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Stephan Fischer

Naives Gedächtnis, Härte zum Vergessen

Stresstest Homeschooling: Redakteurinnen und Redakteure des »nd« berichten. Weitere Themen: Kinder des Frühlings – zehn Jahre ägyptische Revolution; NS-Aufarbeitung im Fußball – warum so spät?; Wald verstehen – Försterin vom Grunewald im Interview

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Johannes Simon

Ziemlich progressiv

Joe Biden beschwört die »Einheit«, doch bislang ist er nicht auf die Republikaner zugegangen. Seine ersten Ankündigungen, etwa zum Mindestlohn, weisen in eine ziemlich progressive Richtung, schreibt Johannes Simon.

Moritz Wichmann

Kommando Coronabekämpfung

Um die Pandemie einzudämmen, will der neue US-Präsident Joe Biden ein Gesetz aus dem Zweiten Weltkrieg anwenden. Damit kann er Firmen zwingen, medizinische Güter herzustellen.

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René Heilig und Hendrik Lasch

Ebbe über Land und eine verstummte Stadt

Dagebüll und Zittau werden nicht häufig in einem Atemzug genannt. Derzeit sind sie von Corona unterschiedlich hart getroffen. Über den Umgang mit der Pandemie an gegensätzlichen Orten.

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Kurt Stenger

Korrigierte Prognosen

Wegen des neuerlichen Lockdowns werden derzeit die Konjunkturprognosen für Deutschland weiter nach unten korrigiert. Und die Unwägbarkeiten nehmen zu. Doch wie könnte es in den nächsten Monaten weitergehen? Drei Szenarien sind denkbar.

Seite 6
Joachim F. Tornau

Stabile Netzwerke

Ein genauerer Blick auf die nordhessische Neonazi-Szene hätte zeigen können, wie sehr diese Szene durch eine besondere Bereitschaft zur Gewalt geprägt war. Und, dass der Anschlag auf den Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke keineswegs aus dem Off kam.

Johanna Treblin

Von wegen »abgekühlt«

Vor anderthalb Jahren wurde Walter Lübcke ermordet. In dem Gerichtsprozess fordert seine Familie als Nebenklägerin lebenslange Haft für die beiden Angeklagten. Doch einer der beiden könnte mit einer Strafe für illegalen Waffenbesitz davonkommen.

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Ute Weinmann

»Historischer Sieg«

Die georgische Präsidentin hat die Verurteilung Russlands durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte als »historischen Sieg«bezeichnet. Laut Gericht ist Russland für »unmenschliche« Handlungen gegen georgische Zivilisten im Nachgang des Krieges gegen Georgien 2008 verantwortlich.

Jana Frielinghaus

Ein langes Beschweigen

Die 1948 gegründete Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft half in den Anfangsjahren auch Kollegen, die stramme Nazis gewesen waren, an einen »Persilschein« zu kommen. Das zeigt eine von ihr in Auftrag gegebene Studie.

Seite 8
Nicolas Šustr

Radikal in Worten

Beim Eigenlob der Erfolge der Legislaturperiode nimmt die Berliner Grünen-Fraktion den Mund bei ihrem Klimaschutzkongress etwas voll. Manche drängende Frage wird auch in den Workshops nicht gestellt.

Seite 9
Marie Frank

»Es wäre noch Platz«

Angesichts der humanitären Katastrophe im Flüchtlingslager Lipa fordern Initiativen die Aufnahme Geflüchteter aus Bosnien. Der Präsident des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten hält die Unterbringung von 300 Schutzsuchenden in Berlin für machbar.

Seite 10
Andreas Fritsche

Rechtsextremist ohne Parteibuch

Rückzahlung seiner Mitgliedsbeiträge durch die AfD, wenn er nicht weiter gegen seinen Rauswurf klagt: So lautet am Freitag der Vergleichsvorschlag des Gerichts an Andreas Kalbitz. Er lehnte ab und verlor den Prozess.

Seite 12
Peter Steiniger

Klarer Favorit

Es wäre schon ein Ding, sollte Portugals bisheriger Staatschef, Marcelo Rebelo de Sousa, an diesem Sonntag nicht für eine zweite Amtszeit gewählt werden. Unter den sieben Kandidaten ist der Platzhalter - ein Konservativer mit Herz - klarer Favorit. Weniger berechenbar ist, wie sich eine niedrige Wahlbeteiligung im Ergebnis niederschlagen könnte. Fast die Hälfte der Portugiesen zeigt nach Umfragen ...

Stephan Kaufmann

Europa begrüßt Biden

Die globalen Konflikte der letzten Jahre zwischen der EU und den USA lagen nicht in der Person Trumps begründet, sondern in kapitalistischen Interessengegensätzen. Mit Trumps Abgang werden sie nicht verschwinden.

Robert D. Meyer

Niemals unpolitisch

Auch Journalist*innen unterstützen die Forderungen der Initiative »Zero Covid«. Prompt folgte die Kritik, Medienmachende dürften sich nicht politisch engagieren. Doch so einfach ist die Antwort nicht.

Leo Fischer

Hauptsache, es wird diskutiert

Diejenigen, die ohnehin in entwürdigenden Behördengängen rechtfertigen müssen, warum sie der Gesellschaft zur Last fallen, dürfen für die nächste Zeit das Essen einstellen, um medizinisches Material wie Masken auf Vorrat zu kaufen.

Seite 13
cod

Eidingers Pinsel

In einer an erbaulichen Ereignissen armen Zeit, ist es unerlässlich, Menschen zu haben, die in der Lage wären, hier Lücken zu schließen. Menschen, die Axolotls züchten, die wie Alexander Graham Bell das Telefon erfinden, weil sie ihrem Hund das Sprechen ermöglichen wollen. Schaut man sich in der hiesigen Kulturlandschaft um, fällt es schwer, noch grandiose Exzentriker*innen vom Rang eines Truman C...

Tilmann Ziegenhain

Wem gehört die Pizza?

Gibt es eine linke »Gedankenpolizei«, die überall nach Formen der »Mikroaggression« fahndet, statt den guten alten Universalismus zu verteidigen? Die Autorin Caroline Fourest rechnet mit der »Generation Beleidigt« ab.

Seite 14
Frank Jöricke

Der Schöne-Lieder-Macher

Er sang von der Leere und dem Eigenbrötlertum, aber auf eine musikalisch glänzende und souveräne Weise. Mit der kraftvollen Sehnsucht aus den Vorstädten - die Rockkritiker hassten Neil Diamond dafür.

Seite 15
Florian Schmid

Jenseits der Kommando-Brücke

Herziehen über Vorgesetzte und Sabotieren der Technik: Die neue Serie »Star Trek: Lower Decks« setzt sich satirisch mit Arbeit und Hierarchie im Universum auseinander.

Seite 16
»Ich kann kein Mathe!«

»Ich kann kein Mathe!«

Vom täglichen Wahnsinn, Heulorgien, Wutanfällen, dem selbstständigen Schüler und dem Milchreis, der immer geht: Sechs nd-Redakteure und Redakteurinnen erzählen, wie ihnen und ihren Kindern 
das Homeschooling gelingt.

Seite 19
Die Kinder der Revolution
Maria Melberg

Die Kinder der Revolution

Vor zehn Jahren begann die ägyptische Revolution. Seit wann sie vorbei ist – kommt darauf an, wen man in Ägypten fragt. Aus den Köpfen der jungen Generation ist sie bis heute nicht ganz verschwunden.

Seite 20
Sandra Ehegartner

Paris und das schöne Leben

Wer dieser Tage berufsbedingt oder aus triftigem Grund nach Paris reist, erlebt eine Stadt, die sich an einer Art Normalität versucht. Kaum glauben, dass Frankreich im europäischen Vergleich mit am heftigsten von der Corona-Pandemie gebeutelt sein soll.

Seite 21
Velten Schäfer

Briefköpfe für alle

»Der Status quo zur Problematik stellt heraus, dass Führungsstile als Basis für die Innovation gegeben sind« - die Dissertation der zurückgetretenen Wiener Arbeitsministerin im Licht volkswirtschaftlicher Denkschulen.

Seite 22
Fabian Kunow

Jenseits der »Gleichschaltung«

Kaum ein sozialer Bereich tat und tut sich so schwer mit der Bearbeitung seiner NS-Geschichte wie der Sport - und auch der Fußball. Wie sich in dessen Sonderöffentlichkeiten Legenden hielten und warum das Bild der »Gleichschaltung« analytisch zu kurz greift.

Seite 23
Thomas Gesterkamp

Makeln für die Wirtschaft

Bisher war die FDP-Schulministerin von Nordrhein-Westfalen nicht als besonders neoliberal aufgefallen. Jetzt aber will Yvonne Gebauer die Sozialwissenschaften von den Curricula verdrängen.

Quintin Copper

Eine Wiederaneignung

»Politische Korrektheit« war mal ein neckender Ausdruck unter Linken. Dann wurde »PC« von Rechts gekapert und ein Kampfbegriff gegen emanzipatorische Agenden. Was tun? Die Soziologin Nina Degele empfiehlt, sich den Ausdruck zurückzuholen.

Seite 24
Tomasz Konicz

Die Weltverbrennungsmaschine

Dass die Erderhitzung zu einem »ressourcenschonenden« Wirtschaften zwingt, ist heute ein Gemeinplatz. Allerdings glauben viele, das gehe im Rahmen eines ergrünten Kapitalismus. Wer aber dessen Gesetze kennt, muss dies als Trugschluss erkennen.

Seite 26

Kalkstein aus dem All

Ein 2019 bei Flensburg niedergegangener Meteorit enthält Karbonate, die zu den ältesten im Sonnensystem überhaupt zählen und zugleich einen Nachweis der frühesten Aktivität flüssigen Wassers auf einem Kleinplaneten darstellen. Das ergaben Messungen mit Hilfe einer hochauflösenden Ionensonde an der Universität Heidelberg. Die Untersuchung unter der Leitung von Mario Trieloff vom Institut für Geowis...

Sabrina Patsch

Teilchenbeschleuniger im Schuhkarton

Teilchenbeschleuniger sind oftmals kilometergroße Forschungsmaschinen. Und selbst die in Medizin und Technik verwendeten Geräte sind oft noch tonnenschwer. In manchen Fällen könne sie künftig schuhkartongroße Geräte ersetzt werden.

Seite 27
Iris Rapoport

Eine haarige Geschichte

Haareschneiden schmerzt nicht, denn Haare sind tot. Ihre Wurzeln nicht. Das spürt, wer an ihnen zieht. Alle Haarwurzeln sind eng von Nerven umsponnen. Jede besitzt eine eigene Talgdrüse und einen Muskel. Außerdem werden sie intensiv von feinen Blutgefäßen versorgt. Das ist auch sehr notwendig. Immerhin wächst so ein Haar bis zu einem halben Millimeter am Tag. Da Haare im Wesentlichen aus Proteinen...

Ingrid Wenzl

Das Ergrünen der Antarktis

Der Klimawandel verändert auch die Antarktis. Eisfreie Flächen bieten Lebensraum für Moose und Flechten, angestammte Tiere müssen weiter südlich, näher zum Pol ziehen. Für Arten unter dem Schelfeis ist das oftmals keine Option.

Seite 28
Frank Willmann

»Der DFB hat seine Basis verloren«

Peter Meyer ist seit über 13 Jahren Wirschaftsratsvorsitzender des BFC Dynamo. Der 53-Jährige hat den Klub zusammen mit vielen Mitstreitern entschuldet und das Image des Vereins positiv gestaltet. Seinen Verein trifft die Coronakrise, wie auch alle anderen Regionalligisten im Nordosten, hart.

Seite 29
Oliver Kern

Es wird spannend im Nordatlantik

Nach mehr als 75 Tagen ist die Segelregatta Vendée Globe so spannend wie nie. Mindestens acht Boote kämpfen kurz vor dem Ziel noch um den Sieg. Dank einer Zeitgutschrift darf auch ein Hamburger auf die große Sensation hoffen.

Michael Wilkening , New Capital

Lehrreiche Niederlagen

Auch gegen Europameister Spanien verlieren die deutschen Handballer. Wie bei der Niederlage gegen Ungarn können sie in wichtigen Momenten ihre Stärken nicht spielen. Selbst bei einem frühen Ausscheiden hofft der Verband zumindest auf einen Lerneffekt

Seite 30
Tom Mustroph

»Mich hat die Menge an Müll erschreckt«

Katja Kammer ist promovierte Forstwirtin. Seit letztem Jahr leitet sie das Forstamt im Berliner Grunewald, ist damit Herrin über etwa eine Million Bäume und hat in ihrem Areal auch ungefähr 1000 Wildschweine.

Seite 32
Christof Meueler

Ist Autofahren das neue Rauchen?

Das Tempolimit ist seit Langem ein Streitthema - und wird dies wohl noch lange bleiben. Nun fordert die EU-Komission für neue Autos einen »Geschwindigkeitsassistenten« - aber kann der was bringen? Fragen an einen Nicht-Autofahrer.

Seite 34

Lockdown-Revue und Sofa-Theater

Aus dem Vorwort von Sibylle Berg: Wie wichtig ist uns Kunst? O.k., gut, andere Frage, weil der Begriff zu schwammig ist. Wie wichtig ist das Stadttheater noch, heute, in der Zeit der Zeitknappheit, der Endrunde des wettbewerbsgetriebenen Kapitalismus, in dem sich die Menschen maschinengleich perfektionieren wollen, um zu überleben, im Kampf gegen Codeketten. Wie wichtig ist da also das Theate...

Seite 35

Wissen, wo die Pest wohnt

Letzter Flug Die alte, fleckige Hand mit dem gespaltenen Daumen schiebt eine pongéseidene Gardine zur Seite. Auf die schlaflose Nacht folgt das rote Leuchten der Morgendämmerung mit dem gloriosen Messingbecken. Das Hotelzimmer in Schneeweiß und Mattgold. In der Ferne der große, hinter einem dünnen Nebelschleier aufragende Eisenturm, der mit seinen Sprossen das Licht zerteilt. Unten die leuchte...

Seite 36

Chronik einer Okkupation

Prag, morgens am 15. März 1939 Wie tragen sich die großen Ereignisse zu? Überraschend und mit einem Schlag. Und sind sie erst geschehen, stellen wir fest, dass wir nicht überrascht sind. Man hat doch so eine Ahnung und ein Wissen um die Dinge, die kommen werden, nur wird es vom Verstand, dem Willen, dem Wunsch, der Angst, der Eile und der Arbeit übertönt. Sobald die Seele des Menschen eine Sek...

Seite 37

In der Abenddämmerung Europas

Krieg! Durch die Straßen der Niemandslande und der Niemandsmeere gejagt »Das jüdische Schicksal hat seine Klimax erreicht. Es geht kaum mehr weiter, kaum noch kann auf den Gipfel des Elends noch neues Elend getürmt werden«, mutmaßt der Aufbau am 1. April 1939 in einem Bericht über Bilder aus aktuellen Wochenschauen … … »Judenschiffe - Totenschiffe - sie fuhren schon einmal, als...

Seite 38

Kindheit hinter Stacheldraht

Das Sammellager in der Tabakfabrik war von einem hohen Drahtzaun umgeben, den Polizeischüler bewachten. Es waren Jungen um die achtzehn, die von alledem noch nichts begriffen. Sie hatten den Befehl erhalten, niemand dürfe den Zaun passieren, weder hinaus noch hinein, und so bewachten sie uns. Sonst hatten im Lager die Gendarmen das Sagen. Großvater hatte uns schon im Zug nach der Abreise aus Parka...

Seite 39

Eine Busfahrt mit Dame und Sarg

Von İstanbul nach Elazığ … Esenler Otogar. Wie hässlich der Busbahnhof war. Esenler Otogar. Doch sogar das gefiel ihm. Hier erst fing Anatolien an. Die zweite Etappe seiner Reise. Ahmet Arslan war noch benommen von der Zeit in İstanbul mit den alten Freunden, von übermütigen Tagen, die ihn mit der neuen Version dieses Landes versöhnt hatten. Zwei seiner ehemaligen Kampfgefährten waren Ges...

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»Die Kinder der Résistance« über Kinder im besetzten Frankreich

Alles, was ich an geschichtlichen Daten weiß, habe ich aus »Mosaik«, »Atze« und »Frösi«. Für die Leserinnen und Leser ohne DDR-Hintergrund: das waren monatliche Kinderzeitschriften, die eine Vielzahl historischer und literarischer Stoffe aufgriffen und in Bildgeschichten (Comics waren für engstirnige Parteibürokraten eher Schund & Schmutz) verarbeiteten. Manche Geschichten wurden legendär und ...

Babuschka im Samowar

Ende Juli verschlimmerte sich die Situation auf unserer Seite endgültig. Wir wurden zu einem richtigen Gebiet, einem Kriegsgebiet. Die ganze Welt hörte davon. Im Fernsehen wurde darüber berichtet, man redete im Radio darüber, im Bus, überall … Selbst Zaliko in Amerika hörte davon. Er rief mich an. »Robinzon, alo!« Ich erkannte ihn sofort. Wie könnte ich nicht sofort den Bruder erkennen, ...