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Unten links

Wissen Sie schon, was Sie zu Weihnachten verschenken wollen? Noch nicht? Dann denken Sie doch mal über Diamanten nach. Die sind zurzeit noch ziemlich teuer, gewiss, aber das ist bald vorbei. Denn Geologen haben neulich gigantische Diamantenvorkommen entdeckt. Tief in der Erde drin. Zehn Billiarden Tonnen. Das sieht ausgeschrieben so aus: 10 000 000 000 000 000. Das Zeug liegt in ungefähr 200 Kilom...

Maduro zeigt auf Kolumbien und USA

Caracas. Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro hat neben seinem kolumbianischen Kollegen Juan Manuel Santos auch Exilvenezolaner in den USA für den angeblichen Anschlagsversuch gegen sich verantwortlich gemacht. Erste Erkenntnisse zeigten, dass die Geldgeber in Florida sitzen würden, sagte Maduro nach dem Zwischenfall am Samstagabend während einer Militärparade in der Hauptstadt Caracas.»Ich hoffe,...

Lob und Kritik aus der SPD

Berlin. Zum Start ihrer Sammlungsbewegung hat Linkspartei-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht einem Bündnis mit SPD und Grünen eine Absage erteilt. Solange die SPD an der Agenda 2010 festhalte und die Grünen nichts wesentlich anders machen wollten als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sei Rot-Rot-Grün »kein attraktives Projekt«, sagte Wagenknecht der Funke Mediengruppe.SPD und Grüne kritisierten ...

Israels Drusen demonstrieren

Tel Aviv. Zehntausende Menschen, darunter viele Angehörige der drusischen Minderheit in Israel, haben in Tel Aviv gegen das neue Nationalstaatsgesetz demonstriert. Nach israelischen Medienberichten marschierten rund 50 000 Demonstranten am Samstagabend durch die Stadt. Die Drusen sehen sich durch ein im Juli verabschiedetes Gesetz diskriminiert, in dem unter anderem Hebräisch zur alleinigen Nation...

Wolfgang Hübner

Ein Versuch

Die Sammlungsbewegung von Sahra Wagenknecht könnte ein Ausbruch aus der politischen Routine sein. Die Linke insgesamt stärker machen würde sie, wenn sie kein Instrument einzelner, kein Hebel im innerparteilichen Machtkampf ist.

Entwaffnend

Berlin. Im Mai 2017 hat der Bundestag beschlossen, die Zahl »illegal zirkulierender Waffen zu verringern«. Ein Jahr lang konnten Bürgerinnen und Bürger Pistolen oder Gewehre bei den Behörden abgeben. Sie mussten keine Strafverfolgung befürchten, auch wenn sie die Waffe eigentlich gar nicht besitzen dürften. Denn die Regelung sah eine auf ein Jahr befristete Amnestie vor. nd-Redakteur René Heilig h...

Arbeit für den Bauminister

In Deutschland hat es im vorigen Jahr nur noch 1,2 Millionen Wohnungen mit Mietpreisbindung gegeben. Um die Jahrtausendwende waren es noch mehr als doppelt so viele.

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Oliver Eberhardt, Kairo

Spontane Proteste in iranischen Städten

In vielen iranischen Städten hat es am Wochenende Proteste gegeben; mindestens ein Mensch kam ums Leben. Denn es herrscht eine tiefe Wirtschaftskrise; die Führung ist zerstritten.

Oliver Eberhardt, Kairo

Bedrohliche Auswirkungen

An diesem Montag treten die US-Sanktionen gegen Iran wieder in Kraft; mehrere Länder in der Region lassen nun die Muskeln spielen, während sich westliche Unternehmen zurückziehen.

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ndPlusHendrik Lasch, Pödelwitz

Pödelwitzer Wiederbelebung

Im sächsischen Dorf Pödelwitz, das 2028 der Kohle weichen soll, fand erstmals ein Klimacamp statt. Dabei kam es auch zur friedlichen Blockade eines Kohlekraftwerks.

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Stefan Otto

Reise in die Vergangenheit

Die Gründe für eine Abschaffung der Wehrpflicht vor sieben Jahren waren stichhaltig. Der Bundeswehr halfen die vielen Jugendlichen in Uniform nicht weiter. Es war eher ein symbolischer Dienst an der Waffe. Um ihre Aufgaben wahrzunehmen, braucht die Bundeswehr eine handlungsfähige Berufsarmee, da waren sich alle Wehrexperten einig. Die jetzt aufgekommene Diskussion über eine Rückkehr zur Wehrp...

Eva Roth

Der Spalter

Der FDP-Chef Lindner ist angeblich für eine offene und tolerante Gesellschaft. Tatsächlich trägt er jedoch dazu bei, Vorbehalte gegen Ausländer und Menschen mit Migrationshintergrund zu schüren. Zur metwo-Debatte, in der Menschen über Alltagsrassismus berichten, sagte er: Es gebe hierzulande seit langem Alltagsdiskriminierung, was tatsächlich nicht zu leugnen ist. Gleichzeitig befand Lindner:...

Martin Ling

Brasiliens PT setzt alles auf eine Karte

Unter normalen Umständen wäre es eine Formsache: Die brasilianische Arbeiterpartei PT nominiert ihr populäres Aushängeschild Luiz Inácio »Lula« da Silva zum Präsidentschaftskandidaten, weil sie sich davon die besten Siegchancen verspricht. Es sind aber keine normalen Umstände: Brasiliens Expräsident sitzt wegen Korruptionsvorwürfen in Haft. Auch wenn das letzte Urteil über die angeblichen, bi...

Nelli Tügel

Der Mustermigrant

Ali Can hat #MeTwo angestoßen. Es ist nicht das erste Mal, dass er sich einmischt: Mit der »Hotline für besorgte Bürger« machte Can AfD-Wählern und PEGIDA-Anhängern ein Gesprächsangebot. Nicht alle teilen seine Haltung.

Jörg Staude

Wer braucht noch linke Medien?

Wird über die Medienkrise und die Zukunft des linken Journalismus nachgedacht, geht es meist um das Adjektiv »links« und wenig um das Hauptwort »Journalismus«. Von den Machern linker Medien wird das meist damit »erklärt«, man würde ja so gern auch investigativ und reportagehaft und hintergründig arbeiten, aber dafür sei - leider, leider - die Finanzlage des jeweiligen Verlages zu prekär. Kein...

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Britta Rybicki

Protest gegen das Sterben im Mittelmeer

Bundesweit gingen am Samstag Tausende in Dutzenden Städten auf die Straße. »Die Fluchtursachen bekämpfen, nicht die Geflüchteten« hieß es in vielen deutschen Städten. Auch in Köln fanden Aktionen statt.

René Heilig

Fehlende Flinten

Der deutsche Bundestag hat vor über einem Jahr eine bundesweite Waffenamnestie verkündet. Auch wer illegales Zeug loswerden wollte, konnte das ohne Sorge vor Strafen tun. Was hat das gebracht? Eine Umfrage.

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CDU will zurück zur Wehrpflicht

Berlin. In der CDU mehren sich die Stimmen, die Wehrpflicht wieder einzusetzen oder eine allgemeine Dienstpflicht zu schaffen. »Wir brauchen die Wehrpflicht, und sie soll für Männer und Frauen gelten«, sagte der nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg der »FAZ«. Es solle ein verpflichtendes Jahr eines Dienstes geben, »und wer nicht zur Bundeswehr geht, kann es anderswo ableis...

René Heilig

Marine setzt auf Untergang

Es ist nicht ganz so einfach mit der Tradition der Bundeswehr. Selbst Städtenamen sind nicht so unverfänglich wie man glauben machen will.

Gesa von Leesen, Mannheim

»Eine herbe Niederlage für die Pressefreiheit«.

Die Stuttgarter Wochenzeitung »Kontext« berichtete über Chatprotokolle, die von einem AfD-Mitarbeiter stammen sollen. Dieser dementierte, es kam zur Verhandlung. Der Richter entschied zugunsten des Rechten.

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Nordkorea reagiert pikiert

Singapur. Der Aufruf der USA, den Druck auf Nordkorea durch Sanktionen voll aufrecht zu erhalten, ist in Pjöngjang auf deutliche Kritik gestoßen. Der nordkoreanische Außenminister Ri Yong Ho sagte am Samstag beim Regionalforum des südostasiatischen Staatenverbands Asean in Singapur, sein Land sei »fest entschlossen«, das im Juni unterzeichnete Abkommen zur atomaren Abrüstung Nordkoreas umzusetzen....

Knut Henkel

Perus Präsident kämpft mit der Korruption

Nachdem Perus politisches System durch zahlreiche Korruptionsfälle an Glaubwürdigkeit eingebüßt hat, will Präsident Martín Vizcarra mit einer Reform des Justizwesens und einem Referendum gegensteuern.

Oliver Eberhardt, Kairo

Enttäuscht, aufgebracht, wütend

Im Vorfeld der Proteste vom Wochenende hatte Regierungschef Benjamin Netanjahu der drusischen Gemeinschaft in Israel Nachbesserungen am umstrittenen Gesetz angeboten. Vielen reicht das nicht.

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Weltfriedensglocke läutet am Montag zum Hiroshima-Jahrestag

Berlin. An diesem Montag jährt sich der erste Atombombenabwurf über Hiroshima zum 73. Mal. An den unmittelbaren Folgen der Atombombenabwürfe durch US-Streitkräfte über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 starben mehr als 200 000 Menschen. Im Gedenken daran wird am Montagabend die Berliner Weltfriedensglocke läuten. Die Anti-Atomwaffen-Initiative ICAN, die i...

Anna Maldini, Rom

»Mit Rassismus hat das nichts zu tun«

Der Innenminister hetzt gegen Migranten, der Familienminister will das Gesetz abschaffen, das Aufrufe zu Gewalt aufgrund von Hautfarbe und Religion unter Strafe stellt. Die Fünf Sterne schweigen. Italien hat ein Rassismusproblem

Dubioser Anschlag auf Präsident Maduro

Nach dem mutmaßlichen Anschlag auf Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro will die Generalstaatsanwaltschaft am Montag Details zu den Hintergründen preisgeben. Die Festgenommenen seien geständig.

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Tierschutz soll besser werden

Düsseldorf. Das Bundesagrarministerium hat die Länder einem Zeitungsbericht zufolge ermahnt, stärker gegen Tierquälerei in Landwirtschaftsbetrieben vorzugehen. Agrarstaatssekretär Hermann Onko Aeikens forderte in einem Brief an seine Kollegen in den Bundesländern, Defizite bei Kon- trollen in Ställen müssten behoben werden, wie die »Rheinische Post« berichtet.Darin heiße es weiter, Verstöße gegen ...

Am Freitag wieder Streiks bei Ryanair

Dublin. In der Ferienzeit müssen sich Reisende wieder auf Streiks bei Europas größtem Billigflieger Ryanair gefasst machen. Am Freitag werden insgesamt 104 Flüge von und nach Belgien gestrichen, teilte das Unternehmen bei Twitter mit. Zudem seien am selben Tag Schweden (22 Flüge) und Irland (20) betroffen. Auch Passagiere in Deutschland und den Niederlanden könnten betroffen sein. Die Pilotengewer...

Jan Keetmann

Teure diplomatische Verstimmung

Die Türkei und die USA streiten weiter um die Freilassung eines US-Pastors sowie die Sanktionen gegen zwei türkische Minister. Dass die Probleme schnell gelöst werden, ist nicht zu erwarten.

ndPlusChrista Schaffmann

Kämpfen lohnt sich doch

Mosambiks Kleinbauern wehrten sich jahrelang gegen ein landwirtschaftliches Großprojekt, dessen Gewinne in der Hauptsache an internationale Agrarkonzerne geflossen wären. Und hatten Erfolg.

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Stefan Bollinger

Deutschland, deine Revolutionen?

Die Geschichtsschreibung streitet bis heute darüber, wie die Revolution von 1918 zu deuten ist. Sicher ist, dass der Sozialdemokratie damals eine Schlüsselrolle zukam.

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Johanna Treblin

Nicht nur eine Sorge weniger

Es hat lange gedauert, bis der Ansatz auch in Berlin angekommen ist. Die Idee von Housing First, was in etwa so viel heißt wie: »Zuerst die Wohnung«, wurde bereits in den 90er Jahren in New York entwickelt. Mittlerweile haben auch Finnland und Großbritannien ähnliche Projekte gestartet, und auch in Deutschland gibt es Vorbilder. Längst gibt es Studien, und ein »Housing First Guide Europe« findet e...

Nachwuchs für die Polizei aus ganz Europa

Berlins Polizei plagen Personalsorgen. Ihre Chefin will dem Problem mit einem unkonventionellen Vorschlag beikommen - und erntet prompt Kritik der politischen Opposition.

»Ein einheitliches Modell für alle«

Soll eine Reform der Grundsteuer nach Kostenwertmodell oder Bodenwertmodell erfolgen? Was wie trockene Beamtenmaterie klingt, treibt die Länder um. Und betrifft Millionen Bürger.

Johanna Treblin

Wohnen steht an erster Stelle

Die eigene Wohnung als Ausgangspunkt, um wieder zurück in ein geregeltes Leben zu finden: Stadtmission und Neue Chance starten ein vom Senat gefördertes Modellprojekt.

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Bauernhöfe: Kontrolle nur alle 16,4 Jahre

Potsdam. Agrarbetriebe in Brandenburg müssen im Schnitt etwa alle 16,4 Jahre mit staatlichen Tierschutzkontrollen rechnen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor. Brandenburg liegt nach den Zahlen bei der Kontrolldichte pro Betrieb im Mittelfeld der Bundesländer. In Hessen und Sachsen-Anhalt liegt der Wert nach den Angaben der Bundesregier...

Maria Jordan

Armut ist keine Schwäche

Arme Menschen werden gerne als «sozial schwach» bezeichnet. Dabei ist der Begriff diskriminierend - und verschleiert dazu das wahre Problem: Armut.

Tomas Morgenstern

Eine Region tritt in die Pedale

Die Landesregierung will den Anteil umweltfreundlicher Mobilität am Gesamtverkehr bis 2030 verdoppeln. In ihrer Mobilitätsstrategie kommt der Förderung des Radverkehr eine zentrale Rolle zu.

Philip Blees

Sommer ohne Nazis

Schon seit Jahren treffen sich Faschisten in Köpenick und greifen immer wieder Andersdenkende an. Alltäglicher Widerstand wird dabei von wenigen Antifaschisten organisiert - auch wegen der AfD.

Tomas Morgenstern

Genussradeln im Berliner Umland

Brandenburg bietet Fahrradfahrern aller Fitnessklassen ideale Bedingungen. Gut ausgebaute Radwege führen durchs Land - zum Beispiel der »Hofjagdweg« von Königs Wusterhausen nach Lübben.

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Schöne Bescherung - Angst um Weihnachtsbäume

Karlsruhe. Nach Wochen fast ohne Regen bangen die Betreiber von Weihnachtsbaumplantagen um ihre Jungpflanzen. »Aus den ostdeutschen Bundesländern, aber auch aus Norddeutschland erreichen uns Meldungen, wonach die Neuanpflanzungen zu 100 Prozent vertrocknet sind«, sagte Martin Rometsch vom Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger. Davon dürften Millionen dieser drei- bis vierjährigen Bäumchen betro...

Ein Tropfen auf den heißen Stein

Der Bedarf an Pflegekräften ist groß. Die 20 Vietnamesen, die nach Rostock kommen, sind nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

»Wir sind am Limit«

Mainz. Gut drei Monate nach einer Entschließung des Landtags zur Förderung der Gedenkarbeit wollen die Träger der NS-Gedenkstätten jetzt auch Taten sehen. »Das ist ein ganz klarer Auftrag für die Landesregierung gewesen«, sagte Dieter Burgard als Vorsitzender des Sprecherrates der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz. Jedoch sei der ...

Sebastian Haak, Erfurt

Versorgungsskandal mit Ansage

Eben noch galt ein Beschäftigter des Bildungsministerium als »wichtige Stütze« des Ministers - weil sein Arbeitsvertrag nur mit dem Argument entfristet werden konnte. Nun ist er auf einem Allerweltsposten.

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Förderung

Die Berliner Kulturverwaltung vergibt ab Anfang August wieder Zuschüsse für die Projektförderung im Bereich Interkulturelle Projekte für das Förderjahr 2019. beantragt werden können. Auch in diesem Jahr können die Anträge wieder online abgegeben werden.Gefördert werden künstlerische Projekte von in Berlin lebenden Künstlerinnen und Künstlern mit Migrationshintergrund, die sich mit interkulturellen...

Thessaloniki trifft Berlin

Die Stadt Thessaloniki steht für europäische Kulturgeschichte zwischen Orient und Okzident. Seit jeher ist die nordgriechische Metropole Ankunfts- und Abschiedsort für Migrantinnen und Migranten und zeichnet sich durch ihre Multikulturalität sowie ein reges gesellschaftliches Leben aus. Vier Wochen lang steht Thessaloniki im Fokus der 17. Europäischen Kulturtage, die am 9. August beginnen. In der ...

Sex, Drugs and Mullah Regime

In der Hauptstadt des Iran existiert jenseits der strengen Kontrolle des Mullah-Regimes eine einzigartige Parallelwelt, die von Sex, Drugs und - ein wenig - Rock’n’Roll beherrscht wird. Wer sich den rigorosen religiösen Vorschriften des Revolutionsregimes verweigert, muss mit harten Sanktionen rechnen, dennoch trauen sich viele Jugendliche und junge Menschen - im Geheimen - sich diesen Vorschrifte...

Zehn Häuser haben eine grüne Nummer

In Sachsen-Anhalt wird Experten zufolge viel zu wenig energetisch saniert. Für gelungene Projekte gibt es die »Grüne Hausnummer«. Mitunter werden dafür ungewöhnliche Baustoffe verwendet.

A. Cäcilie Bachmann

Arbeitsweg wird zur Stadtrundfahrt

Wird irgendwo ins öffentliche Leben investiert, muss an anderer Stelle zurückgefahren werden, so das Credo hansestädtischer Politik. Typisch bremisch in diesem Sinne kommen die dringend notwendigen Ausbaupläne des öffentlichen Nahverkehrs im neuen, extrem schnell wachsenden Stadtteil Überseestadt daher. Der Vorstand der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) nutzt modernes Vokabular, wenn es um die Finanzie...

Christin Odoj

Aufwachen!

In Berlin gibt es Gegenden, die werden es niemals auf das Titel-Cover eines Stadtmagazins schaffen, dazu so eine Überschrift wie: »Schöneweide - das bessere Neukölln« oder »Treptow - der neue In-Bezirk«. Eigentlich ist dieser Gedanke für veränderungssensible Geister sehr beruhigend, bestärkt er doch das Gefühl, dass die Coolness-Grenze eine festgezurrte Demarkationslinie ist und mit den destabilis...

Bettina Müller

Der Deutsche, der keiner mehr sein durfte

Vor 150 Jahren wandert der 1815 im westpreußischen Zempelburg geborene Lehrer Neumann Tucholsky Anfang August 1868 nach St. Louis im heutigen Bundesstaat Missouri aus. Er geht keineswegs freiwillig, sondern folgt seinen Söhnen, die ein Jahr zuvor ausgewandert sind. In seiner neuen »Heimat«, in der er sich nur unter anderen deutschen Auswanderern bewegt, lebt er von einer Rente, seinen Beruf hat er...

Kristina Wienand, Hildesheim

Fliegendes Auge der Feuerwehr

Eine Landmaschine, die Staub aufwirbelt, oder steht dort eine Rauchsäule über dem Acker? Der Feuerwehrflugdienst überfliegt regelmäßig große Gebiete, um schon früh Brände zu erkennen.

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Wolfgang Hübner

Mosekunds Montag

»Hört denn diese Hitze niemals auf?«, fragte ein Freund entnervt Herrn Mosekund, als sie beim Spaziergang dem Schatten zustrebten. »Im Gegenteil«, sagte Herr Mosekund, »ich habe gehört, auch in den kommenden Tagen steht keine Abkühlung bevor.« - »Aber nächste Woche«, entgegnete der Freund, »könnte es einen Funken Hoffnung ...« - »Gott bewahre«, rief Herr Mosekund, »Sie wissen doch: Aus dem Funken ...

Abriss

Das Pekinger Atelier des im deutschen Exil lebenden chinesischen Künstlers Ai Weiwei ist ohne Vorwarnung abgerissen worden. Auf Videos beim Online-Bilderdienst Instagram zeigte Ai Weiwei am Freitag, wie ein Bagger die großen Fenster des Ateliers von außen durchbrach. »Leb wohl«, schrieb er. Bereits seit 2006 sei das Gebäude im »ostdeutschen sozialistischen Stil« sein Hauptatelier gewesen. Der regi...

Erinnerung fördern

Junge Menschen sollten sich nach Ansicht von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) stärker mit der deutschen Vergangenheit auseinandersetzen. »Mit einem neuen Programm ›Jugend erinnert‹ wollen wir gezielt das Geschichtsbewusstsein der Jugendlichen stärken und dem erschreckenderweise wieder wachsenden Antisemitismus entgegentreten«, kündigte Grütters in einem Gespräch an. Im kommenden Jahr s...

Gunnar Decker

Wasser, Abwasser, Gerüche aller Art

Wasser ist ein Mysterium. Das lehrt mich Venedig gerade wieder. Es bleibt unvorhersehbar, wann und wie es auftritt. Meist überfallartig! Und das in einer Stadt, die auf dem Wasser schwimmt, wo Wasser allgegenwärtig ist - oder gerade deswegen. Das Wasser macht, was es will, es hat hier die alleinige Macht. Es überschwemmt, es sickert, es versiegt - natürlich alles zur Unzeit. Es kommt als Gewitterg...

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Scharf, schärfer, Schirach

Der mit 10 000 Euro dotierte Ricarda-Huch-Preis der Stadt Darmstadt geht in diesem Jahr an den Bestseller-Autor Ferdinand von Schirach. Seine Erzählungen und Romane (»Verbrechen«/»Schuld«) »strotzen nur so vor scharfsinnigen Analysen der menschlichen Psyche und liefern spannende und verstörende Einblicke in die Welt des Verbrechens«, sagte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) zur Begründung. D...

Schicht auf Schicht

Die österreichische Schauspielerin Ursula Strauss hat am Sonntagabend in Worms den erstmals verliehenen Mario-Adorf-Preis erhalten. Die Nibelungen-Festspiele überreichten der Schauspielerin die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung zusammen mit einer gläsernen Stele, die mit einem Drachen-Motiv des Illustrators Hendrik Dorgathen verziert ist. Strauss habe als eine zerbrechliche Brunhild auf der gr...

Florian Schmid

Spuk um einen Meteoriten

Auch wenn die lateinamerikanische Literatur hierzulande sehr erfolgreich ist, gibt es doch noch unzählige bisher unbekannte Autoren, die es zu entdecken gilt. So den 1974 geborenen Argentinier Mike Wilson. Der hat zwar einen sehr US-amerikanisch klingenden Namen und ist in der Tat in Missouri geboren, hat aber den größten Teil seines Lebens in Südamerika verbracht und schreibt auf Spanisch. Derzei...

ndPlusReiner Oschmann

Das Liebhaberstück

Vor fünf Jahren übernahm Amazon-Chef Jeff Bezos die Washington Post. Seit dem hat das Blatt die eine Million-Online-Abonnentenmarke geknackt und der groteskeste Präsident aller Zeiten trägt dazu bei, die Auflage zu steigern.

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Aufgewärmt

Mit der Krimigroteske »München Mord« hat das ZDF am Samstagabend zur besten Sendezeit die höchste Einschaltquote erzielt. 3,55 Millionen Zuschauer (17,2 Prozent) sahen sich ab 20.15 Uhr die Wiederholung aus dem Jahr 2016 an. In der ARD waren 2,98 Millionen (14,5 Prozent) bei der Familienshow »Frag doch mal die Maus« dabei. dpa/nd...

Queen of Romantik

Hollywood-Star Meg Ryan ist beim Filmfestival Locarno mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet worden. Sie nahm den Leopard Club Award am Freitagabend gerührt und mit sichtlichem Stolz entgegen. »Ich fühle mich außerordentlich geehrt«, sagte die 56-Jährige.Carlo Chatrian, der künstlerische Leiter des Festivals, feierte Meg Ryan als »eine Schauspielerin, die dem alten Genre der romantischen Komödie mit F...

Anwalt will Prozess abwenden

Der wegen Vergewaltigung angeklagte Ex-Filmproduzent Harvey Weinstein will einem drohenden Strafprozess entgehen. Weinsteins Anwalt Benjamin Brafman reichte am Freitag ein fast 160 Seiten langes Schreiben bei Gericht ein, das die Klage gegen Weinstein als »fehlerhaft« zurückweist. Unter anderem habe die Staatsanwaltschaft der Grand Jury, die Anklage gegen den 66-Jährigen erhoben hatte, wichtige E-...

Lee Wiegand

»L’Algérie, c’est la France!«

In der Arte-Serie »Frankreich gegen den Rest der Welt« treten Agenten alter Couleur auf, Lebemänner, die mit Alltagsrassismus und Sexismus kein Problem haben. Eine gelungene Satire auf die französische Gesellschaft.

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EM-Resultate aus Glasgow

RudernFrauen, Vierer ohne1. Russland 6:39,97 min6. Deutschland + 7,71 sMänner, Leichtgewichts-Einer1. Schmid (Schweiz) 6:54,93 min4. Wichert (Hamburg) + 5,28 sAchter1. Deutschland 5:27,48 minTurnenFrauen, Stufenbarren1. Derwael (Belgien) 14,733 Pkt.4. Bui (Stuttgart) 14,200Sprung1. Devai (Ungarn) 14,3494. Voss (Köln) 14,083Schwebebalken1. Wevers (Niederlande) 13,9006. Schäfer (Chemnitz) 12,400Mann...

Erfolgloser Einstand für Magdeburg

Aufsteiger Madgeburg hält gegen den FC St. Pauli mehr als dagegen. Ein Traumfreistoß besiegelt aber die Niederlage zum Ligaauftakt. Trainer Härtel sieht viel, dass ihm Mut macht.

Andreas Morbach, Glasgow

Wundertüten und Euphoriespritzen

Bei Olympia in London und Rio blieben die deutschen Beckenschwimmer noch ohne Medaille. Nach dem Staffelgold bei der EM in Glasgow blicken sie zuversichtlich auf die Spiele in Tokio.

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Wacklig

Nach einem Sturz vom Schwebebalken hat Pauline Schäfer bei den europäischen Titelkämpfen in Glasgow die erhoffte erste EM-Medaille verpasst. Die Weltmeisterin musste sich mit dem sechsten Platz zufrieden geben, der Sieg ging an Sanne Wewers aus den Niederlanden. Der Druck auf die Chemnitzerin war immens: Nach der Teampleite zu EM-Beginn sollte die 21-Jährige für die erste Medaille seit 31 Jahren s...

Schlagkräftig

»Wir waren echt am Limit, aber das Resultat am Ende war gut«, kommentierte Schlagmann Hannes Ocik den bereits sechsten EM-Triumph des Männer-Achters in Folge. Zuvor hatten sich Ocik und seine Mannschaft im Finale der European Championships in Glasgow deutlich vor den Niederlanden und Rumänien durchgesetzt. Damit holte der Achter die einzige Medaille für die deutsche Flotte, die wegen der Vorbereit...

Zuvorkommend

Nach 78 Länderspielen, 31 Toren und fünf Teilnahmen an großen Turnieren ist Schluss für Mario Gomez. Am Sonntag verkündete der 33-jährige Stürmer seinen Rücktritt aus der DFB-Elf: »Meine Zeit in der Nationalmannschaft war sportlich nicht immer einfach, nicht immer erfolgreich und doch wunderschön«, teilte der Angreifer vom VfB Stuttgart auf Facebook mit. Es sei an der Zeit, den vielen jungen und h...

Andreas Frank, Glasgow

Siegreich trotz Doppelbelastung

Lisa Brennauer gewinnt die erste Goldmedaille für eine deutsche Einzelsportlerin bei den European Championships und legt nach nur 16 Stunden Pause noch einmal nach.

Oliver Kern

Neues Sprachrohr gesucht

An diesem Montag steigen in Berlin auch die Leichtathleten ins EM-Geschehen ein. Räumlich von den anderen sechs Sportarten in Glasgow getrennt, eint sie jedoch die Sehnsucht nach mehr Aufmerksamkeit.

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ndPlusBarbara Barkhausen, Sydney

Ein Gefängnis zum Wohlfühlen

Kräuter, Yoga, Sonnenbaden - Neuseelands neues Gefängnis in Auckland gleich mehr einem Hotel. Doch der Inselstaat im Pazifik erhofft sich damit, wieder mehr Menschen in die Gesellschaft integrieren zu können.