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Lockdown des Konsums

Berlin. Will man das Wirtschaftsleben 2020 in einem Foto darstellen, dann wäre es ein geschlossenes Geschäft oder Restaurant oder eine leere Fußgängerzone. Mit dem ersten Lockdown in Folge der Coronapandemie im März kamen weite Teile des Wirtschaftslebens zum Erliegen. Von März bis Juni brach die Wirtschaftsleistung deswegen hierzulande um rund ein Zehntel ein. Es war ein historischer Einbruch. Ga...

Simon Poelchau

Eine tiefe Krise

Geht man nur nach dem Bruttoinlandsprodukt und den Staatsschulden, dann war die Coronakrise gar nicht so schlimm - zumindest nicht so schlimm wie die Finanzkrise. Mit fünfProzent ging die Wirtschaftsleistung weniger stark zurück als vor einem Jahrzehnt. Und auch der Schuldenberg türmt sich weit weniger bedrohlich auf als zu den Zeiten, in denen die Banken wankten. So frohlockt Wirtschaftsminister ...

Stefan Otto

Schulen droht das Corona-Chaos

Das Verständnis für die Schulschließungen ist zwar groß. Aber wenn der Ausnahmezustand anhält, dann droht der Schulbetrieb aus den Fugen zu geraten. Die Folgen könnten gravierend sein.

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Hermannus Pfeiffer

Ein blaues Auge für die Wirtschaft

Das Corona-Minus fällt 2020 deutlich niedriger aus, als es lange von vielen Konjunkturforschern erwartet worden war. Der Ökonom Rudolf Hickel fordert nun einen Verzicht auf weitere Vorhersagen.

Simon Poelchau

Mehr Schulden oder höhere Steuern?

Während die Gewerkschaften nach der Finanzkrise noch eine Besteuerung hoher Vermögen forderte, hofft der DGB nun gemeinsam mit den Grünen auf den Aufschwung.

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Joseph Keady, Washington

Absichtliches Versagen?

Trotz Warnungen vor Gewalt hatten Sicherheitsbehörden die Schutzmaßnahmen nicht erhöht. Bundesweit wird gegen Polizisten ermittelt, die an der Erstürmung des Kapitols beteiligt waren.

Max Böhnel, New York

Trump angeklagt, Republikaner entzweit

Das Repräsentantenhaus hat am Mittwochnachmittag in Washington mehrheitlich für die Amtsenthebung von US-Präsident Donald Trump gestimmt. Aber eine Umsetzung verzögern die Republikaner lieber.

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Robert D. Meyer

Kein Fördergeld für Rechtsaußen

Gelingt der AfD im September der Wiedereinzug in den Bundestag, würde die parteinahe Desiderius-Erasmus-Stiftung künftig Millionen an staatlichen Fördermitteln erhalten. Eine Initiative will das mit einem neuen Gesetz verhindern.

Jana Frielinghaus

Rechter Anschlag bleibt unaufgeklärt

Vor mehr als 20 Jahren explodierte in Düsseldorf-Wehrhahn eine Rohrbombe und verletzte zwölf Einwanderer. Seit Donnerstag ist der Freispruch für einen tatverdächtigen Neonazi rechtskräftig.

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Markus Drescher

»Zu viele Ausnahmen«

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts hält die derzeitigen Anti-Corona-Maßnahmen für nicht ausreichend und fordert unter anderem von Unternehmen, mehr Homeoffice zu ermöglichen.

Marina Mai

Seehofer lenkt spät ein

Das Kirchenasyl war lange ein Streitpunkt zwischen den Kirchen und dem Staat. Nun hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Regeln entschärft.

Lisa Ecke

Kein würdevolles Leben im Alter

Rund jede fünfte Frau über 65 ist armutsgefährdet, über die Hälfte der Geringverdienenden verfügt über keine zusätzliche Altersvorsorge neben der gesetzlichen Rente.

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Maren Häußermann, Madrid

Madrid ist dem Schnee nicht gewachsen

Die Reaktion der Madrilenen auf den Wintereinbruch ist erfrischend, die der Verwaltung besorgniserregend. Auf jeden Fall hält er die Hauptstadt auch weiterhin in einer neuen Art von Ausnahmezustand.

Wolf H. Wagner, Florenz

Salvini reibt sich die Hände

Matteo Renzi hat mit dem Rückzug seiner Partei aus der Regierung ernst gemacht. Sollte sich im Parlament keine neue Mehrheit finden, drohen Neuwahlen.

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Peter Stäuber, London

Überwältigt von der Pandemie

In Irland sind in wenigen Wochen die Zahlen der Corona-Infektionen regelrecht explodiert. Verantwortlich sind die lockere Corona-Politik sowie die neue, ansteckendere Virus-Variante.

Cyrus Salimi-Asl

Israel impft, Palästina wartet

Vertreter der Palästinenser sehen die israelische Regierung in der Pflicht, als Besatzungsmacht beim Impfen gegen das Coronavirus zu helfen.

Jürgen Vogt, Buenos Aires

Maradona und die zweite Welle

Argentinien erlebt die zweite Coronawelle. Täglich werden bis zu 14.000 Neuinfektionen gemeldet. Die gut gefüllten Strände entlang der Atlantikküste bieten dem Virus gute Verbreitungsbedingungen.

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Aert van Riel

Niveaulimbo bei der CDU

Vor dem CDU-Parteitag ringen die Kandidaten für den Vorsitz mit fragwürdigen Kampagnen um Aufmerksamkeit. Der Außenpolitiker Norbert Röttgen drosch auf die FDP ein, weil die Partei einst ein mögliches Bündnis mit CDU und Grünen im Bund platzen ließ. Somit hat sich Röttgen als Mann für Schwarz-Grün in Stellung gebracht. Das passt, denn in dieser Koalition könnte er verstärkt seiner Russland-Obsessi...

Cyrus Salimi-Asl

Israel muss Palästina helfen

Die israelische Regierung sonnt sich im Licht einer hohen Impfrate. Rund 20 Prozent der Bevölkerung haben sich bereits den Impfstoff spritzen lassen. Das ist gut für die israelische Bevölkerung. Die Palästinenser in den besetzten Gebieten haben davon nichts.

Peter Steiniger

Für Europa reicht’s allemal

Sein Fach ist die Satire, und das auch noch auf Kosten Dritter und der Steuerzahler. Nun ist der EU-Abgeordnete Martin Sonneborn auf dem dünnen Eis des Metiers eingebrochen, hat ausgerechnet bei der Gesinnungsprüfung versagt. So eklatant, dass Nico Semsrott, ihr zweiter Vertreter in diesem Parlament, ernst macht und »Die Partei« verlässt. Anlass gab ein von Sonneborn verbreiteter Witz zur Überhebl...

Robert Stark, Helsinki

Ahnungsloser

Nach über 14 Stunden Sitzung des Vorstandes seiner Zentrumspartei kam es Mittwoch zum Unvermeidlichen: Ihr Vorsitzender Jüri Ratas reichte seinen Rücktritt als Estlands Ministerpräsident ein. Grund sind Korruptionsermittlungen der Generalstaatsanwalt gegen seine Zentrumspartei Eesti Keskerakond. Im Mittelpunkt des Skandals steht ihr Generalsekretär Mihhail Korb, der von einem Geschäftsmann eine Pa...

Olaf Bandt

Schluss mit dem Billigfleisch

Es gibt viele Gründe, für ein radikales Umsteuern in der Agrar- und Ernährungspolitik einzutreten. Ob Insektensterben, Glyphosateinsatz, unfaire Subventionen, Benachteiligung des ökologischen Landbaus, Lobby für Gentechnik: Das Agrarministerium hat kaum nachhaltige Initiativen vorgelegt.

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Rainer Rutz

Senat warnt vor massenhaften Insolvenzen

Wahlkampfarena Abgeordnetenhaus: Während Rot-Rot-Grün sich selbst lobt für die Wirtschaftspolitik in der Krise, poltert die Opposition, der Senat habe alles falsch gemacht.

Bildungsarmut ist die Mutter aller Probleme

Bernd Becking, ehemaliger Leiter der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, berät zukünftig die EU-Fachkommission. Seine Erfahrungen über Integration von Geflüchteten Bekämpfung von Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit sollen helfen.

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Eleonora Roldán Mendívil

Sozial, aber lieber ohne Betriebsrat

Eine Bildungsberaterin verklagt einen sozialen Träger, der sie beschäftigt hatte. Sie wirft dem Unternehmen vor, gewerkschaftliches Engagement zu verhindern.

Maximilian Breitensträter

Energisch gegen Judenhass

Die rot-rot-grüne Koalition hat den Kampf gegen Antisemitismus zur politischen Priorität gemacht - das findet europaweit Beachtung, so auch bei der Europäischen Kommission.

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Tomas Morgenstern

Förderung für Umbau von Privatwäldern

Vor dem Hintergrund der weltweiten Klimaveränderung verstärkt Brandenburg die Anstrengungen zur Stabilierung seiner Forstbestände durch Waldumbaumaßnahmen. Dem dient letztlich auch die umfassende Unterstützung forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse privater und kommunaler Waldbesitzer durch die Landesregierung mit Fördermitteln. Andererseits geht es dabei auch darum, deren wirtschaftliche Situatio...

Andreas Fritsche

Bagger verschonen Proschim

Der Konzern LEAG passt sein Konzept für das Lausitzer Braunkohlerevier dem geplanten Kohleausstieg an. Damit endet die Hängepartie für das Dorf Proschim, das nun doch nicht abgebaggert wird.

Andreas Fritsche

Der lange Weg bis zum Kündigungsschutz-Prozess

Mit der Coronakrise stieg die Zahl der Kündigungsschutzverfahren am Arbeitsgericht Potsdam. Ausgerechnet diesen Standort will Justizministerin Susanne Hoffmann (CDU) im Jahr 2023 schließen.

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Bahareh Ebrahimi

Demokratisiertes Lexikon oder öffentliche Toilette?

Wikipedia wird 20 Jahre alt. Ob das, was einst das Versprechen dieser digitalen Enzyklopädie war, nämlich frei, demokratisch und neutral zu sein, sich erfüllt hat, zeigt eine Dokumentation.

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Birthe Berghöfer

Alle gegen Merz

Unter #WirFrauenGegenMerz wird seit Tagen auf das Frauenbild, die politischen Fehltritte und obsoleten Wert- und Weltvorstellungen von Friedrich Merz aufmerksam gemacht. Er wird am kommenden Wochenende hoffentlich nicht zum CDU-Vorsitzenden gewählt.

Karsten Krampitz

Ab in die Insolvenz

Freie Künstler*innen und Autor*innen sind in der Künstlersozialkasse. Und wenn sie in der Pandemie keine Arbeit mehr haben, dann sind sie nicht versichert. So einfach ist das – ein Fallbeispiel aus Berlin.

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Affentheater um eine Bombe
Holger Politt

Affentheater um eine Bombe

Die ersten Züricher Jahre der Rosa Luxemburg geben der Forschung noch immer Rätsel auf. Ein Blick in die einschlägigen Biografien verrät, wie sehr es an festen Anhaltspunkten mangelt. Insofern ist das Interesse schnell geweckt, wenn nun im Russischen Staatsarchiv für sozialpolitische Geschichte (RGASPI) in Moskau zwei Briefe aufgetaucht sind, die bislang unbeachtet geblieben waren. Sie tragen die ...

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Haidy Damm

Fußabdrücke als Ersatz

Im Superwahljahr wäre das Agrarbündnis »Wir haben es satt« gerne wieder zur Grünen Woche mit Zentausenden auf der Straße gewesen. In Corona-Zeiten müssen deren Fußabdrücke reichen.

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Michael Wilkening, Kairo

Einspielen mit einer Tasse Tee

Selten war die Aufregung vor einer Weltmeisterschaft so groß wie in Ägypten. Jetzt soll der Sport die negative Corona-Stimmung vertreiben. Da kommt Uruguay den deutschen Handballern als Auftaktgegner gerade recht.