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Unten links

Der Bildungssender RTL sorgt bald ein weiteres Mal für niveauvolle TV-Unterhaltung. Er veranstaltet laut dpa ein »Fernsehexperiment mit Hartz-IV-Empfängern«. Einer vierköpfigen Familie werden 25 000 Euro ausgehändigt, mit denen sie sich eine Existenz aufbauen soll. Damit die Sache nicht aus dem Ruder läuft, wurde der als Seelsorger hervorgetretene SPD-Politiker Heinz Buschkowsky angeheuert. RTL is...

Merkel soll es doch machen

München. CSU-Chef Horst Seehofer will die Frage einer erneuten Kandidatur von Angela Merkel (CDU) noch ein bisschen offen halten. »Wir haben immer gesagt, erst die Inhalte, dann die Personalien«, sagte der CSU-Chef am Montag im ZDF. Auch wenn andere in seiner Partei dies anders hielten, bleibe er dabei. Zuvor hatte sich unter anderem CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt öffentlich hinter Merk...

Regierung rechnet Kinderarmut klein

Berlin. Die Bundesregierung versucht offenbar, den Armuts- und Reichtumsbericht 2017 zu schönen. Das lassen Passagen des Entwurfs vermuten, die die »Saarbrücker Zeitung« am Montag veröffentlichte. Demnach sei in Deutschland noch jedes 20. Kind mit Armut konfrontiert. Seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts habe sich die Armutsrisikoquote von Kindern nicht weiter erhöht, zitierte das Blatt aus der Vo...

Steinmeier ist »unwählbar«

Berlin. Der Vorstoß von SPD-Chef Sigmar Gabriel zu einer möglichen Kandidatur von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) als Nachfolger des scheidenden Bundespräsidenten Joachim Gauck ist bei Union, LINKEN und Grünen auf Kritik gestoßen. Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer beschwerte sich, dass Gabriel sich nicht an die Vereinbarungen der Großen Koalition halte. Linksparteichef Bernd Riexinger...

Gabriels Pointe

Dieses war der zweite Streich: Nach der Theologin Margot Käßmann hat der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel jetzt seinen Parteifreund Frank-Walter Steinmeier als Präsidentschaftskandidaten ins Gespräch gebracht. Dreieinhalb Monate, bevor über die Nachfolge von Joachim Gauck abgestimmt werden muss, tut Gabriel das, was er am besten kann: immer mal nach vorne preschen und sehen, was daraus wird. Ga...

Adieu, Dschungel

Berlin. Er wurde zu einem Symbol der Unfähigkeit Europas, mit der sogenannten Flüchtlingskrise umzugehen, vergleichbar mit den Grenzzäunen in Ceuta oder Melilla. Im sogenannten Dschungel von Calais, einem Slum in einem der reichsten Staaten Europas, harrten bis zu 10 000 Geflüchtete unter unmenschlichen Bedingungen aus - in der Hoffnung, dass ihnen irgendwann die Überfahrt nach Großbritannien geli...

Belgien unterzeichnet CETA vorerst nicht

Der Widerstand der Wallonie und anderer Regionen bindet dem belgischen Regierungschef bei CETA die Hände. Damit kann auch die EU den Kanada-Pakt nicht besiegeln.

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Chronologie

Dezember 2002 Ein Flüchtlingslager in Sangatte bei Calais wird auf Beschluss der französischen und britischen Regierung geschlossen und abgerissen. In dem Hangar hatte das Rote Kreuz seit 1999 mehr als 60 000 Flüchtlinge aus Krisenstaaten wie dem Irak, dem Iran oder Afghanistan betreut, die nach Großbritannien gelangen wollten. Februar 2003 Frankreich und Großbritannien unter...

Bernard Schmid, Paris

Räumung mithilfe des Notstandsgesetzes

Die Räumung des »Dschungels« von Calais soll unter Ausschluss kritischer Journalisten und »No Border«-Gruppen erfolgen. Die Schlepper intensivierten ihre Tätigkeit in den letzten Tagen noch.

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Gemeinsame Liste

Anfang des vergangenen Jahres schlossen sich größtenteils arabische Parteien zum Wahlbündnis »Gemeinsame Liste« zusammen. Bei den Wahlen 2015 erhielt die Gemeinsame Liste 13 Sitze in der Knesset. Damit ist sie hinter der Likud-Partei von Netanjahu und dem 2014 geschlossenen Zentrumsbündnis (Zionistische Union) aus Arbeitspartei und der von Tzipi Livni gegründeten Ha-Tnu’a drittstärkste Fraktion. N...

Josephine Schulz

»Unser Kampf muss ein jüdisch-arabischer sein«

Der Knesset-Abgeordnete Ayman Odeh wird von Medien als Hoffnungsträger für friedliche Koexistenz von Juden und Arabern gefeiert. Im »nd«-Interview erklärt er, wie die rechten Hegemonie in Israel durchbrochen werden kann.

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Martin Ling

Eigentor von Spaniens Sozialisten

Der Weg der sozialdemokratischen PASOK in Griechenland ist der Weg in die Quasi-Bedeutungslosigkeit. Die PSOE in Spanien ist gerade dabei, dem hellenischen Beispiel mit der Begründung »Staatsräson« zu folgen.

ndPlusChristian Klemm

Union steckt im Dilemma

Zuletzt haben sich mehrere Unionspolitiker für Angela Merkel als Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2017 ausgesprochen. Das dürfte die AfD freuen, denn sie dürfte von der Kandidatur profitieren.

Velten Schäfer

Frau Unverhofft

Es spricht nichts dagegen, dass Katy Hoffmeister eine gute Justizministerin in Schwerin werden kann. Sie ist Juristin und leitet die Rechts- und Personalabteilung des Rostocker Uniklinikums, eines großen Arbeitgebers in Mecklenburg-Vorpommern. Doch dass die 1973 in Kühlungsborn geborene und bisher wenig bekannte CDU-Frau nun Ministerin wird, liegt an einer Kette von Peinlichkeiten, die viel sagt ü...

Tom Strohschneider

Nicht hinnehmbar

Belgien hat dem Druck aus der EU getrotzt und den CETA-Zug blockiert. Vorerst. Was jetzt nötig wäre? Ein grundlegend neuer Ansatz in der Handelspolitik und eine Debatte darüber, wer künftig was in Europa entscheiden soll.

ndPlusBernd Zeller

Clownsgipfel im Kanzleramt

Es gab vereinzelte Vorkommnisse mit Clowns, die Leute erschrecken oder sogar tätlich angreifen. Natürlich ist jeder Einzelfall einer zu viel, doch die Medien haben dies unveranwortlich und unnötig aufgebauscht.

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Seehofer bleibt in Bayern

CSU-Chef Horst Seehofer will seine Partei nicht in den Bundestagswahlkampf 2017 führen - vorerst nicht. Völlig ausschließen wollte er eine Kandidatur nicht.

ndPlusRobert D. Meyer

Tierwohl ohne Tierschutz

Es sollte das Prestigeprojekt werden, um das Vertrauen der Verbraucher in die durch Skandale erschütterte Fleischwirtschaft zurückzugewinnen. Doch seit Montag dürfte klar sein: Nach nur zwei Jahren bleibt von der »Initiative Tierwohl« nicht viel übrig, die von der deutschen Agrarlobby selbst gegründet wurde. Am Montag erklärte »Pro Vieh« als letzte verbliebene Tierschutzorganisation ihren Rückzug....

Fabian Lambeck

Geschönte Bilanz fürs Wahljahr

Offenbar ist die Bundesregierung dabei, die eigene sozialpolitische Bilanz im nächsten Armuts- und Reichtumsbericht aufzuhübschen. Nun bekannt gewordene Details aus dem Entwurf legen das nahe.

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Nicht willkommen

München. Mehr als die Hälfte aller Bayern (56 Prozent) zeigt laut einer neuen Studie eine ablehnende Haltung gegenüber Muslimen. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in ihrer Studie zur »gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit« in Bayern, die am Montag in München vorgestellt wurde. 35 Prozent der Befragten zeigten demzufolge eine »mittlere« ablehnende H...

Aufforderung zum Aufklären

Die Empörung war groß. Schaulustige sollen angeblich einen Flüchtling zum Sprung aus dem Fenster ermutigt haben. Die Polizei sieht dafür keine Anzeichen.

Wenn Meinung Wissen vorauseilt

Schmölln? Was ist das? So hätten noch vor wenigen Tage viele von denen gefragt, die nun ganz genau Bescheid wissen über dieses Rassistennest im Thüringischen. Am Freitag hatte sich dort aus dem fünften Stock eines Plattenbaus (sic!) ein 15-jähriger Somalier in den Tod stürzte. Schaulustige sollen den Suizid gefilmt und den Flüchtling zum Springen aufgefordert haben. So las man es in vielen Blätter...

Rudolf Stumberger, München

Bayerns Schikanekultur

Bayern ist nicht nur rhetorisch Spitzenreiter in Sachen Flüchtlinge Schikanieren. Mit ihrem neuesten Streich bringt die Staatsregierung nun aber sogar die Wirtschaft gegen sich auf.

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René Heilig

Traumhafte Ernte in Afghanistan

So viel Opium wie lange nicht wurde in Afghanistan eingefahren: Laut UN-Schätzungen stieg die Produktion des Heroinrohstoffes um 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

ndPlusJan Keetman

Erdogans Lektionen

Der türkische Präsident fühlte sich von der Regierung in Bagdad missverstanden. »Ich habe doch nur Geschichtsunterricht gegeben«, sagte Erdogan. Er habe doch nur gesagt, »Mosul hat uns gehört« und »wir haben unsere Grenzen nicht freiwillig«. In Bagdad sieht man die Sache anders, dort trugen Demonstranten Plakate mit der Aufschrift »Die Zeit der osmanischen Besatzung ist zu Ende«. Kein Wunder, dass...

ndPlusKarin Leukefeld

Chance in Aleppo vertan

Eine von Syrien und Russland ausgerufenen mehrtägige Waffenpause in und um Aleppo ist gescheitert. Auch am Montag wurde wieder gekämpft.

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Ralf Streck, San Sebastian

Spanische Sozialisten stützen rechten Rajoy

Spaniens König Felipe VI. hat zweitägige Konsultationen zur Regierungsbildung mit den Parteichefs aufgenommen und empfing am Montag zunächst die Vertreter der kleineren Parlamentsfraktionen.

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John Dyer, Boston

Widerstand gegen Telekomfusion

Der Telekomriese AT&T will den Medienkonzern Time Warner kaufen. Die geplante Übernahme trifft auf Widerstand sowohl von Konkurrenten als auch von Behörden.

Elmar Stephan, Lathen

Museum oder Schrottplatz?

Die Bundesregierung will das letzte Transrapid-Versuchsfahrzeug in Deutschland bis Ende des Jahres verkaufen. Wird aus dem Zug ein Museumsstück - oder wird das Hightechprodukt zu Schrott?

ndPlusSimon Poelchau

Rechner machen Märkte wackliger

Beim Hochfrequenzhandel werden innerhalb von Sekundenbruchteilen Wertpapiere gehandelt. Das flutet die Märkte nicht nur mit Liquidität, sondern bringt vor allem auch viel Unruhe in die Handelsplätze.

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ndPlusMartin Ling über falsche Ansätze

Aus Fischern werden Schlepper

Zuckerbrot und Peitsche: Mit diesem Uraltkonzept sollen die afrikanischen Staaten flüchtlingspolitisch gefügig gemacht werden. Die EU-Gipfel-Erklärung lässt daran keinen Zweifel: »Der Rahmen stellt darauf ab, konkrete und messbare Ergebnisse bei der Verhinderung von illegaler Migration und bei der Rückführung von irregulären Migranten zu erzielen und unter Einsatz aller einschlägigen - auch entwic...

Anne Gonschorek, Kapstadt

Ein Tänzer rüttelt Uganda auf

Jonas Byaruhanga hat es als Tänzer aus Uganda zu internationaler Anerkennung gebracht. Er macht soziale Probleme zu Themen, die er in seinen Darbietungen verarbeitet.

ndPlusMartin Ling

Mexikos Regierung will keine linken Lehrer

In Mexiko gibt es eine große Kontroverse über die Bildungsreform, die von der neoliberalen Regierung unter Enrique Peña Nieto 2013 gestartet wurde. Seit Mitte Mai streikte ein Teil der Lehrer, zum Schuljahresbeginn Ende August blieben viele Klassenzimmer geschlossen. Nun wurde der Streik Mitte September beendet. Mehr als eine Atempause im Konflikt? Nein. Der Konflikt wurde mitnichten beigeleg...

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Charité-Klinik erhält neue Notaufnahme

Die Berliner Universitätsklinik Charité nimmt an ihrem Standort in Mitte am kommenden Mittwoch eine neue Notaufnahme in Betrieb. Notfallpatienten werden dann im kürzlich fertiggestellten Rudolf-Nissen-Haus in der Philippstraße versorgt, wie die Charité am Montag mitteilte. Die bisherige Notaufnahme in der Luisenstraße werde geschlossen, hieß es. Die neue zentrale Rettungsstelle zeichnet sich laut ...

Wirtschaftsfaktor Wissenschaft

 48 000 Beschäftigte arbeiten an Universitäten, der Charité, Fachhochschulen, Kunsthochschulen, zwei konfessionellen und über 30 privaten Hochschulen - die Hochschulen sind wichtigster Wirtschaftsfaktor der Region. Der Senat finanziert den Bereich jährlich mit rund 1,7 Milliarden Euro. Es bestehen rund 1500 Kooperationen mit Hochschulen in aller Welt. In einem Ranking 2013 war Berlin bei auslä...

Das aufregende Potenzial

Irgendwie staune ich noch immer. Dabei begann der Bologna-Prozess bereits 1999, im gleichen Jahr wie mein Studium. Zwar protestierte ich gegen diese Reform, Synonym für die Organisation von Wissenschaft unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, die in Konkurrenz, Rankings und Drittmitteln ihren Ausdruck fand. Doch irgendwie baute ich auch darauf, dass das alles schon noch als großer Unfug enttarnt w...

Reichsbürger aus der Polizei entlassen

Die sogenannten Reichsbürger lehnen die Bundesrepublik als deutschen Staat ab. Dass trotzdem einige von ihnen als Polizisten und somit Vertreter des Staates arbeiten, ist paradox.

Reichsbürger aus der Polizei entlassen

Ein Berliner Polizist ist wegen seiner Nähe zu den sogenannten Reichsbürgern entlassen worden. »Der Mann musste die Polizeibehörde Anfang dieses Jahres verlassen.« Das sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf am Montag. Bekannt geworden sei der Fall seinerzeit, weil der Polizist privat an einer entsprechenden Demonstration teilgenommen habe und mit Plakaten aufgefallen sei. Das sei nicht mit dem Gru...

ndPlusEllen Wesemüller

Ein Tiger, kein Bettvorleger

Am 1. November beginnt die erste Wissenschaftswoche der Stadt, initiiert von einer gemeinnützigen Stiftung. Der Senat zahlt 100 000 Euro dazu, doch fast die Hälfte der Vorträge ist nicht öffentlich.

Nicolas Šustr

Wunschberuf Lokführer war einmal

Verbesserte Arbeitsbedingungen könnten Bahnberufe attraktiver machen, sagen die Gewerkschaften. Schon jetzt fallen Züge aus, weil es keinen gibt, der sie fährt. Doch ebreits bei der Ausbildung soll es Defizite geben.

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Im neuen Gebäude des BND trat Gas aus

In einem Gebäude der künftigen Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Mitte ist am Montag Gas ausgetreten. Im Keller sei aus einer Batterie ein giftiges Gasgemisch entwichen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Es enthielt unter anderem Schwefelsäuredämpfe und habe sich in den Räumen ausgebreitet. Da sich zu der Zeit keine Bauarbeiter in dem Rohbau aufhielten, wurde glücklicherweise niemand verletzt. ...

Martin Kröger

Proteste zum Parlamentsstart

Am kommenden Donnerstag konstituieren sich in Berlin die Bezirksverordnetenversammlungen in den zwölf Bezirken. Vor einigen Parlamenten demonstrieren Bürger gegen den Einzug der Rechtspartei AfD.

ndPlusTomas Morgenstern

Ein Wunder der Normalität

Der bekannteste deutsch-polnische Grenzübergang, die Stadtbrücke in Frankfurt (Oder), wurde für Autos gesperrt. Das Bauwerk braucht Zuwendung, um die Nachbarn dauerhaft miteinander zu verbinden.

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Ein Fall von Amtsmissbrauch

Leipzig. Blick aus einem Café auf das Romanushaus im Zentrum von Leipzig (Sachsen): Nachdem der Leipziger Bürgermeister Franz Conrad Romanus (1671 bis 1746) das Haus Katharinenstraße/Brühl geerbt hatte, kaufte er die Nachbargrundstücke und ließ das Palais für 150 000 Taler errichten. Die Summe überstieg sein Budget bei Weitem, was Romanus mit Finanzmanipulationen auffangen wollte. 1704/05 tauchten...

100 Prozent in Kaiserpfalz

In Sachsen-Anhalt werden 2016 insgesamt 67 Bürgermeister in Städten und Gemeinden gewählt. Außerdem bestimmen die Bürger die Verwaltungschefs von 17 Verbandsgemeinden neu. Am Sonntag gab es bei 15 von 20 Abstimmungen keine Sieger. Weil jeweils kein Bewerber mehr als die Hälfte der Stimmen erhielt, gehen die zwei Bestplatzierten in eine Stichwahl. Es geht aber auch anders. In etlichen Orten, darunt...

Grummeln aus Vorpommerns Amtsstuben

Das Amt wurde neu geschaffen: Patrick Dahlemann soll sich künftig als Staatssekretär um den Osten Mecklenburg-Vorpommerns kümmern. Doch die Kommunalpolitiker wollen erst einmal ohne ihn beraten.

Hendrik Lasch, Magdeburg

Ein aufhaltsamer Aufstieg

Zur Landtagswahl im März war die AfD in Sachsen-Anhalt noch große Siegerin. Bei der Kür neuer Bürgermeister bleibt die Partei aber unter ihren eigenen Erwartungen. Zum Beispiel in Bitterfeld-Wolfen.

ndPlusRudolf Stumberger, München

Clinton, Trump und das Münchner Bier

Am 8. November wählen auch viele Amerikaner im Ausland per Briefwahl den neuen Präsidenten (oder Präsidentin) der USA. Zu ihnen gehört auch Aaron Maddox. Der 36-Jährige lebt seit neun Jahren in München und hat sich seit einem Jahr mit einem Unternehmen selbstständig gemacht, bei dem es um Software-Partnerschaften geht. Maddox ist einer der rund 5000 US-Bürger, die in Bayerns Hauptstadt leben. Sein...

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Ein letztes Mal

Zur Ausstellung »El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez« kamen bereits über 130 000 Besucherinnen und Besucher. In dieser Woche nun besteht die letzte Chance, die spanischen Meister zu begutachten, denn am Sonntag (30. Oktober) ist Schluss. Wegen des großen Besucherinteresses werden die Öffnungszeiten am letzten Ausstellungswochenende verlängert. Besucher können von Freitag bis Sonntag zwischen 10 und...

Film über Transgender

Einmal im Jahr reisen Chirurgen aus Europa nach Havanna, um Transgender einer Geschlechtsumwandlung zu unterziehen. Sie kommen auf Einladung von Mariela Castro, Tochter des kubanischen Präsidenten und Vorsitzende des staatlichen Programms für Transgenderhilfe. »Homophobia no, socialismo si!« lautet die Parole. Über ein Jahr lang hat Regisseur Daniel Abma die Protagonisten Odette, Juani und Malú be...

Neues Heim für Cabuwazi

Seit Jahren ringt er um seine Existenz, jetzt soll der Kinderzirkus Cabuwazi in den nächsten Monaten mit seinen Zelten vom Postbahnhof in Friedrichshain zum ehemaligen Flughafen Tempelhof umziehen. Wie die rbb-Abendschau erfahren haben will, ist das das Ergebnis eines Koordinierungsgespräches, das am Montag in der Senatskanzlei stattfand. Bevor der Umzug vonstatten gehen kann, sollen am Columbiada...

Familie erhält Gemälde zurück

Anton von Werners Ölskizze »Das Gastmahl der Familie Mosse« aus dem Jahr 1899 wird vom Jüdischen Museum Berlin restituiert. Die Stiftung wird das Werk den Erben von Felicia Lachmann-Mosse übergeben. Seit 2015 untersucht das Jüdische Museum Berlin mit Mitteln des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste (DZK) die Provenienzen seiner Kunstsammlung. Das Jüdische Museum Berlin und das DZK werden von der B...

Als Attraktion gilt das Besucherlabor

Im Zentrum des Paläon stehen die Holzspeere, doch nicht sie allein vermitteln Eindrücke aus der Altsteinzeit. Knochen, Gestein, Schautafeln und Informationen durch moderne Medien führen das Publikum 300 000 Jahre zurück: ins Paläolithikum, jene Zeit, die dem Haus seinen Namen gab. Als Attraktion gilt das Besucherlabor. Nachbildungen archäologischer Fundstücke können dort untersucht und mit Hilfe e...

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit?

Es ist immer eine gewisse Ironie dabei, wenn sich politisch ambitionierte Projekte durch Institutionen finanzieren lassen (müssen), deren Politik sie eigentlich nicht gerade feiern. »European History Atlas Under Construction« ist so eines: Am Beispiel der Geschichte, die Flüchtlinge und Migranten nach Europa mitbringen oder mitgebracht haben, möchte die Warschauer Künstlergruppe Strefa WolnoSłowa ...

Grüße von der »Georg Büchner«

Rostock. Das 2013 vor Gdansk gesunkene ehemalige Hotelschiff »Georg Büchner« ist Thema einer Ausstellung, die jetzt im Rostocker Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum zu sehen ist. Sie trägt den Titel »Georg Büchner - Ein Schiff taucht wieder auf«. Dabei werde nicht nur die Geschichte des Schiffes vom Bau 1950/51 bis zum nach wie vor ungeklärten Untergang 2013 erzählt. Dank zahlreicher Leihgeber könne...

Festakt zum Jubiläum

Mit einem Festakt im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt wird am 31. Oktober das 500. Reformationsjubiläum eingeläutet. Dazu werden neben Bundespräsident Joachim Gauck und zahlreichen kirchlichen Würdenträgern unter anderem auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Kulturstaatssekretärin Monika Grütters (CDU) erwartet, wie die Berliner Senatskanzlei am Montag mitteilte. Fe...

ndPlusHagen Jung

Wahlkampf mit acht Holzspeeren

Das futuristische Steinzeit-Museum Paläon in Niedersachsens Provinz wurde vor einigen Jahren wegen acht alter Speere gebaut - für 15 Millionen Euro. Besucher kamen zu wenige, nun soll wieder Geld her.

ndPlusTom Mustroph

Zeigen und kaschieren

Ingrid Burrington enthüllt in der Berliner Galerie Nome die Spannung zwischen der durch digital aufgenommene Luftbildaufnahmen hervorgerufene Ehrfurcht und der scheinbar objektiven Wahrheit der allwissenden Perspektive.

»Die Küste ist hochgradig erregt«

Traditionsschiffe, meist von Ehrenamtlern betreut, gehören zu den größten Hinguckern entlang der Küste. Jetzt ist man in großer Sorge, weil teure Umbauten und Schulungen gefordert werden.

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Sagen, was ist

Am Theater Magdeburg stehen von Mitte November an junge Migranten und deutsche Jugendliche gemeinsam auf der Bühne und kommentieren die aktuelle politische Lage. Das Stück »Wind der Freiheit« entstand anlässlich des Impuls-Festivals für Neue Musik, wie das Theater Magdeburg am Montag mitteilte. Nach der Uraufführung am 13. November sind bis zum 22. November weitere Vorstellungen in Magdeburg, Halb...

Unsicherheit

Zu den kursierenden Gerüchten um eine Umgestaltung oder Neugründung des Berliner Verlages (Mediengruppe M. DuMont Schauberg) und der beiden dazugehörigen Publikationen, »Berliner Zeitung« und »Berliner Kurier«, hat sich nun auch der Deutsche Journalisten Verband (DJV) geäußert. »Es ist ein unerträglicher Zustand für die Journalistinnen und Journalisten der beiden Zeitungen, dass in anderen Blätter...

Schreibende Prominente

Die 68. Frankfurter Buchmesse ist am Sonntag mit einem leichten Plus bei den Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr zu Ende gegangen. Rund 278 000 Menschen kamen in den fünf Tagen zur weltgrößten Bücherschau mit mehr als 7000 Ausstellern aus rund 100 Ländern. Bei den Fachbesuchern gab es nach Angaben der Organisatoren mit etwa 142 300 einen leichten Zuwachs von 1,3 Prozent. Die Zahl für das allge...

Hans-Dieter Schütt

Wucht am laufenden Band

»Die Räuber« bei Ulrich Rasche: Psychologie tot, 
Individualität tot, Schiller auch, aber sein Geist getroffen, 
also nervend nah. Darum ein ungebrochenes Bravo für einen atemberaubenden Theaterabend!

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Hauptsache bunt

Carl Krayl, dem großen Fan des farbenfrohen Bauens und Gestaltens, widmet das Kulturhistorische Museum Magdeburg erstmals eine Retrospektive. Krayl (1890-1947) gilt als bedeutender Vertreter der Architektur-Moderne der 1920er Jahre - sein Hauptwerk schuf er in Magdeburg. Er war Vertrauter des Architekten Bruno Taut (1880-1938) und leitete dessen Programm zur bunten Bemalung von hundert Hausfassade...

Ausgezeichnet

Die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle bekommt für ihre neue Bibliothek erneut einen Architekturpreis. Das Gebäude gewann den German Design Award in der Kategorie »Architecture«, wie die Hochschule am Montag mitteilte. Die Bibliothek habe sich unter 200 anderen Projekten in der Kategorie durchgesetzt. Der Award wird jährlich vom Rat für Formgebung vergeben. Eine internationale Jury wählt...

Skizze? Nein, Kunstwerk

Das Aachener Ludwig Forum beleuchtet den weltberühmten Architekten Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) von seiner eher unbekannten künstlerischen Seite. Die Ausstellung »Mies van der Rohe - Die Collagen aus dem MoMa« (28. Oktober bis 12. Februar) zeigt 50 Collagen, Fotomontagen und Zeichnungen aus dem New Yorker Museum of Modern Art. Die Werke aus dem Nachlass des Architekten sind nach Angaben de...

Peter Gosse

Beherzte Kaltblütigkeit

Johannes R. Becher, unter dessen Namen das erste Leipziger Literaturinstitut segelte oder driftete und mitunter schlingerte - jenes Institut, an dem Ralph Grüneberger mit einiger Lust, glaube ich, studiert hat - Becher also wies Fragen wie »Wozu schreibst Du?« oder gar »Für wen schreibst Du?« kategorisch zurück; vielmehr wollte er erkundet wissen: »Wer bist Du, der Du schreibst?« Das unverwechselb...

ndPlusKarin Schmidt-Feister

Er war der »Rote Tänzer« - und mehr

Ein Hamburger Doppelprojekt rückt einen fast vergessenen Protagonisten der europäischen Tanzszene des 20. Jahrhunderts in den lebendigen Diskurs: »Weidt tanzt!«. Die interaktive Rauminszenierung in der traditionsreichen Lola Rogge Schule präsentiert Originaldokumente, Plakate, Zeichnungen, Originalmasken sowie Gemälde aus dem Hamburger und Berliner Umfeld Jean Weidts. In 164 Büchern und Broschüren...

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Wachstum

Die audiovisuellen Medien könnten 2016 in Deutschland erstmals einen Umsatz von mehr als elf Milliarden Euro erwirtschaften. Zu diesem Ergebnis kommt die jährliche Marktprognose des Interessenverbandes VPRT, dem rund 150 Mitglieder aus Rundfunk und Telemedien angehören. Über alle Marktsegmente der Branche hinweg (Radio und Audio sowie TV und Video) prognostiziert der VPRT ein Umsatzwachstum von 6,...

»Zimmer frei« prämiert

Die WDR-Show »Zimmer frei!« wird mit dem Sonderpreis des Deutschen Comedypreises ausgezeichnet. Ralf Günther, Geschäftsführer des Veranstalters Köln Comedy, bezeichnete die Show am Montag in Köln als »unterhaltsamste und lustigste WG der Fernsehgeschichte«. Er bedankte sich bei den Moderatoren Christine Westermann und Götz Alsmann für 700 Folgen »beste Unterhaltung«. »Der Immobilienmarkt ist nun d...

ndPlusKarin Leukefeld

Reine Eskalation

Als ich vor wenigen Tagen auf dem Weg zu einem Vortrag war und eine längere Zugfahrt vor mir hatte, kaufte ich mir in der Bahnhofsbuchhandlung »Die Zeit«. Der Titel »Krieg in Syrien und dem Irak« hatte den Aufmacher »Noch leben wir« auf eine halbe Seite hochgezogen und rot unterlegt. Ein mit dem Handy selbst gemachtes Foto (neudeutsch »Selfie«) zeigte einen Mann und eine Frau, im Hintergrund Trümm...

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ndPlusJörg Mebus, Köln

Kehrtwende oder ein vergiftetes Geschenk

Thomas Bach stand lange in der Kritik für den Umgang des IOC mit zwei russischen Whistleblowern. Nun geht er plötzlich auf Julia und Witali Stepanow zu. Beobachter vermuten dahinter bloßes Kalkül.

Frank Hellmann

»Wir sind der Maßstab«

Steffi Jones führt an diesem Dienstag zum vierten Mal als Bundestrainerin die deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen aufs Feld. Im »nd«-Interview verrät, warum sie sich von ihren Spielerinnen eine positive Arroganz wünscht.

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Hans-Ulrich Keller, Stuttgart

Das Schauspiel der Leoniden

Im November flammt der Sternschnuppenstrom der Leoniden am Himmel auf. Doch das Mondlicht stört die Show. Gut sichtbar sind Sternbilder einer griechischen Sage voller Neid und Gewalt.