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Viel ist zu tun

nach den Wahlniederlagen in Sachsen und Brandenburg. Helfer beim Abnehmen der Wahlplakate könnte Silvio Lang, Landesvize der Linkspartei in Sachsen, in seinem Bautzener Wahlkreis noch einige gebrauchen. Gerade in den ländlichen Regionen fehlt es an Genossen und Ortsverbänden, aber sollte man sie deshalb aufgeben? Auch die bisherige Funktion der Linkspartei wird von dem Wahlergebnis »hart in Frage ...

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An- und ausgespart

An- und ausgespart

Protestpartei? Kümmererpartei? Engagement in der Fläche oder Konzentration auf die Städte? Nach den Wahlschlappen diskutiert die LINKE über ihre Zukunft. Lesen Sie auch über einen unverwüstlichen Punk in Indonesien, einen linken Fußballklub in Jerusalem und warum in Deutschland das Sparschwein das Sagen hat.

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Gerichte stützen Johnsons Plan
Aert van Riel

Gerichte stützen Johnsons Plan

Im Parlament ist der Widerstand gegen den britischen Premier Boris Johnson gewachsen. Deswegen will er das Unterhaus bald in einen Zwangsurlaub schicken. Ob dies zulässig ist, wird bald das oberste britische Gericht entscheiden.

Termingeschäfte
Peter Stäuber, London

Termingeschäfte

Die Opposition zögert, sich auf baldige Neuwahlen einzulassen. Labour will erst den No-Deal-Brexit vom Tisch haben - und dann aus der Niederlage der Regierung Kapital schlagen.

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Keine Träne dem Protestwähler?
Uwe Kalbe

Keine Träne dem Protestwähler?

Die Linkspartei hat ein Problem. Das ist seit den Landtagswahlen offensichtlich, aber es ist nicht erst mit den Wahlen entstanden. Die Geringschätzung eines Teils der eigenen Klientel gehört dazu.

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Das Image gilt als Wirklichkeit
Uwe Kalbe

Das Image gilt als Wirklichkeit

Das Wahlergebnis in Brandenburg und Sachsen stellt »unausweichlich und hart« die Frage nach der Bedeutung der Linkspartei, sagt der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder. Eine Stimme für die LINKE habe heute nicht mehr dieselbe Durchschlagskraft.

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»Ikone der Befreiung«
Martin Ling

»Ikone der Befreiung«

Nach der Unabhängigkeit Simbabwes von Großbritannien 1980 war der Befreiungskämpfer Robert Mugabe bis 1987 Ministerpräsident und bis November 2017 Staatspräsident. Mit 93 Jahren musste er parteiintern abtreten. Nun starb er in einem Krankenhaus in Singapur.

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Markt sucht Schuldner
Staphan Kaufmann

Markt sucht Schuldner

Das Erbe der Finanzkrise: Obwohl Kredite derzeit so günstig zu haben sind wie nie und ein Wirtschaftsabschwung droht, hält Europa am Dogma Sparsamkeit fest.

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Kein Verschlucken in Fernost
Alexander Isele

Kein Verschlucken in Fernost

Als erste Staatschefin aus dem Westen seit Beginn der Massenproteste in Hongkong vor knapp drei Monaten reist die Bundeskanzlerin nach Peking. Dort erfüllt sie die Erwartung, vor allem die der Wirtschaft.

Niedriglohnabstandsgebot
Alina Leimbach

Niedriglohnabstandsgebot

Als selbsterklärte Partei der Arbeit betont die SPD gerne das »Lohnabstandsgebot«. Was das heißt, verdeutlichte erst kürzlich Arbeitsminister Hubertus Heil: »Wer arbeitet, soll immer mehr haben, als der, der nicht arbeitet.« Damit verteidigt die SPD das viel zu niedrige Hartz-IV-Niveau. Nur: Arbeit lohnt sich eben derzeit nicht immer. Rund 40 Prozent der ALG-2-Beziehenden, die es 2018 geschaf...

Schrott, rollend wie stehend
Stephan Fischer

Schrott, rollend wie stehend

Rund 20 000 »Trotinettes«, elektrische Roller, von unterschiedlichen Anbietern, gibt es in Paris. Eines ist ihnen gemein - sie gehen vielen Bürgern auf die Nerven. Und zwar gewaltig. Und dies nicht, weil die Pariserinnen und Pariser zurückgebliebene Technik- und Fortschrittsfeinde sind, sondern weil die E-Roller zu einem konkreten Ärgernis geworden sind. Was falsch läuft, lässt sich sehr gut daran...

Geldjongleur
ndPlusSimon Poelchau

Geldjongleur

Er sei schon früh entschlossen gewesen, etwas mit Geld zu machen, schrieb das »Handelsblatt« einst über Stephan Engels, als es ihn zum »CFO des Monats« kürte. Als Finanzvorstand der Commerzbank macht der gebürtige Hamburger in der Tat irgendetwas mit Geld. Und das wird er auch in seinem nächsten Job tun: Im April 2020 wechselt der 57-Jährige zum dänischen Skandalinstitut Danske Bank, wie beide Gel...

Im Sinne der Konzernbosse
Rolf Geffken

Im Sinne der Konzernbosse

Hongkong kommt nicht zur Ruhe - auch nicht, nachdem das Auslieferungsabkommen mit China zurückgenommen wurde. Der China-Experte Rolf Geffken hat sich den Konflikt angeschaut. Seine These: Die Demonstranten handeln im Sinne reicher Unternehmer.

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Ganz ohne Flugangst

Klimawandel - ohne mich! Man muss kein US-Präsident sein, um sich nicht zuständig für die Klimakatastrophe zu erklären. Einfach mal ins Auto steigen und die dunklen Gedanken zu Hause lassen. Oder ins Flugzeug und die Wolken von oben betrachten. Ist ja auch die sicherste Form des Reisens. Flugangst ist was für Idioten. Flugzeuge sind zum Fliegen da, sagt einem jeder Flugkapitän. Abstürzen können Si...

Die Demokratie und ihr »Unterbau«
ndPlusHelmut Dahmer

Die Demokratie und ihr »Unterbau«

Jeder kann wählen, aber nicht jeder kann sich Kandidaten, Abgeordnete oder Parteien wie Fußballmannschaften kaufen, geschweige denn Fernsehsender, Zeitungen oder »soziale Medien«. Demokratie wird zur Ideologie, wenn nicht von Korruption die Rede ist.

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Dein Ex-Freund Sachsen
Paula Irmschler

Dein Ex-Freund Sachsen

Dein Ex-Freund Sachsen hat mal wieder richtig Scheiße gebaut. Er kann nicht anders, denn er hatte eine fiese Kindheit. Ach, wie es dir geht? Das hat er leider mal wieder vergessen zu fragen. Gib ihn am besten auf, findet Paula Irmschler.

Iraner sind alle Schauspieler
Bahareh Ebrahimi

Iraner sind alle Schauspieler

15 Tage ohne Drehgenehmigung: Im »Handbuch subversiver Strategien eines Films aus dem Iran« zeigt der Regisseur Sina Ataeian Dena mit welchen Tricks und Techniken er es geschafft hat, »Paradise« zu drehen - einen Film über Gewalt in einer Mädchenschule.

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Wut im Bauch

5. September 1989: Ich traf Roswitha, unsere HGL-Vorsitzende, in der Kaufhalle. Sie erzählte, sie habe an ihrem gestrigen Haushaltstag einen Ausflug nach Leipzig unternommen, um am Friedensgebet in der Nikolaikirche teilzunehmen. Die montäglichen Friedensgebete, erfahre ich, gibt es schon seit Anfang der 80er Jahre - gegen »Rüstungswahn« und Raketen. Nicht nur in Leipzig. Dort seien sie aber zuneh...

Wir brauchen Koordinaten
Tom Strohschneider

Wir brauchen Koordinaten

Als Anfang dieses Jahres der Tod von Erik Olin Wright zu beklagen war, haben sich viele vor diesem außergewöhnlichen Menschen verbeugt.

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Aus Stein gemacht
ndPlusPhilip Malzahn

Aus Stein gemacht

Fadhila Jayamahendra ist der Urvater des indonesischen Hardcore-Punks. Ob rechte Diktatur oder ein Schlaganfall mit 40 - der Mann, den die Szene nur »Aca« nennt, scheint unkaputtbar.

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Das queere Schöneberg
Johanna Treblin (Text) und David Mathews (Zeichnungen)

Das queere Schöneberg

Es begann mit einem Kuss – dem längsten schwulen Filmkuss im deutschen Kino: Nach der Aufführung von Rosa von Praunheims »Nicht der Homosexuelle ist pervers« entstand 1971 die Berliner Schwulenbewegung. Eine Comicreportage über Orte queeren Lebens.

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Wölfe auf Kirschmus
Helmut Rasch

Wölfe auf Kirschmus

Wussten Sie, dass Kreidefressen krebserregend ist? Wie sich ein makaber tröstlicher Gedanke in der Nacht nach den Landtagswahlen zuerst in ein Nichts auflöste - und dann doch zu einer neuen Erkenntnis über den erneuerten Rechtsradikalismus führte.

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Der ewige Übergang
ndPlusThomas Klatt

Der ewige Übergang

»Reichsdeputationshauptschluss« - das klingt historisch. Doch bis heute erhalten die christlichen Großkirchen jährlich Hunderte Millionen aufgrund dieser Vereinbarung von 1803. Und nicht einmal die DDR setzte diese Zahlungen aus.

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Schwedisches Menetekel
ndPlusAxel Berger

Schwedisches Menetekel

Stellungskrieg ab Schultüte? Gerade in Europa sehen private Schulkonzerne einen gigantischen Markt. Denn viele Eltern wollen den Kindern privilegierte Positionen geben - und die Politik ignoriert, dass Privatschulen oft schlechtere Ergebnisse produzieren.

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Der Faschismus und die Frauen
Lotte Laloire

Der Faschismus und die Frauen

Die extreme Rechte benimmt sich wie ein pubertierender Junge, es geht nur noch um Frauen. Sie sollen abwechselnd »durchgefickt« oder »beschützt« werden. Woher das rechte »Gendergaga« kommt und warum es mehr bedroht als »nur« Frauen.

Das Blaue vom Himmel
ndPlusMarcus Hawel

Das Blaue vom Himmel

»Rechtspopulismus«? Der Ausdruck ist schon aus Beschwichtigungsgründen entstanden. Warum der neue Aufstieg rechtsradikaler Parteien mit dem Faschismusbegriff beschrieben werden sollte: eine Analyse mit den Instrumenten der Kritischen Theorie.

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ndPlusBarbara Barkhausen

Krokodil oder Baumstamm?

Schon jetzt überwachen Drohnen australische Strände und warnen Schwimmer vor Haien. Nun will das Land die Technologie auch im tropischen Norden zum Einsatz bringen. Dort gefährden Krokodile Schwimmer und Strandspaziergänger. Doch ein Krokodil ist schwieriger zu erkennen als ein Hai.

Würden Sie Gene essen?
ndPlusIris Rapoport

Würden Sie Gene essen?

Würden Sie Gene essen? Wer da »igittigitt« denkt, ist auf dem Holzweg. Jegliche Kost, ob tierisch, ob pflanzlich, enthält DNA. Gene also! Ein Gramm etwa verzehren wir pro Tag. Dabei ist es für unsere Verdauungsenzyme völlig egal, ob darunter ein paar gentechnisch veränderte sind. Die werden genauso verdaut. Nicht anders ist es mit Nahrungsmitteln, die auf Grundlage der veränderten Gene erzeugt wer...

Brandstifter am Werk
Steffen Schmidt

Brandstifter am Werk

Nicht nur in Brasilien brennt es. Satellitenbilder zeigen noch deutlich mehr Feuer in Afrika. Dort sind es aber oft natürlich entstandene Brände in der Savanne, während in Brasiliens Regenwäldern wie in Indonesien meist der Mensch Verursacher ist.

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Die Rückkehr der Bananen-Pest
ndPlusKnut Henkel

Die Rückkehr der Bananen-Pest

Ausgerechnet Bananen: Der Deutschen zweitliebstes Obst ist von einem Pilz bedroht, der kürzlich auch in Kolumbien nachgewiesen wurde. Wegen fehlender Vielfalt auf den Feldern ist dagegen derzeit kein Kraut gewachsen.

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Schwer zu sagen, wie sich ein Insekt fühlt
Regina Stötzel

Schwer zu sagen, wie sich ein Insekt fühlt

Dr. Steffen Schmidt, Jahrgang 1952, ist Wissenschaftsredakteur des »nd« und der Universalgelehrte der Redaktion. Auf fast 
jede Frage weiß er eine Antwort – und wenn doch nicht, beantwortet er eine andere. Regina Stötzel fragte ihn nach Sinn und Zweck von Zoos.

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ndPlusJörg Meyer

Wirtschaftsfaktor Sonnenallee

Fast jede zweite neue Firma in der Metropole Berlin wird von Menschen mit Migrationserfahrungen gegründet. Aus der Nische sind migrantische Ökonomien seit Langem herausgewachsen. Das zeigt auch ein Rundgang in der Sonnenallee in Berlin-Neukölln.

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Am Ende bleibt der Drogenhandel
ndPlusVanessa Fischer

Am Ende bleibt der Drogenhandel

Drogenhandel und Gewalt - so wird der Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg in den Medien oft einseitg dargestellt. Dabei liegen die Ursachen der Probleme viel tiefer. Auch Rassismus spielt dabei eine Rolle.

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Smarte Technologie allein hilft nicht
Philip Blees

Smarte Technologie allein hilft nicht

Smart City heißt die neoliberale Strategie zur Stadtentwicklung. Alles soll digital und vernetzt sein - und dadurch angeblich auch effizienter und sicherer. Ein Bündnis sieht das nicht so, und Teile der die Wissenschaft auch nicht.

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Selektierte Wahrheiten
Oliver Kern

Selektierte Wahrheiten

Man muss ein Land schon bereisen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es ist, hier zu leben. Was man vorher liest und hört, ist maximal ein Ausschnitt, wenn nicht sogar die Verdrehung der Wahrheit. Das gilt für China ganz besonders, denn in einer knappen Woche in Shenzhen fiel es mir ziemlich schwer, die vorherigen Informationen mit den realen Verhältnissen zu vereinen. Ja, die Grundschulkin...

Die Kontinente driften auseinander

Die Kontinente driften auseinander

Die Vorrunde der Basketball-WM ist vorbei. Und damit auch die Hoffnungen auf den großen Überraschungserfolg. Das gilt nicht nur für die deutschen Spieler, sondern vor allem für die Gastgeber. Mit Polen, Venezuela und der Elfenbeinküste hatten die Chinesen eigentlich eine machbare Gruppe erwischt, doch als es in der Verlängerung des entscheidenden Duells gegen Polen darauf ankam, versagten Sun Ming...

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Das politische Spiel
ndPlusLea Schönborn

Das politische Spiel

Nicht nur die Wahl am 17. September ist in Israel politisch - auch die Wahl des Fußballvereins. Die Geschichte des linken Klubs Hapoel Katamon Jerusalem.

Seite 30
ndPlusIngo Petz

Die Straße vor unserem Haus

Schwere schwarze Wolken hängen wie prall gefüllte Daunenkissen am Himmel. Dann beginnt es zu regnen. Erst tröpfelt, dann schüttet es. Ich spüre das Dröhnen der Lkw, an denen wir vorbeiziehen: Polnische und ukrainische Kennzeichen, auch russische, litauische, belarussische. Deutsche sind nur selten zu sehen. Wasser spritzt auf das Visier meines Helms. Durch die Schlieren wirkt die Welt verzerrt und...

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»Aus dem Blut kann man Pfannkuchen machen«
ndPlusTom Mustroph

»Aus dem Blut kann man Pfannkuchen machen«

Mehl und Blut gibt gute Pfannkuchen, findet Laila Inga, die hoch oben im Norden Norwegens Rentiere züchtet. Im Interview erzählt sie außerdem, warum Tradition und Technik gut zusammenpassen und warum nur ganz wenige ihrer Tiere Namen haben.