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UNTEN LINKS

Deär Reäders, Yästerdäy I häd time to refläct äbout my Schpeech, äh, änd I now can see, sät sse wört »Schlitzauge« häs creäted bäd feelings. I didn’t meän to hurt all you good Chinese people. Ssis was not my Intäntion änd I would like to äpologize. Äh. I alwäys was väry good friänds wiss sse Reisfresser und Fidschis äs we säy in sse deutsche Provinz, whäre I come from. Of course sse Chinese d...

Bauarbeiter klagt gegen Investor

Berlin. Keiner der geprellten rumänischen Bauarbeiter, die am Bau des großen Einkaufszentrums Mall of Berlin beteiligt waren, hat bisher sein Geld bekommen. Einer der Bauarbeiter will seinen Lohn nun von dem Bauherren des Einkaufszentrums, der HGHI Holding, die dem Bauunternehmer und Investoren Harald Huth untersteht, erstreiten. »Ich reiche Klage ein, weil Herr Huth mir das Geld geben soll, für d...

Protokolle kratzen nicht an CETA

Berlin. Der vor einer Woche unterzeichnete Freihandelsvertrag zwischen Kanada und der EU (CETA) sichert auch mit den angefügten Zusatzdokumenten keine fortschrittliche Umwelt- und Klimapolitik. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Freitag veröffentlichte Studie des Ecologic Instituts in Berlin im Auftrag von Greenpeace. So ordnet die regulatorische Kooperation, ein Mechanismus für die Angleichung kana...

Martin Ling

Erdogan macht Türkei zur Diktatur

Ist die Türkei schon eine Diktatur oder noch auf dem besten Wege dahin? Die Bundesregierung steckt in der Zwickmühle: Am Flüchtlingsdeal mit der Türkei will sie nicht rühren; dem Treiben weiter zuzusehen, ist peinlich.

Erdogan sperrt die Demokratie ein

Berlin. In der Türkei hat die Repression gegen die Opposition mit der Verhaftung der Parteivorsitzenden Selahattin Demirtas und Figen Yüksekdag sowie mehrerer Abgeordneter der linken, kurdischen HDP eine neue Dimension erreicht. Die HDP ist mit 59 Sitzen die drittgrößte Partei im Parlament und die wichtigste Vertretung der Kurden. Die Partei sprach vom »Ende der Demokratie in der Türkei«. Die Abge...

ndPlusUwe Kalbe

Dobrindt wedelt mit der Maut

Die Idee einer Pkw-Maut in Deutschland kehrt überraschend auf die politische Agenda zurück. Die EU-Kommission könnte ihr, bereinigt um einige Makel, grünes Licht erteilen.

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ndPlusSimon Poelchau

Eine gute Nachricht von der Bahn

Zumindest ein Gutes hat der Brexit: Aufgrund des Austritts Großbritanniens aus der EU sagte Deutsche Bahn-Chef Rüdiger Grube die Teilprivatisierung der Logistikbranche Schenker und der britischen Tochter Arriva ab.

Guido Speckmann

Zum Durchlöchern freigegeben

Angela Merkels ist eine Meisterin des rhetorischen Zugeständnisses - das sie mit konkreter Politik hintertreibt. Ihr »Wir schaffen das« wird konterkariert von Asylrechtsverschärfungen und dem schmutzigen Deal mit der Türkei.

ndPlusRené Heilig

Falsches Personalpronomen

Vor fünf Jahren flog die rechte Terrorzelle »NSU« auf. Seither leisten sich Regierung und Behörden einen Fauxpas nach dem anderen. Vom Justizminister kommt unterdessen auch nichts neues mehr.

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Peter Wahl

Ein Wahlkampf als Spiegel der Krise in den USA

Wäre Hillary Clinton als neue US-Präsidentin das kleinere Übel? Immerhin ist die Demokratin im Gegensatz zu Donald Trump berechenbar. Doch auch wenn sie gewinnt, wird die globale Führungsrolle der Supermacht weiter erodieren.

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Oliver Kern

Jim Albers

Der 64-jährige ehemalige Hafenarbeiter traut der verwandelten Hillary Clinton nicht über den Weg, wird sie aber dennoch wählen.

ndPlusOliver Kern, Cincinnati

Der alte Mann der großen Schritte

Im Wahlschlussspurt versuchen die Kandidaten, ihre Anhänger an die Urne zu bringen. Die jungen Demokraten hören dabei am liebsten Bernie Sanders zu. Der 75-Jährige soll es nun für Hillary Clinton richten.

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Ralf Klingsieck, Paris

Fast 4000 Migranten aus »wildem« Camp in Paris evakuiert

Seit vor Tagen der »Dschungel« von Calais liquidiert wurde, war das improvisierte Zelt-Lager im Norden von Paris rund um die Metrostation »Stalingrad« das größte »wilde« Flüchtlingscamp Frankreichs. Die Zahl der Migranten, die hier unter primitiven Bedingungen hausten, wurde auf 3000 bis 5000 geschätzt. Davon waren mehr 1000 auf eigene Faust aus Calais gekommen. Am Freitag wurde auch hier evakuier...

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Die Rückkehr der US-Krieger

Berlin. Mit zwei Brigaden, also mit fast 6000 Soldaten und schwerer Kampftechnik, wollen die USA ihre bereits in Europa stationierten Truppen verstärken. Als Grund werden angebliche Gefahren angegeben, mit denen Russland die NATO bedroht. Die US-Truppen werden vor allem an der Ostflanke des Bündnisses unterwegs sein. Man setzt auf enge Verzahnung mit den dort zu stationierenden Kräften der Enhance...

Massaker in Mossul

Genf. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat nach Angaben der Vereinten Nationen in den vergangenen Tagen in der Region um die irakische Stadt Mossul erneut Massaker verübt. Die Extremisten hätten Hunderte Menschen getötet und zahlreiche Zivilisten verschleppt, teilten die UN am Freitag in Genf mit.Der Islamische Staat habe am Mittwoch im Osten Mossuls 180 Menschen getötet, erklärte eine Sprec...

ndPlusVelten Schäfer

Herbie und Hitler

VW entlässt seinen langjährigen Chefhistoriker - mit der Folge eines internationalen, ungewöhnlich scharfen Protests. Der Konzern beteuert, sich weiter kritisch mit seiner Geschichte befassen zu wollen.

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Maas räumt Staatsversagen ein

Fünf Jahre nach dem Auffliegen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) haben Vertreter aus Politik wie Zivilgesellschaft Bilanz gezogen. Sie beklagen die unzureichende Aufarbeitung der Morde.

Maria Jordan

Wenn Armut politisch gewollt ist

Für 2017 ist eine Erhöhung des Hartz-IV-Satzes von 404 auf 409 Euro geplant. Verbände und Parteien werfen der Regierung eine kalkulierte Kleinrechnung vor.

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»An CETA wurde kein Buchstabe geändert«

Das CETA-Abkommen ist am vergangenen Sonntag unterzeichnet worden - allerdings mit einigen Zusatzprotokollen, die Teile der CETA-Kritik aufnehmen. Ein Erfolg oder eine Schlappe für die Kritiker des Abkommens? Es ist auf jeden Fall ein Erfolg, dass es die Debatte um CETA in den letzten Wochen gab. Das Abkommen und seine Folgen sind vielen Menschen bekannt geworden, die noch nie davon gehört hatten...

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Weltmännertag: Ein Rück- und Ausblick

Im traurigen Monat November war’s,/ Die Tage wurden trüber,/ Der Wind riß von den Bäumen das Laub,/ Da reist ich nach Deutschland hinüber. Und als ich an die Grenze kam,/ Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen/ In meiner Brust, ich glaube sogar/ Die Augen begunnen zu tropfen. (…) Das alte Geschlecht der Heuchelei/ Verschwindet, Gott sei Dank, heut,/ Es sinkt allmählich ins Grab, es stirbt/ An seiner ...

The Hateful Two

Der Regisseur Quentin Tarantino hat bekräftigt, dass er nur noch zwei weitere Filme drehen will. »Noch zwei, dann hör’ ich auf. Boom. Erzählt’s weiter«, sagte er am Donnerstag (Ortszeit) bei einer Konferenz in San Diego. Der Kultregisseur hatte zuvor seine Fans bereits mehrfach darauf eingestimmt, dass nach zehn Filmen Schluss sein wird. Die zweiteilige »Kill Bill«-Geschichte zählt er dabei als ei...

Zwei Besondere

Im Sommer 2017 soll die Entscheidung darüber fallen, ob weitere Stätten in das Unesco-Weltkulturerbe Bauhaus aufgenommen werden. Das teilte die Stiftung Bauhaus am Freitag mit. Nach einem Antrag der Bundesrepublik Deutschland sollen die Laubenganghäuser in Dessau-Roßlau und die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes ADGB in Bernau bei Berlin in das Welterbe Bauhaus aufgenommen ...

Jürgen Amendt

Akzeptanz oder doch nur Toleranz?

Der Ton in der politischen Debatte wird rauer. Erleben wir einen «Kulturkampf von rechts»? Ja, aber den Kampf haben in den Augen des AfD-Mileus nicht die Rechten, sondern die Linken begonnen. Unrecht haben sie damit nicht.

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Nicht abgehoben

Für ihre herausragenden Filme wird Regisseurin Caroline Link mit dem diesjährigen Münchner Filmpreis geehrt. »Mit Herz und intelligenten Geschichten den Zuschauer berühren - nicht abgehoben, sondern direkt nachvollziehbar. Ihre Figuren atmen unser Leben. Das macht ihre Filme so populär,« so die Begründung der Jury. Die Preisverleihung findet am Montag statt, wie die Kommune am Freitag mitteilte. B...

Kühn, zart, unbestechlich

Der Schriftsteller Marcel Beyer erhält am Samstag in Darmstadt den Georg-Büchner-Preis 2016. »Seine Texte sind kühn und zart, erkenntnisreich und unbestechlich«, begründete die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ihre Wahl. Beyer beherrsche »das epische Panorama ebenso wie die poetische Mikroskopie«. Der mit 50 000 Euro dotierte Büchner-Preis gilt als herausragende literarische Auszeichnung...

Ein Jahr danach

Mit einem Konzert des britischen Rockmusikers Sting wird die von einem Anschlag getroffene Pariser Konzerthalle Bataclan kommende Woche wiedereröffnet. Das Konzert findet am Samstag statt, einen Tag vor dem Jahrestag der Anschläge des 13. November 2015, wie die Betreiber der Halle am Freitag bekanntgaben. Sting erklärte, er wolle das Andenken an die Opfer des Attentats in Ehren halten.»Das ist ein...

Sabine Neubert

Vor den Vätern sind die Söhne gestorben

Ein junger Bekannter drückte mir den Band in die Hand. Ein wunderbares Buch, sagte er, ein Erbstück offenbar, das er wie einen wertvollen Schatz bewahrt. Wie kamen wir darauf? Vielleicht durch ein Gespräch über den Ersten Weltkrieg und die jüngst zu diesem Thema erschienene Literatur. Mit seinen schon vergilbten Seiten stammt das Buch aus der Zeit, als Romane noch in Leinen gebunden wurden: 1970 i...

Hans-Dieter Schütt

Das Trotzdem heißt: Schönheit

Kunst, so sagt dieser Schriftsteller, sei eine Antwort auf das, was uns die Natur gelegentlich nur momentan wahrzunehmen erlaube. »Kunst versucht, die Möglichkeit des Wiedererkennens dauerhaft zu machen. Sie erweitert, sie bestärkt die kurze Hoffnung, welche die Natur bietet.« Es ist die Hoffnung, eine spezielle Art der Übereinstimmung leben zu dürfen. Der Himmel über dem See zum Beispiel stimmt i...

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ndPlusJörg Soldwisch, Leipzig

Neuanfang hinter verschlossenen Türen

Der Deutsche Schwimm-Verband wählt ein neues Präsidium. Favoritin auf die Nachfolge von Christa Thiel ist Gabi Dörries, doch sicher ist das nicht. Das Chaos war schon im Vorfeld groß.

Denis Trubetskoy, Kiew

Russland macht einen ersten Schritt

Am Donnerstag hat das Unterhaus des russischen Parlaments das neue Antidoping-Gesetz verabschiedet. In Moskau wird das Gesetz als »beispiellos« gefeiert, die Experten sind jedoch skeptischer.

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ndPlusUlli Brünger, Gelsenkirchen

Schalke macht sich Mut

Mit tiefschürfenden Analysen hielt sich Markus Weinzierl nicht auf. Doch der glanzlose 2:0-Sieg gegen den russischen Klub FK Krasnodar und der souveräne Durchmarsch in der Europa League gibt dem Trainer des FC Schalke 04 ein positives Gefühl für die intensiven Wochen bis Weihnachten. Nur das zählt. »Unser Ziel international schon abgearbeitet zu haben, tut uns gut«, sagte der 41-Jährige. »Dass wir...

Frank Hellmann, Erfurt

Geduldet, nicht geliebt

Auf dem DFB-Bundestag wurde Reinhard Grindel zwar einstimmig zum Präsidenten gewählt, wirklicher Rückhalt war aber nicht zu spüren. Für das angespannte Verhältnis zwischen Profis und Amateuren lieferte er keine Lösungen.

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Müller fordert Nachbesserung bei Hartz IV

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hält die geplanten neuen Hartz IV-Regelungen für nicht ausreichend. Es sei inakzeptabel, dass hohe Kosten etwa für neue Waschmaschinen und Kühlschränke weiterhin aus dem Regelsatz angespart werden müssten, erklärte Müller am Freitag in Berlin. Womöglich müssten alleinerziehende Mutter deshalb auf diese Grundversorgung verzichten. »Hier muss de...

Betrogen und abgezogen

Die Geschichte ist eine einzige Schande: Über zwei Jahre kämpfen rumänische Bauarbeiter wie die Löwen um die ihnen zustehenden Löhne, und am Ende stehen sie dennoch mit leeren Händen da. Und das, obwohl viele der etwa 20 geprellten Bauarbeiter inzwischen auch vor Gericht recht bekommen haben. Doch die verklagten Subunternehmen, die die Arbeiter für die Baustelle der Mall of Berlin anstellten, gibt...

ndPlusGaston Latz

Rot-rot-grüne Gespräche fortgesetzt

Begleitet von Protesten wurden am Freitag die Koalitionsverhandlungen im Roten Rathaus fortgesetzt. Mit Verkehr und Wohnungsbau standen kontroverse Kernthemen zur Diskussion.

Bündnis stellt sich Rechten entgegen

Gewerkschaften, Parteien, Kirchen und Verbänden rufen für diesen Samstag die Bürger auf, sich im Regierungsviertel an Protesten gegen einen rechten Aufmarsch zu beteiligen.

ndPlusJohanna Treblin

Arbeiter klagt gegen »Mall of Shame«-Investor

5372 Euro stehen einem rumänischen Arbeiter laut Gericht zu, der im Herbst 2014 am Bau eines riesigen Einkaufszentrums in Berlins Mitte beschäftigt war. Jetzt will er gegen den Bauherrn klagen.

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ndPlusPeter Kirschey

»Kampfdrohnen sind echtes Teufelszeug«

Darf das kritische Volk im Haus des Volkes, dem Bundestag, die Volksvertreter mahnen, sich für Frieden einzusetzen? Darüber verhandelte am Freitag das Amtsgericht Tiergarten.

Nicolas Šustr

Lobby fürchtet Bürgerbeteiligung

Niedrigere Sozialmieten, mehr Mitsprache bei Projekten und in Wohnungsunternehmen. Alles, wofür Initiativen kämpfen, hält der Verband BBU für kontraproduktiv.

Andreas Fritsche

Gesichter totgeweihter Rotarmisten

Es sind die bedeutendsten Fotografien aus dem KZ Sachsenhausen und die Gedenkstätte zeigt sie erstmals alle zusammen. Bis heute sind die rund 150 Gefangenen auf den 69 Fotos nicht identifiziert.

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ndPlusRudolf Stumberger, München

Der Märchenkönig und der rote Stadtkommandant

Bayern und die Landeshauptstadt München tun sich mehr als schwer mit dem Erbe der Räterepublik. So sehr dieser Teil der Geschichte des Freistaats ignoriert wird, so sehr hängt man an Ludwig II.

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Binnenschiff rammt Sportboot

Hamburg. Auf der Elbe bei Hamburg-Ochsenwerder ist am Donnerstag ein Sportboot nach einer Kollision mit einem Binnenschiff gesunken. Ein Mann wurde gerettet, ein weiterer wird vermisst. Laut Feuerwehr waren ein etwa zehn Meter langes Sportboot und ein fast 100 Meter langer Schubverband gegen 18 Uhr kollidiert. Rund 260 Einsatzkräfte aus Hamburg und Niedersachsen waren am Unfallort. Gegen 21 Uhr ga...

Volkmar Draeger

Sein Ungeist steht neu auf

Zugegeben, wohl war einem nicht im Theater am Kurfürstendamm: Gastspiel des Altonaer Theaters mit »Er ist wieder da«. Hitler als Medienclown? Nach Timur Vermes’ Romanbestseller von 2011 und dessen hochfrequentierter Verfilmung aus dem vergangenen Jahr nun also die unvermeidliche Bühnenadaption. Eingangs konnte Intendant Martin Wölffer die Spannung dämpfen: Taggenau vor 95 Jahren wurde das abrissbe...

ndPlusHans-Gerd Öfinger

In die Suppe gespuckt

Die »Allianz für den freien Sonntag« wehrt sich in Hessen immer wieder mit Erfolg gegen das Aushebeln des Sonn- und Feiertagsschutzes.

Hagen Jung

Der Kampf für eine Kinderstation

Auch ein Jahr nachdem die Schließung von Kinderabteilung, Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Wolgast bekannt wurde, geben sich die Menschen vor Ort nicht geschlagen.

ndPlusAlexander Isele

Puzzleteile einer Tat

Die »Bühne für Menschenrechte« verschiebt den Fokus des Naziterrors weg von den Tätern. Erschütternd und einfühlend erzählen die Hinterbliebenen Elif Kubaşık, Adile Şimşek und İsmail Yozgat ihre Perspektive.

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ndPlusGabriele Oertel

Merkel und Halloween

Die Woche begann mit Halloween. Und mit der Erkenntnis, dass Angela Merkel sich zum Wochenende einen schlanken Fuß macht und nicht zum CSU-Parteitag fährt. Das eine wie das andere war so erwartbar wie wenig zum Gruseln geeignet.

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Sabine Kebir

Ein Kampf um Humanität

Als ich zum ersten Mal in der »Ästhetik des Widerstands« las, arbeitete ich gerade zu Brechts Frauen und ärgerte mich, dass Peter Weiss bei dieser Figurenzeichnung zeitgenössischen feministischen Klischees folgte. Leider wurde das nicht nur von vielen Lesern als »dokumentarisch« wahrgenommen, sondern auch Grundlage von Jutta Brückners Brecht-Filmen, die den Anschein des Dokumentarischen noch verst...

ndPlusMarkus Liske

Intellektuelles Rüstzeug

Meinen Erstkontakt mit Peter Weiss hatte ich in der Schule: »Abschied von den Eltern«. Ich war sofort süchtig und führte mir in schneller Folge »Fluchtpunkt«, den »Kutscher« und »Marat/Sade« zu. Dann war »Die Ästhetik des Widerstands« an der Reihe. Aber ach, tausend engbedruckte Seiten, weitgehend ohne Absätze, in typisch suhrkampscher Gestaltungsverweigerung und dazu noch diese endlos scheinende ...

ndPlusTanja Dückers

Eigenständiges Denken

Einen Schriftsteller wie Peter Weiss, der sich so umfassend und profund mit dem Nationalsozialismus, überhaupt mit einer Form faschistoider Gewalt auseinandersetzt, wird es wohl nicht mehr geben. In den vergangenen fünfzehn Jahren hat es eine Fülle an Büchern gegeben, die auf den Nationalsozialismus rekurrierten, ich habe auch mit einem Roman (»Himmelskörper«) dazu beigetragen. Aber niemand von un...

Hans-Christian Ströbele

Revolutionäre Gewalt

Mit Peter Weiss verbinde ich spontan die Uraufführung seines Stückes »Die Verfolgung und Ermordung Marats …« im April 1964 im damaligen Westberlin im Schillertheater. Damals durften Werke des Kommunisten Brecht in Westberlin nicht aufgeführt werden. Meist ging ich im Osten ins Berliner Ensemble, ins Deutsche Theater und in die Volksbühne. Beim »Marat« war es anders. Ich mochte politisches Theater....

Hans Coppi

Die Haltung meines Vaters

Ende der 1970er Jahre schickte mir ein Freund den ersten Band der »Ästhetik des Widerstands«. Schon auf den ersten Seiten begegnet mir Hans Coppi als literarische Figur, eine für mich überraschende Entdeckung. Meinen am 22. Dezember 1942 hingerichteten Vater kenne ich aus Erzählungen seiner Freunde und meiner Großeltern oder inzwischen aus eigenen Recherchen. In dem Roman von Peter Weiss haben die...

ndPlusDetlef Siegfried

Lesebewegung um ein Romanepos

Mit einer eindrucksvollen Schilderung des Reliefs des Pergamon-
altars beginnt Peter Weiss seinen Roman 
»Die Ästhetik des Widerstands«. Das dreibändige Epos gilt als eines der 
gewichtigen deutschsprachigen Werke seiner Zeit. Wir würdigen den Autor anlässlich seines 
100. Geburtstages.

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ndPlusRobert Stadlober

Aufgehobene Kämpfe

In einer Zeit, in der permanent und überall immer neue Schlussstriche gezogen werden, ist es einigermaßen beruhigend, dass die Versuche, Anstrengungen und Kämpfe der Vergangenheit zumindest in Literatur aufgehoben sind. Zwischen den Buchdeckeln der »Ästhetik des Widerstands« weiß man eine Gegengeschichte beschützt vor den täglichen Versuchen ihrer Verschüttung. Viel mehr ist von Büchern und ihren ...

Klaus Weber

Schreiben gegen die Verhältnisse

die frage: weiss lesen warum? tausend zeichen. die antwort: es ist nötig »sich zu gefährden, sich auszusetzen«. sätze in die welt zu schlagen wie metall in den fels; die hoffnung dass er breche. der fels: immer die gleichen herren (im faschismus obenauf und heute). er schreibt gegen die verhältnisse und nicht gegen die »mitmenschen, die sich selbst nicht formulieren« können: »aus mangel an phantas...

Katja Kipping

Im Handgemenge sozialer Kämpfe

Was machen Sozialist_innen eigentlich, wenn sie heiraten? Schon weil der kirchliche Altar für meinen Lebensgefährten und mich ausfällt, lag es für uns und unsere Gäste nahe, einen anderen Ort anzupeilen: den Pergamonaltar auf der Berliner Museumsinsel, mit dem Peter Weiss »Die Ästhetik des Widerstandes« beginnen lässt. In den Eingangspassagen des Romans treffen sich drei junge antifaschistische Wi...

ndPlusFrigga Haug

Befreiung der Frau

Mit geradezu verzweifelten Hoffnungen verbunden ist für mich die »Ästhetik des Widerstands«. Der Beginn mit den Arbeitern im Pergamonmuseum öffnet sogleich die Augen für eine ganz neuartige Weise, in ein Museum zu gehen und dort die eigene Geschichte eingeschrieben in die Geschichte der Menschheit zu entziffern. Dies war so aufregend, dass ich das unbedingt teilen musste. In meiner Universität, de...

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Nachrufe

Karl Heinz Oppel 16. 12. 1924 - 27. 10. 2016 Sein Gesicht kannten nur wenige, seine Stimme dagegen alle: Karl Heinz Oppel synchronisierte über etliche Jahre den genial-tragischen dänischen Ganoven Egon Olsen. Wenn er zu seinen gefürchteten Beleidigungsattacken anhob, saß die DDR-Fernsehgemeinde amüsiert vorm Bildschirm: lausige Amateure, elende Sozialdemokraten, erbärmliche Piesepampel -...

Velten Schäfer

Ditzinger Trumple

Ist es fair, Günther Oettinger mit Donald Trump zu vergleichen? Immerhin schafft es auch der 1953 geborene CDU-Politiker immer wieder, an Basisinstinkte zu appellieren: Regionalstolz, wenn auch im Negativen. Selbst diejenigen Landeskinder, die sich abgestoßen fühlen von der properen Selbstzufriedenheit zwischen Aalen und Freiburg, bringt er immer wieder in die Verlegenheit, Baden-Württemberg zu ve...

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Dietmar Bartsch

Zwingend links

Es gibt eine Dynamik Richtung Mitte-Links. Und es gibt einen Rechtsruck sowie soziale Herausforderungen. Deshalb sollte die Linkspartei über Bündnisfähigkeiten ernsthaft und jenseits von Ritualen und Reflexen nachdenken.

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ndPlusLeo Fischer

Schlampereien

Leo Fischer war Chefredakteur des Nachrichtenmagazins »Titanic«. An dieser Stelle kümmert er sich 
vierzehntäglich um den 
liegen gelassenen Politikmüll und dessen sachgemäße Entsorgung.

Lügen über die menschliche Gier

Psychologen sollten wachsam sein gegen das Psychologisieren: den Versuch, gesellschaftliche Missstände zu verschleiern, indem seelische Motive als einzige Erklärung ins Spiel gebracht werden. Ein Beispiel dafür ist mir neulich besonders aufgefallen, vielleicht weil ich kurz zuvor einen mitreißenden Roman gelesen hatte: The Poisonwood Bible (Die Giftholzbibel) von Barbara Kingsolver. Die Erzählung ...

Wolfgang M. Schmitt

Romantik 2.0 - es ist kompliziert

Vor 51 Jahren betrat ein frisch verheiratetes Paar die Bühne und sang ein Loblied auf die Unvernunft und die Bedingungslosigkeit der Liebe. Egal, was die Leute reden und ob sie seine Haare zu lang finden - ganz egal, für das Paar ist kein Hügel und kein Berg zu hoch, solange sie sich lieben. »I Got You Babe«, hieß der Song und mit ihm begannen Sonny und Cher ihre gemeinsame Weltkarriere. Mehr als ...

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Der Unbeliebte

In Zeiten wie diesen, in denen die Welt ihren eigenen Abgang und Abgesang persifliert, in denen in Büro, Verkehr und Kultur Kinderstube und Perspektive fehlen und in denen selbst die einfachsten Wissensdinge von der Meinungsmultivalenz zermalmt werden - in diesen Zeiten ist es schwer, Stimmen der Vernunft zur Geltung zu verhelfen. Unsere Restaurationszeit bildet sich ein, dass der Begriff Restaura...

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Wer arm ist, bleibt zuhause

In Deutschland steht die Bildungsfinanzierung unter der Fuchtel der Finanzpolitik. Sie gilt als eher »weiches« Thema. Dennoch lassen sich mit bildungspolitischen Themen Wahlen verlieren. Eine Partei, die sich beispielsweise offen für die Abschaffung des Gymnasiums stark machen würde, müsste sich auf heftige mediale Anfeindungen gefasst machen. Mit dem Verweis auf die soziale Ungleichheit des hiesi...

tgn

Bildungslexikon: Schulsystem USA

Schulsystem USA. Das US-Schulwesen unterscheidet sich vom deutschen elementar. Gemeinsam ist die Schulpflicht, zu der im Gegensatz zu Deutschland allerdings auch das sogenannte Home Schooling zählt. Die Schule beginnt mit 6 Jahren und endet zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr. Ansonsten gibt es neben der Militärakademie kein nationales Schulsystem. Gleichwohl existieren nationale Leitlinien und Mi...

ndPlusLena Tietgen

Quo vadis USA?

Die USA seien eine Bildungsrepublik (bpb.de), die in ihren Ursprüngen auf frühe Siedler zurückgeht (usa.usembassy.de), aber einer weißen Mittel- und Oberschicht vorbehalten war (wiederum bpb.de). Dennoch spielte Bildung bis weit in die 1990er Jahre in den Wahlkämpfen kaum eine Rolle (ballotpedia.org). George W. Busch jr. schließlich war es, der in seinem Wahlkampf 2000 Bildung zum Thema machte. Er...

ndPlusTino Brömme

Staatlich finanziert, privat gesteuert

Der amtierende Präsident Barack Obama nannte sie »Inkubatoren für Innovation« und versprach 2009, ihr Budget zu verdoppeln. Charter-Schulen gäben »Erziehern die Freiheit, neue Unterrichtstechniken zu kultivieren und kreative Methoden zu entwickeln, die sich nach den Bedürfnissen der Schüler richten«. Ganz verdoppelt hat er die Bundesmittel in seiner Regierungszeit nicht, aber immerhin von 208 auf ...

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Thomas Möbius

Utopie - Aufbruch und Abbruch

Es gibt eine Erzählung von Karl Schmückle aus dem Jahr 1935 mit dem Titel »Geschichte vom Goldenen Buch. Eine utopische Reportage«. Darin schildert er, wie Thomas Morus im Jahr 1935 die Sowjetunion besucht und lässt ihn resümieren: »Als ich das Buch über die Insel Utopia und ihre harmonischen Einrichtungen schrieb, erzählte ich gleichsam einen künstlichen Traum und war voll Traurigkeit in meinem H...

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ndPlusKnut Henkel

Surfurlaub mit nachhaltigen Folgen

William Broadway heißt der 22-jährige britische Student, der den Transport von Impfstoffen revolutioniert hat. Mehrere Tage sorgt sein kleines Kühlaggregat namens Isobar für konstant zwei bis acht Grad Celsius. Das Prinzip ist so einfach wie genial. »Es beruht auf Wasser und Ammoniak. Wenn die erhitzt werden, steigt das Ammoniak auf und trennt sich von Wasser. Wenn beides wieder zusammenkommt, wir...

Martin Koch

Was Einstein wütend machte

In fast allen Wissenschaften gelten Publikationen als wichtigster Indikator für die Qualität der Forschungsarbeit. Besonders begehrt sind Veröffentlichungen in international renommierten Zeitschriften, denn sie erleichtern es den betreffenden Autoren, gleichsam in die Champions-League ihrer Disziplin aufzusteigen. Doch der Weg dorthin birgt viele Hindernisse. So führen die meisten Journale ein str...

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ndPlusThomas Isenburg

Stau auf den Stromautobahnen

Der größte Stromausfall Europas liegt nun etwa zehn Jahre zurück. Das Kreuzfahrtschiff »Norwegian Pearl« wollte sich nach seinem Stapellauf von der Werft in Papenburg auf den Weg zur Jungfernfahrt von Rotterdam nach Southampton machen. Der Weg führte durch die Ems in die Nordsee. Auf der Reise musste das Schiff eine 380-Kilovolt-Übertragungsleitung queren. Zur sicheren Durchfahrt des Schiffs wurde...

Seite 29
mim

Denkspiellösung »Monique & Mia«

Am 29./30. Oktober war nach dem Alter von Monique gefragt. Die richtige Antwort lautete: elf Jahre. So hatte es auch Olaf Jellema aus Essen herausgefunden, der für den Buchpreis ausgelost worden ist. An ihn geht der Roman LOW von Boris Pofalla aus dem Metrolit-Verlag. Herzlichen Glückwunsch! Die Lösungswege waren mitunter verschlungen, letztlich aber meist auch zielführend. Es gab indes ebens...

»Mensch ärgere Dich nicht!« fernöstlich

Die Ursprünge der populären Tibetspiele Sho und Gyälpo Lönpo liegen weitgehend im Dunkeln. Bei Sho, das ein Wettrennen symbolisiert, versuchen maximal vier Spieler ihre Steine ins Ziel zu würfeln. Wahrscheinlich handelt es sich um eine jüngere Adaption des indischen Pachisi (das seinerseits zur Erfindung »Mensch ärgere Dich nicht!« der Neuzeit inspirierte). Pachisi selbst wiederum gilt als ei...

Udo Bartsch

Pinguine an der Macht

Egal, ob man Klimastatistiken, Einschaltquoten oder Hitparaden auswertet - die Menschheit kann als gescheitert gelten. Dass uns eine überlegene Spezies vom Thron stößt, war nur eine Frage der Zeit. Gerechnet wurde mit Aliens oder Robotern. Nun sind es also die Pinguine. Aber wir sehen auch bei diesem Spiel: Geschichte wiederholt sich, die Vögel kämpfen jetzt untereinander um die Macht. Dabei ...

ndPlusMike Mlynar

Brot und Dreisatz

Das Echo aus der Denkspielgemeinde auf unsere Rubrik ist meist vielseitig und meist wohlwollend. Zu »Handel und Wandel« (22./23.10.) war es indes sehr fokussiert und für Mike Mlynar kein Ruhmesblatt. »Habt Ihr in der Aufgabenstellung nicht doch eine Bedingung vergessen?«, fragten sich ähnlich wie Ingeborg Bartsch aus Grammow viele. In der Tat, da fehlte eine 100 für die Anzahl der Artikel! Die war...

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Manfred Lädtke

Schmachtfetzen für Herz und Gemüt

Levenslieder (Lebenslieder) nennen Amsterdamer zu Akkordeon und Gitarre gesungene Volksweisen, Balladen und Rührstücke, die zum Träumen und Weinen, zum Lachen und meistens zum Schunkeln sind. Dass die hemmungslos sentimentalen Levenslieder mit viel Witz und einer Portion Kitsch als Exportschlager nicht taugen und außerhalb der eigenen Grenzen kaum bekannt sind, schert die Menschen im Amsterdamer J...

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ndPlusMarc Vorsatz

Ein bisschen Südsee

Es war Liebe auf den ersten Blick. Eine bedingungslose Liebe, entkoppelt von Zeit und Raum, wie sie in dieser Intensität vielleicht nur Künstlerseelen empfinden können. Als Jack London einst vor Nuku Hiva in der Südsee vor Anker ging, ergriff ihn eine wahrhaft romantische Euphorie. »Man fühlt es fast wie einen Schmerz, so vollkommen ist die Schönheit.« Das war vor gut 100 Jahren, und daran hat sic...

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Christin Odoj

Das Leben eines Schwarzkäfers

Roland Eckardt will auf alles vorbereitet sein. Keiner soll ihm was können nächstes Jahr im Juli, wenn das Prostituiertenschutzgesetz in Kraft tritt. Jeden einzelnen Paragrafen wird er durchgegangen sein und sich abgesichert haben. Das Gesetz, am 7. Juli vom Bundestag verabschiedet, liegt ausgedruckt neben seinem Bett, 118 Seiten. »Nachtlektüre«, sagt er. Eckardt ist Bordellbesitzer, vermietet in ...