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G20-Protestcamp verboten

Hamburg. Das Hamburger Oberverwaltungsgericht hat das von den Gegnern des G20-Gipfels im Stadtpark geplante Protestcamp verboten. In der Gesamtbetrachtung handle es sich bei dem Camp nicht um eine grundrechtlich geschützte Versammlung, entschied das Gericht am Freitag und gab damit einer Beschwerde der Hansestadt statt. Gegen die Entscheidung sind keine Rechtsmittel möglich, die Gegner können alle...

Zum Schutz von Journalisten

Berlin. Der Bundestag hat sich geschlossen für die Einrichtung eines UN-Sonderbeauftragten zum Schutz von Journalisten ausgesprochen. Das Parlament forderte am Freitag einstimmig die Bundesregierung auf, die Einsetzung eines solchen Sonderbeauftragten beim UN-Generalsekretariat voranzubringen und dafür bei anderen Staaten zu werben. Zudem solle die Bundesregierung darauf hinwirken, dass die Arbeit...

unten links

So viel Subversivität hätte Donald Trump wirklich niemand zugetraut. Da schreiben sich transatlantische Politikauskenner seit Jahren die Finger wund, um zu erklären, dass US-Hegemonie was total Altbackenes ist und die ganze Cola-Star-Wars-Britney-Spears-Softpower nicht mehr gilt, wir uns stattdessen an Chinesisch-Grundkurse im Kindergarten gewöhnen sollen, da kommt ausgerechnet ein Chinese auf ein...

»Ein Geist von neuer Zuversicht«

Brüssel. Der EU-Gipfel in Brüssel hat nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel »einen Geist von neuer Zuversicht ausgestrahlt«. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron nach dem Treffen der Staats- und Regierungschefs sagte Merkel am Freitag, die deutsch-französische Zusammenarbeit und Vorbereitung des Gipfels hätten sich als »wirklich belastba...

Uwe Sattler

Zwietracht und goldene Orden

Auch bei diesem EU-Gipfel gab es keine Einigung über die Verteilung weiterer Flüchtlinge in der EU. Frankreichs Präsident Macron stieß mit seinem Aufruf an osteuropäische Länder mehr Flüchtlinge aufzunehmen auf taube Ohren.

Baustelle Sozialdemokratie

Berlin. Unermüdlich ist er ja, der Martin Schulz. Eilt durch die Republik von Termin zu Termin, wirbt um Zustimmung für sich und die Pläne der SPD. Wie in dieser Woche auf dem deutschen Wohnungsbautag, wo er als eine Art sozialdemokratischer Bob der Baumeister erklärte, was sich unter ihm als Kanzler beim Wohnungsbau ändern würde. Nur blöd, dass er für die Realisierung dessen einen anderen Koaliti...

VW-Manager dringend gesucht

Fünf mutmaßliche Beteiligte am VW-Dieselskandal sind nun zur internationalen Fahndung ausgeschrieben. Unterdessen verzichtet VW in zwei Schadenersatzfällen auf Berufung.

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Grit Gernhardt

Strafe auch ohne Reue

Trotz Interpol-Fahndungsaufruf für VW-Manager: Bei Volkswagen ist das Problembewusstsein nicht sehr ausgeprägt. Dieselskandal, Schummeltests, Gesundheitsgefährdung? Alles nicht so dramatisch findet der Konzern.

Thomas Blum

Vater, Mutter, Kind, Rehkitz

»Familie wählen!« mit diesem Slogan machte Kohl Wahlkampf. Abweichende Lebensmodelle galten der CDU als instabil, unmoralisch, als irgendwie abnormal. Was aus der harmonischen Kleinfamilie Kohl geworden ist, zeigen derzeit die Medien.

Olaf Standke

Trumpcare ist herzlos

Donald Trump sagt Trumpcare sei ein »Gesetzentwurf mit Herz«. Aber es ist das Gegenteil: über 20 Millionen Amerikaner werden ihren Versicherungsschutz verlieren, die Unterstützung für Bedürftige schrumpft massiv.

Klaus Joachim Herrmann

Anti-Terrorist

Wenn Russland auch immer sein Veto im UNO-Sicherheitsrat unstörbar durchbringen kann, gilt das für Personal aus Moskau nicht zwangsläufig. Schon gar nicht in Zeiten knisternder Spannung. So kann Russlands Chefdiplomat Sergej Lawrow die Ernennung von Wladimir Woronkow zum Leiter des neuen Anti-Terror-Büros der Vereinten Nationen als Erfolg feiern. Immerhin wird der Mann mit dem grauen Schnurrbart i...

Leo Fischer

Das Unerträgliche an deutschen Geschichtsdebatten

Ob bei den Schwulen, ob bei den Juden - man kann in Sachen Aufarbeitung keinen Schritt vorwärts machen, ohne zwei zurückzugehen. Vielleicht sollte zu diesen Themen in diesem Land generell der Mund gehalten werden.

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Blauer als Tatort

Zumindest optisch hat das niedersächsische Landeskriminalamt in Hannover einiges zu bieten. Der Künstler Yves Klein hätte sich das Blau patentieren lassen. Das steht jedenfalls Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Innenminister Boris Pistorius (2. v. r., r., beide SPD) gut zu Gesicht. Sie ließen sich am Dienstag neue Technologien, Analysemöglichkeiten und Gerätschaften vorführen. Dazu...

Zum Tod Helmut Kohls

Dennik N, SlowakeiVerknüpfte TräumeAlle wissen, dass Kohl der Vater des wiedervereinten Deutschlands war. Es sollte aber nicht übersehen werden, dass er sich dieses Deutschland immer als festen Teil eines neuen, demokratisch vereinten Europas wünschte. Für die Erfüllung dieser seiner beiden eng miteinander verknüpften Träume war er bereit, sehr viel zu opfern und zu riskieren. Le Monde, Frankreich...

Eine Attacke auf uns alle

Seit den Anschlägen auf die Bahn wird in der Linken wieder die Militanzdebatte geführt. Vielen sehen die Aktion vom Montag kritisch. Zu Recht. Denn momentan stellt sich die Gewaltfrage nicht.

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Razzia bei Rechten

Am Freitagmorgen wurden 14 Objekte in Thüringen und im niedersächsischen Göttingen durchsucht. Die 13 Beschuldigten sollen in Südthüringen paramilitärische Camps durchgeführt haben.

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Livestream aus dem Gericht

Berlin. Wichtige Urteilsverkündungen der obersten Bundesgerichte können künftig auch live im Fernsehen und im Internet übertragen werden. Das hat der Bundestag am Donnerstagabend einstimmig beschlossen. Die Lockerung des seit 1964 bestehenden Verbots von Fernseh- und Rundfunkaufnahmen in Gerichtssälen soll für mehr Transparenz sorgen. Eine Übertragung durch die Medien bleibt allerdings in jedem Ei...

Reimar Paul

Spitzel und Spudok

Der aktuelle Fall einer unerlaubten Datensammlung im Göttinger Staatsschutzkommissariat ist kein Einzelfall. Seit Jahrzehnten gibt es unrühmliche Spitzelaffären in der Universitätsstadt.

Gabriele Oertel

Keine Steilvorlage für Martin Schulz

Zum neunten Mal fand in Berlin ein Wohnungsbautag statt. Und stand natürlich ganz im Zeichen des Wahlkampfes. Die Bilanz der Großen Koalition in Sachen Neubau und Mietentwicklung ist desaströs.

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Olaf Standke

»Trumpcare« in der Kritik

142 Seiten umfasst das Dokument, wochenlang hatten 13 Senatoren hinter verschlossenen Türen darüber gegrübelt. Doch als die Republikaner am Donnerstag (Ortszeit) ihren zweiten Gegenentwurf für »Obamacare« im Senat präsentierten, erging es ihm nicht anders als jener Fassung der Gesundheitsreform à la Donald Trump, die Ende April dem Repräsentantenhaus vorgelegt worden war: Scharfe Kritik kam nicht ...

Kay Wagner, Brüssel

Atemlos durch die Nacht

Es war ein Treffen der schnellen Entscheidungen. Allerdings lässt die Konkretheit des Verkündeten reichlich zu wünschen übrig

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Denis Trubetskoy, Kiew

Kiew-kritischer Chefredakteur Guschwa in der Falle

Ihor Guschwa, Chefredakteur der Kiew-kritischen Webseite Strana.ua, wurde am Donnerstagabend in seinem Redaktionsbüro festgenommen. Die Festnahme scheint politisch motiviert zu sein.

Silviu Mihai, Tirana

Albaniens Sozialisten: schnell in die EU

Bei den Parlamentswahlen am Sonntag hat die Sozialistische Partei gute Chancen auf weitere vier Jahre an der Macht obwohl Korruption ein Thema bleibt. Oberste Priorität für die Sozialisten haben die Beitrittsverhandlungen mit Brüssel.

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Hermannus Pfeiffer

Die neue Stimme der Wissenschaft

Die alternative Memo-Gruppe hofft auf Pluralismus auf dem neuen Ökonomen-Netzwerk, das das Ifo-Institut ins Leben rief.

Benjamin von Brackel

Die Maschinerie unterbrechen

Der Hafen in Amsterdam ist der weltweit größte Hafen für Benzin und der zweitgrößte für Kohle. Deswegen wollen Klimaktivisten ihn am Samstag blockieren. Im Interview erklärt das Aktionsbündnis »Code Rood« die Proteste.

Sebastian Weiermann

Drei-Länder-Menschenkette gegen das AKW Tihange

Am Sonntag planen Anti-Atom-Initiativen eine Menschenkette gegen das belgische AKW Tihange. 30 000 Menschen haben zugesagt. Betreiber Electrabel überrascht mit der Idee einer Laufzeitverlängerung.

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Nachfolger

Der US-Amerikaner Alan Gilbert wird Chefdirigent des NDR-Elbphilharmonie-Orchesters. Der 50-Jährige, der vor wenigen Tagen sein Abschiedskonzert als Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker gab, wird im Sommer 2019 Nachfolger von Thomas Hengelbrock, der seinen Vertrag nicht verlängerte. »Alan Gilbert steht für höchste musikalische Qualität, gepaart mit großem Innovations- und Gestaltungswillen. ...

Sperre aufgehoben

Die Ausreisesperre gegen die wegen Terrorvorwürfen angeklagte türkische Autorin Asli Erdogan ist aufgehoben worden. Ein Gericht in Istanbul entschied, dass Erdogan und die mitangeklagte Sprachwissenschaftlerin Necmiye Alpay das Land wieder verlassen dürfen, wie die Nachrichtenagentur DHA berichtete. Neben Erdogan und Alpay stehen sieben weitere Angeklagte vor Gericht. Ihnen droht unter anderem weg...

Was wird aus Kohls Leiche?

Der Juni ist ein schlimmer Monat für Menschen, die das Bewährte lieben und dem Neuen grundsätzlich skeptisch gegenüberstehen. Gleich drei Nachrichten erschütterten ihre Gewissheit, dass die Entwicklung der Produktivkräfte aufzuhalten sei. Zu Beginn der Woche wurde bekannt, dass die vom Bundesverkehrsministerium eingesetzte Ethikkommission selbstfahrende Autos grundsätzlich befürwortet. »Die Einfüh...

Neun Jahre haben Tauben nei’gschissn

Richard Wagner habe »etwas von der Einrichtung des Oberammergauer Passionsspiels« vorgeschwebt. Das befand der einflussreiche Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick nach der Uraufführung des »Parsifal« 1882. Am kommenden Freitag gibt es im Oberammergauer Passionsspielhaus erstmals eine Wagner-Premiere. Ist der von Ihnen inszenierte »Fliegende Holländer« so etwas wie eine Revanche nach 135 Jahren? So...

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Er war ein Kerl

Der Country- und Schlagersänger Gunter Gabriel ist tot. Wenige Tage nach seinem 75. Geburtstag erlag er am Donnerstag den Folgen eines Treppensturzes. In der Nacht vor dem geplanten Jubiläumskonzert am 11. Juni habe Gabriel in einem Hotel in Herford mit Freunden in seinen Geburtstag hineingefeiert, berichtet seine Agentur. Auf dem Weg in sein Zimmer sei er kurz nach Mitternacht eine steinerne Wend...

Verdrängung und Schuld

Der autobiografische Roman der Auschwitz-Überlebenden Zofia Posmysz ist am Samstag in einer Bühnenfassung in der Dresdner Semperoper zu erleben. Die Oper mit dem Titel »Die Passagierin« vollendete der polnische Komponist Mieczysław Weinberg bereits 1968. Sie sei jedoch erst 2006 in Moskau zur konzertanten und 2010 bei den Bregenzer Festspielen zur szenischen Uraufführung gelangt, teilte die Semper...

Roberto Becker

Unten im Hof von Herodes

Keineswegs still und heimlich, sondern mit aller Kraft und ganz offen macht Ulf Schirmer, dessen Intendantenvertrag soeben bis 2022 verlängert wurde, »seine« Oper in Leipzig zum Richard-Wagner- und Richard-Strauss-Haus. Auch wenn er es nicht sagt, und sich (mit wachsendem Erfolg) vor allem um das Haus und die Zuschauer kümmert, macht er damit Dresden Konkurrenz. Ihr »Ring«-Paket haben die Leipzige...

Hans-Dieter Schütt

Wellen im Bewusstsein

Das gesetzte Segel. Der Wind, der hineinfährt. Dazu ein kräftig hinausdrängendes Herz. Die Seefahrt. Man lese Johann Gottfried Herders Schiffsreise-Buch von 1769, eine Vorwegnahme von Nietzsches »Auf die Schiffe, ihr Philosophen!« Dass man diese Fortbewegungsart auf dem großen Wasser beizeiten mit dem Attribut des Christlichen versah, offenbart noch heute die Wesensart einer abenteuerlichen Intuit...

Stefan Amzoll

Dies Requiem darf nicht enden

Das Programm ist ein Bogenschlag. Die Bilder ähneln sich und divergieren zugleich. Vorzüglich die Weise, wie die Sächsische Staatskapelle unter Gennadi Roshdestwenski dies zu verdeutlichen wusste. Die Veranstalter der Schostakowitsch-Tage in Gohrisch hatten den berühmten Dirigenten geladen zu einem Sonderkonzert, der Eröffnung des Festivals. Die Semperoper war bis zum vierten Rang hinauf brechend ...

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Jirka Grahl, Sotschi

Palmen, Steine und Beton

Sotschi gilt als eine der schönsten Städte Russlands und gleichzeitig aber auch als Sporthauptstadt des riesigen Landes. Beides geht nur bedingt gut zusammen, wie man auch beim Confed Cup erleben kann.

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Julien Duez

Fußball - purer Kapitalismus

Verstehen Sie mich nicht falsch. Es gibt grundsätzlich kein Problem, dass ein Verein in einem ausländischen Wettbewerb eingegliedert ist. Viele Beispiele gibt es schon, ohne dass Probleme entstehen: AS Monaco in Frankreich, FC Vaduz in der Schweiz, sogar der neuseeländische Wellington FC in Australien. Auch die Nationalmannschaft des fünften Kontinents tritt im asiatischen Verband an, um sportlich...

Die Wahrheit kommt heraus

Freiburg. Für die Universität Freiburg ist die Aufklärung ihrer Doping-Vergangenheit beendet. Am Freitag wurde das letzten Gutachten der ehemaligen Mitglieder der »Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin« veröffentlicht. Die Expertise trägt den Titel »Armin Klümper und das bundesdeutsche Dopingproblem«, teilte die Universität am Freitag mit. Die Kommission hatte sich nach wiederholten Konfl...

ndPlusOliver Kern

Die Kunst des Wartens

Der DOSB steckt mitten in der Umsetzung der Leistungssportreform und muss den Kern ihrer Umsetzung verschieben. Die neue Vorstandsvorsitzende hat zumindest Erfahrung auf dem Gebiet.

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Demonstration gegen Marsch von Islamisten

Einige Hundert Menschen haben am Freitag in Berlin gegen die jährliche anti-israelische Al-Kuds-Demonstration radikaler Muslime protestiert. Die Gegendemonstranten versammelten sich am Nachmittag am Ku'damm, Ecke Schlüterstraße im Westteil Berlins - ganz in der Nähe des Adenauerplatzes, an dem später die Al-Kuds-Demo starten sollte. Viele trugen Israel-Fahnen. Auf einem Transparent war zu lesen: »...

Andreas Fritsche

Studiengebühr abschaffen

Die landeseinheitliche Rückmeldegebühr von 51 Euro je Semester sollte abgeschafft werden. Denn sie ist eine versteckte Studiengebühr - und prinzipiell sollte Bildung vom Kindergarten bis zur Universität kostenlos sein.

Nicolas Šustr

Hausdurchsuchung wegen revolutionärer Demo zum 1. Mai

Der bekannte Musikjournalist Marcus Staiger bekam unliebsamen Besuch der Polizei. Der Vorwurf: Er soll die »Revolutionäre 1. Mai Demo«, geplant und organisiert haben. Der Betroffene bestreitet die Vorwürfe vehement.

Ellen Wesemüller

Ein Zug, der einem im Tunnel entgegenkommt

Wieder ein Elternprotest, wieder geht es um zu wenig Raum für zu viele Schüler. Der Schulstadtrat versteht seine Kritiker, macht ihnen aber wenig Hoffnung.

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Tomas Morgenstern

Kommunales Netzwerk für Energiesparen

Erstmals vereinen zehn Städte und Gemeinden im Land gemeinde- und kreisübergreifend ihre Kompetenzen, um binnen drei Jahren ihren Energieverbrauch zu verringern.

Jana Klein

Altwerden im umgebauten Eigenheim

Der Verband der Deutschen Grundstücksnutzer hat in Biesdorf den Grundstein für sein »Haus der Pflege« gelegt. Dort sollen ältere Hauseigentümer Beratung aus einer Hand erhalten.

Andreas Fritsche

Rückmeldegebühr war rechtswidrig

Die in den Jahren 2001 bis 2008 im Land Brandenburg verlangten Rückmeldegebühren sind rechtswidrig. Aber erhalten nur jene Studenten ihr Geld zurück, die gegen die Gebühren geklagt haben?

Peter Kirschey

Es darf wieder gespielt werden

Der länger dauernde Rechtsstreit ist beigelegt, die Gudvanger Straße in Prenzlauer Berg wird an einem Tag pro Sommermonat wieder zur Spielstraße. Ein Urteil gab es jedoch nicht.

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Tomas Morgenstern

Kommunales Netzwerk für Energiesparen

Erstmals vereinen zehn Städte und Gemeinden im Land gemeinde- und kreisübergreifend ihre Kompetenzen, um binnen drei Jahren ihren Energieverbrauch zu verringern.

Unwetterfront wütete über Deutschland

Berlin. Eine Unwetterfront mit Gewittern, Orkanböen und Starkregen ist über Deutschland hinweggezogen und hat schwere Schäden angerichtet. Der Bahnverkehr war auch am Freitag vor allem im Osten noch beeinträchtigt. Unfälle und umgefallene Bäume wurden aus ganz Deutschland gemeldet. Mit den Unwettern ging eine Hitzewelle in Deutschland zu Ende, bei der teils Temperaturen von 37 Grad Celsius erreich...

Bettina Grachtrup, Stuttgart

»Macht euren Wahlkampf selber«

Eher ruhig, besonnen und weise: Dieses Bild haben viele Bürger von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Kopf. Dass sich der 69-Jährige aber auch heftig in Rage reden kann, wissen seine Mitarbeiter und manche Journalisten aus eigener Erfahrung. Selten wird der Regierungschef dabei gefilmt. Eine Aufzeichnung beim Bundesparteitag der Grünen vor rund einer Woche in Berlin, die ...

Heimstatt für Fürnbergs Bücher

Vor 60 Jahren starb der tschechoslowakisch-deutsche Schriftsteller Louis Fürnberg in Weimar. Sein Arbeitszimmer blieb erhalten. Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald hat es originalgetreu aufgebaut.

Andreas Fritsche

Rückmeldegebühr war rechtswidrig

Die in den Jahren 2001 bis 2008 im Land Brandenburg verlangten Rückmeldegebühren sind rechtswidrig. Aber erhalten nur jene Studenten ihr Geld zurück, die gegen die Gebühren geklagt haben?

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Malermode

Das Dalí-Museum am Potsdamer Platz nimmt die Fashion Week im Juli zum Anlass, Dalís Ideen zur Männermode zum Thema zu machen. Der Maler wurde Anfang der 1970er Jahre vom international renommierten Modehaus Scabal eingeladen, die erste Ausgabe des Magazins »Scarab« zu gestalten und so seine Vision des Mannes und der Mode im 21. Jahrhundert darzustellen. Der Maler nahm den Auftrag an. Dalí entwarf d...

Staatsoper: Neustart ohne Winterreifen

Die Staatsoper feiert die Wiedereröffnung ihres Stammhauses Unter den Linden nach siebenjähriger Sanierung mit einem Open-Air-Konzert. Am 30. September um 17 Uhr lädt Generalmusikdirektor Daniel Barenboim bei freiem Eintritt zu einem Konzert auf den Bebelplatz in der historischen Mitte Berlins, wie er am Donnerstag ankündigte. Das Programm wird noch bekanntgegeben.Das sanierte Stammhaus hatte ursp...

Martina Rathke, Greifswald

Wegrennen oder abwehren?

Gerade auf dem Land haben es Zusteller schwer. Mehr als 1800 Mal wurden im Vorjahr Postmitarbeiter von Hunden angegriffen. Ein Training soll den Postboten zeigen, wie man sich wehrt.

Jörg Fischer, Saarbrücken

»Wir haben ein Herz aus Stahl«

Wenn es um Stahl geht, ziehen im Saarland Politik, Arbeitgeber und Arbeitnehmer an einem Strang. Das Saarland erwartet, dass sich die Bundesregierung bei Verhandlungen in der EU für sie einsetzt.

Karlen Vesper

Alles nur schwarz-weiß

Unbekannte Aufnahmen berühmter deutscher Fotografen aus der Kaiserzeit und der Weimarer Republik sind in der Ausstellung »Die Erfindung der Pressefotografie. Aus der Sammlung Ullstein 1894–1945« zu sehen.

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Regina Stötzel

Eine skurrile Veranstaltung

Seit geraumer Zeit sitzt der Journalist Deniz Yücel in der Türkei im Gefängnis. Nun wird der »Welt«-Korrespondent vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger ausgezeichnet. Der Inhaftierte nimmt es mit Humor.

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Fragen nach dem Wandel der Wirklichkeit

Die Digitalisierung in ihren unterschiedlichen Facetten ist derzeit ein medial bestimmendes Thema, ebenso im Feuilleton wie im Wirtschaftsteil der Zeitungen, in Hörfunkreportagen, in Talkshows, im Sachbuch und in der Literatur. Egal ob ARD-Themenwoche zur Zukunft der Arbeitswelt oder linksradikal-postautonomer Theoriekongress: Virtuelle Realität, Industrie 4.0., totale Datenüberwachung, intelligen...

ndPlusFlorian Schmid

Wer hat Angst vor den Cyborgs?

Bei vielen Menschen herrscht eine grundsätzliche Skepsis oder sogar Misstrauen gegenüber neuen digitalen Technologien und ihrer Fähigkeit, in die intimsten Bereiche unseres Lebens vorzustoßen. Fast hat es den Anschein, als wären sie die technologische Entsprechung zum neoliberalen Kapitalismus, dessen Fähigkeit der Kolonisierung und Kommodifizierung unserer Alltagswelten dadurch noch intensiviert ...

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Joel Joffe

»Es war ein großes Privileg, Nelson Mandela und die anderen neun Leute, die mit ihm angeklagt waren, zu verteidigen.« Diese Worte stammen vom südafrikanisch-britischen Menschenrechtsanwalt Joel Joffe, der im legendären Rivonia-Prozess 1963/64 einer der Strafverteidiger des späteren südafrikanischen Präsidenten und Nationalhelden Nelson Mandela war. Die Anklage lautete auf Hochverrat und Sabotage. ...

Peter Krämer

»Roter Reeder«, so nennt ihn die Hamburger Lokalpresse. Selbst Linken galt er als »ehrbarer Kaufmann«. Peter Krämer gehörte die Reederei CST, deren Schiffe unter Billigflagge fahren. Und er gründete das UNICEF-Projekt »Schulen für Afrika«. Mit Hilfe prominenter Botschafter sammelte der Mäzen Spenden ein und steuerte Geld aus seinem üppigen Privatvermögen bei. Dadurch konnten 1500 Schulen gebaut we...

Gabriele Oertel

Nicht nur die rheinische Frohnatur

Sie haben es ihm nicht zugetraut. Freilich nicht in der SPD und bei den Grünen. Aber auch nicht in der CDU. Deren NRW-Vorsitzender Armin Laschet kann inzwischen offenbar ganz gut damit umgehen, unterschätzt zu werden. Und natürlich kann er in diesen Tagen all jenen den Daumen zeigen, die sich dereinst in einer Mitgliederbefragung gegen ihn und für den vorübergehenden CDU-Star Norbert Röttgen entsc...

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Der Fluch der teuflischen Scheiße

Venezuelas Wirtschaft kämpft mit des »Teufels Scheiße«. So bezeichnete der venezolanische Schriftsteller Juan Pablo Pérez Alfonzo einst das Erdöl, um die Schwierigkeiten wirtschaftlicher Gestaltung angesichts der übermächtigen Dominanz des schwarzen Goldes zu beschreiben. Eine Herausforderung, die schlicht darin besteht, »Öl zu säen«, wie es der venezolanische Schriftsteller Arturo Uslar Pietri be...

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Paula Irmschler

Hysterie

In Madrid dürfen Männer nicht mehr breitbeinig sitzen. Sonst werden sie der Stadt verwiesen, in Umerziehungslager gebracht und via Nagellackschnüffelns verweichlicht, bis alles Männliche aus ihnen herausgepresst ist. Im Anschluss malen sie apathisch Blumenwiesen und was medikamentös noch geplant ist, behalten die feministischen Irren aus taktischen Gründen erst mal für sich. Die niederträchti...

Vertrauen und Kontrolle

Neulich sprach ich mit einer Pilotin der Lufthansa. Sie wollte nach einer Babypause, die nicht einmal zwei Jahre gedauert hatte, ihren kleinen Jungen an eine Tagesmutter gewöhnen und wieder fliegen - »wenn ich die Prüfung schaffe«, setzte sie hinzu. So erfuhr ich, dass die Frauen und Männer, die in ihren schmucken Uniformen einem vielfach beneideten Beruf nachgehen, jedes Jahr mit mehr oder wenige...

Klaus Weber

Noch sind wir kaum Menschen

Dieses Buch von Lucien Sève ist »anstößig« im besten Sinne: Zeile für Zeile hindert es mich daran, die Verhältnisse, in denen ich lebe, als vernünftig und »normal« zu betrachten. Davon handelt »Die Welt ändern, das Leben ändern«: Dass wir noch nicht Menschen geworden sind, weil die Verhältnisse es nicht zulassen. Die Verhältnisse, das meint: Kapitalismus. Wir Menschen: Immer als Un-Menschen in die...

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ndPlusTorsten Gaitzsch

Aus der Konservenbüchse

Wer denkt, die Unionsparteien werden nur von alten, weißen Männern gewählt, der ist schief gewickelt. Denn immer mehr junge Leute fühlen sich zum Konservatismus hingezogen. Bei manchem fing das schon früh an.

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Mehr Kontextualität, bitte!

Über die Jahrhunderte erwies sich das Studium generale als anpassungsfähig, bedient es doch den Wunsch nach einer Bildung an sich, die nicht nur zweckorientiert ist. Mit der Zeit unterlag es notwendigen und gesellschaftlich bedingten Veränderungen. So verlor in der Neuzeit die Kirche Bindungskraft, da mit der Aufklärung der selbst denkende und sich selbst bildende Mensch in den Fokus rückte. Zudem...

Lena Tietgen

Am Anfang waren die Bettelorden

Es ist schwer, den Begriff Studium generale zu fassen, denn er unterliegt keiner eindeutigen Definition. Das erste Mal taucht er im 13. Jahrhundert auf. Der Historiker Kaspar Elm ist mit seinem Aufsatz »Studium und Studienwesen der Bettelorden« den Anfängen des Studium generale nachgegangen und stellt fest, dass dieses seinen Vorlauf im mendikantischen Studienwesen des frühen und hohen Mittelalter...

Konrad Lindner

Der Duft der Blüten

Für das Sommersemester 1946 kündigte ein junger Professor an der Universität Göttingen unter dem Titel »Die Geschichte der physischen Welt« eine öffentliche Vorlesungsreihe zur Philosophie der Natur für Hörer aller Fakultäten an. Er war ein Absolvent der Universität Leipzig. Hatte aber seine Doktorarbeit (1933) und seine Habilitationsschrift (1936) nicht in den Geisteswissenschaften, sondern in de...

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Martin Koch

»Die Welt ist ein Kunstwerk«

Von dem britischen Physiker und Schriftsteller Charles Percy Snow stammt die oft kolportierte These, dass zwischen den Kulturen der Natur- und Geisteswissenschaftler ein unüberbrückbarer Gegensatz bestehe. Die intellektuellen Welten beider Kulturen lägen so weit auseinander, meinte Snow, dass eine gegenseitige Verständigung im Grunde nicht möglich sei. Dieses Urteil beeinflusst seither auch die Di...

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Erwärmung macht Fugu gefährlicher

Hiroshi Takahashi von der Nationalen Fischereiuniversität war geschockt. Drei Jahre lang hatten er und sein Team Kugelfische vor der Küste Nordostjapans untersucht. Mit maximal einem Prozent Hybriden - Kreuzungen verschiedener Kugelfischarten - hatten die Forscher gerechnet. Doch mehr als die Hälfte der gefangenen Tiere erwiesen sich als potenziell gefährliche Hybride. Bei jeder Kugelfischart konz...

Iris Rapoport

Das Strafgericht

Wenn’s ums Essen geht, tauchen immer wieder bizarre Mythen auf und verderben den Appetit. Die Irrationalität ist in der Welt. Tatsächlich sind wir bei der Ernährung auch schon längst im »Postfaktischen« angekommen.Beispiel Gluten: Normale Getreideprodukte aller Art, selbst Nudeln und Bier, enthalten Gluten. Auch mit Dinkel kann man ihm nicht entkommen. Dort ist Gluten genauso enthalten wie in Back...

ndPlusElke Bunge

Eruptive Gegend

Der Ausbruch eines sogenannten Supervulkans kann weltweite klimatische Veränderungen nach sich ziehen. In der Region Neapel gibt es so einen Vulkan. Anzeichen weisen auf eine verstärkte Aktivität hin.

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Taufers Weg

Der Robert-Havemann-Saal im Berliner Haus der Demokratie und Menschenrechte war übervoll. Lutz Taufer scheint eine große Fangemeinde zu haben. Oder ist die RAF noch immer von überbordendem Interesse? Es kamen viele Freunde und Bekannte, die Taufer in seiner Haft beistanden oder mit denen er in entwicklungspolitischen Kontexten zusammenarbeitete. Das ehemalige Mitglied des Kommandos Holger Meins st...

Horst Schützler

Über die Russen und uns

Am 14.Juni 1947 lud Oberst Sergej Tulpanow, Leiter der Informationsverwaltung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD), zum Mittagstisch ins Haus der Kultur der Sowjetunion Am Festungsgraben Unter den Linden in Berlin mit ihren Frauen den Wirtschaftswissenschaftler Jürgen Kuczynski und den dänischen Schriftsteller Martin Andersen-Nexö, den Schauspieler und Sänger Ernst Busch. T...

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Sebastian Bähr

Trauern und Weitermachen

Etwas Schreckliches ist passiert, Menschen sind gestorben. Im Fernsehen machen die Nachrichtensprecherinnen besorgte Gesichter. Die normalen Sendungen werden unterbrochen. Die Erwachsenen verhalten sich irgendwie anders, sie sehen traurig aus. In diesem Moment Angst zu haben, ist völlig normal. Das haben die meisten, auch wenn es viele nicht zugeben. Das Wichtigste ist, mit dieser Angst nicht alle...

Alexander Isele

Lass uns Freunde bleiben

Wer die Nachrichten verfolgt, kann das Gefühl bekommen, dass Gewalt und Terror zunehmen. Im letzten Jahr gab es in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Belgien Terroranschläge. Und in vielen weiteren Ländern auch.Aber warum machen das Menschen? Den Tätern geht es vor allem darum, Angst und Schrecken zu verbreiten. Dazu nutzen sie Gewalt. Manchmal stellen sie Forderungen. Terror ist eine Art...

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Sven Rahn

Ohne Wasser, merkt euch das ...

Valencia, jeden Donnerstag, 12 Uhr. Vor dem Apostelportal der Kathedrale sitzen acht schwarz gekleidete Richter im Halbkreis auf lederbezogenen Holzstühlen. Ein Gerichtsdiener ruft die Bewässerungsbezirke von Valencia auf und fragt in die Menge der Schaulustigen am Rande der Plaza de la Virgen, ob jemand eine Klage vorzubringen hat. Bei dem öffentlichen Verfahren geht es um Streitigkeiten der Baue...

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Michael Juhran

Besuch bei nahen Verwandten

Es ist schwül und dicke Regentropfen prasseln am späten Nachmittag auf die Baumblätter und Sträucher rund um die Gorilla Safari Lodge am Rande des Bwindi Nationalparks im Südwesten Ugandas. Dunstnebel steigen aus dem Regenwald, der die benachbarten Berge bedeckt und den Berggorillas Afrikas als letztes Refugium dient. Ganze 331 Quadratkilometer Nationalpark sind hier von ihrem Lebensraum übrig geb...

Seite 32
Leonhard F. Seidl

Die Anstifter

Wo gibt es das schon, dass ein ganzer Vorort nach einer Schriftstellerin benannt ist? In Afrika, genauer gesagt in Kenia. Karen ist ein Vorort von Nairobi, benannt nach Karen Blixen, der Autorin des verfilmten Beststellers »Jenseits von Afrika«. Ihr postkoloniales Erbe ist hier omnipräsent. Nicht nur ihr ehemaliges pompöses Wohnhaus mit Restaurant ist hier zu finden. Auch ein Museum zelebriert ihr...