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UNTEN LINKS

Nach dem Düsseldorfer Urteil geht ein Ruck durch Deutschland. »Gericht erlaubt Pinkeln im Stehen«, titelt sogar die Lügenpresse. Pegida erkannte sofort, dass es Wichtigeres gibt als den Kampf gegen Islamisierung und will unter der Losung »Steh’ auf, wenn du ein Pinkler bist!« Geist und Buchstaben des Justizvotums bis in das letzte Tal der Ahnungslosen tragen. Wolfgang Bühmann, Sprecher des Beru...

ndPlusSimon Poelchau

Liebesgrüße nach Moskau

Bundeskanzlerin Angela Merkel stimmte ungewohnte Töne auf dem Wirtschaftsgipfel in Davos an. Sie sendete erste zaghafte Liebesgrüße nach Moskau aus. Man könne, wenn der Streit um die Ukraine beigelegt sei, ja eine Freihandelszone einrichten, bot sie Russlands Präsidenten Wladimir Putin an. Quasi von Wladiwostok bis Lissabon könne der neue Wirtschaftsraum reichen.

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Reimar Paul

Gute Idee besser verkauft

Der renommierte Wissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker ist geschickter als die Grünen. Er macht seinen Vorschlag für eine Abgabe aufs Öl, ohne eine Summe zu nennen. Und er greift den berechtigten Einwand, ein höherer Ölpreis treffe die kleinen Leute, von vornherein auf.

Ulrike Henning

Schulschwänzer im Ministerium

Zehn Prozent mehr mussten die Krankenkassen 2014 für Arzneimittel ausgeben. Ins Kontor schlugen dabei auch jene Mondpreise, die Pharmaunternehmen im ersten Jahr nach Zulassung eines neuen Medikaments beliebig festlegen können.

ndPlusOlaf Standke

Zurück in die Zukunft

Dass Joni Ernst aus Iowa in dieser Woche im neuen US-Kongress die republikanische Gegenrede zu Barack Obamas Bericht über die Lage der Nation halten durfte, hatte nicht nur mit ihrer schlagzeilenträchtigen Wahlwerbung (»Ich weiß, wie man Schweine kastriert, und das wird mir in Washington bestimmt helfen«) zu tun.

ndPlusHarald Neuber

Polyglott

In Europa war sie nahezu unbekannt: Josefina Vidal Ferreiro. Das liegt auch an dem auf Fidel und Raúl Castro zentrierten Kuba-Bild im Westen. Durch die Verhandlungen zwischen USA und Kuba hat sich dies geändert.

Martin Leidenfrost

Basar der europäischen Werte

Ich nenne nicht seinen Namen und seine Nationalität, ich erwähne nicht sein Aussehen und seine Position. Sein Büro könnte ich getrost beschreiben, von dem Modell gibt es Tausende in Brüssel. Belgiens guter alter erneuerbarer Regen läuft über die Scheiben seines Fensters, in etwas dickeren Fäden als sonst. Ein Experte für Östliche Partnerschaft in den europäischen Institutionen redet mit mir, off the record.

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Platzwacht

Spielen ist in Honduras keine ungetrübte Freude - in weiten Teilen des mittelamerikanischen Landes sind Drogenbanden die eigentliche Macht. Sie betreiben ihre Geschäfte mit aller Gewalt, rekrutieren Minderjährige zwangsweise, und wer sich widersetzt oder für die Konkurrenz arbeitet, lebt extrem gefährlich. Deshalb richtet die Regierung mit großem Aufwand immer mehr geschützte Zonen für Kinder u...

ndPlusOlaf Koppe

Frauenquote?!

Eine linke Tageszeitung kann ohne einen hohen Anteil an Frauen in der Redaktion nicht funktionieren. Doch ohne Leserinnen nützt alles Mühen nichts. Ein Plädoyer für eine Frauenquote - auch unter unserer Leserschaft.

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Patricia Schulte, SODI

Rabi Tiruwa ist begeistert

Rabi Tiruwa ist 57 Jahre, verwitwet und lebt am Rande von Bindhyabasini, einem kleinen Dorf im Distrikt Dailekh in Westnepal. Sie gehört zur Gruppe der Dalits, den Angehörigen der »unberührbaren« Kaste und damit zu dem Viertel der Bevölkerung in Dailekh, das von Armut besonders betroffen ist. 98 Prozent der Bevölkerung leben dort von der Landwirtschaft. Trotzdem können viele gerade mal den Beda...

ndPlusChristine Wiid, INKOTA

Eine Mühle für Muaguide

Jorge Souza, der Geschäftsführer von KULIMA, der INKOTA-Partnerorganisation in Mosambik, ist beeindruckt, als er erfährt, wie viel Geld die Leser und Leserinnen des »neuen deutschland« schon für die Unterstützung der Kleinbauern in Ancuabe gespendet haben. Gleich fährt er zusammen mit dem Projektkoordinator Frederico José in das Dorf Muaguide, wo sie ein Treffen mit dem örtlichen Bauernverein h...

Martin Zint, Weltfriedensdienst

Starthilfe ins Leben

José ist 14 Jahre alt und lebt in einem Armenviertel der Millionenstadt Recife, Brasilien. Wenn er abends im Bett liegt und nicht einschlafen kann, kreisen seine Gedanken um die Zukunft. Was kann er anfangen, um Geld zu verdienen? Rennfahrer oder Fußballstar wäre nicht schlecht. Aber das sind Träume und die Konkurrenz ist groß, auch um die wenigen Jobs, die genug fürs Leben abwerfen und nicht k...

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Roland Etzel

Wachablösung im Mittelalter

König Abdullah ist tot, sein Nachfolger Salman schon auf dem Thron. Auch aus Deutschland kommen derweil Lobeshymnen für den Verschiedenen und sein Reich, das mittelalterlichste Regime der Region.

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ndPlusRené Heilig

Klares »No« zu »Cuba sí«

Während auf Kuba Diplomaten und Wirtschaftsvertreter sich kräftig die Hände schütteln, tut sich in Deutschland wenig. Die Arbeitsgemeinschaft »Cuba sí« der Linkspartei wird weiterhin von dem Verfassungsschutz überwacht.

Neuer Anstoß für Freihandel mit Russland

Russlands Präsident Putin brachte vor fünf Jahren die Idee für einen Wirtschaftsraum von Wladiwostok bis Lissabon ins Spiel. Jetzt greift Bundeskanzlerin Merkel den Vorschlag wieder auf.

Andreas Knobloch, Havanna

Die Blockade bleibt der Stolperstein

Es knirschte bei den Gesprächen zwischen den USA und Kuba in Havanna. Doch am diplomatischen Neubeginn wird festgehalten. Wann die US-Blockade fällt, bleibt offen. Und das bremst die Annäherung.

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ndPlusRobert D. Meyer

Geschätzt mit etwas Bauchgefühl

Waren es 15 000 Legida-Anhänger, die am Mittwoch durch Leipzig zogen? Forscher der Universität Leipzig zweifeln an den Zahlen der Polizei und stehen damit nicht allein da. Auch zur Größe der Pegida-Demos in Dresden gibt es Kritik.

ndPlusAert van Riel

Die Angst der Migranten bleibt

Die Polizei hat einen Verdächtigen gefasst, der den Asylbewerber Khaled Idris Bahray getötet haben soll. Doch der Fall hat wegen einiger Fehler ein schlechtes Licht auf die Ermittlungsbehörden geworfen.

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Plädoyer für neue Ölsteuer

Frankfurt am Main. Angesichts des niedrigen Ölpreises hat sich der Umweltforscher Ernst Ulrich von Weizsäcker für höhere Abgaben auf den Rohstoff ausgesprochen, um den Anreiz zum Energiesparen und zum Klimaschutz aufrecht zu erhalten. Er plädiere dafür, «die Verbilligung soweit wie politisch durchsetzbar abzufangen» und sie durch Abgaben zu kompensieren, sagte Weizsäcker der «Frankfurter Rundsc...

ndPlusSimon Poelchau

Anleihenkäufe erhitzen die Gemüter

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Geldhahn wieder weit geöffnet. Ist das jetzt gut oder schlecht? Darüber scheiden sich auch links der politischen Mitte die Geister.

Peter Nowak

»Die Empörung ist recht groß«

Hände weg vom Streikrecht fordert eine Tagung am Wochenende in Kassel. Die Zeit drängt: Bereits im März will der Bundestag ein entsprechendes Gesetz verabschieden. Gewerkschafter warnen, dass der Arbeitskampf dadurch behindert werde.

»Die Empörung ist recht groß«

Die Bundesregierung will mit einem neuen Gesetz zur Tarifeinheit das Streikrecht für kleinere Gewerkschaften erheblich einschränken. Wie weit ist Schwarz-Rot damit? Für Anfang März ist die erste Lesung des Tarifeinheitsgesetzes vorgesehen, für den 23. 3. die öffentliche Anhörung im Ausschuss »Arbeit und Soziales« und für den 26.3. die zweite und dritte Lesung. Innerhalb der DGB-Gewe...

Grit Gernhardt

All eyes on Chevron

And the winner is: Chevron! Auf Jubelschreie mussten die Verleiher des Negativpreises Public Eye Award allerdings verzichten. Der in Davos zum »verantwortungslosesten Unternehmen« gewählte Energiekonzern kam nicht.

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Grütters leitet Stiftungsrat

Kulturstaatsministerin Monika Grütters übernimmt die Leitung des Stiftungsrats für das neue Zentrum zur Suche nach NS-Raubkunst in Magdeburg. Die 53-jährige CDU-Politikerin wurde am Donnerstag bei der konstituierenden Sitzung des 15-köpfigen Aufsichtsgremiums in Berlin zur Vorsitzenden gewählt. Die praktische Arbeit wird künftig von einem zweiköpfigen Führungsgremium verantwortet. Zum ehr...

Hans-Dieter Schütt

Amazonas am Bodensee

Das Tagebuch ist ein Verräter. Es bleibt keiner Sache treu. Es wechselt Stimmung und Sinn. Es verrät das Große an das Kleine, das Hohe an das Niedrige, das Kindliche an das Klügelnde, das Wichtige an das Wichtelmännische. Und umgekehrt. Es legt offen: Das Leben ist Turbulenz und Gleichförmigkeit in einem. Der Alltag versucht sich als Ereignis, aber das Ereignis bleibt doch letztlich auch nur Pa...

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Chance für Unabhängige

Hollywoodstar Robert Redford (78) hat am Donnerstagabend (Ortszeit) im US-Wintersportort Park City (Utah) das Sundance Filmfestival eröffnet. Es ist das größte Festival für unabhängige, außerhalb Hollywoods produzierte Filme. Es wurde vor 31 Jahren von Redford ins Leben gerufen. Bis zum 1. Februar werden 118 Spielfilme und Dokumentationen aus vielen Ländern gezeigt. Ihm komme es vor allem...

Bart noch wie 1922

Wurde die berühmte Totenmaske des ägyptischen Pharaonen Tutanchamun in Kairo beschädigt? Das soll nach Angaben des staatlichen Nachrichtenportals »Al-Ahram« ein archäologisches Komitee untersuchen. Ein Bericht werde in den kommenden Tagen erwartet, schrieb das Nachrichtenportal am Freitag. Medien hatten berichtet, dass die Totenmaske beschädigt und angeblich mit eher gewöhnlichem Klebstoff reparie...

Ingolf Bossenz

Canossa und die Kraft der Vergebung

Canossa - Ort und Wort der Unterwerfung, der Niederlage, des Aufgebens, der Kapitulation, der Schande und Blamage. Metaphern vereinfachen und verkürzen. Denn natürlich war Canossa historisch weit mehr.

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Alexander Ludewig

Ist wieder der Fußball schuld?

Seit Donnerstag können Hooligangruppierungen als kriminelle Vereinigungen verfolgt werden. Das Urteil geht an dem eigentlichen Problem vorbei und könnte auch für den Fußball sehr gefährlich werden.

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ndPlusFrank Kastner, St. Moritz

Aufstand gegen den Verband

Mit einer werbewirksamen »Gästefahrt« will der Schweizer Bobpilot Beat Hefti Kritik am Weltverband FIBT üben. Der Olympiazweite im Zweierbob hat beim Viererweltcup am Sonntag in St. Moritz die Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig und Siebenkämpferin Linda Züblin an Bord. Die Neuregelung des Weltverbandes lässt seit dieser Saison auch Frauen in der Königsklasse zu. Da der Weltcupführende im klei...

Erik Eggers, Doha

Erfolge, die kaum jemand sieht

Das DHB-Team ist die große Überraschungen des Turniers in Katar. Die Spiele locken aber nach wie vor kaum Zuschauer in die Hallen.

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ndPlusMartin Kröger

Weder Feuer noch Flamme

»Wir wollen die Spiele«, behauptet der Senat. Ob das wirklich so ist, dürfte sich bei der vom Deutschen Olympischen Sportbund anberaumten Umfrage erweisen. Die Berliner Stadtbewohner zeigen sich bisher nicht begeistert.

ndPlusMartin Kröger

Das Ringen um Olympia beginnt

Angestrahltes Brandenburger Tor, Werbebanner an Zügen und Müllwagen - Senat und Wirtschaft begannen am Freitag mit ihrer Kampagne für Olympia. Gegner der Bewerbung wollen dagegenhalten.

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ndPlusChristin Odoj

Mit Abitur attraktiver werden

Der Bildungssenat gibt insgesamt vier integrierten Sekundarschulen (ISS) die Möglichkeit, eine eigene Oberstufe einzurichten. Der direkte Weg zum Abitur ist offen. Die Schulen werden damit attraktiver.

Steffi Bey

Wie aus Klebeband Kunst wird

Aus Papier, mit viel Farbe und Fantasie Wunschwelten gestalten: Kinder und Jugendliche aus Hellersdorf sind gerade im Ausstellungzentrum »Pyramide« sehr kreativ.

ndPlusAndreas Fritsche

Spaziergang nach Pegida-Vorbild

Der Pegida-Spaziergang soll am Montag in Brandenburg/Havel kopiert werden. Ob von der ersten Veranstaltung dieser Art im Land Brandenburg gesprochen werden kann, ist eine Definitionsfrage.

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Uwe Kraus, Goslar

Schnappschüsse im Wunderberg

Vom 30. Januar bis 15. Februar ist nun schon zum achten Mal der Harzer KulturWinter zu erleben. Er bietet ein facettenreiches Programm.

Grundstücke in Niedersachsen sind gefragt

Bad Bentheim. Niederländische Unternehmen siedeln sich wegen der vergleichsweise niedrigen Grundstückspreise verstärkt auf der niedersächsischen Seite der Grenze an. Nach der Verlagerung von sieben Unternehmen aus der Grenzregion Twente nach Deutschland warnte der holländische Wirtschaftsminister Henk Kamp vor Alarmstimmung.»Im Moment gibt es keine Hinweise, dass sich die Niederlassung von Unterne...

Landwirtschaft statt Agrarindustrie

Wie soll es weitergehen mit der Landwirtschaft im Nordosten? Vertreter von bäuerlicher Landwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz haben die Lage analysiert und Forderungen abgeleitet.

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Nordkorea drohte Berlinale

Im Streit mit den USA um die Filmsatire »The Interview« hatte Nordkorea am Freitag Drohgebärden auch gegen die Veranstalter der Filmfestspiele von Berlin gerichtet. In dem Film geht es um ein fiktives Mordkomplott gegen den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un. Nordkoreas Außenministerium rief dazu auf, die Aufführung bei der Berlinale zu stoppen. Wer gemeinsam mit den USA die Würde Nordkore...

Es werde Licht!

Licht ist Voraussetzung für Leben und als künstliches Licht ein zivilisatorisches Werkzeug, das die Nacht zum Tage werden lässt. Weil Licht eine Schlüsselfunktion hat für die Menschen und ihren Planeten, wird es 2015 auch von der UNESCO in einem »Internationalen Jahr des Lichts« gewürdigt. Licht ist immer auch mit Erkenntnis verbunden, deshalb widmet die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissen...

ndPlusPat Christ und Dirk Baas

Im freien Fall ins schwarze Loch

Drei Prozent der Gefangenen in Bayern weisen eine schwere psychische Störung auf. Die Gewerkschaft der Polizei fordert die Aufstockung des psychologischen Fachpersonals.

Lucía Tirado

Kampfbestimmte Logik nach schönsten Noten

Er zu ihr: «Du bist der Teufel!» Sie zu ihm: «Das bin ich!» Die Zigeunerin Carmen verdeckt darauf mit der Hand ihren Mund, erschrocken, wozu der schöne «Grenzbulle» José sie provozierte. Sie weiß, zu welchen Gefühlsentladungen sie neigt. Sei es in der Liebe, sei es im Zorn. Überzeugend, wie sie singt, Mann möge sich in Acht nehmen, wenn sie liebe.Starke Gefühle in der Neuköllner Oper. Im Musikthea...

ndPlusTom Mustroph

Dauerbombardement mit Sozialromantik

Sebastian Klink inszeniert Ernst Haffners wiederentdeckten Roman »Blutsbrüder« über jugendliche Kleinkriminelle im Zwischenkriegsberlin Ende der 192023, Anfang der 1930er Jahre als neorealistisches Museumsstück mit mancher Lokalpointe.

Danuta Schmidt, Zella-Mehlis

Hilfe! Hochbegabte Kinder!

Begabtenförderung war in den ersten Jahren nach 1990 nicht gerade ein Hauptanliegen der Bildungspolitik im Osten. In Thüringen entorganisierten Enthusiasten mit den Bildungscamps ein Unikat.

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ndPlusTom Strohschneider

Unser Kandidat

»Unser Kandidat findet sich auf keiner Liste« - stand dereinst auf einem Plakat der leider verschwundenen Kreuzberger Kneipe Pinox neben einem Konterfei von Karl Marx. Was das mit Bodo Ramelow und Angela Merkel zu tun hat?

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ndPlusMichael Heinrich

»Je ne suis pas marxiste«

Im Unterschied zu dem von Marx abgelehnten »Marxismus« mit seinen identitätsstiftenden Gewissheiten, wirkt der kritische, unfertige Marx überaus subversiv. Was von seinen Analysen zu gebrauchen ist, steht nicht ein für alle Mal fest.

Seite 19
ndPlusTom Strohschneider

Die Sache mit dem Stand der Lage

Als Oliver Nachtwey vor drei Jahren in der FAZ den Stand des Marxismus hierzulande kritisch bilanzierte, war das Startschuss einer veritablen Debatte und Anlass für eine Konferenz. Die Diskussion geht weiter: im "nd"

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ndPlusHans-Gerd Öfinger

Let’s talk about Sex

Offen hat er in einem Interview über seine sexuellen Bedürfnisse gesprochen. Diesen vermeintlichen Tabubruch wollen CDU und SPD in Koblenz Christian Bayerlein offenbar nicht durchgehen lassen.

Seite 21
ndPlusHans-Arthur Marsiske

Roboter sollen nicht mit Waffen spielen

Drohnen werden in den kommenden Jahren zunehmend unseren Alltag prägen. Wie sich dadurch die Gesellschaft verändern wird, ist noch nicht entschieden. Sicher ist: Die Entwicklung zu mehr Autonomie wird sich nicht stoppen lassen.

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ndPlusLeo Fischer

Ängste

Es ist wirklich schier unglaublich, was die Pegida-Bewegung aus den Aborten der Gesellschaft hervorspült; was da hochkommt, muss sich teils jahrzehntelang angesammelt haben. Noch der nette Kneipenschwatz mit Unbekannten dreht völlig ab, sobald das Thema aufkommt.

Schmidbauer

Die Wut des Kochs

Vor vielen Jahren fiel mir die Rolle des alleinerziehenden Vaters in den Schoß oder vielleicht auch auf den Kopf; es war eine lehrreiche Umstellung, die mich für alle Zeiten von jeder Geringschätzung der Mühe befreite, die ein Haushalt mit Kindern verursacht. Als Selbstständiger konnte ich meine Arbeit so organisieren, dass ich ab Mittag Zeit hatte, ein Essen für zwei Schülerinnen zuzubereiten. Me...

Martin Koch

Der Speicher ist immer voll

Kurz nach der Wende fand ich in meinem Briefkasten einen Werbezettel, der sofort meine Aufmerksamkeit erregte. Denn ich erkannte darauf das Porträt von Albert Einstein, dem man das folgende Zitat in den Mund gelegt hatte: »Der Mensch nutzt nur 10 Prozent seines Gehirns.« Wer also im Leben rascher vorwärts kommen wolle, erfuhr ich weiter, sollte unbedingt auch die restlichen 90 Prozent nutzen. Der ...

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ndPlusRainer Trampert

Der Hass in den Augen

Zwei Tage nach der Kundgebung der Prominenz vor dem Brandenburger Tor, wo Sigmar Gabriel ganz gerührt war über den Satz: »Wir alle sind Deutschland«, sagte ein Geflüchteter aus Eritrea, dessen Freund soeben auf dem Hinterhof erstochen worden war: »Seit wir in Dresden angekommen sind, sehen wir den Hass in den Augen der Menschen.« Die Pegida-Umzüge mögen irgendwann abflauen, der Hass wird bleibe...

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ndPlusJürgen Amendt

Kreide gefressen?

Um Andreas Schleicher, den Bildungsdirektor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), ist es in den vergangenen Jahren ruhiger geworden. Schleicher, der einst als »Mister PISA« die hiesige Bildungspolitik in Aufruhr versetzte und bildungspolitische Kontroversen über die soziale Auslese im deutschen Schulsystem befeuerte, ist selbst aussortiert worden. Die unter...

Lena Tietgen

Wankas Versprechen

Die Arbeitsbedingungen für Nachwuchswissenschaftler sind seit Jahren schlecht. Bereits 2010 hat die GEW in ihrem »Templiner Manifest« darauf hingewiesen und unter anderem gefordert, Promovierenden »ausreichend tarifvertraglich geregelte Beschäftigungsverhältnisse mit Sozialversicherungsschutz« anzubieten, die »mindestens drei Viertel der Arbeitszeit für die eigenständige Qualifikation vorsehen«...

Schulpolitischer Flickenteppich

Die Lage ist verzwickt. Folgt man den Meinungsforschern, dann ist eine Mehrheit der Deutschen gegen die auf acht Jahre verkürzte Gymnasialzeit (G8). So kam Anfang 2013 das Institut Forsa zu dem Ergebnis, dass 72 Prozent der Eltern eine Rückkehr zum G9-Gymnasium wünschen. Von Elternverbänden wird diese Forderung damit begründet, dass der Lerndruck im G8 zu hoch sei und die Leistungen der Schüler...

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ndPlusHorst Diere

Doggerbank

Das Bild gehört zu den bekanntesten Aufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg. Es galt lange Zeit danach als ein Symbol für das Grauen und die Schrecknisse des Krieges auf See: ein auf der Seite liegendes, gekentertes Kriegsschiff, auf dessen Bordwand Männer verzweifelt nach Rettung Ausschau halten. Das Foto wurde vor hundert Jahren von einem britischen Schiff aus geschossen, am 24. Januar 1915 an der...

Axel Berger

Putsch der Schattenmänner

»Für Griechenlands Reiche geht die Party weiter«, titelte der »Focus« vor gut zweieinhalb Jahren. Mit welchen Mitteln diese Privilegien bisher im Zweifelsfall verteidigt wurden, verdeutlicht ein Blick auf den Militärputsch.

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ndPlusSteffen Schmidt

Große Themen brauchen viele Köpfe

Das Wort Bürgerbeteiligung hat etwas Paternalistisches. Sagt es doch implizit, dass der Bürger sonst draußen ist, wenn es um wichtige Entscheidungen geht. Das ist nicht nur in der Politik problematisch. Zunehmend kommt man auch im Wissenschaftsbetrieb zu der Einsicht, dass die, die mit ihren Steuern die Forschung bezahlen, auch irgendwie integriert werden müssten. Der dafür im englischen Sprach...

Iris Rapoport

Cortisol gegen Stress

Hektik, Überforderung, quälende Gedanken - irgendwann erlebt das wohl jeder. Stress zu bewältigen erfordert gebündelte Energie. Es ist das Cortisol, das in solchen Situationen aus dem Kanon aller Hormone hervortritt und unseren Stoffwechsel und selbst unser Verhalten dominiert. Doch für gewöhnlich wird Cortisol ganz regelmäßig als lebensnotwendiges Hormon in einem 24-Stunden-Rhytmus gebil...

Hans-Arthur Marsiske

Freier Flug für freie Bürger?

Fliegende Autos - in den technikgläubigen 1950er- und 1960er-Jahren waren sie noch selbstverständlicher Bestandteil vieler Zukunftsvisionen, sind aber mit gewachsenem ökologischen Bewusstsein heute merklich ins Hintertreffen geraten. So erscheinen die durch Hochhausschluchten sich drängenden Fahrzeugschwärme in Luc Bessons Science-Fiction-Groteske »Das fünfte Element« (1997) denn auch nicht ger...

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ndPlusSteffen Schmidt

Vergessene Vorteile der Aquakultur

Schon vor 2000 Jahren wurde in China eine Kombination von Nassreisanbau und Fischzucht betrieben. Während die Felder in der Wachstumsphase der Reispflanzen überflutet waren, lebten dort Karpfen von Algen, Unkraut, Insektenlarven und Schnecken. Kurz bevor die Felder zur Ernte trockengelegt wurden, fischte man die Karpfen ab. Diese relativ nachhaltige Form der Aquakultur wird nach Angaben der Wel...

Susanne Steffen

Thunfischzucht soll Sushi retten

Hundertfünfzig Millionen Yen hat der bislang teuerste Blauflossen-Thunfisch der Welt gekostet. Das ist eine Million Euro. Eine Fließband-Sushi-Kette hatte den 222 Kilogramm schweren Fisch bei der vorletzten Neujahrsauktion des Tokioter Fischmarkts erstanden. »Ich wollte meinen Kunden den besten Fisch bieten«, erklärte der Besitzer der Ladenkette auf die Frage, warum er den Rekordpreis ohne mit ...

Käfighaltung stresst auch Fische

Die Meere sind mancherorts fast leer gefischt. Während die marine Fischerei im Jahre 1950 etwa 17 Millionen Tonnen Fisch fing, sind es heute mehr als 80 Millionen Tonnen. Ist da die Aquakultur mit Zuchtfischen nicht eine willkommene Alternative? Das ist ein großer Irrtum. Um Fische in Aquakulturen halten zu können, brauchen sie Futter. In Europa und Nordamerika werden hauptsächlich Raubfi...

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Denkspiel- lösung

Am 10./11. Januar war beim Denkspiel nach der Zahl der erwachsenen Einwohner einer Kleinstadt gefragt: 1025.Die Aufgabenstellung war, da sie suggerierte, man könne die Anzahl der Frauen und Männer ganz einfach mal separat ermitteln, ein bisschen gemein. Aber die meisten Einsender hatten es gemerkt: Auszurechnen war einfach nur die Gesamtzahl. Einer der Lösungswege: F=Frauen, M=Männer49F/7+42M/6=71...

Bluffen ist nun für die Katz

Erstmals soll es ein Computerprogramm geben, gegen das kein Mensch beim Pokern eine Chance hat (zumindest in der Pokervariante Texas Hold'em). An der kanadischen Universität von Alberta seien als Beweis 60 Millionen Partien durchgespielt worden, schreibt das Wissenschaftsmagazin »Science« in seiner jüngsten Ausgabe. An dem Programm ist bereits seit 2003 gearbeitet worden. Die Zielvorgabe hieß: ein...

ndPlusMike Mlynar

Sein lassen oder kurz fassen!

Was wäre der Mensch ohne Telefon? Ein armes Luder. Was ist er aber mit Telefon? Ein armes Luder. Kurt Tucholsky Gerade geistert wieder die Vorratsdatenspeicherung um uns herum. Technisch kein Problem, betonen Experten. Um die bestehende grundgesetzliche Klippe zu umschiffen, brauche es nur ein bisschen mehr Druck, sagen Politiker. Das eine wie das andere mag ja stim...

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Robert B. Fishman

Eine Truhe voller Schätze

Moderne Kunst gedeiht in Mons auf ehemaligen Zechen und in verlassenen Fabriken: Stararchitekt Santiago Calatrava entwarf für die Europäische Kulturhauptstadt 2015 den neuen Bahnhof, Daniel Libeskind das neue Kongresszentrum.

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Michael Müller

Skanderbeg reitet wieder

Hier in Kosovo, also fast genau in der Mitte von Südosteuropa, scheint Petrus mit der in diesem Winter weithin angesagten Schneesperre etwas verpasst zu haben. Gipfel und Hänge des Sar-Gebirges, ganz im Landessüden, glänzen seit Wochen makellos weiß in der Sonne. Bis auf 2400 Meter hoch erstreckt sich das Skigebiet Brezovica. Ob seiner Schneesicherheit hatte man es 1984 zur Winterolympiade in S...

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ndPlusDanuta Schmidt

Eine kleine Selbstkorrektur

Das Kloster ist eine kaum bekannte Komfortzone. Hier lernen Leute aus dem ganzen Land, sich zu verständigen, also präzise zu kommunizieren, und auch: genauer zuzuhören. Social Media antik sozusagen.