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UNTEN LINKS

Auf den Rosenmontagswagen, auf dem dieses Jahr todesmutige Karnevalisten einen Jeck platzieren wollten, der »einen Buntstift in einen Gewehrlauf steckt, um die Meinungsfreiheit zu schützen«, verzichten wir nicht gern. Wäre er doch nicht nur ein gigantomanisches Fanal für die Meinungsfreiheit, sondern auch ein Triumph des schlechten Geschmacks gewesen, was der Weltöffentlichkeit eindrucksvoll gl...

ndPlusUwe Sattler

Auf der Suche

Europas etablierte Parteien-Linke schaut mit Überraschung und wohlwollendem Interesse auf die neuen Bewegungen in Europas Süden. Und bleibt beim Althergebrachten: Aus den Hauptstädten kommen Grußbotschaften.

ndPlusHeinz Krieger, Madrid

Madrid im Wind des Wandels

Zehntausende Anhänger der spanischen Linkspartei Podemos haben in Madrid gegen die Sparpolitik protestiert. »Ja, es ist möglich!«, riefen sie beim »Marsch für Veränderung«.

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Hexenjagd auf NGOs

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, bei ihrem Staatsbesuch in Ungarn am Montag für ein »Ende der Schikanen gegen zivilgesellschaftliche Gruppen« einzutreten, wie Selmin Çalışkan, Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, erklärte. In einem an diesem Montag veröffentlichten Bericht dokumentiert Amnesty das polit...

ndPlusSilviu Mihai, Budapest

Stippvisite beim Viktator

Knapp fünf Stunden wird Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag in Budapest weilen. Kritische Stimmen fordern ein Ende der Schonpolitik für Ungarns Premier Viktor »Viktator« Orbán.

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»Schilder hochhalten reicht nicht«

nd: Zehntausende Dresdner haben in den letzten Monaten Stimmung gegen Migranten gemacht. Wie gefährlich ist die Situation? Vincze: Die Leute haben mittlerweile Angst. Besonders jene, die muslimisch aussehen. Aber auch Menschen mit dunkler Hautfarbe. Frauen mit Kopftuch werden auf der Straße bespuckt, und das nicht nur montags. Pegida hat ein Ventil geschaffen, so dass Leute jetzt frei sagen k...

ndPlusFabian Köhler

Zum Beten in den Keller

Ist die islamfeindliche Bewegung Pegida am Ende? Selbst wenn: Der Hass auf Muslime gehört in Dresden längst zum Alltag. Ein Besuch bei Menschen, die zum Beten in den Keller gehen.

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Ein Mann des letzten Jahrtausends

Ältere fühlen sich durch die Wahl des neuen italienischen Staatspräsidenten plötzlich um Jahre zurück versetzt. Gegen Sergio Mattarella kann man eigentlich nichts Bösen sagen - aber viel Gutes fällt einem auch nicht ein.

Falsch gedacht

365 Jahre nach Ableben des französischen Philosophen hat die Nationalversammlung in Paris gesetzlich verankert, dass Tiere »mit Empfindsamkeit ausgestattete lebende Wesen sind«. Bislang wurden Tiere als »bewegliche Sache« betrachtet.

Alternative Altpartei

Ist die Alternative für Deutschland auf dem Weg zur Altpartei? Mit so entscheidenden Fragen wurde der Beobachter am Wochenende von den Altmedien gequält. Bei der AfD ist diese Fragerei eigentlich absurd.

Sarah Liebigt

Frau Buschkowsky

Eine Frau, die mit Heinz Buschkowsky seit rund 12 Jahren zusammenarbeitet, will und soll, nach Willen der SPD, seine Nachfolgerin im Neuköllner Rathaus werden. Der zum Frühjahr aus dem Amt scheidende Buschkowsky hatte den Berliner Bezirk südlich der Spree über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht. Franziska Giffey, 36, möchte in seine Fußstapfen treten. In den vergangenen Jahren war si...

Wundersame Geldvermehrung

Unser heutiger Bericht beleuchtet Gründe der Geldvermehrung durch die Europäische Zentralbank und Effekte auf die Finanzen, sozusagen die Auswirkungen von noch mehr Geld auf bisheriges Geld.

Matthias Dell

Die haben sich halt belegt

Wahrscheinlich soll es um die sogenannte Kälte in der Gesellschaft gehen, in der die Menschen, getrieben von den Verhältnissen (Kapitalismus), unmenschlich werden. Vielleicht auch um sogenannte Lebenslügen.

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ndPlusTom Strohschneider

Der Mann, der »die Rede« hielt

Dass der 8. Mai 1945 ein Tag der Befreiung war, galt in der alten Bundesrepublik nicht als selbstverständlich. Richard von Weizsäcker führte mit seiner Rede 1985 einen Prozess der Neubewertung herbei.

Reinhard Schwarz und Uwe Kalbe

Die Disziplinierung des Kegelklubs

Mit einer Satzung hat sich die »Alternative für Deutschland« in Bremen am Wochenende eine neue organisatorische Basis gegeben. Die Demonstranten vor den Türen stießen sich eher an den Inhalten der Partei.

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Atomfonds für Stromkonzerne

Berlin. Die beiden Vorsitzenden der Endlagerkommission, Ursula Heinen-Esser (CDU) und Michael Müller (SPD), machen sich für einen milliardenschweren Atommüllfonds stark. Darin sollten die Stromkonzerne ihre Rückstellungen für den Rückbau der Atomkraftwerke und die Endlagerung der nuklearen Abfälle übertragen. »Immerhin haben die Unternehmen mit Atomstrom viel Geld verdient, ihre privilegierten Rüc...

Von der Leyen unter Druck

Berlin. Koalitionspolitiker haben Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) aufgefordert, schnell über die Beschaffung von bewaffneten Drohnen für die Bundeswehr zu entscheiden. »Im letzten Jahr haben wir eine gesellschaftliche Debatte über die Notwendigkeit von bewaffnungsfähigen Drohnen geführt und uns klar für den Bedarf dieser Fähigkeit ausgesprochen«, sagte der verteidigungspolitisch...

Nahles will Mindestlohn überprüfen

Berlin. Im Koalitionsstreit um Veränderungen beim Mindestlohn signalisiert Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) Gesprächsbereitschaft. Sie werde bis zum Sommer dafür sorgen, einen ehrlichen Überblick zu bekommen, kündigte Nahles an. »Schwierige Punkte werde ich dabei nicht ausklammern«, sagte sie dem »Tagesspiegel«. Nahles habe bereits damit begonnen, Arbeitgeber und Gewerkschaften bestimmt...

ndPlusGesa Leesen, Stuttgart

Naivität ist weg, das große Ziel aber nicht

Stuttgart 21 wird gebaut, nichts scheint das noch ändern zu können. Doch die »Unentwegten« lassen sich nicht abbringen - von ihrem Protest und der Hoffnung, dass sie sich am Ende durchsetzen.

ndPlusRoland Böhm

Prellbock 049 ist noch im Dienst

Bei Stuttgart 21 ist einfach nichts normal. Fünf Jahre nach dem symbolischen Baustart heißt noch lange nicht, dass hier auch fünf Jahre konzentriert gebaut wurde. Zu viel ist seither passiert.

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ndPlusSamuel Stuhlpfarrer, Wien

Widerstand gegen Ball der Burschis

Mehr als 9000 Menschen gingen am Freitag in Wien auf die Straße, um gegen den »Akademikerball« zu demonstrieren. Die Bilanz: 54 Festnahmen und zehn Verletzte - auch "dank" des Eskalationskurses der Polizei.

Emran Feroz

Chaos auf dem Schachbrett

Die derzeitige Missordnung, die den Rücktritt des Präsidenten und des Premierministers mit sich brachte, droht Jemen in einen scheiternden Staat zu verwandeln. Dem Land droht weiterer Krieg.

Anna Maldini, Rom

Der Anständige

Am Samstag wurde Sergio Mattarella in Rom zum neuen italienischen Staatspräsidenten gewählt. Er tritt die Nachfolge des Mitte Januar aus Altersgründen zurückgetretenen Giorgio Napolitano an.

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»Troubles«: Der Nordirlandkonflikt

Der Nordirland-Konflikt beherrschte die britische Politik von 1969 bis 1998. Im Wesentlichen handelte es sich dabei um teilweise bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen zwischen den unionistischen (loyalistischen) Protestanten, die zu Großbritannien gehören möchten, und den irischstämmigen nationalistischen Katholiken, die die Vereinigung mit der Republik Irland anstreben. Rund 3500 Menschen sta...

Zweite Geisel des IS aus Japan tot

Tokio. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat auch ihre zweite japanische Geisel enthauptet. Zuvor hatte der IS im Internet ein Video von der Ermordung des Journalisten Kenji Goto veröffentlicht. Darin ist der 47-jährige Kriegsreporter Goto knieend in orangefarbener Kleidung zu sehen. Ein maskierter, mit einem Messer bewaffneter Mann steht neben der Geisel und macht die japanische Regie...

ndPlusEmran Feroz

Geschichten aus der Hölle

In Afghanistan wird weiter gefoltert. So wie das US-Militär auf seinem Stützpunkt Guantánamo weiter Menschen drangsaliert, praktizieren es auch ihre Verbündeten am Hindukusch im Lager Bagram.

Meike Stolp, London

Die Vergangenheit kehrt zurück

Im Rahmen des so genannten Boston-Projekts haben Historiker den Nordirlandkonflikt aufarbeiten wollen. Die Interviews mit früheren Untergrundkämpfern könnten nun der Polizei übergeben werden.

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Mann für alle Frauen

San Francisco. Als Miterfinder der Anti-Baby-Pille ist der Chemiker Carl Djerassi weltberühmt geworden. Der gebürtige Wiener starb am Samstag 91-jährig im kalifornischen San Francisco an Krebs. Er nannte sich selbst »intellektuell polygam«. Er machte sich auch als Kunstmäzen, Dramaturg, Autor und Erfinder des »Science-in-Fiction-Romans« über wissenschaftliche Themen einen Namen. Mit dem Titel s...

ndPlusDieter Hanisch, Kiel

Teurer Tunnel ins Nichts

Explodierende Kosten, Verzug bei der Hinterlandanbindung, zweifelhafte Verkehrsprognosen - die Gegner der geplanten festen Fehmarnbeltquerung bekommen in Deutschland Aufwind. Und die Kosten steigen auch noch.

Kontrolle anstatt Schutz

In dieser Woche verabschiedete das Bundeskabinett einen Gesetzesentwurf zum Schutz vor Menschenhandel. Ein Gesetz zum Schutz von Prostituierten wurde erst einmal verschoben - Kritik an den Entwürfen wird dennoch laut. Maria Wersig vom Deutschen Juristinnenbund im "nd"-Interview

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Horst Kahrs 
und Tom Strohschneider

Was tun

Haltungsnoten und Soli-Appelle sind zu wenig. Wenn das Reden vom historischen Fensterspalt ernst gemeint war, der durch den Wahlsieg von SYRIZA geöffnet wurde, muss die Linke hierzulande jetzt liefern.

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Andreas Fritsche

Als wäre nie etwas gewesen

Das Image des bösen Asylschrecks wird Karl-Heinz Schröter in linken Kreisen sicher noch lange anhaften. Seit er Innenminister ist, ist er in Flüchtlingsdiskussionen nie durch einen falschen Zungenschlag aufgefallen. Im Gegenteil!

ndPlusChristin Odoj

Streit um Umzug ins Köpenicker Containerdorf

Der ad hoc anberaumte Umzug von Flüchtlingen aus einer Unterkunft in Moabit stieß auf Widerstand - und ist Dank Protesten vorerst auf Eis gelegt. Lösungen sollen nun in Einzelgesprächen gefunden werden.

Kerstin Ewald

Hochzeit auf dem Oranienplatz

Im Haus der 28 Türen auf dem Oranienplatz fand am Wochenende eine besondere Zeremonie statt - die Hochzeit von Napuli Paul Langa. An jenem Ort also, an dem bis April 2014 das Protestcamp von Flüchtlingen stattfand.

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Ben Wagin, die Kunst und die Bäume

Grüner Daumen und die Mütze mit dem Ginkgoblatt: Ben Wagin, wie er leibt und lebt. Der Naturschützer, Aktionskünstler und Philosoph mit der leisen Stimme ist in Berlin bekannt wie ein bunter Hund. Seit Jahrzehnten macht der bald 85-Jährige, der die Bezeichnung Künstler nicht mag - weil das »jemand ist, der im Museum hängt« -, mit den verrücktesten Sachen Front gegen Konsumrausch und Naturzerstörun...

Zahl der Energiesperren gesunken

Stromsperren sind umstritten. Im vergangenen Jahr wurde rund 1200 Menschen weniger der Saft abgedreht. Piraten kritisieren, fehlende Berücksichtigung steigender Energiepreise in der Grundsicherung.

Steffi Bey

Stolperfallen erobern die Bühne

Eigene Erlebnisse nachspielen, gemeinsam improvisieren: Behinderte und Nichtbehinderte proben in Karlshorst gerade ein Bühnenstück, bei dem Barrierefreiheit im Mittelpunkt steht.

ndPlusAndreas Fritsche

Aktuelle Streitschrift aus alter Zeit

Das ist schon komisch. Da tritt der Wildpark Schorfheide als ein im Aufbau befindliches Projekt in Erscheinung. Dabei steht sein Eingangstor am Rande von Groß Schönebeck schon jahrelang für Besucher offen. Es verwundert, dass die Herausgeber Horst Mildner und Leonhard Resch ihren anderthalb Jahrzehnte alten Text über Jagd und Forstwirtschaft in der Schorfheide in einer Neuauflage beinahe unbear...

Andreas Fritsche

Willkommen und Abschied im Asyl

Einige Anwohner fürchten die Ankunft von bis zu 800 Flüchtlingen in einer alten Kaserne im brandenburgischen Doberlug-Kirchhain. Andere bedauern, dass die Menschen jeweils nicht länger als acht Wochen bleiben werden.

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Neustart mit der »Frankfurt 15«

Frankfurt am Main. Der spanische Künstler Samuel Salcedo betrachtet auf der am Sonnabend eröffneten Kunstmesse in Frankfurt am Main eine seiner Arbeiten. In der hessischen Bankenmetropole gab es zuletzt vor acht Jahren mit der »Art Frankfurt« eine Kunstmesse - dann war Schluss, obwohl es in der Stadt viele Sammler und Galerien sowie eine lebendige Kunstszene gibt. Nun versucht ein neues Team die L...

Reimar Paul, Göttingen

Brandbrief gegen Heim für Flüchtlinge

Die niedersächsische Stadt Göttingen will in dem in den vergangenen Jahren neu erschlossenen Wohn - und Wissenschaftsquartier »Zietenterrassen« eine Unterkunft für bis zu 180 Flüchtlinge errichten. Das Vorhaben ist heftig umstritten. Während eine Bürgerinitiative den Bau nach Möglichkeit verhindern will, bekunden viele andere Menschen sowie Kindergärten, Schulen und Sportvereine Unterstützung für ...

Volkssolidarität will Imagewechsel

Die Volkssolidarität muss sich dringend verjüngen. Altersbedingter Mitgliederschwund und das Image eines Seniorenvereins setzen dem großen ostdeutschen Wohlfahrtsverband zu.

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Zeitlos schön

»Wasserland. Impressionen aus Amazonien« heißt eine neue Ausstellung des Vereins Südost Europa Kultur e.V., die am 5. Februar in der Großbeerenstr. 88 um 18 Uhr eröffnet wird. Die Fotografien wurden vom bulgarischen Fotografen Roumen Koynov, Jahrgang 1964, in seiner Wahlheimat Brasilien aufgenommen. Die Fotos zeigen u. a. den alten Hafen von Manaus. »Es scheint, als würde die Zeit diesen Ort nicht...

Heimerziehung in Westdeutschland

Mehr als 800 000 Kinder und Jugendliche lebten in der Nachkriegszeit in westdeutschen Heimen. Als ihre schwierigen und bisweilen menschenunwürdigen Lebenssituationen an die Öffentlichkeit gelangten, empfahl der Bundestag, einen »Runden Tisch Heimerziehung« einzurichten. Dieser regte 2010 dazu an, für die Betroffenen einen Hilfsfonds einzurichten. Drei Jahre lang lang hatten ehemalige Heimkinder da...

Wim Wenders hoch erfreut

Wim Wenders (69) freut sich »wie Bolle« über den Berlinale-Ehrenbären. »Zuhause so geehrt zu werden, in der eigenen Stadt, das ist wunderbar, und da bin ich der Berlinale und dem Dieter Kosslick sehr dankbar«, sagte der Regisseur der »Welt am Sonntag«. Wenders ist zudem mit seinem Film »Das Salz der Erde« für den Oscar nominiert. Auf die Frage, ob dies der eine Preis sei, der ihm noch fehle, sagte...

Die DDR in Grau

Der Journalist Sergej Lochthofen bezeichnet sich selbst als »Mensch zwischen den Grenzen« oder auch »zwischen den Stühlen«. Als Deutscher lebte er unter Russen und als Russe unter Deutschen. In Workuta, im Angesicht der Wachtürme des Lagers, wurde er geboren, später in der DDR besuchte er eine sowjetische Schule, er studierte Kunst auf der Krim und arbeitete als Journalist in Erfurt, wo er im Janu...

Olaf Harning, Norderstedt

Ausgezeichnete Fehlplanung

Schon seit 2006 verleiht die Initiative Cycleride den »Pannenflicken« an jene, die sich nach Kräften mühen, den Radverkehr auszubremsen. 2014 kamen die Planer in Norderstedt bei Hamburg auf Platz 1.

ndPlusRobert Rescue

Wer ist gemeint?

An der Wand zwischen der Tür meines Nachbarn und meiner entdecke ich einen Zettel mit der Botschaft: »Hallo, mein Schatz. Bis gleich.« Ich bleibe verwundert stehen. Was soll das denn sein? Also was es bedeutet, leuchtet mir schon ein, doch warum es sich da befindet, so deutlich sichtbar, ist mir rätselhaft. Die Schrift ist lesbar, also hat es eine Frau geschrieben. Aber für wen ist die Botschaft g...

Jürgen Drewes, Rostock

»Ställe sind ihnen ein Gräuel«

Rostock. Die Rassegeflügelzüchter in Mecklenburg-Vorpommern sind enttäuscht. »Die Ausstellungssaison ist gelaufen. Doch außer Spesen nichts gewesen«, sagt der Vorsitzende des Landesverbandes der Rassegeflügelzüchter, Martin Piehl. Wegen der Beschränkungen zum Schutz vor der Vogelgrippe seien die meisten der bis Februar geplanten 80 Präsentationen ausgefallen. Seit dem ersten Ausbruch der Geflügelp...

ndPlusStefan Otto

Zwischen Dialog und Abrechnung

Erstmals verklagt ein ehemaliges Heimkind eine Einrichtung - die Brüdergemeinde Korntal in Baden-Württemberg - auf Schmerzensgeld in Millionenhöhe. Doch es gibt auch Gespräche mit Betroffenen.

ndPlusVolkmar Draeger

Wir sind Pabst

Sie könnte eine Institution im Wintergarten-Repertoire werden, die neue Show des Unterhaltungskunst-Gurus Markus Pabst. Den Schluss legt jedenfalls die Erstausgabe der geplanten Serie nahe. Dabei lief nicht alles nahtlos, wie man das vom heutigen Varieté kennt. Sollte es auch gar nicht, denn Pabst hat seine Vorbilder. Zuvörderst nennt er mit Alfred Biolek und »Bio’s Bahnhof« den unerreichten...

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Wolfgang Hübner

Mosekunds Montag

Nach einem Ausstellungsbesuch hatte Herr Mosekund das Bedürfnis in sich verspürt, selbst aufrüttelnde Gemälde zu schaffen. Er kaufte eine Staffelei samt Zubehör und entwarf wie im Rausch verstörende Abbilder seines inneren Selbst. Als er eine Reihe von Werken fertiggestellt hatte, hängte Herr Mosekund sie an die Wände seines Wohnzimmers und lud einige Freunde zu einer kleinen Vernissage ein. Die F...

Brücken bauen, wo Politik versagt

Bei der Eröffnung der 65. Berlinale am Donnerstag will sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters für die Freiheit der Kunst einsetzen. «Dass gerade Deutschland mit seiner Geschichte ein so politisches Festival hat, tut dem Land sehr gut.» Aus dem Iran war Kritik an der Berlinale-Teilnahme des neuen Films «Taxi» von Jafar Panahi gekommen - Panahi hat in seiner Heimat Berufsverbot. Grütters zitier...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Brecht oder Recht

Baal, der Dichter, ist eine Sau. Er besetzt Weiberteile und andere Wildnisse. Ein Kolonialist. Brecht schickt ihn in die schwarzen Wälder, Frank Castorf in den Dschungel Vietnams. Er inszenierte das Stück am Münchner Residenztheater (»nd« vom 22. Januar). Rückt Baal in die Nähe von Rimbaud und Verlaine, von Sartre und Coppola. Erzählt von der Sehnsucht, einer ekelhaft imperialen Welt zu entfliehen...

Stefan Amzoll

Sie bringt noch das Miese gut

Das Stück kam 1932 zur Uraufführung, am Berliner Metropoltheater, dem Vorläufer der Komischen Oper. Berry Kosky und seine Mitarbeiter haben das Stück aufpoliert und als Zwei-Personen-Stück virtuos auf eine Kammerbühne gebracht. Lohnt es, die Aufführung zu sehen? Je glanzloser, gewalttätiger die Zeiten, desto sprühender das Licht in den »Schmuckkammern« der Verhältnisse, den Schauspiel - und Opernb...

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Miss Marple

Die britische Schauspielerin Geraldine McEwan ist am Freitag gestorben. Bekannt wurde sie durch ihre Darstellung der »Miss Marple« in der Verfilmung von Agatha Christie's Krimi-Reihe. Die 1932 in Old Windsor, England, geborene Mime stand seit ihrem 14. Lebensjahr auf der Bühne. Sie debütierte 1946 am Theatre Royal in Windsor und spielte jahrelang am Shakespeare Memorial Theatre in Stratford-upon-A...

Humor-Kanone

Für seine Schilderungen zum »ganz normalen Irrsinn des Lebens« hat der Hamburger Schriftsteller Frank Schulz den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor erhalten. Schulz spiele meisterlich auf der Klaviatur des Komischen, sagte Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) am Samstag im Kasseler Rathaus. Die Auszeichnung ist mit 10 000 Euro dotiert. Die Laudatio las Schulz' Verlagschef Wolfga...

Debatten und Dramatik befördert

Der österreichische Schriftsteller Peter Handke ist am Sonntag in Kaiserslautern für sein Gesamtwerk mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis geehrt worden. Der 72-jährige Dramenautor habe mit seinen innovativen Stücken über Jahrzehnte die deutsche Bühnensprache geprägt, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) im Pfalztheater bei der Preisübergabe. Mit 10 000 Euro z...

Jan Freitag

Digitale Sittenkunde

Mit der Provokation in der Mediengesellschaft ist das so eine Sache. Betreibt man sie mit Stil, ruht darin ein aufklärerischer Keim. Betreibt man sie um ihrer selbst Willen, wird Provokation schnell mal zum aggressiven Akt. Wer wüsste das besser als Jan Böhmermann, dieser provokante Seiltänzer auf dem schmalen Grat zur Kriegserklärung.Auf Twitter hat der Moderator kurz vor seiner neuen Show im ZDF...

Hans-Dieter Schütt

Das Geheimnis unserer Atemzüge

Die Literaturnobelpreisträgerin von 2009 kommt uns aus ihrem Werk immer wieder als ungeretteter Mensch entgegen. Sie erzählt der Lektorin Angelika Klammer ihr Leben - und davon, dass das 20. Jahrhundert immer da ist.

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Jürgen Amendt

Vorwärts in die Vergangenheit

Früher galt der Bayerische Rundfunk als Haussender der CSU. Rudolf Mühlfenzl etwa, der von 1969 bis 1983 als Fernsehchefredakteur für das TV-Programm des Senders verantwortlich war, traf Programmentscheidungen gern nach parteipolitischen Kriterien, was im Falle Mühlfenzls, der 1965 der CSU beitrat, hieß: im Sinne der mit absoluter Mehrheit regierenden Christsozialen. Nach Mühlfenzl hat sich der Se...

Frei zur Anhörung

Die Länder ziehen Konsequenzen aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe, wonach der Einfluss der Parteien und des Staates auf die Gremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks begrenzt werden muss. Der Entwurf des überarbeiteten ZDF-Staatsvertrages mit weniger Einfluss der Politiker ist jetzt so weit, dass Verbände und andere dazu Stellung nehmen können. »Mit diesem Entwurf haben w...

ndPlusJan Freitag

Es ist so armselig

Die gute Nachricht der Woche vorweg in Zeiten, da gute Nachrichten rar gesät sind: Dank der Rückkehr von Bildblog hat die »Bild« sein externes Korrektorat zurück, das weniger die unfreiwillig dummen Fehler korrigiert als die bewusst bösartigen. Zweite gute Nachricht hinterher, weil damit ja längst noch nicht alles gut ist in der Realität: Das Dschungelcamp ist entvölkert und harrt im Jahr 2016 ein...

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ndPlusMax Zeising, Erfurt

Baggern für das große Geschäft

Passend zum Bau der neuen Multifunktionsarena sind die Erfurter mit einem 2:0 gegen Cottbus dem großen Fußballgeschäft auch auf dem Platz näher gekommen - es war der neunte Heimsieg beim elften Heimauftritt der Thüringer.

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ndPlusErik Eggers, Doha

Ende gut, alles gut

Guter Start, dann leichtes Nachlassen, am Ende aber noch ein wichtiger Sieg. Die deutschen Handballer haben Olympia im Blick.

In Fukushima soll die Uhr bald wieder ticken

In Fukushima soll wieder Normalität einkehren. Es wird die Rückkehr von Tausenden Bewohnern vorbereitet, auch von Sportlern - Japans Fußballer sollen sich in Fukushima auf die Olympischen Spiele 2020 vorbereiten.

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Rekordreise über den Pazifik

In mehr als sechs Tagen überquerten ein US-Amerikaner und ein Russe den Pazifik in einem Heliumballon. Mit ihrer Fahrt brachen sie zwei jahrzehntealte Rekorde.

Lawinen töten zwölf Menschen

Wien. Unter Lawinen sind 13 Skiläufer in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Spanien seit Freitag umgekommen. Auf zwei tödliche Unglücke im Schwarzwald folgten am Wochenende ähnliche Vorfälle in den Alpenländern, bei denen zehn Menschen starben.Bei Seewis im schweizerischen Kanton Graubünden starben am Samstag nach Angaben der Polizei fünf Skiwanderer. Sie gehörten demnach einer neunköpfigen ...

Fabian Erik Schlüter, Paris

Partys und ein gefallener Politstar

Eine Sexaffäre hat Dominique Strauss-Kahn die Kandidatur für das Präsidentenamt in Frankreich gekostet. In einem anderen Fall wird ihm jetzt organisierte Zuhälterei vorgeworfen.