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Unten links

Auch Festtagsmuffel können sich der Faszination der Weihnachtszeit kaum entziehen. Dafür sorgen die Auslagen der Konsumtempel ebenso, wie Weihnachtslieder dudelnde Radiosender und TV-Märchenfilme am laufenden Band. Auf Weihnachtsmärkten glitzern Sterne und Lichterketten - und treten erneut den Beweis an, dass Glühwein und Pfefferkuchen auch ohne Schnee schmecken. Insofern ist es mehr als ärgerlich...

Martin Ling

Öl-Sozialismus schwächelt

An die Wahlbeteiligung von 74,25 Prozent bei Parlamentswahlen reichen nur wenige der sich als Leuchttürme der Demokratie verstehenden westlichen Länder ran. Und dennoch haben die Sozialisten verloren.

ndPlusRené Heilig

Hinters Licht

Man muss schon besonders ignorant sein, um nicht zu merken, wie EU-Europa dauerhaft gegen Menschen- und Bürgerrechte in Stellung gebracht wird. Beispiel FRONTEX. Natürlich nur zu "unserem" Wohle.

Knappes Votum für den Haushalt der Tsipras-Regierung

Athen. Mit der knappen Mehrheit von drei Stimmen hat das griechische Parlament in der Nacht zum Sonntag den Haushalt für das kommende Jahr verabschiedet. Alle 153 Abgeordneten der SYRIZA-geführten Regierung stimmten für den Entwurf. 145 Politiker der Oppositionsparteien votierten dagegen, zwei waren abwesend. Damit hat die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras trotz ihrer knappen Mehrheit...

»Ich will einfach 
nur leben«

Wer sind die Menschen aus Syrien, Irak, Afghanistan, der Ukraine oder Vietnam? Wer sind die Menschen, die zu Tausenden in Zelten, Turnhallen und Hostels leben müssen. Was wünschen sie sich vom Morgen, vom Übermorgen?

Entscheidende Woche fürs Klima

Paris. In der zweiten Verhandlungswoche geht es ans Eingemachte, dann sitzen die Minister am Verhandlungstisch bei der Klimakonferenz in Paris. Die Delegierten einigten sich am Sonnabend auf einen Textentwurf als Grundlage - angesichts der weiterhin tiefen Gräben zwischen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern keine Selbstverständlichkeit. Allerdings sind alle wichtigen Fragen noch offen. ...

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Einmal nach Alaska reisen

Sie hat den ganzen Tag gekocht, sagt sie fröhlich. Samah strahlt, lächelt, die braunen, fast schwarzen Augen funkeln. Alles an ihr funkelt ein bisschen, und das Lächeln ist ansteckend. Samah el Hassoun, 22, aus Basra, Irak, hat an diesem Tag ihre Ausweispapiere bekommen. Deswegen kocht sie für alle. Seit drei Monaten lebt sie mit ihrer Schwester in Berlin. Wie sie nach Deutschland gekommen is...

Susanne Götze, Paris

Eine Frau der klaren Worte

»Der Klimawandel ist für uns eine Frage von Leben und Tod.« Solche Sätze schreiben Journalisten gern mit. Das ist Klartext im sonst eher drögen Diplomatensprech. Nozipho Mxakato-Diseko ist eine der wenigen Delegierten, die mal gern so etwas vom Stapel lassen.

ndPlusChristian Mihatsch, Paris

Klimaverhandlungen im Plan

Die Entwicklungsländer bilden nur noch bei der Finanzierung einen geschlossenen Block. Dies müssen die Minister diese Woche nutzen, um ein anspruchsvolles Klimaabkommen zu vereinbaren.

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Mit der Familie an den Wannsee

Eigentlich ist Hassan nur 13 Kilometer von seinem Sehnsuchtsort entfernt. Aber er weiß es nicht. Am liebsten ist er am Wasser, so wie damals, zusammen mit seinen Kumpels, grillen, quatschen, Musik hören. Früher war er ständig am Sabkhat al-Jabbul, dem riesigen Salzsee südöstlich seiner Heimatstadt Aleppo. Er mag die Enge der Großstadt nicht, er versucht ihr zu entkommen, wann er kann. Jetzt s...

Die Neoklassik kennt kein Geld

Peter Bofinger ist einer der fünf Wirtschaftsweisen, wie die Mitglieder des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung auch genannt werden. In dem Gremium nimmt er meist eine Gegenposition zu seinen vier Kollegen ein. Mit ihm sprach
Simon Poelchau über seine dortige Arbeit, die Finanzkrise und die 
Fehlannahmen der Mainstream-Ökonomie.

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Jörg Meyer

Schönes Wochenende

Erst ein paar Tage ist es her, da stellte der Deutsche Gewerkschaftsbund seinen aktuellen »Index Gute Arbeit« vor. Schwerpunkt waren Fragen nach der Arbeitsintensität der abhängig Beschäftigten. Weit über die Hälfte klagten über Multitasking, zu niedrige Personalbemessung, unangekündigte Zusatzaufgaben. Dazu kommen Arbeitshetze, und steigender Stress durch immer weitere Arbeitsverdichtung. Auch di...

Klaus Joachim Herrmann

Tauwetter nach dem Frost

Politische Lösungen müssten mit Russland gemeinsam gesucht werden, tut NATO-Generalsekretär Stoltenberg kund. »Es war nie unser Ziel, Russland zu isolieren«, erklärt er mit einem frommen Augenaufschlag. Doch wenn sich SPD-Chef Gabriel für die Rückkehr Moskaus in die G8 und wörtlich ein »Ende der Eiszeit mit Russland« einsetzt, muss es die wohl geben. Tauwetter kann nur nach dem Frost kommen. ...

ndPlusIngolf Bossenz

Ceterum censeo

Cato der Ältere, der vor dem Dritten Punischen Krieg im römischen Senat unablässig die Zerstörung Karthagos forderte, hat uns den Begriff des »ceterum censeo« (»übrigens meine ich«) hinterlassen. Eine aktuelle Version davon ist der mittlerweile tägliche Ruf nach Zerstörung des Islamischen Staates. Auch US-Präsident Obama hat ihn nach dem Massaker in Kalifornien ertönen lassen. Doch nicht überall, ...

Hans-Gerd Öfinger

Pragmatiker

Als dieser Tage die Innenminister von Bund und Ländern im rheinland-pfälzischen Koblenz über Asylpolitik und Abschiebungen in das angeblich »sichere« Herkunftsland Afghanistan überein kamen, passten Ort, Thema und Person des Gastgebers zusammen. Das am Deutschen Eck gelegene Koblenz mit seiner Festung Ehrenbreitstein ist eine traditionelle Hochburg des preußischen Militarismus und ist seit 1955 St...

ndPlusMatthias Dell

Sie friert einfach nur ein

Ein Dilemma des »Tatort« ist, wie die Kommissare dorthin gelangen. Also wann und wo die Geschichte anfängt. In den frühen Jahren konnte das dauern. Vor diesem Hintergrund ist der Münchner "Tatort" recht originell.

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Lernen, was ein Schneemann ist

Der Schnee hat Doan überrascht. Genau wie die übrigen Berliner, die sofort Bilder von den Wattebergen auf ihren Autodächern online gestellt haben. Für Doan Thi Quynh aber ist der Schnee tatsächlich etwas Besonderes. Sie hat noch nie welchen gesehen. Die 22-Jährige ist in der vietnamesischen Provinz Hai Duong aufgewachsen, etwa 60 Kilometer von der Hauptstadt Hanoi entfernt, wo es selbst im Wi...

SPD teufelt gegen Bundesamt

Innenminister Thomas de Maizière nimmt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Schutz. Ulla Jelpke (LINKE) kritisiert ständig neue Verordnungen.

René Heilig

Jetzt möglichst zügig...

Das Thema Flucht und Vertreibung ist derzeit aktuell wie lange nicht mehr. Um ihren Inhalt zu begreifen, wäre auch die Aufarbeitung der Geschichte hilfreich. Doch die spezielle deutsche Stiftung versagt.

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Fußball und Taekwondo

Elf Tage mussten Hanife und Briali Muhaghgh auf einen Termin beim LAGeSo, dem Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin, das alle ankommenden Flüchtlinge registriert, warten. Jeden Tag drängeln dort tausende Menschen. Die Eltern von vier Kindern nehmen bestürzte Nachfragen gelassen »Wir haben so viel durchgemacht, dass das Warten für uns keine Rolle mehr spielt.« Alles, was sie wollen i...

Soli für alle

Seit drei Tagen liegt ein Reformvorschlag für die Reform der Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern auf dem Tisch. Diskutiert wird nun, ob Ostdeutschland damit zufrieden sein kann.

Zschäpe lässt aussagen

Am Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag dieser Woche wird ihr Anwalt im NSU-Prozess eine Aussage von Beate Zschäpe verlesen.

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Einen Kitaplatz für Mohammad

Hamdia Mustafa ist angekommen, endlich. 3919 Kilometer weit haben sie ihre Füße von ihrem Geburtsort Qamishli in Syrien bis nach Deutschland getragen. Nur einmal, von der türkischen Grenze hinüber nach Griechenland, hat sie ein Schlauchboot betreten, den Rest des Weges ist sie gelaufen. In Griechenland hat die 19-Jährige ihren zweiten Sohn Suleimann zur Welt gebracht, vier Monate ist das jetz...

Robin Millard, London

Attacke in der U-Bahn

Nach einem Messerangriff in einer Londoner U-Bahn-Station geht die britische Polizei von einem »terroristischen« Hintergrund aus.

ndPlusPeter Stebbings, Washington

Obama will den IS zerstören

Präsident Obama spricht zur Nation, Heimatschutzminister Johnson sieht neue Phase der Bedrohung - die Schießerei in Kalifornien zieht immer weitere Kreise.

ndPlusOliver Eberhardt, Jerusalem

Israelische Retourkutsche

Wegen ihrer Unterstützung für die Kennzeichnungspflicht bei »Siedlungsprodukten« sanktioniert Israel 16 EU-Staaten. Zuvor war die Zusammenarbeit mit den EU-Nahostvermittlern eingestellt worden.

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Talibanführer Mansur soll am Leben sein

Kabul. Die Verwirrung um den angeblichen Tod von Talibanchef Mullah Achtar Mansur hält an. Die afghanischen Taliban verbreiteten am Wochenende eine Audiobotschaft, auf der angeblich die Stimme Mansurs zu hören ist - zum Beweis, dass der von Kabul Totgesagte noch lebt. »Gerüchte, wonach ich in Kutschlak verletzt oder getötet wurde, entsprechen nicht der Wahrheit«, sagt die Stimme. Hochrangige Talib...

Auf der Flucht vor dem Militärdienst

Wahid ist erst 28 Jahre alt und hat ein Leben für Drei gelebt. Mit 16 Jahren ist er aus seiner Heimat Ägypten über Griechenland nach Italien gekommen. Wahid wollte dem Militärdienst entkommen und floh. In Italien arbeitete er zwölf Jahre auf dem Bau. Bis ihn eine schwere Verletzung aus der Bahn und aus dem Job warf, war er glücklich. Er fährt mit seiner linken Hand unablässig über die Außense...

ndPlusArtem Kouida, Astana

»Test the West« in Kasachstan

Kasachstan steht vor großen Herausforderungen. Kopfschmerzen bereitet vor allem die Ausrichtung der EXPO 2017 in der Hauptstadt Astana. Das wohl letzte ambitionierte Projekt des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew verschlingt große Staatsressourcen. Die Konzentration auf Astana und die Vernachlässigung der Peripherie sind ohnehin alte Probleme der neuen Hauptstadt. Die Finanzierung von g...

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Mit den Gedanken in der Heimat

Mit einem satten Knall zerbirst die volle Wasserflasche auf dem Boden. Der zweijährige Ghayth steht mitten im Raum, guckt kurz zu seiner Mutter und tapst gemächlich zu ihr. Ghada lächelt, ein bisschen müde, und hebt ihren Sohn auf den Schoß. »So ist das. Wie soll ich so einen Sprachkurs besuchen?« Die deutsche Sprache zu lernen ist für die 35-Jährige derzeit das wichtigste Ziel. Aber dafür mu...

Sachsen, Scala und die Bausparkassen

Der Vorstand der Sparkasse Ulm hat - in Abstimmung mit dem Klägeranwalt Christoph Lang - gegen die beiden »Scala«-Urteile des Oberlandesgerichtes in Stuttgart »fristwahrend« Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) eingelegt. »Auf diese Weise erlangen beide Seiten die Möglichkeit, die bereits begonnenen Verständigungsgespräche fortsetzen zu können«, sagte der Pressesprecher der baden-württembergische...

Marcus Meier

Brain-Drain aus Griechenland

Dafür, dass es sich um eine Veranstaltung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung handelte, auf der insbesonders ehemalige und aktuelle SPD-Politiker debattierten, fiel die Kritik der deutschen Regierungspolitik recht harsch aus: Deutschland müsse die Austeritätspolitik »endlich beenden«, sonst gehe in Europa eine ganze Generation junger Menschen vor die Hunde, wetterte etwa Sigrid Skarpelis-Sperk,...

ndPlusHermannus Pfeiffer

Sparkassenkunden unter Druck

Die öffentlichen Finanzinstitute in Chemnitz, im Vogtland und Erzgebirge wollen Kunden Prämien vorenthalten, kritisieren Verbraucherschützer. Die Sparkassen geben der EDV die Schuld.

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Karsten Krampitz

Berliner Geschichten

Eine Anthologie prominenter Schriftsteller ohne das übliche Lektorat? Die Idee war gut, doch das MfS brachte das Projekt zum Scheitern. Für einen der Herausgeber sollte sich das noch lohnen.

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Heirat mit der Freundin

Oleg Petrunin sitzt inmitten des Gewusels an einem der Tische im Aufenthaltsraum und lernt. Stundenlang. Seit einem Monat ist der 24-Jährige in Berlin, seine Familie, die Eltern und der ältere Bruder, sind auf verschiedene Unterkünfte in der Stadt verteilt. Er ist Webadministrator, hat verschiedenste Internetportale betreut. Bis zum Krieg, der ihn vertrieben hat. Und seine Heiratspläne über d...

Doch keine Unterkünfte auf dem Feld

Am Rande des Tempelhofer Feldes sollen nun doch weniger Flächen für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) sagte, der Senat verzichte auf die vorgesehenen Standorte an der Oderstraße auf Neuköllner Seite sowie entlang des Tempelhofer Damms. Das hätten Gespräche mit den am Feld aktiven Gruppen ergeben. Stattdessen wolle man sich auf die befe...

Bernd Kammer

Feldverweis

Rauf aufs Feld, runter vom Feld - im Umgang mit den Flüchtlingen regieren im Senat weiter Chaos und Hektik. Vor einem Monat überraschte Bausenator Andreas Geisel (SPD) die Berliner mit der Ankündigung, auf dem Tempelhofer Feld »temporäre« Unterkünfte für die Geflüchteten einrichten zu wollen. Doch dafür hätte das per Volksentscheid verabschiedete Tempelhof-Gesetz geändert werden müssen, das solche...

Seltener im Dunkeln

Das Licht bleibt aus und die Heizung kalt. Wird die Rechnung nicht gezahlt, kann der Energieversorger die Leitungen abdrehen. In Berlin passiert das aber nicht mehr so häufig wie früher.

ndPlusJérôme Lombard

Wenn Schüler nachplappern

Der Propaganda von Islamisten den Boden entziehen und demokratische Werte in der Schule stark machen: Das ist das Ziel des neuen Anti-Islamismus-Pädagogikprojekts des Senats.

Nicolas Šustr

»Wir hören jede Nacht die Bässe«

Am Freitagabend begann das Verfahren, mit dem bis 2018 ein Bebauungsplan für das Friedrichshainer Areal des des ehemaligen Reichsbahn-Ausbesserungswerks erstellt werden soll.

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ndPlusTheresa Münch

Maklern bricht Geschäft weg

Seit dem Sommer müssen Vermieter die Kosten für einen Makler selber schultern. Viele verzichten seitdem auf den Vermittler. Makler müssen ihr Geld anderswo suchen.

Andreas Fritsche

Wilde Ehe mit Potsdam

Nuthetal will nicht in die Stadt Potsdam eingemeindet werden, bevorzugt stattdessen die Kooperation, zum Beispiel beim Standesamt.

Mach Platz - schön und bezahlbar wohnen

Die steigende Zahl an Flüchtlingen stellt viele Städte vor ungeahnte Herausforderungen. Anstatt teurer und schwerfälliger Bauten schlägt Holger Jahn, Professor für Produktdesign an der Fachhochschule Potsdam (FH), ein innovatives Baukonzept vor. Es vereint soziale Integration, ökonomische Effizienz, ästhetische Architektur und Ökologie. »Make Space« steht dabei für »Mach Platz, schaffe Freiraum«. Mit Jahn für »nd« Anja Laabs.

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Zwei Ronaldos? Dann doch besser Koch!

Mit Saeed hat Humayhooh das Leuchten in den Augen gemein, und diese Unruhe, die sich nur auf den Rand der Sitzfläche eines Stuhles setzt. Fußball spielen sie im selben Verein, auch er ist Stürmer und vergöttert Ronaldo. Aber die Abgrenzung zum großen Bruder ist schon in vollem Gange. Er lässt wissen, dass er mindestens genauso gut Deutsch kann. Aber zwei Ronaldos in einer Mannschaft, das wäre...

Der Ronaldo vom FC Brandenburg 03

Darf man ihn so nennen: Musterschüler? Saeed weiß ganz genau, was gemeint ist, wenn die Leiterin der Notunterkunft, in der er lebt, auf Deutsch von ihm spricht. Er lacht. Ein Lachen, an dem nichts Verlegenheit ist. Seit drei Monaten lernt Saeed Deutsch und ist leicht genervt, dass seine Mitschüler in der »Willkommensklasse« nur Arabisch sprechen. Farsi spricht keins der Kinder und selbst dann...

Hendrik Lasch, Wittenberg

»Buddisten« trotzen Umfragetief

Die Nackenschläge für die SPD in Sachsen-Anhalt hören nicht auf. Dennoch haben sich die Genossen 99 Tage vor der Landtagswahl demonstrativ hinter Katrin Budde als Spitzenkandidatin gestellt.

ndPlusElke Silberer, Aachen

Conterganhersteller hortete Daten über Opfer

Unterlagen mit hochsensiblen Daten von Opfern des Contergan-skandals lagerten über Jahre beim Hersteller des Schlafmittels, das die Missbildungen verursacht hatte. Das wirft viele Fragen auf

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Libeskind will hoch hinaus

Berlin braucht nach Auffassung von Architekt Daniel Libeskind mehr Hochhäuser. »Es müssen ja nicht gleich 200-Meter-Türme sein, aber insgesamt muss höher gebaut werden«, sagte Libeskind der »Berliner Morgenpost« (Sonntag). Die Häuser müssten aber auch bezahlbar sein. »Dabei ist mir wichtig, dass bezahlbarer Wohnraum nicht gleichbedeutend ist mit langweiligen Wohnboxen.« Der Architekt, der u. a. da...

Originale von Luther und Bach

Rund 800 Menschen haben am Samstag in Berlin die Gelegenheit genutzt, originale Luther-Schriften und ein Bach-Autograph zu sehen. Die Schriften waren nur einen Tag lang ausgestellt. Nun kommen das Autograph der h-Moll-Messe von Johann Sebastian, Bach (1685-1750), ein Druck der 95 Thesen des Reformators Martin Luther (1483-1546) und Luthers hebräische Bibel wieder in den Tresor.Die drei wertvollen ...

»Ich wünsche mir, Syrien würde wieder wie vorher«

Detailgenau und so sachlich, als würde er aus einem Buch vorlesen (oder aus dem Script für einen Thriller), berichtet Mohamad Alhajji von seiner Flucht aus Aleppo nach Berlin. Die Stationen Türkei und Griechenland sind schnell erzählt. Es folgen vier Tage »in einem miesen Camp«. Die Suche nach einem Schlepper. 500 Euro sollen Mohamad und die drei Freunde, mit denen er unterwegs ist, pro Nase ...

Krisenfester Motor für den Nordosten

Rostock. Gesundheitswirtschaft ist einer Studie zufolge der wichtigste Beschäftigungsmotor in Mecklenburg-Vorpommern und damit Impulsgeber für die gesamte Volkswirtschaftim Nordosten. In der Branche arbeiten aktuell 136 600 Erwerbstätige. »Damit besteht jeder fünfte Arbeitsplatz im Land innerhalb der Gesundheitswirtschaft«, erklärte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). Weitere rund 100 000 Erwer...

ndPlusFriedemann Kluge

Wo ist die Rienzi-Handschrift?

Es sind nicht die schlechtesten Geschichten, die auf realen, letztlich aber unaufgeklärten Tatsachen beruhen und die nun von ihren Autoren frei fort und zu Ende gesponnen werden. Dies ist auch die Arbeitsweise Uwe Klausners, der in seinem nunmehr achten Berlin-Krimi seinen Hauptkommissar Tom Sydow wieder einmal einen Fall klären lässt, der in der Realität, wie zu vermuten steht, wohl auf immer ung...

Robert Rescue

Lebenswerk Autobiografie

»Das sieht alles so marokkanisch hier aus«, sagt die Frau. Sie hat eben die Stammkneipe betreten und ist angetan von den Fliesen. Viele haben die schon bewundert, aber niemand hat sie mit Marokko verglichen.

Straßenausbau und kein Ende

Sie sind eines der Herzensthemen der Thüringer LINKEN: die Beiträge für den Straßenausbau. Diese sollen nun 2016 neu geregelt werden. Im Detail gibt es bei Rot-Rot-Grün aber unterschiedliche Ansichten.

Hagen Jung

Bittere Bescherung im Nussknackerland

Ganz besondere Nussknacker hat der traditionsreiche Hersteller Steinbach bisher produziert. Nun ist die Firma insolvent und entlässt 80 Mitarbeitern in Sachsen und Niedersachsen.

Volkmar Draeger

Die Uckermark in spätsommerlicher Glut

Als Monika Brachmann 1968 an der West-Berliner Hochschule für Bildende Künste ihr Grafikstudium begann, hatte die 1944 in Pommern Geborene schon einen kaufmännischen Abschluss in der Tasche und eine Zeit als Stenotypistin hinter sich. 1968, im Jahr der Studentenproteste, gehörte sie kurzzeitig der linken Künstlervereinigung »Die Rote Nelke« an, zog sich dann zurück, ohne ihr Engagement gegen Krieg...

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Wolfgang Hübner

Mosekunds Montag

Herr Mosekund, der sich sehr für das Zeitungswesen interessierte, hatte den interessanten Begriff Pressefrühstück gelesen. Von einem Bekannten ließ er sich erklären, dass dabei Journalisten von Politikern eingeladen werden, um bei Kaffee und Brötchen Fragen zu beantworten. Seltsam, dachte Herr Mosekund, nachdem er wieder einmal verschiedene Zeitungen studiert hatte, sie essen alle das Gleiche, abe...

»Arbeiten, heiraten, eine Familie gründen«

Am Tag seiner Ankunft in Berlin erlitt Hussain Akbar ein Herzanfall. Er erzählt davon mit einer Ruhe und einem Lächeln, als ob ihn nun nichts mehr erschüttern kann. Ob es die Erleichterung ist, hier angekommen zu sein, oder eine Schicksalsergebenheit, lässt sich nicht sagen. »Die Deutschen haben ein großes Herz«, sagt Hussain nachdrücklich und nickt. Er bete jeden Tag für die Menschen in dies...

Filmbösewicht

Der amerikanische Schauspieler Robert Loggia, der häufig harte Kerle und Bösewichte spielte, ist tot. Wie seine Frau Audrey dem US-Filmportal »Variety« mitteilte, starb der 85-Jährige am Freitag in seinem Haus in Los Angeles. Nach Angaben seiner Frau war Loggia an Alzheimer erkrankt. Zu seinen bekannten Filmen zählten das Drama »Ein Offizier und Gentleman«, Brian de Palmas Thriller »Scarface« und ...

Bilder erhalten eigenes Museum

Die Werke des Malers Christian Schad werden künftig in einem eigens dafür gebauten Museum zu sehen sein. Ab 2017 soll Schads umfassendes Schaffen in einem Museumsneubau im fränkischen Aschaffenburg dokumentiert werden, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Der Künstler Christian Schad (1894-1982) ist berühmt für seine abstrakten Fotogramme und für seine realistischen Porträts, die die Zeit der 1920er...

Jens Albes

Finanzierung des IS-Terrors

Der internationale Antikenhandel finanziert nach Ansicht des Kriminalarchäologen Michael Müller-Karpe zum Teil auch die Attentate der Terrormiliz IS. »Die hier gehandelten antiken Kulturgüter ohne Herkunftsangabe können in aller Regel nur illegaler Herkunft sein« und stammten zum Teil aus Syrien und Irak, sagt der Mainzer Experte, der den Kulturausschuss des Bundestages berät. »Der IS zerstört jah...

Hans-Dieter Schütt

Häuser bauen oder Ideen?

Der Architekt Bruno Flierl beschreibt aus sehr persönlicher Sicht die Architektur der DDR und der Bundesrepublik nach 1990. Ein Blick zurück nicht nur im Zorn und voller Neugier für das Heutige und Kommende.

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Vom Hörsaal auf die Flucht

Zu dritt leben sie derzeit in der Unterkunft in Berlin: Abir und Asma Salim und ihre Nichte, Lana. Mit 28 Jahren ist Abir (o.) die Älteste, hat an der Uni Homs Wirtschaftswissenschaften studiert und als Prokuristin gearbeitet. Bis zum Krieg. Dieses »Bis zum Krieg« schwingt in ihren und Asmas Erzählungen immer mit. Asma hat Elektroingenieurswissenschaft studiert, in den ersten Kriegsmonaten noch ge...

ndPlusBirgit Vey

Wie Google klingt

Stift, Papier, später Schreibmaschine - das war die Welt der Schriftsteller bis vor 30 Jahren. Computer und Internet haben der Literatur inzwischen neue Impulse gegeben. Vor allem das Verknüpfen von Texten mit sogenannten Hyperlinks ermöglicht Formen, die früher aus technischen Gründen nicht möglich waren. Der Berliner Bastian Böttcher etwa baut mit elektronischer Hilfe einen dynamischen Rap zusam...

ndPlusPhilip J. Dingeldey

Keine Denkbiografie

Kaum einer anderen Denkerin stehen Linke ambivalenter gegenüber als Hannah Arendt - einer Theoretikerin, die den Totalitarismus und die Bürokratie analysiert und kritisiert sowie für eine Rätedemokratie plädiert, die aber auch alles Ökonomische aus der Politik exkludieren will und manchmal dem Elitarismus zugeneigt scheint. Diese Ambivalenz versucht Alexandra Popp in ihrer kurz vor dem 40. Todesta...

Klaus Bellin

Zwischen den Klippen

Über die Schwärmerei des jungen Johann Wolfgang von Goethe für die sieben Jahre ältere Charlotte von Stein ist schon viel spekuliert worden. Die Literaturwissenschaftlerin Sigrid Damm setzt den Spekulationen Fakten entgegen.

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Jan Freitag

Raab folgt Jauch nach

Ach, eigentlich hätte man ihm doch einen würdevolleren Abschied gewünscht. Eigentlich wäre Günther Jauch eine Prise Restanstand zu wünschen gewesen nach vier Jahren unablässigen Bashings seriöser Feuilletons.

ndPlusJulia Kilian

Nachrichten auf Arabisch

Moderator Constantin Schreiber lernt gerade den letzten Satz von einem Zettel auswendig. »Wir haben noch keinen Teleprompter auf Arabisch«, sagt der 36-Jährige. Schreiber steht auf einer Dachterrasse in Berlin, hinter ihm verschwimmt in der Ferne die Kuppel des Bundestags. Er moderiert für n-tv die Sendung »Marhaba - Ankommen in Deutschland«. Das sind kurze Clips im Internet. Gedacht für Flüchtlin...

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ndPlusStephan Fischer

Einer Serie willkommener Momente

Die Entscheidung des Berliner Trainers Pal Dardai nach der Partie gegen Bayer Leverkusen ist die gleiche wie nach der 1:4-Heimniederlage gegen Borussia Mönchengladbach Ende Oktober: Die Mannschaft von Hertha BSC bekommt einen freien Sonntag. Aber nicht, um den Kopf freizukriegen, wie nach der derben Klatsche gegen die Bayern-Besieger. Nach dem 2:1 gegen Leverkusen will Dardai die Mannschaft dieses...

Max Zeising, Wolfsburg

Der Enttäuschung folgt der Hammer

Die Schlussphase im Wolfsburger Stadion hätte emotionaler nicht verlaufen können: Erst glich der VfL aus, dann schlug der BVB zurück. So verkürzte Dortmund den Abstand zum FC Bayern auf fünf Punkte.

Klassentreffen

Chaos bei Hansa Siebte Niederlage, randalierende Fans und in der Nacht zwei Entlassungen: Beim FC Hansa Rostock geht es nach dem 0:2 beim Halleschen FC wieder rund. Nach dem Sturz auf einen Abstiegsrang lösten Fans durch Randale im Zug einen Polizei-Großeinsatz in Oranienburg aus. In der Nacht wurden dann Trainer Karsten Baumann und Sportdirektor Uwe Klein beurlaubt. Aufgrund der verhe...

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Wenig Anlauf, große Weiten

Lillehammer. »Es war nicht leicht hier, und deshalb bin ich sehr zufrieden«, sagte Severin Freund. Nach seinem Sieg am Samstag und Platz fünf am Sonntag führt der 27-jährige den Gesamtweltcup wieder hauchdünn an - trotz aller Windlotterien in Skandinavien.Mit Platz drei in Klingenthal hatte Freund das gelbe Trikot zunächst verloren, nach zwei ausgefallenen Springen in Kuusamo eroberte er es durch ...

Pirmin Closse und
Kevin Wyborny, Kolding

Fehlstart für deutsche Handballerinnen

Die deutschen Handballfrauen kassierten zum Auftakt der WM eine herbe Pleite gegen Frankreich. Im zweiten Vorrundenspiel gegen Argentinien steht die neuformierte DHB-Auswahl unter Druck.

Jörg Mebus, Hannover

Angriff und Rückzug vom DOSB

Nach dem Olympia-Aus von Hamburg hat Präsident Alfons Hörmann die DOSB-Mitglieder in Hannover hinter sich vereint. Dennoch stehen dem deutschen Sport schwierige Jahre bevor.

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ndPlusWolf H. Wagner, Florenz

Lavafontänen über Catania

Florenz. Der Wind hat sich gedreht, die Aschewolken, die seit Donnerstagvormittag aus dem Krater »Voragine« (der Schlund) ausgestoßen werden, ziehen landeinwärts. So konnte am Sonntagmorgen der Flughafen von Catania seinen Betrieb wieder aufnehmen. Der Krisenstab hatte sich 48 Stunden zuvor entschlossen, wegen der Aschegefährdung der Triebwerke, alle Flüge von und nach Catania einzustellen. I...

Tote bei Brand auf Ölplattform

Auf einer Bohrinsel vor der Küste von Aserbaidshan reißt eine Sturmböe eine Gasleitung ab. Zwei Menschen sterben, 29 werden vermisst. Dutzende Arbeiter können sich verletzt vor dem Feuer retten. Baku. Ein Großfeuer auf einer Ölplattform in Aserbaidshan forderte mindestens zwei Opfer. 29 Arbeiter würden vermisst, teilten der Energiekonzern Socar und die Regierung des Landes am Sonntag m...