Kultur

Hanau

Macht die Rassisten zu Fremden!

Die Morde von Hanau waren kein Angriff auf »uns alle«. In der schön klingenden Verallgemeinerung werden die Opfer zu anonymen Gegenständen, und das Motiv der Täter verschwimmt.

Von Tanju Tügel
Superbusen

»Den Osten verstehe ich«

Paula Irmschler, 1989 in Dresden geboren, zog 2010 nach Chemnitz, um dort zu studieren. Im Interview spricht sie über ihren Debütroman, Frauen als Anhängsel und die unfertige Stadt Chemnitz

"Pari"

»Ich wollte die Energie der Stadt zeigen«

Der iranisch-griechische Regisseur Siamak Etemadi spricht im nd-Interview über das Leben als Migrant und sein Langfilmdebüt »Pari«, welches auf der diesjährigen Berlinale in der Sektion »Panorama« gezeigt wird.

Von Bahareh Ebrahimi

Passiert heute was Aufregendes?

Vielleicht war ja das Slackertum der 90er Jahre auch der Versuch, nicht beherrscht zu werden, ohne dafür kämpfen zu müssen. Das gibt es inzwischen kaum noch, zumindest nicht im Pop, als Angebot. Dabei war das alles sehr richtig und bezaubernd im Rückblick: Schlaffheit, ...

Von Benjamin Moldenhauer

Der Film: »Pari«

Als die Iranerin Pari zum ersten Mal nach Europa reist, um ihren Sohn zu besuchen, steht dieser nicht wie vorgesehen in Athen am Flughafen, um sie von dort abzuholen. Sie macht sich auf eigene Faust in der für sie fremden Stadt auf die Suche nach ihm. Je länger sie sich...

Videospiele, Christentum, Wohlstand

Mit seinem Regiedebüt »Mid90s« (2018) schuf der Schauspieler Jonah Hill einen Klassiker. Das Coming-of-Age- Märchen um eine Gruppe pubertierender Skaterjungs im vordigitalen Los Angeles brach nicht nur durch seine Nostalgieoffensive allerlei Herzen. Im allseits vernetzt...

Von Maximilian Schäffer

Hanau, das nehme ich persönlich

Du sitzt in einer Shisha-Bar. Du bist 18, 19, 20, 21 Jahre alt, in einem Alter also, in dem dir vieles auf den Sack geht. Du chillst mit deinen Freundinnen und Freunden und machst deinem Ärger über dich und deinen Arbeitgeber und den Beamten beim Amt Luft. Ihr beschwert...

Von Mesut Bayraktar

Graue Boxen, gelbes Gras

Der Künstler Donald Judd wird immer wieder als Minimalist bezeichnet, eine Kategorisierung, die er für sich ablehnte. Für ihn war sein Werk der »einfache Ausdruck komplexen Denkens« und wegen der mannigfaltigen Beziehungen zwischen Material, Farbe und Raum alles andere...

Von Jürgen Schneider

Der erste Kreis der Hölle

Die Kantine eines geheimen sowjetischen Forschungsinstituts in Moskau in den 50er Jahren. Sie ist geradezu luxuriös ausgestattet. Man trinkt und isst hier so, als wäre man schon im Kommunismus oder im Westen. Ganze geheime Forschungsstädte gab es, am wichtigsten war woh...

Von Gunnar Decker

Ein gutes und anständiges Leben

Ein Filmkritiker muss sich während der Berlinale durch einen Wust mittelmäßiger Filme quälen. Umso glücklicher ist er dann über das seltene Erlebnis, einen zu sehen, der Relevanz hat. »Berlin Alexanderplatz« ist dieser Glücksfall. Die bisherigen Filme des 1980 in der we...

Von Frank Schirrmeister

Kaum Touchy-Feely-Momente

Die 17-jährige Autumn Callahan muss nach einem Test erfahren, dass sie schwanger ist. Es handelt sich um eine ungewollte Schwangerschaft. Sie geht nach Hause und sterilisiert mittels Feuer eine Nadel. Und sticht sich ein Nasenpiercing. Sie lebt im ländlichen Pennsylvani...

Von Bahareh Ebrahimi

Scherz, lass nicht nach!

Heiner Müller wollte lieber »Benzin zum Frühstück« trinken als ein netter Opportunist sein. Genau so macht Frank Castorf Theater: Bei ihm heult immerzu der Motor auf – zur Zeit in Köln, wo er das »Bürgerliche Heldenleben« inszeniert

Von Hans-Dieter Schütt

Weitersingen in Europa

Nach der Entschuldigung von Opernstar Plácido Domingo bei den zahlreiche Frauen, die ihm Übergriffe vorgeworfen hatten, halten Europas Opernhäuser weiterhin an ihm fest. Die Hamburger Staatsoper wolle sich informieren und sich »auch mit den anderen Institutionen in Euro...

Urlaubsgefühle im Zwischenraum

Vor der Kulisse von Kränen und uniformen, am Horizont aufragenden Wohnblocks haben sich Menschen gemütlich eingerichtet. Dort, wo die Großstadt in die Peripherie ausläuft, liegen sie auf Handtüchern im Baustellen-Sand, baden im Baggersee, grillen und sonnen sich. M...

Von Inga Dreyer

Im Vorraum

Die Kunstpraxis von Constanze Ruhm ist eine hochpolitische. Die vergangenen neun Jahre ihres Lebens hat die Künstlerin der Herstellung ihres Films »Gli appunti di Anna Azzori/Uno specchio che viaggia nel tempo« gewidmet, der mit nur wenig Geld aus der österreichischen F...

Eine Frau ohne Nachnamen

Der Dokumentarfilm »Anna« von Alberto Grifi und Massimo Sarchielli (Italien 1972) erzählt die Geschichte eines 16-jährigen drogenabhängigen, schwangeren Mädchens, das der Schauspieler Massimo Sarchielli auf der Piazza Navona in Rom kennenlernt und zu Hause aufnimmt. Nac...

Von Celestine Hassenfratz
Feminismus vor und auf der Leinwand ndPlus

»Wir haben keine Angst«

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Film über Alberto Grifis experimentellen Dokumentation »Anna« zu machen, einen fast 50 Jahre alten Videofilm? 2011 wurde ich im Rahmen der »Living Archives« nach Berlin eingeladen. Stefanie Schulte Strathaus, die Leiterin des »...

Von Celestine Hassenfratz

»... dem ist noch etwas hinzuzufügen«

Er verunsichert. Das fängt schon mit dem Namen an. Theodor Wiesengrund Adorno. Was soll dieser romantische Einschub? Ein Nachhall seiner ausgeprägten musikalischen Fantasie, der er seit dem Kompositionsstudium bei Alban Berg frönte? Nun, die Sache ist trivial - und wied...

Von Jens Grandt

Spektakulär

Als der Architekt des neuen Bauens Bruno Taut von den Nazis ins Exil gezwungen wurde, fand er seine neue Heimat als Professor in Istanbul, entwarf dort die neue Universität, baute Schulen und zuletzt den Katafalk des Staatsgründers Atatürk. Umgekehrt kam der kommunistis...

Von Helge Meves

Eine unerquickliche Querfront

Wer hat sich nicht schon über die Allianz zwischen einer sich als links und gar kommunistisch verstehenden Szene und der CDU gewundert, die devot zu Israel steht, jegliche Kritik an der rechten Netanjahu-Administration als antisemitisch gegeißelt und völlig asymmetrisch...

Von Matthias Reichelt
Jerry Kwarteng ndPlus

»Das hat nichts mit Mut zu tun«

»Zuschauer of Colour verliert man, da man sie nicht adäquat abbildet« - der Schauspieler Jerry Kwarteng über Stereotypen in Film und Fernsehen und seine Erfahrungen in Deutschlands TV-Branche.

Von Ina Hildebrandt
Harvey Weinstein

Sie sagte Nein

Harvey Weinstein wurde schuldig gesprochen. Es war das erste große Verfahren seit Bekanntwerden der Defizite im Umgang mit sexueller Gewalt, die die MeToo-Bewegung öffentlich machte. Mit dem Urteil ist der Fall aber noch lange nicht erledigt.

Von Reiner Oschmann

Geschlechtsteil herausnehmen und abspülen!

Pflegeroboter sind ja längst kein Zauberwerk mehr, man denke etwa an »Pepper«, das humanoide Helferlein, das angeblich Emotionen »lesen« kann. Oder an die niedliche Maschine in Robbengestalt, die in Altenheimen Zuwendung simulieren soll, für die das überlastete Personal...

Von Frank Schirrmeister

In Gesellschaft von Huskys

Von Bahareh Ebrahimi In einer Hütte, irgendwo im schneebedeckten Sibirien, trinkt Clint mit zwei russischen Frauen Wodka, die eine alt, die andere schwanger. Clint versteht sie nicht. Die Babuschka trinkt weiter, Clint küsst sie auf die Wange und geht mit der Schwa...

Von Bahareh Ebrahimi

Fabelhafte Wesen und federleichtes, flockiges Zeug

Gegen Ende des Films »Common birds« von Silvia Maglioni und Graeme Thomson (Frankreich/Griechenland 2019) sitzt eine junge Frau in sandfarbener Jacke auf einem Baumstamm, ringsherum fettes, sattes Grün. Es ist eine Vogelstimmen-Imitatorin: Sie gurrt und schnurrt und wis...

Von Günter Agde