Kultur

Ein Mord, der keiner war

Fiktion und Realität liegen bei der »Aufarbeitung« der DDR-Geschichte so dicht beieinander, dass sich nunmehr einer der ersten »DDR-Geschichtsaufarbeiter«, Ilko-Sascha Kowalczuk, veranlasst sah, eine »Aufarbeitung« der bisherigen »Aufarbeitung« und einen Generationswech...

Von Ulrich van der Heyden

Mit Herz für die leidenden Massen

Hans Werner Henze war ein untersetzter blonder Mann, von jungenhaftem bäuerlichem Aussehen, der es manchmal bis zu zehn Minuten fertig brachte, sich wie ein wohlerzogener kluger Bauernjunge zu benehmen, dann aber plötzlich einen musikalischen Einfall vor sich hinträller...

Von Maximilian Schäffer

Edle Einfalt, geschwätzige Größe

Bei der Vorstellung einer Geschichte empfiehlt es sich oft, mit dem Gegenstand der Erzählung, den Figuren und dem Handlungsverlauf zu beginnen. In Karen Köhlers Roman »Miroloi« steht allerdings die Erzählerinnenstimme als Mittel und Effekt derart im Vordergrund, dass zu...

Von Jasper Nicolaisen

Nachtgespenster der Ökonomie

Der Kapitalismus ist ein Körperfresser, der sich längst nicht mehr damit zufrieden gibt, dass er tagsüber unsere Arbeitskraft bekommt. Er greift auch nach den intimsten Bereichen unseres biologischen Systems. Das zeigt eine Ausstellung in Stuttgart.

Von Georg Leisten
NS-Zeit ndPlus

Die einfachsten Gebote

Von Sympathieträger bis Bösewicht - Ulrich Noethen spielt alles. Als Kapitän eines Kreuzfahrtdampfers, der 1939 Hunderten Juden das Leben gerettet hat, ist er im ARD-Film »Die Ungewollten« beides – und kommentiert damit die Gegenwart.

Von Jan Freitag

Achterbahn der Gefühle

Wir haben eine Offenbarung erlebt, lebendige Geschichtsstunden von unten, eine Pop-Odyssee, ein mitreißendes Fest und eine queere Revolution, die Grenzen gesprengt hat. Das alles fand statt im altehrwürdigen Haus der Berliner Festspiele, und der geniale Zeremonienmeiste...

Von Berthold Seliger

Leben, wie es sich gehört

Man sieht das Fließen der Geschichte nicht. Wie an Wahrheit herankommen, wo es schon schwierig ist, Wirklichkeit zu erfassen? 1989. Das Heulen der Reißwölfe haben wir gehört, die Tagebücher der wirklichen und falschen Helden sind veröffentlicht, Aufklärer und Verklärer ...

Von Hans-Dieter Schütt

Knirschen im Kopf

Lange nahmen Europäer nicht-westliche Kulturen nicht ernst, sodass die Betrachtung fremder Lebensarten stets auch ein Werturteil implizierte. Im Fall der spirituellen Trance sah das so aus: »Verdummung, Bewusstseinszerstörung, Abhängigkeit, neuerliche Versklavung der eh...

Von Anna Gyapjas

Die falsche Katharsis

Als Zuschauer erwartet man immer etwas, was sich ins Gedächtnis einbrennt, das einen in Bann schlägt und sich vom Mainstream-Einerlei unterscheidet, das man schon vergessen hat, wenn man wieder draußen vorm Kino steht. Beim Filmdrama »After the Wedding« ist es nicht die...

Von Gunnar Decker
Frankfurter Buchmesse 2019

Einsamkeit und Mannschaftsport

Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse stellte sich heraus: Das Schreiben ist ein Mannschaftssport; das Geld ist die erfolgreichste Sprache der Welt. Und die Heimat ist die ganze Welt.

Von Christof Meueler

Scheuklappen ablegen

Es ist eine unserer erfolgreichsten Ausstellungen, über 20 000 Besucher in einem Monat«, begrüßte der Direktor des Museums der bildenden Künste Leipzig, Alfred Weidinger, die Tagungsteilnehmer. Die beiden Kuratoren Paul Kaiser und Christoph Tannert führten durch die gra...

Von Peter Arlt
Peter Handke

Poetische Befeuerung

Dass der weltweit renommierteste Literaturpreis dieses Jahr an einen weißen männlichen Europäer geht, der das »Poetische« mit einem weißen, christlichen Europa verbindet, ist in der Geschichte des Literaturnobelpreises nichts Neues.

Von Adem Ferizaj

Queens Speech

Ich glaub, ich bin im falschen Film. Schreiben wir das Jahr 2019, oder 1558? Was für ein Mummenschanz in Westminister am Montag dieser Woche. Elisabeth II. verlas die Regierungserklärung von Boris Johnson. Während dieser wie ein Schulbub aufgeregt auf seiner Bank hin- u...

Von Karlen Vesper
Frankfurter Verlag

Bergüber bergunter

Wie gründet man im Winter 1969 einen neuen linken Verlag in Frankfurt? Als erstes stellt man im Wohnzimmer einer Altbauwohnung die Stühle hoch. Damit genug Platz ist für die erste vollständige Versammlung. Der Frankfurter Verlag der Autoren ist 50 geworden.

Von Christof Meueler
Ossis TAGEBUCH ndPlus

»Helmut, kauf uns auf«

Zum 40. Geburtstag der DDR gibt es Volksfeste in allen Städten und Gemeinden der DDR. In Feierlaune sind die Bürger allerdings längst nicht mehr.

Vergessenheit

Es ist gut, dass es einen Raif-Badawi-Preis gibt. Dadurch wird wenigstens einmal im Jahr, während der Frankfurter Buchmesse, an den mutigen saudi-arabischen Blogger erinnert, der 2012 verhaftet und wegen Apostasie, »Beleidigung des Islam«, zu zehn Jahren Haft und tausen...

Von Karlen Vesper
Max Annas

Am Ende alles gut?

In seinem Roman verhandelt Max Annas den rassistischen Mord an dem Vertragsarbeiter Antonio Manuel Diogo, der in DDR vertuscht worden war. Der Schriftsteller im Gespräch über NSU-Terror und DDR-Krimis.

Von Eric Breitinger

Schlüsselfigur

Im geordneten Nachlass fanden sich sechs Seiten, die er mit »Daten aus meinem Leben« überschrieben hatte. Auch den Text für die Anzeige in der Zeitung hat er präzise vorgegeben. Selbstbestimmung bis zum Ende, der Zufall war verabschiedet. Seinen 88. Geburtstag im April ...

Von Frank Schumann

Sehr geehrter Herr Fritsch,

am Montag habe ich die Vorstellung ihres Theaterstücks »Amphitryon« (Molière) nach ungefähr zehn Minuten verlassen. Ich habe mich daraufhin gefragt, wieso ich das eigentlich gemacht habe, und ein bisschen ein schlechtes Gewissen hatte ich auch deswegen. Dann habe ich na...

Von Maximilian Schäffer

Es gibt kein Leben im Fallschirm

Erst vor dem Hintergrund des Wissens, wie entscheidend der frühkindliche Abschnitt für die Entwicklung jeder Persönlichkeit ist, erhält dieser Film seine Tragweite. Ungemein persönlich erscheint er, gleichwohl exemplarisch. Maryam Zaree - Regisseurin, Autorin, Protagoni...

Von Felix Bartels
Thees Uhlmann ndPlus

Das Uhlmann’sche Universum

Damals, in der Zeit, als man in Popsongs seine Anliegen in höchstens dreieinhalb Minuten vorbringen sollte, haben wir uns zunächst über »Like a Rolling Stone« und später dann über »Bohemian Rhapsody« doch sehr gewundert. Und jetzt kommt Thees Uhlmann mit seiner dritten ...

Von Thomas Lau
Raubkunst

Kennen, um zu fordern

Am Mittwoch tagte die Kulturministerkonferenz von Bund und Ländern zum Umgang mit Sammlungen aus kolonialen Kontexten. Heute veröffentlichten Experten einen Appell: Die Inventare der Museen sollen öffentlich gemacht werden.

Von Ulrike Wagener

Aus der Papierwerkstatt

Wenn die Frankfurter Buchmesse zu Ende ist, hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine neue Chefin. In der 194-jährigen Geschichte des Vereins ist Karin Schmidt-Friderichs erst die zweite Frau an der Spitze. Sie wurde im Juni in Berlin gewählt, mit 500 von 943 ...

Von Christof Meueler
»Ich war noch niemals in New York«

Hüpfen und Trällern

Radikales Erbauungskino für die deutschbürgerliche Mittelschicht: Das Filmmusical »Ich war noch niemals in New York«.

Von Nicolai Hagedorn