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Unten links

Öffentliche Verkehrsmittel sind natürlich viel ökologischer als private Autos, ganz unbestritten. Aber was muss man sich dort alles anhören? Während man im Auto allein und ungestört ist, wird man in den Massentransportmitteln penetrant zugeschwallt und bekommt notgedrungen Dinge zu hören, die man nie wissen wollte. Familiendramen, Trennungsgespräche, dienstliche Anweisungen, Kündigungsandrohungen,...

Stephan Fischer

Die Wähler mitgenommen

Die Überraschung bei den polnischen Parlamentswahlen blieb aus, die PiS baute ihren Vorsprung sogar aus. Die Partei weiß, breite Wählerschichten für sich zu gewinnen – und europäische Argumente gegen sie wirken immer schaler und schwächer.

Ralf Streck, San Sebastián

Gefängnis für Unabhängigkeitsbefürworter

Neun wegen »Aufruhrs« und Veruntreuung öffentlicher Gelder angeklagte Katalanen sind zu Gefängnisstrafen zwischen neun und 13 Jahren verurteilt worden. Die Proteste laufen.

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Assad schickt die Armee

Damaskus. Mit der Verlegung syrischer Regierungssoldaten an die türkische Grenze reagiert Präsident Baschar al-Assad auf das Eindringen türkischer Truppen in Nordostsyrien. Die syrische staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, dass Regierungstruppen in dem Gebiet angekommen seien, in dem die Türkei eine sogenannte Sicherheitszone errichten will. Fernsehberichten zufolge warfen Menschen ihnen Bl...

Sebastian Bähr

Kein Ruhiges Hinterland

Radikale Linke rufen mit der Kampagne »Rise up 4 Rojava« zu weltweiten Protesten in Solidarität mit der Bevölkerung in Nordsyrien auf. Auch in deutschen Städten finden zahlreiche Aktionen statt.

René Heilig

Türkei spielt Trümpfe aus

Während die EU Alibi-Aktionen wie ein Rüstungsexportverbot für die Türkei beschließt, unternimmt die NATO so gut wie nichts, um die Aggression des Bündnispartner gegen das Nachbarland Syrien zu stoppen.

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ndPlusEckart Roloff

So mutig wie mühsam

Norwegen, Gastland der der Frankfurter Buchmesse, die am Dienstagabend öffnet, hat nicht nur Henrik Ibsen und Jo Nesbø zu bieten. Das Land der Fjorde tat sich allerdings mit Literatur lange Zeit schwer.

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Hendrik Lasch

»Für uns ist es fünf nach zwölf«

Sachsens LINKE hat bei der Landtagswahl eine schwere Niederlage erlitten. Seither gab es fünf Regionalkonferenzen, auf denen über Ursachen geredet werden sollte. Antje Feiks spricht im Interview darüber, was an der Basis gefordert wird und wie es nun weitergeht.

ndPlusRené Heilig

Panzerlärm und Cyberschweigen

Über 2000 Soldatinnen und Soldaten mit mehr als 500 Fahrzeugen übten zwischen Munster und Bergen. Das ist zwar Routine, doch sie zeigt auch: Die Bundeswehr katapultiert sich in neue Dimensionen.

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Katja Herzberg

Polen lassen weiter durchregieren

Mit fast 44 Prozent der Stimmen stützen die Polen den Kurs des »guten Wandels« der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit.

Markus Drescher

Sicherheitsdebatte mit alten Bekannten

Nach dem Terroranschlag in Halle in der vergangenen Woche beginnt die Suche nach Antworten auf den wachsenden und tödlichen Rechtsextremismus. Auch die Vorratsdatenspeicherung ist dabei.

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Überraschender Erfolg

Für die ungarische Hauptstadt Budapest wurde ein knapper Ausgang zugunsten des Regierungslagers prognostiziert. Doch nicht nur dort erzielte die Opposition bei der Kommunalwahl Erfolge.

ndPlusPeter Stäuber, London

Kaum Hoffnung auf Brexit-Einigung

Zur Eröffnung der neuen Parlamentssession spricht die britische Regierung von der Zeit nach dem Brexit. Aber die Verhandlungen gehen schleppend voran, die Aussicht auf eine Einigung schwindet.

Miriam Lang, Quito

Lenín gibt indigenem Druck nach

Eine Protestwelle gegen die Erhöhung der Spritpreise legte Ecuador seit Anfang Oktober lahm. Staatschef Moreno hat nun eingelenkt. Die indigene Bewegung soll bei einer neuen Regelung mitsprechen.

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ndPlusKurt Stenger

Nobelpreis für Klempner

»Ökonomen sollten die Denkweise von Klempnern übernehmen«, schrieb Esther Duflo 2017 in einem Essay. »Sie installieren Geräte in der realen Welt, beobachten sorgfältig, was geschieht, und tüfteln je nach Bedarf herum.« Kein Wunder, dass die französische Ökonomin bei ihrer Forschung mit ihrem indischen Arbeits- und Lebenspartner Abhijit Banerjee am Massachusetts Institute of Technology vor allem au...

ndPlusRainer Balcerowiak

UFO bläst zum Streik

Durch interne Querelen ist die Spartengewerkschaft UFO geschwächt. Nun aber ruft sie die Lufthansa-Flugbegleiter zum Streik auf.

Haidy Damm

Noch nicht mal Ladenhüter

Weltweit gehen nach einem UN-Bericht 14 Prozent der Lebensmittel verloren, bevor sie überhaupt im Handel landen.

ndPlusSimon Poelchau

Facebook gehen die Partner aus

Als Facebook im Sommer sein Projekt Libra vorstellte, waren 28 Unternehmen mit an Bord. Nach dem Rückzug von Visa, Mastercard und Co. glauben nur noch 23 an den Plan eines privaten Digitalgeldes.

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Sebastian Bähr

Düstere Aussichten

»Wenn wir uns entscheiden müssen zwischen Kompromiss und Genozid, dann wählen wir unser Volk.« Mit diesen Worten verteidigte der oberste General von Rojava, Mazloum Abdi, die jüngst beschlossene Zusammenarbeit der Selbstverwaltung mit dem Assad-Regime und Russland. Nach ersten Informationen regelt das Abkommen vorerst nur den gemeinsamen Grenzschutz, die Kontrolle der Zivilverwaltung soll offenbar...

Martin Ling

Gefängnis heizt den Konflikt an

»Gefängnis ist keine Lösung.« Es war der FC Barcelona, der sich als erste katalanische Institution nach dem Urteil gegen zwölf Unabhängigkeitsbefürworter zu Wort meldete. Ein Verein, der in seinen Reihen von glühenden Unabhängigkeitsbefürwortern bis vehementen Vertretern von Spaniens Einheit alles weiß. Und so blieb das Kommuniqué auch nicht auf die Kritik an einem Urteil beschränkt, das insgesamt...

Jana Frielinghaus

Totalitarismustheoretisch fundiert

Da schau her: Die Christdemokraten wollen Antisemitismus und »Rechtsextremismus« bekämpfen. Das ist bemerkenswert, denn es war in den letzten zehn Jahren insbesondere die CDU, die bevorzugt antifaschistische zivilgesellschaftliche Initiativen gern als »linksextrem« brandmarkte - und ihnen mit dieser Begründung staatliche Gelder strich. Oder ihnen ein schriftliches Bekenntnis zur freiheitlich-demok...

ndPlusAlexander Isele

Orban-Schreck

Erst Budapest, dann das ganze Land - Gergely Karácsony hat die Oberbürgermeisterwahl in der Hauptstadt Ungarns gewonnen. Der Kandidat der Opposition sieht den Sieg als Vorboten des Wandels, auf den das Land unter der Herrschaft Viktor Orbáns warte. Noch in der Wahlnacht versprach Karácsony, die Bürger würden »sich nun ihre Stadt von der Macht zurückholen«. Die Macht hält in Ungarn die rechte ...

Bernd Zeller

Tränen beim Casting

Die Kandidatenkür der SPD hatte schon einen gewissen Unterhaltungswert. Aber da ist noch mehr drin: In Zukunft muss bei solchen Shows viel mehr geweint werden, fordert Kolumnist Bernd Zeller.

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Martin Kröger

Zur Hölle mit Fahrraddieben

Viele Berlinerinnen und Berliner haben diesen schrecklichen Moment bereits einmal oder - noch schlimmer - mehrfach erlebt: Wenn statt des eigenen Fahrrads nur noch das aufgebrochene Schloss übrig ist - quasi als letzter höhnischer Gruß des reaktionären Diebs oder der Diebin. Wer es selbst erfahren hat, weiß, wie ohnmächtig man in diesem Moment ist. Eine Anzeige, eigene Recherchen oder das Absuchen...

Claudia Krieg

Anzeige gegen Professor der HU erstattet

Der Geschichtsprofessor Jörg Baberowski soll zwei studentische Vertreterinnen beleidigt haben. Sie legten Dienstaufsichtsbeschwerde ein. Überdies zeigten sie den Professor an.

Martin Kröger

Kritisch orientiert ins Semester

Bis zu 195.000 Studierende sind in Berlin eingeschrieben. Das geht aus einer ersten Hochrechnung der Senatsverwaltung für Wissenschaft hervor. Die Mietkosten für Studi-Unterkünfte explodieren.

ndPlusNicolas Šustr

Hoffnung aus Holzmodulen

Die Schulbauoffensive des Senats nimmt Fahrt auf. Zwei neue Bildungsorte sind schon in Betrieb, für das dritte wird nun Richtfest gefeiert. Das Bautempo mit Holzmodulen ist rasant.

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Marie Frank

Wagenplatz in Marzahn geräumt

Drei Wochen war das lange leerstehende Gelände der Deutschen Bahn von der Gruppe »DieselA« besetzt. Trotz des Einsatzes mehrerer Politiker*innen wurde der Wagenplatz am Montag geräumt.

Anna Schulze

Auf den Spuren der Unsichtbaren

Rund 50.000 illegalisierte Menschen leben schätzungsweise in Berlin. Für sie ist es nicht möglich, legal eine Wohnung zu mieten, eine Krankenversicherung abzuschließen oder ein Konto zu eröffnen.

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Lobby pocht auf Windkraft

Potsdam. Der Landesverband Windenergie setzt sich in den laufenden Koalitionsverhandlungen für eine Weichenstellung zum Ausbau der Windenergie ein. 2019 sei der Ausbau völlig zum Erliegen gekommen, sagte Landeschef Jan Hinrich Glahr am Montag. Wer Abstände von mehr als 1000 Metern zur Wohnbebauung einführen und Windenergie im Wald untersagen wolle, schiebe die Energiewende aufs Abstellgleis. Wenn ...

ndPlusWilfried Neiße

Weckruf für impfmüde Senioren

Anfang Oktober ist die Grippesaison angelaufen. Aus diesem Anlass warnt Brandenburgs Gesundheitsministerium vor den ernsten Risiken von Virusgrippe-Erkrankungen und wirbt für Impfschutz.

ndPlusGudrun Janicke

Statt Spargel und Obst nun Gänsebraten

Die Spargel- und Erdbeerzeit ist schon lange vorbei. Die Pflanzen sammeln Kraft für die neue Saison. Aber herrscht damit jetzt Ruhe auf den Brandenburger Höfen? Sind sie nun völlig verwaist?

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Linker in der Stichwahl

Kurz nach dem Terroranschlag in Halle gehen deutlich mehr Bürger zur OB-Wahl als beim letzten Mal. Amtsinhaber Bernd Wiegand (parteilos) liegt klar vorn, verfehlt aber die absolute Mehrheit.

Sebastian Haak

Hilferuf der Pflegenden

Lange schon klagen vor allem Pfleger des Uniklinikums Jena über schlechte Arbeitsbedingungen. Nun sind sie in einen eintägigen Warnstreik getreten, um ihren Forderungen nach einem Entlastungstarifvertrag Nachdruck zu verleihen.

ndPlusHagen Jung

Unter Hausmüll lauert Gift

Giftige Chemikalien hat ein Unternehmen in den 1960er-Jahren illegal in einem stillgelegten Bergwerk in Niedersachsen entsorgt. Erst jetzt begann die Sanierung der Grube nahe der Harzstadt Goslar.

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Niemand soll herrschen

Auf Demonstrationen und Kundgebungen linker Bewegungen und Gruppen konnte man ihn stets zuverlässig finden, auch auf der alljährlich in Berlin stattfindenden »revolutionären 1.-Mai-Demonstration«: den Berliner Politikwissenschaftler und emeritierten Professor Wolf-Dieter Narr, der sich selbst als in anarchistischer Tradition stehend begriff und über Jahre hinweg auch etwa für die anarchistische Mo...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Erst die Interessen, dann die Moral

Kaum ist Peter Handke zum Literaturnobelpreisträger gekürt, bricht erneut ein Shitstorm bürgerlicher Medien über ihn herein. Nur, weil der österreichische Schriftsteller dereinst - Manns genug und mutig wie kaum ein anderer Literat - den NATO-Krieg gegen Jugoslawien verurteilt hatte, die Bombardierung Belgrads ein Kriegsverbrechen nannte.

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Karlen Vesper

Der Sonderbeauftragte

Eine Begegnung der besonderen Art: Horst Teltschik, Kohls Vertrauter und Sonderbeauftragter in den Verhandlungen zur deutschen Einheit, begründete in einer »nd«-Veranstaltung, warum gute Beziehungen zu Russland für Deutschland und Europa eminent wichtig sind.

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ndPlusThomas Möbius

Mag jeder selber denken!

An einer Frage entscheidet sich in der Tat die Zukunft der Menschheit: Gelingt es uns noch, die globale Umwelt- und Klimakatastrophe zu verhindern? Dass der Kapitalismus die Probleme der Gegenwart lösen kann, ist mehr als zweifelhaft, in seiner gegenwärtigen neoliberalen Form kann er das nicht: Profit schlägt Natur. Einer der ersten, der die ökologische Frage auch für den Sozialismus als existenzi...

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Alexander Ludewig

Der Sport muss Konsequenzen ziehen

Wenn der Fußball gesellschaftliche Ansprüche stellt und der Sport mündige Athleten will, muss er auch Konsequenzen ziehen können, meint Alexander Ludewig.

Ein Sieg, viele Zweifel

Ilkay Gündogan und Emre Can waren beim 3:0 der DFB-Elf in Estland sportliche Hauptdarsteller. Diskutiert wird aber auch ihr »Like« für den Salut-Torjubel türkischer Nationalspieler.

Frank Hellmann

Kein Tag ohne Training

Der Doppeltriumph beim Ironman auf Hawaii wäre ohne den alltäglichen Antrieb von Dan Lorang wohl nicht möglich geworden. Einer seiner Ansätze: »Die Athleten setzen Ziele - nicht der Trainer.«

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Pack deine Sachen!

Wohnen Sie noch zentral oder sind Sie schon ausgezogen - ins Umland, weit draußen? Früher zog man aus der Provinz in die Großstadt, weil man die Provinz nicht mehr ausgehalten hat. Jetzt zieht man wieder zurück, weil man sich die Mieten in der Stadt nicht mehr leisten kann. Wer hat, dem wird gegeben. Und wer nicht hat, dem wird genommen, da gibt es im Kapitalismus keine zwei Meinungen. Enno Stahl ...

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Sabine Neubert

Welche Farbe hatten die 70er?

Ketil Bjørnstad ist so etwas wie ein musisch-literarisches Universalgenie im norwegischen Kulturbetrieb. Mit »Die siebziger Jahre« setzt er seine Roman-Biografie fort, nachdem er »Die sechziger Jahre« schon hinter sich gelassen hat. • Ketil Bjørnstad: Die Welt, die meine war. Die siebziger Jahre. Aus dem Norweg. v. Gabriele Haefs, Kerstin Reimers, Andreas Brunstermann und Nils Hinnerk Schulz...

ndPlusSabine Neubert

Hysterie in nächster Generation

Eine Scheidungsgeschichte - ist das eine Tragödie oder eine Komödie? Wohl beides! Glaubt man Statistikern, so werden im gut situierten europäischen »Mittelstand« mindestens 50 Prozent aller Ehen geschieden, wahrscheinlich noch mehr. In Helga Flatlands Roman »Eine moderne Familie« neigt sich die Waagschale doch mehr zur Komödie. Die Umstände sind gelinde gesagt außergewöhnlich. • Helga Flatlan...

André Dahlmeyer

»Genial? Sagt, dass das genial ist!«

Der Hund Samson und der Kater Roberto sind von Natur aus träge und lungern gerne herum. Früher waren sie Stadttiere und »haben immer nur ganz still in unserem Zimmer gesessen und die Wände angestarrt«. Das ist jetzt vorbei, denn Samson hat geerbt. Jetzt sind die beiden Hoteldirektoren, betreiben die Pension »Fjordlicht«, direkt am Meer, und futtern Honigkuchen. Außerdem ist Sommer. Das Leben ist s...

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ndPlusStefan Malta

Für immer neu

Valeska Gert (1892-1978) war eine weltberühmte Künstlerin: »Eine dolle Nummer, eine hervorragende Tänzerin, eine außerordentliche Frau«, schrieb Kurt Tucholsky 1921 über sie in der »Weltbühne«. Und Elisabeth Castinonier sah damals in ihr »Rotkäppchen, Großmutter und der böse Wolf«. Heute ist sie in der breiten Öffentlichkeit vergessen, obwohl es viele Bücher von ihr und über sie gibt. • Vales...

ndPlusFlorian Schmid

Allenthalben brennen Autos

Was ist eigentlich aus den Ost-Berliner Punks geworden, die in den 80er Jahren Teil der Gegenkultur in Prenzlauer Berg waren? Einige davon geistern an ganz prominenter Stelle durch Enno Stahls neuen Roman »Sanierungsgebiete«. Der Autor, Jahrgang 1962, erzählt auf knapp 600 Seiten von der Gentrifizierung in Berlin, vom finalen Ausverkauf des Prenzlauer Berg in den Jahren 2009 bis 2011. • Enno ...

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Thomas Blum

Gegen Posemuckel!

Einer, der gern nach allen Seiten austeilte und sich mit den humorlosen Kreuzberger Autonomen und linksradikalen »Struppis« (W. Droste) ebenso anlegte wie mit den humorlosen Biedermännern und -frauen des bundesdeutschen Establishments, war Wiglaf Droste, der über viele Jahre hinweg für die Tageszeitungen »Junge Welt« und »Taz« als Kolumnist tätig war und im Mai dieses Jahres nach langjähriger Kran...

Guido Speckmann

Sekt hat das Sagen

War Jörg Fauser ein Rechter, ein Vordenker der AfD? Er gilt doch gemeinhin als Rebell des Literaturbetriebs, als Kneipenliterat mit sympathisierendem Blick auf die Underdogs oder als Vorläufer der Pop-Literatur. Aber nicht als Rechter. • Jörg Fauser: Caliban Berlin: Kolumnen 1980–84. Diogenes, 368 S., geb., 24 €. Und doch wird genau diese Frage im Nachwort des Bandes «Caliban Berlin. Ko...

ndPlusGunnar Decker

Träumendes Fluchttier

Das Gespräch dauerte von 1961 bis 1983, es kannte keine langen Pausen und passt doch - mitsamt Erläuterungen - auf 120 Seiten. Dazu kommen eine Einleitung von Achim Roscher, dem langjährigen Redakteur der Zeitschrift »Neue Deutsche Literatur« (NDL), bei der auch Christa Wolf als Redakteurin begonnen hatte, und auch noch einige Briefe - und doch ist es mit unter 200 Seiten ein schmales Buch geblieb...

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Frank Willmann

Die Ankunft des pummeligen Messias

Seit gut 28 Jahren liefert Jan Peter Bremer stetig neue Kurzromane. Er selbst nannte sie einmal »Bonsairomane«, in denen er dem Bürger die Narrenkappe immer wieder aufs Neue über den Schädel stülpt. Manche halten ihn deshalb für einen kleinen Kafka oder Walser (Robert), der Klappentextdichter seines neuen Werks »Der junge Doktorand« adelt ihn gar zu einem schreibenden Charlie Chaplin. Das ist gewi...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Teppich des Erzählens

Mit einem Perserteppich beginnt es, mit feuriger Liebe, aus der ein Kind entsteht, das nun sozusagen zwei Väter hat, die beide, wohlwollend, sogar voneinander wissen. Aber davon ahnte die kleine Linda ebenso wenig wie die Mutter des »Teppichvaters«, die »kleine Großmutter«, deren Spuren die Ich-Erzählerin folgt. • Tanja Langer: Meine kleine Großmutter & Mr. Thursday oder Die Erfindung der...

ndPlusFokke Joel

Von der Geschlechterspannung

Im Juli starb Brigitte Kronauer. »Das Schöne, Schäbige, Schwankende« nannte sie ihr letztes, noch zu ihren Lebzeiten fertiggestellte Buch. Es sind kurze, meist nicht mehr als zehn Seiten umfassende »Romangeschichten«, wie es im Untertitel heißt, eingebunden in eine lockere Rahmenhandlung. • Brigitte Kronauer: Das Schöne, Schäbige, Schwankende. Romangeschichten. Klett-Cotta, 596 S., geb., 26 ...

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Klaus Bellin

Stilist und Arbeiter

Er war lange ein Glückskind. Was immer Stefan Zweig (1881-1942) schrieb, historische Miniaturen, Dramen, Gedichte, Erzählungen, fand reißenden Absatz. Die Leser schwärmten, und die Kritiker wetteiferten mit Lobeshymnen, rühmten die atemlose Spannung dieser Prosa, ihre leidenschaftliche Intensität, die ungeheure Suggestivkraft. • Stefan Zweig: Verwirrung der Gefühle. Die Erzählungen Band II 1...

Jakob Hayner

Der letzte Kongress der Faschokünstler

Der argentinische Schriftsteller Patricio Pron ist einer der interessantesten Protagonisten der spanischsprachigen Literatur. 1975 in Rosario geboren, hat er in Göttingen im Fach Romanistik promoviert und lebt nun in Madrid, wo er auch als Literaturkritiker tätig ist. • Patricio Pron: Vergieß deine Tränen für keinen, der in diesen Straßen lebt. A. d. Span. v. Christian Hansen. Rowohlt, 416 S...

ndPlusTobias Lambert

Die fettsüchtigen Chavisten

Nachdem Adelaida ihre Mutter beerdigt hat, bleibt die 38-jährige einsam zurück. In Caracas hat sie keine Familie mehr, die Tanten wohnen abgelegen an der Karibikküste. Versorgungsmängel, Inflation und Gewalt prägen den Alltag in der venezolanischen Hauptstadt. • Karina Sainz Borgo: Nacht in Caracas. A. d. Span. v. Susanne Lange. S. Fischer, 224 S., geb., 21 €. Als einige Regierungsanhän...

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ndPlusHans-Dieter Schütt

Eine verwegene Sache

Brief, so heißt das Fremdwort. Mitteilungen heute: Sie fassen sich und achten auf Kürze. Jede Information steht fortwährend im Wettkampf mit ihresgleichen. Die Abstände zwischen Senden und Empfangen sind total geschrumpft - immer weniger Post geht auf einen Weg, der dauert. Briefkästen zeigen ihr Gelb schon wie eine Warnfarbe, die das baldige Verschwinden annonciert. Der Spannungsbogen beherrscht ...

Michael Wolf

Mikado mit den Zeitachsen

Der Tod der Eltern ist in der Literatur ein reich bestellter Gottesacker. Von Shakespeares »Hamlet« über Camus’ »Der Fremde« bis zu Safran Foers »Extrem laut und unglaublich nah« steht ihr Verlust für Generationen an Figuren am Beginn einer Suche nach dem eigenen Platz in der Welt. Es ist demnach ein ambitioniertes Unterfangen, dem Topos noch etwas Neues abzugewinnen, wie es Raphaela Edelbauer in ...

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Ina Holev

Schwarz, jüdisch, identitätssuchend

Oreo, dieser Markenname für einen dunklen Keks mit weißer Creme im Inneren, wird in den USA oft abwertend für Afroamerikaner*innen verwendet, denen ein »weißes« Verhalten nachgesagt wird. Die Protagonistin in Fran Ross’ gleichnamigem Roman »Oreo« trägt diese Bezeichnung allerdings als lieb gewonnenen Spitznamen. • Fran Ross: Oreo A. d. amerik. Engl. v. Pieke Biermann. dtv, 288 S., geb., 22 €...

ndPlusFrank Schäfer

Whisky auf den blauen Vogel schütten

Charles Bukowski (1920-1994) war ein gebrochener, enttäuschter, auch von sich selbst enttäuschter Romantiker, der trotz Machogeprahle, moralischer Zweideutigkeit und entschiedenem Pragmatismus in Liebesdingen das Ideal nicht völlig drangeben wollte: »in meinem Herzen sitzt ein kleiner blauer Vogel, der / nach draußen will / doch ich schütte Whiskey auf ihn, ziehe kräftig an der / Zigarette / und d...

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ndPlusIrmtraud Gutschke

In die Weite gehen

»Ab heute seid ihr Mädchen einer anderen, einer reineren Welt.« Was die Lehrerin womöglich als sonnige Verheißung verstand, für Khandan fühlte es sich wie ein Hauch von Kälte an. Ihre Freundin Fantana meinte, »dass jeder Mann, der sich dieser Frau genähert habe, auf der Stelle erfroren und jeder Vogel, der in ihrer Nähe gelandet, erstarrt sei«. • Bachtyar Ali: Perwanas Abend. A. d. Kurdischen...

Florian Schmid

Sozialismus im Weltraum

An den Science-Fiction-Film »Eolomea« von 1972 mit Cox Habbema in der Hauptrolle dürften sich vor allem ältere Semester erinnern. In Dietmar Daths neuem Roman »Neptunation« ist ein Raumschiff nach dem legendären DEFA-Film benannt, der als Highlight auch in der Berlinale-Retrospektive 2017 zu sehen war. • Dietmar Dath: Neptunation. Fischer Tor, 688 S., br., 16,99 €. • Dietmar Dath: Niegeschi...

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Karlheinz Kasper

Bienen brauchen keinen Krieg

Der Donbass, reich an Steinkohle-, Eisen- und Manganerzlagern, war das schwerindustrielle Zentrum des zaristischen Russlands, der Sowjetunion und der unabhängig gewordenen Ukraine. Seit der Ausrufung der Volksrepubliken Donezk und Lugansk im Frühjahr 2014 schwelt hier ein Krieg zwischen der ukrainischen Armee und den von Russland unterstützten Separatisten, der trotz aller Vereinbarungen unter den...

ndPlusKlaus Bellin

Von Eingriffen befreit

Die Idee hatte Emil Jannings. Der Schauspieler, auf der Suche nach einer spektakulären Rolle, dachte an den Berliner Droschkenkutscher Gustav Hartmann, der von seinem Pferdefuhrwerk nicht lassen wollte und aus Protest gegen die Motorisierung seines Berufszweigs 1928 nach Paris gefahren war. Die Aktion - bejubelt, wohin er mit seinem Gespann auch kam - war damals das Medienereignis des Jahres, und ...

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Harald Kretzschmar

Die Kino-Eule privat

Angesichts der Flut von Büchern und Artikeln über eine finstere DDR braucht es Publikationen wie die hier anzuzeigende. Sie bürstet frech gegen den Strich. Durfte man im »Gefängnis DDR« überhaupt lachen? Beantwortet wird das glaubwürdig in der Erinnerung an und mit Renate Holland-Moritz. • Reinhold Andert/Matthias Biskupek: Du mit Deiner frechen Schnauze. Renate Holland-Moritz – Anekdoten und...

ndPlusTom Beier

Jüdische Einsamkeit

Im Herbst des Lebens angekommen, macht sich Peter Neumaier daran, das Leben seines Großvaters zu rekonstruieren: Dr. Ernst Seidenberger, Rechtsanwalt, dessen Arbeit in diversen Schriftsätzen von der anwaltlichen Tätigkeit vor dem Ersten Weltkrieg bis hin zur Mitwirkung in Entschädigungsprozessen gut dokumentiert ist. Wichtige Zeugnisse sind zwei privat überlieferte Briefe des Großvaters an seine T...

ndPlusManfred Weißbecker

Von falschem Pathos und fragwürdigen Parolen

Konservatismus - ein uraltes und doch immer wieder neues Thema. Groß war und ist der Bedarf, seine Geschichte zu durchforsten, seine gegenwärtige Situation sowie seine Perspektiven zu ergründen. Ludwig Elm lieferte dazu als führender Konservatismusforscher der DDR tiefgründige kritische Analysen und klärende, weithin gebilligte Aussagen. • Ludwig Elm: Geschichte eines Historikers. Erinnerunge...

Seite 28
ndPlusPeter Nowak

Wenn Mensch den Menschen nicht mehr befiehlt

Noch immer setzen viele linken Autor*innen Anarchie mit Chaos und Gewalt gleich. Die Vorstellung von herrschaftsfreien Gesellschaften wird auch in großen Teilen der Sozialwissenschaft bestritten oder auf vormoderne Gesellschaften beschränkt. Für die Gegenwart jedenfalls wird diesen kein hoher politischer Stellenwert beigemessen. Die Kulturwissenschaftler Thomas Wagner und Rüdiger Haude haben berei...

Hermann Klenner

Vom Gebrauch und Missbrauch eines hohen Gutes

Wer auch immer über Menschenrechte zu publizieren gedenkt, läuft Gefahr, Illusionen zu erliegen. Oder, schlimmer noch, sie zu erwecken und wachzuhalten. Nicht so der in bewunderungswerter Permanenz publizierende Norman Paech, der sich in seiner neuesten Monografie ebendiesen Menschenrechten widmet. • Norman Paech: Menschenrechte. Geschichte und Gegenwart – Anspruch und Realität. PapyRossa, 2...

Seite 29
Peter Nowak

Der Fall Klausener

Noch immer werden die Ereignisse vom 30. Juni 1934 als Röhm-Putsch bezeichnet. Damit wird offizielle Terminologie der NS-Führung übernommen, die auf einer Lüge beruhte. Die SA hatte keinen Putsch geplant. • Bernhard Sauer: In Heydrichs Auftrag. Kurt Gildisch und der Mord an Erich Klausener während des »Röhm-Putsches«. Metropol, 154 S., br., 16 €. Bernhard Sauer rekonstruiert die Geschic...

Helmut Müller-Enbergs

Den Medien zum Fraß vorgeworfen

Der 45-jährige Heinz Engelhardt, jüngster General des MfS, Leiter der Bezirksverwaltung der Staatssicherheit in Frankfurt/ Oder, erhielt im Dezember 1989 den Auftrag, das Sicherheitsimperium von 90 000 Mitarbeitern zu einem Verfassungsschutz mit 10 000 Hauptamtlichen umzubauen. Am 28. Dezember 1989 bezog er eine Wohnung in der Hauptstadt der DDR. Zwei Wochen später wurde er mit der Auflösung der »...

ndPlusAndreas Herbst

Entführt oder freiwillig aus Überzeugung?

Es ist Dienstag, der 20. Juli 1954. Neben Bundeskanzler Konrad Adenauer, Bundespräsident Theodor Heuss und weiteren hochrangigen Vertretern der Bundesregierung sowie des Senats von West-Berlin nimmt auch Otto John, der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, an der Gedenkveranstaltung zu Ehren der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 teil. • Benjamin Carter Hett/ Michael Wala: Otto J...

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Henri Klein

Selbstbehauptung und Stolz

Lateinamerika ist der Kontinent, auf dem am häufigsten geputscht wurde. Zugleich ein Kontinent machtvoller sozialer Bewegung und Befreiungskämpfe. Uruguay, das kleinste spanischsprachige Land in Südamerika mit etwas mehr als drei Millionen Einwohnern, macht da keine Ausnahme. • Mauricio Rosencof/ Eleuterio Fernández Huidobro: Kerkerjahre. Als Geiseln der uruguayischen Militärdiktatur. A. d. ...

ndPlusJörg Roesler

Reformunfähigkeit verhindert Zukunftsfähigkeit

Seit 1989/90 hat sich in Ostdeutschland ein rascher - für viele davon betroffene Ostdeutsche bestürzend rascher - sozialer Wandel vollzogen. Er wird immer wieder auch als Transformation bezeichnet - von der (SED-)Diktatur zur Demokratie bundesdeutscher Bauart, von der Plan- zur Marktwirtschaft, von der Fremd- zur Selbstbestimmung der Individuen. Zum Thema sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten b...

Seite 31
ndPlusHelge Buttkereit

Er lebte den Internationalismus

An Büchern über Che Guevara mangelt es nicht. Meist steht die Legende im Vordergrund, die Legende des heroischen Revolutionsführers, der an der Seite Fidel Castros und anderer Guerilleros die Batista-Diktatur in Kuba besiegte und später versuchte, die Revolution unter anderem nach Bolivien zu tragen, wo er im Oktober 1967 ermordet wurde. Che Guevaras Tagebücher stehen in vielen Bücherschränken. Se...

ndPlusGünter Agde

Ein Jahrhundertpanorama

Das ist ein in jeder Hinsicht bemerkenswertes Buch: Eine Politikerin West und ein Liedermacher Ost, beide gestandene Persönlichkeiten und landesweit für ihre Professionalität anerkannt, nähern sich einem bedeutenden deutschen Filmkünstler, knapp 40 Jahre nach dessen Tod: Konrad Wolf. • Antje Vollmer/ Hans-Eckardt Wenzel: Konrad Wolf. Chronist im Jahrhundert der Extreme. Die Andere Bibliothek...

Heinz Niemann

Kein Kladderadatsch

Angesichts der weitgehenden bis völligen Abstinenz gegenüber theoretischer Bildungsarbeit in fast allen Parteien ist der Versuch von Tom Strohschneider mit der Herausgabe dreier bedeutender Arbeiten Eduard Bernsteins verständlich und begrüßenswert. Jungen und jüngeren Aktiven in der Linken könnte die Lektüre vielleicht einen Anstoß geben, sich überhaupt ernsthafter mit dem vielfältigen theoretisch...

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ndPlusJörg Roesler

Die Sehnsucht nach solidarischen Kollektiven

Klassenkampf, Sozialpartnerschaft und Betriebsgemeinschaft - das sind die zentralen Stichworte in diesem Band. Er fällt in zweierlei Hinsicht gegenüber Veröffentlichungen mit ähnlicher Thematik auf: Zum einen konzentriert sich dieser auf eine Region in Ostdeutschland, das sogenannte Mitteldeutschland, also auf Sachsen-Anhalt, Thüringen und vor allem Sachsen. Deren Wirtschafts- und Sozialgeschichte...

Stephan Fischer

Ein deutsches Verbrechen

Oradour-sur-Glane, Lidice, Distomo: Orte der Erinnerung an deutsche Verbrechen während des Zweiten Weltkrieges. Diese Verbrechen »waren das Ergebnis der von den Deutschen angewandten Taktik, den Widerstand mit allen Mitteln zu unterdrücken, ohne auf das Kriegsrecht bzw. auf internationales Recht und geltende Konventionen Rücksicht zu nehmen«, schreibt Piotr Gursztyn in seiner zum 75. Jahrestag des...

ndPlusGünter Wernicke

Der Albtraum der US-Militärs

Durchs Gebirge und tropische Regenwälder, über Hängebrücken aus Bambus und abgrundtiefe Schluchten, durch Furten und über Flüsse bewegten sich vor 60 Jahren Zehntausende vietnamesische Befreiungskämpfer mit Tonnen an Geräten und Nachschub insgeheim und getarnt vom Norden nach Süden. Der langjährige ehemalige DDR-Journalist und Korrespondent Hellmut Kapfenberger erinnert an die Geschichte des legen...

Seite 33
ndPlusFranziska Groß

Grenzenlos

»Wenn uns der König nicht ziehen lässt«, sprach Dädalus zu seinem Sohn Ikarus, »bauen wir uns Flügel wie die Vögel und fliegen in die Freiheit.« Mit diesem Hinweis auf die berühmteste Flucht in der Antike, die allerdings tragisch endete - Ikarus stürzt vor den Augen seines Vaters ins Meer und ertrinkt -, eröffnet Bodo Müller seine Sammlung spektakulärer Fluchtgeschichten des 20. Jahrhunderts. ...

Reiner Oschmann

Ein ansteckender Präsident

Angst, Lachen und Gähnen stecken an. Leider auch Krankheiten. Dann geht es darum, Ansteckungsquellen zu meiden. Letzteres ist oft leichter gesagt als getan, wie jeder weiß, der in der Grippezeit am liebsten auf überfüllte S-Bahnen verzichten würde, aber zur Arbeit muss. Donald Trump, einem anerkannten Ansteckungsherd, möchte man nicht begegnen. Und doch kann man ihm nicht ausweichen. In den Medien...

Karlen Vesper

Ein sanfter Freiheitskämpfer

Der Titel macht neugierig: Mohandas Karamchand Gandhi ein Anarchist? Seine Rede zur Einweihung der Hindu-Universität von Benares am 6. Februar 1916, in dem von Lou Marin herausgegebenen Band erstmals in deutscher Übersetzung veröffentlicht, ist titelgebend. • Lou Marin: Gandhi. »Ich selbst bin Anarchist, aber von einer anderen Art«. Graswurzelrevolution, 137 S., br., 13,90 €. Beim Festa...

Seite 34
ndPlusLeonhard Seidl

Trigger und Trauma

Kein Feuilleton, das derzeit nicht das Thema Identität durchwalzt. Da werden Zähne gefletscht, wird geheult, gewettert. Gegen Gendersternchen, linken Gesinnungsterror, von und gegen weiße alte Männer, für die Kunstfreiheit oder gegen den Marterpfahl, weil er kulturelle Aneignung bedeutet. Und es geht ein weiterer Riss durch die Linke, als wäre die Frontlinie zwischen Antiimps und Antideutschen nic...

ndPlusBenjamin Moldenhauer

Wie geht Verblödung?

Es war ein Trauerspiel: Frank Plasberg hatte Anfang Juni den AfDler Uwe Junge in seine Sendung »Hart aber fair« eingeladen, um mit ihm und ein paar weiteren Gästen, die jedoch nicht weiter auffielen, über rechte Gewalt zu sprechen; diskutieren möchte man es nicht nennen. Plasberg bot Junge ohne Not Steilvorlage um Steilvorlage (»Herr Junge, ich möchte Ihnen gerade helfen, hören Sie mal eine Sekund...

ndPlusReiner Oschmann

Sonderermittler im Irrgarten

Vielleicht ist das Buch zum Mueller-Report das einzige, das Donald Trump, dessen Aufmerksamkeitsspanne erklärtermaßen ein Blatt Papier nicht übersteigt, gelesen hat. Schließlich ist es im Untersuchungsbericht des sogenannten Russland-Sonderermittlers der Hauptdarsteller. Das müsste eigentlich nach dem Geschmack eines Selbstdarstellers wie Trump sein. Das wird ihn vielleicht darüber hinwegsehen las...

Seite 35
ndPlusKarlen Vesper

Ohne Dialog keine Demokratie

Man könnte meinen, wir sind heute dort angelangt, wo sich die DDR vor 30 Jahren befand: Sprachlosigkeit der Obrigkeit - und Empörung darüber »unten«. Für heute gibt es zudem festzustellen: »Die Gesellschaft zerfällt in Teilöffentlichkeiten, die nur innerhalb ihrer Filterblasen kommunizieren.« Das Autorenduo Stefanie Molthagen-Schnöring und Dietmar Molthagenen warnt: »Das gefährdet den gesellschaft...

ndPlusKarin Leukefeld

Hiroshima in Nahost

Als der irakische Reporter Mustafa Saadoun im Juni 2019 einen Bericht über die hohen Krebserkrankungen in der südirakischen Hafenstadt Basra veröffentlichte, war dies deutschen Medien keine Zeile wert. Basra ist die Ölmetropole Iraks und war in den Kriegen zwischen 1980 und 2003 Aufmarschort vieler Armeen. Bei den von den USA angeführten zwei Irakkriegen 1991 und 2003 wurden bis zu 2000 Tonnen abg...

Karlen Vesper

Drei Ausrufezeichen - zur Bewahrung von Frieden weltweit

Si vis pacem, para pacem! - Wer den Frieden will, muss sich für den Frieden einsetzen. Diese Überzeugung eint die Autoren des Bandes. «Wenn es um den Frieden geht, hat jeder das Recht mitzureden. Wir melden uns zu Wort, weil wir den Frieden bedroht sehen», erklären eingangs die Herausgeber Peter Brandt, Reiner Braun und Michael Müller (nicht zu verwechseln mit dem Regierenden Bürgermeister von Ber...

Seite 36
ndPlusSilvia Ottow

Zu heiß, zu laut, zu kalt, zu quiekig

Herr Schnarch hatte einen langen und anstrengenden Tag. Mit seinem Geigenkasten, einem kleinen Köfferchen, dem schwarzen Frack und der kreisrunden Brille auf der dicken Nase kommt er im Gute-Nacht-Hotel an und will nur noch eines: schlafen, schlafen, schlafen. »Je schneller, desto besser«, sagte er zum Portier. »Ich bin SEHR müde.« • Wade Bradford/Kevin Hawkes: Wer schnarcht im 13. Stock? Or...

ndPlusChrista Becker

Schatzsucherbande

Für Chelsea und Jordan beginnen die Sommerferien mit einem Schock. Ihre Mutter ist verschwunden. Angeblich für eine Woche in der Südsee. So hat sie es auf einen Zettel geschrieben, den das Zwillingspärchen auf dem Küchentisch findet. Na, toll! • Sonja Ruf: Mallows oder Katzengrütze. Fabulus, 161 S., br., 16 €. Im Gurkenschraubglas befinden sich gerade einmal 15,87 Euro. Die Speisekammer...