Seite 1

UNTEN LINKS

Die Gewinnung und Ausbildung von fähigem Nachwuchs ist keine einfache Sache. Das weiß man in der Politik ebenso wie im Handwerk, im Sport wie im Organisierten Verbrechen, im Kirchenchor wie im Häkelverein. Am besten startet man, wenn man Menschen begeistern will, »eine breit angelegte Innovationsoffensive«. Schließlich lassen sich damit »neue Zielgruppen und Verwendungsanlässe« erschließen. Mög...

Irrsinniges Feindbild

Es ist ein Aberwitz der Geschichte: Kuba auf der Terrorliste der USA. Fraglos hat die kubanische Regierung Befreiungsbewegungen von Angola bis Mosambik militärisch unterstützt und für Maurice Bishop in Grenada den ersten Flughafen der Insel gebaut - mit Terror hatte das freilich nichts zu tun.

Obama will Kuba von Terrorliste streichen

Panama-Stadt. Die US-Regierung will Kuba von der Liste der Terrorunterstützer streichen. Dies habe das US-Außenministerium nach einer mehrmonatigen Prüfung empfohlen, erklärte der demokratische US-Senator Ben Cardin am Donnerstag in Washington. Auf der US-Terrorliste stehen neben Kuba Iran, Syrien und Sudan. Die Streichung von der Liste gilt als Voraussetzung dafür, dass fünf Jahrzehnte nach dem A...

SYRIZA holt 4000 Beamte zurück

Athen. Das griechische Parlament hat mit Beratungen über die Wiedereinstellung von rund 4000 Beamten begonnen, die im Zuge der Sparmaßnahmen der vergangenen Krisenjahre entlassen worden waren. Das Gesetz mit dem Titel »Demokratisierung des öffentlichen Dienstes«, mit dem sich die Abgeordneten in Athen erstmals am Donnerstag beschäftigten, sei »die erste Etappe unserer Eingriffe im öffentlichen Die...

Der Schwur von Buchenwald

Weimar. Jorge Semprun, der 2011 verstorbene große spanische Schriftsteller, hat nicht Recht behalten. In seiner bewegenden Rede zum 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald vor zehn Jahren hatte der einstige Häftling auf dem Ettersberg bei Weimar erklärt, dass beim nächsten Jubiläum außer den 900 befreiten jüdischen Kindern keine Zeitzeugen des faschistischen Mordens mehr le...

ndPlusFabian Lambeck

Besetzer im Willy-Brandt-Haus

Während Flüchtlingsaktivisten am Freitag zwei SPD-Zentralen besetzten, diskutierte die Koalition über die Kosten der Unterbringung von Asylbewerbern.

Seite 2

Gesetz und Besetzer

Die Besetzungen der SPD-Parteizentralen in Berlin und Magdeburg hatten ein Ziel: Sie sollten einen Gesetzentwurf ins Licht der Öffentlichkeit rücken, der bislang in den großen Medien kaum diskutiert wurde.

ndPlusStephan Fischer

Propaganda-Opfer

Nachdem der erste Schock überwunden war, übernahm sofort die Journalistin in ihr wieder die Kontrolle: Wie oft bekommt man die Chance, bei einer Hausdurchsuchung der Polizei wegen »Propaganda für eine Terrororganisation« dabei zu sein? Der kurze Schock der niederländischen Journalistin Fréderike Geerdink rührte daher, dass es sich dabei um ihre eigene Wohnung handelte, die von türkischen Polizi...

»Ciao« in Linie 31N

Der Anblick der afrikanischen Männer ist mir vertraut. So wie ich sie nun in der sizilianischen Hafenstadt Trapani sehe, sah ich sie seinerzeit in der marokkanischen Hafenstadt Tanger: Im Frühling vor ausgeschalteten Springbrunnen versammelt, knöpfen sie ihre Winterjacken zu, während ich soviel Haut wie möglich in die Sonne halte. Was ich nun in Sizilien sehe, ist die Auslese junger Afrikaner, ...

Seite 3

Durchmarsch der Wirtschaftslobby

Die Gründung der Asiatischen Infrastruktur-Investmentbank (AIIB) mit Sitz in Peking stellt sich als diplomatisches Desaster für die USA heraus. Obwohl sie auf allen Kanälen versucht haben, ihre engsten Verbündeten davon abzuhalten, als Gründungsmitglieder zu fungieren, ist spätestens mit dem Eintritt Großbritanniens im März der Damm gebrochen. Mehr als 40 Staaten unterstützen die Initiative mit...

Seite 4
Katja Eichholz

Ahnungslos in Magdeburg

Microsoft soll die Schulen in Sachsen-Anhalt vernetzen. Doch die Verantwortlichen wissen nichts von entsprechenden Plänen des Finanzministers. Hinzu kommt die Angst vor einem möglichen Datenzugriff durch die NSA.

Hendrik Lasch

Eine Tour für ein herzliches Willkommen

Die LINKE will weg von Debatten und hin zur Basis. Deswegen werden in den kommenden Wochen Zuwanderer und Helfer im Freistaat Sachsen besucht. Die Fraktion erhofft sich so einen Überblick über Probleme.

Hagen Jung

Historischer Brandbeschleuniger

Tröglitz - dort, wo vor einer Woche vermutlich Nazis ein für Flüchtlinge vorbereitetes Haus in Brand setzten, haben vor 70 Jahren rund 1000 Menschen den Tod gefunden: Es gab dort eine KZ-Außenstelle.

Seite 5

PKK bedauert Aktionen in Deutschland

Berlin. Der operative Führer der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, Cemil Bayik, hat Deutschland für das aggressive Verhalten seiner Organisation in den 1990er Jahren um Entschuldigung gebeten. Damals hatte die PKK mit Autobahn-Blockaden und Selbstverbrennungen Schlagzeilen gemacht. »Ich möchte mich im Namen der PKK beim deutschen Volk entschuldigen. So etwas wird nie wieder passieren«, ver...

ndPlusVelten Schäfer

Schutz der Bürger, Schutz der Polizei?

Ist es sinnvoll, Polizisten mit kleinen Kameras auszustatten, um Einsätze zu dokumentieren? Was in den USA Bürgerrechtler fordern, ist in Deutschland eher der Polizeilobby sympathisch.

ndPlusUwe Sievers

Mittelalter trifft Zukunft

Während der Sender TV5 Monde damit beschäftigt ist, die Folgen des IS-Hackerangriffs vom Donnerstag in den Griff zu bekommen, ist eine Debatte um Hintergründe und Vorkehrungen entbrannt.

Seite 6
Karin Leukefeld

Nichteinmischung oder bewaffnetes Eingreifen

Der Einmarsch der Terrormiliz »Islamischer Staat« in das palästinensische Flüchtlingslager Jarmuk im Süden von Damaskus stellt die Einheit der Palästinenser erneut auf eine harte Probe.

Wir reden mit Obama, nicht mit Marionetten

Auf der einen Seite verhandelt die kubanische Regierung mit dem früheren Erzfeind USA, warum kann sie nicht auch mit Teilen der Opposition sprechen? Das sind zwei grundverschiedene Dinge. Der Dialog mit den USA, der von der kubanischen Bevölkerung begrüßt wird, stützt sich auf gegenseitigen Respekt, die Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten und die Respektierung internationalen Rech...

Seite 7

Noch enger gegen Russland

Oslo. Fünf nordeuropäische Länder verstärken ihre militärische Zusammenarbeit, weil sie sich von der russischen Außenpolitik bedroht fühlen. Die Kooperation soll unter anderem gemeinsame Manöver mit NATO-Streitkräften umfassen. Das kündigten die Außen- bzw. Verteidigungsminister von Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland und Island am Freitag in einem gemeinsamen Beitrag in der norwegischen Tagesz...

ndPlusAnke Stefan, Athen

Planspiele unter Partnern

Die EU atmet auf: Ihr Enfant Terrible hat in Moskau weder um russische Kredite gebeten noch ein Veto bei Sanktionen in Aussicht gestellt. Das ist nicht verwunderlich - Tsipras hatte davon nie gesprochen.

Seite 8

Niedersachsen legt Castorbehälter an die Kette

Hannover. In Niedersachsen dürfen 58 Castorbehälter mit radioaktivem Müll vorerst nicht mehr bewegt werden. Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) begründete das am Freitag mit der mangelhaften Dokumentation der Qualitätsprüfungen für die Tragzapfen, die an den vier Ecken der Container angebracht sind. Sein auch für die Atomaufsicht zuständiges Ministerium will entsprechende Genehmigungen erst er...

ndPlusCarin Schomann

Lausitzer wehren sich gegen Kupferbergbau

Eine Tiefbohrung und drohendes Fracking stören den Frieden an der Neiße. Ein Kupferunternehmen und die örtlichen Behörden konnten die erheblichen Bedenken der Öffentlichkeit nicht zerstreuen.

Hermannus Pfeiffer

Über den Hinterhof zum Juniorpartner

Der Rohstoffboom hat Lateinamerika einen Aufschwung beschert. Der Aufstieg Millionen Latinos in die untere Mittelklasse kurbelte die Konsumnachfrage an. Aber nach dem Amerika-Gipfel könnte es wieder anders aussehen.

Seite 9

Politisch werden

Der Intendant des Hamburger Thalia Theaters, Joachim Lux, hat für die kommende Saison einen »dezidiert politischen« Spielplan angekündigt. Es gehe um politische Systeme, soziale Ungleichheit und die Flüchtlingsproblematik, sagte Lux. Er warnte vor weiteren Sparauflagen, versuche aber, »auf die Kreativität der Politik« zu vertrauen, erklärte Lux. Das Thalia sei das mit Abstand am schlechtesten fina...

Banksy konfisziert

Die Polizei in Gaza hat eine Tür konfisziert, auf die der Street-Art-Künstler Banksy ein Kunstwerk aufgemalt haben soll. »Eine Polizeieinheit kam zu mir nach Hause und nahm die Tür mit der Banksy-Malerei mit«, sagte Bilal Chaled, ein 24-Jähriger Künstler aus Chan Junis. Im Februar waren im Gazastreifen Straßenkunstwerke aufgetaucht, die von Banksy stammen sollen. Eines der Bilder zeigte die griech...

ndPlusKatharina Dockhorn

Manchmal auch mit rollendem »R«

Max Färberböck hasst Schusswaffen. »Mit jedem Schuss werden mindestens zwei Leben belastet«, denkt der Regisseur. Für einen Krimi ist er mit seiner Vorliebe für die friedliche Lösung von Konflikten vielleicht nicht der richtige Mann. Oder doch? Färberböck hat seine Abneigung auf Paula Ringelhahn übertragen, die im Nürnberger »Tatort« ermittelt. Die Kommissarin schleppt eine schwere Hypothek mit si...

ndPlusGuido Speckmann

Apologie des Marktliberalismus

Der Wirtschaftsredakteur der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (FAZ), Rainer Hank, fühlte sich einst im links-alternativen Milieu der 1970er Jahre wohl. Dann wurde er ein Marktradikaler. Jetzt legte er ein Konvertitenbuch vor.

Seite 10

Ernst Näher

Ja, liebe Leserinnen und Leser, Sie haben richtig gelesen: Der Mann auf dem Bild ist Ernst Näher. Die Älteren unter uns werden sich noch an ihn erinnern, allerdings mit einem anderen Familiennamen - Neger - in Verbindung bringen. Ernst Neger war von den 1950er bis 1970er Jahren einer der Stars der Mainzer Fastnacht. Wenn er auf der Mainzer Fastnachtsitzung sein »Heile, Heile Gänsje« anstimmte und ...

Sabine Neubert

«Auf der anderen Seite das gleichgültige Mittelmeer»

Bücher haben ihre Schicksale, sagt ein lateinisches Sprichwort. Das lässt sich sowohl auf den Gegenstand - ein lebensbegleitendes Erbstück usw. - als auch auf den Inhalt beziehen. Letzteres gilt in besonderer Weise für Franz Werfels Roman «Die vierzig Tage des Musa Dagh»: erschienen, verboten, weit verbreitet, viel gelesen, fast vergessen, wieder zu entdecken.Franz Werfel hatte bei einer Nahostrei...

Hans-Dieter Schütt

Hätte ich doch, hätte ich doch nicht

Das war der Ton. Das war er immer. Das blieb er, in Varianten und Färbungen. Der Ton der Zurechtweisung, die Stimmlage der Peitschung, die Klangfarbe der Züchtigung. Hanns Eisler floh entnervt nach Wien, kam erst nach zwei Jahren zurück nach Ostberlin. Frühjahr 1953. Im »Neuen Deutschland« hatte dessen stellvertretender Chefredakteur Wilhelm Girnus - nach »Fühlungsnahme mit dem ZK« - das »Volksfre...

Seite 11
ndPlusUllrich Kroemer, Leipzig

Die Vorzüge des Achim B.

Weil Ralf Rangnick von Thomas Tuchel und Markus Gisdol Absagen erhielt, könnte Achim Beierlorzer RB-Trainer bleiben. Die Leipziger Spieler könnten ihm dabei helfen.

Seite 12
ndPlusGabi Kotlenko

Berlins Volleyballer im Finale

Jaromir Zachrich, der Kapitän der powervolleys Düren, betrachtet zufrieden seine Bronzemedaille. Zuvor standen die Berliner Volleyballer Spalier für die Gäste, die nach ihrem letzten Saisonspiel in der Bundesliga für den dritten Platz geehrt und dafür von den 4221 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle gefeiert wurden. Zachrich spielt seit fünf Jahren in Düren. Dort sieht er auch seine sportlich...

Oliver Kern

Stiller Schmerz, lautes Lob

Ein paar Fehler zu viel von Berlins Basketballern und die große Erfahrung des Gegners Maccabi Tel Aviv führten zur 64:73-Niederlage. Nun will Alba die nationalen Titel angreifen - schon am Wochenende.

Seite 13

Kostenloses Wlan kommt noch 2015

Berliner und Touristen können wohl noch dieses Jahr unterwegs kostenlos im Internet surfen. Anfang Mai solle die Entscheidung darüber fallen, welcher Anbieter die Hauptstadt mit öffentlichem Wlan ausstattet, sagte der Vizesenatssprecher Bernhard Schodrowski am Freitag und bestätigte einen Bericht des rbb. Sieben Firmen hatten sich beworben, darunter namhafte Anbieter und Start-up-Unternehmen. Nach...

Polizei beobachtet 73 Intensivtäter

Die Polizei hat derzeit 73 Kriminelle in ihrem Computersystem erfasst, von denen weitere, schwere Straftaten befürchtet werden. Sie seien zur polizeilichen Beobachtung ausgeschrieben, wie aus der Antwort der Innenverwaltung auf eine Schriftliche Anfrage der Piratenfraktion hervorgeht. In den meisten Fällen sei dies von der Justiz angeordnet worden. Es bedeutet aber nicht, dass die Personen Tag und...

Demo gegen Homophobie in Neukölln

Nasser El-Ahmads Kampf gegen Homophobie endet nicht mit dem Richterspruch gegen seinen Vater und zwei seiner Onkel vor etwa einem Monat. Der 18-Jährige, der gegen seine Familie vor Gericht zog, weil er im Heimatland seiner Eltern zwangsverheiratet werden sollte, hat für den kommenden Sonntag eine Demonstration für die Rechte von Homosexuellen angemeldet. Die Demo unter dem Motto »Wir haben das Rec...

Reformistischer Radikaler

Bei einem ironischen Test ergab sich bei mir Ende Februar eine 32-prozentige Übereinstimmung mit linksradikalen Ansichten. Dieser schlappe Wert identifiziert mich als harmlosen Reformisten, würdig einer Aufnahme in die Sozialdemokratische Partei. Einige Kollegen veräppeln mich heute noch deswegen. Dem Test zufolge ist es angeblich ein Anzeichen für linksradikale Überzeugungen, wenn man de...

Bernd Kammer

»Sie bauen uns zum Ghetto um«

1500 Wohnungen sollen entlang der Michelangelostraße entstehen. Dafür fallen Grün- und Stellflächen für Autos weg.

Seite 14
ndPlusAndreas Fritsche

nd-Tour nach Köpenick

Das Hotel Müggelsee Berlin ist ein Ort für Tagungen, Familienfeiern, Saunabesuch, Bowlingspiel - und für die nd-Leserwanderung.

ndPlusAndreas Fritsche

Mutmaßungen über Braunkohle

Interessieren sich tschechische Energiekonzerne für Vattenfalls Braunkohlesparte, weil Enteignungen für Tagebaue im Nachbarland seit 2012 nicht mehr zulässig sind? Das wäre naheliegend.

Seite 15

Ein Stück Venedig in Franken

Bamberg. Romantischer Blick: Bambergs Stadtviertel »Klein Venedig« von einer Regnitz-Brücke aus gesehen. Die ehemalige Fischersiedlung der fränkischen Stadt besteht aus einer Reihe alter Wohnhäuser, die direkt am östlichen Ufer der Regnitz liegen, und bildet die Kulisse für das im August stattfindende Fischerstechen. Es findet im Rahmen der sogenannten Sandkerwa (Sandkirchweih) statt, dem größt...

Babysöckchen ganz im Schornstein-Look

Der bunte Schornstein eines Chemnitzer Heizkraftwerkes hat das Interesse von Marketingstrategen geweckt. Doch das Energieunternehmen möchte das Geschäft mit Souvenirs davon allein machen.

Spachtelbrei blockt Handynetz

Das Handy-Verbot in Gefängnissen will das Land Mecklenburg-Vorpommern mit teuren Störsendern durchsetzen. Parchimer Maurermeister hätten für das Problem eine ganz andere Lösung parat.

Alice Bachmann, Bremen

Zehn Jahre in die Bremer Luft geplant

Manchmal fällt es echt schwer, selbst als Lokalpatriotin erhobenen Hauptes Bremens Größe als Oberzentrum und ausgewachsene Großstadt gegen herablassende Anfeindungen zu verteidigen. Blamiert sich der heimische Ballsportverein im Weserstadion, wird in der Hansestadt kollektiv gelitten. Aber der Schmerz hält nicht lange an, schließlich lässt sich ein verlorenes Spiel schnell wieder wett machen. W...

Andreas Fritsche

Mutmaßungen über Braunkohle

Interessieren sich tschechische Energiekonzerne für Vattenfalls Braunkohlesparte, weil Enteignungen für Tagebaue im Nachbarland seit 2012 nicht mehr zulässig sind? Das wäre naheliegend.

Seite 16

Art Week im Herbst

Die Berlinische Galerie, die Nationalgalerie, die Kunsthalle der Deutschen Bank und das KW Institute for Contemporary Art wollen im Herbst erneut gemeinsam die Berlin Art Week eröffnen. Ihre Ausstellungen sollten das Thema Stadt aus unterschiedlichen Blickwinkeln aufgreifen, teilten die Veranstalter mit. So plant etwa der Architekt Arno Brandlhuber für die Berlinische Galerie eine Raumintervention...

»Niederlage. Befreiung. Neuanfang.«

Unter dem Titel »Niederlage. Befreiung. Neuanfang.« wird das Deutsche Historische Museum (DHM) ab dem 24. April in einer Sonderschau die Situation bei Kriegsende sowie in der unmittelbaren Nachkriegszeit in Deutschland, Österreich, der Tschechoslowakei, Polen, Großbritannien, Dänemark, Norwegen, Luxemburg, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und der Sowjetunion beleuchten. In der Ausstellung sin...

Tänzer wollen notfalls wieder streiken

Nach einem Streik am Karfreitag schließt das Staatsballett Berlin weitere Aktionen nicht aus. »Solange unsere Forderungen nicht ernst genommen werden, sind wir gezwungen, Zeichen zu setzen«, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Gewerkschaft ver.di und der Ballettsprecher.Laut ver.di i haben die Tänzer des Staatsballetts die Gewerkschaft im vergangenen Jahr aufgefordert, mit der Stiftung Oper...

Abendlicht: Erinnerung an Stephan Hermlin im Berliner Ensemble

»Man sah den Wegen am Abendlicht an, dass es Heimwege waren.« Diesen Satz Robert Walsers stellte Stephan Hermlin einem Buch voran, das er »Abendlicht« nannte. Eines seiner schönsten, dichtesten Werke. Im Dämmer der Abschiedsfarben: Rückblick auf ein Leben fürs Morgenrot.Am kommenden Montag vor 100 Jahren wurde Hermlin geboren. Anlass für eine Matinee - Sonntag, 11 Uhr, auf der Probebühne des Berli...

Eine seltsame Reise von Killer nach Siehdichfür

Killer, Kuchen und Co. Es gibt etliche Ortsnamen im Südwesten, bei denen sich ein Grinsen kaum verkneifen lässt. Doch Killer in der Schwäbischen Alb etwa steht sogar im Guinnessbuch der Rekorde.

Diego Castro

Kunst als Standortfaktor

Mitte März hat der Atelierbeauftragte Florian Schmidt seinen Masterplan dem Berliner Senat vorgelegt. Bis 2020 sollen 2000 neue Ateliers entstehen. Die Stadt lenkte ein. Das Ende des Berliner Ateliernotstands schien in Sichtweite zu sein. Den Bissen kaum im Mund, macht sich ein bitterer Nachgeschmack breit. Aus der Kulturverwaltung wurden dieser Tage Pläne laut, den Posten des Atelierbeauftragten,...

ndPlusStefan Otto

Der Eierdieb aus Wildwest geht um

Einige sprechen von einer Invasion. Weitgehend ohne Feinde breitet sich der Waschbär in Deutschland aus. In Siedlungen kann er arge Verwüstungen anrichten. Doch auch Artenschützer sind besorgt.

Seite 17
ndPlusTom Strohschneider

Sieben Tage, sieben Nächte

Was wir in dieser Woche gelernt haben? Wie man sich über Staatsbesuche empört. Zur Nachhilfe hier noch einmal das ABC der Antrittsbesuche-Empörung: Der betreffenden Regierung wird vorgeworfen, irgendeine Linie a) verlassen oder b) überschritten zu haben. Zur Begründung wird in vorwurfsvoller Form die Vermutung geäußert, Premier Soundso oder Ministerpräsidenten Trallala würden c) eine angebliche...

Seite 18
Gabriele Oertel

Unstillbarer Durst nach Gerechtigkeit

Der Ettersberg. Natürlich wird Heinz Koch auch am Wochenende da sein. Der 85-Jährige hat es ja auch nicht so weit, wie viele andere, die an diesem 11. April an den 70. Jahrestag der Selbstbefreiung des Konzentrationslagers Buchenwald erinnern werden. Koch, selbst kein ehemaliger Häftling, wohnt schließlich in Weimar. Und ist dauernd da oben, wo es so eklig wehen kann Anfang April und wo Besuche...

Seite 19
Marcus Meier

Umkämpfte Würdigung eines Kommunisten

»Das ist eine würdige Gestaltung, das Kunstwerk macht neugierig, das gilt insbesondere für das Foto Walter Krämers auf Blickhöhe des Betrachters«, sagt Traute Fries. »Ich hätte mir etwas Konkreteres gewünscht, wo die Geschichte Walter Krämers erzählt worden wäre«, kontert Joe Mertens. »Walter Krämer. Schlosser. Politiker. Arzt von Buchenwald« ist auf der mannshohen weißen Stele zu lesen. Zusa...

Seite 20
ndPlusSarah Ulrich und Christoph Hedtke

Flüchtlingshilfe mit dem Fischkutter

Andere Initiativen vor Ort bemühen sich bereits seit vielen Jahren, die inhumanen Umstände der Flucht über das Mittelmeer in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Doch das Projekt »Sea- Watch« will nun mit Hilfe von Livebildern als »ziviles Auge auf dem Mittelmeer die Problematik in einer noch nie da gewesenen Art in die Öffentlichkeit bringen«.

Seite 21

Geschöpft, verteilt, getauscht

Marx hat so manche These der politischen Ökonomie und Philosophie ad absurdum geführt. Die Kritik war ihm nie Selbstzweck, die Unterminierung von Gewissheiten zu wenig. Er suchte Wahrheiten, wollte Wissen schaffen. Es spricht für die Größe des Wissenschaftlers Karl Marx, dass ihn dabei Selbstzweifel plagten. Sein Lieblingsmotto »An allem zweifeln« gilt auch seiner Lehre. Es wäre indes fatal, ...

Seite 22
ndPlusLeo Fischer

Die Scham der Eliten

Fast ist es schon wieder altmodisch geworden, die »Bild«-Zeitung ironisch gut zu finden. Eine Zeit lang konnte man in linken Kreisen hübsch damit provozieren, wenn man sich täglich die »Post von Wagner« gab oder Artikel von Hugo Müller-Vogg zitierte. Andere verwiesen darauf, dass sich die »Bild« tatsächlich geändert habe, nicht mehr gegen Homosexuelle und Ausländer hetze, überhaupt ein fortgesc...

Schmidbauer

Suizid oder Amokterror

Die Selbstmord-Attentate auf das World Trade Center haben die zivilisierte Welt erschüttert. Es erinnert an Motive antiker Mythen, dass gerade der Versuch, solchen Gefahren zu begegnen, in eine neue Tragödie geführt hat.

ndPlusSilvia Ottow

Lattenzaun mit Zwischenraum

Als eines Tages ein neuer Mitarbeiter in die Bürogemeinschaft einzog, brachte er ein Sofa samt bunter Decke mit. In der Tat sollte das ungewöhnliche Möbelstück dem Zimmer nicht nur zu einer gewissen Gemütlichkeit verhelfen, sondern der Neue legte sich doch tatsächlich hin und wieder darauf, um etwas zu schlummern. Das hatte es an diesem Ort noch nie gegeben, wenn man einmal vom abgeschlossenen ...

Seite 23
Björn Hayer

Im Fieber der Perfektion

Das Cyberkollektiv ergeht sich in Likes und fühlt sich stark als vermeintlich unabhängiger Meinungsapparat. Mit seinen flexiblen Votings trägt es weder zu mehr demokratischem Geist noch zu irgendeiner Veränderung bei.

Seite 24
lgn

Bildungspläne frühkindlicher Bildung

Bildungspläne frühkindlicher Bildung, die; Substantiv plural. Seit der Veröffentlichung der ersten PISA-Studie vor rund 15 Jahren wächst der gesellschaftliche Druck auf die Politik, für die frühkindliche - oder auch elementare Bildung Lern- und Erziehungsziele in Bildungsplänen festzuhalten. Gemäß des föderalen Prinzips entwickelten sich die Pläne in den Ländern unterschiedlich. In Brandenburg ...

Marktmacht der Erzieherinnen

»Bildung von Anfang an« ist ein Slogan, der jeder Politikerin, jedem Politiker, aber auch den Vertreterinnen und Vertretern von Verbänden und Gewerkschaften leicht über die Lippen kommt. In dieser Woche legten jene, die für die Erfüllung dieses Slogans Tag für Tag verantwortlich sind - die Erzieherinnen - , zeitweilig die Arbeit nieder. Die Folgen waren für die Eltern spürbar: Die Kita war zu u...

Kitas im Streik

Diese Woche streikten Tausende Erzieherinnen und Erzieher. Hintergrund ist die niedrige Zuweisung der Sozial- und Erziehungsberufe innerhalb der Lohntabelle, die den Lohn der im öffentlichen Dienst Beschäftigten nach Tätigkeitsmerkmalen unterteilt. Seit langem gärt es, geht doch die Forderung nach Qualitätsverbesserung nicht mit dem Gehalt einher. Laut Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissen...

ndPlusGuido Sprügel

Im Äther gelernt

Was hat Karl Marx eigentlich wirklich gesagt? Steht im Kapital allen Ernstes der komplette Entwurf einer sozialistischen Gesellschaft? Im Programm des Hamburger Radiosenders Freies Sender Kombinat (FSK 93.0) wird genau diesen Fragen nachgegangen. Eine Einführung in den Marxismus ist das Ziel der Sendereihe, in der stets Prof. Georg Fülberth zu Gast ist und einen Aspekt näher beleuchtet. Über die P...

Seite 25
ndPlusHorst Diere

»Weserübung«

Nach dem Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen rückten im Winter 1939/40 die neutralen skandinavischen Staaten ins strategische Blickfeld führender militärischer und politischer Kreise Hitlerdeutschlands wie auch der Westmächte. Bereits seit Anfang Oktober 1939 drängte das Oberkommando der Kriegsmarine unter Großadmiral Raeder bei Hitler auf die Schaffung von Stützpunkten in Norwegen. Politisch...

Hans Canjé

Der Fall Doris Maase

Der Name war mir entfallen. Durch ein in Großbritannien erschienenes Buch über das Frauenkonzen-trationslager Ravensbrück erinnerte ich mich wieder: Dr. med. Doris Maase, Ärztin in Düsseldorf, Mitglied der KPD-Fraktion im Stadtparlament. Über ihr Schicksal hatte ich als junger FDJler vor Jahrzehnten aus dem Munde von Wolfgang Langhoff, dem ehemaligen »Moorsoldaten« und damaligen Intendanten des...

Seite 26

Neues zur Entstehung des Mondes

Die gängige Theorie zur Entstehung des Mondes geht davon aus, dass ein katastrophaler Crash der jungen Erde mit einem sogenannten Protoplaneten von der Größe des Mars zur Entstehung des Mondes geführt hat. Simulationsrechnungen haben gezeigt, dass der Mond in diesem Szenario im Wesentlichen aus Material des Einschlagkörpers bestehen sollte, den Astronomen Theia getauft haben. Das ist jedoch sch...

ndPlusReinhard Renneberg, Hongkong

Wer Sorgen hat ...

Sie sind jung, männlich und wurden nicht nur einmal, sondern gleich Dutzende Male von offenbar sehr attraktiven Weibchen abgelehnt. Dann machen sie flugs, was frustrierte Männer so tun: Alkohol als Balsam auf die wunde Seele gießen. Die Rede ist allerdings von männlichen Fruchtfliegen in Glas-Containern, nicht von jungen Männern in der Disco! Der Neurogenetiker Galit Shohat-Ophir vom Howa...

Walter Schmidt

Bewegte Verkehrsschilder

Ein Fußgänger hat zu gehen, auch im deutschen Schilderwald. Schließlich muss hierzulande alles seine Ordnung haben. Und so zeigen deutsche Warn- oder Hinweisschilder, die Autofahrer für unvermutet auftauchende Fußgänger oder einen Zebrastreifen sensibilisieren sollen, auch bloß gehende und keine rennenden Menschen - genau genommen Männer. Ähnlich sieht es in der Schweiz aus. Und in Österr...

Seite 27
ndPlusHermannus Pfeiffer

Woher und wohin?

Maritime Wirtschaftsverbände werben in diesem Frühjahr in sieben Länderparlamenten für ihr »Gesamtkonzept Elbe«. Die Politiker sollen von der Notwendigkeit eines Ausbaus des 1091 Kilometer langen Flusses überzeugt werden. »Wichtigstes Ziel ist es«, schreibt die Handelskammer Hamburg, »deutlich mehr Container von und zum Hamburger Hafen zu transportieren.« Dabei schlagen die Wellen vor all...

Seite 29
René Gralla

»Die Kinder lieben das!«

Der Vietnamkrieg, dessen Ende sich am 30. April 2015 zum 40. Mal jährt, war das dominierende Narrativ in den 1960er und 1970er Jahren, löste die Studentenrebellion aus und ließ Rockmusiker wütende Songs schreiben. Seine strategischen Erfahrungen aus diesem Konflikt setzte der heute 83-jährige Oberst a. D. Ngyuen Qui Hai aus Hanoi in dem Spiel »Co Tu Lenh« (dt. Kommandeursschach) um. Der 49-jährige...

Seite 30
ndPlusAndrea Tebart

Karibik pur und hochprozentig

Schon am Fähranleger in Grand-Bourg, dem Hauptort der zu Guadeloupe gehörenden Insel Marie Galante, ist klar, hier gibt es Karibik pur. Unverfälscht im besten Sinne. Spätestens, wenn das Expressboot ablegt, verschwindet auch die allerletzte Hektik. Schläfrigkeit macht sich breit in der flimmernden Mittagshitze, die nur etwas gemildert wird durch den ständigen Passatwind. Ein Hund räkelt sich träge...

Seite 32
Hendrik Lasch

Ein Laden wider die Statistik

In welcher Abteilung von Sabine Nüssels Buchhandlung würde man wohl ihre eigene Geschichte finden? Man könnte sie als Märchen erzählen und also in die Abteilung für Kinderbücher stecken: Es war einmal eine erst 28 Jahre junge Frau, die tapfer auszog, um die in einen tiefen Schlaf gefallene Stadt Zeitz wachzuküssen. Wenn man mag, könnte es auch die Fortsetzung eines zunächst eher traurig geendet...

Seite 43
ndPlusRainer Rilling

Zeit für einen großen schwarzen Schwan

Was geschieht, wenn über die Zukunft gesprochen, gedacht, fantasiert und sie kalkuliert und imaginiert, modelliert und erzählt, geträumt oder geplant wird? Wenn Visionen oder Utopien entworfen und umkämpft werden?

Seite 46

»Die Dirigenten sind jetzt wir«

Wir stehen an der Schwelle eines neuen Jahrhunderts. Ich könnte darüber sprechen, welche Aufgaben vor uns liegen. Doch will ich die Gelegenheit ergreifen, um über das zu sprechen, was war, wie wir wurden, was wir sind.

Seite 47
ndPlusHorst Kahrs

Ist da Fortschritt im Neuland?

Fortschrittliche Politik muss die technologische Entwicklung auf ihre Potentiale für Dezentralität, Kooperation, demokratische Organisation und die Globalisierung gleicher Produktions- und Lebensbedingungen untersuchen.

Seite 49
Sabine Nuss

Die stigmergische Zukunft

Seit wir 3D-Drucker kennen, scheinen uns die Replikatoren aus "Raumschiff Enterprise" nicht mehr ganz so fiktional. Aber kann man damit auch eine neue Gesellschaft ausdrucken? Darüber nicht zu diskutieren, wäre ein Fehler.

Seite 53
Christina Kaindl

Das vergisst man nicht

Lebendig mit Initiativen, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen verbunden. Neue Plattformen und soziale Netzwerke nutzend. Teil einer gesellschaftlichen Partei. Wie die LINKE in 15 Jahren aussehen könnte.