Seite 1

unten links

Es wird berichtet, dass Xerxes I. nach fehlgeschlagenem Brückenbau über die Dardanellen die Meeresenge einst mit 300 Peitschenhieben strafen ließ. Derzeit liegt Xerxes über dem östlichen Atlantik, und man fragt sich, wie lange er es sich da noch gemütlich machen will. Typisch feudaler Herrscher, wirft er sich mit seiner Gegenspielerin Siglinde nun schon tagelang die Bälle in Form stürmischer Winde...

Proteste vertreiben Google-Campus

Berlin. Im Umspannwerk Berlin-Kreuzberg wird kein Google-Campus entstehen, in dem Start-ups unter Anleitung des Internetgiganten ihr Geschäftsmodell entwickeln können. Das gab der Konzern am Mittwoch bekannt. Stattdessen sollen auf den Flächen mit BetterPlace und Karuna zwei sozial orientierte Unternehmen das Sagen haben. »Es war immer klar, dass wir zweigleisig fahren würden, mit Start-ups und so...

EU verbietet Wegwerfplastik

Straßburg. Mit einem Verbot von Trinkhalmen, Einweggeschirr, Wattestäbchen und anderen Wegwerfprodukten aus Plastik will die EU der Verschmutzung der Ozeane durch Kunststoffmüll den Kampf ansagen. Einem entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission in Brüssel hat das Europaparlament am Mittwoch zugestimmt. Für die Regelung stimmten 571 Abgeordnete, 53 votierten dagegen und 34 enthielten sich. Die gep...

Kumpel-Protest im rheinischen Revier

Bergheim. Zur Tagung der Kohlekommission im rheinischen Revier haben etwa 30 000 Beschäftigte aus Energiewirtschaft und Industrie für ihre umstrittene Branche demonstriert. Sie protestierten am Mittwoch in Bergheim und bei der anschließenden Kundgebung in Elsdorf gegen einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle. Wenige Kilometer entfernt kam die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission »Wac...

Alexander Isele

Vergessene Opfer in Jemen

Dass Mitarbeiter der Vereinten Nationen so manche Tragödie zu sehen bekommen, lässt sich leicht vorstellen. Umso eindringlicher sind deshalb die jüngsten Warnungen vor einer Katastrophe in Jemen, wo 14 Millionen Menschen - die Hälfte der Bevölkerung - von Hunger bedroht ist: UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock erklärte vor dem Sicherheitsrat, die Versorgungsknappheit in dem kriegsgebeutelten Land ...

Die neuen Progressiven

Berlin. Das war ein Paukenschlag: Die 29-jährige Alexandria Ocasio-Cortez gewann im Juni dieses Jahres für die New Yorker Bronx die internen Vorwahlen der Demokraten - gegen Joe Crowley, der die Partei seit 19 Jahren im US-Repräsentantenhaus in Washington vertritt und zehnmal soviel Geld gesammelt hatte wie Ocasio-Cortez. Ihre Trümpfe waren ein Profil als linke Stadtteilaktivistin und ein intensiv...

ndPlusRoland Etzel

Riads Jemen-Blockade tötet Kinder

Während die Empörung über den Mord an Regime-Kritiker Khashoggi nicht abebbt, bleibt ein größeres Verbrechen Saudi-Arabiens weiterhin kaum beachtet: der Krieg gegen Jemen.

Seite 2
Moritz Wichmann, New York

Rage against the machine

Progressive Kandidaten haben in diesem Sommer überall in den USA das Establishment der Demokratischen Partei herausgefordert. Sie werden eine Minderheit bleiben, aber mit wachsendem Einfluss.

Seite 3
ndPlusDenis Trubetskoy

Maskiert und mit Kalaschnikows

In der Ukraine boomt der Landraub wie nie. Und die Lage eskaliert: In der Ostukraine wurde sogar auf einen Demonstranten geschossen. Dabei sollte das Problem mit der erfolgreichen Maidan Revolution 2014 eigentlich gelöst werden.

Seite 4
Sebastian Haak,

Aus dem Kreißsaal zur Abschiebung

In einem Thüringer Krankenhaus haben sich vor wenigen Tagen dramatische Szenen abgespielt: Während seine Frau in den Wehen lag, ist ein Flüchtling zum Flughafen gebracht worden, um abgeschoben zu werden.

Uwe Kalbe

Fraktion des Hohngelächters

Ein Jahr ist der Bundestag der 19. Wahlperiode alt, ein Jahr sitzt nun auch die AfD im Bundesparlament. Sie vergiftet die Debatten mit rassistischen Ansichten und bestimmt damit häufig ihren Ton.

Seite 5

Rechte junger Geflüchteter verletzt

Wer als Jugendlicher allein nach Deutschland geflüchtet ist, kann seine Eltern nur nachholen, wenn über seinen Asylantrag vor seinem 18. Geburtstag positiv entschieden wird. Das sei bis heute gängige Praxis in der Bundesrepublik, berichtete am Mittwoch die »Süddeutsche Zeitung«. Dabei hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) bereits vor einem halben Jahr entschieden, dass als Flüchtlinge anerkannte ...

Hendrik Lasch, Magdeburg

Zensur-Vorwurf nach Absage für »Feine Sahne«

Nach der Absage eines Konzerts mit der linken Band Feine Sahne Fischfilet auf dem Areal des Dessauer Bauhauses hagelte es nun Kritik im Landtag. Die CDU verteidigte hingegen das Vorgehen.

ndPlusChrista Schaffmann

Angolas viele Baustellen

João Lourenço übernahm vor einem Jahr den Stab von Angolas Langzeitherrscher José Eduardo dos Santos. Lourenço hatte versprochen, entschlossen gegen Korruption vorzugehen und hält Wort.

Seite 6
ndPlusOlaf Standke

Putin und Trump mit Gipfelplänen

Ein konkretes Ergebnis hat die Bolton-Visite in Moskau dann doch noch gebracht: Der russische Präsident Wladimir Putin schlug am Dienstagabend Gespräche mit seinem Amtskollegen Donald Trump im November in Paris vor. Man könne sich doch am Rande der Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag jenes Waffenstillstands treffen, der zum Ende des Ersten Weltkriegs führte. Trumps Antwort im Weißen Haus: »Ich denk...

René Heilig

Königsberger Igel und die NATO

Am Donnerstag beginnt in Norwegen das größte NATO-Manöver seit Ende des Kalten Krieges. Doch die einmonatige Übung »Trident Juncture« geht von einer völlig falschen Lage in Europa aus.

Seite 7

Dänemark will Antworten wegen Cum-Ex

Kopenhagen. Dänemarks Steuerminister Karsten Lauritzen fordert in der Cum-Ex-Affäre Antworten von der Bundesregierung. »Die dänische Bevölkerung braucht und verdient Klarheit, ob wir bei rechtzeitiger Warnung aus Deutschland den Betrug hätten stoppen können«, sagte Lauritzen am Dienstagabend der dpa. Hintergrund sind Medienberichte, nachdem die Behörden in Deutschland seit 2012 gewusst haben solle...

ndPlusHermannus Pfeiffer

Messlatte tiefer gehängt

Einst versuchte die Deutsche Bank, mit den großen Kreditinstituten der USA mitzuhalten. Diese Zeiten sind vorbei. Doch die Bank tut sich auch mit ihren niedrigeren Zielen noch recht schwer.

Seite 8

Demenzkranke werden oft nur ruhiggestellt

Berlin. Jeder vierte Patient mit einer Alzheimer-Demenz wird mit Beruhigungsmitteln statt mit Medikamenten gegen seine Krankheit behandelt. Jeder Zweite bleibe zudem unbehandelt, kritisieren die Autoren des Innovationsreports 2018 der Techniker Krankenkasse (TK), der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Nur 14 Prozent der an Alzheimer erkrankten Patienten werden mit einem Antidementivum behand...

ndPlusJens Malling

Arsen in der Atemluft

Wegen massiver Umweltzerstörungen droht einer Kupferhütte in Armenien die Schließung. Die Missstände sind seit Langem bekannt, doch die Verantwortlichen weigerten sich, daran etwas zu ändern.

ndPlusJohn Dyer

Die Verzweiflung der Taxifahrer

Die Konkurrenz von Fahrdienstvermittlern wie Uber hat in New York die Einkommen der Fahrer und Taxiunternehmer einbrechen lassen. Eine Reihe von Selbstmorden ruft nun endlich die Politik auf den Plan.

Seite 9
ndPlusClaudia Rometsch

In der Empathiefalle

Menschen, die in der Krankenpflege arbeiten, sind hohen emotionalen Belastungen ausgesetzt. Jetzt wurde ein Konzept entwickelt, das Pflegekräften helfen soll, mehr auf sich selbst zu achten.

ndPlusAnke Nussbücker

Süßer Trost

Traumatische Erfahrungen können das Essverhalten nachhaltig prägen. Entsteht chronischer Stress, sorgen Nervenbotenstoffe mit für dauernden zu großen Hunger.

Seite 10
ndPlusJana Frielinghaus

Glücksrad statt Rechte

Manchem Verteidiger der Rechte Geflüchteter in Deutschland müssen die eigenen, immer und immer wieder ausgesprochenen Mahnungen wie Asche im Mund liegen. Insbesondere, was den Anspruch auf das Zusammenleben mit Eltern, Geschwistern, Kindern betrifft. Denn der wird von der Großen Koalition faktisch als nicht existent angesehen, wenn es um Menschen aus Kriegsgebieten geht, die in der Bundesrepublik ...

Martin Ling

Konditionierte Entwicklungshilfe

Das Problem beim deutschen Entwicklungsminister Gerd Müller ist seltener, was er sagt, sondern was er verschweigt. Die 85 Länder, die derzeit von deutschen Entwicklungshilfegeldern »profitieren«, werden einer Überprüfung unterzogen und danach wird die Spreu vom Weizen getrennt. Später werden die Mittel auf Länder konzentriert, die den deutschen Vorstellungen von Korruptionsbekämpfung, der Achtung ...

Sebastian Bähr

Serienbrandstifter

Hans-Georg Maaßen hat es wieder getan. In einem Brief an die »Tagesschau« wiederholte der scheidende, aber mangels eines Nachfolgers noch amtierende Verfassungsschutzpräsident seine Schelte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wie auch seine Verschwörungstheorien. Die ARD habe, so sein Vorwurf, von »Hetzjagden« in Chemnitz gesprochen, obwohl weder dem VS noch anderen Behörden zum damaligen Zeitpun...

Robert D. Meyer

Ein Krieger im Schützengraben

Schlechte Schauspieler erhalten die »Goldene Himbeere«, tricksende Lebensmittelhersteller einen Windbeutel und seit neuestem gibt es auch einen Schmähpreis für Journalisten, die sich statt um Aufklärung darum bemühen, Vorurteile und Ressentiments zu kultivieren.

Erhard Eppler

Ohrfeige für Kiew

Das Vorgehen Russlands auf der Halbinsel Krim verstößt gegen das Völkerrecht. Das meint SPD-Urgestein Erhard Eppler. Und trotzdem will er sich mit dem Status quo zufriedengeben. Denn: Die »Annexion« sei ohne Schusswechsel und zur Zufriedenheit der Bevölkerungsmehrheit verlaufen.

Seite 11

Innensenator Geisel weist Kritik zurück

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat erneut Vorwürfe des Flüchtlingsrats zu einer Sammelabschiebung zurückgewiesen. »In diesem Fall von einer ›Horrorabschiebung‹ zu sprechen, entspricht subjektiven Behauptungen, die jeglicher Fakten entbehren«, hieß es in einer Pressemitteilung der Innenverwaltung. Entgegen der Angaben des Flüchtlingsrats seien bei der Sammelabschiebung am 6. Juni 2018 ke...

Merkel ätzt über den unfertigen BER

Dieburg. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei einem Wahlkampfauftritt für ihre Partei in Hessen die schleppenden Baufortschritte beim Berliner Flughafen BER kritisiert. Mit Blick auf die gerade eröffnete weltgrößte Meeresbrücke zwischen Hongkong und dem Festland Chinas sagte die Kanzlerin am Dienstagabend im südhessischen Dieburg: »Dann fragen sich die gleichen Chinesen, mit denen wir Regie...

Radweg wird verspottet

Für einen buckligen Radweg muss der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg beißenden Spott einstecken. Die kürzlich fertiggestellte Fahrradspur in Friedrichshain weist offenbar starke Mängel auf und schickt Radfahrer über heftige Bodenwellen im Asphalt. Der »Tagesspiegel« hatte darüber am Dienstag berichtet.Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sei man bei der geplanten Abnahme auf diese Baumängel aufmerksa...

Martin Kröger

Campus-Absage ist ein Erfolg

Dass die CDU (»Fatales Signal!«) und die FDP (»Schaden der gesamten Stadt«) die Umwandlung des Google-Campus zugunsten von sozialen Organisationen politisch ausschlachten werden, war erwartbar. Wer angesichts von realer Verdrängung von alteingesessenen Berlinern aber in diesem Kontext von »Kiez- und Milieuschutz-Fanatikern« schwadroniert, hat Berlin nicht verstanden. Das schlägt sich dann natürlic...

ndPlusJérôme Lombard

Künstliche Intelligenz für jedermann

Mit über 100 Veranstaltungen lädt die Berlin Science Week Anfang November wieder Vertreter aus Wissenschaft und Gesellschaft zum Austauch über Technologie und Digitalisierung ein.

Nicolas Šustr und Martin Kröger

Google duckt sich weg

An den Protesten im Kiez soll der Rückzug von Google nicht gelegen haben, vielmehr an der konstruktiven Kritik, heißt es beim Konzern. Nach Party ist den Gegnern der Ansiedlung jedoch nicht zu Mute.

Seite 12

Ein Museum für exilierte Künstler

Ein neues Museum in Berlin soll an die Menschen erinnern, die vor den Nazis ins Ausland fliehen mussten. Grisebach-Gründer Schultz verkauft dafür seine hochkarätige Sammlung.

ndPlusMartin Kröger

Wasserbetriebe und Co. florieren

Einst galten die Unternehmensbeteiligungen Berlins als Sorgenkinder. Inzwischen sind sie so etwas wie der Entwicklungsmotor der Stadt, sagt Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD). Aber es gibt Risiken.

Seite 13

Kritik an ILB-Spende für Garnisonkirche

Potsdam. Finanzminister Christian Görke (LINKE) hat die landeseigene Investitionsbank (ILB) wegen einer Spende für die Potsdamer Garnisonkirche kritisiert. Dass der ILB-Vorstand der Garnisonkirchenstiftung 2017 eine Spende in Höhe von 5000 Euro ausgereicht habe, halte er in Anbetracht der öffentlichen Diskussion über das Bauvorhaben »für unangemessen«, erklärte er in der Mittwochausgabe der »Potsd...

ndPlusTomas Morgenstern

Dürrehilfen für die Bauern angelaufen

Agrarbetriebe in Brandenburg haben besonders schwer mit den Folgen der Dürre zu kämpfen. Die Hilfe vom Land ist angelaufen, jetzt kann auch auf das Bund-Länder-Programm zugegriffen werden.

ndPlusWilfried Neiße

Kein Vertrauen in die Institutionen

Allgemein scheint die Mehrheit der Brandenburger mit ihrem Leben zufrieden, wenn es aber konkret wird, ist die Mark oft ein zweigeteiltes Land. Das ist das Ergebnis des ersten Brandenburg-Monitors.

Seite 14

Thüringen streicht Straßenausbaubeiträge

Seit Jahren führen Beiträge zu Unmut, mit denen Kommunen ihre Bürger für den Straßenbau zur Kasse bitten. Rot-Rot-Grün will die Beiträge abschaffen, ohne die Kommunen auf den Kosten sitzen zu lassen.

ndPlusHendrik Lasch, Magdeburg

Teilerfolg für Verein »Miteinander«

Der Demokratieverein »Miteinander« in Sachsen-Anhalt sieht sich einer Kampagne der AfD ausgesetzt. Vor Gericht hat er bei deren Abwehr jetzt zumindest einen Teilerfolg errungen.

Hagen Jung

Tickende Zeitbomben auf dem Meeresgrund

Wo in der Nordsee setzen die Kampfstoffe giftige Stoffe frei? Das wollen Wissenschaftler aus acht Nationen untersuchen. Im Bremerhavener Schifffahrtsmuseum wird das Forschungsprojekt koordiniert.

Seite 15
Ulrich Maurer

Lieber frei als gleich

Die SPD ist längst keine Massenpartei der kleinen Leute mehr. Allenfalls spricht sie noch ein kleines, aber zunehmend schrumpfendes Wählermilieu an.

Seite 16

Was soll man zu Che Guevara noch sagen?

Che Guevara gehört zur symbolischen Grundausstattung der Linken wie Marx, Brecht, Punk und Rotwein. Das Porträt, das Alberto Korda 1960 von ihm in Havanna aufgenommen hat, ist eins der berühmtesten Fotos überhaupt. Dieses Jahr war sein 90. Geburtstag und 51. Todestag. Er wurde am 9. Oktober 1967 in Bolivien ermordet. Wie soll man eine interessante Biografie über ihn verfassen, wenn Paco Ignacio Ta...

ndPlusFokke Joel

Selbst ist der Autor

Früher begann bei Wolf Wondratschek der Tag mit einer Schusswunde. Das war 1969, als er einen Band mit Prosa so betitelte. Dann verkaufte der in Karlsruhe geborene, heute in München und Wien lebende Dichter lange Jahre über den 2001-Versand erfolgreich Lyrik. Weil ihm nach mehreren Verlagswechseln kein zufriedenstellendes Angebot mehr für sein vorletztes Buch, »Selbstbildnis mit Ratte«, gemacht wu...

ndPlusKlaus Bellin

Der Eiszeit entgegen

Sie hat lange gezögert, ob sie dieses Buch schreiben sollte. Angeregt hatte es Arnold Stadler, der junge Freund und geschätzte Kollege, unter den Schriftstellern vielleicht der größte Bewunderer, den sie hatte. Man weiß es spätestens seit 2001. Damals wurde Elisabeth Borchers fünfundsiebzig Jahre alt, er versammelte zur Feier des Tages ihre schönsten Gedichte in einem Taschenbuch des Suhrkamp-Verl...

Seite 17

Ihr Dicksäcke!

Christian Y. Schmidt ist ein guter Mann. Er ist links und lustig. Das kommt nicht oft vor. Früher war er einmal »Titanic«-Redakteur. Heute lebt der Unruhestifter schreibend und marodierend in China und im Internet. Und das Beste ist: Er hat immer recht. Man muss die detaillierte Story seines wunderlichen Debütromans »Der letzte Huelsenbeck« nicht kennen, um ihn lesen zu wollen. Denn lesen sollte m...

ndPlusGabriele Summen

Krieg um ein Abflussrohr

Der Vorabeiter Yasser (gewann bei den Filmfestspielen in Venedig den Preis für den besten Darsteller: Kamel El Basha) will im Auftrag seiner Baufirma dem Mieter Toni (der Beiruter Komiker Adel Karam) dessen illegales Abflussrohr richten, durch das Wasser auf die Passanten läuft. Dieser will davon jedoch nichts wissen. Der Vorarbeiter lässt die Regenrinne dennoch reparieren, worauf der Mieter das n...

Stefan Ripplinger

Draht in die Welt

Frederick Wisemans Dokumentarfilm »Ex Libris«, in dem es um die öffentliche Bibliothek von New York geht und um die Gemeinschaft der Armen, die sich noch nicht aufgegeben haben, ist ein großer Gesang auf die Demokratie von unten.

Seite 18
ndPlusKarlen Vesper

Spartakisten unschuldig

Die Mär vom »Spartakusaufstand« in Januar 1919 in Berlin verweist eine von der Rosa-Luxemburg-Stiftung herausgegebene Edition nunmehr endgültig ins Reich der Legenden. Ein bislang unterschlagener Bericht kam bereits 1921 zu diesem Ergebnis.

ndPlusGunnar Decker

Tragödie war gestern

Ein Film, in dem über zwei Stunden lang pausenlos geredet wird, bedarf der Rechtfertigung. Die hat »Sorry Angel« von Christophe Honoré auch, aber - das ist der Kunstgriff, auf den man sich einlässt oder nicht - die vielen Worte, die gesprochen werden, umkreisen doch immer nur eine große Stille: den Tod.Denn Honoré versetzt uns in das Paris des Jahres 1993. Jacques ist Schriftsteller, schwul und st...

ndPlusStefan Amzoll

Eine Musik der Angst

Eine Atmosphäre wie in Hitchcock-Filmen: Angst waltet im hochherrschaftlichen Hause des Geschwisterpaares der Rodericks. Eine Angst, die auf die Agierenden selbst wie auf eine ganze Epoche fällt. Selbst die Zimmerwände, das Sofa als Ruhe- und Grabstätte, der Winkel, in dem das Ensemble spielt, die Fenster; das Grollen der Gewitter, der Nebel, der die Körper und Seelen eintrübt, jegliches Licht, da...

Seite 19

Regulieren

Mit Kritik an den großen Internetkonzernen haben am Mittwoch die Medientage München, ein Branchentreffen mit 400 Referenten, begonnen. Viele Versprechungen der digitalen Technologien seien nicht erfüllt, sondern ins Gegenteil verkehrt worden, sagte der britisch-amerikanische Unternehmer und Blogger Andrew Keen. Statt zu mehr Demokratie und Verständnis sei es zu Monopolen gekommen, die die Privathe...

Es geht um Emotionen

Am Dienstag haben in Hof die 52. Internationalen Filmtage begonnen. Gezeigt werden 130 Spiel- und Dokumentarfilme, die sich um verschiedene Preise bewerben, darunter der Förderpreis Neues Deutsches Kino für den besten Film und erstmals der Hofer »Goldpreis« für den besten deutschen Erstlingsfilm. Diese neue soll an 2016 verstorbenen Festivalleiter Heinz Badewitz erinnern und ist mit 35.000 Euro do...

Nacktheit erlauben

Das Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster kann nach einer vorübergehenden Sperrung durch Facebook wieder mit einem Video für seine aktuelle Chagall-Ausstellung werben. Facebook habe sich für die Löschung des Videos telefonisch entschuldigt, sagte Museumssprecherin Birthe Sarrazin am Dienstag in Münster dem Evangelischen Pressedienst. Grund für die Sperrung seien Motive des Malers Marc Chagalls mit ...

ndPlusJakob Hayner

Etwas zu groß geraten

Es ist einer der bekanntesten Auftritte von Lotte Lenya: In einer olivgrünen Militäruniform, das rote Haar streng gescheitelt, haut sie mit lautem Knall einen Stock auf den Tisch und macht gleichzeitig einer jungen blonden Rekrutin Avancen. Das ist die Sowjetoffizierin Rosa Klebb in dem zweiten James-Bond-Film »Liebesgrüße aus Moskau« (1963), gespielt von der damals 65-jährigen Lotte Lenya. Damit ...

Seite 20
Christoph Ruf, Hoffenheim

Bewusst laut

Neunmalklug? Großmäulig? So mag der junge Coach manchmal wirken. Langweilig sind er und der Fußball, den er spielen lässt, nicht - wie das 3:3 von Hoffenheim in der Champions League gegen Lyon zeigt.

Ulrike John

Heike Drechsler war »kein IM des MfS«

Bis heute sieht sich die ehemalige Weltklasse-Leichtathletin Heike Drechsler Stasi-Vorwürfen ausgesetzt. In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Wahl-Berlinerin damit intensiv beschäftigt.