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Unten links

Ihre Politik fühlt sich für uns Menschen schon lange so an, wie es sich für einen Hund anfühlen muss, wochenlang in einem winzigen, kalten, fensterlosen Kellerverschlag festgekettet zu sein. Und auf ihren Wahlplakaten sehen wir genau jene erloschenen Buchhaltertypen und Elendsgestalten, von denen wir uns plastisch vorstellen können, dass sie ihre Freizeit bevorzugt mit dem Foltern possierlicher kl...

Wirtschaft wächst langsamer

Berlin. Die Konjunktur hat sich merklich abgekühlt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im zweiten Quartal nur noch um 0,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Zu Jahresanfang belief sich das Wachstum noch auf 0,7 Prozent. Auch in der übrigen Eurozone verlangsamt sich das Wachstum. Es halbierte sich im vergangenen Quartal laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat au...

Kreml-Stabschef ausgewechselt

Moskau. Der russische Präsident Wladimir Putin hat seinen langjährigen Vertrauten, Kreml-Stabschef Sergej Iwanow, überraschend entlassen. Dies sei auf dessen eigenen Wunsch geschehen, erklärten beide Politiker. Iwanow werde künftig Sonderbeauftragter des Präsidenten für Umwelt und Transport, teilte der Kreml am Freitag in einem Dekret mit. Der 63-jährige Iwanow stammt wie Putin aus St. Petersburg....

IS verschleppt 2000 Geiseln

Damaskus. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat nach Angaben von gegnerischen Rebellen und Aktivisten bei ihrem Rückzug aus Manbidsch etwa 2000 Zivilisten entführt. Die IS-Kämpfer hätten die Zivilisten am Freitag aus Al-Sireb, dem letzten Viertel der nordsyrischen Stadt, in dem sie noch Widerstand leisteten, verschleppt, erklärte die Gruppierung SDF. »Sie haben die Zivilisten als mensc...

Velten Schäfer

Identität, rechtsgedreht

Nicolas Sarkozy hat einen Dammbruch begangen. Er rüttelt am Prinzip, dass wer in Frankreich geboren ist, auch Franzose ist. Die neue "nationale Identität" ist das große Thema der Rechten Europas.

Martin Ling

Seit 90 Jahren olympisch

1944 wurde er vielseitigster Schulsportler Kubas - heute ist sein Markenzeichen die Trainingsjacke: Fidel Castro wurde Inbegriff der kubanischen Revolution, Idol linker Bewegungen und Hassfigur der US-Politik. Nun wird er 90 Jahre alt.

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Sarkozy im Fahrwasser der Front National

Um seine Chancen zu vergrößern, bei der für November angesetzten Vorwahl der Rechten als Präsidentschaftskandidat gekürt zu werden, scheut Nicolas Sarkozy vor nichts zurück. Er wandelt auf den Spuren der Rechtsradikalen.

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Simon Poelchau

Keine Zeit für große Sprünge

Gute Konjunktur ist gleich guter Arbeitsmarkt ist gleich steigende Konsumausgaben ist gleich steigende Steuereinnahmen. So ungefähr lautet der wirtschaftliche Kreislauf, aus dem die Bundesregierung hofft, ewig schöpfen zu können. Doch was ist, wenn er mal nicht mehr so rund läuft? Spätestens jetzt sollte sich der Wirtschaftsflügel der Union diese Frage stellen. Denn sein 30 Milliarden Euro sc...

Klaus Joachim Herrmann

Putins Wahl

Die Ablösung des Chefs der Kremladministration sieht trotz kräftiger Lobesworte nach einem Absturz aus. Nur Einfaltspinsel glauben, dieser Mann sortierte im Vorzimmer des russischen Präsidenten fast fünf Jahre die Unterschriftenmappe. Lange Zeit galt Sergej Iwanow als ausdauerndster und engster Vertrauter seines Dienstherrn. Nach Art eines US-Vize war er nur einen Herzschlag vom immer mächtig...

ndPlusFabian Lambeck

Von Amts wegen aufgegeben

Einerseits heißt es, die Zahl der Menschen, die über 60 noch berufstätig sind, steige stetig. Nun heißt, dass die Zahl der Erwerbslosen über 58, die seit mindestens einem Jahr ohne Jobangebot sind, zugenommen hat. Ein Widerspruch?

Niklas Noack

Ging es nur um ein Frühstück?

Es klingt alles ein bisschen verrückt. Der kenianische Trainer John Anzrah, ausgestattet mit der Akkreditierung des 800-Meter-Läufers Ferguson Rotich, wird von Kontrolleuren der Welt-Antidoping-Agentur WADA, in der Mensa des Olympischen Dorfs angesprochen. Er soll eine Urinprobe abgeben. Der 61-jährige Trainer gehorcht und gibt im Namen des 31-jährigen Sportlers seinen Urin ab. Somit soll er den L...

Martin Leidenfrost

Am letzten Strand

Seit die EU von entsolidarisierenden Krisen auseinandergerissen wird, stieg in mir eine Sehnsucht nach dem Gnadenort des sortenreinen Europäismus auf. Deshalb schiffte ich mich ein. Das Ziel: Ventotene.

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Stellenabbau

Der Kapitalismus ist nicht auf die Erde beschränkt, das zeigt sich nun auf der Internationalen Raumstation ISS. Russland denkt darüber nach, die Zahl seiner Kosmonautenplätze aus Kostengründen zu reduzieren: von drei auf zwei. Man kennt das vom irdischen Stellenabbau, der wird meist auch so legitimiert. Sergej Krikaljow von der Raumfahrtbehörde Roskosmos hat die Überlegungen damit begründet, dass ...

Putin und Erdogan

Kommersant, Russland Russische Karte Der Konflikt mit dem Westen treibt Ankara zu einer Annäherung an Moskau. In einer zunehmend schärferen Konfrontation mit dem Westen versucht der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die russische Karte zu spielen, um den Druck seitens der USA und der EU zu dämpfen. Und auch Moskau spielt seine Karte aus: Durch die Wiederherstellung der Beziehungen...

Tom Strohschneider

Grenzenlos denken

Es gibt vielleicht keinen ungünstigeren Zeitpunkt, um über offene Grenzen zu schreiben. Immer noch dröhnen die Rufe nach mehr Abschottung durch den politisch-medialen Verstärkerraum. Doch es ist notwendig.

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Beim Nazi unterm Nazibett

Man muss sich erstlich sorgen um das schöne Niedersachsen. Das suggeriert eine neue Aufklärungskampagne über die »Erlebniswelt« von Neonazis, die das dortige Sozialministerium präsentiert. Anmoderiert wird das Projekt »kein-raum-für-rechte.de« nämlich mit dem Satz, »auf den ersten Blick« wirke das dort interaktiv zu begehende Interieur »wie das Zimmer eines gewöhnlichen Jugendlichen«. Erst »auf de...

Robert D. Meyer

Höcke geht auf AfD-Spitze los

Ein Vertreter der Diplomatie war der Thüringer AfD-Chef noch nie. Björn Höckes Sprache ist jene des Krawalls, oft und gerne gegen seine innerparteilichen Gegner, allen voran Parteichefin Frauke Petry. Die 41-Jährige trägt ihrerseits mit dem Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen einen Machtkampf aus. Der Streit ging sogar soweit, dass die Partei sich genötigt sieht, am Sonntag in Kassel hinter verschlossene...

ndPlusAert van Riel

Parteivorsitzender in Nöten

Wegen Erfolglosigkeit dürfte Sigmar Gabriel bald innerparteilich unter Druck geraten. Bisher halten sich die Genossen zurück. Allerdings steht keiner seiner möglichen Nachfolger an der SPD-Spitze für einen inhaltlichen Kurswechsel.

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Sebastian Haak, Erfurt

Mit allen Mitteln

Nicht mal der Partei- und Fraktionsvorsitzende der Thüringer CDU, Mike Mohring, will dem Justizminister des Freistaats, Dieter Lauinger (Grüne), absprechen, dass dieser aus väterlichem Impuls handelte, als er vor wenigen Wochen im Thüringer Bildungsministerium anrief. Allerdings bezweifelt Mohring trotzdem, dass das, was auf diesen Anruf folgte, nach den gleichen Regeln lief, die für jeden anderen...

Tom Strohschneider

Vier Stunden Eschweiler, angekettet

Zwei brutale Geiselnehmer, drei tote Menschen, eine enthemmte Journaille: Vor fast 30 Jahren sorgte das Geiseldrama von Gladbeck für Schlagzeilen. Die Geschichte ist auf ihre Weise hoch aktuell.

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Stefanie Kron, Montréal

Verstärker für den Süden

Das zwölfte Weltsozialforum (WSF) in der kanadischen Stadt Montréal will bis zum Abschluss am Sonntag Akzente setzen, um eine sozial gerechte und ökologisch verträgliche Globalisierung voranzutreiben.

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VW verkauft etwas weniger

Wolfsburg. Volkswagen startet bei den Auslieferungen verhaltener in das zweite Halbjahr. Europas größter Autobauer kann im bisherigen Jahresverlauf zwar trotz der Dieselaffäre dank seiner vielen Marken und einiger gut laufender Märkte weiter ein Plus vorweisen. Doch im Juli schwächelte die Kernmarke VW vor allem in Westeuropa und belastete damit wieder den Gesamtverkauf, wie das im DAX notierte Un...

79 Grad Nord – ganzjährige Messungen und Laborarbeit in der Arktisregion

»79 Grad Nord« - so heißt der Blog der Arktisforscher des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung (AWI). Was darauf hindeutet, dass sie ihre Forschungsstation in der nördlichsten Siedlung der Welt betreiben. Ny-Ålesund auf Spitzbergen östlich von Grönland beherbergt das »größte Labor der modernen Arktis-Forschung« - elf Länder, darunter auch Frankreich, Norwegen, Italien, China un...

ndPlusSimon Poelchau

Achillesferse Exportabhängigkeit

Laut Prognose der Bundesregierung soll die Wirtschaft dieses Jahr noch um 1,7 Prozent wachsen. Doch angesichts des Brexits und der lahmenden Weltwirtschaft glauben Experten nicht mehr dran.

Susanne Götze

Unser Fjord friert nicht mehr zu

Unberührte Natur, monumentale Eiswelten: In der Abgeschiedenheit von Spitzbergen sammeln Wissenschaftler seit 25 Jahren Klimadaten. Die Messungen brauchen Forscher, um den Klimawandel und das Wetter besser zu verstehen.

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BRD o.k.

Der türkischstämmige Filmemacher Fatih Akin (»Gegen die Wand«) hat junge Migranten dazu aufgerufen, sich zu Deutschland zu bekennen. »Ey, Leute, identifiziert euch mit diesem Land. Es ist schon okay hier«, sagte der Hamburger Regisseur, dessen Eltern Ende der 1960er Jahren nach Deutschland kamen, dem »Zeit«-Magazin. dpa/nd...

Am Ende doch

Eines der größten türkischen Rockfestivals darf nach zähen Verhandlungen mit den Behörden nun doch Ende August stattfinden. Das teilte der Veranstalter am Donnerstag via Twitter mit. Das Bezirksamt im westtürkischen Edremit wollte das viertägige Zeytinli-Rockfestival mit Verweis auf den Ausnahmezustand zunächst verschieben, was einer Absage gleichgekommen wäre. Als Grund gab die Behörde Sicherheit...

Einmaliges aus der Frühzeit

Das Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf hat am Donnerstagabend die Original-Handschrift des »Sonettenkranzes für Friederike Robert« von Heinrich Heine (1797-1856) der Öffentlichkeit präsentiert. Das Institut hatte das Manuskript auf einer Auktion in Berlin für 32 000 Euro erworben, wie der Archivar des Heine-Instituts, Christian Liedtke, sagte. Unterstützt wurde der Kauf von der Kulturstiftung d...

Mauerkinder

Mauern sind eigentlich dazu da, etwas zu beschützen. Sie sollen den Zutritt von Unbefugten verhindern. Unbefugt sind jene, die nicht über die Befugnis verfügen, Zutritt zu erhalten. Mit Fug und Recht kann an dieser Stelle gesagt werden, dass das Errichten einer Mauer in der Regel keinen Unfug darstellt. Dies gilt allerdings nicht für den anderen Fall, dass Mauern errichtet werden, um jenen, die ei...

ndPlusKarlen Vesper

Wie war das möglich?

Am 13. August 1961 wurde in Berlin eine Mauer errichtet, die mehr als 28 Jahre Bestand haben sollte. Zum 55. Jahrestag des Mauerbaus erinnern Ausstellungen und Buchneuerscheinungen an die deutsch-deutsche Teilung.

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ndPlusJürgen Amendt

Israel existiert nicht

Berlin ist bei israelischen Touristen beliebt. Jährlich besuchen Hunderttausende Israelis die deutsche Hauptstadt. Man könnte also meinen, dass die großen Hotels der Stadt - sagen wir mal: das Hotel Kempinski am Kurfürstendamm - dieser Tatsache u.a. dadurch Rechnung tragen, dass die in den Zimmern ausliegenden Telefonlisten mit den Ländervorwahlen auch Israel enthält. Seit Donnerstag steht Israel ...

Hans-Dieter Schütt

Alles Gute!

Bertolt Brecht meinte einmal, man dürfe nicht die wirklichen Dinge sehen, sondern die Dinge, wie sie wirklich sind. Wir meinen: Die Dinge sind schlimm genug - es ist also Zeit, einmal das Positive in ihnen zu erkennen.

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ndPlusLars Becker, Santo Christo

Stille Wasser sind silbern

Die große Party für die bislang größte deutsche Überraschung der Olympischen Sommerspiele von Rio fiel aus. »Alkohol ist bei uns verboten. Das steht bei uns auf der Dopingliste«, sagte Bogenschützin Lisa Unruh nach ihrem Silbercoup und schien gar nicht so traurig darüber: »Ich bin sowieso nicht so der Alkoholfan. Am liebsten trinke ich stilles Wasser.« Passender könnte ein Lieblingsgetränk den Cha...

Jirka Grahl, Rio de Janeiro

»Die schwierigsten Spiele«

Die Spiele haben ihre Helden, dennoch gibt es Enttäuschungen. Bürger nehmen ihre Freikarten nicht in Anspruch und die Politik bleibt für sie der Feind. Olympia liefert für seine Situation gleich auch selbst das passende Symbol.

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Jirka Grahl

Zwei linke Füße

Wer einmal an Rios Stränden entlangläuft, kann Rios heimlichen Lieblingssport nicht übersehen: Männer und Frauen, Alte und Junge, Carioca und Touristen sie alle lieben Futevolei, die Fußballvariante des Beachvolleyballs.

ndPlusNorbert Suchanek, Rio de Janeiro

Für eine bessere Aussicht

Die Bäume auf dem »Mirante do Rato Molhado« standen unter Naturschutz. Für einen Aussichtspunkt, von dem aus sich Touristen Segelrennen anschauen können, wurden sie dennoch einfach gefällt.

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ndPlusMartin Kröger

Vorwurf gegen Polizei

Eine Fahrkartenkontrolle am S-Bahnhof Friedrichstraße eskaliert. Laut einer Zeugin nahm die Polizei einen »Dunkelhaarigen« grundlos fest, der nur schlichten wollte, und behinderte die Dokumentation des Vorgangs.

Tomas Morgenstern

Der Hass ist noch da

Die Zahl der gegen die Aufnahme von Flüchtlingen gerichteten Aufmärsche von Nazis und rechten Populisten ist 2016 leicht zurückgegangen. Der rechte Aufruhr ist nicht wie ein böser Spuk einfach wieder verschwunden.

Martin Kröger

Innere Sicherheit polarisiert

Trotz Ferien kommt der Wahlkampf in der Hauptstadt langsam auf Touren. Inhaltlich geht es um die Innere Sicherheit. Sorge bereitet den Parteien die Gewalt gegen ihre Unterstützer und Kandidaten.

ndPlusEllen Wesemüller

Top-Thema Bildung

Marode Schulen, zu wenig Kitaplätze, schlecht bezahlte StudentInnen - an Horrormeldungen aus der Bildung hat es im Vorwahlkampf nicht gemangelt. Was die Parteien ändern wollen, zeigen wir in einem ersten großen Überblick.

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Johanna Treblin

Menschlich nachvollziehbar, aber illegal

Monatelang schliefen im vergangenen Jahr vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales hunderte Flüchtlinge. Aktivisten wollten ihnen eine Unterkunft beschaffen.

ndPlusSebastian Bähr und Philip Zeitner

Griechisches Konsulat besetzt

Knapp 20 AktivistInnen des linksradikalen Bündnisses »Beyond Europe« haben am Freitagmorgen das griechische Konsulat gestürmt.

Uwe Werner

Ein Traum in Bunt

In Jahresfrist hat das Ahorn Seehotel seine graue Betonfassade gegen farbenfrohe Fassadenmalerei eingetauscht. Urlaubern bietet es ein angenehmes Quartier - und sogar Schwalben und Fledermäusen.

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Wenn das Schloss im Licht verschwindet

Karlsruhe. Farben, Formen, Fantasien: Am Schloss Karlsruhe in Baden-Württemberg finden derzeit die Schlosslichtspiele statt. Die mit Musik unterlegten Lichtprojektionen können täglich nach Einbruch der Dunkelheit auf der gesamten Südfassade des Schlosses beobachtet werden. In diesem Jahr vermitteln Lichttricks unter anderem die Illusion, dass die Fassade gleich einer Drehbühne um eine gedachte Mit...

ADFC Sachsen: Rad-Parkhäuser für Berufspendler

Dresden. Radfahren wird laut Allgemeinem Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) vor allem in den großen Städten immer beliebter. »Das Fahrrad ist längst nicht mehr nur ein Fahrzeug armer Leute und von Studenten«, sagt der Geschäftsführer des ADFC Sachsen, Konrad Krause, in Dresden. Viele Menschen griffen bei einem Kauf mittlerweile tief in die Tasche. Er glaubt, dass noch mehr mit dem Rad, Bus und Bahn zur...

ndPlusHagen Jung

Veto gegen »Wittenburg Village«

Ob die Pläne für das umstrittene Outlet-Center »Wittenburg Village« südlich von Schwerin jemals verwirklicht werden, ist nun völlig offen. In einem aktuellen Beschluss der Schweriner Stadtvertretung heißt es: »Die Oberbürgermeisterin wird beauftragt, einer raumordnungsrechtlichen Zulassung des Factory-Outlet-Centers in Wittenburg durch das Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklu...

Christoph Driessen, Köln

Totentanz im Kölner Opernhaus

Auch Köln hat ein Großprojekt, das sich endlos hinzieht und immer mehr kostet: die Oper. Jetzt hat ein neuer Mann die Sache übernommen. Er sieht generelle Probleme bei solcherart Großprojekten.

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Geiz ist nicht geil

Geiz ist nicht geil, das wusste schon der große französische Dramatiker Molière. Und ist man selber geizig, verklärt man das leicht zur klugen Sparsamkeit und begräbt die Nächstenliebe im hintersten Winkel seines Herzens. Wie das ausgeht, beschreibt Molière in seiner 1668 erstmals aufgeführten Komödie »Der Geizige«: Man bleibt letztlich allein auf der weiten Welt zurück.Dass das Thema nach wie vor...

Das Internationale Jahr der Kamele

Die UN-Generalversammlung in New York hat das Jahr 2016 zum Internationalen Jahr der Kamele ausgerufen. Kamele - das ist der Oberbegriff für die sechs lebenden Arten der Dromedare, Trampeltiere, Lamas, Alpakas, Vikunjas und Guanakos, in Nordafrika, Süd-West- und Zentralasien und Südamerika. Die Tiere sind von großer wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung für das Leben der Menschen in den Regio...

Zeugnis für Stadtflucht

Das Sommerhaus des jüdischen Arztes und früheren Berliner Ärztekammerpräsidenten Alfred Alexander (1880-1950) in Potsdam soll saniert werden. Der 1927 am Groß Glienicker See errichtete Bungalow, der seit 2003 leersteht und 2014 unter Denkmalschutz gestellt wurde, gehöre als Zeugnis der in den 20er Jahren aufkommenden »Wochenendbewegung« zu den ersten Sommerhäusern der Stadt, teilte das Brandenburg...

Pink oder blau und warum?

»Gender« ist ein ebenso häufig gebrauchtes wie verpöntes Wort. Was aber meint es genau? Das Jugendmuseum Schöneberg war zusammen mit SchülerInnen auf der Suche nach Antworten. Warum tragen Mädchen rosa? Können homosexuelle Paare richtig heiraten? Gab es schon früher Trans*menschen? Wie leben Regenbogenfamilien? Und ist queer das neue schwul? Mit dem Modellprojekt »ALL INCLUDED« ging und geht das J...

Lange Nacht der Schnuppen

Mitte August funkelt es am Himmel über Berlin: Der Sternschnuppenstrom der Perseiden zieht vorüber. Berliner Planetarien und Sternwarten, Hobbyastronomen, Experten und Clearskyblog.de treffen sich deshalb an diesem Samstag zur gemeinsamen Himmelsbeobachtung im Park am Gleisdreieck: Jeder ist eingeladen, einen Blick durchs Teleskop auf Mond, Saturn und Neptun zu werfen - naturgemäß jedoch nur bei g...

Geteiltes Feiertagsland Bayern

München. Ob Menschen in Bayern an kommenden Montag ausschlafen können, hängt von der religiösen Prägung ihres Wohnortes ab. Denn der Feiertag Mariä Himmelfahrt macht den Freistaat alljährlich am 15. August zum geteilten Feiertagsland. In Städten und Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung ist Mariä Himmelfahrt ein gesetzlicher Feiertag - die Bewohner haben frei. In Kommunen mit überwieg...

ndPlusRudolf Stumberger

Trampeltiere in Weiß-Blau

Wie sieht der Kamelhimmel aus? »Sich auf keinen Fall bewegen«, sagt Tierpfleger Raffael im bayerischen Grub. Dort leben 26 Kamele auf dem Hof von Konstantin Klages, der allerdings Touren mit ihnen anbietet.

ndPlusHans-Dieter Schütt

Der Auftrag: überrollen!

Zukunft ist nicht das, was wir erwarten dürfen, Zukunft ist das, womit wir rechnen müssen. Wer in Richtung Volksbühne blickt, sieht schwarz: Chris Dercon! Eventschuppen? Noch ist es nicht so weit mit der schon jetzt als unfreundlich abgestempelten Übernahme 2017, die Apokalypsen freilich besetzen bereits alle Synapsen. Aber es ist doch nach wie vor auch belebend, in Richtung Volksbühne zu blicken ...

Christian Thiele, Ellrich

Wege aus der Gips-Falle gesucht

Gips gibt es reichlich im Norden Thüringens. Anders als Kohle liegt er relativ nah an der Oberfläche, so dass er meist im Tagebau gewonnen wird. Das birgt Konfliktstoff.

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ndPlusRegina Stötzel

Olympia im Stream, on demand und to go, plz.

Zwar wissen alle Bescheid über Kosten und Nutzen, korrupte Funktionäre und gedopte Russen, aber Olympia steht weit hinter anderen Sportereignissen zurück. Keine Fanmeilen, kein Public Viewing, keine Panini-Bildchen - Schade!

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Hans-Dieter Schütt

Das letzte Aufgebot

Die Wahrheit schämt sich längst nicht mehr vor diesem Eingeständnis: Der Sport verlor seine Unschuld, seit sich die Gewieften die Bälle zuwerfen. Und was das Edle im Menschen betrifft: Das Leben ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis - mag am Ende die Moral siegen, leider sind wir erst am Anfang. Zu den eingeschriebenen Grundsätzen des FC Bayern München gehörte zum Beispiel, »nur unbescho...

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Der große, alte Mann aus Havanna

Am 13. August wird er 90 Jahre alt, der große alte Mann in Havanna - Fidel Castro. Anfang 1959 machte er die Welt aufhorchen; aus den Bergen kommend, mit seiner kleinen Rebellenarmee, schickte er sich an, der Insel Kuba, dem Vergnügungsparadies der USA, nationale Würde und Souveränität zu geben. Schon deshalb ist ihm ein Platz in der Geschichte sicher. Aber auch, weil mit ihm das Wort Revolution e...

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ndPlusLeo Fischer

Kapitalmuseen

Es ist schon tragisch: Je stärker die Museen selbstständig wirtschaften, Drittmittel einwerben und sinnlos gegeneinander konkurrieren, um so fetischhafter klammern sie sich an einen Antikapitalismus der dummen Kerls.

Der falsche Neffe

Man liest von solchen Fällen in der Zeitung. Die Opfer sind alte Menschen, die sich nicht mehr gut orientieren können, wenn neue Forderungen an sie gestellt werden, aber noch rüstig genug sind, um einen Alltag zu bewältigen, in dem alles seinen Gang geht. Es kommt jemand, gibt sich als Beamter aus, will die Gasleitungen prüfen und verschwindet mit Wertsachen. Ein falscher Enkel ruft an, er ist ger...

ndPlusWolfgang M. Schmitt

In der Facebook-Gesellschaft

Der durchschnittliche Facebook-User ist mit 342 Menschen befreundet. Was sagt das über unsere Gesellschaft? Entwertet Zuckerbergs Netzwerk unsere Freundschaften? Oder ermöglicht es eine kosmopolitische Gemeinschaft?

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Rainer Balcerowiak

Koste es, 
was es wolle

Der Erfolg der Share Economy ist der »Win-Win-Konstellation« aller Beteiligten geschuldet. Die Vermittler verdienen mit ihren Provisionen, die Anbieter erhalten beträchtliches Zubrot und die Kunden freuen sich über günstige Preise.

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ndPlusJürgen Amendt

Veränderungen brauchen Zeit

Grundlegende Veränderungen vollziehen sich nicht in kurzer Zeit, es braucht manchmal Jahrzehnte, ja Jahrhunderte, bis eine Epoche zu Ende geht und bis eine Gesellschaft sich so gewandelt hat, dass sie von den Ahnen nicht mehr erkannt werden würde. Tiefgreifende Umwälzungen sind zudem nie nur politischer, sondern vor allem kultureller Natur. Weshalb auch die Zeit, die als 68er-Revolte in die Geschi...

Bildungslexikon: Bildungssystem in Südafrika

Das südafrikanische Bildungssystem gliedert sich in einen Elementarbereich, der sich von der Vorschule bis einschließlich Klasse 9 erstreckt (General Education and Training, GET), in den Bereich der weiterführenden Bildung, der von Klasse 10 bis 12 reicht, und in den Bereich der berufsbildenden Colleges (Further Education and Training, FET) sowie der Höheren Bildung in Hochschulen und Universitäte...

Lena Tietgen

Aufstand in Soweto

1976 rebellierten in Südafrika schwarze Schüler gegen die Apartheid. Die blutige Niederschlagung der Proteste durch das Apartheid-Regime war ein Fanal für das Erstarken der Anti-Apartheid-Bewegung und ließ den African National Congress (ANC) zu einer starken politischen Kraft im Land werden. Im Rückblick wurde durch die Niederschlagung auch das Ende der Apartheid 1990 eingeleitet. 40 Jahre na...

ndPlusUlrich van der Heyden

Eine neue Rebellion?

Ein tiefes Grummeln geht zur Zeit durch die Universitäten Südafrikas. Begonnen haben die neuen Proteste über 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid bereits im vergangenen Jahr an der Universität Kapstadt. Das Denkmal für Cecil Rhodes (1852-1902) dort in der Nähe wurde zunächst mit Fäkalien beschmiert, dann umgestürzt. Begründet wurde dies mit der nach Ansicht der studentischen Aktivisten bis heute a...

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ndPlusMartin Stolzenau

Werner Bräunig

Der Arbeiter-Schriftsteller schrieb einen Gesellschaftsroman, der 1965 in der DDR - als Vorabdruck - wie eine Bombe einschlug und sofort verboten wurde. Noch Jahre nach der Wende wurde er von verschiedenen Verlagen rigoros abgelehnt und erst 2007 vom Aufbau- Verlag unter dem Titel »Rummelplatz« veröffentlicht. Das Buch gedieh schlagartig zum Bestseller in Ost und West. Obwohl es inzwischen seinen ...

Karl-Heinz Gräfe

Operettenputsch in Moskau

Der zumeist hofierte und hochgelobte letzte KPdSU-Generalsekretär und letzte Präsident der UdSSR, Michail Gorbatschow, hatte durch seine Politik einer gut gemeinten, aber konzeptionslos durchgeführten Perestroika den Vielvölkerstaat 1991 in den fast unabwendbaren Untergang geführt. Obwohl mit bisher nicht gekannten Vollmachten ausgestattet, war er außerstande bzw. nicht willens, den sozialökonomis...

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ndPlusBarbara Barkhausen

Ein Jahr Vorwarnzeit bleibt immerhin

Supervulkane waren schon früher eine Bedrohung für die Menschheit - und das sind sie auch heute noch. Als der Toba vor 74 000 Jahren ausbrach, spie er so viel Lava, Staub und Gesteinsfragmente aus, dass man den Mount Everest zweimal hätte auftürmen können. Asche verdunkelte die Sonne, giftige Gase töteten alle Lebewesen in der näheren Umgebung. Wie extrem die Folgen des Vulkanausbruchs für di...

Martin Koch

Wie anschaulich ist Physik?

Ich bin überzeugt, dass niemand die Quantenmechanik wirklich versteht«, erklärte vor Jahren kein Geringerer als Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman. »Man kann sich nur an sie gewöhnen.« Als nicht minder unverständlich gilt die Relativitätstheorie. Weil sie deren Schlussfolgerungen für absurd halten, versuchen manche Menschen bis heute, sie zu widerlegen - getreu dem Motto: Was nicht sein kann,...

Seite 27
Matthias Arnold

Holzschiffchen simulieren Müll

Jedes Jahr verschmutzen Millionen Tonnen Plastikmüll die Ozeane. Für die Nordsee geht das Umweltbundesamt in Dessau derzeit von rund 600 000 Kubikmetern Müll aus, die dort im Wasser treiben. Doch ist das Problem auch hier bisher kaum erforscht. Ein neues Projekt von Meeresforschern soll das nun ändern. Der Meeresforscher Jörg-Olaf Wolff von der Universität Oldenburg ist Spezialist für sogenan...

ndPlusThomas Isenburg

Wenn Mikroorganismen auf Plastikpartikeln reisen

Das 20. Jahrhundert war ohne Zweifel von der Chemieindustrie geprägt. Insbesondere die Kunststoffe sind heute allgegenwärtig. Waren es in den 50er Jahren nur wenige Millionen Tonnen pro Jahr, so werden heute weltweit etwa 280 Millionen Tonnen dieser Werkstoffe hergestellt. Der Grund: Geringes Gewicht, gute Formbarkeit und hohe Beständigkeit machen Produkte möglich, die sich aus anderen Materialien...

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Wiedergeburt ohne Widerhaken

Die kleinen Wurfpfeile, Fachbegriff: Darts, die dem späteren Sport seinen Namen gegeben haben, waren wahrscheinlich schon im 5. Jahrhundert v.u.Z. in Gebrauch. Und zwar als Kriegsgerät, bei den Römern als »Plumbate« mit fiesen Widerhaken perfektioniert. Viel später, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, gab es einen Relaunch. Ganz ohne Widerhaken aber mit einem Riesenerfolg wurde in Großbritannien das e...

Denkspiellösung »Hart und mild«

Am 6./7. August wollte wir von Ihnen wissen, wie Mathegymnasiastin Franziska ein bestimmtes Boxkampfergebnis errechnete. Das war, wie angekündigt, etwas schwieriger als das Wer-ist-der-Sieger-Denkspiel vom 30./31.7. Einige haben deshalb, wie sie einräumten, auch nur geraten. Die meisten »Richtigen« schafften es mit einer Folge verbaler Logikschlüsse. Auch Margot Schürmann aus Berlin, die für den B...

Mike Mlynar

Mit dem und gegen den Strom

Sport ist Bewegung der besonderen Art. Und eine spannende dazu, obwohl es sich ja genau genommen »nur« um eine Summe von recht gleichförmigen Abläufen handelt. Bei Spiel- und Kampfsportarten ist das nicht ganz so monoton, doch ein 100-Meter-Sprint ist letztlich immer eine Summe von Schritten und Kugelstoßen eben stets Kugelstoßen. All diese Abläufe sind auch modellier- und reproduzierbar. So ...

Kopfrechnen und der große Kick

Wie fühlt sich das an, im Spitzen-Darts so ziemlich allein unter Männern? Vor allem ist das für mich eine Ehre, von Bull’s gesponsert zu werden. Entsprechend werde ich versuchen, in meinem Sport alles zu geben. Und zugleich ist das ja auch verpflichtend. Nämlich dazu, mit meinem Vorbild vielleicht mehr Frauen zu inspirieren und an Darts heranzuführen. Warum eigentlich immer noch diese Mä...

Seite 30
Manfred Lädtke

»Bi uns is ahlns en bietje anners«

Nirgendwo in Deutschland stehen so viele Kirchen auf engstem Raum wie an der Nordseeküste in der Krummhörn, der Region zwischen Emden und der Leybucht im Südwesten Ostfrieslands. Wo sich zwischen Deichen der Horizont in der grenzenlosen Weite verliert, müssen Kirchen nicht hoch sein. Oft thronen sie eingegrünt von mächtigen Eichen und Linden über uralten verträumten Dörfern. Keine Hektik, kei...

Seite 31
ndPlusHeidi Diehl

Jesses Schuh und Christas Doppel

Helden kommen oftmals ganz unspektakulär daher. Wie die aus ihrer Heimat Syrien geflüchtete Yusra Mardini, die vor einem Jahr gemeinsam mit ihrer Schwester das kenternde Boot, das sie nach Europa bringen sollte, schwimmend nach dreieinhalb Stunden an das sichere Ufer von Lesbos brachte und so vielen das Leben rettete. Nun startet die 18-Jährige, die inzwischen in Deutschland lebt, als Schwimmerin ...

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Christin Odoj

Der Vergessene

Wie kaum einer prägte der Architekt Jean Krämer zur Zeit der Weimarer Republik das Stadtbild Berlins. 
Er entwarf riesige Wohngebiete, war Hausplaner der städtischen Straßenbahngesellschaft. Heute kennt 
fast niemand mehr seinen Namen. Seine Tochter 
reiste aus Australien nach Berlin und begab sich 
auf Spurensuche.