Seite 1

UNTEN LINKS

Was für eine Woche! Da hatte Vizekanzler Sigmar Gabriel seinen großen Auftritt und konnte für eine Dreiviertelstunde auf dem Merkel-Sessel Platz nehmen. Wie zuvor schon Franz Müntefering und Guido Westerwelle hat er zwar nicht die Spur einer Chance, sich dauerhaft dort festzusetzen. Aber genossen hat’s der Genosse trotzdem. Weniger Genuss dürften der Kanzlerin die veröffentlichten Urlaubsfotos ber...

Neuer Impfstoff wirkt gegen Ebola

Genf. Erstmals wirkt ein Ebola-Impfstoff nachweislich: In einer großen Studie in Guinea schützte das Mittel VSV-ZEBOV die Teilnehmer zuverlässig vor einer Ansteckung mit dem Virus. Geimpft wurden Menschen, die mehr oder weniger Kontakt zu Neuinfizierten hatten und als besonders gefährdet galten. Die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, sprach von einer »sehr viel...

ndPlusFabian Lambeck

Der unmögliche Verrat

Die Ermittlungen gegen netzpolitik.org betreffen alle Medien. Paragraf 94 sollte Journalisten ausnehmen, denn er hat das Potenzial, diese einzuschüchtern und so die Veröffentlichung brisanter Informationen zu unterdrücken.

Kesseltreiben am Eurotunnel

Berlin. Mit mehr Zäunen und Spürhunden will der britische Premier David Cameron dem Flüchtlingsandrang auf der französischen Seite des Eurotunnels begegnen. Die Fluchtversuche und die Behinderungen des Zugverkehrs unter dem Ärmelkanal seien »inakzeptabel«, sagte Cameron am Freitag. In der Nacht zuvor hatten erneut Hunderte Migranten versucht, nahe der nordfranzösischen Hafenstadt Calais zum Eurotu...

Range steht ganz plötzlich doch auf Pressefreiheit

Berlin. Im Verfahren wegen angeblichen Landesverrats gegen die Journalisten von »netzpolitik.org« und gegen »Unbekannt« lässt Generalbundesanwalt Harald Range die Ermittlungen vorerst ruhen. Mit Blick auf das hohe Gut der Pressefreiheit, hieß es kaum 24 Stunden, nachdem die vom Bundesamt für Verfassungsschutz angestrebten Ermittlungen öffentlich geworden waren. Zunächst wolle die Bundesanwaltschaf...

Seite 2
Katja Herzberg

Mehr von allem - gegen Flüchtlinge

Großbritannien will helfen, verkündete Premier David Cameron am Freitag mit Blick auf die anhaltenden Versuche hunderter Flüchtlinge, durch den Eurotunnel auf die Insel zu gelangen. Er hätte kein unpassenderes Wort für die von seinem Sicherheitskabinett beschlossenen Maßnahmen gebrauchen können.

Ingolf Bossenz

Nichts ist ungut

Es gibt Wörter, die wirken wie Peitschenhiebe. »Vernichten« ist so ein Wort. Es beschreibt einen Prozess, einen Vorgang, ein Agieren, deren Ziel die ultimative Zerstörung ist: das Nichts.

ndPlusRené Heilig

Berliner Verrat

Dass die Türkei in den vergangenen Jahren irgendetwas zum Zurückdrängen des Islamischen Staates (IS) geleistet hätte, kann niemand behaupten. Im Gegenteil!

ndPlusHeidi Diehl

Versilbert Gold

Was dem einen »unser Oma ihr klein Häuschen«, ist dem andern sein olympisches Gold: Es wird verscherbelt. Sind letztlich alles nur Staubfänger! Mit dem Geld lässt sich da doch viel mehr anfangen. Den Rest seines Lebens frei von finanziellen Sorgen verbringen zum Beispiel. Das erhofft sich zumindest Jim Craig, der im Tor der US-Eishockey-Mannschaft stand, als diese im Halbfinale bei den Olympischen...

Martin Leidenfrost

In der Internet-Demokratie

In einer der großen Volkswirtschaften läuft ein Experiment: Eine Partei, die ein Viertel der Parlamentssitze besetzt, behauptet, ihr »Nicht-Programm« mittels Mitglieder-Abstimmungen im Internet festzulegen.

Seite 3
ndPlusKnut Mellenthin

Ein falscher Freund

In der rechtsextremen Ausländerhasser-Szene gilt Jürgen Elsässer - »Wir sind Volkes Stimme« - als Kultfigur. Aber dass Wladimir Putin auch nur seinen Namen kennt, ist unwahrscheinlich.

Seite 4

Der Schreiberling ist schuld!

Journalisten sind - weiß Gott - keine besonderen Menschen, dennoch genießen sie und ihre Produkte einen besonderen Schutz. Sie sind - oder sollten es zumindest sein - Wächter dieser Demokratie und wichtiger Mittler der Teilhabe von Bürgern an den Geschicken des Staates. Ein sorgsamer Umgang mit der Pressefreiheit zeichnet echte Demokratien aus. Das Reichspressegesetz im deutschen Kaiserreich war d...

René Heilig

Wildgewordene Mini-NSA

Urplötzlich lässt der Generalbundesanwalt das Ermittlungsverfahren wegen Landesverrats gegen die Blogger von »netzpolitik.org« ruhen. Dass es eines gibt, bleibt eine Schande für den Rechtsstaat.

Seite 5

Brandsätze auf Unterkunft

Lunzenau. Auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft im mittelsächsischen Lunzenau bei Chemnitz ist in der Nacht zum Freitag ein schwerer Brandanschlag verübt worden. Unbekannte warfen drei Molotow-Cocktails in Richtung des Mehrfamilienhauses, dabei setzten sie eine Hecke in Flammen, wie das zuständige Operative Abwehrzentrum Sachsen mitteilte. Dies war bereits der zweite Angriff auf das noch unbewoh...

Aufnahme in Bischofssitz

Hannover. Angesichts der wachsenden Wohnungsnot von Flüchtlingen wollen sich die evangelischen Kirchen in Niedersachsen noch stärker für Asylsuchende engagieren. Prominentestes Beispiel in der hannoverschen Landeskirche ist Landesbischof Ralf Meister: Am Freitag sind nach epd-Informationen zwei junge Männer aus Afghanistan in eine Einliegerwohnung der Bischofskanzlei am Rande der Innenstadt von Ha...

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Die Zeltstadt verletzt Grundrechte

Mehrere Vereine und Initiativen in Sachsen haben scharfe Kritik an der Unterbringung von Flüchtlingen in einer Zeltstadt in Dresden geäußert. Der für die Einrichtung zuständige Freistaat verletzte damit Grund- und Menschenrechte, heißt es in einer Erklärung, zu deren Unterzeichnern das Kulturbüro Sachsen und das Netzwerk »Weiterdenken« in der Heinrich-Böll-Stiftung gehören, zudem das »Medinetz Dre...

Hendrik Lasch, Steinigtwolmsdorf

Warmherzig in einem kalten Land

Angriffe auf Heime, Hass gegen Zuwanderer: Das sind die Schlagzeilen aus Sachsen. Im Alltag aber bieten viele Menschen Hilfe für Flüchtlinge an - manche auch Obdach. Hendrik Lasch über Sachsens warme Seite.

Seite 6
Jan Keetman

Erdogan nimmt Kurden ins Visier

Die Woche war in der Türkei durch eine wachsende Spannung in der Kurdenfrage gekennzeichnet, während es um den Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) immer ruhiger wurde.

ndPlusAnke Stefan, Athen

Tsipras gewinnt Zeit

Der Premier und SYRIZA-Vorsitzende Tsipras hat sich durchgesetzt: Die Parteiführung folgte seinem Vorschlag, erst nach Abschluss des neuen Kreditprogramms die Delegierten zu versammeln.

Seite 7
Werner Birnstiel

China feiert seine Volksbefreiungsarmee

Der Jahrestag der Gründung der Volksbefreiungsarmee Chinas am 1. August ist kein gesetzlicher Feiertag. Die Streitmacht wird aber nicht nur aus historischen Gründen hoch gewürdigt.

Seite 8

Stabile Preise im Euroraum

Luxemburg. Der Anstieg der Verbraucherpreise in den 19 Euroländern bleibt auf niedrigem Niveau. Nach einer ersten Schätzung von Eurostat lag die jährliche Inflationsrate im Juli bei durchschnittlich 0,2 Prozent. Im Vormonat hatte sie ebenfalls 0,2 Prozent betragen. In der Bundesrepublik liegt die Teuerung nach neuesten Daten in etwa auf dem durchschnittlichen Niveau der Eurozone. Für den leic...

Strafandrohung gegen Greenpeace wegen Shell-Protesten

Los Angeles. Wegen einer Protestaktion gegen den Ölkonzern Shell in den USA droht der Umweltschutzorganisation Greenpeace eine empfindliche Geldstrafe. Eine Bundesrichterin im US-Bundesstaat Alaska entschied am Donnerstag, dass die Aktivisten für jede weitere Stunde, die sie die Abfahrt des Eisbrechers »Fennica« blockieren, 2500 Dollar (2260 Euro) zahlen müssen, wie ein Gerichtssprecher mitteilte....

Google gegen globales »Recht auf Vergessen«

Hamburg. Bürger in Europa haben nach Einschätzung des Hamburger Datenschützers Johannes Caspar einen Anspruch darauf, dass Google das »Recht auf Vergessenwerden« weltweit umsetzt. Bisher bezieht Google Löschanfragen nur auf den jeweiligen Landeswebsites wie Google.de in Deutschland oder Google.fr in Frankreich. Diese Praxis lasse das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) letztlich ins Leere...

Facebook stellt Solardrohne vor

Menlo Park. Facebook hat seine erste Drohne präsentiert, die Internet in entlegene Gebiete bringen soll. Das unbemannte Fluggerät »Aquila« habe die Spannweite einer Boeing 737, erklärte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg am späten Donnerstag. Die solarbetriebene Drohne wiege weniger als ein Auto und könne bis zu drei Monate in der Luft bleiben. Außerdem entwickelte Facebook einen Laser, der Daten mi...

Hermannus Pfeiffer

K+S interviewt seine Aktionäre

Der kanadische Düngemittelkonzern Potash wirbt hartnäckig um den deutschen Konzern K+S. Der ziert sich - noch?

Seite 9

Ehrung für Lukas Bärfuss

Der Schweizer Autor und Dramaturg Lukas Bärfuss wird mit dem Nicolas-Born-Preis des Landes Niedersachsen ausgezeichnet. Der 43-Jährige erhalte die mit 20 000 Euro dotierte bedeutendste Literatur-Auszeichnung des Landes am 24. September, teilte das Ministerium für Wissenschaft und Kultur am Freitag in Hannover mit. Mit dem Nicolas-Born-Debütpreis und 10 000 Euro wird die Schriftstellerin und Filmem...

Künstliche Intelligenz

Der Legende nach soll Rabbi Löw im 16. Jahrhundert in Prag ein aus Lehm gebildetes stummes, dem Menschen ähnliches Wesen geschaffen haben, das die Fähigkeit hatte, Aufträge, die ihm der Mensch erteilte, selbstständig auszuführen. Hierzu musste der Figur ein Zettel in den Mund gelegt werden. In der jüdischen Mystik ist diese Figur als Golem bekannt. Gewissermaßen war der Zettel, mit dem die Juden d...

ndPlusThomas Blum

Wer zuerst lacht, wird erschossen

Kurz vor seinem gewaltsamen Tod beendete Charb, Chefredakteur des Satiremagazins "Charlie Hebdod" seine Streitschrift "Brief an die Heuchler". Darin verteidigt er leidenschaftlich die Kunst- und die Meinungsfreiheit.

Seite 10
Karlen Vesper

Lotte gibt den Auftakt

Was waren das für Zeiten! »Ulbricht, Ulbricht«, skandierten junge Ägypter in Kairo. Solchen Empfang hat der Staatsratsvorsitzende zu Hause kaum erlebt. Gamal Abdel Nasser lud ihn 1965 ein, zum Ärgernis der Bonner Regierung, deren Hallstein-Doktrin jegliche Kontakte zur DDR als einen »feindlichen Akt« wertete. Ostdeutschen dürfte bei den Filmsequenzen ein Witz in den Sinn kommen, den damals der Vol...

Horst Nalewski

Anders leben - ob das gelingen könnte?

Christa Wolf war im 60. Lebensjahr, als dieser Text erschien. Eine hochbedeutende Autorin, die eigentlich den Nobelpreis verdient hätte: für »Nachdenken über Christa T.« (1968), »Kindheitsmuster« (1976), »Kein Ort. Nirgends« (1978), »Kassandra« (1983), »Störfall« (1987). Das Wiederlesen macht den Ersteindruck um ein Vielfaches bedrängender. Was damals von der Erzählerin als Menschheitsbedrohendes ...

ndPlusUte Evers

Drama des Exils

Das Exil sei »eines der großen Dramen in der Geschichte Kubas«, sagte der kubanische Schriftsteller Leonardo Padura in einem nd-Interview. Dies beweist auch sein neuer Roman "Die Palme und der Stern".

Seite 11
Andreas Schirmer, Kuala Lumpur

Garantien für alles – außer Schnee

Der Favorit Peking hat beim Kongress des Internationalen Olymischen Komitees in Kuala Lumpur die Wahl um die Winterspiele 2022 gewonnen. Verlierer Almaty ist nach 2014 zum zweiten Mal gescheitert.

Stephan Fischer

Nobelpreis verdächtig

Lange hat Michel Platini gezögert, jetzt will er doch FIFA-Präsident werden. Der Verband selbst ist dabei reif fürs Museum - und »fast eine Beleidigung für die Mafia«.

Seite 12
Alexander Ludewig, Aue

Aufschwung trotz Abstieg in Aue

Folge 69 der nd-Serie »Ostkurve«: Beim Drittligisten FC Erzgebirge hat sich die Mitgliederzahl 
mehr als verdoppelt, sind die Fans Trikotsponsor und entsteht endlich ein neues Stadion

Seite 13
Sarah Liebigt

Strafzettel per Mausklick

Wer sich in Deutschland beschwert, der hat auch automatisch das Kissen an die Unterarme getackert, mit dem er das Fensterbrett polstert, um Nachbarn oder Hundehalter zu beobachten. Doch so einfach ist es nicht.

ndPlusSascha Stanicic

CFM kündigt Ersatzbetriebsrat

Weil er von seinem Vorgesetzten körperlich angegangen wurde, zeigt ein Mitarbeiter seinen Chef an. Daraufhin wird er gekündigt. Ver.di sieht ein prinzipielles Vorgehen gegen Gewerkschafter.

Christian Baron

Computer sind auch nur Menschen

Was lange währte, soll endlich gut werden: Nach mehrmaliger Terminverschiebung kann das Online-Ordnungsamt nun an den Start gehen. In manchen Bezirken gibt es aber noch technische Probleme.

Seite 14

Woodstock jenseits der Oder

Der echte Hippie muss auch mal im Schlamm baden - nur eins der Rituale, das am Wochenende Zigtausende Rockfans aus nah und fern beim Festival im polnischen Kostrzyn erwartet.

Nicolas Sustr

Tempelhof soll abheben

Die EU spendiert 20 Millionen Euro, um das einstige Flughafengebäude attraktiver zu machen. Wie das funktionieren soll, ist unklar.

Seite 15

Seepferdchen für ganz Große

Wenn im Sommer die Massen ans Wasser pilgern, bleiben manche lieber zu Hause - weil sie nicht schwimmen können. Es als Erwachsener zu lernen, ist eigentlich nicht schwerer.

ndPlusBirgit Sander, Schwerin

Wenn der Zug unerreichbar ist

Bahnreisen für gehbehinderte und blinde Menschen sind nach wie vor schwierig. Stufenloses Einsteigen ist in Mecklenburg-Vorpommern längst nicht überall möglich.

Alice Bachmann, Bremen

Schrumpfkur für Bremens Taxi-Flotte

Bremen ist nicht nur das kleinste Bundesland, sondern auf etlichen Themenfeldern leider Schlusslicht. Nun hat eine Untersuchung ergeben, dass die Stadt Bremen auch in Sachen Taxi-Nutzung mit durchschnittlich 4,3 Fahrten jährlich pro Einwohner ganz weit unten in der Tabelle steht. Dabei entspricht die Ausstattung der Taxi-Flotte dem Bundesdurchschnitt. Um die Wettbewerbs-, Arbeits- und Einkommensbe...

Seite 16

Zugang zur Insel

Der Bau des neuen zentralen Zugangs zur Berliner Museumsinsel kommt voran. Der Rohbau der James-Simon-Galerie wächst in die Höhe. Derzeit findet der Durchbruch vom künftigen Empfangsgebäude zum benachbarten Pergamonmuseum statt. »Mit dem Durchbruch ist die Voraussetzung dafür geschaffen, dass Besucher später von der James-Simon-Galerie direkt in die Hauptetage des Pergamonmuseums gehen können, wo ...

Magdeburg gibt sich mittelalterlich

Magdeburg. Sachsen-Anhalts Hauptstadt Magdeburg will sich Anfang September während des Kaiser-Otto-Festes mittelalterlich präsentieren. Das Ottofest biete den Gästen mehr, als bloßes Karussell fahren, sagte Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) am Donnerstag. Vom 4. bis 6. September würdigt die Landeshauptstadt zum fünften Mal mit einem Mittelalterspektakel die historisch bedeutsame Zeit der Ottone...

Gastprofessur für Ai Weiwei

Der Freundeskreis des chinesischen Künstlers Ai Weiwei rechnet mit einem längeren Aufenthalt des 57-Jährigen in Deutschland. »Wir freuen uns, dass Ai Weiwei jetzt seine Gastprofessur an der Universität der Künste annehmen kann«, sagte der Galerist und Sprecher der Initiative, Alexander Ochs, am Freitag in Berlin. »So wie wir ihn kennen, wird er diese Aufgabe sehr ernst nehmen und während der Semes...

Ferien auf der Autobahnbaustelle

Es ist jedes Jahr das gleiche Szenario: Endlich Sommerferien, aber auf dem Weg in den Urlaub sorgen Autobahnbaustellen für Staus und Stress. An diesem Wochenende ist die Lage besonders angespannt.

ndPlusLucía Tirado

Wedding ist in Aufruhr

Feuer und Flamme war nicht nur Onkel Ahmed stets von seiner Dönerbude »Chez Ölgür«. Sie bot allen in der Bühnensitcom »Gutes Wedding, schlechtes Wedding« (GWSW) im Prime Time Theater eine Art Zuhause. Nun ist die Bude abgebrannt. Schweinerei. Skandal. Wedding ist in Aufruhr. Feindliche Übernahme droht. Ist »Chez Ölgür« nicht bis zum Abend wieder aufgebaut, bestimmt der Schwabe aus Prenzlauer Berg ...

Heidi Diehl

Brudermord im Schwurgericht

Eine Ausstellung in Naumburg (Sachsen-Anhalt) mit Werken der »Düsseldorfer Malerschule« zeigt nicht nur Kunst. Sie geht auch der Frage nach, was einen Mörder von einem Henker unterscheidet.

Seite 17
Regina Stötzel

Ruhige, entspannte Tage. Damals

Jaja der Sommer...Klar das Wetter ist eigentlich wie immer nicht sommerlich genug. Und für uns Journalisten fehlt das Sommerloch. Und das ist schlecht: Denn das bedeutet leider viele schlechte Nachrichten in der Sommerzeit.

Seite 18
ndPlusChristian Baron

Bei ’s Herrn Paffe

Vor etwa 150 Jahren baute Georg Michael Pfaff in Kaiserslautern seine erste Nähmaschine. Damals florierte sein 
Unternehmen, sogar bis 1970. Das ehemaligen Werksgelände gleicht heute allerdings einer Industriebrache.

Seite 20
John Dyer

Irischstämmiger Dickschädel

Marty Walsh ist immer gut darin, mit offenen Worten die Öffentlichkeit zu erschrecken. So machte Bostons Bürgermeister zu Wochenbeginn Schlagzeilen, als er die Bewerbung seiner Stadt um die Olympischen Spiele 2024 zurückzog, weil er sie den damit verbundenen finanziellen Risiken nicht aussetzen will. »Ich weigere mich, die Zukunft der Stadt mit einer solchen Hypothek zu belasten«, sagte Walsh. Er ...

Seite 21
ndPlusIngolf Bossenz

Geschändete Schöpfung

»Wir gehen einer explosiven Interaktion aller unserer Sünden entgegen: der Sünden, die wir gegen unser geistiges und materielles Erbe begangen haben. Nach unseren Berechnungen geht es mit der Welt vor dem Jahre 2100 rapide abwärts. ... Da wir fünfzig bis hundert Jahre brauchen, um entsprechende Veränderungen herbeizuführen, müssen wir handeln – sofort.« »Der Kapitalismus, der Dienst am...

Seite 22

Die Bahai-Religion

Die Bahai-Religion hat ihren Ursprung in Persien. Ihr Begründer, Sayid Ali Muhammad, interpretierte dort 1844 die schiitische Glaubenslehre neu. Er behauptete, Mohammed sei nicht der letzte Prophet, forderte Reformen, eine bessere Stellung der Frauen und verbot später den »Heiligen Krieg«. 1850 wurde der »Bab« öffentlich hingerichtet. Während andere Religionsgruppen wie etwa Christen oder Jud...

ndPlusMirko Schwanitz

»Das flasht total«

In Haifa ist es heiß und jeden Abend ein bisschen wie Weihnachten. Am Ben-Gurion-Boulevard reiht sich Lokal an Lokal. In den Bäumen glitzern Lichterketten. Und am Ende der Straße hängen sie geradewegs aus dem nachtschwarzen Himmel. Fragend drehe ich mich zu meinem Begleiter um. Karl Walter ist Sohn eines Czernowitzer Juden und studierter Botaniker. »Da beginnen die Gärten der Bahai - das Paradies ...

Seite 23
ndPlusDetlef Kannapin

Ein Gegenwartsgefährte

Es ist interessant, dass der marxistische Philosoph und Literaturwissenschaftler Georg Lukács (1885 - 1971) im Jahr seines 130. Geburtstages mit einigen seiner Thesen wieder zu einem regulären Thema in der öffentlichen Diskussion werden konnte. Noch vor zwanzig, fünfundzwanzig Jahren war er als stalinistischer Gott-sei-bei-uns und steinerner Dogmatiker der Verfehlungen des sozialistischen Realismu...

Seite 24

Bildungslexikon

Germanistische Mediävistik, die; Substantiv, feminin. Der Germanist Hilkert Weddige definiert in seiner »Einführung zur germanistischen Mediävistik« den Begriff als eine vom lateinischen medium aevum abgeleitete »fächerübergreifende Gesamtwissenschaft vom europäischen Mittelalter«. Germanistische Mediävistik befasst sich mit der deutschen Sprache und Literatur vom 8. bis ins 16. Jahrhundert. Bekan...

Sitzenbleiben

Mit einem sprichwörtlichen blauen Auge ist ein Schüler aus Niedersachsen eben nicht davon gekommen. 2013 musste der Junge, der die Bluterkrankheit hat, stationär im Krankenhaus behandelt werden, nachdem ihm ein Sitznachbar den Stuhl unterm Hintern weggezogen hatte. Der heute 17-Jährige erlitt Prellungen und Blutergüsse. Die Klage gegen seinen Mitschüler auf Schadenersatz wurde Mitte dieser Woche d...

ndPlusJürgen Amendt

Von der Uni in die Arbeitslosigkeit

Laut Statistischem Bundesamt war im Wintersemester 2013/14 das Fach Betriebswirtschaftslehre der beliebteste Studiengang an deutschen Hochschulen und Universitäten - jedenfalls, wenn man nach der Zahl der Einschreibungen geht. Mehr als 222 000 junge Menschen begannen in besagtem Semester ein solches Studium, rund 117 000 schrieben sich für Maschinenbau, knapp 107 000 für Rechtswissenschaften ein. ...

Lena Tietgen

Wertewandel der Uni

Einer der Gründe, dass vornehmlich geistes- und gesellschaftswissenschaftlich geschulte Akademiker über den gesellschaftlichen Wertewandel der Bildung klagen, ist deren tiefe Verunsicherung. So kritisiert der Rechts- und Sozialphilosoph Dietmar von der Pfordten auf zeit.de den Verlust des Humboldtschen Bildungsideals, der Kern jeglichen Aufklärungsgedankens und damit Basis des Bildungsbürgertums w...

ndPlusVon Björn Hayer

Der Abstieg der Seiltänzer

Auf dem Podium des Nordisch-Baltischen Germanistentreffens, das neulich in Tallinn stattgefunden hat, herrschte Endzeitstimmung. Vertreter aus nord(ost)europäischen Instituten lamentierten über sinkende Studierendenzahlen und nachlassende Leidenschaft für ihr Fach. Man nimmt bedrückt zur Kenntnis, dass in der Auslandsgermanistik vielerorts massiv Stellen gekürzt, ja, ganze Institute geschlossen we...

Seite 25

Paraden und Rituale

Gewiss wird dieses Buch in erster Linie ehemalige Angehörige der Nationalen Volksarmee(NVA) der DDR und Militärhistoriker ansprechen; es kann aber auch guten Gewissens generell allen zeithistorisch Interessierten empfohlen werden. Die drei Autoren, Offiziere a.D., stellen Traditionen und Rituale des ostdeutschen Militärs vor. Sie informieren über Truppenfahnen sowie Traditionsnamen für Kasernen od...

Rolf Badstübner

Das Deutschlandprojekt

Am 2. August 1945 um 00.30 Uhr Moskauer Zeit endete im Potsdamer Schloss Cecilienhof die letzte Kriegskonferenz der Hauptmächte der Antihitlerkoalition - der »Großen Drei« - mit einer Erklärung und einem Protokoll, das die Beschlüsse festhielt. Sie setzte sozusagen den Schlusspunkt hinter den Zweiten Weltkrieg in Europa. Die Delegationen werteten die Konferenz, die sich ohne vorher festgelegte Tag...

Seite 26
ndPlusSusanne Steffen

Die Weltraum-Müllentsorger

Wenn der Satellit seinen Job beendet hat, tritt DOM in Aktion. Das Gerät, das von dem Familienunternehmen Nakashimada zusammen mit der Tohoku Universität entwickelt wurde, entfaltet eine dünne Membran, die das Mehrfache der Größe des Satelliten erreicht. So wird der Widerstand gegen die Restatmosphäre erhöht und der Satellit gebremst. Der ausrangierte Satellit verliert schnell an Höhe und verglüht...

Iris Rapoport

Mühelos abnehmen?

Wie viele wohl träumen davon? Natürlich ist hier nicht von einer weiteren ultimativen Diät die Rede, sondern von der Idee, unsere Fettzellen anzuregen, übermäßig Zugeführtes selbst zu »verbrennen«. Doch unser weißes Fettgewebe, eben jenes, von dem bei so manchem großer Überschuss herrscht, ist dazu nicht in der Lage. Denn es soll Reserven für Ausdauerleistung oder Hungerzeiten speichern und nicht ...

Gert Lange

Signale für taube Ohren

Erst war es ein furchtbarer Verdacht, dann, als Sylvia K.* weder durch lautes Händeklatschen noch durch das Aufeinanderschlagen von Topfdeckeln zu erschrecken war, mussten die Eltern sich eingestehen, dass ihre Tochter wohl stark schwerhörig ist. Das 2009 eingeführte Hörscreening in Geburtskliniken gab es damals noch nicht. Der Arzt präzisierte die Diagnose: Sylvia war von Geburt an taub. Heu...

Seite 27
ndPlusMartin Koch

Vom Klötzchenatom zur Stringwelt

Woraus bestehen alle Dinge? Von welcher Substanz ist die Materie? Das fragte Thales von Milet, der Urvater der griechischen Philosophie, schon vor rund 2500 Jahren. Antworten hierauf gab es seitdem viele. Doch keine war für die Wissenschaftsgeschichte so folgenreich wie die des in der thrakischen Stadt Abdera lebenden Philosophen Demokrit (um 460-370 v.u.Z.): »Nur scheinbar hat ein Ding eine Farbe...

Seite 29
Carlos García Hernández

Schachkolumne von Carlos García Hernández

In der renommierten «Deutschen Schachzeitung» sowie in der international ebenso geschätzten «Wiener Schachzeitung» erschienen einst jahrzehntelang immer wieder Kommentare und Analysen, vor allem aber Schachkompositionen, die mit dem Autorennamen «Halmont» gezeichnet waren. Jedes Mal gab es zahlreiche wohlwollende bis entzückte Leserreaktionen - aber auch immer wieder ward die Frage aufgeworfen: We...

Mike Mlynar

Panta rhei - oder doch nicht?

Panta rhei, alles fließt, davon war bereits Heraklit von Ephesos überzeugt. Die meisten seiner Zeitgenossen verstanden das ebenso wenig wie die ihnen über zwei Jahrtausende folgenden Generationen. Die Moderne transformierte die antike Weisheit dann in ein allgemein-verbindliches Schlagwort. Dass nämlich alles relativ sei. Nicht zuletzt in - allerdings falsch verstandener - Anlehnung an Albert Eins...

Faire Vorfahrt statt Speichenramme

Einradhockey, das kommt uns eher wie eine Zirkusnummer vor? Das besagte Einrad stammt tatsächlich aus dem Zirkus, trotzdem ist unsere Hockeyvariante eine ernst zu nehmende Mannschaftssportart. Und die hat ein japanischer Weltenbummler namens Takafumi Ogasawara bereits in den 1970er Jahren nach Deutschland gebracht. Erste Fans, die damals mit ihm locker rumdaddelten, taten sich im Rhein-Main-G...

Seite 30
ndPlusElke Thonke

Quirlig, bunt und selbstbewusst

Schon in den frühen Morgenstunden, wenn noch leichter Dunst über der sieben Millionen Einwohner zählenden Stadt liegt, brodelt in Hongkong das Leben. Wie fliehende Punkte zwischen Wolkenkratzern eilen die Menschen zu ihren Arbeitsplätzen. Die frühere britische Kronkolonie, die sich über 260 Inseln und Halbinseln erstreckt, gehört zu den reichsten Städten der Welt. Auch nach der Rückgabe der E...

Seite 31
ndPlusAlexander Richter

Geballte Ladung Historie

Der erste Anlauf zum salzigen Selbstversuch geht schief. Der zweite auch und da wird vor allem das sich wieder Aufrichten zur clownesken Zirkusnummer. Nach zehn Minuten aber habe ich den Bogen raus. Ich habe Vertrauen in das Wasser oder besser: Ich glaube, dass das salzschwere Nass des Toten Meeres mich trägt. Einfach zurücklehnen und sich langsam auf den Rücken fallen lassen. Es klappt. Wie von s...

Seite 32

Ein Stein für Frau Stein

Der Schulhof füllt sich. Mädchen und Jungen aus den Klassen sieben, acht, neun, zehn, elf und zwölf kommen auf den Platz. Es werden immer mehr. Alle haben einen Stein in der Hand. Die Gesichter sind freundlich, aber Steine sind Steine. Flashmob am Goethe-Gymnasium? Ramona Stein, die Schulsozialarbeiterin, soll gehen. Ihr Beschäftigungsprogramm ist abgelaufen. Aber das Gymnasium braucht sie und wil...