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Deutschland, deine Terroristen

Die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sorgt für Bestürzung. Die Tat zeigt, wie sich die Stimmung entladen kann, die derzeit gemacht wird. Sie wirft die Frage auf, wie organisiert sich die Radikalisierung der Rechten vollzieht. Und sie sollte endlich die Gewohnheit beenden, die Terrorgefahr von rechts zu verharmlosen. Denn die lange Geschichte politischer Attentate in Deuts...

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Das Problem des Eisbären

Es sei das erste Mal seit 40 Jahren, dass ein Eisbär auf Nahrungssuche in der sibirischen Stadt Norilsk, weit von der Küste entfernt, gesichtet wurde, sagte ein Mann von der lokalen Jagdbehörde der Agentur Tass. »Ein einzigartiger und seltener Fall.« Die Aufregung war groß, das Tier spazierte auch quer über Straßen und ließ sich von Menschen offenbar nicht beeindrucken. Fachleute fingen die hungri...

Stephan Kaufmann

Wahrscheinlich dämlich

Täglich kommen neue Informationen ans Licht über den Tatverdächtigen im Mordfall Lübcke. Lesen Sie auch, welche Strategien Paul Mason gegen den Rechtsruck vorschlägt, welche Folgen der Klimawandel im Mekong-Delta hat und wie Schorsch Kamerun das Bauhaus rettet.

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Hans-Gerd Öfinger und Sebastian Bähr

Gefahr in Verzug

Die Hinweise verdichten sich, dass der Lübcke-Tatverdächtige Stephan E. Teil von militanten Neonazi-Strukturen ist. Fotos zeigen ihn bei einem konspirativem Treffen des rechten Terror-Netzwerks »Combat-18« im März diesen Jahres.

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ndPlusRegina Stötzel

Faktisch no future

Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsre Zukunft klaut« - der bekannteste Slogan der Fridays-for-Future-Bewegung klingt niedlich, ist es aber nicht. Gerade erst bestätigte die Weltorganisation für Meteorologie mit 53,9 °C in Kuwait und 53,7 °C in Pakistan neue Hitzerekorde für den Planeten Erde seit Beginn der offiziellen Aufzeichnungen. Gemessen wurden sie bereits in den Jahren 2016 bzw. 2017...

ndPlusFabian Hillebrand, Ho-Chi-Minh-Stadt

Wenn das Wasser wieder steigt

In Vietnam wurde die höchste Temperatur seit Wetteraufzeichnung gemessen: 43,4 Grad Celsius im April. Der Klimawandel hat das südostasiatische Land drastisch verändert.

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Ab in die Grube

Dieses Wochenende schreibt Klimagerechtigkeit im Rheinland Geschichte«, sagt Karolina Drzewo vom Bündnis »Ende Gelände«. »Damit wird das Ende der Ära der fossilen Dinosaurier endgültig eingeleitet.« Am Freitagmittag steht sie vor dem Bahnhof in Viersen, mit etwa 1000 anderen Aktivist*innen von »Ende Gelände«, die langsam in angemietete Busse einsteigen, um zu Tagebauen im Rheinland zu fahren. ...

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Ulrich von Schwerin, Istanbul

Letzte Chance am Bosporus

Fast neun Millionen Menschen sind aufgefordert, erneut den Bürgermeister in Istanbul zu wählen. Es steht mehr als Stadtpolitik auf dem Spiel: Es geht um die türkische Demokratie.

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Aert van Riel

Widerstand gegen Weber

Die Spitzenkandidaten der großen Parteienfamilien haben offensichtlich kaum noch eine Chance auf den Posten des EU-Kommissionspräsidenten. Das wurde auf dem EU-Gipfel deutlich. Nun beginnt die schwierige Suche nach einem Kompromisskandidaten.

Alexander Isele

Wer entscheidet über Krieg?

Mit dem abgeblasenen US-Angriff auf Iran hat sich die Gefahr einer gewaltsamen Eskalation im Persischen Golf weiter erhöht. US-Präsident Trump hatte den »Vergeltungsschlag« angeordnet, nachdem Iran eine unbemannte US-Spionagedrohne abgeschossen hatte.

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Philip Malzahn

Wir wollen keinen Krieg, aber...

Eines haben die beiden Schurkenstaaten Iran und USA gemeinsam: Man beharrt darauf, dass eine friedliche Lösung oberste Priorität hat. Nur die andere Seite provoziert am Golf - man selbst will sich nur verteidigen. Zumindest im Falle Teherans stimmt das aus geografischer Sicht. Das hat vielleicht auch Donald Trump gemerkt, als seine Flugzeuge schon auf dem Weg gen Iran waren. Doch parallel zu dem g...

ndPlusMartin Ling

Johnson-Jäger

Der britische Außenminister Jeremy Hunt hat es ins Finale im Kampf um den Posten des britischen Premierministers geschafft.

Leo Fischer

Nationalismus

Heute Washington, morgen Budapest – AfDler wie Weidel und Gauland sind der Jetset des Nationalismus, sie führen das Leben derer, die sie ständig kritisieren. Die Nationalisten von heute wollen die Welt selbst gar nicht, die sie propagieren.

Velten Schäfer

Regelfall Rechtsterrorismus

Nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten wird vielerorts von einer »braunen RAF« geredet. Dabei war rechter Terror in der BRD nicht nur von Anfang an präsent, sondern quasi Folklore.

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ndPlusBernd Kühntopf

Ein guter Stern?

Jeder hat schon mal gemeint, dass etwas »unter einem guten Stern« oder eben »keinem guten Stern« gestanden habe. Seit Urzeiten versuchen die Menschen, aus Planetenpositionen zu deuten, was ihnen bevorsteht, um es eventuell abwenden zu können. Man kann aber auch rückblickend die Stellung der Himmelskörper interpretieren. Manche Konstellationen wecken überraschende Assoziationen. Ein Beispiel: Am 6....

Nelli Tügel

Eigensinn statt Aufbegehren

»Eigensinn im Bruderland« stellt die Erinnerungen von neun Menschen in den Mittelpunkt, die als Vertragsarbeiter, Studierende oder politisch Verfolgte in die DDR kamen.

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Ein anständiger Kerl

Pünktlich zum 40. Geburtstag der DDR gibt es 50 000 neue Fernseher. Die frohe Botschaft kommt für mich zu spät. Unser alter Fernseher hat sich schon im vergangenen Jahr verabschiedet. Auf meine flehende Frage »Können Sie ihn noch reparieren?« antwortete mir ein mürrischer Techniker: »Kann ick versuchen. Das Programm wird davon aber nicht besser.«

ndPlusChristel Sperlich

Eintrittspforte zum Paradies

Diesmal ist das monumentale Rundbild des Künstlers kein Ensemble aus fernen Welten und Zeiten, sondern zeigt Schönheit und Idylle direkt vor unserer Haustür, beobachtet durch das Auge eines Insekts, einer Biene. Auf der 15 Meter hohen Plattform nimmt der Besucher die Perspektive einer etwa 25 Meter großen Biene ein, die aus einer gigantisch vergrößerten Kamillenblüte Nektar saugt und zugleich die ...

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Marion Bergermann

Wie in der Pizzawerbung

Wo Tourbusse stehen, treten Musiker*innen auf, die es zu etwas gebracht haben. Am Berliner Gendarmenmarkt parken zwei Exemplare. Die K&K-Philharmoniker und der Opernchor spielen heute. Schick gekleidete Menschen strömen zum Eingang des Konzerthauses. Sie wissen, wo sie hinmüssen, und so schließt man sich an, als Newbie. Zum ersten Mal ein Konzert mit klassischer Musik besuchen. Im goldfar...

ndPlusJakob Hayner

Alle sind auf Empfang

Schorsch Kamerun erklärt das Bauhaus in seinem 100. Jubiläumsjahr für gestorben: Totgejubelt und vernutzt, als Werbung für den Standort Deutschland nach 1945. Mit seiner »Requiem«-Revue an der Berliner Volksbühne will er es »retten«.

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ndPlusHans-Gerd Öfinger

Kampf- und Kümmererpartei

Die nordhessische Metropole Kassel galt bis vor Kurzem als sozialdemokratische Hochburg und Hort des konservativen SPD-Flügels. Hier kann die Linkspartei seit Jahren Wahlergebnisse weit über dem Landes- und Bundesdurchschnitt vorweisen. Dabei stechen vor allem citynahe, traditionelle Arbeiterviertel mit einem hohen Migrationsanteil hervor. Wahlergebnisse nahe 20 Prozent und mehr bei verschiedenen ...

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ndPlusGeorg Sturm

Bedroht für seine Gewaltfreiheit

Regelmäßig erhält der Germán Graciano Todesdrohungen von paramilitärischen Gruppen, weil er sich dafür einsetzt, dass die Kleinbauern in Frieden leben können. Nun wurde er mit dem kolumbianischen Menschenrechtsverteidigungspreis ausgezeichnet.

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Lee Wiegand

Gewinnbringende Fliegenklatsche

Ein Kind schlägt einer Fliege den Flügel ab und macht aus der Kunst nicht Müll, sondern Mehrwert. Wäre dem nicht so, hätte Lee Wiegand schon längst unzählige, zeitgenössische Galerien angezündet, denn er ist Feuer und Flamme für zeitgenössische Kunst.

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ndPlusAnne-Kathrin Krug

Das Wie und das Ob

Von der Hand in den Mund, immer auf Reisen und mit knappen Finanzen - so lebte die Anarchistin Emma Goldman lange Zeit ihres Lebens. Am 27. Juni wäre sie 150 Jahre alt geworden. Ein Gedenken an eine Person, an die sich die Linke zu selten erinnert.

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ndPlusPeter Nowak & Velten Schäfer

Olivgrünes Paradoxon

Der Kosovokrieg führte ein letztes Mal alle Lager der Bewegungslinken im Protest zusammen. Doch die Chance verstrich. Seither ist die linke Apo in Sachen Außenpolitik so zerstritten, dass sie in der Frage von Krieg und Frieden nicht mehr handeln kann.

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ndPlusLotte Laloire

Gendersternchen vom Hörensagen

Seit Anfang 2019 ist es offiziell: Es gibt mehr als zwei Geschlechter. Wie sich das sprachlich ausdrücken soll, darüber gibt es bislang jedoch keinen gesellschaftlichen Konsens. Wir haben mit vier Menschen gesprochen.

ndPlusLann Hornscheidt

Hon, han, hen

In Schweden hat sich das genderneutrale Pronomen »hen« etabliert. Abgeschafft sind Genderdiskriminierungen deshalb noch nicht.

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Sternchen, Gaps, Pronomina

Debatten der Gender Studies gelten oft als abgehoben. Tatsächlich sind sie für viele Menschen eine Lebensrealität. Ein Gespräch mit einer Lehrkraft und drei Studierenden.

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Kelten mit mediterranem Stil

Schon die Kelten mochten den mediterranen Lebensstil. Sie tranken gerne Wein und nutzten dazu griechische Trinkgefäße aus Keramik. Forscher fanden nun heraus, dass sie vor 2600 Jahren daraus nicht nur edle Import-Tropfen schlürften, sondern auch Bier. »Die Kelten haben also die fremden Traditionen nicht einfach nur übernommen. Sie nutzten die Gefäße und Produkte auf ihre eigene Weise und für ganz ...

ndPlusIris Rapoport

Fröhliche Atomgärtnerei

Über Jahrtausende hatte man in der Züchtung auf den Zufall gesetzt. Nicht blind. Man hatte durchaus gezielt nach nutzbaren Mutationen in Flora und Fauna gesucht. Doch dieser Zufall war selten. In der Pflanzenzüchtung half man deshalb seit Mitte des letzten Jahrhunderts kräftig nach. Mit Giften und vor allem mit Radioaktivität. Inmitten kreisförmiger Felder wurde radioaktives Kobalt vergraben. Dann...

ndPlusSusanne Aigner

Der Zweck der Ruderschnecke

Frühstücken wir im Sommer auf dem Balkon, dauert es meist nicht lange, bis sich Fliegen und andere Insekten auf unser Marmeladenbrötchen setzen. Könnte man die lästigen Biester nicht einfach ausrotten? Die würde doch sicher niemand vermissen. Doch so einfach ist es nicht. Stechmücken ernähren sich normalerweise von süßen Pflanzensäften. Die weiblichen Tiere jedoch benötigen für die Produktion der ...

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ndPlusManfred Ronzheimer

Datafizierung des Lebens

Das Internet, in seinen frühen Jahren lediglich ein Vernetzungsinstrument innerhalb der Wissenschaft, ist mit wachsender Intensität dabei, die wirtschaftlichen und sozialen Abläufe weltweit grundlegend zu transformieren. Wohin das führt oder führen sollte, welche vorteilhaften, aber auch schädlichen Wirkungen aus der Digitalisierung und der Datenvernetzung erwachsen und wie sich diese Prozesse bes...

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Computer schwitzen nicht

Sommer im Ressort nd.DieWoche - es werden zwei neue, etwa 80 Zentimeter hohe Turmventilatoren angeliefert und kritisch geprüft. Was ist denn davon zu halten? Sind eben Ventilatoren, die die warme Luft umrühren. Wobei diese Art weniger effektiv ist als die mit Propeller, weil senkrecht stehende Turbinenräder einen geringeren Wirkungsgrad haben. Dafür sind sie leiser. Was Ventilatoren...

ndPlusMike Mlynar

Neugier und Naivität

Gestern war Sommeranfang, der astronomische. An den meisten dürfte der 21. Juni vorbeigehuscht sein; gefühlt haben wir schließlich schon wochenlang Hochsommer. Überhaupt wird der Wechsel von Jahreszeiten in der urbanen westlichen Welt kaum noch registriert, wenn man von Kampagnen der Mode- und Tourismusbranche absieht. Ansonsten verhält sich der Zeitgeist den Jahresläufen gegenüber unaufgeregt bis...

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Martin Kröger

Scharf im Abgang

Die Mietendebatte in Berlin kocht hoch. Mit dem Mietendeckel versucht der Senat, seit dieser Woche die explodierenden Mieten zu dämpfen. Wie der Deckel funktionieren soll, beantwortet »nd« in diesem Text.

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Marie Frank

Hilfsarbeiter mit Doktortitel

Geflüchtete sind nach ihrer Flucht meist in einer niedrigeren beruflichen Stellung beschäftigt als davor. Welche Schwierigkeiten Schutzsuchende auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt haben, hat das Berlin Institut untersucht.

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ndPlusAndreas Fritsche

Pumps oder Turnschuhe?

Zur Landtagswahl im September lässt die Koordinierungsstelle »Tolerantes Brandenburg« 16 800 Plakate drucken, die vor allem die jungen Leute im Bundesland dazu auffordern, ihre Stimmen abzugeben.

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Frank Hellmann, Grenoble

Das Warten hat ein Ende

Nach langer Pause treffen die deutschen Fußballerinnen im Achtelfinale der Fußballweltmeisterschaft auf Nigeria. An die starken Afrikanerinnen gibt es nicht nur gute Erinnerungen.

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»Es wird keinen Maulkorb geben«

Die Chefin de Mission des deutschen Teams sieht den Europaspielen in Minsk mit Spannung entgegen. Uschi Schmitz fordert, etwas Geduld mit dem Event zu haben. Genauso wie mit den Sportlern, wenn es um politische Äußerungen in Belarus geht.

ndPlusChristian Henkel

Neue Fassade für das unrentable Projekt

Minsk war nicht erste Wahl für die zweiten Europaspiele. Die Hauptstadt von Belarus ist eingesprungen und steht nun vor einer Mammutaufgabe. Nicht alle Einwohner freuen sich auf die Spiele, deren Erfolg der Staatsführung aber wichtig ist. Ein Besuch vor Ort.

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ndPlusCarsten Heinke

Grüne Korridore

Abseits der Städte gleichen Masuren und Ermland einem Bilderbuch aus alter Zeit. Wer darin blättert, sieht: Das Seen-und-Wälder-Reich im Nordosten Polens ist auch das Alleenland.

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Unter Wasser mit Giganten

Jetzt! Jetzt musst du ins Wasser springen, Anja!«, ruft mir meine junge Divemaster-Kollegin Sinda aufgeregt zu. Wir haben gerade unseren ersten Tauchgang an der mosambikanischen Küste beendet, unsere Ausrüstung ist im Boot verstaucht und wir sind auf dem Weg zurück ans Land. Doch dann ragt im malerischen Blau des Indischen Ozean eine Flosse aus dem Meer ragen, gefolgt von einer riesigen Wasserfont...

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ndPlusTom Mustroph

»Es wird alles totgeschwiegen«

Der Vater lächelte, als er Isabel Soto von der Polizeiwache abholte. Den Grund erfuhr sie nach erst seinem Tod: Der Gewerkschafter aus Chile freute sich, dass sie ganz nach ihm schlug.