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UNTEN LINKS

Die SPD ist den übrigen Parteien wie üblich einen Schritt voraus. Man kennt ihr Talent, Gefahren durch einen ausgewogenen Gesichtsausdruck abzuwenden, den politischen Gegner durch die komplette Übernahme von dessen Positionen auszuschalten oder sich vor Kritik vermittels ärztlich bescheinigten Tinnitus’ zu schützen. Doch auch als Kaderschmiede sind die Sozialdemokraten Vorreiter. Der Kreisverband ...

Athen: Wahl bald ohne Siegerbonus

Athen. Das griechische Parlament hat am späten Donnerstagabend für die Änderung des Wahlgesetzes gestimmt und den 50-Stimmen-Bonus der stärksten Partei abgeschafft. Allerdings konnte sich der linke Ministerpräsident Alexis Tsipras nicht mit seinem Plan durchsetzen, die Reform bereits zur nächsten Wahl in Kraft zu setzen. Sie gilt erst für die übernächste Parlamentswahl. Für die Änderung stimmten 1...

Verfahren gegen Nizza-Verdächtige

Paris. Gut eine Woche nach dem Anschlag von Nizza ist gegen fünf mutmaßliche Komplizen des Attentäters ein förmliches Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Ein Anti-Terror-Gericht habe für sie Untersuchungshaft angeordnet, teilte die Pariser Staatsanwalt in der Nacht zum Freitag mit. Staatschef François Hollande gab am Freitag bekannt, dass noch zwölf bei dem Anschlag verletzte Menschen in Lebe...

Der FDP drohen Strafzahlungen

Berlin. Die FDP soll im Wahlkampf zur letzten Bundestagswahl 2013 Steuergelder für Wahlkampfzwecke missbraucht haben. Der Bundesrechnungshof habe in einer »geheimen Analyse« die Ausgaben der FDP-Bundestagsfraktion in der letzten Legislaturperiode untersucht, berichtete der »Spiegel« am Freitag vorab. Demnach soll die FDP 2013 in mehr als zehn Fällen Fraktionsgelder für Wahlkampfzwecke missbraucht ...

René Heilig

Die Türkei steht Kopf - Der Bundestag macht Urlaub

Von der Bundesregierung kam bislang nur heiße Luft, wenn es um Erdogans jüngste Verbrechen geht. Es wäre also höchste Zeit, dass die zuständigen Abgeordneten ihren Kontrolljob erledigen. Statt in den Urlaub zu fahren.

Wo die bunten Fahnen wehen

Berlin. Vor dem Familienministerium wehen sie dieser Tage, vor Senatsverwaltungen, aber bis Freitagnachmittag nicht vor der Antidiskriminierungsstelle des Bundes: die Regenbogenfahnen, Zeichen der Solidarität mit der queeren Community. Das sind unter anderem Lesben, Bisexuelle, Trans- und Intersexuelle und Schwule. Das Bildungsministerium hatte dies mit Hinweis auf den Flaggenerlass des Bundes zun...

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Fabian Lambeck

Mehr Tempo bitte!

Wenn es schnell gehen soll, dann entwickelt die Bundesregierung eine erstaunliche legislative Eile. Bei dem Gesetz zur Regelung der Karenzzeit geht es hingegen im Schneckentempo voran. Bewusste Verzögerung?

Aert van Riel

Die Sorgen der CSU

Es steht also die Frage im Raum, ob die beiden Parteien, die ein so unterschiedliches Image pflegen, nach der Bundestagswahl 2017 gemeinsam regierungsfähig sein können. Umfragen sehen ohnehin keine Mehrheit für sie voraus.

ndPlusIngolf Bossenz

Die Stimme aus dem Off

Gäbe es eine Rangliste der vom Politikbetrieb abgesonderten unklugen Sätze, hätte »Der Islam gehört zu Deutschland« beste Aussichten auf einen vorderen Platz. Nicht, dass der Satz falsch wäre. Das Problem ist, dass dieser schlichten Tatsachenfeststellung durch ihre von höchster Stelle erfolgte Verkündigung ein ungesagtes Additiv anhängt, das gleichsam im semantischen Off mitklingt: »... und das is...

Marcus Meier

Ex-Makellose

Ihr drohen theoretisch ein Jahr Haft und eine bei ihrer Gehaltsklasse leicht verschmerzbare Geldstrafe von 15 000 Euro. Ihre Höchststrafe ist aber eine andere: Christine Madeleine Odette Lagardes politische Karriere dürfte beendet sein. Vorgeworfen wird der 60-Jährigen Nachlässigkeit im Umgang mit öffentlichen Geldern, Veruntreuung und Amtsmissbrauch. Frankreichs Oberster Gerichtshof eröffnete am ...

ndPlusMartin Leidenfrost

Napoleons Anhöhe

Am Montag stand Leidenfrost wieder vor »Bonaparte«. »Bonaparte« ist die berüchtigte Luxus-Immobilie, in welcher der Ministerpräsident des Landes wohnt, das seit 1. Juli die Ratspräsidentschaft der EU innehat.

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Ab ins Museum!

Haben Sie auch schon mal versucht, mit der Fernbedienung den Fernseher einzuschalten, und statt dessen setzte sich das Rollo in Gang? Gar nicht so einfach, sich in dem anwachsenden Wust von Bedienteilen zurechtzufinden, die sich auf vielen Wohnzimmertischen stapeln. Eine dieser Fernbedienungen steht nun endgültig auf der Liste der aussterbenden Arten: die für den Videorekorder. Nur noch eine einzi...

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EU-Gelder

Um Länder im EU-Beitrittsverfahren zu unterstützen, erhalten sie sogenannte Heranführungshilfen in Milliardenhöhe. Das Geld soll die Anpassung der Beitrittskandidaten an die rechtsstaatlichen, sozialen und wirtschaftlichen Standards der EU erleichtern und notwendige Reformen unterstützen. Zu den Empfängern gehören Albanien, Bosnien und Herzegowina, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, ...

Menschenrechte

Die Türkei will Teile der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK), zeitweise aussetzen. Die Möglichkeit einer Abweichung von der Konvention ist in ihr selbst vorgesehen. Artikel 15 der EMRK regelt das »Abweichen im Notstandsfall«. »Wird das Leben der Nation durch Krieg oder einen anderen öffentlichen Notstand bedroht, so kann jede Hohe Vertragspartei Maßnahmen treffen, die von den in dieser K...

René Heilig

Zündpotenzial MIT besten Kontakten

Der Bundesnachrichtendienst soll der Regierung als Frühwarnsystem dienen. Tat er das im Falle der Türkei und hat man die Kooperation mit Erdogans Agenten beendet? Möglicherweise wusste die Regierung mehr, als gut ist.

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Aert van Riel

Dobrindt lehnt Schwarz-Grün im Bund ab

Politiker der CSU schätzen die Chancen für ein Zusammengehen von Union und Grünen nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr schlecht ein. »Ich kann meine Partei nur davor warnen, über Schwarz-Grün im Bund nachzudenken«, sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt der »Rheinischen Post«. »Uns verbindet mit dieser Partei viel zu wenig und an den entscheidenden Stellen ein unlösbarer Konflikt«, erklärt...

ndPlusFabian Lambeck

Ein Jahr ohne Gremium

Mehr als zwölf Monate brauchte die Bundesregierung für die Besetzung eines Gremiums, das prüfen soll, ob der Seitenwechsel eines Politikers in die Wirtschaft einer Sperrfrist bedarf.

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Irina Wolkowa, Moskau

US-Zerstörer mit Kurs auf Ukraine

Als Verschärfung der ohnehin starken Spannungen im Schwarzen Meer sieht Moskau das internationale Manöver »Sea Breeze«.

ndPlusHannes Hofbauer, Wien

»Wos war mei Leistung?«

Fast sieben Jahre hat die Staatsanwaltschaft ermittelt. Nun muss der ehemalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser vor den Kadi. Er soll im Zuge von Privatisierungen Millionenbeträge veruntreut haben.

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Bestenfalls ineffizient

Der Ausnahmezustand in Frankreich, der nach dem jüngsten Terrorakt von Nizza gerade erst um sechs Monate bis Ende Januar 2017 verlängert wurde, stößt auf immer mehr Vorbehalte und Kritik - unter anderem von Richtern.

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ndPlusMax Böhnel, New York

Es geht trumpistisch zu

Donald Trump hat es geschafft: Er ist der Kandidat der Republikaner für die Wahl zum US-Präsidenten. »Amerika zuerst« lautet seine Botschaft.

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John Dyer, Boston

Zuckerberg zugedrohnt

Am Donnerstag wurden erste Ergebnisse des Facebook-Testflugs mit der Drohne Aquila bekanntgegeben. Das Fluggerät mit Solarantrieb soll in Zukunftentlegene Gegenden mit Breitbandinternet versorgen.

ndPlusFrederic Spohr, Bangkok

Faktor Arbeit wird entwertet

Der schnelle technologische Fortschritt bei Robotern und bei der Automatisierung nimmt Schwellenländern einen Wettbewerbsvorteil: die niedrigen Löhne. Neue Studien warnen vor dramatischen Folgen.

ndPlusDieter Hanisch, Kiel

Wohin mit dem AKW-Schutt?

Nach dem Atomausstieg fallen riesige Mengen an leicht kontaminierten Abfällen an. Auch die müssen irgendwo gelagert werden.

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Gysi vertritt Latchinian

Der frühere Intendant des Rostocker Volkstheaters, Sewan Latchinian, hat beim Landgericht Rostock Klage gegen seine fristlose Kündigung eingereicht. Das Gericht bestätigte am Freitag entsprechende Informationen der dpa. Danach wird Latchinian durch den Politiker Gregor Gysi vertreten. Der Intendant hatte nach seiner Kündigung Anfang Juni die Klage angekündigt. Wann der Prozess beginnen wird, steht...

Marktanteil zu gering

Der französische Medienkonzern Vivendi schließt seinen deutschen Online-Videoanbieter Watchever zum Ende des Jahres. Ein entsprechender Bericht der französischen Wirtschaftszeitung »Les Échos« wurde der dpa am Freitag aus informierten Kreisen bestätigt. Betroffen seien etwas weniger als 20 Mitarbeiter in Berlin, die Sozialpartner seien bereits informiert. Der Mutterkonzern wollte die Angaben nicht...

Schnee im Sommer

Beginnen wir diesen Text, der angesichts der politisch erhitzten Gemüter in großen Teilen der Welt, mit kühlem Gemüt geschrieben sein will, mit etwas Entspanntem: »Auslaufen der Einspeisevergütung ist Treiber für Speichernachrüstungen«. Gut, dass das einmal gesagt wurde, denn eine Einspeisevergütung, die ausläuft, ist in diesem Sommer, in dem aufgrund der vielen Gewitter schon viele Plätze, Straße...

Wolfgang M. Schmitt

Karneval der Unpolitischen

Solange der Christopher Street Day die Kapitalismuskritik scheut wie AfD-Funktionäre die Gender-Theorie, bleibt er nur ein sommerlicher Karnevalsumzug, der die herrschende Ordnung stabilisiert.

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Beschwerde abgewiesen

Der Gladbecker Geiselnehmer Hans-Jürgen Rösner ist auch vor dem Kölner Oberlandesgericht mit dem Versuch gescheitert, einen ARD-Film über das Geiseldrama von vor 28 Jahren verbieten zu lassen. Wie ein Gerichtssprecher am Freitag mitteilte, wies das Oberlandesgericht eine Beschwerde Rösners gegen eine Entscheidung des Landgerichts Aachen zurück, das dem Geiselnehmer Prozesskostenhilfe für ein entsp...

Ins Archiv verbannt

Oberinspektor »Derrick«, 1998 vom ZDF nach mehr als 280 Episoden mit Hauptdarsteller Horst Tappert in Rente geschickt, wird auch künftig mit seinen Kriminalfällen im Senderarchiv bleiben. Ein ZDF-Sprecher sagte am Freitag auf Anfrage: »Schon damals, als Horst Tappert mit der SS in Verbindung gebracht wurde, gab es keine «Derrick»-Folgen im Programm, und auch derzeit plant das ZDF keine Wiederholun...

Längst nicht alles bekannt

US-Regisseur Oliver Stone hat am Donnerstag bei der Comic-Con-Filmmesse im kalifornischen San Diego seine Film-Biografie über den NSA-Enthüller Edward Snowden vorgestellt. Alle großen Hollywood-Studios hätten sein »Snowden«-Projekt abgewiesen, sagte der Oscar-Preisträger. Er habe den Dreh am Ende mit Geldern aus Deutschland und Frankreich finanziert. Stone und sein Hauptdarsteller Joseph Gordon-Le...

ndPlusJens Grandt

Gesellschaft im hermetischen Raum

Es ist, nach heutigen Maßstäben, ein unmöglicher Roman. Er hat keine dramatische Handlung. Er hat keinen Plot. Der »Held« ändert sich kaum, ist eigentlich ein Anti-Held. Es gibt Längen, und überhaupt habe der »Zauberberg« eine »erzromantische Konzeption«, schrieb Thomas Mann. Ein »Monstrum, sui generis« (ohne Beispiel), »eine Geschichte mit pädagogisch-politischen Grundabsichten«. Herrje, wer möch...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Die Wilden kommen

Der Glaube an Gott löst irdische Probleme nicht, aber macht sie lächerlich. Wie die Literatur. Und wie Günter Kunert, der in seinem Buch "Vertrackte Affären" zeigt, dass dem Bösen nicht mit Rationalität beizukommen ist.

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Tom Mustroph

Eine Million Euro fürs Bonbonwerfen

Löwen, Hasen, Saurier - die Tour de France ist auch ein rollender Zoo. Das ist in erster Linie bei seinem Vorauskommando so, der Werbekarawane. 170 Fahrzeuge umfasst sie, vom auf einem Truck aufgebauten Löwen des Gelbe-Trikot-Sponsors bis hin zu dem Abschleppwagen am Ende der 12 Kilometer langen Prozession, der immer mal wieder ein liegengebliebenes Gefährt auf den Buckel nehmen muss. 600 Menschen...

ndPlusTom Mustroph,
Saint-Gervais Mont Blanc

Der Doper, der auf die Gnade des IOC hofft

Er gewann die 17. Etappe am Berg. Ilnur Sakarin wird damit zum Mitfavoriten auf dem bergigen Olympiakurs. Doch, ob er in Rio fahren darf, ist ungewiss: Als Russe könnte er bei den Spielen gesperrt werden.

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ndPlusOliver Kern

Starke Geste für LGBT-Rechte

Die NBA hat der Stadt Charlotte das All-Star-Spiel 2017 entzogen: North Carolina erließ ein Gesetz, das allen Menschen vorschreibt, die Toilette zu benutzen, die dem Geschlecht in ihrer Geburtsurkunde entspricht.

Robert Semmler, Lausanne

Neue Dopingfälle vor Olympia

Die Nachrichten über positive Dopingnachtests von Olympia 2008 und 2012 reißen wenige Wochen vor der Eröffnung der Rio-Spiele nicht ab. 45 weitere Sportler sind nach IOC-Angaben auffällig. Das ergaben die Nachtests.

ndPlusLars Becker

Wenn Amateure das Fürchten lehren

Erstmals können Boxprofis in Rio bei Olympia starten. Doch Stars der Branche wie Wladimir Klitschko oder die Weltmeister Felix Sturm und Jürgen Brähmer kneifen. 2020 in Tokio könnte sich das ändern.Von Lars BeckerWladimir Klitschko kämpft im Olympischen Ring von Rio: Es wäre ein Riesenspektakel gewesen und hätte Boxen auf einen Schlag zu einem der Höhepunkte der Sommerspiele gemacht. Doch der Wuns...

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Schweigen rächt sich

Seit Wochen berichtet der »Tagesspiegel« über angeblich sich verdichtende Hinweise zu Extremismus in einem Neuköllner Gotteshaus. Sie stützen sich auf die lange bekannten Auftritte von zwei umstrittenen Predigern 2013 und 2014. Seit die Neuköllner Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) kürzlich dort war, reißt die Kritik an ihr nicht ab. »Wir sind im Gespräch über die Werte unserer Gesellsc...

ndPlusPeter Nowak

Runder Tisch zur Rigaer zeigt Redebedarf

Rund 40 Anwohner der Rigaer Straße in Friedrichshain haben sich am Donnerstagabend im Rathaus des Bezirks versammelt, um über die angespannte Lage zu beraten. Beim nächsten Treffen an 3. August soll die Polizei Stellung nehmen.

ndPlusNicolas Šustr

Sichtbarkeit ist politisch

Die AfD versucht, Muslime und Schwule gegeneinander auszuspielen. Wie weit Gespräche tragen, ist umstritten, doch auf sie zu verzichten bringt auch nichts.

Johanna Treblin

Flüchtlinge protestieren gegen Umzug in Hangars

Nach spätestens sechs Monaten sollen Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünfte umziehen können, in denen sie sich selbst versorgen. Laut Landesamt für Gesundheit und Soziales fehlt es jedoch an Plätzen.

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Tomas Morgenstern

Drei Freie Wähler gegen den Landtag

Brandenburgs höchste Richter hatten am Freitag über die parlamentarischen Rechte der Freien Wähler zu befinden. Deren Abgeordnetengruppe verlangt den Fraktionsstatus.

ndPlusAndreas Fritsche

Reichlich Platz für Flüchtlinge

Von 4950 Plätzen für die Erstaufnahme von Flüchtlingen sind in Brandenburg derzeit nur 1507 Plätze belegt. Die Zuzugszahlen gehen zurück. Deshalb wird nun auf den Ausbau einer Kaserne verzichtet.

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Die Farben des Sommers

Hannover. Freizeit von oben: Die Bilder zeigen sommerliche Freizeitbeschäftigungen in und bei Hannover - oben Schwimmer im Freibad und Beach-Volleyballer, unten Tennis und Golfen. Niedersachsens Hauptstadt gilt als Sportstadt, tatsächlich sind Vereine aus Hannover in den Erstligen verschiedenster Sportarten gut vertreten. Und die Leibniz Universität Hannover hat auch 2016 den Sportabzeichen Uni-Ch...

Dirk Farke, Freiburg

AfD-Funktionär darf Rassist genannt werden

Wenn ein AfD-Funktionär auf einer öffentlichen Veranstaltung seine Hasstiraden gegen Migranten und Bürgerkriegsflüchtlinge anstimmt, darf er von den Medien als »rassistischer Anwaltsredner« bezeichnet werden.

ndPlusSebastian Haak, Erfurt

Von den Mühen der Amtsebenen

Jeder war mal Schüler. Weshalb viele glauben, Ahnung von Bildungspolitik zu haben - ein Feld, wo die Länder wirklich noch etwas entscheiden können. Doch das braucht natürlich eine starke Ressortspitze.

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Jüdisches Museum für Kinder

Das Jüdische Museum Berlin will sich verstärkt den Kindern widmen. Eine Jury habe den Entwurf des amerikanischen Architekturbüros Olson Kundig (Seattle) zum Bau eines Kindermuseums empfohlen. Die neue Abteilung soll innerhalb der Akademie des Jüdischen Museums an der Lindenstraße gegenüber dem Libeskind-Bau entstehen und sich an Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren richten. Die Eröffnung sei ...

Epen und Revolutionen

Ob Dokumentarfilme mit futuristischem Furor (»Der Mann mit der Kamera«, »Kino-Glaz«), exzentrische Literaturadaptionen (»Der Mantel«), poetische Dramen (»Erde«, »Arsenal«), Revolutionsepen (»Panzerkreuzer Potemkin«, unsere Abbildung), Loblieder der freien Liebe (»Bett und Sofa«) oder Science Fiction (»Aelita«): Zwischen 1924 bis 1935 schwang sich die sowjetische Filmavantgarde zu kreativen Höhenfl...

Dückers trifft Gröschner

Westberlin Anfang der 80er Jahre, Front- und Inselstadt, berühmt-berüchtigter Flucht- und Sehnsuchtsort: Hier, zwischen verschiedenen Welten beheimatet und sich zugleich ihre eigene Welt erträumend, lebt die dreizehnjährige, schlaflose Heldin aus Tanja Dückers Roman »Hausers Zimmer«. Hausers Zimmer, das ist der heimliche Sehnsuchtsort des jungen Mädchens, Zuhause des benachbarten Motorradrockers, ...

Im Museum mit dem »Compañero«

Die Staatlichen Museen zu Berlin haben für Kinder ab sechs Jahren eine besondere »Sehhilfe« für die Ausstellung »El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez« entwickelt. »Compañero - Der Begleiter für Kinder« ist ein Tablet, das nicht Computer ist, sondern Audioguide und Zeichenheft vereint. Das Vermittlungsangebot regt zum genauen Hinhören, Hinsehen und eigenem Gestalten in der Ausstellung an. Welche Bede...

Ein Stück Schilderwald für jedermann

Was passiert eigentlich mit alten Verkehrsschildern? Die Stadt Karlsruhe (Baden-Württemberg) verkauft sie auf einem Flohmarkt und gibt das Geld an Kindergärten.

Antje Rößler

Die Drei von der Güllepumpe

In ihrem neuen Programm geht das Kabarett-Theater Die Distel in die Provinz und trifft dort auf Bekanntes: Brexit, Bürokratie und Korruption. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble ist mit von der Partie.

ndPlusSabrina Gorges, Havelberg

Wenn Cowboys alt werden

Nach Verlusten 2015 wird der berühmte Havelberger Pferdemarkt in Sachsen-Anhalt - einer der größten Jahrmärkte Deutschlands - stärker beworben als sonst. Markmeister Härtwig behält den Überblick.

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Kommt, liebe Pokémon-Fans, besucht Rosa und Franz

Früher hieß es: Veränderungen sind gefährlich. Ist Ihr Nachbar plötzlich komisch, gehen Sie zur Polizei. Aber an wen wendet man sich heute, wenn Menschen bescheuert werden - so wie beim neuerlichen Pokémon Go-Hype?

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Nachrufe

Sigi Maron 14. 4. 1944 - 18. 7. 2016 Unter Österreichs Liedermachern gehörte er nicht zu den Eleganten, Elaborierten, unter sich selbst Leidenden - Sigi Maron war eher einer der Ruppigsten seiner Zunft. Er sang weniger als dass er deklamierte und krakeelte, er demonstrierte nicht Befindlichkeit, sondern Haltung. Maron, wegen einer Kinderlähmung seit dem zwölften Lebensjahr im Rollstuhl u...

ndPlusThomas Berger

Stimme der Aborigines

Voraussichtlich dauert es noch einige Wochen, bis sich das neugewählte australische Parlament in Canberra konstituiert. Und noch etwas länger, bis sie dort erstmals am Rednerpult stehen wird. Eines ist aber schon klar: Zu den leisen, unauffälligen Vertretern im Hohen Haus wird Linda Burney nicht gehören. Denn die Abgeordnete der Labor Party, die als erste indigene Frau im Repräsentantenhaus Platz ...

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Drohungen mit dem Ausstieg und einer neuen Anlage

Teheran. Enttäuschte Hoffnungen in Iran auf eine Erholung der Wirtschaft infolge des Atomabkommens mit dem Westen gefährden die Vereinbarung immer mehr. In dieser Woche drohte auch der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani mit einem Ausstieg aus dem Abkommen zur Begrenzung des iranischen Atomprogramms und damit der Fähigkeit zum Atombombenbau. »Leider gibt es immer noch Hindernisse bei der...

Oliver Eberhardt

Aus Euphorie wurde Ernüchterung

Die Zukunft nach dem Abkommen mit dem Westen ist für Reza Moghisseh Vergangenheit: Auf dem Boden des Großraumbüros in einem gehobenen Geschäftshaus im Zentrum von Teheran stehen Kisten voller leerer Aktenordner; die Möbel wurden schon abgeholt. Vor einem Jahr, die Medien waren voll mit Nachrichten über die Einigung über das iranische Atomprogramm, hatte der 32-jährige Anwalt und Betriebswirtschaft...

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Ingolf Bossenz

Die Botschaft des Bajazzos

Bei Søren Kierkegaard, dem dänischen Philosophen, findet sich folgendes Gleichnis: »In einem Schauspielhause geschah es, dass die Kulissen Feuer fingen; der Bajazzo trat vor, um das Publikum davon zu benachrichtigen. Man glaubte, es sei ein Witz, und applaudierte. Er wiederholte die Anzeige: Man jubelte noch lauter. So, denke ich, wird die Welt unter allgemeinem Jubel witziger Köpfe zu Grunde gehe...

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ndPlusJörn Schulz

Mein Pflasterstein, mein Viertel, mein Gulag

Wohl dem, der unfähige Feinde hat. Der Innensenator der Hauptstadt, Frank Henkel, offenbart einen selbst nach Maßstäben der Berliner CDU ungewöhnlichen Dilettantismus. Nach dem an sich autonomen Motto »legal, illegal, scheißegal« ordnete er ohne juristische Grundlage eine Teilräumung in der Rigaer Sraße 94 an, die umfanreiche Polizeieinsätze erforderte, diverse Proteste und Krawalle provozierte un...

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Gelassenheit statt Panik

Die Frage, ob die AfD für die Demokratie eine Gefahr darstellt, kann auf zwei Arten beantwortet werden. Man kann die Frage zum einen bejahen. In der Tat vertritt die Partei Positionen, die undemokratisch zu nennen noch eine Untertreibung wäre. Das gilt auch für den Bereich der Bildung. Wer von einer »bewussten Umvolkung durch Zuwanderung« spricht, bedient sich eines rechtsextremen Vokabulars. ...

ndPlusLena Tietgen

Leistung und Disziplin

Die AfD fordert im Bildungsteil ihres Grundsatzprogramms, «Leistungsbereitschaft und Disziplin» als «Voraussetzung erfolgreicher Wissensvermittlung». In der Schule könne ein entsprechendes Verhalten der Schüler «nur durchgesetzt werden, wenn den Lehrern die dazu geeigneten Maßnahmen zur Verfügung stehen und deren Durchsetzung nicht ständig hinterfragt» werde, heißt es auf alternativefuer.de. Was d...

Erhard Korn

Gegen »Genderismus«, für »preußische Tugenden«

Ein klassisches Eigentor schoss AfD-Vize Alexander Gauland kurz vor der Fußball-Europameisterschaft mit seinen abfälligen Bemerkungen über den Fußballspieler Jérôme Boateng. Die Behauptung, es gebe Menschen, die möchten Boateng nicht als Nachbarn haben, rief einen Proteststurm auch beim DFB hervor - anders als noch vor 15 Jahren, als sich der DFB mit seinem Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder soli...

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Jom-Kippur-Krieg - so und so

Der Jom-Kippur-Krieg ist in Israel nach dem jüdischen Versöhnungsfest benannt, das begangen wurde, als Ägypten und Syrien angriffen. Auf arabischer Seite wird der Krieg Ramadan- bzw. Oktober-Krieg genannt, da er während des Fastenmonats Ramadan stattfand. Nach dem Palästinenserkrieg (1948/49), der Sues-Krise (1956) und dem Sechs-Tage-Krieg (1967) war er der vierte arabisch-israelische Waffengang. ...

Rainer Holze

Frauenprotest

Es ist erfreulich, dass auch in der zweiten Ausgabe der historischen Fachzeitschrift »Arbeit - Bewegung - Geschichte« die Protestproblematik nicht aus dem Blick verloren wird. So be-fassen sich hier Irena Selišnik, Ana Cergol Paradiž und Žiga Koncilija von der Universität Lubljana mit den wenig bekannten Frauenprotesten in den slowenischsprachigen Regionen Österreich-Ungarns vor dem und während de...

ndPlusRené Heilig

NVA-MiGs über Syrien

Anfang September 2015 begann die russische Transportfliegerflotte mit der Verlegung von Truppen und Material nach Syrien. Am Monatsende holte Präsident Wladimir Putin ein Parlamentsmandat für einen Einsatz von Luftstreitkräften in Syrien ein, wenige Stunden später wurden die ersten Ziele angegriffen. Sinn des Militäreinsatzes, mit dem der syrische Präsident Baschar al-Assad wieder Oberwasser bekam...

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ndPlusSteffen Schmidt

Spielend verständlich

Comics galten einst in Ost und West als »Schundliteratur«. Dies Urteil der Erwachsenen machte sie für junge Leser besonders attraktiv. Inzwischen allerdings wird eine der jüngsten Formen der Bildergeschichten - die sogenannten Graphic Novels - auch im Feuilleton der Qualitätszeitungen besprochen. Das rebellische Gefühl bei der Comic-Lektüre ist dahin. Doch in den 1960er Jahren fand der DDR-Zeichne...

ndPlusIris Rapoport

»EU-Standards könnten sinken«

»EU-Standards für Lebensmittel könnten sinken« - So lautet eine der Warnungen vor dem TTIP-Abkommen. Doch Lebensmittel-Standards kann die EU auch ganz gut allein hinwegfegen. Dabei fing alles so hoffnungsvoll an. 2006 beschloss die EU-Kommission mit der Health-Claims-Verordnung, dem Wildwuchs fantasievoller, oft irreführender Gesundheitsversprechen der Lebensmittelindustrie einen Riegel vorzuschie...

Elke Bunge

Stress für den Untergrund

Anfang Juni 2016. Ein Erdbeben der Stärke 3,3 erschütterte die Umgebung von Volterra. Das Epizentrum lag wenige Kilometer nördlich der toskanischen Stadt in 14 Kilometern Tiefe. Wenige Tage zuvor hatte die Erde am Lago di Bolsena gezittert. Da lag die Magnitude bei 4,1 - die Erdstöße waren bis ins Amiata-Gebiet zu spüren. Dort betreibt der italienische Energieversorger Enel Green Power Erdwärmekra...

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ndPlusH.Th.

JINR Dubna

Das Vereinigte Kernforschungsinstitut (JINR) hat 18 Mitgliedstaaten: Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Bulgarien, Georgien, Kasachstan, Kuba, Nordkorea, Moldawien, Mongolei, Polen, Rumänien, Russland, Slowakei, Tschechische Republik, Ukraine, Usbekistan und Vietnam. Assoziierte Mitglieder sind Ägypten, Deutschland, Italien, Serbien, Südafrika und Ungarn. Das Komitee der Bevollmächtigten der 1...

Internationalität und Improvisation

Sie kamen als junger DDR-Wissenschaftler 1974 nach Dubna. Was war anders dort? Für mich war erstmal neu, dass ich selbst einen großen Teilchendetektor mit aufbauen konnte, von der Experimentplanung bis hin zu Installation und Betrieb. Am Akademie-Institut in Zeuthen hatte ich nur Blasenkammeraufnahmen aus dem CERN in Genf ausgewertet, zu dem ich in den 70er Jahren nicht fahren konnte. De...

Hubert Thielicke

Suche nach »Insel der Stabilität«

Dubnium ist mit einer Halbwertzeit von höchstens 34 Sekunden ein ziemlich kurzlebiges Element. Das Forschungsinstitut, dem das künstliche Element aus der Vanadiumgruppe Existenz und Namen verdankt, zeigte sich hingegen trotz ökonomischer und politischer Wirren nach dem Zerfall der Sowjetunion ziemlich langlebig. Das Vereinigte Kernforschungsinstitut (Joint Institute for Nuclear Research - JINR) Du...

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Denkspiellösung »Kaufen+Spaß«

Am 9./10. Juli sollten Sie bei »Kaufen macht Spaß« ermitteln, wie viel Geld Uschi und Markus für Souvenirs ausgegeben haben. 49,99 Euro hieß die Lösung. Zu der kam auch Oliver Bär aus Berlin, derzeit in Japan lebend, der für den Buchpreis ausgelost wurde. Der Erzählungsband »Alles beginnt und endet im Kentucky Club« von Benjamin Alire Sáenz, bei Ripperger & Kremers, geht an seine Heimatadresse...

ndPlusUdo Bartsch

Die beiden Besten: Anspruchsvoll, aber irgendwie auch kinderleicht

In »Codenames«, dem »Spiel des Jahres 2016«, verstecken sich 25 Agenten hinter Tarnnamen wie »Brücke«, »Ritter«, »Tisch«, »England«. Es gibt 400 Möglichkeiten. Nur die beiden Teamleiter kennen die Identitäten, die anderen Spieler sollen die Spione ihrer Seite möglichst schnell aufspüren. Pro Runde gibt der Chef seinem Team genau ein Hinweiswort, beispielsweise »Fluss«, um auf die Agenten namens »B...

Mike Mlynar

Der ewig rätselhafte Kasten

»Sobald das Geld im Kasten klingt,/ Die Seele aus dem Fegefeuer springt.« So der vom Volksmund auf den Punkt gebrachte Werbespot des katholischen Ablasspredigers Johann Tetzel (1455 - 1519). Luther wetterte verbal dagegen an, doch letztlich entsprangen dem ominösen Kasten sogar viele grausame Religionskriege. Der Slogan spielt mit vier Begriffen. Drei von ihnen sind von Mythen geradezu gesätt...

Agenten als Sprachjongleure

Deutschland gilt als das Spieleland schlechthin. Wie sieht es in Tschechien aus? Auch in Tschechien wird recht viel gespielt: in Clubs, in Cafés, auf Spieleveranstaltungen. Spielen auch die ganz normalen Familien? Was ist schon eine »normale Familie«? Auch ich habe eine Familie. Und wir spielen sehr viel. Wie sind Sie Brettspieler geworden? Ich habe schon als Kind viel ges...

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ndPlusKarin Schmidt-Feister

»Welcome to Iran«

Kurz nach fünf Uhr: Das Flugzeug ist im Anflug auf Teheran. Ich greife nach meinem Kopftuch, das in Iran für alle Frauen Pflicht ist. Ich bin voller Erwartungen - 3000 Kilometer auf und abseits der Seidenstraße liegen vor mir. »Welcome to Iran!«, wünschen mir völlig Unbekannte in Teheran im Vorübergehen. Leicht komme ich mit den meisten ins Gespräch, viele, vor allem junge Leute, sprechen Eng...

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ndPlusMichael Müller

Pindos, Popen, Partisanen

Bis nach Kastania war ich dann doch nicht mehr gekommen. Obwohl es mir Spiros Korsakis, der damals bereits recht betagte Oberst a. D. der Griechischen Volksbefreiungsarmee (ELAS), bei unserem Gespräch in Athen vor über 30 Jahren so ans Herz gelegt hatte. »Das Pindosgebirge, seine Menschen, ihre Geschichte, Tradition, die freie Luft. Da kannst Du Euren Lesern das richtige Gespür dafür geben, wie da...

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Astrid Kloock (Text) und 
Wolf Spillner (Fotos)

Kulturbotschafter

»Der Kommunismus-Versuch ist misslungen. Wir haben ihn begraben. Zu glauben, er wäre für immer tot, ist dumm. Wir bewegen uns zeitgeschichtlich in einer Endphase. Wenn Politik nicht mehr in der Lage ist, den herrschenden wirtschaftlichen Wahnsinn und die Probleme, die wir auf der Erde haben, unter Kontrolle zu bringen, wird es zu anderen Formen kommen müssen.« Stefan Behrens