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Unschuldige Opfer im Drohnenkrieg

Washington. Bei den Drohnenangriffen der USA werden nach Angaben der Online-Enthüllungsplattform »The Intercept« wesentlich mehr unschuldige Zivilisten getötet als von den US-Behörden angegeben. In einem Dossier mit dem Titel »Die Tötungsmaschine« veröffentlichte das Internetportal jetzt geheime Dokumente, die ihr nach eigenen Angaben von einem Geheimdienstinsider zugespielt wurden.Daraus geht unt...

UNTEN LINKS

Die immer wieder neu aufgeworfene Frage, ob sich die Geschichte nun als Tragödie oder als Farce wiederholt, könnte im 25. Jahr der deutschen Einheit endlich Beantwortung erfahren. Da kommen aus dem Hort der sowieso freiheitlichsten und ganz und gar demokratischsten Grundordnung in Bayern laute Rufe nach Sperrzäunen - über Selbstschussanlagen denkt Markus Söder erst nach, wenn er endlich CSU-Minist...

Datenspeicherung auf Vorrat kommt

Berlin. Der Bundestag hat am Freitag mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung verabschiedet. Das umstrittene Gesetz verpflichtet Telekommunikationsanbieter, Telefonnummern und IP-Adressen für zehn Wochen zu speichern. Standortdaten müssen vier Wochen lang gesichert werden. Scharfe Kritik an der Neuregelung kam aus den Reihen der Opposition. Der Datenschützer-...

René Heilig

Das geht schief

Länger bleiben in Afghanistan? Tiefer rein nach Mali? Die Frage ist nicht, ob die Bundeswehr das kann. Zu klären ist: Warum soll sie das tun? Was sind die Folgen? Die in Afghanistan kennen wir.

Sommermärchen ungültig?

Berlin. Vielleicht hatte das Satiremagazin »Titanic« seinerzeit mehr recht, als es selbst glaubte: Am Freitag wurde bekannt, dass das deutsche Organisationskomitee für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 mit einer millionenschweren schwarzen Kasse operiert haben soll. Wie der Deutsche Fußball-Bund mitteilte, gab es im April 2005 eine Zahlung »in Höhe von 6,7 Millionen Euro an die FIFA …, die möglic...

Fabian Lambeck

Jedes fünfte Kind wächst in Armut auf

Das Arbeitslosengeld II schützt nicht vor Armut, es zementiert sie. Das ist die Botschaft des Schattenberichtes «Zehn Jahre Hartz IV», der am Freitag in Berlin vorgestellt wurde.

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ndPlusAert van Riel

Kretschmanns Sieg

Die Grünen verabschieden sich zunehmend von einer humanen Flüchtlingspolitik. Die Ökopartei mehrheitlich die Asylrechtsverschärfungen der Großen Koalition unterstützt. Für die Union ist das eine gute Nachricht.

Kurt Stenger

Öl ins Feuer des Klimaschutzes

Während vor allem US-Konzerne immer noch konservative Think-Tanks finanzieren, die die Existenz eines menschgemachten Klimawandels leugnen, scheinen Shell, Total, BP & Co. auf Realpolitik zu setzen.

ndPlusOlaf Standke

Die Todesformel heißt FFF

Schon die Sprache ist entlarvend: Die Kampfdrohnen sind »Vögel«, die Menschen, die sie treffen sollen, »Ziele«. Werden sie getötet, ist vom Jackpot die Rede - die zynische Welt der Joystick-Krieger.

Jürgen Amendt

Orbans Oligarch

Die Wesensart autoritärer Systeme besteht darin, dass ihre Träger sich kaum von Protagonisten düsterer Mafia-Krimis unterscheiden. Die Intrige, das beständige Ausstechen des Konkurrenten, gehört zum täglichen Geschäft. Während im Film die Handelnden als Paten auftreten, heißen in der Politik solcherart Figuren Oligarchen. Andrew Vajna ist ein Oligarch, noch dazu einer, der vom Film kommt. Der Unga...

ndPlusMartin Leidenfrost

Apropos Weltkrieg

Mit der Idee, dass sich unsereins das westlichste Stück von Russland abspalten könnte, wurde ich 2009 bekannt gemacht - in einem Schloß in Wien. Aber der Auftrieb an diesem Abend dort passte so gar nicht zu mir.

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Bildungsauftrag

Wir kommen hiermit dem Bildungsauftrag einer Tageszeitung nach: Warum verfärben sich Blätter im Herbst? Wenn die Nächte schon deutlich kühler sind, ist das ein Signal für die Bäume, ihren Blättern rechtzeitig das wertvolle Chlorophyll zu entziehen und in die Wurzeln zu leiten. Damit legen sie sich eine Energiequelle an, um im nächsten Frühjahr Knospen treiben zu können. Das Chlorophyll hat im Somm...

Heinz-J. Bontrup

Die vier Geschädigten

Natürlich sind es immer Menschen, die versagen, dies geschieht aber nicht systemunabhängig. Das war in der Banken- und Finanzkrise nicht anders als jetzt in der VW-Krise oder auch bei den ADAC-Betrügereien.

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Rücktrittsgemunkel

Berlin. Dass der Bundesnachrichtendienst zumindest bis Herbst 2013 Freunde und Verbündete ausspionierte, ist Flurgespräch im Bundestag. Offen sei nur, ob BND-Chef Gerhard Schindler oder der zuständige Staatssekretär im Bundeskanzleramt Klaus-Dieter Fritsche den Hut nehmen muss. In der kommenden Woche werden drei Abgeordnete und drei Mitarbeiter des für die Geheimdienstaufsicht zuständigen Parlamen...

Proteste nicht ignorieren

Berlin. Linksparteichef Bernd Riexinger hat in der Diskussion um die Freihandelsabkommen TTIP und CETA mehr Aufmerksamkeit für die Kritiker eingefordert. »Von der geplanten Freihandelszone sind rund 830 Millionen Menschen direkt betroffen. Die Berichterstattung konzentriert sich allerdings mehrheitlich auf die Vorteile für Industrie und Wirtschaft«, sagte Riexinger gegenüber »neues deutschland«. D...

ndPlusFabian Köhler

Vorratsdatenspeicherung: Error 404

Kaum ein netzpolitisches Gesetz wurde von Kritikern so auseinandergenommen wie die Vorratsdatenspeicherung. Am Freitag hat der Bundestag sie beschlossen.

René Heilig

Der Drohnenpilot und die Tarnmittelfrau

Fünf Jahre und fünf Tage lang hat Brandon Bryant Menschen umgebracht. Wie tief verstrickt sind deutsche Geheimdienste in den Drohnenkrieg der USA? Bei einer Parlamentsbefragung in dieser Woche taten sich Abgründe auf.

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Hendrik Lasch, Dresden

Aufladestation für Hass und Hetze

Vor einem Jahr gab es in Dresden die erste Pegida-Demo. Seither hat das gesellschaftliche Klima großen Schaden genommen. Protest gegen das rassistische Bündnis gibt es in Dresden bisher dennoch kaum.

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Thomas Roser, Belgrad

Todbringender Warnschuss

In Bulgariens Grenzgebiet zur Türkei tötete eine Polizeikugel einen Afghanen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk zeigt sich schockiert - und fordert eine Untersuchung.

ndPlusKay Wagner, Brüssel

Härte setzte sich in Brüssel durch

Im Ringen um einen permanenten Mechanismus zur Umverteilung von Flüchtlingen in der EU hat sich Bundeskanzlerin Merkel nicht durchsetzen können. Eine Einigung gab es jedoch mit der Türkei.

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Anschlag am Josefsgrab

Jerusalem. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat den Brandanschlag von Palästinensern auf das Josefsgrab bei Nablus im Westjordanland verurteilt. Bei dem Anschlag auf die für Juden heilige Stätte handele es sich um eine »unverantwortliche« Tat, sagte Abbas am Freitag. Er habe eine Ermittlungskommission mit der Aufklärung beauftragt und wolle die Schäden reparieren lassen. Dutzende Palästine...

Es bleibt heiß in Afghanistan

Die afghanische Regierung hat die von US-Präsident Obama angekündigte Verzögerung des Abzugs vom Hindukusch begrüßt.

ndPlusOliver Eberhardt, Jerusalem

Ägypten hat keine Wahl

In Ägypten beginnen die Parlamentswahlen. Die meisten der 5400 Kandidaten treten für Listen an, die nur ein Programm haben: Unterstützung für Präsident Sisi.

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Wartelisten für Spenderherzen manipuliert

Heidelberg. Im Herztransplantationszentrum der Uniklinik Heidelberg haben Ärzte die Warteliste für Patienten manipuliert, wie die Klinik am Freitag mitteilte. Ärzte hätten Schwerkranken bewusst wichtige Medikamente, die ihren Herzmuskel stärken sollten, nicht wie vorgeschrieben verabreicht. Dadurch sollten die Patienten schneller an ein Spenderorgan kommen, so der Leitende Ärztliche Direktor, Guid...

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Ölkonzerne machen auf Klimaschutz

Eine Initiative von Öl- und Gaskonzernen engagiert sich für den Kampf gegen den Klimawandel. Aber so richtig abkaufen will man ihnen das plötzliche Interesse nicht. Umweltschützer sprechen von Doppelzüngigkeit.

Hans-Gerd Öfinger

Der Westen will mehr Bahngeld

Ab 2016 sollen die Bundesländer acht Milliarden Euro jährlich für den regionalen Schienenverkehr bekommen. Wie das Geld verteilt wird, steht jedoch noch nicht fest. Das führt, wie zu erwarten, zu Streitereien.

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Europa in einer Krise

Der deutsche Schriftsteller und Wissenschaftler Navid Kermani sieht Europa in einer tiefen geistigen Krise. Die Renationalisierung in den europäischen Staaten sei besorgniserregend, sagte Kermani am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse. Die Flüchtlingskrise zeige erneut, »wie zerstritten und unsolidarisch Europa ist«. Kermani, der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, wird die Auszeichnu...

Reim auf die Woche

Während sie in Zelten frieren, Die vor Krieg und Elend flohen, Sieht man deutsches Volk spazieren Und mit einem Stricke drohen. Jenen soll es an den Kragen, Vorerst noch mit Holz und Pappe, Die vor ihrem Antlitz tragen Eine Menschlichkeitsattrappe. Durch das Senkbeil des Schafottes Kann man seinen Kopf verlieren; Doch auch Masken, leider Gottes, Fallen schnell, so sehr sie ziere...

Preis für Lang Lang

Der deutsche Tenor Jonas Kaufmann (46) und der chinesische Pianist Lang Lang (33) werden mit einem Echo Klassik geehrt. Auch US-Sängerin Joyce DiDonato, der Klarinettist Andreas Ottensamer und Dirigent David Zinman gehören zu den insgesamt rund 60 Preisträgern, die am Sonntag bei einer Gala im Berliner Konzerthaus vom Bundesverband Musikindustrie ausgezeichnet werden. Das ZDF strahlt die Gala noch...

Eintausend Seiten Weltliteratur in zehn Minuten

»Krieg und Frieden« ist zu lang zum Lesen? "Moby Dick" zu anstrengend? Wer dennoch nicht auf Weltliteratur verzichten möchte hat jetzt die Gelegenheit dazu. Bei »Sommers Weltliteratur to go« wird mit Playmobil erzählt.

Hans-Dieter Schütt

American Weh of Life

Er war der Ehemann von Marilyn Monroe, schrieb aber auch eine ganze Reihe bekannter Stücke. Am 17. Oktober wäre der Dramatiker und Erzähler Arthur Miller 100 Jahre alt geworden. Andenken an einen, der Großen.

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Tobias Riegel

Wassermelone

""Homeland" ist rassistisch" prangt an einer Wand - in der TV-Serie „Homeland“. Gewitzten deutsch-ägyptischen Künstlern ist es gelungen, subversive Nachrichten in die umstrittene Serie zu schmuggeln.

Ralf Klingsieck

Selbstbewusst mit Monokel

Von Tristan Tzara weiß man gemeinhin nur, dass er ein Dichter war, beim Entstehen des Dadaismus in Zürich eine Rolle als Herausgeber der gleichnamigen Zeitschrift spielte und dass er später nach Paris ging, wo er ohne großen Erfolg den Dadaismus zu etablieren versuchte und sich zeitweise den Surrealisten anschloss. Doch dass Tzara viel mehr war, dass er rund 450 Werke - Lyriksammlungen, Essay...

ndPlusGuido Speckmann

Das sozialistische Internet

Es hätte so schön werden können, hätten nicht die Chicago Boys in Chile mit ihrer neoliberalen Idee gesiegt. Unter Allende erprobten Kybernetiker die computergesteuerte sozialistische Wirtschaft.

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ndPlusUllrich Kroemer

Profikicker mit Schafen im Nachbargarten

Kein Stadion, kein Strom, kein Wasser: Der neue Oberligist FC International Leipzig muss improvisieren. Initiator Heiner Backhaus versucht sich am Spagat zwischen integrativem Verein und Profifußball.

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WM 2006 »mutmaßlich gekauft«

Der «Spiegel» will herausgefunden haben, dass die Vergabe der Fußball-WM 2006 nach Deutschland gekauft war. Der heutige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach soll eingeweiht gewesen sein.

ndPlusChristian Baron

Ruhrpott gegen Reihenhaus

Vergangene Saison blieben beide Teams hinter den Erwartungen zurück. An diesem Samstag ist die Begegnung zwischen Schalke und Hertha das Spitzenspiel der Bundesliga. Doch sie verbindet noch mehr.

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Warten auf die Wartenummer

Bei nasskaltem Wetter warteten auch in dieser Woche jeden Tag hunderte Flüchtlinge vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales, um sich registrieren zu lassen. Auch die Eröffnung der neuen Erfassungsstelle in der Bundesallee änderte daran nichts. Unterdessen kann eine geplante Unterkunft für etwa 1000 Menschen in Reinickendorf nicht eröffnen, weil es dort technische Mängel gebe, sagt eine Sprech...

Bernd Kammer

Nachrechnen lohnt sich

Wer einen neuen Mietvertrag abschließt, sollte alles ganz genau prüfen. Das ist natürlich eine Binsenweisheit, aber seit Einführung der Mietpreisbremse im Juni gilt das ganz besonders. Denn es kann sich lohnen. Wie für den Mieter aus Neukölln, der sich mit seinem Staffelmietvertrag an den Berliner Mieterverein wandte. Zwölf Euro pro Quadratmeter netto/kalt sollte er monatlich zunächst zahlen ...

Securityfirmen im Visier

Der SPD-Abgeordnete Tom Schreiber hat gefordert, Sicherheitsfirmen in der Hauptstadt stärker zu überprüfen.

Urteil zu Hetzkommentar

Eine Berlinerin ist wegen Hetze gegen Flüchtlinge auf Facebook zu fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Zur Warnung an die Allgemeinheit sei die Strafe »unerlässlich«, hieß es.

ndPlusSteffi Bey

»Meilenstein« auf dem Weg zur Ausbildung

Passgenaue Berufsberatung unter einem Dach: Dass will Berlin jetzt mit den neuen Jugendberufsagenturen bieten. In Berlin gibt es jetzt vier Jugendberufsagenturen - Ende 2016 soll es in jedem Bezirk eine solche Anlaufstelle geben.

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Jugendamt schreitet öfter ein

In Berlin haben die Jugendämter im vergangenen Jahr mehr Kinder und Jugendliche aus ihren Familien genommen. 463 Kinder und 669 Jugendliche wurden nach einer sogenannten Inobhutnahme in sozialpädagogischen Einrichtungen untergebracht, wie aus einer Antwort der Jugendsenatsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Joschka Langenbrinck (SPD) hervorgeht. Insbesondere bei den Jugen...

Bernd Kammer

Neubau hier, Abriss dort

Um das einstige Kunsthaus entsteht ein neues Stadtquartier. Günstige Wohnungen werden aber nicht gebaut, in der Wilhelmstraße werden es sogar weniger.

Andreas Fritsche

Sozialliberaler tritt in die LINKE ein

Die ungerechte Verteilung des Reichtums stört ihn, und er wünscht sich die Gemeinschaftsschule. Mit solchen Überzeugungen fühlt sich Andreas Büttner bei den Sozialisten besser aufgehoben.

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Weniger Rüben als im Vorjahr

Clauen. Während Lastkraftwagen Zuckerrüben beim Nordzucker-Werk in Clauen (Landkreis Peine/Niedersachsen) abladen, schiebt ein Radlader die Ernte zusammen. Die Zuckerrüben-Kampagne läuft derzeit auf Hochtouren, die Nordzucker AG wird in diesem Jahr aber weniger Rüben verarbeiten als 2014. Im Norden und im Osten wird - anders als im Vorjahr - nur eine durchschnittliche Ernte erwartet. Zudem sind di...

30 Neugründungen pro Monat

Sachsen-Anhalt hat immer weniger Einwohner, doch die Zahl der Vereine im Land steigt stetig. Sie übernehmen gerade auf dem Land immer mehr soziale Aufgaben.

ndPlusHendrik Lasch, Zeithain

Ein hölzernes Haus der Geschichte

In einem Neubauerndorf bei Zeithain stand eine unscheinbare Holzbaracke, in der sich deutsche Kriegs- und Nachkriegsgeschichte zutrug. Nun kommt sie ins Museum.

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slo⋌
Fotos: Ashkan Sahihi

Die Berlinerin

»Die Berlinerin« ist die Ausstellung überschrieben - wenig bescheiden im Singular. Das Recht auf den ethnologischen Gattungsbegriff und den Untertitel »Das Porträt einer Stadt« hat sich Fotograf Ashkan Sahihi einerseits durch den schieren Umfang seiner Ausstellung erworben. 375 Frauen hat der 1963 geborene Iraner, der einen Großteil seiner Jugend in Berlin lebte, fotografiert. Mit einer einfachen ...

Ben Gibson wird Direktor der Filmschule

Der künftige Direktor der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) heißt aller Voraussicht nach Ben Gibson. Wie das Branchenmagazin mediabiz.de gestern meldete, soll sich die aus drei Vertretern des Kuratoriums, einer Dozentin und zwei Studierenden bestehende Findungskommission auf den britischen Filmproduzenten geeinigt haben. Gibson, der von 1988 bis 1998 das Produktionsunit des British...

Ai Weiwei tritt Gastprofessur an UdK an

Der Aktionskünstler Ai Weiwei tritt Ende Oktober offiziell seine Gastprofessur an der Berliner Universität der Künste (UdK) an. Details will der chinesische Regimekritiker am 26. Oktober in einer Pressekonferenz bekanntgeben, teilte die Hochschule am Donnerstag mit. Finanziert wird die Gastprofessur über die Berliner Einstein Stiftung. Zum Auftakt ist eine öffentliche Antrittsvorlesung des 58-Jähr...

Harald Lachmann

Dauerrot am Landgericht

Deutschlands sinnloseste Ampel schaltete seit 1987 noch nicht einmal auf Grün, kostet die Stadt jährlich aber Tausende Euro Unterhalt. Rein rechtlich gilt ihr Betrieb jedoch als unumgänglich.

ndPlusDavid Fischer, Düsseldorf

Wie man Vokabeln mit dem Tablet serviert

Unterricht mit Tablets, kleinen Computern in Buchform, kommt in Deutschland noch selten vor. Doch gerade bei Lernschwäche könnten die Geräte helfen, sagen Experten. Es gibt aber auch Gegenargumente.

ndPlusHans-Dieter Schütt

»Geschmolzenes Roheisen«

Jederzeit vorstellbar: ein Dichter, der aus lieblichen Sphären der Welt kommt und plötzlich in eine Landschaft tritt, die grausame Fragen in ihm weckt. Was denn, hier braucht niemand mehr zu suchen? Nicht blühende Felder gab's hier, Seen nicht, nicht Fische darin? Nicht Blumen und deren Düfte? Nicht Mütter, nicht schöne Gesichter beim frühen Schrei ihrer Kinder? Und Ernte, viel Schlaf, hundert Art...

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ndPlusWolfgang Hübner

Warum nicht mal einen Säggsit?

Über die Schlechte-Laune-Demonstranten von Pegida gibt es eigentlich nur Widerwärtigkeiten zu berichten. Aber diese Woche blitzte dort kurz ein, sagen wir: Gedanke auf, den man mal auf seine Praxistauglichkeit abklopfen könnte.

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Was sagt die Medizinethik?

Wenn Pharmakonzerne mit Geld locken, um medizinische Tests an Menschen durchzuführen, wird das problematisch: Handeln Probanden, die ein Risiko auf sich nehmen, nur weil sie auf das Geld angewiesen sind, noch freiwillig? Geht der wissenschaftliche Wert von Studien verloren, wenn man mit »hauptberuflichen Probanden« arbeitet? Über diese und weitere Fragen sprach Miriam Sachs mit Heinz Peter Schmied...

Worum es geht

Arzneimittel werden getestet, bevor sie amtlich zugelassen werden; Ethikkommissionen überprüfen die Forschungsvorhaben auf dem Weg dorthin und Aufsichtsbehörden deren korrekte Umsetzung. Alles in Butter? 2006 zog eine Tragödie die internationale Aufmerksamkeit auf sich, bei der sechs Probanden beinahe starben. Die Testpersonen hatten ein Medikament eingenommen, das von dem Pharma-Unternehmen TeGen...

Von Risiken ... und Nebenwirkungen

Pharmakonzerne lassen ihre neuen Arzneimittel an menschlichen Probanden testen. Die erhalten dafür oft eine beachtliche finanzielle Aufwandsentschädigung. Ein willkommener Zuverdienst. Ein Selbstversuch.

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Steffen Schmidt

Menschen, Tiere, Zellkulturen

Wo eine heilende Wirkung ist, da ist meist auch das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen, könnte man in Abwandlung der Einsicht des Renaissance-Arztes Paracelsus sagen. Nach dem Fiasko mit dem Schlafmittel Contergan wurde deshalb auch in Westdeutschland ein klar geregeltes Zulassungsverfahren für Medikamente eingeführt, das einen mehrstufigen Prozess von klinischen Tests vorschreibt. Dabei unt...

Aus dem Tagebuch eines Probanden

Tag 1 Schmaler langer Raum mit Blick aufs Krankenhausgelände. In das frische Klinik-Bett zu sinken, bringt trotz aller Vorbehalte ein Gefühl von Erleichterung. Eintauchen in eine andere Welt. Ich liege in einem Bett inmitten von fünf anderen. Bett an Bett, Frau an Frau mit den unterschiedlichsten Gründen hier zu sein: Rente aufstocken, Neue Einbauküche finanzieren. Hinten tuscheln eine...

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Nachrufe

Mathieu Kérékou 2. 9. 1933 - 14. 10. 2015 Er steht in der Reihe jener afrikanischen Präsidenten, die den Glauben an die kollektive Utopie eines afrikanischen Sozialismus verkörperten: Mathieu Kérékou, der langjährige Präsident Benins, der dort als »Vater der Demokratie« verehrt wird. Sein Ruf mag nicht an den von Thomas Sankara in Burkina Faso heranreichen, aber der am 2. Septe...

ndPlusHendrik Lasch

Chemnitz, Auschwitz - und zurück

Stets hat er über die NS-Zeit gesprochen: Justin Sonder selbst wird an diesem Sonntag 90 Jahre alt. Im »Querbeet« am Chemnitzer Rosenplatz soll es einen kleinen Empfang geben. Viele Mitstreiter werden ihm gute Gesundheit wünschen.

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Anastasia Müller

Russisch »kot« oder ukrainisch »kit«?

Für den Westen, worunter wir gemeinhin die westlichen Industrienationen verstehen, stellt der flagrante Umbruch in der Ukraine eine Zäsur von viel größerer Tragweite dar als das Ende des Ost-West-Gegensatzes. Damals ging es um die politische Neuordnung des europäischen Raumes und die Frage nach der Integrierbarkeit des postkommunistischen Russland in die westliche Wertegemeinschaft. Heute sieht si...

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Navid Kermani

wurde 1967 in Siegen als Sohn iranischer Einwanderer geboren. Er ist habilitierter Orientalist und erhielt zahlreiche Preise. Er schrieb u.a.: »Gott ist schön: das ästhetische Erleben des Koran«, »Dynamit des Geistes. Martyrium, Islam und Nihilismus«, »Strategie der Eskalation. Der Nahe Osten und die Politik des Westens«. In seiner Eröffnungsrede zu den Hamburger Lessingtagen 2012 sagte er, Weltof...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Liebe ohne Unterschied

Bleib im Bild, rät Dichter Peter Handke. Also: Fall aus dem Rahmen. Der gesetzte Rahmen befiehlt Frontenklärung, will Dingfestmachung, summiert Indizien. Er sagt: Schau nicht auf, sondern steh drüber; bleib nicht gestimmt, bestimme; wisse und definiere. Nein, nein, bleib im Bild. Tritt nicht davor, tritt ein. Als gehörtest du dazu. Du gehörst doch dazu. Zur viel erzählten, aber unerhört bleibenden...

Seite 23
Anett Keller

Bis heute keine Aufarbeitung

Die antikommunistischen Massaker in Indonesien vor 50 Jahren mit rund einer Million Todesopfern zählen zu den furchtbarsten Verbrechen des 20. Jahrhunderts. Zuvor hatte die ehemalige holländische Kolonie und nach ihrer Unabhängigkeit blockfreie junge Nation Indonesien mit der Partai Komunis Indonesia (PKI) die drittgrößte kommunistische Partei der Welt beherbergt. Ein Machtkampf zwischen link...

ndPlusAnett Keller

«Wir leben doch nicht im Zeitalter der Barbaren»

Sie sind 1967 geboren, zwei Jahre nachdem ihr älterer Bruder, Ramli, während der antikommunistischen Massenmorde in Indonesien 1965 umgebracht wurde. Für den Film «The look of silence» begeben Sie sich auf die Suche nach dem, was damals geschah. Wussten Sie vor dem Filmprojekt schon, dass Ihr Bruder einer der Ermordeten war, oder kam das erst durch die Recherchen von Joshua Oppenheimer ans Tagesli...

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Yad Vashem, die; Substantiv, feminin

Yad Vashem, die; Substantiv, feminin. Yad Vashem ist die zentrale jüdische Gedenkstätte zum Holocaust mit Sitz in Jerusalem. Offiziell übersetzt heißt sie »Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust«. Sie wurde 1953 auf Beschluss der Kneset, dem israelischen Parlament, gegründet. Yad Vashem kommt aus dem Hebräischen und bedeutet wörtlich »Denkmal und Name«. Bezug nimmt di...

Angst und Zuversicht

Vielerorts in Deutschland herrscht derzeit gegenüber Flüchtlingen eine Stimmung, in der sich Angst und Zuversicht, Abwehr und Willkommenskultur die Waage halten. Auf welche Seite die Waage kippen wird, ist noch nicht sicher. Dass nach der ersten Welle der Willkommenseuphorie die Stimmen derer lauter werden, die mit Sorge auf die wachsende Zahl von Flüchtlingen reagieren, ist indes normal. Die Angs...

Lena Tietgen

Internationale Schule für Holocaust-Studien

In der derzeit geführten Integrationsdebatte überwiegt der Ruf nach Anpassung an hiesige Gepflogenheiten. Angesichts der deutschen Geschichte ist diese Forderung problematisch. Man kann dieses Problem umgehen, indem der Holocaust als universeller Ausdruck eines absoluten Vernichtungswillens des Menschen durch den Menschen begriffen wird. Denn Verbrechen gegen die Menschheit bedürfen einer steten g...

Was geht mich Auschwitz an

Meine Geschichte kommt hier nicht vor«, »Mein Opa war kein Nazi«, »Was geht mich Auschwitz an« oder »Ich werde nicht mit meinen kulturellen Wurzeln wahrgenommen« - diese Aussagen hören Lehrer immer wieder im Geschichtsunterricht von SchülerInnen mit Migrationshintergrund, wenn es um Nationalsozialismus und Holocaust geht. Von einem Fall wie in Frankreich, als arabischstämmige Jugendliche mit den F...

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Wochen-Chronik

16. Oktober 1925 Im sogenannten Locarno-Vertrag verzichten Frankreich, Belgien und Deutschland auf eine gewaltsame Veränderung ihrer gemeinsamen Grenzen. Deutschland, das endgültig Elsaß-Lothringen an den früheren Kriegsgegner Frankreich abtritt, stimmt der im Versailler Vertrag 1919 festgelegten Entmilitarisierung des Rheinlandes zu und erhält im Gegenzug die Zusage für Aufnahme in den Völke...

Gerd Kaiser

Jakow Drabkin

Nicht als Soldat und auch nicht als Wissenschaftler wurde Jakow Drabkin geboren. Doch musste er in einen mörderischen Krieg ziehen, meldete sich freiwillig zur Roten Armee, als Hitlers Wehrmacht seine Heimat überfiel. Nach der Befreiung vom Faschismus kehrte er zu der von ihm vor dem Krieg studierten Geschichtswissenschaft zurück und erwarb sich alsbald Meriten in der Erforschung und publizistisch...

ndPlusKarlen Vesper

Verzerrte Selbst- und Feindbilder

Man weiß es nicht, aber vielleicht haben Walter Ulbricht und Erich Honecker Platon studiert und ihre DDR nach dem Vorbild von dessen Idealstaat formen wollen, der nach Karl Popper das Urbild einer »geschlossenen Gesellschaft« antizipierte. Die Aufnahme Fremder und Ausreise eigener Bürger waren bei Platon streng geregelt: »Denn der gegenseitige Verkehr zwischen den Staaten erzeugt Gewohnheiten alle...

Seite 26
Iris Rapoport

Völlegefühle

»Das liegt mir schwer im Magen« Wenn man damit nicht gerade metaphorisch von einem psychischen Problem redet, dann geht es in der Regel um fettes Essen. Doch warum gerade Fette und nicht Kohlenhydrate oder Eiweiße? Die Ursachen sind mannigfaltig. Zuvorderst, weil Fette auf dem Verdauungsparcours durch Mund, Magen und Darm am längsten intakt bleiben. Die Kohlenhydratverdauung beginnt schon im ...

Kai Böhne

Auch fremder Schmerz tut weh

Das menschliche Gehirn gewöhnt sich an den Anblick von Schmerz. Das haben Wissenschaftler der Universität Göttingen herausgefunden. Die Forscher hatten die Hirnstrukturen von Probanden untersucht, denen Fotos gezeigt wurden, auf denen anderen Menschen akuter Schmerz zugefügt wird. Über die Ergebnisse berichten sie in der Online-Fachzeitschrift »PLoS ONE« (DOI: 10.1371/journal.pone.0137056). E...

ndPlusHermannus Pfeiffer

Zoe ist die Größte - noch

Frachter sind die Lastesel des Welthandels. In zwei Jahrzehnten hat sich die Ladekapazität von Containerschiffen mehr als verdreifacht - sie wurden um fast 30 Meter breiter und um 100 Meter länger. Branchenprimus ist zurzeit die »MSC Zoe« mit 19 224 Standardcontainern (TEU) an Bord, verteilt auf 395,4 Meter Länge und 59 Meter Breite. Ihr Tiefgang beträgt 16 Meter. Voll beladen könnte »Zoe« an der ...

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ndPlusArthur Marsiske

Zurück zur Höhle? Wohnen im Weltraum

Bei einer Umfrage unter Weltraumarchitekten nach den bevorzugten Orten für außerirdische Bauvorhaben standen Mond und Mars ganz oben. Aber wie wohnt man dort? Vielleicht liegt die Zukunft in der Vergangenheit: in Höhlen.

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Ralf Hutter

Auf Fuggers Spuren durch die Zeit

Dass der Kaufmann Hans Fugger aus dem schwäbischen Dörfchen Graben 1367 ins rund 20 Kilometer entfernte Augsburg übersiedelte, hatte wohl ganz pragmatische Gründe. Denn in jener Zeit entwickelte sich die einst von den Römern gegründete Stadt zum Handelstor nach Italien, die Kaufleute profitierten von der günstigen Lage an der Handelsstraße über die Alpen. Da wollte auch Fugger einen Teil vom Kuche...

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ndPlusHeidi Diehl

Nich richtich polnisch noch deitsch

Oskarchen hockt auf seiner Bank im Gdansker Stadtteil Wrzeszcz, dem früheren Langfuhr, und trommelt sich tagein, tagaus die Seele aus dem Leib. Eigentlich sollte ja sein geistiger Vater, Günter Grass, dort sitzen, doch der hatte vor ein paar Jahren entschieden was dagegen, dass man ihm schon zu Lebzeiten ein Denkmal setzt. Irgendwie aber ist es gehuppt wie gesprungen, denn hier im Geburtsviertel d...

Seite 32
Sebastian Bähr

Die Romantik ist tot. Es lebe die Romantik!

Ehe, Kinder, abgefahrener Sex, spontanen Kurzurlaube in exotischen Ländern, stetes Knistern, das ganze Programm: Das wünschen sich viele. Doch das Leben ist ganz bestimmt kein Drehbuch der Werbeindustrie.