Kultur

Das Zeitalter der Panzas

Der Ritter von der traurigen Gestalt ist das Urbild der Farce, in der die Tragödie ihren schicksalshaften Schrecken verliert. Die Abenteuer des Don Quijote und seines Gefährten Sancho Panza zeigen die untergegangene Welt des Feudaladels, alle Topoi des Ritteromans und d...

Von Jakob Hayner

Ein letzter Rotwein

In seinem Buch »Die Botschaft des Hotelzimmers an den Gast« (2004, Hanser) hat Günter Kunert unter anderem vier Sätze geschrieben, die er mir so ähnlich einmal bei einem Treffen in seinem Haus in Kaisborstel gesagt hat: »Die Schriftsteller haben ihre Funktion als morali...

Von Jörg Hafkemeyer
»Walking through walls«

Multimediales Mauererfahren

Die Berliner Ausstellung »Durch Mauern gehen« beschränkt sich weder darauf, die friedliche Revolution vor 30 Jahren zu kommentieren, noch darauf, momentbezogene Historizität zu bieten. Der Besucher bekommt einen multimedialen Erfahrungsraum »Mauer«.

Von Christopher Suss
Wolf-Dieter Narr

Niemand soll herrschen

Auf Demonstrationen und Kundgebungen linker Bewegungen und Gruppen konnte man ihn stets zuverlässig finden, auch auf der alljährlich in Berlin stattfindenden »revolutionären 1.-Mai-Demonstration«: den Berliner Politikwissenschaftler und emeritierten Professor Wolf-Diete...

Peter Handke ndPlus

Erst die Interessen, dann die Moral

Kaum ist Peter Handke zum Literaturnobelpreisträger gekürt, bricht erneut ein Shitstorm bürgerlicher Medien über ihn herein. Nur, weil der österreichische Schriftsteller dereinst - Manns genug und mutig wie kaum ein anderer Literat - den NATO-Krieg gegen Jugoslawien verurteilt hatte, die Bombardierung Belgrads ein Kriegsverbrechen nannte.

Von Hans-Dieter Schütt
Rassistische Rhetorik

Journalismus als Menschenjagd

»Welt«-Journalisten liefern nicht nur rassistische Rhetorik. Sie wollen unliebsame Nicht-Deutsche auch aus dem Land schaffen. Nervige Ausländer, aufsässige Frauen zumal, sollen die Klappe halten. Tim Wolff über das Treiben einiger Springer-Journalisten.

Von Tim Wolff
Horst Teltschik

Der Sonderbeauftragte

Eine Begegnung der besonderen Art: Horst Teltschik, Kohls Vertrauter und Sonderbeauftragter in den Verhandlungen zur deutschen Einheit, begründete in einer »nd«-Veranstaltung, warum gute Beziehungen zu Russland für Deutschland und Europa eminent wichtig sind.

Von Karlen Vesper

Mag jeder selber denken!

An einer Frage entscheidet sich in der Tat die Zukunft der Menschheit: Gelingt es uns noch, die globale Umwelt- und Klimakatastrophe zu verhindern? Dass der Kapitalismus die Probleme der Gegenwart lösen kann, ist mehr als zweifelhaft, in seiner gegenwärtigen neoliberale...

Von Thomas Möbius
Frankfurter Buchmesse ndPlus

So mutig wie mühsam

Norwegen, Gastland der der Frankfurter Buchmesse, die am Dienstagabend öffnet, hat nicht nur Henrik Ibsen und Jo Nesbø zu bieten. Das Land der Fjorde tat sich allerdings mit Literatur lange Zeit schwer.

Von Eckart Roloff

Pack deine Sachen!

Wohnen Sie noch zentral oder sind Sie schon ausgezogen - ins Umland, weit draußen? Früher zog man aus der Provinz in die Großstadt, weil man die Provinz nicht mehr ausgehalten hat. Jetzt zieht man wieder zurück, weil man sich die Mieten in der Stadt nicht mehr leisten k...

Buchmesse Frankfurt/Main

Sozialismus im Weltraum

An den Science-Fiction-Film »Eolomea« von 1972 mit Cox Habbema in der Hauptrolle dürften sich vor allem ältere Semester erinnern. In Dietmar Daths neuem Roman »Neptunation« ist ein Raumschiff nach dem legendären DEFA-Film benannt, der als Highlight auch in der Berlinale...

Von Florian Schmid
Buchmesse Frankfurt/Main ndPlus

In die Weite gehen

»Ab heute seid ihr Mädchen einer anderen, einer reineren Welt.« Was die Lehrerin womöglich als sonnige Verheißung verstand, für Khandan fühlte es sich wie ein Hauch von Kälte an. Ihre Freundin Fantana meinte, »dass jeder Mann, der sich dieser Frau genähert habe, auf der...

Von Irmtraud Gutschke
Buchmesse Frankfurt/Main

Bienen brauchen keinen Krieg

Der Donbass, reich an Steinkohle-, Eisen- und Manganerzlagern, war das schwerindustrielle Zentrum des zaristischen Russlands, der Sowjetunion und der unabhängig gewordenen Ukraine. Seit der Ausrufung der Volksrepubliken Donezk und Lugansk im Frühjahr 2014 schwelt hier e...

Von Karlheinz Kasper
Buchmesse Frankfurt/Main ndPlus

Von Eingriffen befreit

Die Idee hatte Emil Jannings. Der Schauspieler, auf der Suche nach einer spektakulären Rolle, dachte an den Berliner Droschkenkutscher Gustav Hartmann, der von seinem Pferdefuhrwerk nicht lassen wollte und aus Protest gegen die Motorisierung seines Berufszweigs 1928 nac...

Von Klaus Bellin
Buchmesse Frankfurt/Main ndPlus

Jüdische Einsamkeit

Im Herbst des Lebens angekommen, macht sich Peter Neumaier daran, das Leben seines Großvaters zu rekonstruieren: Dr. Ernst Seidenberger, Rechtsanwalt, dessen Arbeit in diversen Schriftsätzen von der anwaltlichen Tätigkeit vor dem Ersten Weltkrieg bis hin zur Mitwirkung ...

Von Tom Beier
Buchmesse Frankfurt/Main

Die Kino-Eule privat

Angesichts der Flut von Büchern und Artikeln über eine finstere DDR braucht es Publikationen wie die hier anzuzeigende. Sie bürstet frech gegen den Strich. Durfte man im »Gefängnis DDR« überhaupt lachen? Beantwortet wird das glaubwürdig in der Erinnerung an und mit Rena...

Von Harald Kretzschmar
Buchmesse Frankfurt/Main ndPlus

Von falschem Pathos und fragwürdigen Parolen

Konservatismus - ein uraltes und doch immer wieder neues Thema. Groß war und ist der Bedarf, seine Geschichte zu durchforsten, seine gegenwärtige Situation sowie seine Perspektiven zu ergründen. Ludwig Elm lieferte dazu als führender Konservatismusforscher der DDR tiefg...

Von Manfred Weißbecker
Buchmesse Frankfurt/Main ndPlus

Wenn Mensch den Menschen nicht mehr befiehlt

Noch immer setzen viele linken Autor*innen Anarchie mit Chaos und Gewalt gleich. Die Vorstellung von herrschaftsfreien Gesellschaften wird auch in großen Teilen der Sozialwissenschaft bestritten oder auf vormoderne Gesellschaften beschränkt. Für die Gegenwart jedenfalls...

Von Peter Nowak
Buchmesse Frankfurt/Main

Vom Gebrauch und Missbrauch eines hohen Gutes

Wer auch immer über Menschenrechte zu publizieren gedenkt, läuft Gefahr, Illusionen zu erliegen. Oder, schlimmer noch, sie zu erwecken und wachzuhalten. Nicht so der in bewunderungswerter Permanenz publizierende Norman Paech, der sich in seiner neuesten Monografie ebend...

Von Hermann Klenner
Buchmesse Frankfurt/Main ndPlus

Entführt oder freiwillig aus Überzeugung?

Es ist Dienstag, der 20. Juli 1954. Neben Bundeskanzler Konrad Adenauer, Bundespräsident Theodor Heuss und weiteren hochrangigen Vertretern der Bundesregierung sowie des Senats von West-Berlin nimmt auch Otto John, der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, an...

Von Andreas Herbst
Buchmesse Frankfurt/Main

Der Fall Klausener

Noch immer werden die Ereignisse vom 30. Juni 1934 als Röhm-Putsch bezeichnet. Damit wird offizielle Terminologie der NS-Führung übernommen, die auf einer Lüge beruhte. Die SA hatte keinen Putsch geplant. • Bernhard Sauer: In Heydrichs Auftrag. Kurt Gildisch und de...

Von Peter Nowak
Buchmesse Frankfurt/Main

Den Medien zum Fraß vorgeworfen

Der 45-jährige Heinz Engelhardt, jüngster General des MfS, Leiter der Bezirksverwaltung der Staatssicherheit in Frankfurt/ Oder, erhielt im Dezember 1989 den Auftrag, das Sicherheitsimperium von 90 000 Mitarbeitern zu einem Verfassungsschutz mit 10 000 Hauptamtlichen um...

Von Helmut Müller-Enbergs
Buchmesse Frankfurt/Main ndPlus

Reformunfähigkeit verhindert Zukunftsfähigkeit

Seit 1989/90 hat sich in Ostdeutschland ein rascher - für viele davon betroffene Ostdeutsche bestürzend rascher - sozialer Wandel vollzogen. Er wird immer wieder auch als Transformation bezeichnet - von der (SED-)Diktatur zur Demokratie bundesdeutscher Bauart, von der P...

Von Jörg Roesler
Buchmesse Frankfurt/Main

Selbstbehauptung und Stolz

Lateinamerika ist der Kontinent, auf dem am häufigsten geputscht wurde. Zugleich ein Kontinent machtvoller sozialer Bewegung und Befreiungskämpfe. Uruguay, das kleinste spanischsprachige Land in Südamerika mit etwas mehr als drei Millionen Einwohnern, macht da keine Aus...

Von Henri Klein
Buchmesse Frankfurt/Main ndPlus

Er lebte den Internationalismus

An Büchern über Che Guevara mangelt es nicht. Meist steht die Legende im Vordergrund, die Legende des heroischen Revolutionsführers, der an der Seite Fidel Castros und anderer Guerilleros die Batista-Diktatur in Kuba besiegte und später versuchte, die Revolution unter a...

Von Helge Buttkereit