Kultur

Gedenken in Coronazeiten

Jeder sollte das sehen, aber keiner ist da

Oświęcim bietet dieser Tage ein tristes Bild. Eigentlich würden sich trotz der klirrenden Kälte die Touristen in der Gedenkstätte von Auschwitz drängen. Doch am Jahrestag der Befreiung gibt es dort erstmals keine Besucher - wegen Corona.

Von Ingrid Heinisch

Liebhaber marokkanischer Fliesen

Lothars bester Freund ist Bosco, ein struppiger Köter, mit dem der Endvierziger spricht, spielt und knuddelt. Menschen gegenüber geizt Lothar Kellermann (Jens Harzer) dagegen mit Worten. Zwar kann er den Kunden in seinem Geschäft fachkundig von den marokkanischen Zement...

Von Kira Taszman

Weggegangen, aber nicht angekommen

»Ich mochte Yadvir, als er noch diesen Stoff um seinen Kopf getragen hatte. Er zeigte allen, dass er anders war. Ich war wie er auch anders, kam wie er auch aus einem anderen Land, aber ich hatte keinen Mut, keinen Turban, ich hatte Angst, es jemandem zu zeigen. Einfach...

Von Norma Schneider
Arik Brauer

Alles, was Flügel hat, fliegt

Er war ein glücklicher Mensch: Der Musiker und Künstler Arik Brauer war Zeit seines Lebens ein Unangepasster. So fand er auch zum fantastischen Realismus. Nun ist er gestorben.

Von Berthold Seliger
Reichtum

Money? Money!

Die Deutschen sind komisch: Sie hören Lieder über Geld, aber selbst drüber sprechen wollen sie nie. Wäre aber besser, sie täten es, findet unsere Kolumnistin. Nötig wäre es allemal.

Von Ayesha Khan
Lauren Wolfe

»Ich habe Gänsehaut«

Darf sich ein Journalist oder eine Journalistin darüber freuen, dass ein die Medien hassender, die Demokratie verachtender krimineller Präsident abgewählt wurde und ein neuer ins Amt berufen wurde? Bei der »New York Times« offensichtlich nicht.

Von Johanna Treblin

Überleben in der Scheinwirklichkeit

Leben in Computerspielen, nur, dass diese ganz real sind. Matt Ruff entwirft mit »88 Namen« ein kleines Kompendium der digitalen Online-Spielwelt in Prosaform, verknüpft mit einem überkandidelten Thriller-Plot.

Von Florian Schmid

Die Würde des Menschen

Unglaublich lang ist die Liste seiner Veröffentlichungen: weit über 60 Romane und Erzählungssammlungen. Beginnend mit dem Band »Beinahe das Himmelreich« (1961) bis zu »Querschüsse. Gedanken und Memoiren eines Ketzers« (2019) hat er in manchen Jahren mehrere Bücher gesch...

Von Irmtraud Gutschke
Max-Ophüls-Filmfestival

Aus der Perspektive der Opfer

Klimawandel in Afrika, Flüchtlingsgeschichte aus einer schwarzen Perspektive und ein spektakulärer Blick auf ein außer Rand und Band geratenes Racket namens Polizei: Die 42. Ausgabe des Filmfestivals Max-Ophüls-Preis fand digital statt.

Von Nicolai Hagedorn
Larry King

Er bekam sie alle

Vom fiesen Politiker bis zum Pornosternchen, sie alle waren bei Larry King zu Gast. Der plauderte harmlos mit ihnen, auch das Publikum durfte mitreden. Nun ist der berühmte Interviewer mit der wechselhaften Lebensgeschichte gestorben.

Von Maximilian Schäffer

Der letzte Kommunist

1961 wurde, nach dem Mauerbau, in der BRD ein Boykott gegen die Stücke Bertolt Brechts organisiert. Einer, der sich mit seiner Schrift »Kreuzzug gegen Brecht« dagegen wandte, war André Müller sen. - Gründer und Vorsitzender des Arbeitskreises Bertolt Brecht. Obwohl Brec...

Von Jakob Hayner

Willkommen in der Literatenhölle

In der »Literatenhölle« bekommen alle Schriftsteller*innen ihre ganz persönliche Strafe aufgebrummt: Hemingway darf nur noch Sätze mit höchstens fünf Wörtern sagen, James Joyce schreibt Anmerkungen zu seinen Anmerkungen und Dostojewski betreibt eine »Idealfigurenschmied...

Von Norma Schneider
Literatur

Die Exzesse der Eltern

Politisch und feministisch: Elsa Koesters Generationenroman »Couscous mit Zimt« führt von der Kolonialgeschichte Tunesiens über den Pariser Mai 1968 zu den Studentenprotesten Nuit Debout von 2016.

Von Enno Stahl

Die Wirklichkeit hinter dem Augenlid

Ausgestorbene Architekturkulissen und die Entvölkerung der Straßen: Eine Ausstellung der Hamburger Kunsthalle erkennt in Giorgio de Chiricos Halbschlafbildern den Propheten unserer pandemischen Gegenwart.

Von Georg Leisten
Kultur und Corona

Live ins Nichts

Zwischen abgesagten Konzerten und der nächsten Mietzahlung: Wie der Münchner Bluesmusiker Rusty Stone ohne Publikum und Einnahmequellen durch den Corona-Lockdown kommt.

Von Rudolf Stumberger

Lockdown-Revue und Sofa-Theater

Aus dem Vorwort von Sibylle Berg: Wie wichtig ist uns Kunst? O.k., gut, andere Frage, weil der Begriff zu schwammig ist. Wie wichtig ist das Stadttheater noch, heute, in der Zeit der Zeitknappheit, der Endrunde des wettbewerbsgetriebenen Kapitalismus, in dem sich d...

Chronik einer Okkupation

Prag, morgens am 15. März 1939 Wie tragen sich die großen Ereignisse zu? Überraschend und mit einem Schlag. Und sind sie erst geschehen, stellen wir fest, dass wir nicht überrascht sind. Man hat doch so eine Ahnung und ein Wissen um die Dinge, die kommen werden, nur...

In der Abenddämmerung Europas

Krieg! Durch die Straßen der Niemandslande und der Niemandsmeere gejagt »Das jüdische Schicksal hat seine Klimax erreicht. Es geht kaum mehr weiter, kaum noch kann auf den Gipfel des Elends noch neues Elend getürmt werden«, mutmaßt der Aufbau am 1. April 1939 ...

Kindheit hinter Stacheldraht

Das Sammellager in der Tabakfabrik war von einem hohen Drahtzaun umgeben, den Polizeischüler bewachten. Es waren Jungen um die achtzehn, die von alledem noch nichts begriffen. Sie hatten den Befehl erhalten, niemand dürfe den Zaun passieren, weder hinaus noch hinein, un...

Eine Busfahrt mit Dame und Sarg

Von İstanbul nach Elazığ … Esenler Otogar. Wie hässlich der Busbahnhof war. Esenler Otogar. Doch sogar das gefiel ihm. Hier erst fing Anatolien an. Die zweite Etappe seiner Reise. Ahmet Arslan war noch benommen von der Zeit in İstanbul mit den alten Freunden, v...

Babuschka im Samowar

Ende Juli verschlimmerte sich die Situation auf unserer Seite endgültig. Wir wurden zu einem richtigen Gebiet, einem Kriegsgebiet. Die ganze Welt hörte davon. Im Fernsehen wurde darüber berichtet, man redete im Radio darüber, im Bus, überall … Selbst Zaliko in Amerika h...

»Die Kinder der Résistance« über Kinder im besetzten Frankreich

Alles, was ich an geschichtlichen Daten weiß, habe ich aus »Mosaik«, »Atze« und »Frösi«. Für die Leserinnen und Leser ohne DDR-Hintergrund: das waren monatliche Kinderzeitschriften, die eine Vielzahl historischer und literarischer Stoffe aufgriffen und in Bildgeschichte...

Neil Diamond

Der Schöne-Lieder-Macher

Er sang von der Leere und dem Eigenbrötlertum, aber auf eine musikalisch glänzende und souveräne Weise. Mit der kraftvollen Sehnsucht aus den Vorstädten - die Rockkritiker hassten Neil Diamond dafür.

Von Frank Jöricke
»Generation Beleidigt«

Wem gehört die Pizza?

Gibt es eine linke »Gedankenpolizei«, die überall nach Formen der »Mikroaggression« fahndet, statt den guten alten Universalismus zu verteidigen? Die Autorin Caroline Fourest rechnet mit der »Generation Beleidigt« ab.

Von Tilmann Ziegenhain

Eidingers Pinsel

In einer an erbaulichen Ereignissen armen Zeit, ist es unerlässlich, Menschen zu haben, die in der Lage wären, hier Lücken zu schließen. Menschen, die Axolotls züchten, die wie Alexander Graham Bell das Telefon erfinden, weil sie ihrem Hund das Sprechen ermöglichen woll...

Von cod