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Obdachloser im Schlaf angezündet

Berlin. Zwei Personen haben am Freitagvormittag versucht, einen Obdachlosen anzuzünden. Wie die Polizei mitteilte, sollen eine 44-jährige Frau und ein 30-jähriger Mann auf einer Bank im Stadtteil Wedding gesessen und mehrfach versucht haben, den Schlafsack eines auf einer Bank neben ihnen liegenden Mannes zu entzünden. Mehrere Menschen hatten das beobachtet und die Polizei alarmiert. Der star...

UNTEN LINKS

Um gegen Neonazis und Europas Asylpolitik zu protestieren, haben sich Musikschaffende zu allerlei Netzwerken zusammengefunden. Wer an »Rock für die Flüchtlinge« denkt, liegt nicht so falsch. Die Unterabteilungen des zeitgenössischen Schlagers tragen zwar andere Namen, aber wir wollen ja nicht meckern. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, in der Zeitung ohne Verrenkungen »Arschloch« zu schrei...

Putin will Bündnis gegen Terrormiliz

Wladiwostok. Im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und Irak schmiedet Kremlchef Wladimir Putin Pläne für eine internationale Koalition. Darüber habe er unter anderem mit US-Präsident Barack Obama in einem Telefonat gesprochen, sagte der russische Präsident bei einem Wirtschaftsforum in Wladiwostok am Freitag. Bislang sei es jedoch verfrüht, von einem Kampfeinsatz russisch...

Kipping: Nahles muss Hungertod von Boes abwenden

Berlin. Linksparteichefin Katja Kipping hat sich in einem Brief an Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) für den seit zwei Monaten hungerstreikenden Hartz-IV-Betroffenen Ralph Boes eingesetzt. Nahles solle mit ihm sprechen »und ihn davon abbringen, sich zu Tode zu hungern«, fordert Kipping. Der Berliner nimmt seit dem 1. Juli keine feste Nahrung mehr zu sich. Der Erwerbslosenaktivist protest...

Herr Juncker, treten Sie zurück!

Juncker ist zurück auf dem Boden der Realtität. Entschieden wird nicht in Brüssel, sondern in den Ländern der EU. Wenn er die Flüchtlingsfrage wirklich lösen will, muss er ein deutliches Zeichen setzen.

Uwe Sattler

Herr Juncker, treten Sie zurück!

»Es reicht nicht, abends vor den Fernsehschirmen zu weinen, wenn Menschen im Mittelmeer ertrinken, und am nächsten Morgen im EU-Rat eine Gedenkminute abzuhalten.« Das hat Juncker gesagt, jetzt sollte er handeln.

Flüchtlinge in Orbans Falle

Berlin. Der Umgang der ungarischen Behörden mit Flüchtlingen hat am Freitag erneut zu dramatischen Szenen geführt. Nachdem die Polizei den Budapester Keleti-Bahnhof tagelang blockiert hatte und der grenzüberschreitende Bahnverkehr eingestellt wurde, brachen Flüchtlinge zu Fuß vom Bahnhof in Richtung österreichische Grenze auf. Mehr als tausend Menschen formierten sich zu einem großen Marsch. Teiln...

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Olaf Standke

Schreckensszenario

Anschläge mit Biowaffen sind ein Schreckensszenario, das man vor allem aus Hollywood-Filmen kennt. Doch hat Washington in den vergangenen Jahren etwa mit Blick auf Al Qaida verstärkt vor realen Gefahren gewarnt. Dabei braucht es für die gar keine Terroristen. Immer wieder sorgen Sicherheitspannen in US-Labors für Alarm. So gab es zuletzt in einem Forschungszentrum eine Verseuchung mit dem Milzbran...

Aert van Riel

Grundrechte verhökert

Anders als Winfried Kretschmann behauptet, haben er und seine Partei bei den Verhandlungen mit der Bundesregierung zur Asylpolitik im vergangenen Jahr kaum Erfolge erreicht. So wurde etwa die Gesundheitskarte für Flüchtlinge in dem Bund-Länder-Beschluss nicht verbindlich festgelegt. Dort ist lediglich von einem »Prüfauftrag« die Rede. Nun will die Unions-Fraktion im Bundestag das Vorhaben doch nic...

ndPlusInes Wallrodt

Ein Wort würde reichen

Die Deutschen haben einen neuen Schuldigen gefunden: Viktor Orban. Der Mann, der mit aller Härte gegen Flüchtlinge vorgeht. Doch Schimpfen alleine wird den Geflohenen nicht helfen. Deutschland muss sich endlich bewegen.

ndPlusOlaf Standke

In Gottes Namen

Kim Davis ist eine strenggläubige Christin aus dem Provinznest Morehead im ländlichen Osten des US-Bundesstaats Kentucky, Mitglied der »Solid Rock Apostolic Church«. Und sie ist Verwaltungsangestellte, im Vorjahr als Kandidatin der Demokratischen Partei zum County Clerk gewählt. Das Amt ist mit dem einer Standesbeamtin vergleichbar, womit sie zuständig wurde für die Ausstellung von Heiratsurkunden...

Martin Leidenfrost

Almöhis Sexpuppe

Dass ich auf dem Dach Europas herumkurve, um den Spuren einer Sexpuppe zu folgen, hat mit einer anderen Lust zu tun: Ich muss dafür in alle drei Sprachräume des einzigen dreisprachigen Schweizer Kantons, nach Graubünden.

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Arbeit für Balkanbürger

Hamburg. Bundesarbeitsministerin will Andrea Nahles (SPD) bis zu 100 000 Bürgern aus Westbalkan-Ländern wie Albanien, Bosnien oder Kosovo den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt öffnen. »Wir müssen ein festes Kontingent von Arbeitsbewilligungen für die Staatsangehörigen aller sechs Westbalkanstaaten schaffen«, sagte Nahles dem »Spiegel«. Sie schlug vor, dass jährlich insgesamt 20 000 Beschäftigte un...

Uwe Kalbe

Koalition setzt auf »schnelle Abschiebung«

Deutschland hat nicht nur alle Hände voll zu tun, um Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen, sondern bemüht sich verzweifelt, von der EU-Flüchtlingspolitik zu retten, was zu retten ist. Vergeblich.

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ndPlusAnke Stefan, Athen

Tränen und Tränengas

Zwei EU-Kommissionsmitglieder waren am Freitag nach Kos gereist, um sich ein Bild der Lage zu machen. Mit Beifall wurde sie nicht empfangen, im Gegenteil.

Ian King, London

Wende in der Flüchtlingspolitik

Einzelheiten einer neuen Regelung der Aufnahme von Flüchtlingen in Großbritannien stellte Premierminister David Cameron am Freitag in Aussicht. Tausende Flüchtlinge, die bislang in Lagern nahe der syrischen Grenze lebten, sollen ins Land gelassen werden. »Das gibt ihnen einen direkteren und sichereren Weg ins Vereinigte Königreich, statt dass sie die gefahrvolle Reise riskieren, die tragischerweis...

Thomas Roser

Orbans kaltblütiges Kalkül

Kritiker wittern hinter der harten Haltung des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban gegenüber Flüchtlingen das politische Kalkül, sich als starker Mann zu profilieren.

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Rudolf Stumberger

Wer konnte, machte sich rar

Franz Josef Strauß hat die Gemüter bewegt - und Millionen von D-Mark und Kubikmetern Erde. Denn umstrittene Großprojekte war eine Spezialität des CSU-Vorsitzenden und seiner Partei. Etwa der Rhein-Main-Donau-Kanal, bei dem 93 Millionen Kubikmeter Geröll ausgebaggert wurden. Heute bringt Strauß weniger in Bewegung, etwa, wenn es um die Ehrungen zu seinem 100. Geburtstag geht. Auf dem neuen Münchner...

ndPlusRudolf Stumberger

Spezls DNA prägt Bayern bis heute

Geboren als Metzgerssohn vor 100 Jahren, am 6. September 1915, hat Franz Josef Strauß eine steile politische Karriere hingelegt, sich oft danebenbenommen und ein politkriminelles System begründet.

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Guatemala: Pérez Molina in U-Haft

Guatemala-Stadt. Unmittelbar nach seinem Rücktritt ist Guatemalas Ex-Präsident Otto Pérez Molina in Untersuchungshaft genommen worden. Wegen Fluchtgefahr ordnete ein Richter die Festsetzung von Pérez Molina in einer Kaserne in Guatemala-Stadt an, wie das Oberste Gericht am Donnerstagabend (Ortszeit) bekannt gab. Der 64-jährige rechtskonservative Politiker und Ex-General war zuvor stundenlang zu se...

Dominic Heilig, Lissabon

Tief gespalten in den Wahlmodus

Bei der »Festa do Avante« erinnert die Kommunistische Partei Portugals an den 70. Jahrestag der Befreiung vom Hitler-Faschismus und muss sich kurz vor der Wahl mit der Schwäche der Linken beschäftigen.

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Vonovia jetzt im DAX notiert

Frankfurt am Main. Der Immobilienboom in Deutschland wird sich künftig auch im wichtigsten deutschen Börsenbarometer, dem DAX, niederschlagen. Wie von Experten erwartet, schaffte der frisch umbenannte Wohnungskonzern Vonovia - die frühere Deutsche Annington - den Aufstieg in das Standardwertebarometer mit den 30 größten deutschen Aktiengesellschaften. Im Gegenzug muss der Chemiekonzern Lanxess nac...

IFA soll smarten Uhren zum Erfolg verhelfen

Berlin. Die Elektronikmesse IFA in Berlin ist am Freitag offiziell für das Publikum geöffnet worden. Bis Mittwoch kommender Woche präsentieren 1645 Aussteller Neuheiten bei Fernsehern, Haushaltsgeräten sowie Computern. Zu den IFA-Schwerpunkten gehören in diesem Jahr der vernetzte Haushalt sowie Technik, die man direkt am Körper trägt - die sogenannten Wearables wie smarte Ihren, Fitness-Track...

John Dyer, Boston

Apple greift Google an

Benutzer von Apple-Mobilgeräten können künftig leichter Werbung auf ihren Bildschirmen sperren. Damit trifft Apple seinen Wettbewerber Google empfindlich.

ndPlusAnne Gonschorek, Kapstadt

Chinas Krise trifft auch Afrika

Chinas Finanzmärkte befinden sich in der Krise: Das Wachstum in Afrika erhält durch die wirtschaftlichen Probleme Chinas einen herben Dämpfer. Neben Angola ist auch Südafrika stark davon betroffen.

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Bald öffentlich

Die Privatbibliothek der Schriftstellerin Christa Wolf (1929-2011) und ihres Mannes Gerhard Wolf (86) geht an die Berliner Humboldt-Universität. Die Familie habe sich entschlossen, der Universität die 330 Regalmeter Bücher und Zeitschriften zur wissenschaftlichen und öffentlichkeitswirksamen Nutzung zu überlassen, teilte das Haus am Freitag mit. dpa/nd...

»Rheingold« zerschlagen

Fast ein halbes Jahr nach der Verurteilung des prominenten Kunstberaters Helge Achenbach wird die mit seiner Beteiligung gegründete Kunstsammlung »Rheingold« zerschlagen. Große Teile der Kollektion zeitgenössischer Kunst werden in die Sammlung von Achenbachs einstigen Partnern, den Unternehmer-Brüdern Viehof, integriert. Das teilte die Familie Viehof am Freitag in Mönchengladbach mit. Es handele s...

Aids im Diskurs

Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden widmet sich von diesem Samstag an mit einer Ausstellung der bis heute unheilbaren Immunschwächekrankheit Aids. Kern der Präsentation seien 240 Aids-Plakate der museumseigenen Sammlung, die mit Zeitdokumenten wie Filmen, Werbespots und Kunstwerken ergänzt werden, sagte Kurator Vladimir Cajkovac am Freitag. Unter dem Titel »Aids - nach einer wahren Begebenheit«...

Die Macht des Digitalen

Die Terroristen des sogenannten Islamischen Staates (IS) haben in dieser Woche erneut antike Anlagen im syrischen Palmyra gesprengt. Ihre Absicht ist klar: Die Vernichtung der Artefakte soll jene aus dem Gedächtnis der Menschen löschen. Mit dem Kulturvandalismus des IS wollen sich findige Ingenieure allerdings nicht abfinden. Sie planen, die zerstörten, jahrhundertealten Objekte mit Hilfe von 3D-D...

Hans-Dieter Schütt

Mit dem Zumsel kam der Krieg

Vom Volltrottel, Biederbürger mit Glubschaugenbrille und Biedermiefkasper zum altersweisen Charakterkopf oder wie aus dem blödelnden Komiker „Didi“ Hallervorden dann doch noch ein Dieter Hallervorden wurde.

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Reim auf die Woche

Die Hoffnung rollt aus Budapest, Gekrümmt, bedrängt, vertrieben, Durch Stacheldraht nach Nord und West In überfüllten Zügen. Man sieht sie ziehn. Man hält sie fest. Man stoppt sie, heißt sie reisen. Man nimmt sie auf, man hegt und lässt Sie aus dem Lande weisen. Sie strauchelt, japst, und doch: Ein Rest Der Hoffnung will nicht weichen, Trotz Zäunen, Knüppeln und Arrest Noch Zufl...

Mensch, Dichter

Der Schriftsteller und Dichter Rainer Kirsch ist am Freitag im Alter von 81 Jahren gestorben. Das teilte die Eulenspiegel-Verlagsgruppe mit. Geboren am 17. Juli 1934 im sächsischen Döbeln, studierte Kirsch zunächst Geschichte und Philosophie. 1957 aus der Uni Jena, 1958 aus der SED geworfen, arbeitete er einige Zeit in der Druck- und Chemieindustrie, auch in der Landwirtschaft. Kirschs »Bewäh...

Jan Freitag

Halbgott in Rot

Nico Hofmann, der frisch gebackene Ufa-Chef gibt‘s offen zu, ist »nicht sonderlich fußballaffin«. Im Land der 40 Millionen Bundestrainer ist das eine durchaus mutige Aussage - die den wichtigsten Fernsehmacher im Land keineswegs davon abhält, gern mal was mit Fußball zu produzieren. Kommenden Dienstag etwa verballhornt Sat.1 in Hofmanns Auftrag den Fall Uli Hoeneß zur »Udo Honig Story«, in der zwa...

Tom Mustroph

Die Verstehenskluft

Die chinesische Kultur prägt andere Mentalitäten. Das wurde auch bei dem über weite Strecken faszinierenden Kollaborationsprojekt eines chinesischen Familienzirkus mit dem Performanceensemble von Constanza Macras zum Abschluss des Berliner Festivals »Tanz im August« deutlich. Als im ersten Drittel des Stücks der Videobeamer ausfiel, der biografische Details der Akrobatinnen auf die Leinwand transp...

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Erste Titel bei der Ruder-WM

Lac d’Aiguebelette. Marcel Hacker schien wie von schweren Lasten befreit. Der Sieg im Halbfinale der Ruder-WM auf dem Alpensee Aiguebelette hob die Laune des 38-jährigen Routiniers spürbar an. »Dass wir die Pflicht der Olympiaqualifikation geschafft haben, erleichtert ungemein«, bekannte der Magdeburger. Der souveräne Auftritt an der Seite seines Mitstreiters Stephan Krüger (Rostock) im Doppelzwei...

Oliver Kern

Rollenwechsel

Wenn Berlin ruft, kann auchein Dirk Nowitzki nicht nein sagen: Nur wenn Dirk Nowitzki und Dennis Schröder zusammen funktionieren, können Deutschlands Basketballer ab diesem Samstag in Berlin die Mission Olympia schaffen.

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Der Liebling kommentiert nur

Vor allem der Stabhochsprung mit dem WM-Zweiten Raphael Holzdeppe und Weltrekordler Renaud Lavillenie verspricht Spannung im berliner Olympiastadion.

ndPlusJirka Grahl

Es gibt gern mal einen Ellbogen in die Seite

Dennis Krüger ist 800-Meter-Läufer und startet für den 1. VfL Fortuna Marzahn aus Berlin. Für die WM in Peking im August hatte ihn der deutsche Verband nicht nominiert, weswegen das ISTAF einer seiner Höhepunkte zum Saisonende ist.

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Streit vor dem LAGeSo

Bei einem Streit zwischen Flüchtlingen und Wachleuten in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber (LAGeSo) im Berliner Stadtteil Moabit sind zwei Menschen verletzt worden. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, wollten zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes am Donnerstagabend das Gelände in der Turmstraße räumen, weil die Landesbehörde schließen wollte. Dabei kam es zum Gerangel mit zwe...

58 rechte Versammlungen vor Asylheim

Zwischen Oktober 2014 und Juli 2015 versammelten sich insgesamt 58-mal Neonazis und Anwohner vor einer Containerunterkunft für Flüchtlinge am Blumenberger Damm in Marzahn-Hellersdorf. Das geht aus der Senatsantwort auf eine Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Christopher Lauer (parteilos, für Piraten) hervor, die »neues deutschland« vorab vorliegt. Einige der rechten Kundgebungen und Versammlung...

Flüchtlinge kommen in Hangars

Der Berliner Senat hat sich dafür entschieden, den ehemaligen Flughafen Tempelhof als Großunterkunft für Flüchtlinge herzurichten. Das bestätigte Regina Kneiding, Sprecherin der Senatssozialverwaltung, am Freitag der »Berliner Zeitung«. Wie »nd« bereits berichtete, sollen in den Hangars I und II Plätze für rund 1200 Menschen entstehen. Wie in der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne-Kaserne sollen Zelte au...

Flughafenbau wurde schlecht überwacht

Das Flughafendebakel ist nach Aussagen eines früheren Projektsteuerers auch durch Personalmangel Stellen verursacht worden. »Die Objektüberwachung war unterbesetzt«, sagte Herrmann Weber am Freitag im Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses. Die zahlreichen Handwerksfirmen auf der Baustelle des drittgrößten deutschen Flughafens seien daher nicht ausreichend überwacht worden. Weber war bis ku...

ndPlusFlorian Brand

Helden und Demagogen

Es ist wie so oft im Leben: Man schiebt eine unliebsame Ausgabe vor sich her, bis es gar keine andere Möglichkeit mehr gibt, als sich dem Problem zu stellen. Das neben der Angst vor dem Problem mit der Zeit auch der Berg an Unerledigtem wächst, ist bezeichnend für die momentane Situation in Berlin. Auf der einen Seite lassen sich »besorgte Bürger«, geblendet durch ihre vermeintliche Angst von Dema...

Peter Nowak

93 Schilder, 93 Orte

Soll die Grünberger Straße in Friedrichshain künftig Zielona Góra Straße heißen? Dieser Frage widmete sich eine Diskussion am Donnerstagabend.

Martin Kröger

Herzlich willkommen am Wannsee?

Hätte Berlin noch schneller Gebäude für Flüchtlinge bereitstellen können? Das Beispiel Heckeshorn zeigt, wie groß die ehrenamtliche Unterstützung ist - und das politisch noch mehr machbar wäre.

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Hinweise zu ausgesetztem Baby

Im Fall des an einer Bushaltestelle in Buch ausgesetzten Babys liegen der Polizei erste Hinweise vor. Wie ein Polizeisprecher sagte, wurden am Freitag zunächst vier Hinweise geprüft, die möglicherweise Aufschluss über die Eltern des Neugeborenen geben könnten. Das Mädchen war am Mittwochabend leicht unterkühlt an einer Bushaltestelle vor dem Helios-Klinikum gefunden worden. Das Kind wird den Angab...

ndPlusSteffi Bey

Jetzt fehlt noch ein neues Wirtshaus

Seensanierung, naturnahe Ufergestaltung, IGA-Außenprojekt: Das 18 Hektar große Gebiet zwischen Ober- und Orankesee wurde in den vergangenen drei Jahren aufgepeppt.

ndPlusAndreas Fritsche

Mit dem Auto nach Budapest und zurück

An diesem Sonnabend beginnt ein Experiment - ein Hilfstransport für Flüchtlinge aus Ungarn nach Eisenhüttenstadt auf eigene Faust. Die LINKE lehnt derweil eine Aushöhlung des Asylrechts ab.

ndPlusAndreas Fritsche

nd-Leser wandern am Waldfriedhof

Am 20. September beteiligt sich der Südwestkirchhof Stahnsdorf am Tag des Friedhofs - und die nd-Herbstwanderung führt an diesem Tag zufällig dort vorbei.

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Die Welt der Gebrüder Grimm

Kassel. In Kassel hat am Freitag das neue Erlebnismuseum »Grimmwelt« eröffnet. Das Wirken der Brüder Jacob (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859) werde dort in seiner ganzen Breite dargestellt und zudem gezeigt, dass Bildung und Spaß miteinander zu vereinbaren seien, so die Kasseler Kulturamtsleiterin Dorothee Rhiemeier. Herzstück der Schau sind die mit handschriftlichen Bemerkungen versehenen ...

Thüringen hilft seinen Kommunen

Erfurt. Besonders klammen Kommunen greift die Thüringer Landesregierung in diesem Jahr mit einer Finanzspritze von insgesamt 64 Millionen Euro unter die Arme. Etwa 80 Anträge auf Hilfen seien in diesem Jahr gestellt worden, sagte Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) am Freitag in Erfurt. Nach Angaben des Präsidenten des Landesverwaltungsamts, Frank Roßner, steigt seit Jahren die Zahl der Kommune...

ndPlusSilke Jungbluth-Sepp, Mainz

Ein Anruf beim Weißen Ring

Fast unablässig klingelt das Opfer-Telefon des Vereins Weißer Ring, bei dem Betroffene nach Straftaten Rat und Hilfe bekommen. Seit jetzt fünf Jahren gibt es die Hotline mit der Nummer 116006.

ndPlusAndreas Fritsche

Mit dem Auto nach Budapest und zurück

An diesem Sonnabend beginnt ein Experiment - ein Hilfstransport für Flüchtlinge aus Ungarn nach Eisenhüttenstadt auf eigene Faust. Die LINKE lehnt derweil eine Aushöhlung des Asylrechts ab.

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200 000 bei »ImEx«

Die Ausstellung mit Meisterwerken des Impressionismus und Expressionismus hat innerhalb von dreieinhalb Monaten mehr als 200 000 Besucher angezogen. Damit sei sie auf dem besten Weg, zur besucherstärksten Schau in der Geschichte der Alten Nationalgalerie zu werden, teilte der Förderverein am Freitag mit. Die Ausstellung auf der Museumsinsel, die erstmals die beiden Stilrichtungen in einem direkten...

Rock gegen rechte Gewalt

Mit dem Appell »Zeit zu Handeln!« fordern die Menschenrechtsorganisation »Pro Asyl« und das Bündnis »Kein Bock Auf Nazis« einen besseren Schutz für Flüchtlinge vor rechter Gewalt, menschenwürdige Unterbringungen und mehr Unterstützung für die Engagierten, die ehrenamtlich für Flüchtlinge und gegen Neonazis aktiv sind. Zwanzig deutsche Bands unterstützen den Appell, den die Initiatoren am Freitag g...

ndPlusWinfried Wagner, Teterow

Wütende Landwirte

Milch und Fleisch ist bei Discountern so billig wie lange nicht. Diese »Ramsch-Preise« und die Russland-Sanktionen machen den Bauern das Leben schwer.

Hohe Hürde für Volksentscheid im Nordosten

Die größten Landkreise hat das dünn besiedelte Mecklenburg-Vorpommern schon. Nun verordnet ein Gesetz zur Neuordnung der Gerichtsstruktur dem Land auch die größten Amtsgerichtsbezirke. Statt zuvor 21 soll es nur noch 10 eigenständige Standorte geben. Das Gericht in Ludwigslust etwa ist juristisch für eine Fläche von 4334 Quadratkilometern zuständig, nach Angaben des Deutschen Anwaltsvereins das Ac...

ndPlusKathrin Zeilmann, Selb

Die gibt’s noch?

Beispiel oberfränkische Polstermöbelbauer: Lehrlinge finden sie nur schwer. Ihre Branche gilt als altmodisch, die Region als gebeutelt vom Bevölkerungsschwund. Erste Ideen funktionieren nur zaghaft.

Lust im aufgeladenen Raum

Peter Atanassow, Gefängnis ist strenge Struktur, ist Disziplin, ist feste Regel. Man ist mit Menschen konfrontiert, die darin geübt sind, sich zu verweigern. Das finde ich als Gegenkraft zur allgemeinen Verhaltensregel toll, aber natürlich möchte ich als Regisseur nicht darunter leiden. Es passiert trotzdem? Ja, ständig. Auch wer seine Strafe einsieht und sich in die Struktur des Kn...

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Ouuuuuuuuuuuuu!

Den letzten frei lebenden Grauwolf in Deutschland erwischte es 1835. Seit gut 15 Jahren tauchen sie - von Osten kommend - wieder auf. Während Naturschutzorganisationen Deutschland als »Wolfserwartungsland« feiern, sind Viehzüchter und Hundehalter eher besorgt. Die großen Raubtiere gelten bislang als menschenscheu. Doch manche befürchten, dass das in dicht besiedelten Ländern wie Deutschland nicht ...

Mit den Wolfen heulen

Immer weniger Menschen trauen den Journalisten. Diese Meldung ist wirklich hart für uns. Das Taxifahrer auch Vertrauen einbüßen mussten, hilft uns da wenig. Dass es um die Politiker noch schlechter bestellt ist, dann schon.

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Alix Arnold

Es geht auch ohne Chefs

Im Juli fuhren Arbeiterinnen und Arbeiter der Fliesenfabrik Zanon wieder einmal nach Buenos Aires, um vor dem Kongress zu demonstrieren. Die 14-stündige Busfahrt aus Patagonien in die Hauptstadt ist seit der Besetzung der Fabrik 2001 eine gewohnte Reise. Jahrelanger politischer Druck war nötig, um Ende 2012 endlich die Legalisierung der Selbstverwaltung zu erreichen. Die Gefahr einer Fabrikräumung...

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Anspruch und Wirklichkeit

Wenn Arbeiterinnen und Arbeiter ihren Betrieb übernehmen, stoßen sie unweigerlich auf Schwierigkeiten und Fragen, die der Arbeitsalltag so mit sich bringt. Wie kann man als meist kleiner Kollektivbetrieb in einer kapitalistischen Welt überleben? Warum entwickeln sich trotz des kollektiven Gedankens neue Hierarchien und Lohnunterschiede? (Wie) können neue Mitglieder in die Kooperative aufgenommen werden, die nicht Teil der Kämpfe um die Betriebsübernahme waren, die nicht monatelang auf Lohn verzichtet haben und die Fabrik womöglich nur als einen gewöhnlichen Arbeitgeber sehen oder nicht das Engagement der Alteingesessenen aufbringen?

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Nachrufe

Wes Craven 2. 8. 1939 - 30. 8. 2015 Hier hat einer gründlich mit seinem Elternhaus gebrochen: Wes Craven wuchs in einem streng gläubigen Baptistenhaushalt auf - hier galt neben Kartenspiel, Alkohol und Zigaretten auch das Kino als des Teufels. Zunächst hielt sich der heranwachsende Craven an diese Prinzipien und wurde Lehrer - in der Stadt Potsdam im US-Staat New York. Hier liegt übrigens au...

Simon Poelchau

Obamas linker Einflüsterer

Dass die Bundesregierung nun doch einem dritten Kreditprogramm für Griechenland zugestimmt hat, obwohl der Internationale Währungsfonds (IWF) vorerst nicht dabei ist, könnte vielleicht auch an einer Personalie liegen: Maurice Obstfeld. Der gebürtige New Yorker wird am 8. September den Posten des IWF-Chefvolkswirts übernehmen. Und er gilt als klarer Befürworter eines Schuldenschnitts für Krisenstaa...

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Bernard Schmid

Dauerkonflikt in Malis Wüste

Etabliert sich im Norden Malis auf längere Dauer ein Krisenherd? Danach sieht es im Augenblick aus. »Eine neue Boko-Haram-Bewegung?« fragte das panafrikanische, aber französischen Regierungsinteressen verbundene und in Paris erscheinende, Wochenmagazin »Jeune Afrique« vor wenigen Tagen im Hinblick auf dschihadistische Aktivitäten in Zentral- und Nordmali. Der seit nunmehr zwei Jahren amtierende Pr...

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ndPlusLeo Fischer

Elendspornografie

Ergebnis der Flüchtlingskrise: Die Verantwortlichen bemühen sich um Schadensbegrenzung. Ja, man will die Massen dumm und arm, aber so arm und dumm dann auch wieder nicht; jedenfalls soll der Standort nicht leiden.

Denken mit geladener Pistole

Er entstammte einer wohlhabenden deutschen Kaufmannsfamilie. Eigentlich hätte er nach dem Willen seines Vaters in der Handelsmetropole London zur Welt kommen sollen. Doch seine Mutter, die als Schwangere deshalb für einige Zeit dorthin gereist war, wurde depressiv und fuhr zurück nach Deutschland, wo sie schließlich ihren Sohn gebar. Als dieser neun Jahre alt war, schickte ihn sein Vater zu e...

ndPlusWalter Schmidt

Wir Zahlenmystiker

Zur Mathematik, so heißt es, haben viele Menschen spätestens seit der Schule ein gebrochenes Verhältnis. Seltsam nur, dass Zahlen uns wegen ihrer großen Symbolkraft faszinieren. Unsere Sprache ist voll davon: Vor allem die Drei, die Zehn und die Zwölf haben es uns angetan. Genau «33 Tipps gegen Stress» hat eine Zeitschrift für junge Familien in ihrem Juli-Heft angepriesen. Mühelos spürt man i...

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Eckart Roloff

Das Wissen der Vielen gegen die Macht der Wenigen

Es muss gesagt sein, wenn auch nicht zum ersten Mal: Wikipedia ist eine gute, eine geniale, eine großartige Geschichte. Zehntausende von Menschen in fast allen Ländern der Erde haben sich seit 2001 zusammengetan, ganz freiwillig, um sie aufzubauen und Tag für Tag fortzuschreiben: die größte Online-Enzyklopädie dieser Welt, verfügbar in über 285 Sprachen. Die weitaus meisten ihrer Mitarbeiter kenne...

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Vorwärts in die digitale Zukunft

Wieder einmal ist es die SPD, die mutig in die Zukunft voranschreitet. Die Bundestagsfraktion der ältesten deutschen Partei hat auf ihrer Klausurtagung Ende dieser Woche ein Pflichtfach Informatik »an allen Schulen und in allen Schul- und Altersstufen« gefordert. Schülerinnen und Schüler müssten schon früh am Computer Programmiersprachen und »die Logik von Algorithmen« lernen. Der Logik der B...

lgn

Bildungslexikon

Bibliometrie, die; Substantiv, feminin. Unter Bibliometrie wird die Vermessung wissenschaftlicher Publikationen verstanden. Unter Anwendung von mathematischen und statistischen Methoden werden Quoten über Publikationen zu Erscheinung, Themen, Zitaten ermittelt. Die Bibliometrie gilt als Teildisziplin der Szientometrie, einer Disziplin, die allgemein Wissenschaft vermisst. Hierunter fallen u.a. Anz...

Fragen an die Zukunft

Wir stehen vor gewaltigen weltweiten Krisen, die zu lösen es aller Anstrengung bedarf, und es bedarf noch mehr an Ideen, um es zu schaffen, mit den Krisen zu leben. Das klingt so umfassend erschlagend wie die Gründe hierfür brachial sind. Die letzten Jahrzehnte haben die Ausbeutung von Natur, Gesellschaft und Kultur forciert und auf die Spitze getrieben, und mindestens in puncto Klimawandel gibt e...

Lena Tietgen

Wissenschaft im Dienste der Ökonomie

Schon seit einigen Jahre rumort es im Wissenschaftsbetrieb. Professoren, Nachwuchswissenschaftler und Studierende sind zunehmend unzufrieden über die Schwerpunkte, die in der Forschung gesetzt werden. Dabei richtet sich die Kritik nicht nur an die Organisation der Wissenschaft oder an das Spardiktat, sondern auch an die Sinnlosigkeit ökonomisch ausgerichteter Forschung. Die Krisen der Welt rücken ...

ndPlusManfred Ronzheimer

Springende Bettvorleger

Kann Wissenschaft helfen, tiefgreifende Veränderungen vorausschauend und relativ friktionslos zu gestalten? Die Forscher möchten es gerne, wissen aber auch nicht so recht, wie. Über zwei Jahre hat sich der Wissenschaftsrat, das höchste Beratungsgremium der deutschen Wissenschaftspolitik, mit dem Thema »Große gesellschaftliche Herausforderungen« beschäftigt. Die Diskussion zwischen den wissenschaft...

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ndPlusJörg Roesler

Kollektivierung

Es ist ein in der Welt der Wissenschaften verbreiteter Vorgang: Ein Experte, der sich auf seinem Fachgebiet einen Namen gemacht hat, wird anlässlich eines Jubiläums mit einem Band geehrt, in dem verstreut erschienene Publikationen von ihm gebündelt der Öffentlichkeit präsentiert werden. So geschehen auch zum 80. Geburtstag von Siegfried Kuntsche. Er arbeitete 30 Jahre in der DDR, seit 1983 als Aka...

Rosi Blaschke

»Sie schenkte uns neues Leben«

In der Gemarkung des 100-Seelen-Dorfes Bredentin im Mecklenburgischen steht festgemauert ein großer Feldstein - ein Denkmal, darin eingemeißelt das Credo der Bodenreform von 1945 in Ostdeutschland: »Junkerland in Bauernhand«. Die 85-jährige Brunhilde Pries pflegt diesen Gedenkstein mit Hingabe. »Ich weiß, was es heißt, mit Nichts die Heimat verlassen zu müssen«, sagt sie, die mit Mutter und vier G...

Seite 26
ndPlusJohn Dyer

Ölsuche gefährdet historische Stätten

In New Mexico im Südwesten der Vereinigten Staaten findet derzeit ein Kampf der Kulturen statt. Nachfahren der früher dort lebenden Indianer und Umweltschützer wehren sich gegen Öl- und Gasunternehmen unserer heutigen energiehungrigen Kultur. Denn diese suchen mit dem umweltbelastenden Fracking-Verfahren in unmittelbarer Nähe des historischen Chaco-Nationalparks nach neuen Energievorkommen. Z...

Dieter B. Herrmann

Chamäleons im Weltall

Die beiden größten Rätsel der Kosmologie sind wohl die «Dunkle Materie» und die «Dunkle Energie». Letztere treibt das Universum immer schneller auseinander, erstere macht sich einzig durch ihre Gravitationswirkung bemerkbar. Je mehr Details man über diese beiden mysteriösen Phänomene in Erfahrung bringen kann, umso eher hofft man, die Schleier der sie umgebenden Geheimnisse zu lüften. Wie intensiv...

Seite 27
ndPlusHannelore Gilsenbach

Wolfserwartungsland

Immer wieder nachts heulen meine Hunde. In den Wäldern bei Chorin ruft einer ihrer Stammväter. Der Europäische Grauwolf ist zurück - behütet von EU- und deutschem Recht, von Verbänden, Stiftungen, Behörden, Büros, Ehrenämtlern und staatlich beauftragten Monitorern und Managern. Seit 2000; aus Polen westwärts. 150 Jahre nach seiner Ausrottung. Großraubtier Wolf. Die Landesregierungen bemühen s...

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ndPlusMike Mlynar

Neun auf einen Streich

Die Lösungszuschriften die uns zum nd-Denkspiel erreichen, sind gar nicht so selten mit kleinen persönlichen Anmerkungen versehen. Da wird erläutert, warum dieser und kein anderer Lösungsweg zu favorisieren ist. Da wird ein echter oder auch vermeintlicher Lapsus in der Aufgabenstellung moniert. Und da gibt es erfreulicherweise viel Zuspruch dafür, dass wir auf der »Spielplatz«-Seite dem »Denkspiel...

Immer der Antenne nach

Eine Mischung aus Schnitzeljagd und Kinder auf Schatzsuche, das ist Geocaching. Ist das nicht eine merkwürdige Freizeitbeschäftigung für einen erwachsenen Mann? Das sehe ich nicht so. Viele Leute arbeiten am Sonntagnachmittag in ihrem Garten oder grillen oder sitzen vor dem Fernseher. Ich dagegen war und bin gerne unterwegs, früher oft auf dem Motorrad, heute im Auto, auch auf dem Rad. Und da...

Seite 30
Stephan Brünjes

Von Bullerbü nach Lönneberga

Von der Bettkante über einen Hocker auf den kaum handbreiten Kaminsims klettern. Festklammern, nur nicht abrutschen! Dann rüber auf die Kommode springen, von dort mit Zwischenlandung im Sofa weiter über den Ankleidetisch zurück ins Bett. »Nicht den Boden berühren!« heißt dieses Spiel. »Astrid Lindgren hat’s mit ihrem ein Jahr älteren Bruder Gunnar gespielt«, erzählt Anna Apenskog, »hier im Schlafz...

Seite 31
ndPlusHeidi Diehl

Finster war’s, der Mond schien helle

Am liebsten hätten wir ihn auf den Mond geschossen. Ging aber leider beim besten Willen nicht, war er doch selbst der Störenfried in dieser lauen Spätsommernacht im Sternenpark Westhavelland. Er plusterte sich zu halber Größe auf, und es schien, als ob der Mann im Mond eine extra helle Birne in seine Laterne geschraubt hätte. Doch Arktur, Polarstern und der ganze große Rest der Milchstraße gaben a...

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ndPlusCelestine Hassenfratz

Die Guten nach rechts, die Schlechten nach links

Ich habe Berlin leer getindert«, ruft meine Freundin aus, lässt sich aufs Sofa fallen und wirft ihr Handy neben sich. Es ist ein Dienstagabend, wir sitzen in ihrer Berliner Altbauwohnung, sie hat gerade 17 Dates hinter sich. Virtuell natürlich nur. Die Dating-App Tinder macht es möglich, dass sich zwei fremde Menschen per Smartphone miteinander verbinden, »matchen« heißt das dann. Mehr als 30 Mill...