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UNTEN LINKS

Viele Griechen sind kurz vor der Abstimmung am Sonntag verunsichert: Wann wird Schäuble in den Wahlkampf einsteigen? Und wie heißt seine Partei? Der in Griechenland überaus beliebte Freiburger gilt als der große Favorit für den Urnengang. Ein paar übriggebliebene Oxi-Plakate vom Sommer gibt es zwar noch, die den freundlichen CDU-Politiker zeigen. Doch Schäuble hat seither keine sichtbaren Werbeans...

Martin Ling

Flick lässt grüßen!

Bisher liefen in Brasiliens Politik und die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft wie geschmiert. Hat das ein Ende, stünde Brasilien vor einem neuen Anfang: Der Bruch der unheiligen Allianz zwischen Großkapital und Politik.

Brasiliens Justiz sagt Korruption den Kampf an

Brasília. Als Folge des Korruptionsskandals um den brasilianischen Ölkonzern Petrobras hat der Oberste Gerichtshof des Landes Unternehmen Spenden an Parteien vollständig untersagt. Mit acht zu drei Stimmen stuften die Richter Wahlkampfspenden von Unternehmen als »verfassungswidrig« ein, teilte Gerichtspräsident Ricardo Lewandowski am Donnerstag in Brasília mit. Den brasilianischen Parteien bricht ...

Über eine Million Kinder flüchten vor Boko Haram

Dakar. Etwa 1,4 Millionen Kinder mussten in Westafrika wegen der Gewalt der Terrororganisation Boko Haram fliehen. Allein in den vergangenen fünf Monaten seien rund eine halbe Million Kinder aus ihren Heimatorten vertrieben worden, teilte das Kinderhilfswerk UNICEF am Freitag mit. Boko Haram terrorisiert seit 2009 die Bevölkerung im Norden Nigerias und verübt auch Anschläge in den Nachbarländern. ...

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Simon Poelchau

Die Angst vor China

Gespannt blickten die Finanzmärkte in den vergangenen Tagen gen Washington D.C. Hebt die US-Notenbank Fed erstmals seit dem Ausbruch der Finanzkrise die Zinsen wieder an? Dies war die entscheidende Frage. Dass doch alles beim Alten blieb, überrascht Beobachter jedoch nicht. Spätestens als im August die Börsen in China einbrachen, war eindeutig, dass eine baldige Zinswende ein massiver Fehler ...

Olaf Standke

Abgeschmettert

Aller guten Dinge waren für die Republikaner im Washingtoner Senat nicht drei. Zum dritten Mal innerhalb einer Woche scheiterten sie am Donnerstag (Ortszeit) mit ihrem Versuch in der zweiten Kongresskammer, das international abgesegnete Atomabkommen mit Teheran doch noch auf nationaler Ebene zu blockieren. Nun wollten sie die im Vertrag vereinbarte Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Iran vo...

ndPlusRené Heilig

Maaßen hat gewarnt

Wie gut, dass der Verfassungsschutz im Moment keine journalistischen Hochverräter jagen muss. Da hat er mehr Zeit zum Warnen. »Wenn die Emotionalisierung der Rechtsextremisten gegen Flüchtlinge so weiter geht«, sagt der Präsident des Geheimdienstes, »könnten sich durchaus einzelne Anhänger noch weiter radikalisieren und Rechtsterroristen werden.« Deutschland könnte »ein rechtsterroristisches Probl...

Alexander Ludewig

Flüchtling

Wenn Jérôme Valcke von der Bildfläche verschwindet, bedeutet das nichts Gutes. Am Freitag sollte der 54-jährige Franzose in seinem Amt als Generalsekretär den Fußballweltverband FIFA in Moskau bei den Feierlichkeiten »1000 Tage bis zur WM« vertreten. Repräsentieren: Das ist eine Aufgabe, die dem smarten Lockenkopf, der vier Sprachen spricht, liegt. Nachdem nun aber am Donnerstagabend bekannt gewor...

ndPlusMartin Leidenfrost

Dreimal Katalonien

In meiner Serie über europäische Separatismen kommt der größte Brocken als letztes: Zum ersten Mal durchstreifte ich die »katalanischen Länder«, drei »Països Catalans«. Dabei spreche ich weder Katalanisch noch Spanisch.

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Wer Flieger liebt, der zieht

Der ständig wachsende Flugverkehr ist, wie wir alle wissen, eine Hauptquelle des CO2-Ausstoßes, von der Lärmbelastung gar nicht zu reden. Eine verblüffend einfache Lösung des Problems haben nun diese 166 japanischen Grundschüler und ihre Eltern gefunden: Sie haben den Flugverkehr gänzlich auf Muskelkraft umgestellt. Ein bisschen Anstrengung nur, die bei unserem bewegungsarmen Lebenswandel ja auch ...

Michael Ramminger

Propaganda der Lebensschützer

Es ist schwer einzuschätzen, welche gesellschaftliche Bedeutung die "Lebensschützer" haben. Auch Teile des linken Gegenprotestes, die mit dem Slogan »Mein Leben gehört mir« demonstrieren, müssen sich kritische Fragen stellen.

Corbyn führt Labour

Sunday Times, Großbritannien Tories müssen aufpassen Für die Tories ist der Wahlsieg von Jeremy Corbyn auf den ersten Blick ein Geschenk des Himmels. Er ist noch untauglicher als Kandidat für das Amt des Regierungschefs als (sein Vorgänger Ed) Miliband. Doch die Konservativen müssen aufpassen. Ohne eine starke Opposition werden Regierungen selbstgefällig und arrogant. Interne Streitereie...

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Anke Stefan, Athen

SYRIZA hofft auf eine zweite Chance

Die Wahlhelfer haben alles gegeben, um die Menschen in Griechenland von ihren Parteien zu überzeugen. Doch viele zeigen sich kurz vor dem zweiten Urnengang in diesem Jahr niedergeschlagen.

»Europa ist mehr als ein Stück Papier«

Herr Stiglitz, kennen Sie Yanis Varoufakis persönlich? Ja, ich habe ihn mehrmals getroffen. Er ist eine sehr dynamische Person und ein sehr guter Ökonom. Ich bin sehr beeindruckt von seiner Einschätzung der Wirtschaftslage. Und was halten Sie von seiner Zeit als griechischer Finanzminister? Varoufakis weiß, was gemacht werden müsste. Doch er konnte seine Partner in der Eurozone nicht von se...

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Die Eiszeit ist längst vorbei

In diesem Jahr feiern Kuba und der Vatikan 80 Jahre ununterbrochene diplomatische Beziehungen. Vor allem seit dem Triumph der Kubanischen Revolution 1959 aber waren diese nicht immer einfach. Als Fidel Castro den sozialistischen Charakter der Revolution deklarierte, stellten sich verschiedene Sektoren des spanisch und konservativ geprägten kubanischen Klerus gegen die neue Regierung. Die Konfronta...

Franziskus treibt seine Friedensagenda voran

Die vergangenen drei Päpste sind alle nach Kuba gekommen. Warum dieses Interesse an Kuba? Ich denke nicht, dass die Reisen von Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus nach Kuba deshalb stattfanden, weil Kuba bei den Päpsten oder beim Heiligen Stuhl ein besonderes Interesse hervorgerufen hätte. Ich glaube vielmehr, dass eine Reihe glücklicher Umstände diese Reisen ermöglicht haben. Als Joh...

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Schmidts Nachfolger heißt Weise

Berlin. Nach dem Rücktritt des Präsidenten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Manfred Schmidt, ist schnell ein neuer gefunden worden. Am Freitag stellte Bundesinnenminister Thomas de Maizière ihn vor: Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA). Künftig wird Weise also beiden Behörden vorstehen, wie de Maizière bestätigte. »Wir halten das für möglich, und wir trauen ihm ...

Olaf Standke

Vergessene Flüchtlinge

Allein in den vergangenen fünf Monaten mussten in der Tschadsee-Region 500 000 Kinder vor der Gewalt der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram fliehen. Damit sei die Zahl der dort vertriebenen Mädchen und Jungen auf 1,4 Millionen gestiegen, teilte das Kinderhilfswerk UNICEF am Freitag mit. Weitgehend im Schatten des Syrien-Konflikts und der aktuellen Flüchtlingskrise in der Europäischen Union sin...

ndPlusDieter Hanisch und Fabian Lambeck

Warten auf die Ostseefähre

Im Norden der Republik kommen derzeit viele Flüchtlinge an, die weiter wollen nach Schweden. Die Hilfsaktion für sie wird auch von linksalternativen Strukturen getragen.

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Aert van Riel

Sprechblasen vom Frieden

In internationalen Konflikten setzen die Grünen auf das Konzept der Schutzverantwortung. Militärische Einsätze schließt dies nicht aus.

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EU-Position für Klimagipfel steht

Brüssel. Die EU-Umweltminister haben sich auf eine gemeinsame Position für die Pariser Weltklimakonferenz verständigt. Die EU-Staaten hätten »ein wirklich anspruchsvolles Verhandlungsmandat« für das Treffen der Staats- und Regierungschefs ab Ende November verabschiedet, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Freitag in Brüssel. Damit sei die EU »in der Lage, auf der Pariser Konfer...

ndPlusJohn Dyer, Boston

Fed belässt alles beim Alten

Die angekündigte Zinswende der US-Notenbank Fed steht weiterhin aus. Auch am Donnerstag enttäuschte die Fed Gegner des billigen Geldes.

Christian Russau

Die langen Schatten der Folter

Mehrere deutsche Konzerne müssen in Brasilien mit Anzeigen wegen Kollaboration mit der Militärdiktatur rechnen. Am Dienstag wird es VW treffen.

ndPlusAndreas Knudsen, Kopenhagen

Finnland sagt Nein zu Rosskur

Der finnische Regierungschef will die Wirtschaft wieder auf Kurs bringen. Da hilft nur sparen, meint er. Viele Bürger sehen das anders.

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Mehr Gäste

Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern krönen die Jubiläumssaison 25 Jahre nach ihrer Gründung mit einem Besucherrekord. Mit 75 000 Gästen sind 2000 mehr registriert worden als im Jahr zuvor. 100 der insgesamt 124 Veranstaltungen in Schlössern, Kirchen, Werkhallen und Parks waren ausverkauft, die Platzauslastung lag bei 93 Prozent. Zum Abschlusskonzert am Samstag in der Wismarer Georgen-Kirche werd...

Berichtigung

In unserer gestrigen Ausgabe berichteten wir an dieser Stelle von der geplanten Tournee der »Rock Legenden« Puhdys, City und Karat, die dem Wortlaut zufolge im sächsischen Schwerin begänne und in Schwarzenberg ende. Das ist falsch. Tatsächlich sollen die Konzerte in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) und im sächsischen Schwarzenberg stattfinden. In einem anderen Text auf derselben Seite - Thema: He...

Preisträger aus Berlin

Ilker Çatak, in Berlin geborener Regisseur an der Hamburg Media School, ist jetzt Oscar-Preisträger: Der 31-Jährige hat am Donnerstagabend (Ortszeit) in Beverly Hills bei Los Angeles einen Studenten-Oscar in Gold für seinen Film »Fidelity« bekommen, wie die Academy of Motion Picture Arts and Sciences mitteilte. Der Film, auf Türkisch »Sadakat«, ist Çataks Abschlussfilm. Dass der Studenten-Oscar in...

Arbeiten wie die Deutschen

Die Nachricht sorgte zu Beginn dieser Woche für Schlagzeilen. Viele Spanier würden sich gerne von der Siesta, der mehrstündigen Mittagspause, trennen und lieber den Arbeitsrhythmus pflegen, der in Mitteleuropa üblich ist. Der notorische Kulturpessimist Theodor Wiesengrund Adorno, ein aus der Art geschlagener Sohn eines Weingroßhändlers, würde die Abschaffung der Siesta wahrscheinlich als Beweis fü...

ndPlusGuido Speckmann

Mit Geschmäckle

Sie sparten nicht mit scharfen Worten: Von »kalter Enteignung«, »einer Guillotine des deutschen Kunsthandels« war vonseiten der Kunsthändler, Galeristen und Sammler die Rede, als Mitte Juli ein unautorisierter erster Entwurf zur Novellierung des seit 1955 geltenden Kulturgutschutzgesetzes bekannt wurde. Der Künstler Georg Baselitz ließ seine Bilder aus Museen abhängen, andere erwogen dies. Der Kul...

ndPlusVelten Schäfer

Das unreine Denken

Wahrscheinlich wird zu viel berichtet, wer was auf Facebook »postet«. Da die folgende Episode aber mitten hineinführt ins zu besprechende Geschehen, sei hiermit erwähnt, was die Grünenfrontfrau Marieluise Beck kürzlich losließ: Sie stellte ein Bild von Heidenauer Anti-Flüchtlings-Demonstranten ein und versah dies mit dem Kommentar, man sehe hier die »antifaschistische Unterstützung von Wolfgang Ge...

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Martin Hatzius

Reim auf die Woche

Das Wort des Jahres - Juroren, bleibt stur! -, Kann eines nur sein: »Willkommenskultur«. Zerbirst auch Europa (der Schlagbaum schlägt zu), Gelobet sei sie: die Willkommenskultu. Ich sage es wieder und wieder und wie: Willkommenskul - hoppla!, hier leben wir sie! Wir können das schaffen, wir schaffen auch das: Willkommensk, Willkomme, Willkom, Willkowas? Das Wort zum Sonntag - am Mo...

Hans-Dieter Schütt

Leuchten - im Schatten

Er hatte als Dichter das, was Botho Strauß ein »Vergangenheitsorgan« nennt. Verse als Vergewisserung - von Halt und Aussicht bei Vorboten. Die auftreten, um Risse zu heilen, um Kontinuitäten aufzurufen. Schreiben (und Lesen!) als Aufenthalt in einem Humanismus, der nur im Kunstwerk sicheres Asyl findet: Wer Cibulka liest, bekommt Lust an Goethe und Meister Eckhart, an Bach und Schubert, an Rilke u...

ndPlusTobias Riegel

Folter und Folklore

Viele Kino- und TV-Filme thematisieren aktuell den Krieg um und gegen Drogen. Allein durch die desolaten Zustände, die sie schildern, sind sie Plädoyers für eine Legalisierung aller Rauschmittel.

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ndPlusJirka Grahl

Ganz normaler Spielbetrieb

Im März 2014 hatten zwei junge Leute die Idee, in Treptow regelmäßiges Fußballtraining für Flüchtlinge aus dem benachbarten Heim anzubieten. Mittlerweile ist daraus ein Team entstanden.

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Christian Baron

Trainer und Fußballpoet

Als Ralf Rangnick 1998 im »Aktuellen Sportstudio« (ZDF) an der Taktiktafel über die Viererkette räsonierte und sich dafür im damals nicht gerade intellektuellenfreundlichen Kickergewerbe als »Fußballprofessor« verspotten lassen musste, trug Dettmar Cramer diesen Kosenamen schon jahrelang stolz mit sich herum. 1975 kam der gebürtige Dortmunder als Trainer zum FC Bayern München. Dort erklärte er sei...

Alexander Ludewig

Beweise gegen Blatter

Das hätte man kaum noch für möglich gehalten: Weil ein Verlierer im Milliardenspiel Fußball auspackt, muss sich nun auch der FIFA-Präsident ernsthaft fürchten - und der Weltverband schickt Jubelbilder aus Moskau.

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ndPlusMartin Kröger

Kein Nährboden für Islamisten

Der Fall des Islamisten Rafik Y., der eine Polizistin verletzte, ist noch nicht ausermittelt. Insofern verbieten sich Kommentare zur Sache. Unabhängig davon, welche Erkenntnisse in den kommenden Tagen gewonnen werden, lässt sich aber bereits eines festhalten: Das Problem der gewalttätigen Islamisten wird uns in Berlin nicht mehr so schnell loslassen. Im Gegenteil: Die Kriege und Konflikte des Nahe...

Islamisten in Berlin

 Der Verfassungsschutz beobachtet derzeit 670 Islamisten in der Hauptstadt, die in der Mehrzahl der ultrakonservativen Strömung der Salafisten zugerechnet werden, die als »dynamischste Bestrebung im Islam« gilt. Der Nachrichtendienst schätzt 350 der 670 Islamisten als »gewaltorientiert« ein. Mehr als 100 Berliner sind in die Kriegsgebiete in Syrien und den Irak ausgereist, darunter 15 Frau...

Hunderte neue Flüchtlinge eingetroffen

Hunderte neue Flüchtlinge sind am Freitag in der Hauptstadt angekommen und zunächst im Olympiapark in Charlottenburg untergebracht worden. Das teilte die Verwaltung von Sozialsenator Mario Czaja (CDU) mit. 310 der Asylsuchenden waren zuvor mit einem Sonderzug aus Bayern am Bahnhof Berlin-Schönefeld Flughafen angekommen, der 500 Menschen in die Region Berlin-Brandenburg gebracht hat. Die anderen An...

Sebastian Bähr

Salafisten sehen sich als bessere Sozialarbeiter

Die Initiative »Hayat« (Leben) arbeitet mit Jugendlichen, die in die islamistische Szene abzurutschen drohen. Laut dem Projekt braucht es vor allem Aufklärung und Alternativangebote für die jungen Menschen.

Florian Brand

Rafik Y. war zum Dschihad bereit

Rafik Y. war den Behörden bestens bekannt. 2008 wurde er zu acht Jahren Haft verurteilt. Zudem drohte ihm ein weiterer Prozess - er war wegen Bedrohung einer Richterin Ende Juni angeklagt worden.

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Wandeln in den Baumwipfeln

Aus rund 23 Metern Höhe bietet seit einigen Tagen der neu eröffnete Baumkronenpfad einen Überblick über das verfallende Areal des früheren Klinikums Beelitz Heilstätten (Teltow-Fläming) sowie einen atemberaubenden Rundblick auf die waldreiche Landschaft. Errichtet wurde der etwa 320 Meter lange Pfad in einer Holz-Stahl-Konstruktion, die auf 15 Pfeilern liegt. Die Wege sind etwa 2,5 Meter breit. Au...

ndPlusAndreas Fritsche

Am Sonntag ist nd-Wandertag

An diesem Sonntag findet die nd-Leserwanderung statt. Dabei zwei Strecken zur Auswahl - eine sieben Kilometer lange und eine 14 Kilometer lange Strecke. Man kann aber auch gleich zum Ziel kommen.

Andreas Fritsche

Garnisonkirche ist kein Denkmal

Die Satzung der Stiftung Garnisonkirche Potsdam spricht von einem Denkmal. Es handelt sich aber lediglich um eine Kopie.

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Plötzlich 100 Jahre älter - mindestens

Nürnberg. Abendhimmel über Nürnberg: Die Frankenmetropole im Norden Bayerns ist vermutlich wesentlich älter als bisher angenommen. In einer Baugrube unweit des Hauptmarkes wurde eine Scherbe gefunden, die Experten zufolge aus der Zeit zwischen 850 und 880 nach Christus stammt. Bislang ging man davon aus, dass Nürnberg erst um 980 entstand. Nun wollen Archäologen in der Grube noch bis Ende Januar g...

Wandeln in den Baumwipfeln

Aus rund 23 Metern Höhe bietet seit einigen Tagen der neu eröffnete Baumkronenpfad einen Überblick über das verfallende Areal des früheren Klinikums Beelitz Heilstätten (Teltow-Fläming) sowie einen atemberaubenden Rundblick auf die waldreiche Landschaft. Errichtet wurde der etwa 320 Meter lange Pfad in einer Holz-Stahl-Konstruktion, die auf 15 Pfeilern liegt. Die Wege sind etwa 2,5 Meter breit. Au...

Knubbel auf den Teller

Krummes und fleckiges Gemüse landet oft im Müll. Zu oft und zu schade, findet der Verein Slow Food. Die Nürnberger sollen eine Kostprobe bekommen.

Wo der beste Boden der Republik liegt

Eickendorf. Deutschlands allerbestes Stück Boden gibt es in der Börde - zwischen Magdeburg und Schönebeck. Es gehört zum elterlichen Hof von Willy Jäger. Der Beweis ist eine Art Code, der vor mehr als 80 Jahren von Bodenschätzern vergeben wurde und bis heute gilt. »L 1 Lö 100/104« ist das Klassenzeichen für den besten Ackerboden in Deutschland. Der Hof in Sachsen-Anhalt ist heute Museumsstandort.»...

Harald Lachmann, Leipzig

Brückenschlag nach Vietnam

Viele deutsche Kommunen unterhalten seit Jahren Städtepartnerschaften, das sächsische Leipzig baut derzeit eine Partnerschaft mit Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam auf - für beide Städte Neuland.

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Jurowski folgt Janowski

Nach Informationen des Rundfunks Berlin Brandenburg (rbb) wird der russische Dirigent Vladimir Jurowski das Amt des Chefdirigenten beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) übernehmen. Er folgt damit Marek Janowski nach, der seit 2002 an der Spitze des Orchesters steht. Im April dieses Jahres hatte Janowski angekündigt, seinen Vertrag als Chefdirigent des RSB nicht über die Spielzeit 2015/2016 ...

Gurlitt kommt auf die Bühne

Der Fall des Münchner Kunstsammlers Cornelius Gurlitt kommt in Berlin auf die Bühne. Der britische Dramatiker und Oscar-Preisträger Ronald Harwood (»Der Pianist«) hat die Geschichte um den milliardenschweren Kunstfund zu einem Theaterstück verarbeitet. Unter dem Titel »Entartete Kunst« feiert es am 4. Oktober im Renaissance-Theater Premiere. Die Hauptrolle spielt Udo Samel. Unter der Regie von Tor...

Musik möge helfen!

Erst am Freitag vor einer Woche hatte Iván Fischer, der Chefdirigent des Konzerthausorchesters, in einer Ansprache zum Saisonbeginn zur Solidarität mit Flüchtlingen aufgerufen. Der Ungar demonstrierte Zuversicht: »Das Problem wird sich lösen, weil in Europa genug tolerante Menschen leben, die die Flüchtlinge warmherzig, großzügig, helfend und mit offenen Armen aufnehmen werden. ... Möge Musik dazu...

Die abc der Kunst

Rund 100 Galerien aus 17 Ländern zeigen bei der Berliner Kunstmesse abc (Art Berlin Contemporary) neue Entwicklungen zeitgenössischer Kunst. Die Messe startete am Donnerstag im Rahmen der Berlin Art Week in den denkmalgeschützten Hallen eines einstigen Bahnhofs am Gleisdreieck. »Besonders jung, besonders großformatig: Hier ist zu sehen, was man auf anderen Messen vielleicht weniger wagen würde«, s...

Extrabreit aus Niesky

Niesky. Das ostsächsische Traditionsunternehmen Waggonbau Niesky will voraussichtlich im Oktober mit dem Bau von Spezialwaggons für den Eurotunnel zwischen England und Frankreich beginnen. »Wir sind gerade dabei, die entsprechenden Hallen dafür einzurichten und die Vorrichtungen aufzubauen«, sagte Prokurist Peter Schulze der dpa. Für die Fertigung der extrabreiten und schweren Waggons hat das Unte...

ndPlusLucía Tirado

Armes Deutschland

Internil sorgt wieder für Unruhe. Die Gruppe, die seit zehn Jahren mit Performances zu gesellschaftlich relevanten Angelegenheiten aufwartet, eröffnete im Theaterdiscounter die Spielzeit mit der Produktion »Glühende Landschaften«. Das Publikum gerät angesichts »freier deutscher Radikaler« - so der Untertitel - in Bewegung, denn inszeniert ist ein Planspiel. Kurz eingewiesen, sollen sich die Besuch...

Markus Howest, Prerow

Darßer Geschichten, auf Türen erzählt

In sechster Generation stellt die Kunsttischlerei Roloff die berühmten Darßer Türen her - ganz nach alter Überlieferung. Doch auch moderne Einflüsse kommen zum Tragen. Ein Werkstattbesuch.

Stefan Amzoll

Licht im Dunkeln

Full House in der Philharmonie zum Einstieg des Deutschen Symphonieorchesters (DSO) in die neue Saison. Mit Xenakis, Mahler und Schönberg, drei der Großen, welche die Moderne nachhaltig geprägt haben. Keine bessere Gelegenheit hierfür als das Musikfest Berlin, das jahraus, jahrein im September nicht davon ablässt, die besten Programme der Welt zu liefern. Oder kennt jemand bessere? Dem genialen Ge...

ndPlusThomas Maier, Wiesbaden

Wie Hessen seine heutigen Grenzen bekam

Jahrhundertelang war Hessen in Kleinterritorien unterschiedlicher Herren zerfallen. Erst die US-Amerikaner schafften es 1945, ein Bundesland daraus zu machen. Mit einem schmerzlichen Verlust.

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Jegliches hat seine Zeit

Armin Müller-Stahl wusste: Mit dem Alter kann man sich zunehmend auf sein persönliches Urteilsvermögen verlassen. Beherzigte Merkel diesen Satz, als Sie wegen der Kritik am Zick-Zack-Flüchtlingspolitik die Nerven verlor?

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ndPlusArne Retzlaff

Sanfte Annäherung

25 Jahre nachdem Christoph Heins »Ritter der Tafelrunde« in der Endzeit der DDR ob seiner grundsätzlichen Frage nach Werten und Idealen für ziemliche Furore sorgte, erlebt es in Kuba seine Uraufführung. Ein Zeichen?

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Nachrufe

Michael Bauer 16. 5. 1980 - 13. 9. 2015 Während die Kanzlerin nichts besseres zu tun hatte, als uns »alle« vor den Amerikanern zu digitalen Neandertalern zu erklären, kümmerten sich bereits viele um die Gefahren, die im Zusammenhang mit dem »Neuland« Internet drohen. Michael Bauer war einer von ihnen. Der Mediziner und Mitbegründer des Chaos Computer Club in Österreich und des Hackerspac...

ndPlusMarcus Meier

Ein Militär im Herzen

De Maizière hätte die Bundeswehrreform gern zu Ende geführt. Doch die Kanzlerin, seine Duz-Freundin, gestattete es nicht, was er als Strafe empfunden haben soll. Er musste Innenminister werden, der Pflichtmensch.

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Steffen Stierle und Alexandros Moutzouridis

Falsche Versprechen zugunsten der Banken

Als das Exekutivdirektorium des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Mai 2010 entschied, sich am griechischen Bailout-Programm zu beteiligen, gab es beachtliche Widerstände. Zahlreiche Direktoriumsmitglieder befürchteten, dass das Programm auf eine riesige Bankenrettung hinauslaufe, die Griechenland nicht helfen würde. Diese Sorgen wurden durch falsche Versprechen der deutschen und französischen Banken zerstreut. Auch die Bundesregierung trägt eine Mitverantwortung.

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ndPlusLeo Fischer

Europa

Im Zuge der Zug um Zug renovierten, remodellierten und remoulierten europäischen Idee ist es in den letzten Monaten zu gewissen Entgleisungen gekommen, sogar zu regelrechten Stellwerksschäden.

Glück lässt sich nicht speichern

Die 30-jährige Tochter hat ein paar Tage Urlaub genommen und ist zu ihren Eltern in die Kleinstadt gefahren, um Weihnachten zu feiern. Das Fest soll sein wie immer, auch der ältere Bruder ist da, zusammen mit seiner Frau, einer Geschiedenen, welche die Mutter nur ungern eingeladen hat, aber sonst wäre ihr Sohn eben auch nicht gekommen. Der Karpfen, den die Tradition verlangt, schmeckt ein wenig na...

ndPlusMartin Koch

Jegliches hat seine Zeit

Was ist das: Es geht am Morgen auf vier Füßen, am Mittag auf zweien und abends auf dreien? - Diese Frage stellte der Sage nach die griechische Sphinx allen Wanderern nahe der Stadt Theben. Wer falsch antwortete, wurde von dem Ungeheuer auf der Stelle getötet. Ödipus jedoch löste das Rätsel: »Es ist der Mensch.« Denn als Kind krabbelt er auf allen Vieren, als Erwachsener geht er auf zwei Beinen, un...

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Stefan Ripplinger

Ein moderner Imperialist

Kublai Khan war ein Imperialist, der lernfähig, ja lernbegierig war. Das unterschied ihn von den meisten Imperialisten der Neuzeit. Das verband ihn aber mit anderen Imperialisten des mongolischen Herrscherhauses.

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Folge 60: Netzwerk Flüchtlingsforschung, das: Substantiv, Neutrum

In dem multidisziplinären Netzwerk arbeiten deutsche Wissenschaftler, die zu Zwangsmigration, Flucht und Asyl forschen. Zudem beteiligen sich internationale Wissenschaftler, die diese Themen in Bezug auf Deutschland erforschen. Das Netzwerk versteht sich als Ort des Austauschs, in dem ähnlich einer Bibliothek relevante Informationen zu den Wissenschaftlern, ihren Projekten und Publikationen gesamm...

Angst essen Fortschritt auf

Vielleicht werden spätere Generationen einmal rückblickend auf das frühe 21. Jahrhundert sagen, dies sei jene Epoche gewesen, in der die USA sich als Weltmacht selbst abschafften. Im 20. Jahrhundert ging jede technologische Revolution von den USA aus; die Tüftler und Erfinder in den Garagenlabors etwa des Silicon Valley legten den Grundstein für das digitale Zeitalter. Nach den Anschlägen des 11. ...

Optimismus statt Pessimismus

Als vergangene Woche Deutschland für eine Weile seine Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen aussetzte und die Vertriebenen ins Land ließ, herrschte ein klein wenig Aufbruchstimmung im Land. Wirtschaft, Politik und viele Medien versprachen der Bevölkerung unisono, dass die Neubürger als Fachkräfte wie als Steuerzahler gebraucht würden. Von bis zu einer Million benötigten Zuzügen pro Jahr war d...

Lena Tietgen

Der lange Weg

Flüchtlinge, die studieren wollen, müssen Ausdauer haben. In der Regel müssen sie vor Antritt des Studiums ihre Identität, einen entsprechenden Schulabschluss, Deutschkenntnisse auf hohem Niveau sowie den durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ausgestellten Nachweis ihrer Schutzbedürftigkeit vorweisen. Wertvolle Zeit, die verloren geht. Zwei Studierende haben nun im Internet die Kiron U...

Manfred Ronzheimer

Weit geöffnete Tore

Der Zuzug von Flüchtlingen fordert auch die deutsche Wissenschaft heraus - und sie reagiert. Überall werden an Hochschulen und Forschungseinrichtungen Initiativen ergriffen, um den Asylsuchenden direkte humanitäre Hilfe zu geben oder sie auch in den hiesigen Wissenschaftsbetrieb zu integrieren. So entschlossen sich die Präsidenten der Fraunhofer- und Max Planck-Gesellschaft bei einem Empfang ...

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Wochen-Chronik

19. September 1950 Die Bundesregierung unter Konrad Adenauer beschließt, dass alle Mitglieder »verfassungsfeindlicher Organisationen« aus dem öffentlichen Dienst der Bundesrepublik entfernt werden sollen. Der sogenannte Adenauer-Erlass richtet sich vor allem gegen Kommunisten. Die Kritik beanstandet, dass er formal auf die Mitgliedschaft abhebt und nicht auf eine Einzelfallprüfung. Anfang der ...

Retourkutschen sind tückisch

Retourkutschen sind tückisch

Er war Anfang der 1990er Jahre der meistgesuchte Mann. Rainer Rupp, der unter dem Decknamen »Topas« für die HVA der DDR hochbrisante Informationen aus dem NATO-Hauptquatier lieferte. Mit ihm sprach Karlen Vesper.

Seite 26
ndPlusMichael Lenz

Die heimlichen Flecken

Leoparden haben ein geflecktes Fell. Das ist nichts Neues und trifft auch für schwarze Leoparden zu. Bei schwarzen Leoparden sind die Flecken mit dem bloßen Auge allerdings nur zu erkennen, wenn man der Raubkatze gefährlich nahe kommt oder wenn das Tier tot ist. Auf Fotos waren die Flecken bislang auch nur im Schräglicht zu ahnen. Jetzt aber haben Forscher in Malaysia den schwarzen Leoparden ...

Frank Ufen

Tief gestapelt

Menschen, so hieß es lange, sind außerstande, Frequenzen unterhalb von etwa 16 bis 20 Hertz - sogenannte Infraschallwellen - wahrzunehmen. Doch jetzt ist ein internationales Forscherteam unter der Leitung des Physikers Christian Koch (Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig) zu dem Ergebnis gekommen, dass Menschen eine ganze Oktave tiefer hören können, als man bislang angenommen hat....

Seite 27
ndPlusWolfgang Pomrehn

Es gibt einfach zu viel Kohle

Was passiert eigentlich, wenn die Menschheit den Klimaschutz weiter auf die leichte Schulter nimmt, alle Erdgas- und Erdöllagerstätten ausbeutet und auch aus den Kohlegruben noch das Letzte herausholt? Dieser Frage sind Wissenschaftler des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) gemeinsam mit Kollegen britischer und US-amerikanischer Forschungseinrichtungen nachgegangen. Vor allem interes...

Seite 30
Peer Schmidt-Walther

Sonntagsausflug auf der Peene

Die Peene, der mit 136 Kilometern längste Fluss Mecklenburg-Vorpommerns, gilt als das idyllischste Fließgewässer Norddeutschlands. Flora und Fauna des Grenzflusses zwischen den Landesteilen Mecklenburg und Vorpommern sind eine kaum besiedelte Region: ein Eldorado für Paddler und ein Lebensraum für zahlreiche geschützte Tier- und Pflanzenarten. »Pena« nannten ihn die Slawen einst, »schaumiger ...

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ndPlusJirka Grahl

Ins Mutterland

Gibt es irgendwo ein schöneres Stadion als den St. James’ Park in Newcastle upon Tyne? Kaum, findet Richard Forster. Zeit seines Lebens ist er Fan des Newcastle United FC, der im St. James’ seine Heimspiele austrägt - erstmals 1892. Seit ein paar Jahren führt Forster Touristen durch die 52 000-Mann-Arena, in der die »Magpies« (Elstern) in schwarz-weißen Trikots auflaufen. Er schwärmt von den Vorzü...

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Christian Baron

Tanz den Tabu-Tango

Ein pubertierender Junge, der nichts über seine Herkunft weiß, erfährt von ein paar Weissagern, er werde dereinst seinen Vater ermorden und seine Mutter heiraten. Entsetzt haut er von zu Hause ab, damit den vermeintlichen Eltern nichts zustoßen möge. Auf dem Weg tötet er zwei Passanten und erhält einige Zeit später als Belohnung für eine Heldentat eine schöne Dame zur Ehefrau. Die Schlusspointe: E...