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Von Fortschritt bis Luxus

Wer beim Wort »Bauhaus« nicht an Heimwerkermärkte denkt, hat oft sehr klare Vorstellungen von der ästhetischen Schule, deren Gründung sich in diesem Jahr zum hundertsten Mal jährt. Für die einen war das Bauhaus der Versuch, Architektur und Stadtplanung zu demokratisieren. Andere verbinden den Namen mit einem neuen Begriff des Schönen, das auch dem Reichtum nicht Feind sein musste. Tatsächlich konn...

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Stephan Kaufmann

Entschieden reich

Für die einen war das Bauhaus der Versuch, Architektur und Stadtplanung zu demokratisieren. Andere verbinden damit einem neuen Begriff des Schönen. Tatsächlich konnte das Bauhaus beides sein – wenn auch nicht immer zur gleichen Zeit

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ndPlusTobias Lambert

»Die Alternative wäre Krieg«

Maduro oder Guaidó? Emiliano Teran Mantovani ist einer der Venezolaner, die sich nicht mit dieser Auswahl zufrieden geben. Sie fordern Dialog, faire Wahlen und eine Verbesserung der desolaten sozialen Lage.

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ndPlusOliver Eberhardt

Massenprozesse im Minutentakt

Die Polizei kam - so macht man das meist - im Morgengrauen, um sechs prominente Mitglieder der Zivilen Demokratischen Bewegung (ZDB), einem Bündnis aus sieben linken und säkularen Parteien, festzunehmen. Das angebliche Verbrechen: Sie sollen an einer Veranstaltung zur Erinnerung an die Massenproteste teilgenommen haben, die vor acht Jahren zur Absetzung von Präsident Hosni Mubarak geführt hatten. ...

ndPlusOliver Eberhardt

Über Waffen spricht man nicht

Eine Delegation um Wirtschaftsminister Peter Altmaier wird am Wochenende nach Ägypten fahren. Ein herzlicher Empfang ist ihr sicher, denn in Kairo schätzt man die Bundesregierung als verlässliche Partnerin.

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Wohnungskonzern steigt aus

Mitten in der Debatte über zu hohe Mieten und die Macht von Immobilienkonzernen hat Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen Vonovia beschlossen, ihren Anteil am Konzern Deutsche Wohnen zu verkaufen. Der Konzern veräußerte das Aktienpaket nach eigenen Angaben für fast 700 Millionen Euro. Gekauft hatte er die Anteile vor rund vier Jahren für rund 405 Millionen Euro. Wer die Aktien übernommen hat, k...

ndPlusSimon Poelchau

Scholz setzt sich durch

Es kommt nicht häufig vor, dass sich eine Oppositionspartei hinter den Bundesfinanzminister stellt. Am Freitag war es anders. »Wir stärken Bundesfinanzminister Scholz den Rücken, sein ursprüngliches Modell einer wertabhängigen Grundsteuer weiterzuverfolgen«, erklärte Finanzexperte Jörg Cezanne von der LINKE-Bundestagsfraktion, während SPD-Mann Olaf Scholz am Freitagmittag in seinem Ministerium mit...

ndPlusStephan Kaufmann

Champions um jeden Preis

Die geplante Fusion der Siemens-Bahnsparte mit der französischen Alstom wird zur Machtfrage. Die EU-Kommission sperrt sich. Die Regierungen Deutschlands und Frankreichs halten dagegen. Der Fall ist ein neues Kapitel im globalen Kampf um Marktanteile.

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Cara Röhner

Gleichheit darf verordnet werden

In Brandenburg müssen bei den Landtagswahlen künftig die Wahllisten paritätisch mit Frauen und Männern besetzt sein. Ein entsprechendes Gesetz hat der Landtag in Potsdam in dieser Woche beschlossen. Damit schreibt das Bundesland Geschichte.

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Uwe Kalbe

Der Vertrag fällt

Die USA machen ihre Drohung wahr und kündigen den INF-Vertrag, verbunden mit einem Ultimatum an Moskau. In Deutschland setzen derweil Debatten ein wie die vor 32 Jahren. Die NATO eilt an die Seite Washingtons.

Susanne Schwarz

Zelten schadet nicht

Klimaschutz, so heißt es oft, sei auch Sache jedes Einzelnen. Denn jeder Mensch entscheidet, wie er heizt, was er isst und wohin er reist. Doch was können Konsumenten wirklich gegen den Klimawandel tun?

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Fabian Hillebrand

Kleinmütige Kriminalisierung

Die Seenotretter haben es erst aus den Medien erfahren: Die italienische Küstenwache hat das Rettungsschiff der Organisation Sea-Watch am Freitag festgesetzt und lässt es nicht auslaufen. Die Blockade des letzten noch verbliebenen Rettungsschiffes im Mittelmeer erfolgte wenige Tage, nachdem die Vereinten Nationen die Kriminalisierung der Seerettung als Ursache für eine Rekord-Sterberate benannt ha...

Uwe Kalbe

Die Ankündigung

Die USA kündigen den INF-Vertrag, wie befürchtet. Absehbar ist nun auch: Die Europäer werden sich darüber in die Haare kriegen. Womöglich ist dies ein bezweckter Nebeneffekt für die USA.

Simone Schmollack

Auf den Leim gegangen

Frauen treiben leichtfertig ab, manche Frauen sehen Schwangerschaftsabbrüche als Verhütungsmethode an: eine Pille oder ein klinischer Eingriff, und zack, weg ist der Fötus, Leben kann wie gehabt weiter gehen. So argumentieren manche Unions-Politiker*innen, und so argumentieren insbesondere sogenannte Lebensschützer*innen, die in Abbrüche ein Vergehen am »ungeboren Leben« und sogar »Mord« hineinint...

Nachrichten vom Archipel Manus

Es ist eine Ehrung, die den Blick der Öffentlichkeit auf ein beschämendes Kapitel freiheitlich-demokratischer Flüchtlingspolitik richtet. Am Donnerstag wurde dem iranisch-kurdischen Autor Behrouz Boochani einer der wichtigsten australischen Buchpreise verliehen: Der mit umgerechnet 63 000 Euro dotierte Victorian Prize für Literatur. Darüber hinaus wurde sein Werk »Kein Freund außer den Bergen: Tex...

Leo Fischer

Wurst

Aus Thüringen stammt die Idee, auf dem Gelände des ehemaligen KZ Buchenwald das Deutsche Bratwurstmuseum neu anzusiedeln. Opferverbände kritisierten die Idee scharf. Leo Fischer zitiert bei seiner Kritik Adorno: »Jeder ist sich selbst ein Würstchen.«

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Präterium

Die Deutschen haben es recht schwer mit allem, was schon länger her. War’s gut? War’s schlecht? War’s überhaupt? Nicht dass es sehr viel Schlaf geraubt, Doch ist die Frage aller Fragen: Wie denn Vergang’nes richtig sagen? Die deutsche Sprache stiftet drum Verwirrung beim Präteritum. »Ich laufe«, heißt es, und: »Ich lief.« »Ich kaufe«, jedoch nicht: »Ich...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Nicht auf allen Vieren

Was denn, Christoph Hein wurde nicht verhaftet? Obwohl er in der DDR die Zensur anklagte, laut und öffentlich, auf einem Schriftstellerkongress? Kein Gefängnis? Dann habe der Autor seine Rede nicht 1987, sondern erst nach der Wende gehalten. Schlussfolgerten Studenten unlängst gegenüber ihrem Germanistik-Professor. Wie sie darauf kämen? »Weil sie ja den Film ›Das Leben der Anderen‹ gesehen hätten....

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Vorhang auf für den Vorgang

Auf der einen Seite ist da ein CSU-Verkehrsminister, der dem Bahnchef in markigen Worten Ultimaten setzt. Notgedrungen spielt Bahnchef Lutz auf der anderen Seite mit und liefert dabei ein rhetorisches Sahnestück ab: Die Bahn schnürt ein »Pünktlichkeitspaket«. Aber warum Züge eigentlich überhaupt fahren lassen? Null Fahrten gleich null Verspätung gleich hundert Prozent Pünktlichkeit!

ndPlusBahareh Ebrahimi

Die lustige Witwe

Das staatliche Bauhaus wurde 1919 in Weimar als Kunstgewerbeschule und Kunstschule gegründet. Im Laufe der Jahre kam ihm immer wieder die Politik nahe - vor allem die Rechtskonservativen und Rechtsradikalen hatten es auf die Schule abgesehen.

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Florian Brand

Abgenudelte Offenbarungen

Wer entspannen will, muss sich langweilen. Entweder man guckt den ganzen Abend Fernsehen oder man macht Tai-Chi. Dann wird man auch 100 Jahre alt, fest versprochen!

ndPlusAnita Wünschman

Nicht bloß weiße Kuben

Regina Bittner ist stellvertretende Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau und Leiterin der Akademie. Mit ihr sprach Anita Wünschmann über das Jubiläumsjahr und den Nachwirkungen der Debatten um das abgesagte Konzert der Band »Feine Sahne Fischfilet«.

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Bauhaus um die Ecke

Für die einen ist das Bauhaus ein Baumarkt, für die anderen eine Meisterwerkstatt der Moderne. Zum 100. Jubiläum teilen wir unsere persönlichen Assoziationen zum Bauhaus mit und erzählen unbekannte Anekdoten zu einigen bekannten oder doch unbekannten Bauhaus-Gebäuden in Deutschland. Bauhausgebäude Dessau In seinem Bauhaus-Manifest hat Walter Gropius 1919 seine Idealvorstellung eines G...

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Evelyn Linde

Aufgeben ist keine Option

Macarena Hernández flüchtete Mitte September aus Nicaragua nach Deutschland. Sie hatte die Politik der Regierung öffentlich kritisiert und Demonstranten mit Essen und Medikamenten versorgt. Jetzt hofft sie hier auf Asyl.

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Ulrike Wagener

Zehntausendfach unsinnig

Bei der Einführung des BAföG wurden 44,6 Prozent aller Studierenden mit Vollzuschüssen gefördert. Heute kämpft die Bundesregierung mit niedrigen Förderquoten. Warum schafft sie dann nicht das Darlehen ab?

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Velten Schäfer

Hohn der Täter

Eine Militärparade zum Jahrestag der »Leningrader Blockade«? In der deutschen Presse spricht man von »Missbrauch«. Über den Skandal, das dies niemanden empört.

ndPlusStephan Kaufmann

Von Pferden und Jockeys

Ein Top-Vorstand erhielt in Deutschland 2016 das 57-Fache des Einkommens eines durchschnittlichen Angestellten. Das ist auch richtig so, sagen nun vier amerikanische Ökonomen. Es gibt nur ein Problem mit ihrer Methode.

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Loren Balhorn

60 Minuten sind vier Stunden

Männer, Militär, Milliarden: American Football und der Super Bowl als dessen jährlicher Höhepunkt inszenieren sich sich als Quintessenz des Amerikanischen. Und doch ist das Spektakel nicht mehr unhinterfragt.

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ndPlusFelix Lill

Hotel Seltsam

Dinosaurier am Empfang, Selfies als Schlüsselersatz und eine jederzeit gesprächsbereite Bettlampe: In Nagasaki wurde vor drei Jahren ein Roboterhotel eröffnet. Doch die Revolution der Hotelbranche lässt auf sich warten.

ndPlusHans-Arthur Marsiske

Uhr, Kanone und Roboter

Alles nur Scifi? Der »Roboter« stammt aus einem Stück über einen Aufstand künstlicher Arbeitssklaven gegen ihre Schöpfer. Die Robotik hätte allen Grund, diesen Topos ernst zu nehmen und ihre Philosophie neu auszurichten.

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Hans-Arthur Marsiske

Außerplanmäßige Superintelligenz

Eine leidensfähige künstliche Intelligenz? Das scheint noch in weiter Ferne. Die Bundesregierung vernachlässigt daher die Positionen der »starken« KI. Und verzichtet darauf, höchste ethische Standards zu setzen.

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Damenwahl macht schlau

In seinem klassischen Werk »Über die Entstehung der Arten« begründete Charles Darwin 1859 das Prinzip der natürlichen Auslese. Zwölf Jahre später verfasste er eine weitere epochale Schrift, in der er sich erstmals zur Abstammung des Menschen äußerte und überdies ein zweites Evolutionsprinzip formulierte: die sexuelle Selektion. Denn er war zu der Auffassung gelangt, dass bestimmte auffällige ...

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Wie tot ist die Musikindustrie?

So wenig musste man noch nie verkaufen, um Nummer 1 zu werden: Der Rapper A Boogie wit da Hoodie setzte von seinem neuen Album »Hoodie SZN« nur 823 Stück in der Woche ab und eroberte damit die Spitze der Charts in den USA. Und das waren noch nicht einmal CDs ... ... sondern bezahlte Downloads. Die Musikindustrie ist nun endgültig tot? Nein, im Gegenteil. Die Musik dieses Rappers wur...

ndPlusMike Mlynar

Ganz spielerisch

Schon seit einiger Zeit führt die künstliche Intelligenz (KI) beim Schach (mit »Deep Blue«, 1997) und beim Go (mit »AlphaGo«, 2016) die Weltrangliste an - zwar nur gefühlt und außer Konkurrenz, aber uneinholbar. Jüngst hat das Programm »AlphaStar« sogar zwei der weltbesten Profi-Gamer beim viel komplexeren Computerspiel »StarCraft II« deklassiert - 10:1 nach elf Spielen. Die betreffende KI kann lä...

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Marie Frank

Solidarität als Feigenblatt

Berlin ist jetzt ganz offiziell eine solidarische Stadt. Die Bereitschaft zur Aufnahme von aus Seenot geretteten Flüchtlingen scheitert jedoch an der Abschottungspolitik des Bundes. Kritiker*innen sehen noch ganz andere Probleme.

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ndPlusTomas Morgenstern

Der zweite Streich

Der Müggelturm, beliebtes Köpenicker Ausflugsziel, soll einen Zwillingsbau erhalten. Eigentümer Matthias Große, der die verfallene Anlage saniert und 2018 wiedereröffnet hat, will damit die Aussichtsebene künftig barrierefrei für alle Besucher erreichbar machen.

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Enteignet und ermordet

Bei der Deportation 1943 wurden den Familien Schopper, Braun, Rose, Schmidt und Friedrich acht Wohnwagen, 26 Federbetten, sieben Fahrräder, fünf Geigen (darunter drei wertvolle Instrumente) sowie 47 Holzpantinen weggenommen, außerdem Möbel, Geschirr, Kleidung und Schmuckstücke.Die Vermögensaufstellung der Gestapo wurde später von Überlebenden als unvollständig bezeichnet. Demnach fehlten ein Auto,...

Vergessene Opfer des Faschismus
Andreas Fritsche

Vergessene Opfer des Faschismus

Die Deportation und Ermordung der Juden aus Bernau bei Berlin war bereits erforscht. Nun widmete sich der Soziologe Dieter Korczak dem Schicksal der Sinti und Roma in der Nazizeit. Die Stadt Bernau finanzierte den Druck seiner Dokumentation.

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ndPlusRonny Blaschke

Der Fußball vergisst nicht mehr

Zum internationalen Holocaust-Gedenktag beteiligten sich auch wieder alle Klubs der Fußball-Bundesliga an Erinnerungsaktionen. Dies wird zwar von allen Seiten begrüßt, doch nicht wenige bezweifeln noch die nachhaltige Wirkung.

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Felix Lill

Plötzlich eine von uns

Die neue Weltranglistenerste im Tennis ist Japanerin und dunkelhäutig. Wäre Naomi Osaka keine Garantin für aufsehenerregende Welterfolge, würde sie vermutlich nicht so sehr als Japanerin gefeiert. Nun aber ist man ganz flexibel.

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ndPlusTom Mustroph

Friede den Hütten!

Jaime Roncancio war Gangmitglied im Stadtteil Egipto im kolumbianischen Bogota. Jetzt führt er Touristen durch das ehemals berüchtigte Viertel. Während des Drogenkrieges erreichte hier kaum jemand aus einer Gang das Alter von 18 Jahren.

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»Die Vorwürfe sind knüppelhart«
Fabian Hillebrand

»Die Vorwürfe sind knüppelhart«

Bewegt von der Tragödie im Mittelmeer wandte Kapitänin Pia Klemp sich 2015 der privaten Seenotrettung zu. Seitdem haben sie und ihre Crew mehr als 1000 Flüchtende vor dem Ertrinken gerettet. Dafür wird nun gegen sie ermittelt.