Seite 1

Unten links

Angela Merkel hat alle Hände voll zu tun mit dem schwierigen Thema Flüchtlinge. Immerzu ist sie auf der Suche nach Ländern, die Flüchtlinge aufnehmen - und die man den Flüchtlingen auch zumuten kann. Gerade erst hat sie in dieser Sache den Präsidenten von Niger empfangen, und gleich am nächsten Tag ist sie nach Sachsen gefahren. Mal gucken, was dort los ist. Fazit: keine gute Stimmung, von Willkom...

Bombendrohungen gegen die Zeitung »Boston Globe«

Boston. Bei der US-Tageszeitung »The Boston Globe« sind Medienberichten zufolge Bombendrohungen eingegangen, nachdem das Blatt eine Kampagne gegen die Medienpolitik von Präsident Donald Trump initiiert hatte. Hunderte Zeitungen in den USA hatten in Kommentaren am Donnerstag die »Fake-News-Kampagne« des Präsidenten kritisiert und dessen These zurückgewiesen, Medien seien »Feinde des Volkes«. Trump ...

Neue Chance für Wählerwillen

Berlin. Auftrag der von Sahra Wagenknecht initiierten Sammlungsbewegung ist es, das Primat der Politik zurückzuerobern - das meint Daniela Dahn in einem Beitrag für »neues deutschland«. Die Schriftstellerin, die sich damit zugleich als Unterstützerin der Sammlungsbewegung erklärt, spricht von programmatischen Schnittstellen, die es zwischen SPD, Linkspartei und Grünen gebe. Zugleich konstatiert si...

Nigeria: 33 Kinder sterben in Lager

Genf. Tausenden Kindern in einem Vertriebenenlager im Nordosten Nigerias drohen laut Helfern Hunger, Krankheiten und Tod. Allein in der ersten Augusthälfte seien in dem Lager in der Stadt Bama im Bundesstaat Borno 33 Kinder gestorben, erklärte »Ärzte ohne Grenzen« am Freitag. Die Lage dort sei erbärmlich. 6000 Menschen schliefen derzeit ohne Schutz vor Hitze, Regen oder Mücken unter freiem Himmel,...

Frühlingsende im August

Berlin. Der 21. August bleibt in der Geschichte der Tschechoslowakei und des Realsozialismus ein einschneidendes Datum. Vor 50 Jahren, in der Nacht zum 21. August, drangen Hunderttausende Soldaten des Warschauer Vertrages in die ČSSR ein, entmachteten die Regierung und übernahmen die Kontrolle über das öffentliche Leben.Damit beendeten Moskau und seine Verbündeten brutal den Versuch der Prager Füh...

Aert van Riel

Tschechische Wendehälse

Es ist ernüchternd, was 50 Jahre nach dem Ende des Prager Frühlings von der Bewegung übrig geblieben ist. Fast alles, was einst in dem Land als links galt, ist zu einer Farce verkommen.

Politiker fordern Spurwechsel

Abgeordnete diskutieren eine sogenannte Spurwechsel-Option für geduldete und bereits berufstätige Asylbewerber. Kanzlerin Merkel will derweil Abschiebungen stärker unterstützen.

Seite 2
Stephan Fischer

Veto mit Weitblick

Setzt sich Polens Präsident Andrzej Duda mit seinen Vetos zu PiS-Gesetzesvorhaben zwischen alle Stühle - oder will er mit seinem Nein zur Wahlrechtsreform schon einen ersten Schritt zu einer Bestätigung im Amt bei den nächsten Präsidentenwahlen 2020 setzen? Auch wenn dieser Urnengang noch in weiter Ferne scheint, ist letztere Interpretation nicht abwegig. Denn während die ihm nahestehende PiS...

Simon Poelchau

Ein Stück weit Sozialabbau

Erinnert sich noch jemand an das Arbeitslosengeld Q? Damit wollte der letzte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz vor allem älteren Menschen die Chance geben, sich im Falle einer Arbeitslosigkeit weiterzubilden und länger Arbeitslosengeld statt Hartz IV zu beziehen. Dafür hätte es natürlich mehr Geld für die Bundesagentur für Arbeit (BA) gebraucht. Eineinhalb Jahre später ist davon nicht mehr di...

Sebastian Bähr

Vorbereitung für die Tarifflucht

2014 knallte Aldi Nord seinen 36 000 Mitarbeitern neue Arbeitsverträge auf den Tisch. Darin: eine Klausel, die die Option einer Tarifflucht beinhaltet. Es wurde gemurrt - doch mit dem Köder einer elektronischen Zeiterfassung, Schikanen gegen Verweigerer und arbeitgeberfreundlichen Betriebsräten konnte die Konzernleitung die Mehrheit zu einer Unterschrift bringen. Einige Mutige verweigern sie bis h...

Nelli Tügel

Türkeireisender

Thomas Bareiß, seines Zeichens Tourismusbeauftragter der Bundesregierung, war gerade im Urlaub. In der Türkei. Dort sind die Menschen wunderbar gastfreundlich. Und drum sollten sich deutsche Reisende nicht davon abhalten lassen, es ihm gleich zu tun.

Leo Fischer

Spendengesundheit

Spendenaktionen im Internet für Standardoperationen sind nicht nur ein rührendes Zeichen privater Solidarität, sondern auch eines für die zerfallenden Sozialsysteme. Es sollten aber alle Menschen notwendige medizinische Versorgung erhalten.

Seite 3

Hochstimmung

Obwohl es bekanntlich vor allem gewaltfreier Widerstand war, der Indiens Unabhängigkeit im Jahr 1947 besiegelte, sind zu den jährlich am 15. August im ganzen Land stattfindenden Feierlichkeiten auch Militär und paramilitärische Truppen (Bild) auf den Beinen. Oder schwingen sie ordentlich in die Luft wie hier im Agartala, der Hauptstadt des nordöstlichen Bundesstaates Tripura. Premierminister Naren...

Bernd Belina

Zu wenig, zu spät - und das Falsche

Wenn es um den sozialen Wohnungsbau geht ist Druck von unten notwendig. Denn Vorgaben, wie etwa das sozialste Konzept muss umgesetzt werden, gibt es weiterhin nicht. Es wird meistbietend veräußert und vermietet.

US-Presse und Trump

Berlingske, Dänemark Achtung, Grabenkrieg Auf der einen Seite ist es nachvollziehbar und verständlich, dass amerikanische Zeitungen ihren Protest in Leitartikeln formuliert haben, in denen sie sich dagegen wehren, dass Trump die Medien unter Generalverdacht stellt. Auf der anderen Seite sollte die Presse nicht der Verlockung nachgeben, sich in einem Grabenkrieg gegen Trump zu verschanzen...

Seite 4
Daniela Dahn

Primat der Politik zurückerobern

Die Bewegung »Aufstehen« will sammeln, ohne zu spalten. Sie könnte den pflichtvergessenen Parteien Dampf machen und so neue Mehrheiten schaffen.

Seite 5
Uwe Kalbe

Frecher Günther

Mehrfach tauchte er jüngst in den Schlagzeilen auf - Daniel Günther. Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein provozierte unbequeme Debatten. Und seine Partei.

Seite 6

Opposition beschuldigt Erdogan

Istanbul. Der türkische Oppositionsführer hat Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan für den eskalierenden Streit mit den USA und für die Währungskrise verantwortlich gemacht. Im Fall des wegen Terrorvorwürfen festgehaltenen Pastors Andrew Brunson hätten Erdogan und US-Präsident Donald Trump auf stur geschaltet, sagte Kemal Kilicdaroglu, Chef der größten Oppositionspartei CHP, der Zeitung »Hürriyet«...

Wolf H. Wagner, Florenz

»Schakale« auf den Trümmern von Genua

Noch immer steht Italien unter dem Schock des Brückeneinsturzes von Genua mit mindestens 38 Todesopfern. Doch die Spitzenpolitiker des Landes versuchen vor allem, sich damit zu profilieren.

Klaus Joachim Herrmann

Putin auf Merkels Schloss

Die deutsche Kanzlerin empfängt Russlands Präsidenten im Zeichen einer vorsichtigen Rückkehr zur Sachlichkeit.

Seite 7
Wojciech Osinski, Warschau

Ein Veto aus reinem Kalkül?

Würde die PiS ihre Wahlrechtsreform in Polen umsetzen, wären große Parteien zur Europawahl priveligiert. Der polnische Präsident legte jetzt allerdings sein Veto ein. Jetzt rätseln die Bürger, welches Kalkül diesmal dahinter steckt.

Bettina Rühl, Bamako

Wahl mangels besserer Alternativen

Mali kommt nicht zur Ruhe. Armut, Korruption und islamistischer Terror bestimmen den Alltag, trotz UN-Mission. Trotzdem wurde Präsident Ibrahim Boubacar Keïta wiedergewählt.

Seite 8
Simon Poelchau

Heil gibt sein Okay für Beitragssenkungen

Die Union fordert eine Absenkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge um mindestens 0,6 Prozentpunkte. Dies würde ein Loch in den Haushalt der Bundesagentur für Arbeit reißen.

Norbert Suchanek, Rio de Janeiro

Zuckerhut ohne Plastikhalm

Weltweit werden täglich rund drei Milliarden Plastikstrohhalme verwendet, von denen viele über kurz oder lang in den Weltmeeren landen. Rio de Janeiro will nun etwas dagegen tun.

Sebastian Bähr

Aldi Nord wappnet sich für Lohndumping

Im Frühjahr kündigte Real seinen Zukunftstarifvertrag mit ver.di. Die Branche ist besorgt. Mitarbeiter von Aldi Nord befürchten nun auch, dass ihr Konzern auf einen schlechteren Haustarifvertrag umsteigen will.

Seite 9

Er kann alles

Der österreichische Theater- und Filmschauspieler Peter Simonischek (72) wird für sein Lebenswerk geehrt. Simonischek (»Toni Erdmann«) erhalte bei der Verleihung des Deutschen Schauspielpreises am 14. September in Berlin den Ehrenpreis, teilte der Bundesverband Schauspiel am Freitag mit.»Er kann alles, er spielt alles, und wenn er spielt, tut er das mit ansteckender Spielfreude«, heißt es in der M...

Verlängerung

Knapp ein Jahr nach der Festnahme des russischen Starregisseurs Kirill Serebrennikow hat ein Moskauer Gericht seinen Hausarrest abermals verlängert. Der 48-Jährige dürfe seine Wohnung im Stadtzentrum einen weiteren Monat nicht ohne Genehmigung verlassen, urteilte das Gericht. Der Leiter des renommierten Moskauer Gogol-Theaters war im August 2017 wegen angeblicher Veruntreuung von staatlichen Förde...

Da hilft nur Geld

Der britische Rapper Stormzy hat ein Stipendium für schwarze Studenten ausgerufen, die an der Elite-Universität Cambridge studieren möchten. »Glaubt nicht, weil ihr aus einer bestimmten Gegend kommt, dass ihr nicht an einer der besten Bildungseinrichtungen der Welt studieren könnt«, sagte der Musiker dem Sender BBC. Das Stipendium soll die Aufnahme von mehr schwarzen Studenten an britischen Univer...

Die Krux mit den Memes

Beobachten Sie Ihre Kinder oder Enkel manchmal dabei, wie sie sich Bildchen auf ihren Smartphones anschauen und laut Luft aus ihrer Nase ausstoßen? Wahrscheinlich schauen sie sich Memes an, kurz und einfach erklärt: lustige Bilder im Internet. Oftmals spielen Prominente eine Rolle, selten kommen sie gut dabei weg, wenn sie selbst zu Memes werden. Wie schnell man zum Meme werden kann, zeigt sich gu...

ndPlusOle Nymoen

Streicht das P-Wort!

Im »Kampf gegen Rechtspopulismus« wäre es sinnvoll, den Kampfbegriff mit »P« fallenzulassen. Denn dieser errichtet eine künstliche Grenze, wo wo tatsächlich fließende Übergänge sind – und wirkt so am Erfolg der Rechten mit.

Seite 10

Endlichkeit

Eine Schenkung mit rund 150 Werken von Joseph Beuys (1921 - 1986) geht an das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster. Ein Teil der Kollektion soll vom 29. November bis zum 29. September 2019 unter dem Titel »Hülle und Kern. Multiples von Joseph Beuys« präsentiert werden. Die Schenkung stamme von dem Sammlerpaar Manfred und Ingrid Rotert aus Osnabrück, teilte das Museum mit. Zu den überlassenen...

Wirklich frei

Musik mit einer Verbindung zu dem vor 200 Jahren in Trier geborenen Denker Karl Marx ist am Donnerstag ausgezeichnet worden. Neun Komponisten aus sechs Ländern gewannen mit acht Stücken den Kompositionswettbewerb »Wilde Lieder - Marx.Music«, teilten Schirmherrin und Bundesjustizministerin Katarina Barley sowie Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (beide SPD) in Trier mit. Der mit insgesamt 16 25...

Günter Agde

Knarzigkeit als zweite Haut

Aus der gegenwärtigen Masse autobiografischer Texte fällt Siegfried Kühns »fiktional angereicherte Autobiografie« (Klappentext) heraus. »Die Handlung ist nicht frei erfunden, Ähnlichkeiten mit lebenden oder realen Personen wären dennoch rein zufällig«, warnt der Autor schon im Vorwort. Und er führt uns tatsächlich in seine »wunderbare abgründige Welt«.Siegfried Kühn, mittlerweile 80 Jahre alt, hat...

Thomas Blum

Oh, Freedom, Yeah, Freedom!

Aretha Franklin kämpfte auf ihre Art für die Gleichberechtigung der Menschen. Es war der Schrei nach Freiheit, die Forderung nach Unabhängigkeit für Frauen.

Seite 11
Tim Zülch

»Ja, wir sind Gutmenschen. Und das ist gut so«

Hunderte Neonazis wollten am Samstag am Todestag von Rudolf Heß durch Berlin-Spandau marschieren. Doch weil tausende Menschen sich ihnen entgegenstellten, wichen die Rechten auf eine alternative Route durch Friedrichshain aus.

Ronny Blaschke

Sein letzter großer Wettkampf

Auch mit 35 könnte er wohl noch eine Weile an der Weltspitze mithalten: Doch Para-Leichtathlet Heinrich Popow wird nach der EM abtreten. In der paralympischen Bewegung macht er weiter.

Seite 12
Alexander Ludewig

Wie gefährlich ist die Polizei für Fußballfans?

Trotz wohlfeiler Statements, auf Dialog und Deeskalation setzen zu wollen, baut sich die Polizei in der Fanszene ständig als Feindbild auf. Dabei vergisst sie, wie jetzt in Köln, gern auch mal die Rechtmäßigkeit.

Seite 13

Proteste gegen Aufmärsche von Neonazis

Gegen zwei Neonazi-Aufmärsche zum 31. Todestag des NS-Kriegsverbrechers Rudolf Heß sind für Samstag in Berlin Proteste geplant. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (beide SPD) riefen zur Teilnahme an den Gegenveranstaltungen auf. Es sei wichtig, für eine »Gesellschaft ohne Hass und Hetze Gesicht« zu zeigen, betonte Giffey. »Berlin ist eine...

Maria Jordan

Ärger für Scheeres

Um den Lehrerkräftemangel zu bekämpfen, setzt die Bildungssenatorin auch auf Personal ohne Lehramtsstudium. Das stößt auf Kritik.

Maria Jordan

Quereinsteiger können es auch

Dass man unbedingt Musik und Sport auf Lehramt studiert haben muss, um in diesen Mangelfächern eine gute Lehrkraft zu sein, möchte ich bezweifeln. Wichtiger scheint es, dass der oder die Lehrende dieser Fächer musikalisch beziehungsweise sportlich ist. Dieses Gefühl festigt sich, wenn ich an meinen schief singenden Musiklehrer - der zu allem Überfluss auch noch ein Beatles-Fan war - oder an meinen...

Martin Kröger

BVG-Vorstand reagiert auf Brandbrief

Unternehmensführung zeigt sich zum Dialog bereit und will gemeinsam mit Arbeiternehmervertretern und Beschäftigten die aufgezeigten Missstände bei der U-Bahn angehen.

Martin Kröger

Halbtags ist das nicht zu schaffen

Präsident Ralf Wieland will das Berliner Abgeordnetenhaus reformieren. Unter anderem will er die Zahl der Parlamentarier reduzieren. Warum er das für notwendig hält, erklärt Wieland im nd-Interview.

Seite 14
Tomas Morgenstern

Grüne Bande zwischen Hauptstadt und Umland

Acht Regionalparks rund um Berlin haben sich dem Erhalt und der behutsamen Entwicklung der »grünen Infrastruktur« entlang der Achsen des sogenannten Siedlungssterns in Brandenburg verschrieben.

Wilfried Neiße

Bau der Gasleitung Eugal beginnt

Naturschutzorganisationen haben Einwendungen gegen die Trasse - dennoch soll der Bau der Erdgasleitung Eugal in Kürze beginnen.

Nicolas Šustr

17 Bahnhöfe werden aufgehübscht

Mehr Grün für Lichtenberg, Lichtkunst in Neukölln, eine Panorama-Zeitreise in Tempelhof. Die Bahn möchte ihre Bahnhöfe ansprechender gestalten.

Seite 15

Besuch aus der Kreidezeit

Braunschweig. Ein Spinosaurus steht auf dem Ruhfäutchenplatz im niedersächsischen Braunschweig. Der Figur soll für die Ausstellung »Spinosaurus - ein rätselhafter Riese« in der Burg Dankwarderode werben. Bis zum 9. September erzählt die Schau die spannende Geschichte der Entdeckung des Spinosaurus und zeigt die Lebensweise dieses Tieres, das während der Kreidezeit im heutigen Nordafrika lebte. Die...

Petra Albes, Bonn

Sapperlot - wenn Wörter verschwinden

Was ist das für ein hanebüchener Kokolores, treibt da ein Schlingel Schabernack? - So redet heute wohl niemand mehr. Manch einer mag über die alten Wörter abfällig den Kopf schütteln, bei manch einem wecken sie nostalgische Gefühle, und manch ein jüngerer Mensch hat diese Ausdrücke noch nie gehört. Im Laufe der Jahre verschwinden immer wieder Wörter aus dem aktiven Sprachgebrauch. »Der Grund dafür...

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Erwachen in der DDR

Ein »DDR-Zimmer« in einem Dresdner Altenheim hilft Menschen mit Demenz zu neuer Aktivität und Lebensfreude. Journalisten aus aller Welt sind interessiert, Politiker bisher nicht.

Seite 16

Alles grün

Zum ersten Mal findet das Irish Festival Berlin mit dem Titel Home & Away am 18. August auf der Sommerbühne der ufaFabrik statt. Die internationale Community präsentiert sich an zwei Tagen erstmals gemeinsam mit rund 10 Gruppen, 22 Musikern und 99 Tänzern. Mit Kinder- und Familienprogramm, Workshops, Konzerten sowie einem irischen Markt. nd...

Stipendien

Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa vergibt für das Jahr 2019 drei Arbeitsstipendien für Comic-Künstlerinnen und Comic-Künstler, die ihren Lebensmittelpunkt in Berlin haben. Das Hauptstipendium ist mit 16 000 Euro dotiert, zwei weitere Stipendien mit 2000 Euro. Arbeiten der Stipendiaten sollen in einer Ausstellung im Jahr 2019 an einem noch festzulegenden Ort präsentiert werden. Die Stipend...

Kultpreis für Kulturzeitung

Die unabhängige Berliner Kulturzeitschrift »Lettre International« wird mit dem diesjährigen Konrad-Wolf-Preis der Akademie der Künste geehrt. Die Zeitschrift erhalte die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung für ihr Engagement um einen anspruchsvollen kulturellen Diskurs, der alle Blick- und Himmelsrichtungen einbeziehe, teilte die Akademie am Freitag mit.»Lettre International« ist die deutsche Ausg...

Drama auf dem Bolzplatz

»Fußball, Kunst und internationale Verständigung« - unter diesem Motto zeigt das internationale Fußballfilmfestival »11mm« in Zusammenarbeit mit der Russischen Filmwoche Berlin den russischen Spielfilm »Korobka/Bolzplatz« (2016) von Eduard Bordukov am 18. August um 20 Uhr im Kino »Zukunft«. Drei Spiele um einen Bolzplatz entwickeln sich zu einem spannenden Jugenddrama. Im Anschluss führt Moderator...

Kohl und Kartoffeln auf dem Gendarmenmarkt

Der Berliner Gendarmenmarkt wird gepflügt. So geschehen im November 1942. Im vierten Kriegsjahr. Bei Stalingrad beginnt die Rote Armee mit der Einkesselung der 6. deutschen Armee. Alliierte Bomber fliegen bereits die »Reichshauptstadt« an. In Deutschland verschärft sich die Ernährungslage, trotz rücksichtslosester Ausplünderung der von der Hitlerwehrmacht eroberten Staaten Europas. Lebensmittel gi...

Fernbus kippt auf der Autobahn um

Linstow. Auf dem Weg von der schwedischen Hauptstadt Stockholm nach Berlin ist ein Fernbus am Freitagmorgen in Mecklenburg-Vorpommern verunglückt. 16 Menschen seien zum Teil schwer verletzt und in umliegende Kliniken gebracht worden, teilte die Polizei mit. Das Unglück ereignete sich auf der Autobahn 19 Rostock-Berlin bei Linstow. Der Bus sei aus ungeklärter Ursache nach rechts von der Fahrbahn ab...

Mit Kurs aufs nächste Jahr

Nach einer Störaktion von Israel-Kritikern hält das Berliner Festival Pop-Kultur an seinem Kurs fest. »Pop-Kultur wird immer ein Raum für Austausch und Dialog sein«, sagte Festivalleiterin Katja Lucker am Freitag. »Welche Themen wir hier im nächsten Jahr in den Fokus rücken, steht noch in den Sternen.« Zum Auftakt am Mittwochabend war eine Diskussion zum Thema Boykott mit Berlins Kultursenator Kla...

Jonas-Erik Schmidt, Köln

Der Wunderbrunnen am Ebertplatz

Noch im letzten Winter mieden die Kölner am liebsten den Ebertplatz nördlich der Altstadt. Im Oktober war dort ein Mann getötet worden. Heute gilt der Platz als Großstadt- Oase. Was ist passiert?

Tim Zülch

Mit frischem Atem durch die Nacht

Eine steile Metall-Wendeltreppe führt in den Keller des Pfeffi-Berlin- Ladens in der Petersburger Straße in Friedrichshain. Dort gedeihen unter pinkem Licht knapp 20 verschiedene Minzsorten: Erdbeerminze, Ananasminze, Japanische oder Marokkanische Minze. Marcus Stolze streicht über die Pflanzen, holt die Gießkanne, »ich muss hier erstmal gießen«, sagt er und entfernt en passant ein paar welk gewor...

Harald Lachmann

Eine Flagge auf dem Weg von Rostock nach Pskow

Im Juni fand der 38. Hansetag in Rostock statt, zum Abschluss überreichte Rostocks Rathauschef die Hanse-Flagge an den Bürgermeister von Pskow. Der Neuen Hanse gehören 190 Städte in 16 Staaten an.

Seite 17
Wolfgang Hübner

Sowjetische Agenturen und ein kritischer Brief

Am 21. August 1968 erschien »Neues Deutschland« mit einer ungewöhnlichen Titelseite: Optisch an erster Stelle eine Mitteilung der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS - unter der Überschrift »Mitteilung von TASS«. Darunter im Wortlaut eine Erklärung »An alle Bürgerinnen und Bürger der Deutschen Demokratischen Republik!«, unterzeichnet vom SED-Zentralkomitee, vom Staatsrat und vom Ministerrat. Die ...

Seite 18
Karlen Vesper

»Wo warst du an jenem 21. August?«

Die Häuserwände sind übersät mit Plakaten und Inschriften - in jenem August 1968 in Prag. Pavel Machácek verdanken wir eine Aufnahme, die ein Zitat aus dem »Manifest« von Marx und Engels zeigt: »Nur die Nation ist frei, die auch keiner anderen Nation die Freiheit raubt.« Andernorts werden die einmarschierenden Sowjetsoldaten mit dem Vorwurf konfrontiert: »Der Vater ein Held - der Sohn ein Okkupant...

Karl-Heinz Gräfe

Goliath gegen David

Die Westmächte waren außerstande im Prager Frühling einzugreifen, weil sie selbst von gesellschaftlichen Unruhen betroffen und von Arbeiteraufständen bedroht waren.

Seite 19
René Heilig

Operation »Donau«

Die Geschichte des militärischen Einmarsches von Truppen des Warschauer Vertrages in die ČSSR ist nie geschrieben worden. Und sie wird nie geschrieben werden. Es sind Geschichten, die sich zum Gesamtbild fügen. Eine beginnt im Januar 1968. Sie hat zu tun mit den Ereignissen vom 25. Februar 1948. Damals hatten sich die Kommunisten, gestützt auf ihre Arbeitermilizen, die alleinige Herrschaft in...

Seite 20
Jindra Kolar

Wie eine Mär aus alter Zeit

Fünfzig Jahre sind vergangen, seit die Truppen des Warschauer Vertrags unter Führung der Sowjetarmee die Tschechoslowakei besetzten und dem Experiment eines reformierten Sozialismus ein jähes Ende bereiteten. Umfragen zufolge weiß heute ein Viertel der tschechischen Bevölkerung - unter den Jugendlichen zwischen 18 und 26 Jahren über die Hälfte - nicht mehr Bescheid über diese Ereignisse, die ...

Stefan Bollinger

»Genesen« und doch krank

Was in Prag passierte, wurde in der DDR genau beobachtet. Doch musste sich die SED keine Sorgen machen, ein »Berliner Frühling« drohte nicht. Sogar die Repression gegenüber Protestierern blieb vergleichsweise glimpflich.

Seite 21
Jörg Roesler

Als Gewinn unfein wurde

Die Aussichten auf Verwirklichung der Reformkonzepte, die die Wirtschaftswissenschaftler der DDR und der CSSR in der ersten Hälfte der 60er Jahre entwickelt hatten, konnten kaum unterschiedlicher sein. Ota Šik war der einflussreichste tschechoslowakische Wirtschaftswissenschaftler. Er hatte 1961 die Leitung des Ökonomischen Instituts der Akademie der Wissenschaften in Prag übernommen und wurde im ...

Seite 22

Gustáv Husák (1913 - 1991)

Die Niederschlagung des Prager Frühlings wurde für Gustáv Husák zum entscheidenden Sprungbrett. Auch dabei demonstrierte er, was ihn sein ganzes Leben lang ausgezeichnet hatte: Er war ein politisches Chamäleon. Husák war und blieb Kommunist, wechselte gleichwohl mehrfach den Standort. Während des Zweiten Weltkriegs und gehörte er an führender Stelle dem slowakischen Widerstand an. Als nach dem Kri...

Ota Šik (1919 - 2004)

Auf dem XIII. Parteitag der KSČ im Jahr 1966 wurde Ota Šik ans Ende der Rednerliste verbannt, obwohl er sich schon zu Beginn angemeldet hatte. Der Direktor des Wirtschaftsinstituts an der Akademie der Wissenschaften in Prag arbeitete damals an Vorschlägen, das sozialistische Planungssystem für Marktmechanismen zu öffnen. Man man kann davon ausgehen, dass seine Rede, die in der Parteizeitung »Rudé ...

Karlen Vesper

Eduard Goldstücker (1913 - 2000)

Eigentlich hat er den Prager Frühling herbeigezaubert: der Germanist Eduard Goldstücker. Und zwar mit der Internationalen Kafka-Konferenz auf Schloss Liblice 1963. Das Treffen der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler hat - wie mir Goldstücker vor vielen Jahren sagte - »nicht nur Kafka von den Fesseln der Zensur befreite. Da wurden geistige Horizonte eröffnet.« Kafka war bis dahin in den kom...

Antonín Novotný (1904 - 1975)

Als im März 1953 der populäre tschechoslowakische Staatschef Klement Gottwald starb, war Moskau - das Personalfragen in den Staaten seines Einflussbereichs gern selbst entschied - gerade handlungsunfähig: Kurz zuvor war Stalin gestorben, und die sowjetischen Kommunisten hatten genügend eigene Probleme. So kamen die Genossen in der ČSSR weitgehend ungestört überein, Antonín Novotný zu ihrem neuen e...

Ludvík Vaculík (1926 - 2015)

Das »Manifest der 2000 Worte«, genauer: »Zweitausend Worte, die an Arbeiter, Landwirte, Beamte, Künstler und alle gerichtet sind«, war ein Aufruf von Wissenschaftlern, den Reformprozess nicht allein den Herrschenden zu überlassen, und wohl der bekannteste Text im Zusammenhang mit dem Prager Frühling. Verfasst hat ihn der Schriftsteller Ludvík Vaculík. In Grund und Boden kritisiert er darin die KSČ...

Siegfried Prokop

Alexander Dubček (1921 - 1992)

Mit Alexander Dubček kam 1968 in Prag ein junger Mann ans Ruder, er war erst 46 Jahre alt. Im In- und Ausland war er ein unbeschriebenes Blatt, nur in Moskau, da kannte man ihn. In der Sowjetunion hatte der Sohn eines Tischlers und überzeugten Kommunisten seine Kinder- und Jugendjahre verbracht. Nach 1956 hatte er in Moskau die Parteihochschule absolviert. Dubček war ein neuer Typ von Parteifunkti...

ndPlusGeorg Fülberth

Verzweifelte Semesterferien

Gegen den Einmarsch in Prag, aber auch gegen antikommunistischen Westregierungen; zwischen verbotener KPD, schwächelnder APO und neuer DKP: Westlinke hatten beim »Prager Frühling« mit sich selbst zu tun.

Seite 23
Ota Filip

»Wie sehr Sie sich irren«

»Die Lage ist jetzt so ernst geworden, dass ich die Pflicht fühle, Ihnen noch einen Brief zu schreiben.« Der Schriftsteller Ota Filip kritisierte 1968 in einem Brief an »Neues Deutschland« die »Propagandakampagne« gegen die Tschechoslowakei.

Seite 24
Finn Mayer-Kuckuk

Ausgewiesen für eine Hausarbeit

Der Journalistik Sudent David Missal ist traurig, weil er seine Freunde in China nicht wiedersehen kann. Ausgewiesen wurde der 24jährige, weil er einen Film über die Verhaftung und Verfolgung von Menshcenrechtsanwälten gedreht hatte.

Seite 25
Steffen Schmidt

Mit Schrotflinte oder Skalpell?

Europa ist raus aus dem Saatgutgeschäft, fürchtet Getreideforscher Goetz Hensel. Er beklagt, dass präzisere Gentechnikverfahren wie CRISPR-Cas strenger reguliert werden als die »alten Schrotflintenmethoden«.

Seite 26
Reinhard Renneberg, Ahrenshoop

Bakterienfresser helfen

Der Feind meines Feindes ist mein Freund.» Auch wenn der Ausspruch viel älter ist, könnte er durchaus auch von Félix d’Hérelle (1873-1949) stammen. Der entdeckte 1917 am Pasteur-Institut in Paris die «Bakterienfresser» oder Bakteriophagen - Viren, die Bakterien angreifen. Auf der Suche nach neuen Therapien gegen antibiotikaresistente Bakterienstämme lese ich im Urlaub begeistert «Supermacht d...

Walter Willems

Spürhunde für die Menschheit

Die am Mittwoch von den russischen Kosmonauten Oleg Artemjew und Sergej Prokopjew an der Außenhülle des russischen Moduls der Internationalen Raumstation ISS montierte Antenne ist das Herzstück von Icarus - einem Mammutprojekt zur Tierbeobachtung, das nach langer Vorbereitung nun an den Start rückt. »Jahrelang haben wir über das Projekt gesprochen«, sagt Martin Wikelski, Direktor am Max-Planck-Ins...

Martin Koch

Die Kunst der Anpassung

Die meisten Paläoanthropologen gehen heute davon aus, dass der Ursprung der Menschheit in Afrika lag. Von hier aus gelangten verschiedene Arten der Gattung Homo, zu der laut biologischer Systematik der anatomisch moderne Mensch sowie seine nächsten ausgestorbenen Verwandten gehören, auch auf andere Kontinente und wurden dort sesshaft. Die erste Auswanderungswelle vollzog sich vor rund 1,9 Mil...

Seite 27
Ralf Höller

Das Land, wo nicht nur die Zitronen blühn

Als Benito Mussolini am 29. Juli 1933 seinen 50. Geburtstag feiert, ist auch Gerhart Hauptmann unter den Gratulanten. Sein Telegramm an den »großen Führer seines Volkes in Verehrung« hinterlässt diesen »tief bewegt«. Ergriffen bedankt sich Mussolini für die »Glückwünsche, die mich von einem der größten lebenden Dichter erreichen«. Den »Duce« hat Hauptmann sogar persönlich getroffen. Er achtet...

Seite 30
Stephan Brünjes

Matera sollte geflutet werden

Es fängt an wie in fast jeder italienischen Altstadt: Ein Bummel durch Gassen mit kleinen Läden, Obstkarren und Straßenhändlern. Durch einen Torbogen geht es auf eine Aussichtsplattform. Nichts und niemand bereitet die Besucher auf das nun in den Blick geratene Panorama vor: ein Schlund von fast 180 Grad. Drei, vier Stockwerke tief geht es hinunter in diese Schlucht, die der Fluss Gravina jahrtaus...

Seite 31
Heidi Diehl

Unterm Rebendach lässt’s sich gut schöppeln

Um diese Zeit schon Alkohol?«, fragt einer der Touristen halbherzig, als ihnen die Mitarbeiterin des Restaurants in der Iphöfer Vinothek einen Wein zum Mittagessen empfiehlt. Es ist gerade mal kurz nach zwölf, und die Sonne meint es auch an diesem Tag wieder sehr gut mit Land und Leuten. »Trinken die Iphofener um diese Zeit auch schon Wein?«, will der Mann wissen. Die nette Bedienung grinst und st...

Seite 32
Hammed Khamis

Tausende Kilometer umsonst

Raschid macht sich auf den Weg, er will weg aus Syrien, aus dem Dorf, das die Islamisten fast völlig zerstört haben. Seine Frau lässt er nur äußerst ungern zurück. In Deutschland merkt Raschid: er muss zurück.