (Peru): Das grüne Haus, 1965. Grandioses Frühwerk eines Nobelpreisträgers. Die Orte: ein Bordell und eine Urwaldmission in Peru. Mit Schnitten und Brüchen, mitten im Satz stürzen zwei Geschichten ineinander. Vargas Llosa polemisiert: Sollen sie doch Barbaren bleiben, die »Nacktärsche« - was hat ihnen die barbarische Zivilisation schon zu bieten? Guillermo Cabrera I...

Uwe Stolzmann

Eine Werkstatt der Wunder

Gabriel García Márquez, der Nobelpreisträger aus Kolumbien, Miterfinder des »magischen Realismus«, galt als Übervater der lateinamerikanischen Literatur. Seit Jahren klagten Kritiker, seine Omnipräsenz würde andere lähmen.

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Die Giordano-Bruno-Stiftung

Die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) ist eine gemeinnützige Stiftung, die sich die Förderung des »evolutionären Humanismus« zum Ziel gesetzt hat. Sie wurde 2004 von dem Unternehmer Herbert Steffen gegründet, der bis heute als Mäzen fungiert. Von Beginn an profilierte sich die Stiftung als Sprachrohr der Konfessionslosen und initiierte immer wieder religionskritische Aktionen. Sie vertritt die Ansicht...

»Wir gehen nicht von absoluten Wahrheiten aus«

Michael Schmidt-Salomon hat sich als humanistischer Philosoph einen Namen gemacht. Er ist Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung. Mit dem 
gebürtigen Trierer und Autor zahlreicher Bücher sprach 
Christian Baron.

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Aufgehobenes Bildungsprivileg

Es gab eine Zeit, da galten Studenten als politisch besonders bewusste und engagierte Menschen. Wahrscheinlich ging die Ära der politisch interessierten Studentengeneration in Deutschland mit der 68er-Revolte endgültig zu Ende.

ndPlusLena Tietgen

Generation der Ichlinge?

Der letzte Studierendensurvey, eine Studie, die schwerpunktmäßig das Interesse von Studentinnen und Studenten an politischer Beteiligung erfragte, zeigt laut bmbf.de einen »Rückgang des allgemeinen politischen Interesses«. Hatten 2001 noch 45 Prozent der Nachwuchsakademiker ein »starkes Interesse« gezeigt, seien es 2013 noch 32 Prozent gewesen. Ebenso wenig interessierten sich die Studenten für...

ndPlusRalf Hutter

Erasmus ohne Sprachprobleme

Mal etwas von den Resten der berühmten kritischen Sozialforschung in Frankfurt mitkriegen, zur Meeresforschung nach Kiel gehen oder einfach die Koryphäe des eigenen Spezialfachs, die ein paar Hundert Kilometer entfernt lehrt, direkt erleben - es gibt viele Gründe, für ein oder zwei Semester eine andere deutsche Hochschule zu besuchen. Doch derartiges ist nicht vorgesehen. Für Praktika wechseln ...

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ndPlusStefan Bollinger

Mit dem Fall der Mauer platzten Träume

Geschichtsschreibung und Geschichtspolitik haben sich nicht nach Befindlichkeiten von Betroffenen oder Parteimitgliedern zu richten. Sie sollten aber den Ansprüchen kritischer Geisteswissenschaft genügen. Vor 25 Jahren ging der Realsozialismus in Europa unter - mit einem Seufzer bei jenen kritischen Kommunisten und engagierten Bürgern, die das stalinistische Modell mit seiner Überzentralisierung, ...

Benedikt Dyrlich

Nicht alle Wünsche wurden wahr

Auch unter den Sorben erwachten im Herbst 1989 Courage und ziviler Ungehorsam. Stimmen der Kritik wurden Anfang Oktober im sorbischen Hörfunk in Bautzen und Cottbus, insbesondere aber in der Tageszeitung »Nowa doba« laut.

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Wenn die Mieze einen Vogel hat

Nicht nur in Australien jagen frei laufende Hauskatzen Vögel und kleine Säugetiere. Solange es nur die Mäuse im Keller oder Garten sind, dürfte sich kaum jemand drüber ereifern. Doch nicht selten legen die Stubentiger nach dem nächtlichen Gartenausflug etliche erbeutete Spatzen, Amseln oder auch mal einen eher seltenen Vogel vor die Tür ihres Besitzers. Und neben den gut genährten Hauskatzen gi...

Martin Koch

Mit der Kraft des Geistes

Seit Jahrzehnten schon genießt Stephen Hawking weltweite Berühmtheit. Denn der britische Physiker, der an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) erkrankt und inzwischen fast vollständig gelähmt ist, gilt als einer der brillantesten Wissenschaftler der Gegenwart. Viele mag es daher verwundern, dass Hawking noch immer nicht den Nobelpreis erhalten hat. Die Frage nach den Gründen muss sich bisweilen au...

Michael Lenz

Alles für die Katz’

Immer wieder ist vom Artensterben zu hören und zu lesen. Zerstörung der Lebensräume von Tieren und der Klimawandel sind die Ursachen, verursacht von uns Menschen. In Australien machte der Mensch in seiner Gestalt als europäischer Einwanderer zusätzlich durch den Import von Tieren der heimischen Fauna das Überleben schwer. Die verwilderten Nachfahren eingeschleppter Katzen und Füchse fressen sic...

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30. Tage der Raumfahrt

Die Autorin ist Mitherausgeberin des Newsletters »Go Taikonauts!« zur chinesischen Raumfahrt. Bei den 30. Tagen der Raumfahrt in Neubrandenburg (13.-16. November) spricht sie über die Kooperation des Westens mit China. Bei der Jubiläumsveranstaltung werden neben den Raumfahrern Sigmund Jähn, Toktar Aubirakow und Paolo Nespoli auch Experten der NASA und des deutschen Raumfahrtunternehmens OHB er...

Chronik

Chang’e 1 Start: 24. Oktober 2007 Mondorbiter, im März 2009, am Ende der Mission harte Landung. Chang’e 2 Start: 1. Oktober 2010 Mondorbiter zur Kartographierung der Mondoberfläche, wurde nach nominellem Missionsende auf eine Flugbahn zum Sonne-Erde-Lagrange-Punkt SE-L2 und danach zum Asteroiden Toutatis gelenkt - noch in Betrieb. Chang’e 3 ...

ndPlusJacqueline Myrrhe

Von Mona Lisa zu Chang’e

Wer Planwirtschaft für voraussagbar hält, den hat China am 23. Oktober mit dem Start seiner jüngsten Mondmission Chang’e 5-T1 eines Besseren belehrt. Erwartet wurde eigentlich der Flug von Chang’e 4 mit einem anderen Missionsprofil. 38 Jahre nach der letzten Landung auf dem Mond durch die sowjetische Sonde Luna 24 überraschte das Reich der Mitte mit einer lunaren Umrundung und lässt Chang’e 5-T...

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Machen Sie mit!

Schreiben Sie uns über Ihr Lieblingsspiel - egal ob aus Familientradition oder gerade gekauft. Senden Sie den Text per Post (Stichwort »Lieblingsspiel«) oder unter spielplatz@nd-online.de. Mit Absender, denn bei Abdruck erhalten Sie ein neues Spiel! Für ihre heutige Zuschrift erhalten Tina und Holger Bartowicz aus Bochum das Spiel »cross boule« aus dem Zoch-Verlag....

Denkspiellösung

Aus der Aufgabe vom 1./2. November ergeben sich zwei Ansätze: 7000 M+5000C + 2500K = 70500 M + C + K = 14 (M=Mittel, C= Cabrio, K= Klein) Also nur zwei Gleichungen mit drei Unbekannten - nicht ganz so einfach. Indes lässt sich ja zumindest eine eliminieren. Und setzt man voraus, dass alle drei Unbekannten <=1 sowie ganzzahlig sind, und K ungerade sein muss, erhält man...

Nr. 1 im Genre

Das Echtzeit-Strategiespiel StarCraft gilt mit mehr als 9,5 Millionen verkauften Exemplaren seit 1998 als die Nr. 1 im Genre. Die aktuelle Version heißt StarCraft II. Wie bei der Ursprungsfassung geht es um den Kampf dreier Völker um die Vorherrschaft in einem fernen Sternensystem: Die Terraner sind Verbannte von der Erde, die sich am Rande des Universums eine neue Existenz aufbauen wollen. Dab...

Kurzweilige, amüsante, intelligente Abende

Wer war der Mörder?

Lange Jahre haben wir in der Familie und mit Freunden Brett- und Kartenspiele gespielt. Am Rande von Geburtstagen oder sonstigen Feierlichkeiten. Dann bekamen wir, inzwischen ist das schon ein paar Jahre her, von unseren Kindern eine große Schachtel geschenkt: »KRIMI total - Im Schatten der Premiere«. Seither rücken irgendwelche Feierlichkeiten als Anlass für Spieleabende in den Hintergrund. De...

Udo Bartsch

Klunker und Rabatte

Wenn man mal ehrlich ist: Die thematische Anbindung in »Splendor« fällt eher dürftig aus. Irgendwie geht es wohl um Edelsteinhandel, im Spiel merkt man davon allerdings nichts: Mit bunten Chips erwerben wir Karten, um mit deren Hilfe später noch bessere Karten zu erwerben. Die Karten zählen Prestigepunkte, und 15 Punkte sind das Ziel. Ergo bieten sich preiswerte Karten ohne Punktwert eige...

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ndPlusHeidi Diehl

Seit 25 Jahren »mit links durch die Welt«

Die erste Leserreise von »neues deutschland« führte im November 1990 nach Athen. »400 Leser wollten daran teilnehmen«, weiß nd-Redakteurin Gabi Kotlenko, damals eine der Reisebegleiterinnen. »300 konnten letztlich nach Griechenland fahren. Einer hatte hinter sein Alter sogar den Zusatz: ›jünger aussehend!‹ geschrieben, weil er befürchtete, mit seinen 86 Jahren ansonsten keinen Platz abzubekomme...

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ndPlusSusanne Ehlerding

... die Mauer hätte es nicht gebraucht

Heute lebt Harald Jäger von einer kleinen Rente in Werneuchen vor den Toren Berlins. Das wirklich Besondere an ihm ist nicht die Tat vom 9. November, sondern wie ehrlich er mit seiner Geschichte umgeht.