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Regina Stötzel

60 Jahre 99-46-84

Zum Internationalen Frauentag gingen nd-Redakteurinnen in Berlin zusammen mit Hunderttausenden Frauen in aller Welt auf der Straße. Lesen Sie auch, wie die Löhne in Deutschland flächendeckend steigen könnten, und im Interview mit Intendant Thomas Oberender, warum die Berliner Festspiele den Palast der Republik wiederauferstehen lassen.

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Ralf Streck, San Sebastian

Anhalten, um alles zu verändern

Wir haben im vergangenen Jahr einen Meilenstein gesetzt und heute schreiben wir Geschichte«, erklärt Nekane Benavente dem »nd«. Denn zum zweiten Mal in Folge wird in Spanien am Internationalen Frauentag massenhaft gegen Machogewalt, für Gleichberechtigung, gegen Diskriminierung und für Gleichstellung gestreikt. Benavente hat den zweiten Frauenstreiktag hier im baskischen Donostia/San Sebastian mit...

Philipp Blees

»Jeder Tag ist Frauenkampftag«

Am internationalen Frauentag haben in Berlin mehrere tausend Menschen für die Gleichstellung von Frauen demonstriert. Die Veranstalterinnen sprechen von 20.000 Teilnehmenden. Der Protestmarsch blieb nicht die einzige Aktion an diesem Tag.

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ndPlusEva Roth

Nach dem Lohnverfall

Die SPD will höhere Mindestlöhne zu einer zentralen Forderung im EU-Wahlkampf machen. Doch das reicht nicht, um die Ungleichheit zu korrigieren, sagt der Sozialforscher Bosch und fordert einen »Systemwechsel« in der Tarifpolitik.

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Eva Roth

Tarifgehälter - schwer gemacht

Im Hotel- und Gaststättengewerbe erhalten extrem viele Menschen Niedriglöhne. In Bremen ist es Gewerkschaft und Arbeitgeberverband gelungen, den Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklären zu lassen. Andere wollen dem Beispiel folgen.

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Aert van Riel

Das Portemonnaie bleibt zu

Ein Gericht in New York hat die Klage von Herero und Nama abgewiesen. Die Nachfahren von Opfern des Völkermords im heutigen Namibia wollten eine Milliadenentschädigung aus Deutschland erhalten. Stattdessen will Berlin nun mehr Entwicklungshilfe leisten.

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Alexander Isele

Anpassung an chinesische Lebensstile

Am Sonnabend vor 60 Jahren begann der Aufstand in Tibet, der zur Flucht des Dalai Lamas ins indische Exil und der Gründung der Tibetischen Exilregierung führte. Noch immer wird um Autonomie gestritten, doch in Tibet selbst sind andere Themen akut.

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Aert van Riel

Schuld ohne Sühne

Die Bundesregierung kann nach der juristischen Niederlage der Herero und Nama in New York ihre bisherige Vergangenheitspolitik fortsetzen. Diese besteht daraus, einstige Opfer von Krieg und Völkermord mit kleinen Zugeständnissen abzuspeisen.

Robert D. Meyer

Kein Geheimdienstskandal

Es ist interessant, was die AfD zum Erfolg aufbläst. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) akzeptiert das Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts, die Rechtsaußenpartei nicht mehr öffentlich als »Prüffall« zu bezeichnen. Dass die AfD jubelt und Parteivertreter den Rücktritt von BfV-Präsident Thomas Haldenwang fordern, ist auch als Nebelkerze zu verstehen. An der Sachlage ändert sich nichts....

Wolfgang Hübner

Kesse Sprüche

Dass Angela Merkel nur noch Kanzlerin auf Abruf ist, dürfte spätestens seit dem Wechsel an der Spitze der CDU klar sein. Ihre Nachfolgerin im Parteivorsitz, Annegret Kramp-Karrenbauer, ist nicht die kleine Zwillingsschwester Merkels, wie lange gemutmaßt, sondern eine Politikerin, die sich stracks von Merkel emanzipiert und für eine Rückbesinnung der CDU auf einen strikten Konservatismus steht. Man...

ndPlusGuido Speckmann

Keynesianer

2003 war er seiner Zeit weit voraus. Damals beendete Sebastian Dullien seine Promotion über wirtschaftliche Ungleichgewichte in der Euro-Zone. Dafür sei er fast verlacht worden, sagte er der »Süddeutschen Zeitung« 2016, die ihn in ihrer Reihe der wichtigsten Ökonomen in Deutschland porträtierte. Die meisten Wirtschaftswissenschaftler gingen Mitte der Nullerjahre davon aus, dass sich die Euroländer...

Wolfgang Pomrehn

Der Konsument ist machtlos

Wenn es so weiter geht, steht uns eine Klimakatastrophe bevor. Doch individueller Klimaschutz kann verhältnismäßig wenig dagegen ausrichten. Die Konzerne sind die größten Umweltsünder. Ihnen muss man das Handwerk legen.

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Bemerkenswert

Kürzlich kritisierte der Berliner Erzbischof Heiner Koch, dass der rot-rot-grüne Berliner Senat den Internationalen Frauentag am 8. März als gesetzlichen Feiertag eingeführt hat. Bei der Entscheidung, so Koch, sei die Meinung der Mehrheit der Bevölkerung nicht berücksichtigt worden, denn diese habe sich in Umfragen für den 31. Oktober (Reformationstag) oder für den 9. November (Mauerfall) ausgespr...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Junge Frauen haben’s schwer

Unlängst war ich in einer türkischen Familie zu Gast. Der Mann liebt Bücher; alles war voll davon. Die Frau hatte den Tisch festlich gedeckt und für die köstliche Fülle wohl den ganzen Tag in der Küche gestanden. Unter ihrem Kopftuch so gütige Augen. Und eine Stimme, ganz sanft. «Wir haben sieben Kinder, sechs leben noch in der Wohnung bis sie verheiratet sind. »Sieben Kinder, das muss schwer sein...

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Paula Irmschler

Porridge Schmorridge

Alle essen jetzt Porridge. Liebe Leute. Haferflocken und Milch, das nennt man Haferschleim oder Haferbrei, was ist eigentlich los? Das hat man früher gegessen, wenn man nichts anderes im Haus hatte oder krank war.

ndPlusKatharina Deparade

Auf den Spuren einer vergessenen Moderne

Leuna, Weißenfels, Zeitz. Die Gebäude der klassischen Moderne sind nicht nur Kulturdenkmäler moderner Architektur. Sie sind Zeugnisse des Strukturwandels einer Region. Ihre jeweils einzelnen Geschichten verbinden sich zu einer einzigen.

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Auferstehung nach 20 Jahren

Noch bis Sonntag gibt es im Haus der Berliner Festspiele - Schaperstraße 24 - den »Palast der Republik«: Filme, Installationen, Musik, Performance. Im Erinnerungssog, den das aufrührerische Jahr 1989 erzeugt, ein schöner Aufriss gegen die Nachwirkungen eines Abrisses - von Architektur und Sinn.Am gestrigen Freitag fand »Re-Vision« statt, Erinnerung an die Bürgerbewegung im Osten, am heutigen Sonna...

ndPlusHans-Dieter Schütt

»Nein, ich bin nicht wie ihr!«

Thomas Oberender ist seit 2012 Intendant der Berliner Festspiele. Mit »nd« sprach er über den »Palast der Republik« und die Liebe zu Dingen, vor denen man Angst hat.

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Jürgen Amendt

Ein geordneter Massensuizid sollte in Erwägung gezogen werden

Nichts ist in diesen Zeiten so wichtig wie Aufmerksamkeit. Als Radfahrer in Berlin muss man zum Beispiel besonders aufmerksam sein, will man nicht wortwörtlich unter die Räder (bevorzugt jene, die an den Achsen von 40-Tonnern aufgehängt sind) geraten. Einmal nicht aufgepasst … Doch auch im Medienbetrieb ist Aufmerksamkeit überlebenswichtig. In den USA wurde jetzt eine Doku veröffentlicht, die...

Wolfgang Hübner

Die Suche nach dem Unausgesprochenen

Was aus uns geworden ist - der Musiker und Schriftsteller André Herzberg ist im Roman und auf einem Liederalbum unterwegs zu sich selbst.

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ndPlusKarlen Vesper

Euphorie und Ernüchterung

Zwei Fotos, fast ein Jahrhundert liegt zwischen beiden Aufnahmen. Heiner Simon ist stolz auf beide, hütet sie wie einen Schatz. Die eine zeigt seinen Großvater während der deutschen Revolution 1918. Es gehört zu den am häufigsten veröffentlichten aus jener dramatischen Zeit.

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Vanessa Fischer

Gender-Gaga

Die börsennotierte Firma Bic verkauft seit Kurzem Frauen-Kugelschreiber. Endlich, welch Glück! Nach 100 Jahren Frauenwahlrecht war es auch verdammt noch mal an der Zeit für einen eigenen Kugelschreiber.

Seite 18
Ulrike Auga

Die Ordnung der Geschlechter

Geschlechterstudien in Ungarn wird es bald nicht mehr geben - das ist nicht nur ein Angriff auf die wissenschaftliche Freiheit, sondern auch auf die sexuelle Selbstbestimmung.

Seite 19
ndPlusDiane Izabiliza

Kirche statt Uni

Die »Kirche des Schwarzen feministischen Denkens« im US-amerikanischen Oakland setzt sich für eine Erweiterung des akademischen Kanons ein. Ein Interview mit den zwei Gründerinnen dieser Vereinigung

Seite 20
ndPlusChristopher Wimmer

Ehemetaphern für den Klassenkampf

Bereits 1979 sprach die feministische Ökonomin Heidi Hartmann in einem Aufsatz von einer »unhappy marriage« - einer unglückliche Ehe - zwischen Marxismus und Feminismus. Wenn man so will, ist die argentinische Aktivistin An- drea D’Atri nun angetreten, hierfür eine Paartherapie anzubieten. Ihre Eheberatung hat die Form des Buches »Brot und Rosen« angenommen, das jüngst im Argument Verlag erschiene...

Ulrike Wagener

«Die Männer waren die Alten»

Die DDR hatte das Patriarchat nicht abgeschafft, doch war die Hierarchie in vielem flacher: Wie Frauen aus dem Osten die «Wende» erlebten.

Seite 21
ndPlusUlrike Wagener und Lotte Laloire

Kartoffeln, Tomaten, Solidarität

Der Internationale Frauentag wurde auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1911 vorgeschlagen. Seitdem hat sich einiges getan. Ulrike Wagener und Lotte Laloire erzählen die Geschichte dieses Kampftages.

Seite 22

HIV-Patient möglicherweise geheilt

Möglicherweise ist ein HIV-Patient mit Hilfe einer besonderen Therapie geheilt worden. Bei dem vormals Infizierten sind 34 Monate nach einer speziellen Stammzelltransplantation keine Viren mehr nachweisbar. Das berichtet ein Medizinerteam um Ravindra Gupta vom University College London im Fachblatt »Nature« (DOI: 10.1038/ s41586-019-1027-4). Sollte der Aidserreger auch in den kommenden Jahren nich...

ndPlusReinhard Renneberg

Super-Kuh »Ubre Blanca«

»Hunger auf Kuba!« Das vermelden mit Krokodilstränen deutsche Mainstream-Medien. Nun ja. Biolumnist RR hat bisher vor Ort von Havanna bis Cienfuegos und Trinidad keinen einzigen Hungernden gesehen, wohl aber volle Bauernmärkte, aber eben auch Lebensmittelkarten für wichtige Grundnahrungsmittel. Als gelernter Rinderzüchter - wie die Ost-Juristen und Politiker Gregor Gysi und Peter-Michael Diestel -...

Thomas Isenburg

Den Heringen wird’s zu warm

Der Klimawandel wird sich in Zukunft auf das Leben von Mensch und Tier auswirken. In der Ostsee hat er bereits erhebliche Konsequenzen - vor allem für die dort ansässigen Fischer.

Seite 23
ndPlusGert Lange

Die Tiefkühltruhe der Pandora

Durch Bohrungen im Permafrostboden lässt sich erstmals berechnen, wie viel fossiler Kohlenstoff im »ewigen« Eis lagert - und was passiert, wenn es auftaut.

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Regina Stötzel

Telefonstrippen und höhere Mathematik

Dr. Steffen Schmidt, Jahrgang 1952, ist der Universalgelehrte der Redaktion. Auf fast 
jede Frage weiß er eine Antwort – und wenn doch nicht, beantwortet er eine andere. Regina Stötzel fragte ihn nach verdrehten Telefonschnüren.

ndPlusMike Mlynar

Träumen und rechnen

An diesem Wochenende dürfte um den Berliner Funkturm herum kein (Reklame-)Blatt zu Boden fallen können. Die Internationale Tourismusbörse (ITB) hat zwei Tage lang auch fürs Publikum geöffnet, und es wird ein Riesenansturm erwartet. Die Branche ist nämlich recht speziell. Sie verkauft nichts zum Anfassen oder Anziehen, auch nichts zum Zurückgeben, wenn es später nicht mehr gefällt, sondern - Träume...

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Heraus aus dem industriellen Sumpf
ndPlusNicolas Šustr

Heraus aus dem industriellen Sumpf

Die Siemens AG plant ein neues Stadtquartier auf untergenutzten Industrieflächen in Berlin-Spandau. Der Senat räumt dem Projekt große Priorität ein. Anwohner sorgen sich vor Verdrängung.

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Martin Kröger

Verkehrswende sofort

Wer eine Verkehrswende ankündigt, muss sie auch umsetzen. Die Neuverteilung des öffentlichen Straßenraums in Berlin geht zu langsam voran. Mehr als einige wenige Radwege sollten doch möglich sein.

Marie Frank

Neuer Name, alte Probleme

Was bringt eine Namensänderung der Berliner Ausländerbehörde, die Rot-Rot-Grün in Landesamt für Einwanderung umbenennen will? Flüchtlingsexperten sind unterdessen skeptisch, dass der angepeilte Imagewechsel gelingt.

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Andreas Fritsche

Gedenkstätte Lieberose braucht Geld

In Lieberose sind 577 jüdische Opfer des Faschismus beigesetzt. Um die KZ-Gedenkstätte zu sanieren, beantragte das Amt Lieberose Fördermittel beim Finanzministerium, beim Kulturministerium und beim Landkreis. Knackpunkt ist bislang die Kofinanzierung.

Seite 28
ndPlusFelix Jaitner

Taktiknerd und Geschichtenerzähler

Der Fußball hat sich in den letzten 20 Jahren stark verändert, das zeigt sich nirgendwo so deutlich wie beim Beruf des Trainers. Dazu stellt Autor Tobias Escher elf zeitgenössische Fußballlehrer vor und erklärt, warum sie erfolgreich sind.

ndPlusAlexander Ludewig

Motivation durch Identifikation

Im Sommer 2005 kam der gebürtige Essener nach Berlin. Im Interview spricht Bob Hanning über die Berliner Vereinsphilosophie, bundesweite Aufmerksamkeit und große Chancen des Handballs nach der Heim-Weltmeisterschaft.

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ndPlusOliver Kern

Die neuen Dopingtester

Die Weltmeisterschaften in Östersund werden die ersten sein, bei denen sich die Biathleten von Kontrolleuren der International Testing Agency (ITA) Blut und Urin abnehmen lassen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte nach den jüngsten Dopingquerelen Reformen vom Biathlonverband IBU gefordert und den Geldhahn zugedreht, also unterwarf man sich und gab die Kontrollen an die auf Betreiben...

Andreas Morbach

»Keiner wird so dumm sein«

Nach dem jüngsten Dopingskandal wird klar, dass auch der Biathlonverband seine dunkle Vergangenheit noch nicht aufgearbeitet hat.

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ndPlusMarc Jerusel

Die Qualen einer Kreatur

Unterwegssein beschert Grenzerfahrungen. Beim Trampen im Süden Kirgisistans erfuhr unser Autor von seiner eigenen Ohnmacht und Feigheit: Ein Yak wird gequält, soll er einschreiten?

Seite 32
ndPlusFelix Lill

»Wir brüllen vielschichtiger«

Wer Jazzer ist und etwas auf sich hält, der muss nach Berlin, heißt es in der Szene. Betonung auf der. Denn Frauen gibt es in diesem Genre kaum. Die Österreicherin Laura Winkler ist eine von ihnen.