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Schuldiger Sieger

Kremlchef Putin wird beschuldigt, Sieger des Minsker Gipfels gewesen zu sein. Als habe er seine Verhandlungspartner über den Tisch gezogen. Die waren zu dritt gegen einen und dürften das zurückweisen.

Gabriel genehmigt U-Boot-Deal mit Ägypten

Kiel. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat den Bau weiterer U-Boote für Ägypten durch die Kieler Werft ThyssenKrupp Marine Systems gebilligt. Er sehe keine Probleme bei diesem Rüstungsgeschäft, sonst hätte er nicht gerade die Herstellungsgenehmigung erteilt, sagte der SPD-Vorsitzende am Donnerstag in Kiel bei einem Besuch der Werft. Gabriel machte keine Angaben über die Zahl der Boote u...

Ukraine: Gefechte und Beteuerungen vor der Waffenruhe

Kiew. In der Ostukraine dauerte die Gewalt trotz der Unterzeichnung eines Friedensabkommens an. Binnen 24 Stunden seien mindestens 18 Menschen getötet worden, teilten Kiew und die Rebellen am Freitag mit. Vor Inkrafttreten der in Minsk vereinbarten Waffenruhe in der Nacht zum Sonntag lieferten sich Regierungstruppen und prorussische Separatisten weiter Gefechte um den Bahnknotenpunkt Debalzewo....

Dresden erinnert

Dresden. Mit mehreren Veranstaltungen wurde am Freitag in Dresden an die Zerstörung der Stadt vor 70 Jahren erinnert. Bereits vor dem offiziellen Gedenken in der Frauenkirche am späteren Nachmittag mit Bundespräsident Joachim Gauck und der anschließenden Menschenkette luden mehrere Initiativen zu Aktionen ein. So beteiligten sich an einem sogenannten Täterspuren-Mahngang zu Orten der Naziherrsc...

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Velten Schäfer

Dialektik der Pappnase

Ein gelinde überstrapaziertes Zitat besagt, in Deutschland könne die Revolution nicht stattfinden, weil sich Revolutionäre Bahnsteigkarten kauften, bevor sie einen Zug stürmten. Auch die Grünanlagen vor Regierungsgebäuden wurden als entscheidende Bastionen der Bourgeoisie erkannt, da deutsche Aufrührer nie unbefugt einen Rasen beträten.

ndPlusAert van Riel

Gute Waffen, böse Waffen

Sigmar Gabriel wird in der Rüstungsexportpolitik zunehmend unglaubwürdig. Einerseits betont er, dass strenge Richtlinien gelten sollten, andererseits genehmigt er auch umstrittene Geschäfte mit Ländern, in denen regelmäßig Menschenrechte verletzt werden.

ndPlusHermannus Pfeiffer

Spekulanten auf Rekordjagd

Der DAX konnte am Freitag Wirtschaftsgeschichte schreiben und erstmals die für Börsianer magische Marke von 11 000 Punkten überspringen. Nachdem der Plan für eine Waffenruhe in der Ukraine die Kurse befeuert hatte, halfen dem Aktienmarkt die erfreulichen Angaben zum Wirtschaftswachstum in Deutschland.

ndPlusOliver Eberhardt

Verbalterrorist

Baruch Marzel soll nicht bei den israelischen Parlamentswahlen am 17. März antreten dürfen. Der 1960 in den Vereinigten Staaten geborene ultrarechte Aktivist gilt als prominentester Vertreter der Kach-Bewegung.

Martin Leidenfrost

Trotziger Arbeiterstolz

Am 7. Februar 2014 begann in Tuzla die bosnische Winterrevolution. Ich war kurz darauf dort, wurde aber nur im Kreis herumgeschickt. Nun komme ich zum dritten Mal.

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Deutsche Botschaft in Sanaa geschlossen

Nach dem Umsturz in Jemen hat das Auswärtige Amt in Berlin alle Mitarbeiter aus dem arabischen Land abgezogen und die deutsche Botschaft in der Hauptstadt Sanaa geschlossen.

ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Probe auf den guten Willen

Minsk II brachte mit seiner 13-Punkte-Vereinbarung vom Freitagmorgen dem ostukrainischen Konfliktgebiet für das Wochenende neue Hoffnung. In der Nacht zu Sonntag soll ab 23 Uhr MEZ Waffenruhe herrschen.

Irina Wolkowa, Moskau

Lösung ohne NATO und USA

Russische Politiker und staatsnahe Medien feiern Kremlchef Wladimir Putin nach dem Gipfel in Minsk als Friedensfürsten. Abschlusserklärung und Waffenstillstandsabkommen hätten die Mär, wonach Russland der Aggressor ist, endgültig demontiert, freute sich der Vorsitzende des Duma-Ausschusses für Angelegenheiten der UdSSR-Nachfolgegemeinschaft GUS. Leonid Sluzki. Auch habe die Weltöffentlichkeit e...

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Jetzt auch in Tschad: Terror der Boko Haram

N’Djamena. Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram aus Nigeria hat erstmals ein Dorf im benachbarten Tschad angegriffen und dort etwa zehn Menschen getötet. Das berichtete der französische Radiosender RFI am Freitag. Die Angreifer seien in der Nacht mit drei Booten über den Tschad-See gekommen und hätten sofort die ersten Fischer getötet, die ihnen begegnet seien. Danach hätten sie im Dorf...

Sie kamen mitten in der Nacht

Vor über zehn Jahren hat José Palazon die Organisation Pro.De. in der spanischen Exklave Melilla gegründet, die sich dem Schutz unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge verschrieben hat. Mit José Palazon sprach Christina Palitzsch.

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ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Lautes Erinnern statt stilles Gedenken

Das Dresdner Gedenken blieb am 70. Jahrestag der Zerstörung unbeeinträchtigt von einem Aufmarsch der Nazis. Kritische Veranstaltungen traten dem Opfermythos entgegen und erinnerten an die Kriegsursachen.

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»Staatliche Zulagen helfen da kaum«

Elke Kahr ist Stadträtin für Wohnungsangelegenheiten in Graz. Am Donnerstag berichtete sie bei der Veranstaltungsreihe »Wohnen in der Krise« der Berliner Mietergemeinschaft über ihre Arbeit. Mit ihr sprach Peter Nowak.

DAX klettert auf Allzeithoch

Die Nachricht von der Waffenruhe in der Ostukraine, die Hoffnungen auf eine Einigung mit Griechenland im Schuldenstreit und gute Konjunkturdaten lassen die Börsianer jubeln.

ndPlusHermannus Pfeiffer

Kosmetik auf Erfolgskurs

Mit seinem Marketing verlängert der Kosmetik- und Konsumgüterhersteller und zeitweise teilverstaatlichte Hamburger Börsenliebling Beiersdorf die Zyklen für neue Produkte.

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Tobias Riegel

Auf Bärenjagd

Oliver Hirschbiegel wird für »Elser« keinen Bären erhalten. Der Film lief im merkwürdigen, hier schon thematisierten Konstrukt, das da heißt: »Im Wettbewerb außer Konkurrenz«. Das Biopic des Hitler-Attentäters hätte aber auch keine goldene Statuette verdient - obwohl es angesichts früherer Hirschbiegel-Nazi-Werke wie »Der Untergang« positiv überraschte (Rezension folgt). Einen weniger positiven...

ndPlusCaroline M. Buck

Fischfänger und Menschenfischer

Für die Liebhaber des etwas anderen Films ist das Forum trotz aller Gleichschaltung der Sektionen unter Berlinale-Chef Kosslick noch immer eine lohnende Adresse. Wo sonst als in dieser Wundertüte überraschender Filmerfahrungen fände man eine dramatisierte Adaption von Kafkas »Das Schloss« auf Mongolisch (»K« von Emyr ap Richard & Darhad Erdenibulag) neben einem zweistündigen dokumentarischen Exper...

ndPlusGunnar Decker

Geschichte einer Frau

Die Kamera schwenkt langsam über die verschneite Berglandschaft Albaniens. Hier lebt das Mädchen Hana in einem abgeschiedenen Dorf. Das Leben der Frauen ist vorbestimmt als willenlose Dienerinnen der Männer.

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Ideologie in DDR-Comics

Der Einfluss von Politik auf Comics in der DDR ist ab 24. Februar Thema einer neuen Ausstellung in der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Präsentiert werden mehrere Exemplare der Zeitschriften »Mosaik« und »Atze« aus dem Zeitraum von 1955 bis 1990. Beleuchtet werden soll die Vermittlung von früherer und neuerer Geschichte in den Comics. Beide Zeitschriften hätten jeweils spezifische Au...

D. Grossman boykottiert Israel-Preis

Nach einer Kontroverse um seine Einmischung in den Israel-Preis will Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sein Veto gegen Anwärter der Preisjury zurückziehen. Das berichteten israelische Medien am Freitag mit Berufung auf das Büro des Ministerpräsidenten.Zuvor hatte der Schriftsteller David Grossman verkündet, nicht mehr für den Preis zu kandidieren. Damit protestierte er gegen Netanjahus Einfluss...

Shades of Grey

Es gehört zu den unvermeidlichen Begleiterscheinung der heutigen Zeit, dass gewöhnliche Erscheinungen der Kultur von der Werbewirtschaft mit angeblich ungewöhnlichen Begebenheiten verknüpft werden, um das Banale zum Ereignis zu erheben.

Hans-Dieter Schütt

Viel Pressluft

Die Eiswürfel: aus Kunststoff. Die Träume: aus Lügenstoff. Und die Liebe ist überhaupt nur - aus. In Christa Wolfs Erzählung »Der geteilte Himmel« (1963) zerbricht ein Paar an der Weltentrennung.

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Frank Hellmann

Teure Freude für 60 000 Angestellte

Volkswagen baut nicht nur Autos, sondern auch an erfolgreichem Spitzenfußball. Das führt zu teuren Transfers. Die Rechtfertigungen für Millioneninvestitionen in Wolfsburg gefallen nicht jedem.

Kurznachrichten:

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Christiana Mansfeld und
 Emanuel Reinke, Heerenveen

Nicht von ungefähr

Patrick Beckert hat nach dem bislang wohl besten Rennen seiner Karriere WM-Bronze über 10 000 m gewonnen. Der Erfurter hat sich weiterentwickelt - und träumt vom Olympiapodest in drei Jahren.

ndPlusElisabeth Schlammerl, 
Beaver Creek

Vom elften Rang zu Silber

Dass Viktoria Rebensburg im Riesenslalom Silber gewinnen würde, war nach Vorgeschichte und erstem Durchgang nicht zu erwarten.

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Martin Kröger

Private zahlen das Event nicht

Bei Olympischen Sommerspielen geht es um Geld - viel Geld. Manche sehen ein großes Plus auf Berlin zukommen, manche sehen eher ein Milliardengrab entstehen. Seriöse Berechnungen zu den Spielen sucht man allerdings oft vergebens.

ndPlusMartin Kröger

Sie wollen nicht spielen

Eine Stinkbombe, laute Zwischenrufe und sogar eine Rangelei. Die Werbewochen für Olympia erlebten bei einer Veranstaltung in Mitte/Berlin mit 250 Teilnehmern einen kontroversen Höhepunkt.

Olympia sollte nach Griechenland zurück

Sie sind offiziell als Dopingopfer anerkannt. Wie geht es Ihnen?Relativ gut. Als Dopingopfer bezeichne ich mich aber ungern, da ich die Opferrolle nicht erfüllen will. Ich sage lieber Dopinggeschädigter.Sind Sie noch im Dopingopfer-Hilfeverein?Nein. Ich bin vor mehr als einem Jahr ausgetreten. Vereine sind nichts für mich. Ich war schon im Sport immer ein Einzelkämpfer. Außerdem hörte ich mir dort...

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ndPlusBernd Kammer

Ideen für die Mitte gesucht

Das Rote Rathaus zugebaut, hübsche Bürgerhäuser auf historischem Stadtgrundriss davor und das Luther-Denkmal in der Mitte: So stellt sich die Gesellschaft Historisches Berlin die historische Mitte Berlins vor.

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ndPlusFranziska Höhnl, Leipzig

Seismografen am Katzentisch

Auf den ersten Blick sieht die Welt der deutschsprachigen Kinder- und Jugendtheater rosig aus: Eine überdurchschnittliche Auslastung bescheinigt ihnen die Statistik. Kulturpolitiker schätzen sie als wichtige Bildungsorte. Doch die Szene beklagt, sie sitze trotzdem am Katzentisch - in der öffentlichen Wahrnehmung und bei der Finanzierung. »Nach wie vor gilt, dass Theater für Kinder und Jugendliche ...

Im Klub der weisen Leute

Nach der akademischen Karriere ist man bei Rotary oder Lions aktiv oder hütet die Enkel. Warum gründen Sie in Magdeburg dieses Professoren-Kollegium namens emerito?Weil in Zeiten, in denen über fehlende qualifizierte Arbeitskräfte gebarmt wird, Professoren mit 65 gehen müssen. In den USA wäre das ein Fall von Altersdiskriminierung! Wir haben ja nicht nur einen Beruf, sondern fühlen uns auf unserem...

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Keine Sühne für Pastor

Bremen. Gegen den umstrittenen Bremer Pastor Olaf Latzel (47) soll kein Disziplinarverfahren eingeleitet werden. Das sei kein geeigneter und juristisch auch kein möglicher Weg, um mit kritikwürdigen theologischen Aussagen umzugehen, sagte am Freitag der theologische Repräsentant der Bremischen Evangelischen Kirche, Renke Brahms. Der streng konservative Pastor Latzel hatte im Januar in einer Predig...

Zurück zu den Erben Rudolf Mosses

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat acht Kunstwerke an die Erben des einstigen jüdischen Berliner Verlegers Rudolf Mosse (1843-1920) zurückgegeben. Bei den Stücken handelt es sich um fünf Skulpturen und drei archäologische Objekte, wie die Stiftung in Berlin mitteilte. Als Leihgaben bleiben die Werke jedoch vorerst allesamt den Sammlungen verschiedener Berliner Museen erhalten. Die Nationals...

Kairos-Preis für Architekten des Respekts

Der bereits vielfach ausgezeichnete Berliner Architekt Eike Roswag erhält den mit 75 000 Euro dotierten Kairos-Preis der Hamburger Alfred Toepfer Stiftung. Roswag setze auf leise Gesten. Seine Bauten seien »keine schillernden Solitäre, sondern beruhen auf Respekt vor zukünftigen Nutzern und der Erfahrung örtlich ansässiger Handwerker«, begründete das Kuratorium am Donnerstag die Wahl. Als Speziali...

Mehr Helfer für Gehörlose gesucht

Halle. Gesetze zur Antidiskriminierung und Inklusion haben möglicherweise das Bewusstsein der Gesellschaft geschärft: Gebärdensprachdolmetscher in Sachsen-Anhalt erleben in jüngsten Jahren eine Veränderung bei ihren Auftraggebern. Vereine, Initiativen und Veranstalter bemühten sich zunehmend um »Barrierefreiheit« für Hörgeschädigte und gehörlose Menschen, berichtete der Berufsverband der Gebärdens...

Olaf Harning

Fehlende Daten als Beweis

Evangelische und katholische Schüler nehmen am Religionsunterricht teil, alle anderen nur auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern. Das ist die Rechtslage in Schleswig-Holstein. Die Praxis ist es nicht.

ndPlusGrit Büttner, Kaltenhof

Lichtblicke mit Lampenputzer Krabbe

Sie strahlen rot, grün oder grellweiß. Auf der Ostseeinsel Poel hat ein Ingenieur Hunderte historische Schiffslaternen zusammengetragen. Doch die Zukunft der Sammlung sieht eher düster aus.

ndPlusVolkmar Draeger

Poetisches Verschwinden

Dies ist keine gewöhnliche Ausstellung, bei der Fotos zu einem oder mehreren Themen die Wand füllen. Boris Eldagsen hat den ganzen Raum in seine Inszenierung einbezogen. Für den langen, PhotoWerkBerlin genannten Projektraum zu Erden der Kommunalen Galerie ist entstanden, was Teil in einem laufenden Prozess bleibt. Dass Eldagsen für »how to disappear completely / THE POEMS« 2013 den Prix Voies Off ...

ndPlusGina Reimann

Neues von Klaus Von Barrel

Yorkshire, Nordengland, Dezember 2010. Es schneit. Die Straßen sind vereist, als sich Kat Day und Nicholas Wood zum ersten Mal begegnen. Ein paar Bands spielen in einer besetzter Fabrikhalle in Leeds. Leeds, das ist neben Manchester, Liverpool und London eine der bedeutendsten Musikstädte in ganz England. Bands wie Soft Cell, Pale Saints und The Sisters of Mercy haben ihren Ursprung in der 480 ...

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Die britische Hauptstadt: Ein Häuptling ohne Indianer

In der DDR, Ostdeutsche erinnern sich, war die Hauptstadt ein Fall für sich. Der bevorzugte Liebling. Besseres Bier, mehr Obst, manchmal sogar Bananen. Berlins Beliebtheit »im Land« war dementsprechend. Mit London verhält sich’s ähnlich. Die Hauptstadt entwickelt sich zu einem Häuptling ohne Indianer. Sie koppelt sich ab, führt ein Eigenleben, während Schottland und Wales, aber auch Englands...

ndPlusReiner Oschmann

Londoner Luxus

Der Haupteingang zu dem »Weltrekordgebäude« liegt in Knightsbridge, dicht am Hyde Park, fußläufig zur U-Bahn und ebenso bequem zu Harrods, einem der edelsten aller Nobelkaufhäuser. Das Foyer ist hoch, gläsern und könnte zu einem feinen Hotel gehören, und der offizielle Gebäudename »One Hyde Park« ist nicht an der Fassade, sondern ebenfalls im Foyer angebracht, an einer schwarzen Marmorwand, übe...

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Hendrik Lasch

Unkrautbekämpfung im Sitzen

Er blockierte eine Kreuzung in Dresden um einen Nazi-Marsch zu verhindern. Nun steht ein LINKEN-Politiker vor Gericht. Seine Popularität will er nutzen anderen Verurteilten zu helfen und den sächsischen Irrsinn zu beenden.

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Rote Eminenzen

Kardinal ist ein Ehrentitel in der römisch-katholischen Kirche, der ausschließlich vom Papst in dessen völliger Freiheit und Unabhängigkeit verliehen wird. Kardinäle sind nach dem Papst die höchsten Würdenträger der Kirche und bis zum Erreichen des 80. Lebensjahres stimmberechtigt im Konklave zur Wahl eines neuen Papstes. Zusammen mit den Berufungen an diesem Sonnabend sind jetzt insgesamt 125 ...

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Florian Schmid

Die utopische Pirateninsel

Schon der römische Philosoph und Politiker Cicero bezeichnete den Piraten als »communis hostis omnium«, den gemeinsamen Feind aller. Das bestätigt ein Blick auf die Mitgliedsstaaten der »Kontaktgruppe zur Piraterie vor der Küste Somalias« mit 62 Staaten und 21 supranationalen Organisationen. Neben arabischer Liga und NATO kämpfen Russland, EU und Bahamas einträchtig gegen somalische Piraten, di...

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ndPlusStefan Ripplinger

Sei keine Schnecke!

Wer hätte es gedacht: Bildung kann leicht auf die schiefe Bahn führen und birgt große Risiken für das eigene Portemonnaie. Nur Kinder zu haben, birgt ein noch höheres Armutsrisiko als Bildung.

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Experiment am lebenden Objekt

Reformen kennen Schüler wohl am Besten. Es gibt wohl kaum einen Bereich in dem mehr reformiert wird als an den Schulen. Doch häufig sind die theoretischen Ideen weit entfernt von der Realität - wie beispielsweise in Berlin.

Lena Tietgen

Berliner Bildungsdilemma

Die Politik von Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) stand schon zu Beginn ihrer Amtszeit unter keinem guten Stern. Vielen Akteuren der Bildungsszene erschien die Diplompädagogin, die weder über Lehrerfahrung noch über ausreichend Kenntnisse des Bildungsbetriebs verfügt, als Fehlbesetzung. Auch knapp dreieinhalb Jahre später wird ihr kein gutes Zeugnis ausgeschrieben. Die Umwandlung ...

ndPlusMichael Schulze von Glaßer

Bombenstimmung im Forschungslabor

Seit sechs Jahren gibt es nun schon eine bundesweite Bewegung gegen Militärforschung an Hochschulen. Mitte Januar trafen sich in Berlin rund 60 Aktive, die an ihren 26 Universitäten für so genannte »Zivilklauseln« streiten. Die Studierenden und Uni-Mitarbeiter wollen mit den Klauseln in den Grundordnungen der Bildungseinrichtungen Rüstungsforschung Einhalt gewähren. »Es waren auch viele neue Le...

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ndPlusDaniela Fuchs

Eine fast vergessene Folterhölle

Die etwa 950 Gefangenen des Zuchthauses Sonnenburg in der Nähe Küstrins bangten um ihr Leben. Sie hofften inständig auf baldige Befreiung. Die Artillerie der Roten Armee war am 30. Januar 1945 schon zu hören. Und doch sollten die folgende Nacht 819 Häftlinge nicht überleben. Gauleiter Emil Stürtz hatte angesichts der nahenden Roten Armee den Befehl zur Evakuierung des Zuchthauses gegeben. Der f...

Karlen Vesper

Die Blutspur der Mörder

Griechenvolk, Königsvolk, verzweifeltes Volk« dichtete Paul Éluard am 9. Dezember 1944, »Du hast nichts mehr zu verlieren als die Freiheit, als die Liebe zur Freiheit, zur Gerechtigkeit und die unendliche Achtung vor dir selbst.« Der französische Lyriker und Résistancekämpfer sah die noch frischen Spuren deutscher Mordorgien in Hellas, erblickte den »Tod ohne Mitleid«. Ergriffen besang er ein »...

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Kai Althoetmar

Zwei Feinde fürs Leben

Als 1995 in den USA im Yellowstone-Nationalpark nach 60 Jahren wieder Wölfe angesiedelt wurden, galt das als großer Artenschutzerfolg. Die Rudel dezimierten flugs die Wapitihirsch-Population, den dortigen Erzfeind junger Bäume, und hielten den Grizzlys damit Konkurrenz bei der Beeren-Ernte vom Leib. Zudem lockten sie indirekt Biber in den Park, denn die fanden jetzt junge Bäume als Nahrung und ...

ndPlusMartin Koch

Von Afrika ins »Abendland«

Die Evolution des Menschen zu erforschen, ist zwar reizvoll, aber oft auch enttäuschend. Denn viele Erkenntnisse, die auf diesem Gebiet bereits als gesichert galten, mussten aufgrund neuer Entdeckungen in den letzten Jahrzehnten wieder verworfen werden. Dessen ungeachtet waren nicht wenige Paläoanthropologen in den 1990er Jahren der Ansicht, dass sie die Herkunft und Ausbreitung des Homo sapien...

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ndPlusSteffen Schmidt

Alles in Tüten

In den frühen 1970er Jahren tauchte in wissenschaftlichen Veröffentlichungen über die Ozeane ein neues Phänomen auf: Plastikmüll. Inzwischen findet man Rückstände von Kunststoffen in allen Meeren, vom Nordpol bis zum Südpol, am Strand ebenso wie auf hoher See. Die Dimensionen des Problems lassen sich inzwischen nicht nur an verschmutzten Stränden besichtigen. Riesige Mengen solchen Mülls finden...

Marko Ferst

Eldorado für Schwefelbakterien?

Alles Leben hängt von den Ozeanen ab, dort entstanden vor 3,4 Milliarden Jahren seine Urformen. Die Meere umfassen 90 Prozent der Lebensräume auf der Erde. Intuitiv könnten wir wissen, wenn wir die Lebensadern in den Ozeanen kappen, wird das nicht nur dort einschneidende Konsequenzen haben. So nimmt uns Mojib Latif mit auf den Weg, um zu sensibilisieren für die Naturschätze, die sich unter der ...

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Karsten-Thilo Raab

Als ein bayerischer Prinz die Hellenen regierte

Obwohl Nauplia die wohl deutscheste Stadt in Griechenland ist und als erste Hauptstadt in die Geschichte des modernen Griechenlands einging, kennt kaum jemand das malerische 14 000-Seelen-Nest am Argolischen Golf.

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ndPlusGabi Kotlenko

Und der Narr läutet die Glocken

Katharina Rohrbach weiß, was die Glocke geschlagen hat. Zumindest die im Zytgloggenturm der Schweizer Hauptstadt Bern. Auch für technische Laien verständlich vergleicht die Berner Stadtführerin den Gang des komplizierten Uhrwerks mit dem einer Kuckucksuhr. Zuletzt ist sich jeder sicher, das Monstrum im Zytgloggenturm im Notfall auch selbst reparieren zu können. Uhren sind Zeichen der Zeit...