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Unten links

Die allerneuesten Umfragen zur Bundestagswahl sind für die SPD, vorsichtig gesagt, beschissen. Nach Tief und Hoch und wieder Tief folgt nun - Tief. Zyklische Krisen sehen eigentlich anders aus. So war das nicht gedacht mit Kandidat Schulz, und so war es auch nicht gedacht mit dem jüngsten Erbauungsparteitag sowie der mittelschweren Frechheit, die Ehe für alle gegen den Koalitionspartner CDU/CSU du...

Tom Strohschneider

G20-Gipfel: Zweckmäßige Eskalation

Bei den Protesten in Hamburg gibt es genug Pulverdampf, um die von der Polizei verfolgte Strategie des Ausnahmezustands zu legitimieren. Differenziert wird nun kaum noch. Das wäre gefährlich für Polizei und Politik.

Festival der Pfeffersäcke

Berlin. Ein »Festival der Demokratie« solle der G20-Gipfel werden, hatte Hamburgs Innensenator Andy Grote versprochen. Doch was in Hamburg seit Tagen geschieht, dürfte eher jenen angereisten Staatslenkern gefallen, die mit Demokratie nicht viel am Hut haben. Am Donnerstagabend sprengte die Polizei eine bis dahin friedliche linksradikale Demo. Der Zug wurde schon nach wenigen Metern unter dem Vorwa...

Das ist der Gipfel

Gipfel-Blockaden teilweise erfolgreichFür Hunderte Gipfelgegner hieß es am Freitagmorgen früh aufstehen: Bereits ab 7 Uhr hatten sich die Aktivisten an mehreren Punkten in der Hamburger Innenstadt versammelt, um die Anreise der Staats- und Regierungschefs zum Tagungsort in den Messehallen zu behindern. Jana Schneider vom »Block G20« sagte am Freitagmittag, es sei gelungen, die Zufahrt der deutsche...

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Aert van Riel

Der ewige Gabriel

Sigmar Gabriel hat alles richtig gemacht. Anstatt aussichtsloser SPD-Kanzlerkandidat zu werden, ist er nun als Außenminister der zweitbeliebteste deutsche Politiker. Eine Überraschung ist das nicht. Der diplomatische Reisezirkus kommt beim Publikum traditionell gut an. In die andere Richtung verlief die Kurve von Martin Schulz. Er war als aussichtsreicher Kandidat und SPD-Chef gestartet. Doch die ...

René Heilig

Klima-Kapitulation

Das Pariser Klimaabkommen ist das Machbare, nicht das Notwenige. Zu wenig für die Nationen, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind. Gerade die bräuchten praktische Hilfe, und nicht Gespräche zwischen Putin und Trump.

Velten Schäfer

Beim Schärfen der Klinge

Es war nicht viel mehr als der Vollzug. Doch rufen zwei Gesetze, die nun den Bundesrat passiert haben, zwiespältige Gefühle hervor. Die Bestimmung, nach der legalen, aber als verfassungsfeindlich eingestuften Parteien die Mittel abgegraben werden dürfen, senkt die Schwelle staatlich-juristischen Eingriffs in die organisierte Meinungsbildung. Zugleich bezweckt das »Netzwerkdurchsetzungsgesetz« ein ...

Aert van Riel

Grüner Wortbrecher

Der grüne Hamburger Justizsenator Till Steffen hatte noch vor wenigen Wochen versprochen, dass friedliche Demonstrationen am Rande des G20-Gipfels möglich sein werden. Die Realität sieht nun anders aus.

Leo Fischer

Innenminister

Es gibt für Deutsche keine schlimmere Kränkung, als wenn man ihre Autos angreift. In den Kommentaren zu den G20-Protesten jedenfalls werden »brennende Autos« regelmäßig vor zertrümmerten Ladenfenstern und verletzten Personen erwähnt; letztere sind ersetzbar, aber der Nationalfetisch Auto ist mehr noch als Hymne und Flagge unabdingbar - als ein symbolisches Zentrum kleinbürgerlicher Aufstiegsideolo...

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René Heilig

Ganz bescheidene Ziele

Als 2015 klar war, dass Deutschland den nächsten G20-Gipfel ausrichten wird, war die Welt - nein, nicht gut - aber noch halbwegs in der gewohnten Ordnung. Aus heutiger Sicht jedenfalls. Im Weißen Haus saß noch Barack Obama. Über diesen Friedensnobelpreisträger lässt sich zwar allerlei Negatives sagen, nicht jedoch, dass er der erste US-Präsident war, dessen IQ unter dem eines Meerschweinchen rangi...

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Leo Rossi

Wenn Reichtum zum Problem wird

Das globale Wachstum des Kapitalismus ist zu schwach, beklagen Ökonomen. Die Regierungen der G20-Staaten versuchen nun, die Bedingungen für die nationale Wirtschaft zu verbessern - auf Kosten der anderen.

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René Heilig, Hamburg

Eine Ode für alle

Am ersten Tag des G20-Gipfels wurden zwei Arbeitssitzungen absolviert. Dann wartete ein kulturelles Highlight: In der Elbphilharmonie spielte man für die Promi-Gäste Beethovens »Neunte«.

Simon Poelchau

Die Widersprüche lösen

Die Gipfelgegner wollten in Hamburg nicht nur blockieren und demonstrieren, sondern auch diskutieren. Rund 2000 von ihnen kamen am Mittwoch und Donnerstag zum »Gipfel für globale Solidarität«.

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»Wir sind friedlich, was seid ihr?«

Für die linksradikale »Welcome to Hell«-Demo war nach ein paar Metern Schluss. Die Polizei wollte es so. Vorläufige Bilanz eines politischen Abends

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Uwe Kalbe

Gewaltritt durch den Paragrafendschungel

Die letzte Sitzung des Bundesrates vor der Sommerpause hatte es in sich: 115 Gesetzesentscheidungen waren am Freitag zu treffen. Die Länderkammer schaffte dies souverän. 14.00 Uhr war alles erledigt.

Jan Keetman

Anschwellender Marschkörper

Er läuft seit 15. Juni: Kemal Kilicdaroglu, Chef der türkischen Oppositionspartei CHP und die begleitenden Massen stehen vor Istanbul. Ihre Forderung: Gerechtigkeit.

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Festnahme von Audi-Manager

München. Bei den Ermittlungen gegen Audi in der Diesel-Affäre ist erstmals in Deutschland ein Beschuldigter festgenommen worden. Ihm werden Betrug und unlautere Werbung vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft München II am Freitag bestätigte. Der Mann sei am Montag festgenommen worden und sitze in Untersuchungshaft. Welche Rolle er in der Diesel-Affäre spielt und was ihm genau vorgeworfen wird, wo...

Stahlkonzern trifft Stöckelschuhe

Köln. Schrille Kostüme, Regenbogenfahnen, Konfetti, laute Musik - und der traditionsreiche Indus-triekonzern ThyssenKrupp mittendrin. Erstmals nimmt das Essener Unternehmen an der Christopher-Street-Day-Parade in Köln teil und zeigt damit Flagge auf der riesigen Party für Schwule, Lesben und Transsexuelle. Rund 950 000 Menschen werden von den Veranstaltern am Sonntag zu der Parade durch die Innens...

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Frankreich CO 2-neutral ab 2050

Pünktlich zum G20-Gipfel hat die französische Regierung einen ambitionierten Klimaschutzplan vorgelegt. Er ist ein starkes politischen Zeichen für die Umsetzung der Ziele des Weltklimaabkommens.

Finn Mayer-Kuckuk, Peking

Harte Zeiten für Schwertkämpfer

China übt Druck auf den Spiele-App-Entwickler Tencent aus: Kinder sollen nicht mehr den ganzen Tag daddeln. Tencent hat bereits eine Spielzeitbegrenzung eingeführt, aber das reicht der Politik nicht.

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Vorwärts immer ...

Für Konservative sind diese Zeiten in der Tat schwierig. Dinge, die sie für ewig gültig hielten, werden abgeschafft, verändert, und dies in einer Geschwindigkeit, die sie schwindelig machen muss. Das Rad der Zeit dreht sich immer schneller. Wurde vor Wochenfrist die gleichgeschlechtliche Ehe von einer überparteilichen Mehrheit im Bundestag beschlossen, so legte die Politik Anfang dieser Woche noch...

Boulevardzeitung für die AfD

Ein AfD-naher Verein aus Stuttgart will zur Bundestagswahl eine rechte Boulevarzeitung herausgeben. Der Verein hatte in den letzten Monaten versucht die Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen zu beeinflussen.

Christian Baron

Keine Macht den Dumpfbacken

Anfang 1949 erschien nach elf Jahren mal wieder ein Kinderbuch von Erich Kästner. 1933 waren seine Werke in Berlin öffentlich verbrannt worden, wenige Jahre später erhielt er Schreibverbot. Mit seinem ersten Roman nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zeigte er sich so zufrieden, dass eine Frage nahelag: Warum biete ich das Ding nicht einfach Walt Disney zur Verfilmung an? Ja, dem Walt Disney, der ...

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Thomas Blum

Der Tiefdenker

So manches Komma scheint per Zufallsgenerator gesetzt, dafür fehlen die Kommata nicht selten an anderen Stellen. Manch ein Satz hat nur bedingt etwas mit der deutschen Sprache zu tun. Auch an die Falschschreibung von Namen (»Charles Bukowsky«, »Yello Biafra«) hat man sich gewöhnt. Das ist alles wurscht, denn der Verfasser heißt Matthias Matussek. Von diesem Bescheidwisser und begnadeten Stilisten ...

Gunnar Decker

Schönreden ist Verrat an den Menschen

Am 8. Juli 2017 wäre Käthe Kollwitz 150 Jahre alt geworden. Sie verstand Kunst zuerst als Arbeit. Ihn ihrem Werk ringt die weltverändernde Absicht beständig mit dem künstlerischen Anspruch.

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Die dunkle Champagne

Das sechste Teilstück zwischen Vesoul und Troyes hatte es in sich. Sportlich war alles klar, Sprintfinale auf einer Flachetappe. Am Straßenrand spielte sich aber eine ganze Menge ab. Menschen etwa, die sich in die Uniformen der Sturmtruppler aus dem »Krieg der Sterne« geworfen hatten, standen auf der Grasnarbe neben dem Asphalt und wirkten sehr martialisch. Angeführt wurden sie natürlich vom Ritte...

Leipzigs Handballerinnen bleiben erstklassig

Damit hatte kaum noch jemand gerechnet: Die Handballerinnen des HC Leipzig dürfen unter bestimmten Bedingungen doch in der Bundesliga bleiben. Die besten Spielerinnen sind aber längst weg.

ndPlusTom Mustroph, Nuits-Saint-Georges

Die Straße wird immer enger

Sprintankünfte waren bei der Tour de France schon immer gefährlich - aber sie haben sich noch einmal verändert. Da immer mehr Akteure auf vordere Platzierungen aus sind, herrscht mittlerweile das Chaos im Feld.

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Oliver Kern

Schmerzloser Verzicht

Schlecht über Dirk Nowitzki zu reden, ist nicht einfach. Der Würzburger war mal der beste Basketballer der Welt und zudem schon immer ein ganz Netter. Witzig, zurückhaltend, Typ Schwiegermamas Liebling. Er spendet für Flüchtlinge und veranstaltet Charity-Events in den USA und Deutschland, auf denen er Millionen Dollar und Euro für Kinder einsammelt. Da sitzt das Lob lockerer als der Tadel.An diese...

Frank Hellmann

Schön spielen und erfolgreich sein

Steffi Jones tritt als Bundestrainerin der deutschen Fußballerinnen ein schweres Erbe an. Nach dem Olympiasieg im vergangenen Jahr übernahm die 44-Jährige die DFB-Auswahl. Zur EM fährt das Team als Titelverteidiger.

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Nicolas Šustr

Populistenparty in Tegel

Die ohnmächtige Wut über den nicht fertig werden wollenden Flughafen BER ist nachvollziehbar. Nur ist die Offenhaltung Tegels keine Lösung dafür. Da wundert es nicht, dass CSU-Verkehrsminister Dobrindt darauf anspringt.

Nicolas Šustr

Protest gegen Weiterbau der Autobahn 100

»Wohnen statt Autobahn« fordern die Mitglieder des Bündnisses »A 100 stoppen!«. Am Sonntag soll ein Flashmob den riesigen Flächenverbrauch verdeutlichen.

Johanna Treblin

Wo bitte geht’s zum Kaufvertrag?

Am 20. Juni 1992 wurde die Kastanienallee besetzt - getarnt als Kunstaktion. 25 Jahre später ist der damalige Charakter erhalten geblieben.

Nicolas Šustr

Auch Dobrindt fliegt auf Tegel

Parallel zum gefühlt ewig unvollendeten Baugeschehen rund um den neuen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld dreht die Diskussion um eine Offenhaltung des Airports Tegels weitere Pirouetten.

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Andreas Fritsche

XY-Bande wieder auf dem Plan

Am 4. Juli wurde ein ehemaliges Mitglied der Neuruppiner XY-Bande auf frischer Tat erneut beim Drogenhandel ertappt.

Andreas Fritsche

Nebulöse Nationalisten

Die Theorie, die Nationale Bewegung habe es gar nicht gegeben, erscheint gewagt. Einiges spricht indessen für die Mutmaßung, im Blood&Honour-Netzwerk platzierte V-Leute sollten gedeckt werden.

»Behinderte werden ghettoisiert«

Am nächsten Samstag läuft die vierte »Behindert und verrückt feiern«-Parade durch Kreuzberg. Was bedeutet dieses Event für Sie?Ich habe die ersten beiden Paraden mit vorbereitet. Viele Menschen mit Behinderung in dieser Stadt haben das sofort aufgegriffen, um sich zu zeigen. Wir sind faktisch ausgegrenzt und auch mit Scham behaftet - man schämt sich ja irgendwann für seinen nicht funktionierenden ...

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Experimente für den Kopf

Büsum. In Büsum an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins hat vor wenigen Tagen das Erlebniszentrum »Phänomania« seine Tore geöffnet. Mehr als 200 Experimentierstationen sollen physikalische Phänomene und die Welt der menschlichen Sinne erlebbar machen. Das Ziel sei, Hemmschwellen zu jenen Wissenschaftsbereichen abzubauen, die im Schulunterricht oft zu trocken präsentiert werden, sagte Geschäftsführ...

Petra Albers, Köln

Die Seilbahn ist langsam im Kommen

In einer Gondel über den Dächern schweben, den Stau umgehen und stattdessen die Aussicht genießen - Seilbahnen als alternative Verkehrsmittel sind in Deutschland noch weitgehend Vision. In der Vergangenheit kamen immer mal wieder in verschiedenen Kommunen solche Pläne auf - und waren dann meist bald wieder vom Tisch. Zurzeit laufen in Bonn und Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) ernsthafte Diskussione...

Hendrik Lasch, Leipzig

Geraubte Doktortitel

Schwule wurden in der NS-Diktatur nicht nur vom Staat verfolgt. Akademiker unter ihnen erlitten auch Demütigungen ihrer Universitäten. In Leipzig wird das jetzt erstmals in einer Ausstellung thematisiert.

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Zum Abschluss

Nach einer Woche geht das Kunstfestival »Acht Tage Marzahn« an und um die Marzahner Promenade am Samstag zu Ende. Zum Abschluss präsentieren die Organisatoren noch einmal Highlights aus dem Festivalprogramm. So stellen um 17 Uhr Stephan und Uli Wilke die vermeintlich größte Bierdeckelsammlung Marzahns vor und geben eine Einführung in die Sammlung. Robert Barbarino führt um 14.30 Uhr Interessierte ...

Und vorbei

Mit einer »Kalligraphie-Performance« geht am Wochenende in der Berliner St.-Thomas-Kirche die Ausstellung »Einander Sehen« zu Ende. Seit Mitte Mai seien mehr als 4000 Besucher in der Kalligraphie-Ausstellung mit Werken des aus Pakistan stammenden Künstlers Shahid Alam gezählt worden, teilte das Berliner Missionswerk der evangelischen Landeskirche am Mittwoch mit. Zu sehen ist etwa das »Vaterunser«...

Alles am Ende

Alles geht zu Ende. Die Spielzeit an den Berliner Bühnen geht zu Ende. Die Stummfilmzeit ist schon lange zu Ende. Der Untergang des Abendlandes hat längst stattgefunden, Theatertitanen verlassen den Olymp. Da ist es Zeit für einen Stummfilmabend zum Thema: Ende. In der Bar des Deutschen Theaters sammeln Dietrich Brüggemann, Lars Künstler (Video) und Lars Zander (Klarinette) die Enden von 10, 20 od...

Von Berlin in die Welt

Die Senatsverwaltung für Kultur schreibt für das Jahr 2018/2019 wieder Kulturaustausch-Stipendien in verschiedenen Bereichen aus. Im Bereich Bildende Kunst zum Beispiel für Studienaufenthalte in Istanbul, Tokio, New York und Los Angeles. Im Bereich Bildende Kunst, Literatur, Tanz für Studienaufenthalte in Paris oder im Bereich Comic und Graphic Novel ebenfalls in Paris. Interessenten können aber a...

Immer mehr Schüler ohne Abschluss

Berlin. Nach einer neuen Studie der Caritas steigt die Zahl der Schüler, die ohne Abschluss entlassen werden. Jeder 17. Jugendliche verlasse in Deutschland die Schule ohne Abschlusszeugnis, teilte der katholische Wohlfahrtsverband mit. Insgesamt hätten es 2015 bundesweit 47 435 Jugendliche nicht geschafft, den Hauptschulabschluss zu erlangen. Das zeige eine neue Bildungsstudie, die auf Daten aus ü...

Hagen Jung

Eine Straße für zwei Helmuts

Wieder mal gibt es in Hannover Streit um die Benennung einer Straße. Soll der verstorbene Helmut Kohl mit einer solchen geehrt werden? Oder Altkanzler Helmut Schmidt? Oder beide zusammen?

Manuela Lintl

Mit Motorsäge und Vorschlaghammer

Mit dem frisch restaurierten Schloss Biesdorf verfügt Marzahn-Hellersdorf seit September 2016 über eine interessante neue Ausstellungsstätte speziell für zeitgenössische Kunst mit Bezügen zu Architektur, Landschaft und öffentlichem Raum. Kooperationspartner des neuen »Zentrums für Kunst und öffentlichen Raum« (ZKR) ist das Staatliche Kunstarchiv Beeskow mit seinem Bestand an rund 23 000 Gemälden, ...

Volkmar Draeger

Malerei zwischen Pop-Art und Tradition

Alles, was er herstelle, geschehe aus Bewunderung jener Kunst, die ihn interessiere, liest man in den Notizheften von Michel Majerus. Und: Am liebsten sei ihm, wenn jemand ein Bild kauft, dass er es zu verstehen suche und auch wieder nicht verstehe. Oder: Ich will wissen, wo ich gerade stehe mit meiner Malerei. Aussagen eines suchenden jungen Künstlers, dem lediglich ein Jahrzehnt des Schaffens ve...

Andreas Hummel, Rehungen

Wie viel Wild verträgt der Wald?

Rehe sind scheue Waldbewohner. Doch sie fressen Triebe junger Bäume, was bestimmte Baumarten im Bestand bedroht. Was sollen Jäger und Waldbesitzer tun? Die Meinungen gehen weit auseinander.

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Wolfgang Hübner

Sieben Tage, sieben Nächte

Als ich noch in die Schule ging, hatten wir alle ein bisschen Angst vor Norbert. Norbert war größer als alle anderen, und er war stärker. Er war nicht besonders klug, aber dafür schlau. Mittags bei der Essenausgabe drängelte er sich vor, beim Schulsport schubste er die anderen, auf Klassenausflügen sicherte er sich die besten Fensterplätze im Bus oder in der Bahn. Gern nahm er in der Unterrichtspa...

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ndPlusAnja Bengelstorff, Nairobi

Kenias Jugend startet durch

Eine Gelegenheit, ihr Land in die eine oder die andere Richtung zu lenken, bietet sich im nächsten Monat: Am 8. August wählt Kenia neue Abgeordnete, vom lokalen Parlament bis zum Präsidenten.

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Martin Ling

Entwicklungspolitik aus keinem Guss

Die Botschaft der wachsenden Relevanz und Wirkmächtigkeit Afrikas ist bei der deutschen Bundesregierung angekommen. Nicht nur das Entwicklungsministerium, sondern auch Kanzleramt, Finanz- und Wirtschaftsministerium haben vor dem G20-Gipfel Afrika-Konzeptpapiere vorgelegt. Die umfassendste Vorstellung einer Neugestaltung der Beziehungen kommt aus dem Hause von Gerd Müller: «Wir brauchen einen Parad...

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Nachrufe

Klaus Dönecke 23. 2. 1955 - 4. 7. 2017 Als der Polizeibeamte Klaus Dönecke eines Tages vor mehr als 20 Jahren den Entschluss fasste, im Polizeipräsidium Düsseldorf aufzuräumen und die gestapelten, verstaubten Kisten und meterweise Aktenordner zu durchforsten, um Platz zu schaffen, ahnte er nichts von dem Fund, auf den er stoßen sollte und der ihn zum ersten deutschen Polizisten machte, d...

Reiner Oschmann

Die Frau mit dem längsten Atem

Am 14. September 2001 stand Barbara Lee, die Afroamerikanerin mit dem runden Gesicht, den kleinen Locken und den warmen Augen, plötzlich sehr allein. Es war der erste Freitag nach Dienstag, dem 11. September, jenem für die USA schwarzen Tag, an dem Al-Qaida-Terroristen Passagierflugzeuge zu Raketen ummodelten und dreitausend Menschen ermordeten. Drei Tage nach Nine-Eleven ergriff die Abgeordnete d...

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Tom Strohschneider

Mehr China, bitte

Allzu eng war die Verbundenheit vieler westdeutscher Linker mit dem kulturrevolutionären China, eher nicht vorhanden die zwischen ostdeutschen Linken und dem Reich der Mitte. Warum ist das so?

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Lösung Nr. 227

Beim letzten Mal fragten wir nach Alma Mahler-Werfel. Gewonnen haben:Andrea Biro, PotsdamHelmut Weise, SchwedtSabine Wilke, Leipzig.Rätselantworten per Post an: neues deutschland, Steckbrief, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, oder per E-Mail an: steckbrief@nd-online.deDie Einsender/Gewinner erklären sich mit der Veröffentlichung ihrer Namen und Wohnorte einverstanden....

Paula Irmschler

Engagement für alle

Homosexuell zu sein, bedeutet eben nicht automatisch, ein revolutionäres Subjekt zu sein, sondern schlichtweg behandelt werden zu wollen, wie alle. Alles darüber Hinausgehende kann man nur gemeinsam schaffen.

Meister des bissigen Humors

Er wurde als fünftes Kind eines studierten Juristen geboren und lebte mit seiner Familie in eher bescheidenen Verhältnissen. Als er elf Jahre alt war, starb sein Vater. Er brach daraufhin die Schule ab und begann eine Lehre als Schriftsetzer. Nebenher schrieb er für die Zeitung seines Bruders kurze Artikel und mit 17 seine erste größere Geschichte, die er unter einem Pseudonym veröffentlichte. Nac...

Martin Koch

Die letzte aller Türen

Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord«, schrieb der französische Existenzialist Albert Camus. »Die Entscheidung, ob das Leben sich lohne oder nicht, beantwortet die Grundfrage der Philosophie.« Auch an Büchern, die dem Thema Suizid gewidmet sind, besteht kein Mangel. Ein weiteres ist jetzt dazugekommen, eines, dessen Lektüre unbedingt lohnt. Es stammt aus der Fed...

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Jasper Nicolaisen

Die Bienenangler von Wuppertal

Morgens, halb zehn in Deutschland. Berlin, Watergate. Der Club direkt am Wasser, der im Namen schon alles zusammenbringt: inbetween Stauffenberg und Trump, Skandale und Skandälchen. Oder auch: ich und Olli. Es stinkt nach Red Bull und Millennials. Im Licht der aufgehenden Sonne zittert die Reflexion zweier Vögelnder in der Spree, die beim Akt aufs Smartphone gucken. Ist das noch Techno oder schon ...

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tgn

Ausbildung DaF/DaZ

Die Ausbildung zur Lehrkraft für Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache (DaF/DaZ) erfolgt an Universitäten in Bachelor- und Masterstudiengängen, deren Abschlüsse in Verlage, Erwachsenenbildung und auswärtige Kulturarbeit führen, nicht aber zum Lehramt. Gleichwohl arbeiten einige Lehrkräfte an Schulen und im Auslandsschulwesen. Häufig haben Studierende die Wahl zwischen dem Schwerpunkt DaF und DaZ. D...

Ausbeutung mit System

Seit der Flüchtlingsbewegung hat die Arbeit von DaF/DaZ-Lehrkräften an gesellschaftlicher Bedeutung gewonnen, ohne dass die Infrastruktur sich verbessert hätte. Dies ist nicht verwunderlich, da weder dieser Markt frei ist noch die Politik genügend verantwortlich handelt. Das Problem ist systemimmanent. Die Ausbildung der Sprachlernkräfte führt auf den freien Markt, der zuvor durch den Aufwuchs an ...

Lena Tietgen

Gemeinsam sind sie stark

Im Mai 2016 schlossen sich bundesweit Lehrkräfte für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaF/DaZ) zum Bündnis »DaF/DaZ-Lehrkräfte« zusammen (dafdaz-lehrkraefte.de). Geringe Honorare, befristete Verträge, große und stark heterogene Lerngruppen zeichnen ihre Arbeitsbedingungen aus, so dass vermehrt Lehrkräfte in andere Bereiche wechseln. Gemeinsam mit Gewerkschaften wollen sie sich nun verstärkt fü...

ndPlusJürgen Amendt

Sprachunterricht auf Hartz-IV-Niveau

Das deutsche Bildungssystem ist nach wie vor unzureichend auf Zuwanderung eingerichtet. Integration kann vor allem über Sprache gelingen. Aber vor allem in die Deutschkurse wird zu wenig investiert.

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Steffen Schmidt

Dicke Balken brennen schlecht

Bei Holz im Bauwesen denkt man wohl zuerst an alte Fachwerkhäuser oder rustikale Balkendecken. Ein Inbegriff des modernen Bauens ist das wohl älteste Baumaterial des Menschen bislang nicht. Und doch gibt es in aller Welt gerade eine Renaissance des Holzbaus. Und längst sind es nicht nur Einfamilienhäuser oder Berghütten in den Alpen. Ob große Bürohäuser in Österreich oder Australien, ein 18-stöcki...

Bengt Arvidsson, Stockholm

Himmlisches Holz

Hochhaus und Holzhaus, diese Begriffe scheinen sich zu widersprechen. Das eine ist kalt und aus hartem Beton und Stahlträgern. Das andere atmet knarrend, aber gemütlich in idyllischer Landschaft, so das Klischee. Doch inzwischen widerlegen immer mehr Architekten weltweit diese Vorstellung. Gerade im über die Hälfte mit Bäumen bedeckten Schweden hat man sich besonders frühzeitig auf die lange Holzb...

Seite 26
Iris Rapoport

Gezähmtes Kalzium

Ganze Gebirge aus Kalk sind mit ihren Fossilien steinerne Zeugen der biologischen Bedeutung des Kalziums von Urzeiten her. Auch der Mensch trägt mit einem Kilo Apatit viel schwer lösliches Kalziumsalz mit sich herum. Dessen unzählige winzige Kristalle verleihen Knochen und Zähnen Stabilität.Doch das Metall kann weit mehr! In den Körperflüssigkeiten gelöst, erfüllen freie Kalziumionen unglaublich v...

Verfrühter Besuch aus Afrika

Der Oberschenkelknochen eines auf der Schwäbischen Alb entdeckten Neandertalers wirft ein neues Licht auf den Weg der Menschen aus Afrika. Ein internationales Forscherteam hat das Erbgut aus dem Knochen entschlüsselt und berichtet darüber im Fachjournal »Nature Communications« (DOI: 10.1038/NCOMMS16046). Das über-raschende Resultat: Eine Gruppe Urmenschen muss Afrika schon vor 300 000 bis 400 000 ...

Norbert Suchanek

Die Verdammung des Amazonasgebietes

Das Amazonasbecken ist das größte Wassereinzugsgebiet der Erde mit einer Ausdehnung von 6,1 Millionen Quadratkilometern von den Anden bis zum Atlantik. Insgesamt 140 Dämme sind in Bau oder bereits fertiggestellt und 288 neue Wasserkraftwerke sind in Brasilien, Peru, Bolivien und Ecuador geplant, von denen die meisten bereits von den brasilianischen Präsidenten Lula da Silva und Dilma Rousseff in A...

Seite 27

Wochen-Chronik

8. Juli 1497 Der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama tritt mit seinem Flaggschiff, der »Nau São Gabriel«, sowie der »Nau São Rafael« unter dem Kommando seines Bruders Paulo da Gama und einem dritten Schiff von Lissabon aus seine Reise an, auf der er das Kap der Guten Hoffnung umsegeln wird. Das Ziel der Suche eines Seeweges nach Indien war es, den arabischen, persischen und venezianischen ...

Annelis Kimmel und Günter Burkhardt

Hans Jendretzky

Im Juli ehren der Verein Freie Deutsche Gewerkschaften e.V. und die Basisorganisation Berlin-Adlershof der Linkspartei einen aufrechten Gewerkschafter und Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit zu dessen rundem Geburts- und Todestag. Hans Jendretzky wurde vor 120 Jahren, am 20. Juli 1897, in einer Buchdruckerfamilie in Berlin geboren. Nach dem Schulabschluss erlernte er den Beruf eines Schlosser...

Ralf Klingsieck

Der fast vergessene Krieg

Eine Ausstellung im Pariser Armeemuseum, das sich in dem unter Ludwig XIV. errichteten ehemaligen Militärkrankenhaus und Veteranenheim Hotel des Invalides befindet, erinnert gegenwärtig an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Während dieser Krieg, der die von Bismark vorangetrieben Einigung der deutschen Staaten vollendete, in Deutschland zum Allgemeinwissen gehört, ist er in Frankreich we...

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mim

Denklösung »Tüfteln«

Auf »Tüfteln und Werkeln« vom 1./2. Juli antwortete Hilmar Frötschner aus Wäschenbeuren kurz und bündig: Benjamin wurde Erster. Schließlich fuhr Arnd die erste Streckenhälfte im Langsamgang, benötigte so mehr als die Hälfte der Gesamtzeit, Benjamin fuhr nur die Hälfte der Zeit im Langsamgang und damit länger im Schnellgang als Arnd. Herrn Frötschner loste die Glücksfee auch für den Buchpreis aus: ...

Udo Bartsch

Box in der Box in der Box in der Box in der Box

In der Box steckt eine Box mit einer Box mit einer Box mit einer Box. Diese fünf Schachteln werden aneinander befestigt - fertig ist die Pinguinschule: Klassenraum, Sporthalle, Mensa, mit Wänden und Durchlässen. Bis zu drei Novizen starten. Der Hausmeister legt sich auf die Lauer. Denn die frechen Schüler wollen ausbüxen und Fische fangen.»Icecool« wäre nur halb so cool ohne seine besonderen Figur...

Carlos Garcia Hernández

100 Jahre am Brett

Möglicherweise ist ein Menschenalter von 110 Jahren irgendwann einmal keine große Ausnahme mehr. Bislang ist es das. So wie es der gebürtige Ungar Zoltán Sárosy war, der jüngst kurz vor seinem 111. Geburtstag starb. Er war der älteste Einwohner Kanadas - und Internationaler Meister im Fernschach.Zum ersten Mal sah er Schach als Zehnjähriger an der Hand seiner Mutter in einem Budapester Park. Am nä...

Mike Mlynar

Ein Spagat, zwei Aufgaben

»Ich kann mir Ihren Spagat schon vorstellen, lieber Herr Mlynar«, schrieb dieser Tage Michael Löffler aus Allstedt. »Ist das Rätsel zu schwer, schreibt Ihnen keiner, ist es zu leicht, dann denkt man als Denkspieler: ›Das kann ich mir sparen, da machen Hunderttausende mit‹.« Ihm jedenfalls sei statt einer eher einfachen Frage immer eine Aufgabe lieber, die ihn richtig »reizt und beschäftigt«, selbs...

Lächeln als Spielgewinn

Ihr Weg zum Spieleverleger nimmt sich wie ein kleines Wunder aus. Es heißt, Sie hätten zuvor Haarpflegeprodukte verkauft?Das stimmt. Schon meine Mutter war bei der Firma beschäftigt, bei der ich eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann machte. Eine Zeit lang habe ich auch in der Branche gearbeitet.Doch dann kamen »Die Siedler von Catan«, das Spiel, das für viele Menschen ein Türöffner zu modernen B...

Seite 30
Harald Schmidt

Eine Wiese im Meer

Untergetaucht im vorwiegend flachen Mittelmeerwasser ausgewählter Küsten wiegen sie, den Wasserströmungen angepasst, ihre saftig grünen Blätter. Im Ensemble schwebt das Posidoniagras (dt. Neptungras) wie ein Ballett. Ein grünes Meer inmitten eines blauen. Flach sind die Blätter, zwei bis drei Zentimeter breit. Großflächige Wiesen bilden sie vor einigen Küsten des Mittelmeeres, bevorzugt an In...

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Heidi Diehl

Grenzenloses Miteinander

Man braucht schon eine Karte mit sehr großem Maßstab, um Bildein zu finden. Jenen 350-Seelen-Ort im Südburgenland im Dreiländereck Österreich, Ungarn, Slowenien. Ein Dorf, in dem vor knapp 30 Jahren noch der sprichwörtliche Hund begraben lag und es für viele Einheimische nur eine Devise gab: Nichts wie weg! Dabei lebten die Menschen hier jahrhundertelang friedlich und grenzenlos miteinander, ...

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ndPlusChristin Odoj

Das Leben rückwärts leben

Stefanie Kaps wurde früh Mutter und zog ihren Sohn allein groß. Sie hat lange gebraucht, um ihren eigenen Weg zu finden. »Ich wollte immer mehr vom Leben, als in diesen vorgefertigten Strukturen möglich war.«