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Stephan Kaufmann

Von der Angst zu versagen

Exit? Nein, danke! Aus der EU austreten zu wollen, ist aus aktuellem Anlass aus der Mode gekommen. Dafür wurde der Brexit schon literarisch gewürdigt. Lesen Sie auch, welche Rolle die Metropolen für den Linkspolitiker Klaus Lederer spielen, wer schuld ist an der Schuldenkrise im Globalen Süden und über das politische Engagement eines Mannes in Sicherungsverwahrung.

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Nelli Tügel

Öxit, Frexit, Swexit – lieber doch nicht

Wegen des »Brexit-Chaos« streichen insbesondere rechte Parteien den EU-Austritt aus ihrem Forderungskatalog. Die zähen Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien wirken abschreckend. Darauf zielte die Verhandlungstaktik der EU-Seite auch ab.

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ndPlusMartin Ling

Riester-Rente auf Kosten des Südens

Es ist definitiv Zeit, über eine neue Schuldenerlass-Initiative nachzudenken, sagt der Finanzexperte Jürgen Kaiser. Wir haben im Schuldenreport 2019 festgestellt, dass 122 von 154 untersuchten Ländern, für die Daten vorliegen, kritisch verschuldet sind.

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Marion Bergermann

Linke fordern Asylgarantie für Wikileaks-Gründer

Linke Politiker*innen fordern für Julian Assange politisches Asyl in Deutschland. Andere wollen, dass Ecuador seinen Schutzstatus bestehen lässt. Derweil hat es in mehreren Ländern Demonstrationen gegen die Auslieferung des Publizisten an die USA gegeben.

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ndPlusAndreas Fritsche

Brandenburg tastet sich an eine Impfpflicht heran

»Weltweit stirbt alle fünf Minuten ein Mensch an einer Masernerkrankung«, sagt die Landtagsabgeordnete Bettina Fortunato (LINKE). »Allein im Verlauf dieser Debatte werden also zwölf Menschen gestorben sein, weil sie nicht geimpft waren.« Es scheint angeraten, nicht noch länger zu diskutieren, sondern zu handeln. Brandenburg unternimmt erste Schritte zu einer Impfpflicht. Am Donnerstagabend beschlo...

Hannah Eberle

Zwischen Frust und Utopien

Fridays for Future hat erreicht, dass in unzähligen Haushalten, an Arbeitsplätzen und bei Kulturveranstaltungen das Klima Thema ist. Doch es steigt der Frust, dass die Politik außer Einladungen in die Abgeordnetenbüros nichts anbietet.

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Philip Malzahn

Doppelt verloren

Der Wahlsieg Benjamin Netanjahus von dieser Woche ist ein trügerischer. Seine geplante Koalition wird aus vielen kleinen Parteien und Bündnissen bestehen, die nur in der Summe eine Mehrheit der Bevölkerung darstellen.

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Philip Malzahn

Revolutionärin mit goldenen Ohrringen

Alaa Salah stieg auf ein Auto und rief die Demonstranten im Sudan zur Revolution auf. Ihr Bild ging um die Welt. Ihr Mut hat die Studentin zur Ikone der Protestbewegung gegen Langzeitpräsident Omar al-Baschir gemacht.

Jérôme Lombard

Soziale Wohnungspolitik statt populistische Nebelkerze

Die geforderte Enteignung von Wohnungskonzernen ist kein adäquates Instrument gegen die Mietenexplosion, sondern eine populistische Nebelkerze, die die Situation für die große Mehrheit der Berliner nicht verbessert.

Nicolas Šustr

Schon die Enteignungsdrohung nützt Mietern

Die Sozialisierung von Wohnraum wäre der Weg, um Hunderttausende Wohnungen, von denen viele noch vergleichsweise günstig sind, im leistbaren Segment zu halten, und zwar dauerhaft.

Leo Fischer

Weltraum ohne Hoffnung

Weltraumforschung? Wozu? Einen Weltraum, »in dem wieder nur die alten Arschgesichter von der Erde das große Wort führen«, den braucht Kolumnist Leo Fischer »ganz sicher nicht«.

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Vor der Mauer

Als Donald Trump noch Wahlkampf führte, riefen die Leute wie auf Kommando: »Bau die Mauer!« Er erzählte dann, er wollte »eine große, schöne, mächtige Mauer« an der Grenze zu Mexiko bauen. Einmauern als modernes Märchen. Anfangs war das Wort »Mauer«, schreibt die »New York Times«, nur eine Gedächtnisstütze für Trump, der sonst vergessen hätte, über die Einwanderungspolitik zu sprechen. Doch dann re...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Hinter der Mauer

Die Eltern des jungen Mannes, von dem hier die Rede ist, schauen sich im Fernsehen gern Filme über Strände an. Joseph Kavanagh findet das obszön, ist deren Generation doch Schuld daran, dass man nicht mehr am Strand liegen kann. Das Meer sieht man nur noch, wenn man auf der »Mauer« steht und vor Kälte zittert, während man schwer bewaffnet nach fremden Booten Ausschau hält. Freilich gibt es au...

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Stephan Fischer

Alles aussteigen...

Pendler sind ja nicht per se Misanthropen. Sie reden vielleicht sogar ganz gerne - nur eben gerade nicht um die Zeit und mit den Mitfahrern. Manchmal kommen aber doch Gespräche zustande - wie an jenem ungewöhnlichen Morgen, an dem in Berlin die BVG streikt.

ndPlusBenjamin Moldenhauer

An den Rändern

Ein Großteil der Gespräche nach dem Kinobesuch dreht sich, warum auch immer, um den Plot oder um Figurenpsychologie. Wenn der Zuschauer kritisch auf die Welt blickt, geht es auch gerne um die Frage, was die Bilder »eigentlich« erzählen - dabei davon ausgehend, dass sie unfreiwillig mehr zeigen, als ihre Macher ahnen, und dass der ideologiekritisch Versierte in der Lage ist, das Verborgene zu erken...

Thomas Blum

Löcher in Menschen schießen

Ich glaube nicht an ›Das ist deines‹ und ›das ist meines‹«, sagt Carlos. Carlos, ein androgyner Jüngling, 17 Jahre alt, hat einen hübschen Schmollmund, einen blonden Lockenkopf und viel Zeit. Und das bürgerliche Konzept Eigentum ist ihm schnuppe. Überhaupt, Regeln, Pläne, Vorschriften: Das sind, geht es nach ihm, überschätzte Dinge. Wir befinden uns im Argentinien des Jahres 1971. Wenn Carlos...

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ndPlusRobert Rescue

Jugendsünde

Gelegentlich passiert es , dass beim Aufguss nur noch Männer sind. Dann dauert es keine zwei Minuten, und ein Mann stöhnt auf. Hat der erste mit einem solchen Saunabrunfzer vorgelegt, stimmen die anderen bald ein in einen Überbietungswettbewerb. Wer röhrt lauter?

ndPlusRalf Klingsieck

Die geraubten Bilder

Zu den unter den Nazis deportierten Juden gehörten auch viele Kunstsammler und Kunsthändler. Über ihr Schicksal und das ihrer Bilder berichtet das Memorial in der Ausstellung »Der Pariser Kunstmarkt unter der Besatzung 1940-1944«.

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Das weiße Pulver
ndPlusTom Mustroph

Das weiße Pulver

Die chilenische Künstlerin Alejandra Prieto hat sich dem Element Lithium verschrieben. Sie holt es aus Akkus heraus oder lässt es sich als Pulver liefern und formt Kristalle, Skulpturen und Installationen daraus. Ein Besuch in Chile.

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Hendrik Lasch

Die Einheit von Kampf und Kultur

Das »Alternative Jugendzentrum« in Chemnitz behauptet sich seit fast 30 Jahren gegen die Eigentümer der Räume, die polizeilichen Sondereinsatzkommandos und angreifende Nazis.

Seite 16
ndPlusLeon Willner

Die Zeit allein heilt keine Wunden

Zum Gedenken an die Opfer des Völkermords in Ruanda gerät das Erbe der Hinterbliebenen fast in Vergessenheit. Zwei Betroffene über das schwierige Verhältnis von Tätern und Opfern.

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Velten Schäfer

Ergebnisoffener Zukunftsdreiklang

Wenn nachhaltig der Dialog auf Augenhöhe gesucht wird und politikfähige Eckpunkte im zukunftsfesten Dreiklang strukturelle Rahmenbedingungen setzen: Politik will sich immer erklären. Aber verstanden werden will sie nicht.

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ndPlusRalf Klingsieck

Franzosen erster bis vierter Klasse

Plötzlich Gallier statt Germanen: Über Generationen war der Besitz des Elsass und Lothringens in Deutschland wie Frankreich Gegenstand chauvinistischer Kampagnen - und wurden stets entsprechend speziell behandelt.

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Samuela Nickel

Allgemeiner Glücksbefehl

Glücklich sein kann doch jeder! Die Erzählung vom erreichbaren Glück - durch Yoga, Fotofilter oder Spinatsmoothies - verlagert strukturelle und soziale Probleme ins Private. Das ist nicht nur schlecht für die Psyche, sondern auch für gesellschaftliche Veränderungen.

ndPlusIrmtraud Gutschke

Egoismus als Zivilreligion

»Alles könnte anders sein« - unter diesem vielversprechenden Titel präsentiert Harald Welzer seine Zukunftsvisionen von der autofreien Stadt bis zum bedingungslosen Grundeinkommen - eine »modulare Revolution«.

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Thomas Gesterkamp

Die «Manndatsträger»

Was tut die Bundesregierung gegen Männerdiskriminierung? Die Angriffe der AfD auf die Geschlechterforschung erreichen mit derlei Anfragen eine neue Ebene des Antifeminismus. Ziel ist auch die finanzielle Austrocknung der Geschlechterforschung.

Seite 21
ndPlusClaire Horst

Ganz normal und stets gefährdet

Abwertung, Sichtbarkeit, Entpolitisierung - Die Darstellung queerer Identitäten aus 40 Jahren »Hürriyet«- und »Bild«-lektüre zeigt vor allem eins: es gibt keine Erfolgsgeschichte jenseits von Unterdrückung.

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ndPlusAndreas Knudsen

Aus Grönland in die Tropen

Die Idee fordert Kopfschütteln heraus. Die Insel Grönland, größtenteils von Eis bedeckt, könnte die Lösung von Problemen der tropischen Landwirtschaft bieten. Denn die arktische Insel mit dem spärlichen Pflanzenwuchs verfügt über eine Ressource, die den Bauern Lateinamerikas und Afrikas fehlt: Löss. Genauer gesagt Schluff, Träger der dringend benötigten Mineralien. Diese fehlen den tropischen Böde...

ndPlusMartin Koch

Computer statt Bleistift

Die Zahlentheorie ist ein Teilgebiet der Mathematik, das sich mit den Eigenschaften ganzer Zahlen beschäftigt, zu denen neben den natürlichen auch alle entsprechenden negativen Zahlen gehören: … -3, -2, -1, 0, 1, 2, 3 … Mit Blick auf das sonstige komplizierte Formelwerk der Mathematik könnte man glauben, dass die Erforschung der ganzen Zahlen eine leicht zu beherrschende Angelegenheit sei. Doch de...

Seite 23
ndPlusMichael Lenz

Schmelzende Zukunft

Die Gletscher im Himalaja schwinden. Das ist nicht nur kritisch für den Meeresspiegel, sondern auch für die Wasserversorgung Asiens.

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ndPlusInes Wallrodt

Die Niedertracht der Wachstumshormone

Deine Turnschuhe haben aber auch schon bessere Tage gesehen. Die sind bestimmt zehn Jahre alt und dafür … Gut, das ist ein akzeptables Alter. In dieser Zeit hätte ich meine Absätze längst abgelaufen. Deine lassen sich immerhin erneuern. Das ist der Punkt. Deshalb habe ich mir diese Halbschuhe gekauft. Leider wird das Modell nicht mehr hergestellt. Leisten weggeschmissen oder wa...

ndPlusMike Mlynar

Wahl-Variationen

In einer der Lösungszuschriften zu unserem Denkspiel »Zeitfragen« vom vorigen Wochenende war angemerkt, dass »Mathematik und Politik ohnehin ziemlich eng verflochten sind, was besonders bei Wahlen deutlich« werde. In der Tat. 2019 wird ausreichend Gelegenheit sein, das zu bestaunen. So können zum Beispiel nach den vier anstehenden Landtagswahlen dank ausgefeilter Hochrechnungstechniken bereits kur...

Seite 25
»Wir bauen ein Gegengewicht auf«
ndPlusMartin Kröger

»Wir bauen ein Gegengewicht auf«

Die Metropolen bilden ein Gegengewicht und sind Bastionen gegen den Rechtsruck in Europa und Deutschland, sagt Berlins Vizesenatschef Klaus Lederer im Interview mit dem »nd«. Wenn man die reaktionären Tendenzen aufhalten will, dürfe man die ländlichen Regionen aber nicht aus dem Blick verlieren.

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Marie Frank

Eine Karte für alle Fälle

Illegalisierte Menschen sind im Alltag meist unsichtbar und obwohl sie teils seit Jahren hier leben und arbeiten, haben sie ohne Ausweisdokumente keinen Zugang zu städtischen Leistungen. Das will die Linksfraktion in der »Solidarity City Berlin« ändern.

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Andreas Fritsche

Am Sonntag ist nd-Wandertag

Die nd-Leserwanderung startet am 14. April von 9 bis 11 Uhr am Berliner U-Bahnhof Kienberg/Gärten der Welt. Ziel ist die Vereinsgaststätte der Kleingartenanlage »Kaulsdorfer Busch«.

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Oliver Kern

Die letzte kurze Nacht

21 Jahre lang habe ich Dirk Nowitzki begleitet. Es war nicht immer leicht, doch es hat sich gelohnt. Der finale Eintrag ins Fanalbum.

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ndPlusRalf Jarkowski

Frischer Wind auf’m Deich

Christian Schenk war 1988 Zehnkampf-Olympiasieger. Zuletzt machte er vor allem mit einer Dopingbeichte und einem Buch über seine Depressionen Schlagzeilen. Jetzt hat er eine neue Lebensaufgabe gefunden.

Andreas Knobloch, Havanna

Zur Flucht gezwungen

Wollen kubanische Baseballer in den USA Geld verdienen, müssen sie dank Donald Trump nun doch wieder auf gefährlichen Wegen ihre Heimat verlassen. Eine von Barack Obama initiierte Übereinkunft kassierte sein Nachfolger wieder ein.

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ndPlusHaidy Damm

Die Berge genießen, nicht zerstören

Vielerorts wird über die ökologischen Folgen des Skitourismus gestritten – ohnehin könnten Pisten und Kunstschnee angesichts des Klimawandels zum Auslaufmodell werden. In der Ukraine suchen Aktivisten nach Alternativen zu gigantischen Karpaten-Resorts.

Seite 32
ndPlusNiels Seibert

»Ob ich jemals freigelassen werde, weiß ich nicht«

Thomas Meyer-Falk, geboren 1971, schreibt seit 20 Jahren aus dem Gefängnis. Wegen eines Bankraubs mit Geiselnahme, bei dem Geld für linke Projekte organisiert werden sollte, wurde er verurteilt. Seit sechs Jahren sitzt er in Sicherungsverwahrung.