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Neue Seiten, neue Zeiten

An diesem Wochenende geht es los: Unsere neue Wochenendausgabe »nd.Die Woche« erscheint zum ersten Mal. Neues Layout, neue Textformate, aber die gleiche Haltung: links, sozial, antifaschistisch. Die Woche im analytischen Überblick.

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Sebastian Bähr

»Natürlich wird da was folgen«

Die »unteilbar«-Demonstration war einer der größten Proteste der vergangenen Jahre in Deutschland. Als Errungenschaft wird besonders die Verknüpfung verschiendener Inhalte gesehen. Wohin die Reise für das Bündnis nun geht, ist unklar.

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Aert van Riel

Die sich selbst gefangen nahmen

Nach der Niederlage in Bayern steckt die SPD mehr denn je in ihrem Dilemma. Fraglich ist aber, ob es den Gegnern der Großen Koalition gelingt, eine Mehrheit für ihr Anliegen hinter sich zu bringen.

Eva Roth

Was die AfD schwächt

Was die AfD stark macht, darüber ist schon viel geschrieben worden. Deshalb haben wir uns einmal umgesehen, wo die AfD besonders schwach ist und sind auf eine ländliche Region in Niedersachsen gestoßen.

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ndPlusSimone Schmollack

»Wir sind ein progressives Angebot«

Die Kleinstpartei mut trat am vergangenen Sonntag zum ersten Mal bei einer Wahl an. Parteichefin Claudia Stamm über die Bayernwahl, die Grünen, über Sammlungsbewegungen und politische Alternativen.

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ndPlusInes Wallrodt

Drei Stunden Gerechtigkeit

Lange hat sich die Gewerkschaft nicht herangetraut, doch 15 Jahre nach der schmerzhaften Niederlage der Ost-Metaller im Kampf um die 35-Stunden-Woche liegt das Thema nun auf dem Tisch. Druck gemacht haben insbesondere sächsische Autobauer.

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Stephan Kaufmann

Frag die Manager

Diese Meldung hat für Furore gesorgt: Deutschland ist wettbewerbsfähiger geworden. Allerdings sind internationale Standort-Vergleiche fragwürdig und ihre Ergebnisse haben eine ideologische Schlagseite.

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ndPlusNelli Tügel

Opfergabe für Anel

»Mit Herzensschmerz« habe er die Entscheidung akzeptiert. So kommentierte Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras den Rücktritt seines Außenministers Nikos Kotzias. Ganz so gelassen herzlich dürfte dieser das nicht sehen. Es heißt, der 67-jährige Volkswirt und Politologe, Ex-Kommunist sowie erfahrene Diplomat habe sich von Tsipras nicht ausreichend unterstützt gesehen im Streit mit Verteidigun...

Pure Geldverschwendung
Ulrike Kumpe

Pure Geldverschwendung

Sollte ein molekularer Gentest an Föten auf Trisomie 21 künftig eine allgemeine Krankenkassenleistung sein? Kann man fragen. Aber das ist nicht die richtige Frage. Eher sollte sie lauten: Was ist der Grund für diese Tests und was deren Nutzen?

Arme werden entlastet
Jana Frielinghaus

Arme werden entlastet

Im Kapitalismus spielen (Selbst)Optimierung und Auslese in fast allen Lebensbereichen eine Rolle. Die Kontrolldichte, die Frauen während einer Schwangerschaft mit den ständig sich erweiternden Möglichkeiten der Pränataldiagnostik erleben, passt ins Bild.

Martin Leidenfrost

Mönche, die auf Tigern reiten

Ich fahre in die einzige mehrheitlich buddhistische Region Europas. Eine fast baumlose Steppe, viel Weidevieh ohne Hirten, alle 50 Kilometer ein Dorf. In dieser schutzlosen Weite konnte man die Kalmücken leicht einfangen. Die russische Teilrepublik Kalmückien, größer als Bayern, 300.000 Einwohner, hat die Deportation, die Stalin wegen der Kollaboration kalmückischer Regimenter mit der Wehrmacht ve...

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Jürgen Amendt

Politiker in die Produktion

Die heutige parlamentarische Demokratie kennt einen neuen Typus des Politikers. Dessen wesentlichste Eigenschaft besteht darin, sich zu verstellen, denn er ist Bürger und Volksvertreter in einem. Als solches Zwitterwesen wohnen zwei Seelen in seiner Brust; was er als Bürger weiß oder will, kann oder will er als Volksvertreter weder wissen noch meinen. Kommt der Politiker gar in ein Amt, muss er di...

Simone Schmollack

Politik. Macht. Körper.

In der Debatte um den Paragraphen 219a zeigen sich deutlich rechtspopulistische Mechanismen, Frauen dort anzugreifen, wo sie am verwundbarsten sind: an ihrem Körper.

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Paula Irmschler

Alles im Lot in Patriarchistan

Ein Jahr nach dem Aufkommen von metoo: Brett Kavanaugh wird Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, es gibt eine Geldstrafe für die Ärztin Kristina Hänel wegen unerlaubter »Werbung« für Abtreibung und die Österreicherin Sigi Maurer muss ebenfalls zahlen, weil sie sich öffentlich gegen einen sie belästigenden und bedrohenden Mann gewehrt hat. Dazu noch die täglichen Angriffe rund u...

ndPlusThomas Blum

Rien ne va plus

Die Zeitschrift »Spex« wird eingestellt. Und auch dem Pop unserer Gegenwart geht es nicht gut. Musik- und »Kultur«-Zeitschriften sind heute oftmals zu Reklamekatalogen der Unterhaltungsindustrie regrediert.

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Samuela Nickel

»Integration trotz Deutschland«

Kinder und Jugendliche mit sogenanntem Migrationshintergrund müssen sich mit Vorurteilen und Diskriminierung auseinandersetzen. Ihnen wird von außen die Zugehörigkeit abgesprochen. Aber ab wann gehört jemand zu einer Gesellschaft?

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Volker Surmann

Pluralis spaetis

Es ist eines der unerklärlichen Phänomene Berliner Sprachkultur; rätselhafter noch als die Frage, wie man etwas formschön Vollendetes wie ein leckeres Brötchen im Berlinerischen zur »Schrippe« zerhackt, was klingt wie eine Mischung aus »Schrott« und »Gerippe«, oder ein Ding, das weder ein Kuchen ist, noch jemals einer Pfanne angesichtig wurde, »Pfannkuchen« taufen kann. Derlei habe ich mit dem lei...

Gunnar Decker

Der alte Mann und das Eismeer

Wie groß ist der Mensch? Das hängt vom Abstand ab, den der Betrachter wählt. Doch egal, wie dicht man mit der Kamera heranzoomt oder welchen extremen Weitwinkel man wählt: Die Natur ist größer. Davon erzählt Milko Lazarov in seinem Erstlingsfilm »Nanouk«.

Seite 14
Emran Feroz

Junge Gesichter prägen den Wahlkampf

Überall in Kabul hängen Wahlplakate, aber in den von den Taliban kontrollierten Regionen sieht das ganz anders aus. Die Extremisten versuchen dort, die Parlamentswahlen gewaltsam zu verhindern.

Seite 15
Roland Etzel

Petersberg oder Doha?

Friedensverhandlungen wären nach den Parlamentswahlen für Afghanistan das Gebot der Stunde. Eine mit einem frischen Mandat gestärkte Volksvertretung wäre bestens legitimiert, aus ihrer Mitte eine Verhandlungsgruppe zusammenzustellen, um endlich - 17 Jahre nach der US-amerikanischen Invasion - substanzielle Gespräche zu einem Verständigungsprozess zwischen den verschiedenen kämpfenden Parteien einz...

ndPlusEmran Feroz

Warlordisierung und Ethnisierung

Die alten afghanischen Kriegsherren lassen ihre Kinder bei der Parlamentswahl in Afghanistan kandidieren und bestimmen so die Politik im Land weiterhin mit.

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Frauenmorde in Mexiko

Als es Anfang der 1990er Jahre die Serienmorde an Fabrikarbeiterinnen in Ciudad Juárez nötig machte, die Verbrechen zu benennen, tauften Akademikerinnen wie Diana Russell und Marcela Lagarde sie »Femizide«: Hassmorde an Frauen. In den letzten 24 Jahren wurden in Ciudad Juárez mehr als 1500 Frauen ermordet, weil sie Frauen waren. 2017 gab es 96 Fermizide, die Tendenz ist steigend. Mittlerweile hat ...

ndPlusKathrin Zeiske

Der Gewalt ein Ende setzen

In den letzten 24 Jahren wurden in der mexikanischen Stadt Ciudad Juárez mehr als 1500 Frauen ermordet. Zuvor wurden sie entführt und zur Prostitution gezwungen. Ein neues Konzept soll die Stadt für Frauen sicherer machen.

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Velten Schäfer

Herbst der Hoaxes

Science-Hoaxes sind zum Kringeln. Hierzulande lachte man zuletzt über eine Gruppe, die 2016 dem »Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung« einen Satiretext andrehte. Dieser behauptete, die Hunde der DDR-Grenzer seien direkte Nachkommen von KZ-Wachhunden gewesen - und erhob diesen »Befund« zum neuen Paradigma der DDR-Forschung. Jetzt aber ist, frei nach Wolf Haas, der seine schwarzhumorig...

Seite 18
ndPlusRené Schlott

Ein Klima angstvoller Vorsicht

Es gibt ja durchaus gute Nachrichten von den Jungen in der Geschichtswissenschaft. Nicht selten kommen sie zu originellen Ergebnissen, die auch jenseits der akademischen Welt Beachtung finden. Das zeigt etwa die vor einigen Monaten veröffentlichte Dissertation des Bochumer Historikers Marcus Böick zur Geschichte der Treuhand. Das verdeutlichen die 2017 erschienene und viel gelobte Biografie von Ra...

Seite 19
ndPlusStephan Kaufmann

Was wirklich glücklich macht

Macht viel Geld sehr glücklich? Seit Jahrzehnten beschäftigt sich die Wissenschaft mit dem Einfluss des Einkommens auf die Zufriedenheit. Nun haben Ökonomen eingesehen, dass sich das menschliche Befinden ihren Instrumenten entzieht.

Seite 21
ndPlusVelten Schäfer

Gold für alle

Das Ziel heißt »Open Access«: Berlin-Brandenburgs Akademiepräsident Martin Grötschel erklärt, wie sich bei den Wissenschaftsjournalen ein problematisches Oligopol etablieren konnte – und wie die deutsche Wissenschaft gerade einen Systemwechsel durchzusetzen versucht.

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Ebola-Molekül im Detail

Erstmals gelang es Wissenschaftlern, mit Hilfe des Kryoelektronenmikroskops des Okinawa Institute of Science and Technology (OIST) die Struktur eines wichtigen Bausteins des Ebolavirus in atomarer Genauigkeit abzubilden. Kryoelektronenmikroskope erlauben die Untersuchung biologischer Proben, indem sie zuvor bei Temperaturen unterhalb von -150 °C eingefroren werden. Das untersuchte Nukleoprotein (b...

Gewächshaus fliegt ins All

Ein fliegendes Gewächshaus macht sich von Bremen auf den Weg ins Weltall - erst mal allerdings nur per Lastwagen und Flugzeug. Forscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt verpackten den Forschungssatelliten »Eu:CROPIS« in einen Container. Voraussichtlich am 19. November soll der Satellit mit einer US-Rakete ins All starten. In 600 Kilometern Höhe wird er künftig um die Erde kreisen. In s...

Welterbe säuft ab

Der Klimawandel bedroht nach Forscherangaben viele Unesco-Welterbestätten am Mittelmeer. Durch einen Anstieg des Meeresspiegels steige in diesem Jahrhundert das Risiko für Sturmfluten und Küstenerosion, schreiben die Autoren um Lena Reimann von der Universität Kiel im Journal »Nature Communications«. Bereits jetzt seien von den 49 untersuchten Welterbestätten in niedrig gelegenen Küstengebieten de...

ndPlusIngrid Wenzl

Klimawandel treibt Bierpreise in die Höhe

Eine chinesische Studie prognostiziert bei wärmeren und trockneren Sommern schrumpfende Ernten bei Gerste. 17 Prozent davon landen bisher in den Kesseln der Bierbrauer. Schrumpfende Ernten würden das Bier verteuern.

ndPlusGert Lange

Wärmeschub aus der Kälte

Dank längerer Sommer bilden sich in den Permafrostgebieten am Rande der Arktis neue Seen. Da manche nicht mehr bis zum Boden einfrieren, wird bis zum Jahr 2050 voraussichtlich doppelt so viel Treibhausgas aus ihnen entweichen wie heute.

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ndPlusSteffen Schmidt

Kohleausstieg beim Stahl?

Mehrere europäische Unternehmen versuchen die Eisenproduktion klimaneutral zu machen, indem sie Kohle und Koks durch Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen ersetzen. Der Erfolg hängt allerdings vom Gaspreis ab.

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mim

Lösung vom 13. Oktober 2018

Um Bäume, Holz und Kastanienketten ging es im Denkspiel vom 13. Oktober. Bei der leichteren Frage wollten wir wissen, wie viele »Baumjahre« jeder von uns in seinem Leben »verbraucht«. Aus den Angaben der Aufgabe ließ sich das in dieser Abfolge ermitteln: Ein Baum wiegt 1750 kg (700*2,5=1750), in 5 Jahren verbraucht jeder Mensch in Deutschland einen 100-jährigen Baum (1750/350=5), in seinem (durchs...

Mike Mlynar

Schätzen Sie mal!

Trotz all unserer guten und aufgeklärten Absicht hangelt sich das alltägliche Leben meist an einer steten Folge von Fehlschlüssen und Täuschungen entlang. Sie reichen von ganz trivial bis zu katastrophal. Die Irrungen und Wirrungen entstehen, weil nichts so ist, wie es scheint, und wir zu oft Schein für Sein nehmen. Das wissen wir zwar aus Lebenserfahrung sowie aus der einschlägigen Literatur sehr...

ndPlusWolfgang Hübner

»Unterm Hintern eine explosive Ladung«

Dieser Tage wurde ein Raumflug nach 119 Sekunden wegen einer Havarie abgebrochen. Die Insassen blieben unverletzt. Wären sie ein paar Momente später nicht zu retten gewesen? Das glaube ich nicht, die Raketen haben ein Rettungssystem. Das war eine der ersten Erfindungen in der bemannten Raumfahrt, weil Raketen nicht so zuverlässig gebaut werden können wie Flugzeuge. Wegen des Gewichts. Wa...

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ndPlusMaria Jordan

Zurück nach Polen ist keine Option

In Berlin leben viele Menschen aus Osteuropa auf der Straße. Seit September ziehen zwei Sozialarbeiter einer polnischen Stiftung durch die Suppenküchen. Ziel ist, die Menschen in ihre Heimat zurückzubringen.

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Martin Kröger

Finger weg vom Tempelhofer Feld

Ende Oktober jährt sich die Schließung des Flughafens Tempelhof in Berlin zum zehnten Mal. Pünktlich zum Jubiläum kommt erneut die Forderung wieder auf, dass die große innerstädtische Freifläche am Rand mit Wohnungen zu bebauen. Ein neuer Volksentscheid würde aber nur unter ein Bedingung Sinn ergeben.

Martin Kröger

Die Robocops kommen

Mit der Novellierung des Berliner Polizeigesetzes wird auch eine Rechtsgrundlage für den Einsatz von Bodycams bei Polizei und Feuerwehr gelegt. Das wird von Gegnern der Überwachung mit Argwohn betrachtet.

Seite 27
Andreas Fritsche

Manches Dorf hat Zukunft

Brandenburgs Politik stellte sich für die Gegenden fernab des Berliner Speckgürtels lange Jahre auf einen Schrumpfungsprozess ein. Doch teilweise lagen die Bevölkerungsprognosen falsch.

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Alexander Ludewig

Verlogener Kampf

Datenspeicherung? Ausreiseverbote? Die Beschneidung von Bürgerrechten hat ihren Anfang auch im Kampf gegen Fußballfans – nur da interessiert es kaum jemanden. Weil Politik, Polizei und Medien bewusst ein falsches Bedrohungspotenzial aufbauen.

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ndPlusAlexander Ludwig

Fankultur fördern!

Die Ultrabewegung steht für das Engagement gegen zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs oder den Kampf für Fanrechte und Mitbestimmung. Eine Radikalisierung einiger Gruppen wurde schon länger befürchtet, jetzt ist sie Realität.

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ndPlusStephan Brünjes

Kugeln, Bomben, Widerstand!

Von Kugeln durchlöchert sind viele Ortsschilder auf Sardinien. Der Wegweiser nach Orgosolo ist indes regelrecht zersiebt: Das O in der Mitte - ein einziges Loch, darunter und darüber klaffen tiefe Scharten.

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ndPlusOliver Eberhardt

Die 1002. Nacht

1001 Nacht ist ja ganz schön, aber wenn man sich in Kairo die Pyramiden angesehen oder in Petra durch die Massen gequetscht hat, darf in der 1002. Nacht gerne auch ein wenig der Punk abgehen. Das klappt im Nahen Osten an erstaunlich vielen Orten.

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Ines Wallrodt

»Ich galt noch als Vaterlandsverräter«

Klaus Pfisterer organisierte die größte Menschenkette in der Geschichte der Bundesrepublik am 22. Oktober 1983 mit. Eine geschicht davon, wie man Pazifist wird – und bleibt.