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UNTEN LINKS

Ein Flugblatt, auf dem kostenlose Bahnfahrten während des Kirchentages versprochen wurden, ist von den zuständigen Verkehrsbetrieben als Fälschung enttarnt worden. Die Enthüllung sorgte unter den Anhängern der in Stuttgart versammelten Unterabteilung des Glaubens für Verunsicherung. Offenbar rechnen viele damit, dass auch andere Verheißungen sich als Schmu herausstellen könnten. Entsprechende Sorg...

Ver.di beginnt Arbeitskampf bei der Post

Berlin. Bei der Deutschen Post wird ab Beginn der nächsten Woche unbefristet gestreikt. Montag oder Dienstag beginne der Arbeitskampf, wann konkret, werde ver.di kurzfristig bekanntgeben, sagte ein Sprecher am Freitag in Berlin. An den Warnstreiks der vergangenen Wochen hätten jeweils 4000 bis 8000 Beschäftigte teilgenommen, gestreikt worden sei an unterschiedlichen Tagen und in unterschiedlichen ...

Fabian Lambeck

Krawallfixierter Journalismus

Klappern gehört zum Handwerk. Das gilt insbesondere für Journalisten, die im Vorfeld von linken Großveranstaltungen gerne die Gefahr vom »Schwarzen Block« beschwören.

Die ganz Welt schaut auf Elmau

Berlin. Während sich die G7 vor dem Wochenende bemühten, ihren bevorstehenden Gipfel zum Topthema zu machen, sorgte G1 für das größere Interesse: Was wird Gregor Gysi auf dem Parteitag der LINKEN in Bielefeld verkünden? Der Linksfraktionschef hatte in zahlreichen Interviews Andeutungen über seine politische Zukunft mit dem Hinweis verknüpft, er werde zuallererst seine Partei davon in Kenntnis setz...

ndPlusKatja Herzberg

Nur kurze Atempause für Tsipras

Die griechische Regierung lehnt die »extremen Vorschläge« der Gläubiger ab, ließ Premier Alexis Tsipras wissen. Entscheidend könnte sein, ob dies seiner Partei SYRIZA genug ist.

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ndPlusKurt Stenger

Raus aus der Kohlebranche

Der weltgrößte Staatsfonds muss sämtliche Anteile an Unternehmen abstoßen, die zu einem Gutteil in der Kohlebranche Geschäfte machen. Es sind zwei starke Signale, die das norwegische Parlament aussendet.

ndPlusRené Heilig

Neutral war gestern

Schaut man sich die Hurra-Meldungen aus NATO-Hauptquartieren an, könnte man meinen, in Europa wächst zusammen, was zusammengehört. Jedenfalls im Westen. Und dahinter beginnt ohnehin Russland, also Feindgebiet. Ost-West-Konfrontation nannte man das im letzten Kalten Krieg. Doch damals gab es noch ein paar Staaten, die versuchten, der Zwangsrekrutierung durch Blockfreiheit zu entfliehen. Das waren b...

Klaus Joachim Herrmann

Eskalation

Die ostukrainische Krise ist zurück mit aller Wucht. Das Örtchen Marjinka wird erobert und zurück erkämpft. Angefangen haben die einen, sagen die anderen.

Velten Schäfer

Herr Déjà-vu

Als Kind verschlang er »Oliver Twist«, 1968 gründete er in Hannover den dortigen »Club Voltaire«, 2007 wurde er Vorsitzender der Wilhelm-Busch-Gesellschaft - und dazwischen war Herbert Schmalstieg lange Jahre Oberbürgermeister der niedersächsischen Landeshauptstadt. Dass der 1943 geborene Sozialdemokrat nun von Gewerkschaftsseite zum Schlichter im eskalierten Arbeitskampf der kommunalen Erzie...

Martin Leidenfrost

Buongiorno, Brigadiere!

In diesem Frühsommer nun endlich eine italienische Reise. Vielleicht lerne ich doch was über die Zukunft; schließlich trat so manche historische Bewegung auf spielerische Weise in Italien auf, bevor sie anderswo bitterer Ernst wurde. Dass eine Hochkultur zu einem TV-Reigen tanzender Titten herabsinkt, könnte auch anderen bevorstehen, zum Beispiel. Gewöhnt an slawische Schwermut, erstaunt mich als ...

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Die Ware Fußball

Kommersant, Russland Unangenehm für Moskau Der Korruptionsskandal des Fußball-Weltverbandes hat eine sensationelle Fortsetzung erhalten. Der Rückzug von Joseph Blatter ist eine unangenehme Nachricht für Russland, das einer von Blatters treuesten Verbündeten im Kampf um den Präsidentenstuhl war. Sport Express, Russland Keine Folgen für Moskau Der Rücktritt Blatters ist eine...

ndPlusTom Strohschneider

Das Piketty-Moment

Sind Mehrheiten links von Merkel überhaupt möglich? Und könnte Rot-Rot-Grün überhaupt erfolgreich sein? Es gibt keine Berechtigung zur Resignation. Deshalb: Wir müssen mehr über die politische Ökonomie reden.

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ndPlusRené Heilig

Zu viel grauer Stahl in der Ostsee

Vizeadmiral Andreas Krause ist sauer: Einige Medien haben wieder einmal Negatives über seine Truppe geschrieben. Stimmt nicht, sagt Krause und verkündet: »Die Deutschen Marine ist nicht am Limit!« Stimmt. Zwei Schiffe leisten humanitäre Hilfe im Mittelmeer. Sie retten Flüchtlinge. Militärisch ist die Bundeswehr beim inzwischen piratenlosen EU-Anti-Piraten-Einsatz »Atalanta« dabei, ebenso wie bei U...

Hans-Gerd Öfinger

Post auf Konfrontationskurs

In dem Tarifkonflikt zwischen ver.di und der Deutschen Post AG stehen die Zeichen auf Sturm. So wird Anfang nächster Woche ein unbefristeter Arbeitskampf beginnen. Wann genau, ist noch unklar.

ndPlusAert van Riel

Reizvoll, aber zu teuer?

Die Frage nach dem Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) führt in der LINKEN schon seit Langem zu Kontroversen. Beim Parteitag in Bielefeld könnte sich andeuten, in welche Richtung sich die Partei bewegen wird.

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Wahrheitskommission

Havanna. Mit einer Wahrheitskommission wollen die kolumbianische Regierung und die FARC-Rebellen die Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen des jahrzehntelangen Konflikts in dem südamerikanischen Land aufarbeiten. Darauf einigten sich beide Seiten bei ihren Friedensverhandlungen in Kuba. Das unparteiische und unabhängige Gremium soll demnach der Aufklärung, nicht aber der Strafverfolgung dienen...

Athen ist überfordert

Genf. Griechenland ist nach Einschätzung der Vereinten Nationen durch die wachsende Zahl von Flüchtlingen aus Krisenregionen überfordert. Rund 42 000 Menschen seien in den ersten fünf Monaten dieses Jahres mit Booten auf griechischen Inseln angekommen, teilte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Freitag in Genf mit. Das seien sechs Mal mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, erklärte Sprecherin ...

Wer stoppt Erdogans Durchmarsch?

Wenn es nach Präsident Recep Tayyip Erdogan geht, wird er am 100. Geburtstag der Türkischen Republik am 29. Oktober 2023 noch die Geschicke der Türkei bestimmen. Dann möchte der islamisch-konservative Politiker Staats- und Regierungschef in einem Präsidialsystem sein, dessen Einführung er derzeit mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln anstrebt. Bei der Wahl zur Großen Nationalversammlung de...

ndPlusFabian Köhler, Istanbul

Vision der »neuen Türkei« verlockt

Die Türken entscheiden über ein neues Parlament und damit für oder wider die Großmachtträume ihres Staatspräsidenten Erdogan. Es geht um vieles bei dieser Parlamentswahl, vielleicht um so viel wie noch nie.

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Olaf Standke

Datenklau in Washington

Es war einer der »größten Diebstähle von Regierungsdaten, die es jemals gab«, so das »Wall Street Journal«. Und die »Washington Post« weiß auch, wer dahinter steckt: China. Erst jetzt wurde bekannt, dass die Personalverwaltung der US-Regierung Ziel einer massiven Cyberattacke gewesen ist. Das Office of Personal Management, u.a. für Sicherheitsüberprüfungen und Zugangsberechtigungen zuständig, entd...

ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Manöver und Sprotten-Symmetrie

Die Ukraine fordert angesichts der andauernden Kämpfe im Kriegsgebiet Donbass die Entsendung von UN-Friedenstruppen. Präsident Poroschenko will so die »russische Aggression« stoppen. Wie reagiert Russland?

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Orange zieht sich aus Israel zurück

Der französische Telefongigant Orange will keine Geschäfte mehr in Israel machen. Jerusalem wähnt einen Boykott, Netanjahu fordert eine Distanzierung der Regierung in Paris. Business oder Politik?

ndPlusKurt Stenger

Die Folgen des »Nichts«

An den Börsen wird über den genauen Zeitpunkt der absehbaren Zinswende spekuliert. Anleger und Automaten sind sichtlich nervös.

ndPlusCarsten Hübner

Mit Sicherheit gefährlich

Die Ursache der Probleme von Takata-Airbags könnte in den Kostensenkungsstrategien liegen. Laut der »New York Times« sollen Ingenieure des Unternehmens bereits 2004 das Sicherheitsrisiko erkannt haben.

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Die Bremer Lehrjahre

Zwei Schaufenster erinnern jetzt in Bremen an Friedrich Engels. Der Freund von Karl Marx und Mitautor des »Kommunistischen Manifests« hat in der Hansestadt 1838 bis 1841 eine kaufmännische Lehre bei Heinrich Leupold, der mit Leinen, Kaffee und Zigarren handelte, absolviert. Die Schaufenster befinden sich an der Ecke Bredenstraße, gegenüber der Martinikirche, wo Engels während seiner Lehrzeit im Pa...

Bühnenverein fordert Ende der Streiks

Radebeul. Der Deutsche Bühnenverein hält die Warnstreiks an den Landesbühnen Sachsen für unverhältnismäßig. Er forderte ver.di auf, den Arbeitskampf zu beenden. Die Forderung von ver.di sei »völlig überzogen«. »Das kann sich die Landesbühne nicht leisten«, erklärte Rolf Bolwin, Geschäftsführender Direktor des Bühnenvereins. Laut Bolwin hat das Theater erhebliche Kürzungen von Zuschüssen hinnehmen ...

Urlaub in Auschwitz?

Von dem Theaterregisseur und Holocaust-Überlebenden George Tabori stammt die sarkastische Bemerkung, der kürzeste jüdische Witz sei Auschwitz. Durch Humor wird der seelische Schmerz für den Erzähler leichter ertragbar und seine Zuhörer können diesen Schmerz zumindest erahnen, wenn sie ihn schon mangels persönlicher Betroffenheit nicht ergreifen können. Wenn der Sarkasmus aber bloße Inszenieru...

Elmar Altvater

Einer, der niemals kapitulierte

Die Zeiten, die der Historiker Arno Klönne durchmachen musste, waren nicht leicht. Er hat die letzten Jahre des Nazi-Regimes erleben müssen, folgte aber nicht der Hitlerjugend. Sein großartiges Beispiel wird seinen Tod überdauern.

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Denkmäler öffnen zum Welterbetag

Uhldingen-Mühlhofen. Die außergewöhnlichsten Denkmäler Deutschlands stehen an diesem Sonntag im Blickpunkt: Die deutsche UNESCO-Kommission in Deutschland feiert zum elften Mal den Welterbetag. Fast alle 39 deutschen Welterbestätten vom Aachener Dom bis zur Zeche Zollverein in Essen haben Veranstaltungen vorbereitet. Das Angebot reicht von Sonderführungen und Ausstellungen bis zu Vorträgen und Vera...

Radikale Sprache gewinnt

Mülheim/Ruhr. Der österreichische Autor Ewald Palmetshofer hat bei den Theatertagen »Stücke« den Mülheimer Dramatikerpreis gewonnen. Er erhält die mit 15 000 Euro dotierte Auszeichnung für sein Drei-Generationen-Drama »die unverheiratete« in der Inszenierung des Burgtheaters Wien, wie das Festivalbüro am Freitag mitteilte. Palmetshofer verwebe in dem Stück über die Geschichte dreier Frauen »virtuo...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Der Brei, darin das Hirn schwimmt

Castorf stemmt Fjodor Dostojewskis Roman als theatralisch-filmische Wuchtbrocken mit einer Art Live-Video-Team. Abgrunddüstere sieben Stunden Spielzeit und das Bedürfnis nach Luft: Erschöpfung! Na und?!

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Die FIFA kauft auch die Stille

Inmitten der Korruptionsaffäre hat der krisengeschüttelte Fußball-Weltverband FIFA die Zahlung von fünf Millionen Dollar an den irischen Verband FAI als Kompensation für die verpasste WM-Teilnahme 2010 eingeräumt. Irlands Verbandspräsident John Delaney hatte diese Zahlung der FIFA am Donnerstag im irischen Radiosender RTE erstmals öffentlich gemacht. Irland war im November 2009 im Playoff-Rüc...

ndPlusFrank Hellmann, Ottawa

Da hilft nur beten

Warum alles daraufhin deutet, dass der afrikanische Außenseiter Elfenbeinküste am Sonntag zum WM-Auftakt gegen die deutsche Frauen-Nationalmannschaft eine hohe Niederlage kassieren wird.

»Uns besiegt man nicht so leicht«

Was für ein Krimi! Sie sind mit dem FC Bayern München durch einen 101:96-Auswärtssieg bei Alba Berlin nach Verlängerung ins Finale um die deutsche Meisterschaft eingezogen. Das Aufeinandertreffen dieser beiden Klubs musste wohl auf diese Weise enden. Ja, das war wirklich eine unglaubliche Serie von beiden Mannschaften. Wir hatten zwar keine Angst zu verlieren, aber wir sind natürlich sehr erleich...

Kurznachrichten:

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Martin Ling

Spannung unter Freunden

Luis Enrique hat in seinem ersten Amtsjahr beim FC Barcelona viel erreicht. Um das Triple seines Freundes Pep Guardiola zu egalisieren, muss er gegen Juventus Turin gewinnen: im sechsten Anlauf.

ndPlusAlexander Ludewig

Die wehrhafte »Alte Dame«

Neuer Trainer und 92-jährige Familiendynastie: Nach fünf Jahren Pause erreicht mit Juventus Turin wieder ein italienischer Klub das Finale der Champions League.

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Bauarbeiten an der Charité

Die Bauarbeiten am Campus Mitte der Charité liegen im Zeitplan. Die Montage der Fassadenelemente am Bettenhaus sei fast fertig, der Rohbau für die neuen OP-Säle, Intensivmedizin und Rettungsstelle abgeschlossen, sagte Charité-Bauchef Christian Kilz am Freitag. Außerdem sollen die Arbeiten an den Verbindungsbrücken am Bettenhochhaus im Herbst abgeschlossen sein. Künftig werde es nur noch eine Verbi...

ndPlusSarah Liebigt

Captain Henkel auf Brücke

Am vergangenen Mittwoch, dem 3. Juni, ist das BER-Debakel drei Jahre alt geworden. Je nachdem, wie man rechnet, ist es natürlich schon mindestens im Grundschulalter, nach Ansicht mancher gar schon volljährig.

Müller im Fußballfieber

Werbekampagne Champions League: Der Regierende Bürgermeister sieht Berlin als Gewinner des Turniers. Grüne kritisieren das »Fanfest ohne Public Viewing«.

ndPlusBernd Kammer

»Naiv« im BER-Aufsichtsrat

Drei Jahre ist das Debakel um geplatzte Termine und steigende Kosten schon alt. Die wichtigsten Akteure sind ausgewechselt. Aufsichtsrat Henkel ist noch da. Für ihn ist noch nicht jedes Problem behoben

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Eine Minute Lärm für die Vielfalt

Zum Protest gegen den neofaschistischen Tag der deutschen Zukunft an diesem Sonnabend in Neuruppin gehören vielfältige Aktionen. Eine davon: Ein gewaltiger Krach um 12 Uhr.

Andreas Fritsche

Klarsfeld: »Eine Episode der Shoa«

Beate und Serge Klarsfelds Organisation »Söhne und Töchter der aus Frankreich deportierten Juden« stiftete eine Gedenktafel für 16 Jugendliche, die im Februar 1945 in Sachsenhausen ermordet wurden.

Jérôme Lombard

Volle Kiezkultur auch am Sonntag

Die Spätis gehören zur Berliner Kiezkultur. Doch die kleinen Läden können mit der Konkurrenz der großen Supermärkte kaum mithalten. Ein freies Verkaufssrecht an Sonntagen soll helfen.

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Galerie am Ostseestrand

Zingst. Großformatige Bilder des Fotografen Carsten Peter sind derzeit noch am Ostseestrand von Zingst in Mecklenburg-Vorpommern zu sehen. Die Freiluftausstellung »Erde extrem« ist Teil des mittlerweile achten »Umweltfotofestivals Horizonte Zingst«. Das Treffen für Fotoexperten und Fotofreunde aus der ganzen Welt begann vor einer Woche und endet am Sonntag. Insgesamt sind rund 900 Bilder von 80 Fo...

Von Bevölkerungsplus bis Exportminus

Schwerin. Im statistischen Rückblick fällt das Jahr 2014 für den Nordosten überwiegend positiv aus. Wie aus dem aktuellen Bericht »Mecklenburg-Vorpommern im Spiegel der Statistik« hervorgeht, wuchs im Vorjahr nicht nur die Wirtschaftsleistung des Landes um 1,6 Prozent, erstmals seit 1998 registrierte das Statistikamt des Landes auch wieder einen Bevölkerungszuwachs. Allerdings fiel das Einwohnerpl...

Eine Minute Lärm für die Vielfalt

Zum Protest gegen den neofaschistischen Tag der deutschen Zukunft an diesem Sonnabend in Neuruppin gehören vielfältige Aktionen. Eine davon: Ein gewaltiger Krach um 12 Uhr.

ndPlusAndreas Fritsche

Klarsfeld: »Eine Episode der Shoa«

Beate und Serge Klarsfelds Organisation »Söhne und Töchter der aus Frankreich deportierten Juden« stiftete eine Gedenktafel für 16 Jugendliche, die im Februar 1945 in Sachsenhausen ermordet wurden.

ndPlusMichael Evers, Bergen

»Wir stehen zwei Jahre vor einem Zaun«

Mit einem großen Militärumzug feierten die britischen Streitkräfte Mitte Mai ihren Abzug aus Bad Fallingbostel in Niedersachsen, in zwei Wochen gibt es eine Abschiedsparade in Bergen. Während alle Studien zur Nachnutzung der Militärflächen bislang auf eine möglichst schnelle Ansiedlung von Gewerbe abzielten, will der Bund die Gelände nun zunächst für zwei Jahre in seiner Verwaltung behalten. ...

Hendrik Lasch, Freiberg

In den Schoß gefallen

In 241 sächsischen Orten werden am Sonntag die Bürgermeister neu gewählt. Parteien tun sich nicht selten schwer, eigene Bewerber zu finden. Manchmal hilft der Zufall.

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Akten-Schlammschlacht

Erfurt. Der Immelborn-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags will etwa zehn Wochen nach seiner Einsetzung die Arbeit aufnehmen. Die konstituierende Sitzung des Gremiums solle am Montag stattfinden, sagte die Vorsitzende des Ausschusses, Madeleine Henfling (Grüne), der dpa. Dabei solle auch ein Antrag der CDU-Fraktion beraten werden, mit dem die Union verschiedene Akten für das Gremium heran...

Silent Cinema im Freien

Freiluftkino unter dem Motto »Erobert den Film - Silent Cinema Open Air am FMP1« wird an diesem Wochenende im »nd«-Haus am Franz-Mehring-Platz 1 präsentiert. Am Sonnabend (6. Juni) wird die französische Erfolgskomödie »Heute bin ich Samba« gezeigt, in der das Duo aus »Ziemlich beste Freunde«, Éric Toledano und Olivier Nakache, auf den Publikumsliebling Omar Sy treffen. Am Sonntag (7. Juni) läuft »...

Schaustelle Schloss

Nach dem Richtfest für das Berliner Schloss öffnet sich die Mammutbaustelle am 13. und 14. Juni auch für das Publikum. An den Tagen der offenen Tür können Besucher einen ersten Eindruck von dem dort geplanten Kunst- und Kulturzentrum bekommen. Die Rekonstruktion der zu DDR-Zeiten gesprengten Preußen-Residenz ist das größte Kulturprojekt des Bundes. Es soll 590 Millionen Euro kosten.»Wir sind voll ...

ndPlusHermannus Pfeiffer

Einmal Afrika und zurück

Früher war das Krabbenpulen an der Nordsee ein Nebenjob vieler Hausfrauen. Doch dann wurden geflieste Arbeitsräume und anderes mehr verlangt.

Weltkulturerbe und Politikberatung

»Scheiden tut weh«, heißt es in einem deutschen Volkslied. Tut es Ihnen weh, dass Sie jetzt als Präsident der BBAW scheiden?Ich sage nicht »Gott sei Dank«, sondern im Gegenteil: Es war ein wunderbares Amt und für mich eine glückliche, erfüllte Lebensphase. Ein wenig Wehmut ist schon dabei.Wenn Sie auf einer Skala von 1 bis 10 angeben müssten, inwieweit Sie die von Ihnen bei der Amtsübernahme vor z...

Dörthe Hein, Fischbeck

Ungeduld in Fischbeck zwei Jahre nach der Flut

Der gigantische Deichbruch von Fischbeck in Sachsen-Anhalt steht bis heute für die Flut 2013. Lastkähne wurden gesprengt, um die Wassermassen zu stoppen. Wie sieht es vor Ort heute aus?

Anita Wünschmann

Ein Blick zurück nach vorn

Mies van der Rohes Museumstempel, die Neue Nationalgalerie, ist einer der weltweit prominentesten Kunstpilgerorte, wird aber gerade saniert. Der »Telespargel« sticht jedem Besucher und den Berlinern sowieso ins Auge. Und die großen Wohnsiedlungen am Rande der Stadt rücken quasi mit dem rasanten Mietwachstum in den Zentrumslagen näher. Die Bauten aus den Sechzigern markieren das Stadtbild ebenso wi...

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»Hört ihr das auch?«

Der Frühling hat sich voll entfaltet, durch die Redaktionsfenster flutet Sonnenlicht, das Laub der Bäume draußen rauscht sanft im Wind. Schön. Herrlich. Wunderbar. Aber manchem Wunder wohnt ein Schrecken inne.

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Für eine Zukunft in Rojava

Seit Anfang Februar gilt Kobane als befreit, der Kampf gegen den IS als beendet. Doch die Stadt an der türkischen Grenze ist schwer zerstört und nach wie vor auf der syrischen Seite vom Islamischen Staat umzingelt. Trotz allem kehren die Geflüchteten zurück und der Wiederaufbau hat begonnen.

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Karl Wlaschek 4. 8. 1917 - 31. 5. 2015

»Beim G’schäft bin i guat ...«, so lautete ein in Österreich legendärer Ausspruch von Karl Wlaschek. Legt man die Höhe des Vermögens als Maßstab an, so besteht daran kein Zweifel - der Unternehmer war mit 4,7 Milliarden Euro der drittreichste Österreicher. Vergangenen Sonntag ist Wlaschek im Alter von 97 Jahren »in Frieden verschieden«, wie seine Immobilienfirma mitteilte. Wlaschek beg...

Nachrufe

Er war nicht nur in der DDR-CDU, nicht nur Spitzenfunktionär der DDR-CDU - Gerald Götting war die DDR-CDU. Mitglied seit Anfang 1946, stieg er nach der Entmachtung der Parteiführung durch die sowjetische Besatzungsmacht schnell auf: 1949 wurde er Generalsekretär. Seit 1966 war er Vorsitzender und blieb es bis zur Wende 1989. Die konservativen Eltern hatten ihn in der NS-Zeit vor Jungvo...

Seite 21
ndPlusHeinrich Bergstresser

Die Macht reicht 
bis in die Köpfe hinein

Krise ist das Wort der Stunde, ein deutliches Indiz, dass die Welt aus den Fugen zu geraten scheint. Und der Staat, schon immer eng mit Großkonzernen und Finanzkapital verbandelt, hat als natürlicher Krisenmanager einen Großteil seiner gesellschaftspolitischen Verantwortung an Wirtschafts- und Finanzkonzerne delegiert und beschränkt sich zunehmend darauf, prekäre Lebensverhältnisse zu verwalten. ...

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Jens Grandt

Auf der Piazza dei Signori

Verona. Stadt am Adige, dem seichten Fluss, der einmal Etsch hieß. Trutzburg, Marterstätte und Elysium des Scaliger-Geschlechts. Auf der Piazza dei Signori sitzen, in der Herzkammer veronesischer Kultur, einen Cappuccino trinken, ein Glas Rotwein, schauen, lauschen, sinnieren. Über diesen Platz ist Dante Alighieri gegangen, verzögerten Schritts oder eilend, sonnenverträumt oder in Todesangst. Der ...

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ndPlusDetlef Kannapin

Das Land hinter dem Regenbogen

Film muss zappeln« - dieser Ausspruch stammt vom DEFA-Regisseur Ulrich Weiß und beschreibt den Zustand subjektiver Wahrnehmung, der eine ganze Generation von Filmemachern in den 80er Jahren in BRD und DDR gleichermaßen in den Bann zog. Abseits eingefahrener Rituale und Konventionen der Filmproduktion hatten damals jüngere Regisseure, die um die 40 waren, neue Ideen, aus denen Filme entstehen sollt...

Seite 24
Lena Tietgen

Ungerechte Gerechtigkeit

Die Bildungspolitik von Schwarz-Grün in Hessen ist alles andere als ein großer Wurf. Das im Koalitionsvertrag gegebene Versprechen, allen ein Bildungsangebot zu machen, wird in der Praxis nicht eingelöst. Auf der einen Seite wollen die Grünen ihre Forderung nach einem längeren gemeinsamen Lernen durchsetzen, auf der anderen Seite trägt der Koalitionsvertrag die Handschrift der CDU, die das geglied...

ndPlusLena Tietgen

Kein Schulfrieden in Sicht in Hessen

Wie Nordrhein-Westfalen hat auch die schwarz-grüne Regierung Hessens kürzlich zu einem Schulgipfel eingeladen, bei dem Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Experten einen sogenannten zehnjährigen Schulfrieden verabschieden sollen. Doch dieser droht zu scheitern. So will das Bündnis aus Landesschülervertretung (LSV), Landeselternbeirat (LEB), Elternbund Hessen (ebh), Verband Bildung und Erziehun...

Thomas Gesterkamp

Auslese statt Chancengleichheit

Drei Zahlen fassen die zentrale Ungerechtigkeit des Bildungssystems in Deutschland zusammen: 100, 77, 23: Von 100 Akademikerkindern besuchen 77 später eine Hochschule, beim nichtakademischen Nachwuchs schaffen nur 23 Prozent den Sprung an die Universität. Die Chancen waren früher mal gleichmäßiger verteilt, in Ostdeutschland sowieso, aber auch im Westen, wo in den 1970er und 1980er Jahren Hundertt...

Seite 25
ndPlusMarga Voigt

Walter Ruge

Die Helden seiner Kindheit waren die Polarforscher Nansen, Amundsen und Scott. Dass es ihn selbst einmal an den Polarkreis verschlagen würde, konnte er nicht ahnen. Prägend für Walter Ruge war der Besuch der radikal linken Karl-Marx-Schule in Berlin-Neukölln. Die Ablehnung von Krieg und Faschismus gab ihm der Vater, der »rote Professor«, wie Reformpädagoge Erwin Ruge genannt wurde, mit auf den Weg...

Axel Berger

Für Bosse ein schwarzer Tag

Ein Blick auf die Entwicklung der Lohnquote in der Bundesrepublik fördert Erstaunliches zutage. Im Gegensatz zu allen Mythen rund um den Rheinischen Kapitalismus und dessen angeblich sozial ausgleichende Funktion hat es seit der Konsolidierung des Nachkriegskapitalismus in den 1950er Jahren lediglich eine Phase gegeben, in der der Anteil der Löhne am Volkseinkommen einen nachhaltigen Anstieg verze...

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Stromleitung aus dem Weltall

Fast genau zum vierten Jahrestag der Fukushimakatastrophe gelang den Forschern der japanischen Raumfahrtagentur JAXA unlängst ein Experiment, das eine neue Energiequelle anzapfen könnte. Die Wissenschaftler konvertierten 1,8 Kilowatt Strom in Mikrowellen und schickten diese durch die Luft auf einen 55 Meter entfernten Empfänger, wo die Mikrowellen wieder in elektrischen Strom umgewandelt wurden. T...

ndPlusIris Rapoport

Tücken der Fettsenker

Wir hätten immer gern Gewissheiten, wohl wissend, dass es die selten gibt. Sicher ist, dass der menschliche Organismus Cholesterin benötigt und auch, dass ein Zuviel davon schadet. Es begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und die, und das ist ebenfalls sicher, sind derzeit eine der beiden Haupttodesursachen in den Industrienationen. Das Cholesterin unseres Körpers - Biolumne-Leser wissen da...

Frank Ufen

Das System als Roman

Im Jahre 2010 hatte New York 8 175 000 Einwohner. Los Angeles war mit 3 793 000 Menschen die zweitgrößte Stadt der Vereinigten Staaten. Dann folgten Chicago mit 2 696 000, Houston mit 2 100 000 und Philadelphia mit 1 526 000 Einwohnern. Zwischen den Einwohnerzahlen sämtlicher amerikanischer Städte besteht ein verblüffender statistischer Zusammenhang: Die zweitgrößte Stadt der USA hat ungefähr halb...

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Wie der Wolf zum Mops wurde

Weltweit gibt es derzeit rund 350 anerkannte Hunderassen, die sich in Größe, Form und Verhalten oft erheblich unterscheiden. Es war daher lange unklar, ob alle Haushunde nur von einem oder mehreren Vorfahren abstammen. Neben dem Wolf kam dafür vor allem der Goldschakal in Frage. Erst genetische Analysen haben hier Klarheit gebracht. So unterscheidet sich das Erbgut von Hund und Wolf lediglich um 0...

Martin Koch

Eine Rippe als Beweis

Sei meines Hundes Freund, und du bist auch der meine«, sagt ein indianisches Sprichwort. Auch Arthur Schopenhauer, der Philosoph mit dem Pudel, war des Lobes voll für seinen treuen Begleiter: »Wer nie einen Hund gehabt hat, weiß nicht, was Lieben und Geliebtwerden heißt.« Zu keinem anderen Tier fühlt sich der Mensch emotional mehr hingezogen als zum Hund. Allein in Deutschland leben derzeit über f...

Seite 29

Denkspiellösung

Zwei Lösungen wollten wir von Ihnen bei »Mal das Rädchen stoppen« vom 30. Mai haben. Deshalb wurden aus den doppel-richtigen Einsendungen auch zwei Buchpreise ausgelost. Die richtige Lösung von Denkspiel I lautete: Da alle Sätze einander widersprechen, kann maximal ein Satz wahr sein. Von n Sätzen ist das stets der (n-1)te Satz, der behauptet, dass (n-1) Sätze falsch seien. In unserem Fall: 9...

Bis der Hahn kräht

Durak ist ein klassisches Ablegespiel. An einem Match können zwei bis sechs Personen teilnehmen; zum Einsatz kommt dabei ein Deck aus 36 Karten. Nach dem Mischen erhält jeder sechs Karten, anschließend wird im Uhrzeigersinn gespielt. Der Spieler, der links vom Kartengeber sitzt, eröffnet die Runde und greift seinen linken Nachbarn an. Ein Attacke beginnt, indem eine oder mehrere Karten der gleiche...

Monika Salz

Kamel und Weihrauch

In Bania wird mit Hilfe von Waren wie Gewürzen, Weihrauch, Öl und Seide eine Zeltstadt in der indischen Wüste errichtet. Die Zelte werden mit den von Elefanten herangetragenen Rohstoffen bezahlt und auf dem Spielfeld errichtet. Dafür sind auf der Rückseite jedes Zeltplättchen die Waren abgebildet, die man benötigt, um das jeweilige Zelt zu erwerben. Jeder Spieler darf pro Runde so viele Zelte baue...

ndPlusMike Mlynar

Kontenfrage

»Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen.« Dieses Lukas-Zitat aus dem Neuen Testament ist exemplarisch für die weite Auslegungsfähigkeit von Bibeltexte. Auch die goldene Geschäftsregel »Gibst du mir, so geb’ ich dir« lässt sich damit gut begründen. Und die wiederum ist lediglich eine verbrämte Formel für die allgemein bekannte wie verbreitete Tatsache, dass eine Hand die andere wäs...

Gedächtnis gewinnt

Täglich wird hier die oder der Doofe ausgeguckt: im Jugendzentrum Heuchelhof in Würzburg. Da zocken Mädchen und Jungen nämlich begeistert »Durak«, zu Deutsch: »Dummkopf«. Ein traditionelles russisches Kartenspiel, bei dem sogar ein orthodoxer Hintergrund im Spiel ist. Um so bemerkenswerter ist, dass »Durak« gerade in der unterfränkischen Bischofsstadt boomt. Johannes Diegruber, 62, Sozialpädagoge, sorgt maßgeblich dafür. Warum, erläutert er nd-Autor René Gralla

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ndPlusAndré Micklitza

Grüne Perlen werden poliert

Der Muskauer und derKromlauer Park sowie die Schlösser im Hirschberger Tal zählen zu den sächsischen und schlesischen Gartenjuwelen - jetzt sollen die kleinen, oft unbekannten Perlen in der Lausitz wieder zum Glänzen gebracht werden. »Die Gärten und Parks beiderseits der Neiße sind Spiegel einer über die Jahrhunderte hinweg gewachsenen Kulturlandschaft. Mehr als 600 historische Anlagen zeigen den ...

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Hajo Obuchoff

Nach Süden, nach Süden ...

Der Stromboli spuckt nicht. Nur etwas roter Rotz fließt als dünnes Rinnsal an der Nord-West-Seite des Vulkans herab. Und ab und an rollen, kleinen Feuerrädern gleich, glühende Gesteinsbrocken abwärts. Einige wenige klatschen ins Meer. Dabei ist der Vulkan nördlich von Sizilien immer aktiv. Diese ständigen kleinen Ausbrüche sind deshalb auch als »strombolianische Eruptionen« bekannt. Immerhin trägt...

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ndPlusChristina Matte (Text) und Joachim Fieguth (Bild)

Wie konnte Gott das zulassen?

Am 24. März 2015 absolviert der Germanwings-Airbus A320 mit 150 Menschen an Bord den Linienflug von Barcelona nach Düsseldorf. Während in Düsseldorf, auf dem Flughafen, Angehörige auf ihre Kinder, Partner oder Eltern warten, zerschellt die Maschine in den französischen Alpen. Nach Bekanntwerden des Unglücks sind es auch Notfallseelsorger, die in den ersten Stunden, Tagen den schockstarren Hinterbl...