Seite 1

Raed Saleh als SPD-Fraktionschef in Berlin bestätigt

Berlin. Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, ist am Dienstagnachmittag in seinem Amt bestätigt worden. Das teilte ein Pressesprecher der Fraktion mit. Der 41-jährige Sozialdemokrat aus Spandau erhielt demnach 66 Prozent der Stimmen und damit deutlich weniger als noch vor drei Jahren bei der letzten Vorstandswahl. Im September 2016 war Saleh noch mit 92 Prozent der...

Trinkwasser wird immer kostbarer

Paris. Der weltweite Wasserbedarf wird nach Einschätzung der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2050 um 20 bis 30 Prozent steigen. Laut dem am Dienstag veröffentlichten jährlichen UN-Weltwasserbericht haben aber schon heute 844 Millionen Menschen keinen verlässlichen Zugang zu Trinkwasser. Gleichzeitig droht durch den Klimawandel zunehmende Wasserknappheit. Besonders betroffen von schlechter Wasserve...

Unten links

Die Feststellung des Speakers of the House, John Bercow, dass nach einer Übereinkunft aus dem Jahre 1604 eine erneute Abstimmung im Unterhaus über das gleiche von Theresa May ausgehandelte Brexit-Abkommen derzeit nicht möglich sei, sollte keineswegs ins Lächerliche gezogen werden. Schließlich könnte sich diese Abstimmung noch öfter wiederholen. Und schon im Jahr 1785 hat ein - übrigens ebenfalls e...

Nasarbajew erklärte seinen Rücktritt

Astana. Nach 28 Jahren an der Staatsspitze hat Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew überraschend seinen Rücktritt erklärt. Der 78-Jährige Staatschef des zentralasiatischen Landes kündigte seinen Amtsverzicht am Dienstag in einer Fernsehansprache an. Nasarbajew hatte Kasachstans höchstes Staatsamt seit der Unabhängigkeit der früheren Sowjetrepublik im Jahr 1991 inne. Zuvor war er bereits seit...

Sebastian Weiermann

Recht haben und bekommen

Die Bundesregierung muss sich laut eines Gerichtsurteils über den Drohnenkrieg der US-Amerikaner in Jemen informieren. Dass dafür eine Klage von Angehörigen der Opfer notwendig war, ist bitter. Noch bitterer ist, dass sich wohl nichts an der Rolle Ramsteins im Drohnenkrieg ändern wird.

Abschiebung ins Elend erlaubt

Luxemburg. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat am Dienstag Urteile gefällt, die für die Asylpraxis in der EU große Auswirkungen haben können. In dem einen Richterspruch ging es darum, ob ein Mitgliedstaat Geflüchtete gemäß der Dublin-III-Verordnung in ein anderes EU-Land abschieben darf, auch wenn es dort Mängel in den Sozialsystemen gibt. In Deutschland gab es mehrere Fälle, in denen Gerichte ...

Sebastian Weiermann

Drohnenkrieg via Ramstein wird überprüft

Ist die Bundesrepublik mitverantwortlich für tödliche amerikanische Drohnenangriffe vom US-Militärstützpunkt Ramstein? Drei Jemeniten hatten gegen das Verteidigungsministerium geklagt - und erkämpften vor dem Oberverwaltungsgericht Münster einen Teilerfolg.

Seite 2
Eva Roth

»Es ist eine Trendwende zu beobachten«

Er gilt als Kritiker strenger Sparpolitik und sorgte schon vor seiner Ernennung zum »Wirtschaftsweisen« für Diskussionen: Achim Truger folgt auf Peter Bofinger in dem Sachverständigenrat. Der linke Ökonom im Interview.

Seite 3

Mit Büchern wachsen

Zur Eröffnung der Buchmesse wird gegen die Präsenz rechter Verlage demonstriert. Und womit beschäftigt sich der kriselnde Buchmarkt im Gastland Tschechien?

Uwe Stolzmann

Mit Franz Kafka in der Zeitmaschine

Eine Reise nach Prag, um zu erfahren, wie heutige Autoren die alte Stadt von Franz Kafka sehen. »Prag lässt nicht los. Dieses Mütterchen hat Krallen«, meinte der berühmte Schriftsteller einmal.

Seite 4

Integration nachrangig

Düsseldorf. Geplante Kürzungen von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) bei den Flüchtlingsmitteln stoßen auf heftigen Widerstand der Länder und Kommunen. »Der Vorschlag des Bundesfinanzministers ist indiskutabel«, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) der »Rheinischen Post«. »Wer den Kommunen die Erstattung der flüchtlingsbedingten Kosten der Unterkunft streiche...

ndPlusLotte Laloire

Mutter, Mutter, diskriminiertes Kind

Oppositionsarbeit kann frustrieren. Doch in der Debatte über das Abstammungsrecht scheinen die Grünen der Schrittmacher für die Regierungspolitik zu sein.

Markus Drescher

Schlimm ist nicht genug

Der Europäische Gerichtshof hat in mehreren Urteilen Fragen deutscher Gerichte zur Auslegung der EU-Asylregeln in Sachen Abschiebungen geklärt. Asylbewerber dürfen auch in Länder mit mangelhaften Sozialsystemen zurückgeschickt werden.

Seite 5

Lafontaine: Aufstehen wurde »blockiert«

Oskar Lafontaine wirft SPD, Grünen und der LINKEN vor, eine gemeinsame Sammlungsbewegung zu blockieren. Sahra Wagenknecht fordert eine »Grundsatzentscheidung« von ihrer Partei.

ndPlusAlina Leimbach

Noch immer viele Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen geht langsamer zurück als in der Vergangenheit. Diejenigen, die den Wechsel in die Arbeit packen, landen selten in regulärer Beschäftigung.

Philip Malzahn

Keine Kompromisse für die Kurden

Nach dem Ende des IS sollen die Karten in Syrien neu gemischt werden, das ist seit Monaten klar. Die Regierung in Damaskus setzt mittlerweile auf Sieg und sendet ein deutliches Signal an die Kurden.

Seite 6
Wolf H. Wagner, Florenz

Eine Leiche, die radioaktiv strahlt

Seit neun Jahren laufen die Ermittlungen gegen Silvio Berlusconi im Zuge seiner »Bunga-Bunga-Parties«. Die Zeugin Imane Fadil wurde möglicherweise radioaktiv vergiftet.

Ian King, London

Britischen Abgeordneten läuft Zeit davon

Nach dem Aus für eine dritte Abstimmung über Theresa Mays Brexit-Plan ist die britische Regierung am Dienstag zu Beratungen über das weitere Vorgehen zusammengekommen.

Seite 7

»Mar«+»Len«

Im Alter von 93 Jahren ist der sowjetische Kultregisseur Marlen Chuzijew in Moskau gestorben. Der Künstler, dessen Filme die sowjetische Tauwetter-Periode der 1960er Jahre prägten, war 2015 in Wiesbaden beim Osteuropa-Filmfest goEast zu Gast gewesen. Das Berliner Kino Arsenal - Institut für Film und Videokunst zeigte damals auch eine Retrospektive mit seinen in Russland bis heute populären Streife...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Der Staub ist der Herr

Dieser Mann ist ein erschütterndes Beispiel für das Grundgesetz aller Existenz: das Vergessenwerden. Nehmen wir uns selber: Stündlich erfinden wir Prioritäten und Popularitäten und Prinzipien, plustern uns ins Bescheidwissen und in eherne Grundsätze hinein - aber der Gedanke an Kotzebue ernüchtert. Just der Staub, den wir um uns herum aufwirbeln, wird regelmäßig und verlässlich zum Herrn über die ...

ndPlusGeorg Leisten

Die Dandys von Kinshasa

Der Satellitenkönig ist da, wo er hingehört: ganz oben. Das hybride Fluggerät mit dem Kopf einer afrikanischen Ahnenstatue und dem Rumpf einer Raumkapsel schwebt durchs schwarze All. Ein bunt gewandeter Astronaut greift zum Pinsel, um letzte Hand an den Science-Fiction-Götzen zu legen. Mit der futuristischen Szene malt der aus Kongo stammende Künstler Monsengo Shula sich und seinem Land eine glorr...

Seite 8

Zum Mark Brandenburg

Das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum im Rheinsberger Schloss widmet Klischees über Brandenburg eine neue Ausstellung. Unter dem Titel »unausstehlich und reizend zugleich: Die Brandenburger« werde dort der Frage nachgegangen, wie sich die Klischees von der Mark Brandenburg und ihren Bewohnern in Literatur und Kunst entwickelt haben, teilten das Museum und die Brandenburgische Gesellschaft für Kultur ...

»Von karger Schönheit«

Die Literaturübersetzerin Olga Radetzkaja (54) erhält den Straelener Übersetzerpreis 2019 der Kunststiftung NRW. Die mit 25000 Euro dotierte Auszeichnung wird zusammen mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium vergeben. Die Berlinerin Radetzkaja werde für ihr Lebenswerk und ihre Übersetzung aus dem Russischen von Viktor Schklowskijs Roman »Sentimentale Reise« ausgezeichnet, teilte das EÜK am Diens...

»Gäste auf Zeit« in Mannheim

Mehr als 30 von den Nazis im Jahr 1937 beschlagnahmte Grafiken der Kunsthalle Mannheim werden als »Gäste auf Zeit« wieder in ihrer ursprünglichen Heimat zu sehen sein. Die von der Kunsthalle von diesem Freitag an präsentierten Werke gehören zu den rund 500 Grafiken, die bei zwei NS-Beschlagnahme-Aktionen als »entartet« konfisziert worden waren. Von diesen befinden sich heute über 50 Werke in öffen...

Reise durch die Moderne

Klee & Friends« - unter dem flippigen Titel zeigt das Zentrum Paul Klee in Bern in seinen modernen Ausstellungsräumen 230 Werke von Klee und seinen Künstlerfreunden. Werkgruppen von Klee-Freunden wie August Macke, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp zeigen neben Schlüsselwerken von Klee, wie sich die Künstler gegenseitig inspiriert haben.Die Ausstellung ist ein...

Bauhaus wird zur Schule

Das Dessauer Bauhaus wird wieder zu einer Schule - auf Zeit: Hier treffen sich rund 150 Kreative und Pädagogen aus dem In- und Ausland zum Festival »Schule Fundamental«. Von Mittwoch bis Sonntag (24. März) wollen die Teilnehmer am Herzstück der berühmten Kunstschule, dem Bauhausgebäude mit seiner markanten Glasfassade, über neue Konzepte für die Ausbildung von Architekten und Designern im 21. Jahr...

ndPlusMesut Bayraktar

Streik ist ein Bildungsziel

Was passiert, wenn die Schüler gegen die Klimakatastrophe streiken? Noch wenden sie sich an die Regierung. Noch ist ihre Aktion ein Appell. Was aber, wenn diese jungen Internationalisten auf die Idee kommen, die Schule freitags nicht zu verlassen, sondern sie zu besetzen?

Seite 9
ndPlusFlorian Brand

Salafisten-Takeover

Seelenruhig spaziert ein leger gekleideter junger Mann am 8. Februar dieses Jahres auf die Bühne der Battle-Rap-Veranstaltung »TopTierTakeover« in Frankfurt. In seiner Hand eine Spiegelreflexkamera. Er wirkt locker und entspannt, hält sich im Hintergrund der Bühne - auf der sich gerade zwei Battle-Rapper im sportlichen Wettstreit gegenseitig verbal zerlegen - macht Fotos von den Anwesenden und ver...

Benjamin Moldenhauer

Reptiloide, Mondnazis und die Hohlwelt

Der zweite Teil von »Iron Sky«ist wieder nicht gut. Bereits der erste hatte das Problem, dass aus der einen einsamen Idee, auf der er fußt, nicht wirklich etwas entwickelt wird. »The Coming Race« bleibt da in der Spur.

Seite 10
Jana Frielinghaus

Früh übt sich der Nachwuchslobbyist

Eine auskömmliche gesetzliche Rente können »wir« uns in Zeiten des demografischen Wandels nicht mehr leisten. Das trichtern uns seit Jahr und Tag Experten ein, die im Dienst der von Unternehmerverbänden finanzierten »Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft« (INSM) stehen, von öffentlichen Sendern aber als neutrale Wissenschaftler vorgestellt werden. Bei Tilman Kuban, neuer Chef der Jungen Uni...

Markus Drescher

Nachschub für die Schreihälse

Abschiebungen, Abschiebungen, Abschiebungen. Schon jetzt haben die Rückführungen von Flüchtlingen für viele in der Politik oberste Priorität. Lässt sich damit doch sehr leicht demonstrieren, dass man das wutbürgerliche Ausländer-raus-Empfinden auch wirklich ernst nimmt. Mit den Urteilen des Europäischen Gerichtshofs, die die Messlatte für die Behandlung von Migranten und die sozialen Umstände, in ...

Martin Ling

Verweigertes Menschenrecht

Es ist der globale Menschenkiller Nummer eins: der Mangel an sauberem Trinkwasser und an sicherer Abwasserentsorgung. 780.000 Menschen sterben jährlich an Ruhr und Cholera - das sind laut der UNO mehr Opfer als durch Konflikte, Erdbeben und Epidemien. Es ist die größte existierende Menschenrechtsverletzung auf dem Planeten. Denn seit Juli 2010 ist das Menschenrecht auf Wasser verbrieft. Damal...

ndPlusClaudia Krieg

Sozioarchitektin

Renée Gailhoustet hat die Arbeit in ihrem Architekturbüro zugunsten architekturtheoretischer Schriften bereits vor 20 Jahren beendet. Das ist verständlich, denn die diesjährige Preisträgerin des Großen Berliner Kunstpreises feiert im September ihren 90. Geburtstag. Das ist aber auch sehr schade, denn Berlin könnte sich glücklich schätzen, wäre diese Grande Dame der französischen Wohnungsbauarchite...

Tom Strohschneider

Merkels leises Dröhnen

Angela Merkel hat den CDU-Vorsitz an Annegret Kramp-Karrenbauer abtreten müssen. Trotz dieses partiellen Machtverlustes: Die Regierung und deren Takt wird weiter von der Kanzlerin bestimmt – es dröhnt dabei nur nicht so laut.

Seite 11
Nicolas Šustr

Private raus aus dem BBU

Gegründet wurde der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen 1897 als genossenschaftlicher Selbsthilfeverband. Die noch junge Bewegung, die ihren Mitgliedern guten Wohnraum zu erträglichen Preisen sichern wollte, musste sich gegen harte und oft unfaire Behandlung der Privatwirtschaft wehren. Unter anderem riefen Bauunternehmer Mondpreise auf. Die Verhältnisse änderten sich, dennoc...

ndPlusNicolas Šustr

Streik gegen B-Plan Ostkreuz

Diesen Mittwochabend wollte der Bezirk Lichtenberg über den Bebauungsplan Ostkreuz informieren. Die Veranstaltung fällt wegen eines Streiks im Kino am Treptower Park aus.

Martin Kröger

Eckpunkte für Mietendeckel bis zum Sommer

Ab sofort ist es keine Frage mehr, ob der Mietendeckel in Berlin kommt, sondern wie er ausgestaltet sein wird. Am Dienstag verständigte sich Rot-Rot-Grün auf ein gemeinsames Vorgehen.

Nicolas Šustr

»Nicht mit unseren Mieten«

Eine »gemeinwohlorientierte Wende« statt »Lobbyarbeit für Deutsche Wohnen« des aus der Genossenschaftsbewegung hervorgegangenen Vermieterverbandes BBU fordern Mieter in einem Offenen Brief.

Seite 12

Heldinnen und Helden der Arbeit

Rauchende Schlöte, Arbeiterinnen und Arbeiter in Kittelschürzen und Arbeitsbekleidung. Berlin war bis vor wenigen Jahrzehnten ein bedeutender Industriestandort. Das galt vor dem Fall der Mauer insbesondere für den Osten Berlins, wo in der Hauptstadt der DDR nicht nur das politische, sondern auch das industrielle Herz des Arbeiter- und Bauernstaates schlug. Eine Vielzahl von Volkseigenen Betrieben ...

Anna Schulze

Räumungklage gegen Potse

Seit fast vier Monaten ist das Jugendzentrum Potse besetzt. Eine Räumungsklage soll dies beenden. Das Kollektiv will so lange in den Räumen bleiben, bis eine angemessene Alternative gefunden wurde.

Seite 13

Krankenhaus gerettet

Luckenwalde. Das Krankenhaus Luckenwalde ist gerettet. Die KMG Kliniken haben vom Gläubigerausschuss den Zuschlag für die Übernahme erhalten, meldeten das Gesundheitsministerium und der Landkreis Teltow-Fläming. KMG-Chef Stefan Eschmann hat den Vertrag unterschrieben. Ihm ist bewusst, dass hinter den rund 500 Mitarbeitern »eine Zeit großer Unruhe« liegt. In Bedrängnis war das Krankenhaus vor 13 Wo...

Sperrung der B 169 teuer

Anwohner hatte der Lärm gestört und sie erwirkten ein Fahrverbot für den Lkw-Durchgangsverkehr. Das stört wegen der höheren Kosten die Wirtschaft.

ndPlusAndreas Fritsche

Politikerinnen einst und heute

Der Frauenanteil im Potsdamer Stadtparlament beträgt aktuell nur 37 Prozent, doch die LINKE und die Grünen geben mit einer 57-Prozent-Quote ein gutes Beispiel.

Seite 14
ndPlusCäcilie Bachmann

Kostspielige Sparversuche

Wie eine Erzieherin nennt Bremens Rechnungshofpräsidentin Bettina Sokol bei der Vorstellung des Jahresberichts 2019 das Positive zuerst und guckt wegen der miserablen heimischen Finanzlage milde über ein paar Haushaltsüberschreitungen hinweg. Bremens Haushalt sei ins Gleichgewicht gebracht worden durch günstigere Kreditbedingungen und höhere Steuereinnahmen. Trotz Schuldentilgung sei es möglich, i...

Hendrik Lasch, Dresden

80 Prozent Frauenanteil auf dem Stimmzettel

Die LINKE in Sachsen stellt ihrem Spitzenkandidaten Rico Gebhardt für die Wahl im Herbst ein »Kernteam« aus vier Frauen zur Seite. Diese erhalten vordere Plätze auf der Liste.

Folke Havekost, Hamburg

Die Kamera in der Cola-Flasche

Mit einer Anfrage an den Senat wollte die Linksfraktion Licht in das Dunkel um die Observierung eines linken Infoladens bringen. Doch der Senat mauert, beruft sich auf das Überwachungsgesetz.

Seite 15

Merkel will sich bei Fusion zurückhalten

Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich angesichts der Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank für Zurückhaltung seitens der Regierung ausgesprochen. »Das sind privatwirtschaftliche Entscheidungen und ich plädiere sehr dafür, dass die Bundesregierung sich da nicht mit einem Votum einmischt«, sagte Merkel am Dienstag in Berlin auf einer Konferenz zu internationaler Pol...

Rainer Balcerowiak

Dank Lohndrückerei in der ersten Liga

Zum ersten Mal legten sie ihre Vergütungen offen: Demnach kassierten die drei Zalando-Chefs im Jahr 2018 knapp 50 Millionen Euro. Für ihre Mitarbeiter gibt es weniger Grund, »vor Glück zu schreien«.

ndPlusHans-Gerd Öfinger

Lehre rechnet sich nicht

20 Prozent der Medizinstudierenden fallen in Gießen durch die Prüfung. Diskutiert wird nun nicht nur über die Qualität der Ausbildung, sondern auch, was dies mit der Privatisierung der Uniklinik zu tun hat.

Seite 16
ndPlusAndreas Schirmer, Frankfurt am Main

Rückwärts gehen, um vorwärts zu kommen

Das schwache EM-Abschneiden der deutschen Eiskunstläufer weckt kaum Hoffnungen für die nun anstehende WM in Japan. Nach den Titelkämpfen steht die Deutsche Eislauf-Union vor einem Neuanfang.

Aufstieg für Dirk Nowitzki

Dallas. Auf jeder einzelnen Werbetafel im Rund leuchtete der Name Dirk Nowitzkis, auf dem Videowürfel liefen Bilder früherer Meilensteine, und niemanden hielt es noch auf seinem Sitz. Mit ganz großem Brimborium feierten die Dallas Mavericks ihren Superstar, als der Sprung auf Rang sechs der ewigen NBA-Scorerliste perfekt war - vorbei am großen Wilt Chamberlain. »Es ist immer unglaublich, wenn man ...

Alexander Ludewig

Bundestrainer im Notstand

Mit dem ersten Länderspiel im Jahr 2019 beginnt für die DFB-Elf laut Joachim Löw eine »neue Zeitrechnung«. Die Voraussetzungen für den Weltmeistertrainer aber haben sich grundlegend geändert.

Seite 17

Zeitumstellung in der Nacht zum 31. März

Ab 1. März 2019 sind wieder einige Neuerungen und neue Gesetze in Kraft getreten, wobei der in Berlin eingeführte neue Feiertag mit dem Internationalen Frauentag am 8. März schon hinter uns liegt. Was ist noch wichtig?

Seite 18

BGH-Urteil: Streit um zu teure Krebs- medikamente

Im Streit mit Kliniken um zu hohe Rechnungen für Krebspatienten können die privaten Krankenkassen grundsätzlich einen Teil des Geldes für ihre Versicherten zurückfordern. Es müssen aber bestimmte Voraussetzungen gegeben sein.

Uwe Strachovsky

Pflegende Angehörige sollten die Hilfsangebote nutzen

Rund 2,6 Millionen Menschen pflegen Angehörige zu Hause. In den meisten Fällen geschieht das ohne die Hilfe eines ambulanten Dienstes, und oft täglich mehr als zwölf Stunden. Wie lange ist das zu schaffen?

Rund um die Pflege

»Entlastungsbetrag« selten beansprucht Viele pflegende Angehörige bräuchten dringend Hilfe im Haushalt. Dafür sind eigentlich die »Entlastungsbeträge« gedacht. Doch weil die zugelassenen Anbieter für solche haushaltsnahen Dienstleistungen rar sind, wird das Geld nur selten abgerufen. Der Gesetzgeber hat für die Entlastung der Angehörigen beispielsweise im Haushalt entsprechende Finanzmitt...

Seite 19

Die Löhne in Ost und West nähern sich allmählich an

Wo verdienen Beschäftigte in Deutschland am meisten und in welchem Bundesland am wenigsten? Antworten zu den regionalen Lohnunterschieden liefert der neue »Gehaltsatlas 2019« von Gehalt.de. Für die Studie hat das Vergleichsportal 492 171 Datensätze aus den vergangenen 12 Monaten analysiert. Danach ist Hessen das Bundesland mit dem höchsten Lohnniveau. Hier verdienen Beschäftigte 14,1 Prozent mehr ...

+++ Zahlen & Fakten +++

Arbeitsagentur bietet die meisten Stellen an Das größte Angebot an Stellenanzeigen gibt es auf der Job-Plattform der Bundesagentur für Arbeit (BA). Allerdings gilt das nicht für jeden Beruf. Das hat der Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) bei einer Auswertung von knapp 1,8 Millionen Stellenanzeigen herausgefunden. So gibt es auf der Jobbörse der Bundesagentur zum Beis...

Seite 20

Sozialbindung nicht dauerhaft

Eine dauerhafte Sozialbindung von staatlich geförderten Wohnungen ist nicht möglich. Der Bundesgerichtshof (BGH) erklärt die Verpflichtung eines privaten Wohnungsanbieters für unwirksam.

Seite 21

Augen auf vorm Wohnungskauf

Fehleinschätzungen der Vorteile von Eigentumswohnungen führen häufig zu bösem Erwachen nach dem Kauf. Das hat der Verbraucherschutzverband Wohnen im Eigentum (WiE) bei der Beratung Hunderter von Mitgliedern festgestellt.

Seite 22

Die »Rückgriffsquote« beträgt nur 13 Prozent

Der Staat schafft es immer noch nicht, den Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende vom zahlungspflichtigen Elternteil einzutreiben. Die »Rückgriffsquote« lag 2018 im Durchschnitt bei 13 Prozent. 2017 waren es 19 Prozent und im Vorjahr 23 Prozent gewesen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) forderte von den Jugendämtern, ein stärkeres Augenmerk darauf zu legen, sich von den zumeist säu...

Erben erwirken Zwangsgeld- Beschluss gegen Facebook

Im Juli 2018 stellte der Bundesgerichtshof klar: Auch ein digitaler Nachlass gehört den Erben. Doch der Streit zwischen den Eltern einer toten 15-Jährigen und Facebook um das Nutzerkonto der Tochter geht seitdem weiter.

Seite 23
ndPlusHermannus Pfeiffer

Was tun mit dem angesparten Geld?

Die private Altersvorsorge wird fast immer genannt, wenn Berufstätige nach ihren Sparzielen gefragt werden. Die Mehrheit der deutschen Rentner hat während ihres Berufslebens Geld auf die hohe Kante gelegt.

Seite 24

Umgang mit dem Energieversorger

Zahlreiche Beschwerden über drastische Preiserhöhungen von bis zu 200 Prozent und mehr des Energieversorgers Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH (BEV) beschäftigen die Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB). Auch verzögerte Auszahlungen von Guthaben und Boni oder Probleme bei der Ausübung des Kündigungsrechts gegenüber der BEV verärgern die Kunden. Zudem berichten Verbraucher, die BEV hab...

Darf ein Falschparker-Auto weggeschoben werden?

Ist die Zufahrt zur eigenen Garage von einem fremden Auto versperrt, darf der Garagenbesitzer den widerrechtlich geparkten Pkw eigenmächtig wegschieben. Wer dabei fahrlässig einen Schaden am Auto des Falschparkers verursacht, ist nicht schadenersatzpflichtig.

Je kleiner die Schoko-Osterhasen, desto teurer

Bis zur Osterzeit am 21. und 22. April ist es zwar noch ein Stück hin, aber in den Supermärkten boomt schon seit Wochen das Angebot an Schoko-Osterhasen. Nun hat die Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB) eine aktuelle Stichprobe vorgenommen und die Preise verschiedener Schoko-Osterhasen verglichen. Der Marktcheck zeigt: Kleinere Osterhasen sind oft teurer. Verbraucher können also durch den Verglei...

Seite 25

Bitte jetzt springen

Niemand springt so hoch wie Pérák, der Mann mit den Sprungfedern an den Füßen. 1941 kam in Prag, das von den Deutschen besetzt war, das Gerücht auf, nachts würde ein maskierter Mann durch die Stadt springen und die Nazis narren. Immer mehr Menschen hörten von diesem Akt des Widerstands. Und tatsächlich: Nach dem Krieg kämpfte Pérák erst als tapferer Schornsteinfeger auf Sprungfedern in einem Trick...

Seite 26

Als der Pfarrer das Schlagzeug annagelte

Das ist die Band F. P. B. aus Teplice, deren großartiges Album »Kdo Z Koho Ten Toho« von 1991 gerade wieder veröffentlicht wurde. Darauf spielten sie ihre alten Songs von vor 1989 neu ein. F. P. B. steht für »Fourth Price Band«, was sich auf die niedrigste (also billigste und schäbigste) Gaststättenkategorie der damaligen ČSSR bezieht. F. P. B. machten allerdings das genaue Gegenteil von stupidem ...

Erhard Ahner

Der Held, der keiner sein wollte

Markéta Pilátová, Jahrgang 1973, ist eine tschechische Bestsellerautorin, deren Bücher überall auf der Welt spielen. Ihr »Held von Madrid« ist František Rek, besser Franta oder Francisco, der als junger Mann im Spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Republik kämpfte. Als Greis wird er nun von der 21-jährigen spanischen Journalistin Carmen in České Budějovice aufgesucht, die als Journalistin das ...

ndPlusRainer Neubert

Kante auf Kante

Die tschechische Schriftstellerin Sylva Fischerová (geboren 1963 in Prag) ist auf der Leipziger Buchmesse gleich mit zwei ins Deutsche übersetzten Titeln vertreten: Versammelt der Gedichtband »Die Weltuhr« Impressionen, die sich ihr in verschiedenen Teilen Europas und der USA aufdrängten, so ist der Prosaband »Europa ein Thonet-Stuhl, Amerika ein rechter Winkel« Ergebnis einer Lesereise durch die ...

Jasper Nicolaisen

Am eigenen Leib erfahrbar

Tschechoslowakische Filme - da fällt mir ein italienisches Buch ein. Nämlich: »Wenn ein Reisender in einer Winternacht« von Italo Calvino. Und darin geht es um dich, lieber Leser, wie du dich anschickst, den neuen Roman von Calvino, ebenjenen »Reisenden in einer Winternacht«, zu kaufen und zu lesen. In der Buchhandlung begegnest du einer geheimnisvollen Fremden; das erstandene Buch, dessen Beginn ...

Seite 27
Reiner Neubert

Die Macht des Mandellikörs

Allergie kann auch schön sein, liest man bei Jiří Hájíček in seinem Erzählband »Dann blühen die Gräser«. Er ist Jahrgang 1967, hierzulande noch nicht so bekannt, doch in Tschechien hat er schon zweimal den Magnesia Litera, Tschechiens höchsten Literaturpreis, erhalten. • Buch im nd-Shop bestellen Jiri Hájicek: Dann blühen die Gräser. A. d. Tschech. v. Julia Miesenböck. Wieser-Verlag, 120 S....

ndPlusFrank Willmann

Zwei Herren mit Herz

Der tschechisch-deutsche Seelenforscher Jaroslav Rudiš schickt in seinem neuen Roman »Winterberg« zwei milde Todesschelme auf eine halbverschneite Eisenbahnreise durch Osteuropa. Metaphorisch könnte man sagen: Sie picknicken vor dem Eingang der Schattenwelt. Denn sie haben ihre Toten dabei, und zwar im Kopf: Tote Geliebte, tote Tschechen und tote vertriebene Deutsche turnen geisterhaft durchs Gesc...

Seite 28
Irmtraud Gutschke

In stiller Ekstase

»Ich halte Mittagstisch am Platz neben dem Klavier« - so beginnt das Buch, und so endet es auch. Als ob die Handlung in diesem französischen Restaurant in Leipzig spielen würde, inspiriert von Monsieur le Patron, der für die Autorin das Menü zusammenstellen darf. Dem ist natürlich nicht so - weil Angela Krauß eine Dichterin ist, die mit jeder Textzeile viel mehr sagt, als die Worte ausdrücken. Das...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Die Lethargie lümmelt

Literatur ist ein Verfahren, um Meinungsbesitzer von ihren mitgebrachten Vorstellungen zu entfremden. Literatur kontert den Systemgeist aus. Für diese Praxis war Günter Kunert im Osten einer der brillanten Dichter. Er sah sich letztlich nicht als Autor der, sondern nur als Autor in der DDR. An diesem rotgerahmten Lebensort schrieb er sich an den Rand - hatte eines Tages zu genau beobachtet, hatte ...

ndPlusFelix Bartels

Vom Roste befreit

Die beharrliche Ungnade, mit der Peter Hacks das eigene Frühwerk beiseiteließ, ist ein Glücksfall dieser Edition. Gerade weil kaum einer der in den Jahren von 1945 bis 1955 entstandenen Texte in die 2003 besorgte Ausgabe letzter Hand gelangt ist, lässt sich das frühe Werk vom Rest derart sauber scheiden. 500 Gedichte, 37 dramatische Texte, 18 Hörspiele, 24 Stücke für den Kinderfunk, Dutzende Studi...

Seite 29
ndPlusIna Holev

Ohne Pop in der Provinz

An den Fenstern kleben Bilder von Diddl-Mäusen, und der Taubenzüchter von nebenan knackt Rekorde beim Online-Kniffel. Willkommen in der westfälischen Provinz. Die Protagonist*innen in Giulia Beckers Debütroman »Das Leben ist eins der Härtesten« sind eigentlich durchschnittliche Leute aus der Kleinstadt. Sie weinen um Hunde mit dem Namen Mandarine Schatzi. Träumen von den Aras im Erlebnisbad Tropic...

Florian Brand

»Rap ist immer politisch«

Einst in der Armut schwarzer Ghettos US-amerikanischer Großstädte entstanden, ist Hip-Hop seit den späten 90er Jahren Mainstream und mittlerweile auch hierzulande die größte und einflussreichste Jugendkultur. Die Szene ist so heterogen wie eh und je. Selbstverständlich finden Künstler*innen, wie Sido, Haftbefehl, Haiyti oder Cro nicht mehr nur im Untergrund, sondern längst auch in den Hauptsendeze...

Gerda Lehmann-Senftenberg

Aus dem Dunkeln

»Frauen machen keine Filme«, bekam Eva Fritzsche zu hören, als sie 1948 bei der DEFA vorsprach. Im Grunde genommen gerät diese Auffassung erst seit Kurzem ins Wanken, durch Initiativen wie Pro Quote Film. • Buch im nd-Shop bestellen Cornelia Klauß/Ralf Schenk (Hg.): Sie. Regisseurinnen der DEFA und ihre Filme. Bertz + Fischer, 416 S., geb., 29 €. Eva Fritzsche hat dann aber doch Filme ...

Seite 30

Wahre Missgeburt

Herman Melville hat nicht nur »Moby Dick« (1851) und »Bartleby« (1853) geschrieben, sondern auch Essays, Rezensionen, Vorträge und Reportagen. Ein paar davon hat der Verlag Jung und Jung nun erstmals in deutscher Übersetzung herausgebracht. Auch wenn der Titel »Die große Kunst, die Wahrheit zu sagen« ein bisschen übertrieben wirkt, findet sich hier eine interessante kleine Quellenstudie damaliger ...

Irmtraud Gutschke

Die Bestien im »dunklen Wald«

Ein junger Mann wacht morgens auf - blutverkrustet. Blut im Bett und auf dem Fußboden, rot-schwarze Fußabdrücke auf den Treppenstufen. Und unten die Mutter - tot. Ein Schnitt zieht sich über ihren Hals. Bestürzung: Wer hat das getan? Alle Indizien weisen auf ihn selber. Nein, das kann er nicht glauben, und wir überlegen mit ihm, wer wohl einen solchen Verdacht auf ihn lenken wollte. • Buch im...

Fokke Joel

Aus sich heraustreten

Eigentlich wollte der Journalist Philippe Lançon für die Pariser Tageszeitung »Libération« eine Theaterrezension schreiben, über »Was ihr wollt« von Shakespeare. Eine Bekannte hatte ihn am Abend des 6. Januar 2015 zur Inszenierung eines befreundeten Regisseurs mitgenommen. Doch am nächsten Morgen entschied er sich, nicht sofort die Kritik zu schreiben, sondern erst einmal an der Redaktionssitzung ...

Florian Schmid

Kinder des Kolonialismus

Die in ihrer Brutalität beispiellose koloniale Vergangenheit Belgiens ist gut dokumentiert. Über die jüngere Geschichte der belgischen Kolonialverwaltung kurz vor der Unabhängigkeit Kongos 1960 weiß man dagegen weniger. Jonathan Robijn spürt ihr nach, in seinem Roman »Kongo Blues«. • Buch im nd-Shop bestellen Jonathan Robijn: Kongo Blues. Kriminalroman. A. d. Fläm. v. Jan-Frederik Bandel. E...

Seite 31
ndPlusStefan Malta

Preußen-Blues

Die deutsch-türkischen Beziehungen sind alt und spielen sich zum Großteil auf der politischen Rechten ab, unter Militaristen und Ähnlichen. Der Schriftsteller Zafer Şenocak drückt es in seinem Roman »Deutsche Schule« so aus: »Zwischen den Deutschen und den Türken gibt es weniger Freundschaft als vielmehr Ähnlichkeiten, wenn wir einmal die Waffenbrüderschaft im Weltkrieg beiseite lassen. Dieses Bün...

ndPlusSabine Neubert

Apokalypse now

Vielleicht ist da einmal so etwas wie eine Hoffnung auf bessere Zeiten gewesen, aber László Krasznahorkai, der große ungarische Schriftsteller und Meister der Groteske, macht in »Baron Wenckheims Rückkehr« schon von Beginn an klar, dass sich die Welt nicht verändern oder gar zum Besseren wenden wird. Er stellt nämlich dem Roman ein paar Rätselworte voran: »Auf ewig; es dauert, solange es dauert.« ...

Jürgen Schneider

Botschaften aus dem Dandy-Jenseits

Hester Dowden (1868-1949), auch Hester Travers Smith genannt, war ein spiritualistisches Medium irischer Herkunft. Sie beanspruchte für sich, mit den Geistern von Shakespeare, Oscar Wilde und anderen Schriftstellern in Kontakt zu stehen. Mit ihren Büchern »Voices from the Void« (1919) und »Psychic Messages from Oscar Wilde« (1924) brachte sie es in England zu einiger Berühmtheit. • Buch im nd...

Seite 32
Johanna Treblin

Hasen, Bären und ein Mord

Eine Frau um die 30, die letzten Wochen vor der Amtseinführung von Donald Trump; Männer, die zu viel reden (aka Mansplaining); Hasen und Bären, ein Berg und eine Wüste. Klingt nach Stichworten für einen Kurs im kreativen Schreiben? Das könnte es sein. Oder aber der neue Roman von Jonathan Lethem, Autor von »Motherless Brooklyn«, »Chronic City« und »Die Festung der Einsamkeit«. • Buch im nd-Sh...

ndPlusRené Hamann

Sie schenken sich nichts

Eine junge Frau, Anfang 20, jobbt in einem kleinen Arthouse-Kino an der Snackbar. Eines Tages wird sie von einem etwas älteren Kunden, fast Mitte 30, angesprochen, der eine merkwürdige Kaugummisorte bevorzugt. Nummern werden ausgetauscht, es wird Handy-Kommunikation betrieben. • Buch im nd-Shop bestellen Kristen Roupenian: Cat Person. A. d. Engl. v. Friederike Schilbach u. Nella Beljan. Blu...

ndPlusStefanie Roenneke

Das Ich in der Krise

Mit dem Erzählband »Das große Experiment« meldet sich Jeffrey Eugenides zurück. In zehn Kurzgeschichten thematisiert er das Scheitern an den eigenen Ansprüchen, erzählt von Vermessenheit und Alter. • Buch im nd-Shop bestellen Jeffrey Eugenides: Das große Experiment. A. d. Amerik. v. Gregor Hens. Rowohlt, 336 S., geb., 22 €. Er selbst ist Jahrgang 1960 und gehört neben Michael Chabon, B...

Seite 33
ndPlusLilian-Astrid Geese

Paarungsbereites Leuchtenwollen

Ich hatte vorgeschlagen, Michel Houellebecqs neues Buch »Serotonin« zu besprechen, doch die Redaktion teilte mir Corinna T. Sievers »Vor der Flut« zu. Welch krasser Unterschied! Der französische Autor schreibt sexuell explizit, streckenweise geradezu obsessiv. Nun ja, ältere Männer ... Wir kennen das aus der Weltliteratur. • Buch im nd-Shop bestellen Corinna T. Sievers: Vor der Flut. Frankfu...

ndPlusBenjmain Trilling

Die Stadt der Traurigen

Katastrophen gebärden sich am verheerendsten, wenn sie ignoriert werden und alles irgendwie weiterläuft. Als Krisen-Management, das jede Utopie verbannt. »Kapitalistischen Realismus« nannte der Kulturtheoretiker Marc Fisher diesen Zustand, in dem sich das Gefühl von Alternativlosigkeit als eine bleierne Melancholie niederschlägt. • Buch im nd-Shop bestellen Juan S. Guse: Miami Punk. S. Fisch...

Karlheinz Kasper

Untermieter der Geschichte

Der Roman »Nach dem Gedächtnis« gilt in Russland als bestes Buch des letzten Jahrzehnts. Es erreichte den ersten Platz im Wettbewerb um das »Große Buch« und beim Literaturpreis »Die Nase«. Sein zentrales Thema ist das Erinnern, Maria Stepanova kämpft gegen das Vergessen. Dabei geht es ihr nicht um linear aufgereihte Ereignisse und Personen des objektiven Geschichtsverlaufs, sondern um die Rekonstr...

Seite 34
Georgina Müller-Weiss

Den Jazz singen

Uschi Brüning, Jahrgang 1947, ist neben Ruth Hohmann, Jahrgang 1931, die wichtigste Jazzsängerin der DDR und ihres Nachfolgestaats. Ihre Songs aus den Siebzigern nennt sie »Schlager«, doch es war genau der Soul, den in der BRD damals niemals hinbekommen hatte. Das gilt auch für die Lieder von Manfred Krug, mit dem Brüning oft zusammen aufgetreten ist. • Buch im nd-Shop bestellen Uschi Brünin...

Hardy Grüne

Pressing, Pressing, Pressing

Lutz Lindemann hat viel erlebt. Als Spieler, als Trainer, als Funktionär. Er trug 21-mal das Trikot der DDR-Nationalmannschaft, absolvierte insgesamt 205 Spiele in der DDR-Oberliga und schoss dabei 42 Tore. Er erreichte mit dem FC Carl Zeiss Jena das Endspiel um den Europapokal der Pokalsieger und arbeitete nach seiner aktiven Laufbahn als Manager und Sportlicher Direktor an verschiedenen Statione...

ndPlusJonas Engelmann

Narrenspiel aus dem Nichts

Eine »grenzenlose Liebe zum Anderssein« trage er in sich, notierte Hugo Ball in seinem 1927 publizierten Erinnerungsbuch »Die Flucht aus der Zeit«. Die darin beschriebenen Fluchtbewegungen umfassen die Jahre 1910 bis 1921, jene Jahre also, in denen der 1886 in Pirmasens geborene Autor nicht nur sein Studium abbrach, in den Münchner Kammerspielen und in Berlin als Dramaturg arbeitete, die Front des...

Seite 35
ndPlusChristof Meueler

Begrab deine Bürgermoral

Zwischen Leben und Milz passt immer noch ein Pils. In diesem tiefenentspannten Thekenstil erzählt Rocko Schamoni die Geschichte von Wolfgang »Wolli« Köhler (1932-2017), angeblich der einzige sozialistische Bordellbetreiber auf St. Pauli. Naja, sozialistisch - nennen wir seine Haltung mal gesellschaftskritisch. So wie die von Rocko Schamoni, der gerne als Sänger Popstar geworden wäre, das dann aber...

ndPlusGuido Speckmann

Mit Löffel Kaffee schlürfen

Mitunter verirren sich auch gute Bücher auf die Bestsellerlisten von »Focus«, »Stern« und »Spiegel«. Ein Beispiel ist »Rückkehr nach Reims« des französischen Soziologen Didier Eribon. Diese 2016 erschienene Mischung aus Autobiografie und soziologischer Erklärung, warum linke Arbeiter sich der Rechten zugewandt haben, wurde von der Linken intensiv diskutiert. • Buch im nd-Shop bestellen Annie...

ndPlusThomas Blum

»Ich liebe Coca-Cola«

Als »Intellektueller« gilt man ja erfahrungsgemäß schnell in Deutschland. Manchmal reicht es schon, wenn man zum richtigen Zeitpunkt bereitwillig seinen Kopf in eine Kamera hält und wahlweise etwas Kryptisches, etwas Banales oder etwas Bedeutungsschwangeres hineinraunt. Wenn einer dann noch durchblicken lässt, dass er schon einmal ein Rilke-Gedicht gelesen und auch sonst in seinem Leben nicht zu v...

Seite 36
Karlen Vesper

Liebe Sonitschka

»Meine liebe kleine Sonja! ... Es tut mir weh, dass ich Sie in Ihrer Lage verlassen musste; wie gern möchte ich mit Ihnen wieder im Feld ein wenig schlendern oder im Erker in der Küche auf den Sonnenuntergang blicken. Ich denke Sie mir so einsam und verloren, und das tut mir weh. Aber ich hoffe, andere Freunde leisten Ihnen oft Gesellschaft.« • Buch im nd-Shop bestellen Rosa Luxemburg: Brief...

ndPlusPhilip Martin

Point of no return

»Aber es war nicht eitel Glück in Jakob, sondern ein Flimmern. Ein Flimmern zwischen Freude und Furcht. Er spürte, dass etwas in Gang gesetzt war, das nicht nur ihn, Jakob, nicht mehr loslassen würde, sondern andere auch.« Eigentlich müsste Jakob stolz sein. Ist er auch. Denn eine Straße ist nach seinem Großvater Hermann Hartenstein benannt worden, wenn auch eine nur 100 Meter messende zum Hauptha...

ndPlusHarald Kretzschmar

»Ich meine die Weltzustände«

Die meisten Aktiven der bildenden Kunst halten nicht viel von Bildtiteln. Ihr Element ist die künstlerisch-intensive Gestaltung der Bildfläche. Das Politische sehen sie maßlos überschätzt. Die Mehrheit der Malenden malt aus dem Bauch heraus. Das Gemalte nur widerwillig mit Bildtiteln versehend, werden damit in erster Linie Preislisten für Verkauf oder Versicherung bedient, um am Ende ein solides W...

Seite 37
ndPlusSuzanne Marlé

Die Ohrfeige

Man könnte sie die palästinensische Beate Klarsfeld nennen - Ahed Tamini. Sie wurde durch eine Ohrfeige zur neuen Ikone des palästinensischen Widerstandes gegen israelische Besatzungswillkür. • Buch im nd-Shop bestellen Manal Tamimi/ Paul Heron u. a. (Hg.): Ahed Tamini. Ein Schlag gegen die Besatzung. Manifest, 214 S., br., 13,90 €. Es geschah am 15. Dezember 2017: Die Einwohner des Do...

Gregor Gysi

Als die Männer plötzlich putzen gingen

Hier sprechen Frauen über sich und ihr Leben in der DDR. Keineswegs sind die Beiträge nur biografisch. Sie nehmen diverse Perspektiven ein, geben Einblicke etwa in die Rechtspraxis des ostdeutschen Staates, reflektieren Geschichte, Ansprüche und deren reale Einlösung, verweisen auf Grenzen der Emanzipation und ziehen natürlich auch immer wieder Ost-West-Vergleiche. • Buch im nd-Shop bestellen...

Seite 38
Gaston Kirsche

»Lieber tanz ich als G20«

In jenen zehn Tagen im Juli 2017 herrschte in Hamburg Ausnahmezustand - durch die Austragung des G20-Gipfels und den vielfältigen Protest dagegen. Eine Chronik lässt die Dramatik jener zehn Tage lebendig werden. Auch wer beim Gipfelprotest dabei war, wird hierin viel Neues entdecken - denn im bunten Protestgewusel war es unmöglich, alle Aktionen mitzubekommen. Es herrschte ein produktives, manchma...

Karl Drechsler

Kein Betriebsunfall, eher ein Brandbeschleuniger

Ein Teil der Medien vertritt direkt oder indirekt die Ansicht, der amtierende US-Präsident, und nur er, sei das Problem. Mit seinem Abgang nach einer oder möglicherweise auch zwei Amtsperioden wird es sich mehr oder weniger von selbst lösen, Normalität wieder einziehen. Im Unterschied dazu vertreten insbesondere Politikwissenschaftler, die Meinung: Trump ist nicht die Ursache, sondern nur das Symp...

Seite 39
ndPlusSilvia Ottow

Unheilbar kritisch

Es begann vor ungefähr 13 Jahren mit kalten Füßen. Der Autor und Journalist sitzt vor einem Arzt, der einige Untersuchungen später Multiple Sklerose (MS) bei ihm diagnostiziert. Eine schwere Krankheit, bei der es zu Entzündungen im zentralen Nervensystem kommt, die in einem Fall zu Sehstörungen, im anderen zu Taubheitsgefühlen führen. Die Symptome können äußerst unterschiedlich sein, der Verlauf v...

Volkmar Schöneburg

Die neue Lust

»Die kleinen Diebe hängt man, die großen lässt man laufen: Auf diesem Gemeinplatz steht seit alters jedes Gerichtsgebäude.« Diese Sentenz Ernst Blochs könnte durchaus auch als ein Fazit aus dem Buch von Didier Fassin entnommen sein. Er konstatiert für die letzten Jahrzehnte eine mehr oder weniger ausgeprägte Verschärfung des Strafrechts in den westlichen Demokratien. Doch steht dieser Trend in kei...

Seite 40
Klaus Steinitz

Wie Widerstand gefördert werden kann

Es geht hier um Probleme der Sozialen Arbeit im gegenwärtigen Stadium der kapitalistischen Entwicklung. Und darum, wie sie den Widerstand der Menschen gegen ihre Unterordnung unter die herrschenden kapitalistischen Verhältnisse fördern kann. • Buch im nd-Shop bestellen Tobias Kraus: Reform vs. Revolution. Zur Relevanz marxistischer Theorie für die Soziale Arbeit. PapyRossa, 115 S., br., 9,9...

ndPlusSuzanne Marlé

»Unsere Welt ist bunt. Und das ist auch gut so ...«

Seit gut zwei Dezennien reist er mit dem Drahtesel um die Welt - Thomas Meixner, ehemaliger Fahrradverkäufer. Erstmals begab er sich auf diese Art auf den Weg zu den Olympischen Spielen in Sydney im Jahr 2000: »Daraus ist eine Weltreise geworden, auf der ich dann dreieinhalb Jahre unterwegs war.« Zurück zu Hause überkam ihn alsbald wieder das Fernweh. »Inzwischen ist das Reisen für mich zum Beruf ...

ndPlusChristof Meueler

Für Infrastruktursozialismus

Wirtschaftsdemokratie - das wäre schon ziemlich nahe am Sozialismus. Wenn es sie denn geben würde. Der letzte prominente SPDler, der sie forderte, war Viktor Agartz in den 1950er Jahren. Er wurde ziemlich schnell kaltgestellt. • Buch im nd-Shop bestellen Alex Demirovic (Hg.): Wirtschaftsdemokratie neu denken. Westfälisches Dampfboot, 341 S., br., 35 €. In dem Sammelband »Wirtschaftsdem...

Seite 41
ndPlusHorst Schützler

Die Deutschen liebte er nicht

»Der Monarch war ein kluger und gebildeter Mensch mit einem gewaltigen Gedächtnis. … Er liebte körperliche Betätigung … In seinen Bedürfnissen war er sehr bescheiden. … Er war überaus religiös. … Die Deutschen liebte er nicht, ja konnte sie nicht ausstehen … Er besaß keinen festen Charakter und ordnete sich seiner Gemahlin unter ... Kennzeichnendes Merkmal ihrer Natur war die Neigung zu herrschen....

Günter Benser

Widersprüchliche Lebenswege

Kollektivbiografien nehmen in jüngerer Zeit einen festen Platz in der Historiografie ein. Sie erfassen ausgewählte Kohorten von Personen und analysieren bestimmten Mustern entsprechende Lebensläufe, Erinnerungen sowie Erfahrungen und begegnen somit den Einseitigkeiten einer vornehmlich auf die politische oder sozialökonomische Entwicklung orientierten Geschichtsbetrachtung. • Buch im nd-Shop ...

Seite 42
Peter Nowak

Radaulustige Weiber?

Die Novemberrevolution scheint auch in der linken Geschichtsschreibung eine Männersache gewesen zu sein. Sozialistinnen wie Rosa Luxemburg und Clara Zetkin sind die berühmten Ausnahmen von der Regel. Doch in diesem Jubiläumsjahr wurde daran erinnert, dass mit der Novemberrevolution auch das Frauenwahlrecht in Deutschland eingeführt wurde. Es gab einen Staatsakt und eine Gedenkstunde im Deutschen B...

ndPlusKarlen Vesper

Rast- und ruhelos auf der Suche

»Eine Verteidigerin der Menschlichkeit« nannte der protestantische Pfarrer und Antimilitarist Bart de Ligt die 1922 erst 36-jährig verstorbene Clara Wichmann, die unter ihren heutigen Juristenkollegen völlig un- oder wenig bekannt ist, umso mehr jedoch in pazifistischen und libertär-sozialistischen bzw. anarchistischen Kreisen. In seiner Rede zur Beerdigung der klugen wie mutigen Frau verglich Bar...

ndPlusGerhard Engel

Wider Legenden und Mythen

Drei für ihre kritische Sicht auf Revolution und Konterrevolution bekannte Autoren tragen mit ihren Studien zur wissenschaftlichen und geschichtspolitischen Debatte bei, die sich rund um das Jahrhundertgedenken an die Revolution von 1918/19 erfreulicherweise entwickelt hat. • Buch im nd-Shop bestellen Heiner Karuscheit/ Bernhard Sauer/Klaus Wernecke: Vom »Kriegssozialismus« zur Novemberrevol...

Seite 43
Rainer Holze

Verschmäht und verleumdet

Es ist angezeigt, diesen unlängst im Wiener Promedia-Verlag erschienenen bemerkenswerten Sammelband vorzustellen und zu lobpreisen. Es ist eine sehr verdienstvolle Publikation, nicht nur, weil sie an ein weithin vergessenes historisches Ereignis erinnert, an die Rätemacht, die Ungarn vom 21. März bis 1. August 1919 regierte, sondern auch, weil diese im eigenen Land heute verschrien, verschmäht, ve...

Klaus Gietinger

Zeugenaussagen, die Gold wert sind

Der Friseur Julius Meyer machte seine Aussage: Zur Besetzung des »Vorwärts« habe ein Mann namens Alfred Roland mehrfach während der Massendemonstration am 6. Januar 1919 aufgerufen. Tatsächlich geschah dies dann auch und war sozusagen die Geburt des Mythos vom »Spartakusaufstand«. • Buch im nd-Shop bestellen Jörn Schütrumpf (Hg.): »Spartakusaufstand«. Der unterschlagene Bericht des Untersuch...

Seite 44
ndPlusHarald Loch

Ein ambivalenter Ehrenname

König Friedrich II. von Preußen wurde schon bald nach seiner Thronbesteigung mit dem Epitheton »Der Große« geschmückt, ein Beiname, der in der deutschen Geschichte nur selten vergeben wurde. Wenn der britische Historiker Tim Blanning den Herrscher, der in Berlin und Brandenburg populär unter dem Namen »Der Alte Fritz« geführt wird, schon im Titel seiner Biografie mit dem ehrenden Namenszusatz nenn...

Helmut Müller-Enbergs

Auch über die Reichsbürger wusste man Bescheid

Am 10. November 1979, morgens um 1.26 Uhr, passierte es. Ein Ereignis, über das zwei Tage später das »Neue Deutschland« auf der Titelseite berichtete: Bei Meiningen hatte eine Sprengstoffexplosion gut 50 Meter der Staatsgrenze umgelegt. Als Täter geriet der Chemieingenieur Peter Naumann in Verdacht, was die Abteilung XXII des Ministeriums für Staatssicherheit allerdings erst zwei Jahre später best...

Ronald Friedmann

Zufall und Willkür

Dieses Buch ist - kaum überraschend - weit mehr als eine große Fleißarbeit: Mario Keßler hat etwa vier Dutzend deutsche Kommunisten, mit und ohne Parteibuch, namhaft gemacht, die in den Jahren der Hitlerdiktatur in den USA Zuflucht fanden, und detailliert ihre Lebensläufe untersucht. Sein Anliegen war es, die Wege zu erkunden, die sie in die USA führten, ihr Leben und Wirken im Exilland zu untersu...

Seite 45
ndPlusReiner Tosstorff

Briefe als Lebenselixier an Fronten und in Lazaretten

Lange Zeit standen die Kämpfe im Blickpunkt der Darstellungen der Internationalen Brigaden. Es lebten ja auch noch zahlreiche Beteiligte. Deren Archiv allerdings war nicht zugänglich. Es war Ende 1938, angesichts der drohenden Niederlage der Republik vor dem Zugriff der Franco-Faschisten gerettet und nach Moskau geschafft worden. Dort beschäftigte sich zunächst der Apparat der Kommunistischen Inte...

Werner Ruch

Ein FDGB in Hessen!

Zum Jahresbeginn erschien das nunmehr bereits achte biografische Handbuch der verdienstvollen Reihe »Gewerkschafter im Nationalsozialismus. Verfolgung - Widerstand - Emigration«, herausgegeben von Siegfried Mielke und Stefan Heinz von der Freien Universität Berlin. Sie sind mit eigenen Beiträgen auch in diesem Band vertreten. Porträtiert werden 58 Gewerkschafter, die in dem bereits im März 1933 in...

Seite 46
ndPlusPeter Nowak

Barbaren waren die Deutschen

900 Tage währte die Belagerung Leningrads. Truppen der deutschen Wehrmacht und ihrer Verbündeten umschlossen in den Jahren 1941 bis 1944 die alte russische Hauptstadt und überließen Hunderttausende einem qualvollen Hungertod. Das Kriegsverbrechen ist jedoch im kollektiven Bewusstsein der Deutschen noch immer nicht verankert. Den Gründen für diese Ignoranz widmet sich ein von Alexandra Klei und Kat...

ndPlusLutz Prieß

Ein DDR-Bürger

Die interessierte Leserschaft kennt den 1943 geborenen Autor durch seine biografischen Veröffentlichungen über Berliner Persönlichkeiten, Politiker, Gewerkschafter, Antifaschisten. Lutz Heuer hat über Leben und Wirken heute vielfach wenig bekannter Akteure publiziert - Arthur Pieck, Fritz Reuter, Bruno Taut, Franz Neumann, Arthur Werner, Paul Schwenk, Erich Töppe, Ottomar Geschke, Hans Jendretzky ...

Stefan Bollinger

Diagnose und Therapie

Die Geschichte linker Politik an der Macht ist auch eine Geschichte des Versagens, der Irrwege und Verbrechen. Davon kommen Linke, die es mit ihren Idealen ernst meinen, nicht los. Das Versprechen, sich nie wieder zu vergaloppieren, ist selbstverständlich, reicht aber nicht. • Buch im nd-Shop bestellen Werner Röhr: Der gelbe Nebel. Drei Studien zur jüngeren marxistischen Stalinismuskritik. E...

Seite 47

Liebe klappt

Erste Liebe in Berlin. Lotte ist mit ihren Eltern aus der Provinz nach Berlin-Kreuzberg gezogen und fühlt sich blöd: »Ich habe den Verdacht, dass mich Berlin nicht leiden kann. Fest steht, dass die Stadt einen schlechten Einfluss auf mich hat. Ich bin noch ungeschickter als in meinem Heimatkaff. Kaum zu glauben, dass das möglich ist.« Wenn sie eins kann, dann Infografiken entwerfen, passend zu ihr...

Was nuss, das muss

Wer kennt die Pflanzen, Blumen, Gräser und Bäume? Einfach mal rausgehen und die Eltern fragen ist schwierig. Denn die wissen meistens auch nicht viel mehr als ihre Kinder. Unsere Empfehlung: Vor dem Rausgehen gemeinsam das neue Buch von Felix Bork angucken. »Oh, eine Pflanze!« ist lustig und lehrreich. Auf dem Cover hängt eine Haselnuss vom Baum und sagt: »was nuss, das muss.« Im Buch lauern solch...

Silvia Becker

Läuferin und Langhaarzicken

Alle nennen Patina Jones nur bei ihrem Spitznamen Patty: »Patty, lauf!«, heißt es auf dem Sportplatz, denn das junge Mädchen ist eine begnadete Sportlerin. Sie rennt, sie schindet sich, sie powert sich aus - bis sie sich vor Schmerz auf dem Rasen krümmt. • Buch im nd-Shop bestellen Jason Reynolds: Patina. Was ich liebe und was ich hasse. A. d. Engl. v. Anja Hansen-Schmidt. Reihe Hanser bei ...

Christel Becker

Marokko bei Australien

Die ganze Katastrophe begann vollkommen harmlos mit einem Staubsauger. Lauras Mama hatte ihn für sage und schreibe 1000 Euro von einem Mann in weißem Anzug gekauft. Ganz plötzlich waren ihr die Zimmer im Haus, die Schränke, der Garten, Flur und Kellertreppe entsetzlich vorgekommen - so schmutzig, wie sie diese noch niemals im Leben gesehen hatte. Zur Verwunderung der gesamten Familie, die keinerle...

ndPlusSilvia Ottow

Aaahhh, sie träumt von früher

Leonora Leitl hat ein heiteres Bilderbuch über eine menschliche Katastrophe gemacht. Wenn die üblicherweise dauerfröhliche Mama von Frida, Ida und Fritzi mutlos und verzweifelt in Jogginghosen vor dem Fernseher sitzt, muss irgendetwas vorgefallen sein. Nein, nicht IRGENDetwas, sondern etwas ganz Bestimmtes, Entscheidendes, Existenzielles, nie Dagewesenes. Leserinnen und Leser haben es gleich am An...

Seite 48

Liebe schmeckt

Soulfood macht froh. Was isst man so in den Südstaaten der USA? Man hört immer wieder von Alligatoren-Eintopf, wahlweise Kalb, gefüllter Rinderzunge und Wurst-Gumbo. Gibt es in Europa auch glutenfrei und orientiert an einem »gemäßigten Blutzuckerspiegel« - auferstanden aus der Kulturindustrie, genauer gesagt: aus der TV-Kochshow »The Taste«. Dort kam Luisa Zerbo 2017 ins Finale. Seitdem hat sie ei...

Stefan Malta

Restaurantrevolte

Das Image der französischen Küche ist legendär. In dem Land fliegen die gebratenen Gänse »herum, mit den Sauceschüsselchen im Schnabel, und fühlen sich geschmeichelt, wenn man sie verzehrt« - behauptete schon Heinrich Heine in vorveganen Zeiten, 1826 in seinen »Reisebildern«. Wie konnte es dazu kommen? • Buch im nd-Shop bestellen Peter Peter: Vive la cuisine! Kulturgeschichte der französisch...

Ina Bösecke

Geht in Ordnung

Der Wissenschaftsjournalist Bas Kast hat es geschafft. Er hat sein Leiden beendet und einen Bestseller geschrieben. Diese Erfolgsgeschichte geht so: Mit Anfang vierzig hatte er starke Herzbeschwerden, die er selbstdiagnostisch auf seine Ernährungsweise (viel Junkfood, viel Zucker) zurückführte. Er änderte seine Ernährung und gesundete in kürzester Zeit. Nun fühlte er sich fit und fidel, abgenommen...